Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen
haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im März 2010 ein neues Zuhause gefunden haben
| Zwei Jahre, nachdem Kisho gemeinsam mit seinem Bruder das erste Mal in die
Vermittlung gekommen war, streckte er die Nase erneut ins Nordlicht hinein –
diesmal allerdings nicht für einen längeren Aufenthalt. Daran, dass Tierschutz überhaupt noch einmal nötig war, war der 2007 geborene Rüde nicht gänzlich unschuldig, das mit dem „Nein“-Sagen bei sich bietender (Ausrück-)Gelegenheit und einem Kumpel an der Seite fällt ihm scheinbar ziemlich schwer. Daher ließ Ärger nicht lange auf sich warten, nachdem sein Frauchen einen Partner mit Hund kennengelernt hatte, ausreichend gegenzusteuern gelang den für ihn Mitverantwortlichen in der Mehrgenerationen-Familie nicht. Mitgenommen hat Kisho aus diesen Monaten sehr viel Positives, hat eine geradezu erstaunliche Wandlung durchgemacht weg vom grünschnäbligen, ahnungslosen Junghund hin zu einem für sein Alter überraschend ausgeglichenen, gut erzogenen und souveränen Rüden. Jenseits des Jagdtriebes (den kaum ein Nordischer nicht hat) also ein Sahnestückchen, was auch den Besuchern der Webseite nicht verborgen blieb, kaum online gegangen hatte Kisho bereits eine sehr gut klingende Anfrage aus der Schweiz. Diesen Eindruck bestätigten die nachfolgenden Gespräche, das waren Halter, die sich der möglichen Dynamik unter Hunden bei der Mehrhundehaltung durchaus bewusst waren, schließlich lebten in ihrem Haushalt bereits drei Huskydamen. Auch diese mit dem rassetypischen Jagdtrieb, so dass diese Problematik für die Interessenten keine war, einem im Huskypelz kann man kaum vorwerfen, dass er sich auch wie einer verhält. Etwas mehr Zeit brauchte es, um über die trennenden rund tausend Kilometer das Organisatorische abzuwickeln, das mit einer Hundevermittlung einhergeht, einmal mehr war die Hilfe der engagierten Schweizer Vereinsmitglieder gefragt. Mitte März war es dann soweit, Kisho sollte seine Interessenten und deren Mädels persönlich kennenlernen. Manchmal wüsste man noch lieber als ohnehin schon, was in so Hundeköpfen vor sich geht, denn obwohl die Mädels zunächst im Auto blieben, begrüßte Kisho die ihm eigentlich noch Fremden mit einem wahren Freudentanz, ganz so als kenne er sie schon ewig und habe nur auf ein Wiedersehen gewartet. So locker und unkompliziert ging es später mit den Mädels weiter, alle drei sehr soziale Hundedamen, die sich jede für sich auch ein wenig ins Zeug legten um bei dem Hundemann Eindruck zu machen. Die lange Fahrt ins neue Heim trat Kisho (schon auf Schwizzer „umgestylt“ mit mitgebrachten Halsband und Geschirr) auf dem Rücksitz an, neben sich das neue Frauchen, hinter sich die drei Mädels und vorne hinterm Steuer das zugehörige Herrchen. Da die Familie in relativ „luftiger Höhe“ zu Hause ist, ging man es langsam mit der Rückkehr und legte noch einen längeren Zwischenstopp ein, für den Fall, dass sich Flachländer Kisho akklimatisieren müsse. Der zeigte aber keinerlei Probleme mit den Höhenmetern und fühlte sich auch im häuslichen Umfeld gleich von Anfang an „wie daheim“, ein „Sahnestückchen“ eben, über das die neuen Besitzer voll des Lobes sind. Und auch Neu-Schweizer Kisho kann nur das Beste berichten (lassen): „Am Mittwochnachmittag habe ich mit Stolz mein neues Halsband mit Schweizerkreuzen angezogen und ganz leise gesagt: Goodbye Deutschland. Wir sind erst kurz vor Mitternacht bei meinem zweiten Zuhause eingetroffen und hundemüde habe ich mich bei meinen drei Mädels (Shakira, Zafira und Aisha) eingekuschelt und toll geschlafen. Am Donnerstag haben wir zusammen Spaziergänge unternommen und ich habe Zeit gehabt um mich von meiner langen Reise zu erholen und meine neue Familie kennenzulernen. Am Freitag ging es dann endlich richtig nach Hause, ins Oberengadin nach La Punt Chamues-ch. Wau, war da viel Schnee auf dem Julierpass. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, aber ganz geheuer war es mir auch nicht. Aber meine 3 Mädels helfen mir und geben mir sehr viel Sicherheit. Mein neues Zuhause habe ich genauestens geprüft und beschnuppert. Ergebnis: Ich find es Super, vor allem der Balkon hat es mir angetan. Ein kurzer Blick und ich bin über das Quartiergeschehen informiert ohne dass ich irgendwie in Stress komme.
Val Trupchun auf ca. 2000 m Auf dem Bild sieht man, mir ist Hundewohl. Ich bin da, wo ein Schlittenhund hingehört, in die Berge, Schnee und Kälte.
Ungefähr 20 m neben uns steht eine Hirschkuh am Waldrand und das erstaunlichste war, weder die 3 Mädels noch ich (als gebranntmarkter Husky) haben etwas gerochen noch gesehen.
Unterwegs auf der Engadiner Marathon-Langlaufloipe von Bever nach La Punt (links Kisho ganz rechts unten Kisho links
Ich bin ganz stolz auf mich und erst meine neue Familie! Alle haben mich mit meiner ruhigen überlegten Art ins Herz geschlossen. Die drei Mädels Shakira, Zafira und Aisha teilen alles mit mir und niemand merkt, dass ich erst seit Mittwoch hier bin. Manchmal haben wir alle das Gefühl, ich sei in der Nothilfe nur in den Ferien gewesen und am Mittwoch wieder nach Hause gekommen.
Herzlichen Dank für alles und wir werden Euch mit neuen Berichten weiter informieren. Euer Kisho
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| Als man Amai im November vergangenen Jahres in die Station übernahm, wünschte
man ihr zunächst eine ganz, ganz schnelle Vermittlung, da sie durch einige
unglückliche Ereignisse, die dem Einzug vorangegangen waren, recht aus der Bahn
geworfen schien. Dabei könnte die Abgabe an sich das kleinere Übel gewesen sein, da Amai bislang nur an Draußenhaltung innerhalb eines Rudelverbands gewöhnt war. Weit mehr schien sie daran zu knabbern, dass sie wenige Tage vor ihrer Aufnahme im Schwarzwald bei einer Auseinandersetzung innerhalb des Rudels ernsthaft verletzt worden war, ablesbar an deutlichen Zeichen von Unsicherheit und Ablehnung alleine schon beim Sichtkontakt mit Artgenossen. Bedauerte man anfänglich noch, dass sich mit Vorstellung von Amai auf der
Webseite nicht gleich Interessenten fanden, entdeckte man mit zunehmender Dauer
ihres Aufenthalts im Schwarzwald darin sogar Vorteile, da man so sehr kontrolliert
an Amais Verunsicherung arbeiten konnte. Nach kaum zwei Monaten hatte sich die
junge Hündin bereits soweit gefangen und stabilisiert, dass man ihr einen
Gehegekumpel zutrauen konnte. Bei der Vergesellschaftung der beiden nach einem gemeinsamen Spaziergang kam es nur zu kleinen Reibereien, hauptsächlich dadurch verursacht, dass der Hundemann ein wenig zu viel Gefallen an Amai fand und diese sich rasch gezwungen sah, ihm „den Kopf wieder etwas zu Recht zu rücken“. Danach war man sich dann einig und lebte einträchtig miteinander, bis an einem Donnerstag im März neben der bekannten Betreuerin auch Fremde am Spaziergang der beiden teilnahmen. Amai und Roy erschloss sich natürlich nicht, dass das Ehepaar nicht rein zufällig mit ihnen das Gelände rings um die Station erkundete, sondern gerade dabei war, ersten Kontakt zum potentiellen neuen „Hausgenossen“ herzustellen. Das Interesse galt Amai, die es mit ihrer fröhlichen Unbeschwertheit auch im Handumdrehen schaffte, den berühmten „Fuß in die Tür“ zu bekommen. Schwer hatte sie es dabei nicht, denn die beiden sind langjährige Hundebesitzer, die ihren letzten Gefährten nach längerer Erkrankung viel zu früh verloren hatten und nach einer Zeit des Trauerns und Verarbeitens nun bereit waren für eine „neue Liebe“. Die sollte einfach nur passen, aus dem Tierschutz stammen und da bereits die beiden letzten Vierbeiner einen guten Teil Nordischen Blutes in sich gehabt hatten, möglichst ebenfalls Nordische Wesenszüge haben, denn die hatte man lieben und schätzen gelernt. Im Internet hatte man die Webseite der Nothilfe entdeckt und dort gleich zwei potentielle Schätzchen gefunden, neben Amai war auch die jüngere Ayuna ins Auge gefallen. Damit, dass beide in Punkto „Lebenserfahrung“ nicht eben viel aufweisen
konnten, hatte man keine Schwierigkeiten, da nicht nur Hundeerfahrung mitgebracht
wurde, sondern auch reichlich Erfahrung im Umgang mit Missgeschicken und kleineren
Katastrophen, erworben im einst kinderreichen Haushalt. So ging man mit der
Sicherheit, dass es wohl nichts an „Grünschnäbligkeit“ geben könnte, was nicht
hinzubekommen sei, auf Amai zu. Die Wege im Schwarzwald waren reichlich vereist an jenem Tag und der Gang somit gleich obere Schwierigkeitsstufe, Amai ist zwar nicht die Größte, hat aber durchaus Kraft und setzt diese auch ein. Das potentielle Herrchen, das im Alltag mehrheitlich für das Halten auf Spaziergängen zuständig ist, kam damit gut zu Recht und da an Amai alles mindestens so sonnig war wie im Vorstellungstext beschrieben, kam recht rasch von Seiten des potentiellen Frauchens die Feststellung, dass sie doch eigentlich die Richtige sei. Gleichzeitig stieß sie die allgemeine Überlegung an, ob es sinnvoll sei, sich die Entscheidung dadurch zu erschweren, dass man auch mit Ayuna noch eine Runde laufe. Den Ausschlag, es dann tatsächlich bei der Runde mit Amai und Roy zu belassen, gab schließlich die Tatsache, dass für die jüngere noch eine andere Anfrage vorlag und am Rande vielleicht auch ein wenig die Autovernarrtheit von Amai. Denn die beiden sind viel mit dem Wohnmobil unterwegs, mit dem sie auch angereist waren, so dass es schon von Vorteil ist, wenn der potentielle Mitbewohner mitfahrtauglich ist.
Ihr in traumhafter Wohnlage mit ganz viel Natur drum rum liegendes neues Zuhause hat Amai mit großem Interesse erkundet, eins der ersten Verdauungsendprodukte landete allerdings nicht im hauseigenen Garten sondern in Form eines Malheurchens im heimischen Wohnzimmer. Bei diesem einen Fauxpas ist es jedoch geblieben und als man einige Tage später miteinander telefonierte, ging Amai bereits vollkommen entspannt mit dem neuen Dasein als Haus- und Familienhund um, das Telefonat verschlief sie selig auf ihrem bereits akzeptierten Schlafplatz. Von ihrem Tierschutzaufenthalt erinnerte Amai wohl nur das Beste, in den ersten Tagen beobachteten ihre neuen Menschen amüsiert, dass Amai täglich zur abendlichen Stationsfütterungszeit von Fenster zu Fenster lief und Ausschau hielt nach Personal und Futterschüssel – Hunde verknüpfen mitunter spielend leicht und nicht immer nur das, was von Menschenhand bewusst gesteuert wird. Amai und ihren neuen Besitzern wünschen wir eine lange und glückliche gemeinsame Zeit und hoffen insgeheim, dass gelegentlich das eine oder andere Urlaubstrip-Foto mit ein paar Zeilen für die lange-schon-glücklich-Seite eintrudelt.
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Einmal mehr war es der überraschende und viel zu frühe Verlust des langjährigen vierbeinigen Lebensgefährten Taigo, der eine Familie dazu brachte, sich für die aktuellen Vermittlungshunde der Nothilfe zu interessieren. Nicht um Taigo zu ersetzen, der schon durch seine Lebensgeschichte und das daraus geprägte Verhalten einzig war, sondern um die im Alltag entstandenen Lücken zu mindern – wer geht schon ohne Hund bei Wind und Wetter vor die Tür? Dass die Wahl auf Elias fiel zeigt, dass nicht unbedingt Schönheit erstes Auswahlkriterium ist, denn auf den Fotos präsentierte sich der junge Rüde im allerschönsten Schmuddellook, im Text war gar noch von zugehörigem „Odeurchen“ die Rede. Der Winter versuchte zwar noch, den angedachten Umzug von Elias quasi „last
Minute“ zu verhindern und machte sich über Nacht noch einmal richtig breit im
Süden, doch ohne Erfolg, ganz planmäßig trat der mittels Trockenshampoo und Bürste
so gut als möglich fein gemachte Elias die Reise an. Die Fahrt allerdings zog sich des Wetters wegen ganz schön und so hatte Elias, dem in der Station das Frühstück verweigert worden war um nicht unterwegs eine „Bescherung“ zu verursachen, im neuen Zuhause angekommen erstmal eins: Hunger. Darauf war das neue Frauchen bestens vorbereitet, auch darauf, dass der Rüde noch ein wenig aufgefüttert werden müsse. Sie hatte also leicht verträgliche Kost, aber davon reichlich, parat, was von Elias gleich honoriert wurde, das schönste Kompliment an die Köchin ist ja immer, wenn Nachschlag verlangt wird – und Elias schaffte spielend drei Portionen … In sein Nordisch sehr erfahrenes Zuhause hat sich Elias im Handumdrehen eingewöhnt und genießt die ihm zuteil werdende Fürsorge und Liebe sehr – Schmuddelkind ist er wahrlich keines mehr wie man auch auf den Fotos sieht, sondern heißt nun „Mr. Elias“ und trägt einen blütenreinen weißen Anzug. Mit diesem darf er nun auch auf dem Sofa Platz nehmen, was er vor allem dann liebt, wenn sich jemand mit Streichelhänden zu ihm gesellt. An diesen herrscht im neuen Zuhause kein Mangel, denn neben seinen beiden Menschen hat er noch weitere dazu bekommen, die sich Enkel nennen und mit denen es, wie Elias zwischenzeitlich festgestellt hat, besonders lustig ist, weil die den Schalk ebenso im Nacken sitzen haben wie er.
Für Elias freuen wir uns sehr und wünschen ihm und seiner Familie, dass ihr jetziges Glück noch viele lange Jahre ungetrübt bestehen bleibe.
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| Jack hat es endlich geschafft, einmal der Erste und Einzige zu sein, denn genau
diese wichtige Schlüsselposition besetzt der bis dahin „Ewig Letzte“ im Leben
seines neuen Frauchens und deren Lebensgefährte. Wir waren ja net Mäuschen, als Jack irgendwann im Jahr 2006 in Brandenburg geboren wurde, aber wir könnten uns gut vorstellen, dass er da schon der letzte seines Wurfes war, der das Licht der Welt erblickte. Es würde zumindest gut zur weiteren Fortsetzung der Geschichte von Jack passen, der in diesem Rudel, in das er hineingeboren wurde, die Rolle desjenigen hatte, der bei Spannungen oder Frustrationen von den Gefährten gern eins „übergebraten“ bekam. Gründe für Spannungen gab es eine Menge in der Hundegruppe, deren allesamt unkastrierte Mitglieder auf engstem Raum und isoliert von der Umwelt ihr Dasein fristeten, das Gelände verließen sie nie und hohe Mauern sorgten dafür, dass sie von der Außenwelt ebenso wenig wahrnahmen wie sie von ihr nicht wahr genommen wurden. Mit der Zeit allerdings blieb die wachsende Hundeanzahl nicht länger verborgen,
erste Anwohner machten den Tierschutz darauf aufmerksam, ein zähes Ringen zwischen
dem damaligen Halter und dem Veterinäramt sowie Tierschützern begann. Gern wäre
man von Seiten des Tierschutzes da „hinein gefahren wie der Blitz“, eine
Möglichkeit, die in einem Rechtsstaat wenn es um Tiere geht nur in den
aller-allerschlimmsten Fällen vorgesehen ist und das war natürlich (wieder einmal)
keiner. Die Tierschützer von aktion tier –menschen für tiere e.V. nutzten daher
alle anderen Möglichkeiten bis hin zum Einschalten der Medien. Im November 2008 schließlich gab der Halter unter dem wachsenden Druck freiwillig sechs der Hunde raus, einer von ihnen Jack, ein örtliches Tierheim nahm sich der Obdachlosen an. Die Mitarbeiter dort kümmerten sich um die nötige ärztliche Erstversorgung der sechs, die von Parasiten ebenso geplagt wurden wie von entzündeten Verletzungen. In den Tagen dort – es war recht rasch klar, dass fünf der Hunde in die Obhut der Nothilfe gelangen würden – bemühten sich die Tierschützer auch sehr, die psychisch stark angeschlagenen Hunde aufzufangen, ihnen mit Spaziergängen und Zuwendung Abwechslung zu verschaffen. Der einzige, der nicht in den Genuss von Spaziergängen kam, war Jack, denn der zeigte sich derart scheu und ängstlich, dass daran nicht zu denken war. Schon alleine das Anleinen ließ ihn erstarren, er war nicht bereit, so auch nur einen Schritt zu tun. Mit dem Umzug ins Nordlicht bot sich das gleiche Bild der Gruppe, die zwei älteren und sehr offenen Rüden John und Shorty bei allem immer ganz vorne in der ersten Reihe, dahinter dann Jim und Jay und noch eins weiter hinten dran Jack. Und so blieb es irgendwie auch weiterhin: egal was man mit den Hunden erarbeitete, der letzte, der immer so weit war, war Jack.
Jack aber wartete weiter im Nordlicht, längst ging er wie alle anderen spazieren als hätte er es nie anders gekannt und hatte auch auf allen anderen Gebieten enorme Fortschritte gemacht. Zeit genug dafür war allemal gewesen, denn zwischenzeitlich war ein ganzes Jahr vergangen und noch immer hatte er – trotz zahlreicher Textupdates mit seinen sicht- und belegbaren Entwicklungsschritten – keinen Interessenten für sich erwärmen können. Vor Ort allerdings hatte er bereits einige Herzen für sich gewonnen, nicht nur das Stationspersonal hatte er längst um alle Pfoten gewickelt. Extra wegen ihm rückten an den Wochenenden Tanja und Tore an, die aus beruflichen Gründen derzeit leider keinen Hund halten können (sonst hätten sie Jack sofort genommen) und die jedes Mal zu richtig langen und spannenden Ausflüge mit ihm aufbrachen, bei denen er viele neue Dinge kennenlernte. Bewegung kam erst in die Vermittlung, als nach diesem Jahr Jack die traurige
Ehre zuteil wurde, sich auch bei den
Pechfellen
vorstellen zu dürfen. Diesmal schien man beim Erzählen der Geschichte des von
seinem Rudel übrig gebliebenen Jacks die rechten Worte gefunden zu haben, denn auf
einmal waren sie da, die ersehnten Anfragen für Jack. Gleich die erste Mail hörte sich nach „Volltreffer“ an, ein huskyerfahrenes, vor einiger Zeit leider verwaistes Frauchen, mit dem man einige Wochen vorher schon Kontakt hatte als Hündin Yuka zur Vermittlung stand. Zwischen einer Yuka und einem Jack liegen Welten, die hätten aber auch zwischen der verstorbenen Hündin Alisha und Yuka gelegen, denn während erstere es ihrer Besitzerin anfänglich nicht einfach gemacht hatte, war Yuka einfach nur unkompliziert gewesen, allerdings ein Hund, der eher Mehrlings- denn Einzelhund-Eigenschaften hatte. Mit dem erneuten ausführlichen Bericht über Jack hatte man sich neuerlich von einem Vermittlungskandidaten angesprochen gefühlt und in den Gesprächen zeigte sich schnell, dass da das „richtige Feeling“ für einen zögerlichen Kameraden wie Jack vorhanden und eigentlich keine Erwartungen an ihn gestellt waren. Denn trotz aller Fortschritte war Jack von einem Draufgänger oder im Handumdrehen für sich zu gewinnenden Hund weit entfernt, das liegt auch gar nicht in der Natur des eher vorsichtigen Rüden, der unverkennbar aber auch eine sehr neckische Seite an sich hat und dem der Schalk in vertrauter Umgebung mitunter förmlich im Nacken saß.
Dass es erfahrungsgemäß immer einige Zeit dauert, bis man sich als Berufstätiger einige freie Tage zur Eingewöhnung eines Hundes organisiert bringt, war in diesem Fall allen Beteiligten sogar Recht, bot es doch die Gelegenheit für weitere Besuche bei Jack. Zu diesen kam, wann immer es auch zeitlich möglich war, der Lebensgefährte mit, der sich nicht minder in das Projekt „Jack“ mit einbrachte. Jack freute sich bald riesig, wenn er seiner Besucherin oder seiner Besucher angesichts wurde, auch wenn er vermutlich nicht verstand, was an Veränderungen sich da in seinem Leben anbahnte. Am letzten Montag im Februar war es schließlich soweit, Jack zog als letzter
seines kleinen Rudels aus dem Tierschutz aus. Die Heimfahrt ins neue Heim
überstand Jack recht gut, dafür dass er das Autofahren an sich nur wenig gewohnt
ist. Sein neues Frauchen hatte ihm extra eine Box besorgt, da dieser begrenzte
Raum solchen Hunden meist Sicherheit vermittelt und nach einiger Zeit des
aufgeregten Hin- und Hers, die wohl in der Erkenntnis, dass gerade „nix geht“
mündete, rollte sich Jack darin gemütlich zusammen und verschlief die restliche
Fahrt. Sein neues Zuhause hat er gründlich inspiziert, das nötige Zutrauen gaben ihm die bereits bekannten Personen an seiner Seite, zu denen er durch die Besuche schon recht viel Bezug gefunden hatte. Jack startete also überraschend vielversprechend ins neue Abenteuer „Haus- und Familienhund“, dennoch hätte man an diesem ersten Tag wohl kaum erwartet, dass die weitere Entwicklung des Rüden durchweg positiv sein würde – bei unvermutet rasantem wenn nicht gar raketengleichem Tempo.
Ja, Jack brauchte in der Tat nur Stunden, um das Wort „Selbstbewusstsein“ für sich zu entdecken und dieses mit jedem Erlebnis, jedem Tag weiter auszubauen, viel schneller als gedacht war die Rute bei Spaziergängen oben. Begegnungen mit Artgenossen meistert er souverän und freundlich, steigt sogar bereitwillig auf Spielaufforderungen des eben noch fremden Hundes ein. Und auch innerhalb der häuslichen vier Wände läuft alles viel besser als
erwartet, wie bei manch anderem auch, stand das Sofa und dessen Gemütlichkeit
recht weit vorn in der Liste der Dinge, die Jack für sich erschloss und auch
eroberte, er gehört jetzt nämlich zu jenen, die „dürfen“. Frauchen und Herrchen
darf natürlich auch, gerne sogar, denn was gibt es schöneres, als sich weich
gebettet den Pelz bekraulen zu lassen? Auch das Futter schmeckte vom ersten Tag an, irgendwelche Bedenken zwecks der neuen Umgebung scheinen bei Jack nicht aufgekommen zu sein, vielleicht auch, weil er schon so einige Leckerchen bei den Besuchen im Nordlicht „abgestaubt“ hatte. Trotz Umzugs ebenfalls weiterhin positiv verknüpft der Anblick des Geschirrs und man staune, Jack setzt sich da im Flur dann freiwillig auf seine vier Buchstaben und lässt sich in aller Ruhe anziehen. Absolut erstaunlich ist allerdings, dass das vermeintliche Problemgebiet, nämlich das Alleinebleiben, sich als keins erwiesen hat – wobei Jack in der Beziehung eh zu den „Privilegierten“ gehört, da Frauchen und Herrchen ihre im Schichtdienst zu leistenden Arbeitszeiten nicht menschen- sondern hundefreundlich legen. Während sich also an manchen Tagen die Zweibeiner fast „die Klinke in die Hand geben“, weil der eine geht und der andere kommt, freut sich Jack, der in seinem Vorleben ja nie alleine in dem Sinne war, da stets Hundekumpel um ihn rum waren, über eine fast Rundrum-Betreuung. Die er seiner Meinung nach aber in dem Maß gar nicht nötig hätte, denn „Jack allein zu Hause“ sei ja schließlich nichts Besonderes – manchmal kommt man wirklich aus dem Staunen über die ehemaligen Schützlinge gar nicht mehr heraus.
Für Jack, sein Frauchen und das zugehörige Herrchen freuen wir uns riesig, dass es so prima klappt und alle mit ihrer Entscheidung rundrum zufrieden sind. Was die Zweibeiner in Worten ausdrücken, schafft Jack ohne und wälzt sich „alle Viere hoch“ im Glück…
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Es gibt einfachere Dinge als in einem (noch) fremden Land mit einer (noch)
genauso unbekannten Sprache seinen langjährigen Weggefährten zu vermitteln, zumal
man die Trennung von selbigem bis vor kurzem noch für absolut ausgeschossen hielt.![]() Dennoch galt es den Tatsachen ins Auge zu sehen und die waren eben, dass die Arbeit nun nicht mehr genügend Raum ließ um dem mittlerweile sechsjährigen Alaskan Malamute Farton gerecht zu werden. Da dieser eine Zeit lang, bis manches besser organisiert war, seinen Unmut über den damaligen Zustand lauthals kundgetan hatte, kamen seine damaligen Besitzer am neuen Wohnort trotz Sprachbarriere schnell in Kontakt mit Menschen, die konkrete Hilfe leisten konnten. Sowohl der örtliche Tierschutzverein wie auch das zuständige Veterinäramt begannen mit der Platzsuche und da Farton ein ziemliches „Sahnestückchen“ für Malamuten Liebhaber war, schien es ziemlich wahrscheinlich, dass ein oder zwei Interessenten reichen würden, um Farton eine neue Lebensstellung zu verschaffen. Der erste Interessentenbesuch kam über den örtlichen Tierschutz zustande, die
Besucher waren mehr als angetan vom Wesen des ausgeglichenen Rüden, der allerdings
doch ein wenig größer war als im Vorfeld eigentlich geplant. Sie erbaten sich
Bedenkzeit für die Entscheidung und vereinbarten einen Besuch bei der Nothilfe. In
der Station verbrachte man einen ausgefüllten Tag und lief mit ganz
unterschiedlichen Hunden wie Gordon, Flocke, Wolf, Roy, Amai und Chazz. Am Ende
hatte man vor allem eins, ein Gespür für die Muskeln, Knochen und Gelenke, die man
sonst nicht wahrnimmt, es war ja mehr als ein „Kraftprotz“ mit dabei gewesen. Gefallen hatte vor allem Chazz, der – da noch nicht ausgewachsen – auf bestem Weg ist in Richtung Fartons Schulterhöhe, allerdings bei weniger Gewicht. Ansonsten aber zwei Hunde, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten, der quirlige, temperamentvolle Chazz und der schon etwas ruhigere Malamute Farton. Die Station verließ man in dem Bewusstsein, dass einem die Entscheidung keiner abnehmen könne, schon auf der Heimfahrt wurde für und wider gegen einander abgewogen und auch das Herz dürfte sich in die Diskussion mit eingeschaltet haben. Am Ende war es Farton, der sich über ein neues Zuhause freuen durfte, in dem er sich schon recht gut eingelebt hat. Stellvertretend für Farton bedanken wir uns bei denjenigen, die sich hier unterstützend eingebracht haben, dem örtlichen Tierschutzverein, dem zuständigen Veterinäramt, das sich (ohne es von Amts wegen zu müssen) absolut vorbildlich engagiert hat und der Hundetrainerin Katrin Schuster, die Farton mit dem ausführlichen Bericht über ihren Besuch bei ihm eine Art „Empfehlungsschreiben“ mit auf den Weg gegeben hat.
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| „Wilson oder wie angelt man sich eine Familie“ könnte man in Anlehnung an einen
berühmten Filmtitel die Ereignisse der letzten Wochen im Leben des jungen Rüden
zusammenfassen. Würde man jedoch mit dieser Geschichte als Vorlage ein Drehbuch
schreiben, bekäme man es wahrscheinlich zurück mit dem Vermerk, dass da wohl zu
viele schicksalhafte Fügungen glücklich zusammen treffen um glaubhaft zu wirken.
Abgespielt hat sich die Geschichte trotzdem so, wie sie hier erzählt wird,
begonnen hat alles Anfang Februar auf Madeira. Dort hatten die Tierschützer eine
sichere Übernahmezusage der NfP für die beiden Rüden Elias und Wilson vorliegen,
aber bislang nur einen Flugpaten gefunden, der Elias am ersten Donnerstag des
Monats nach Deutschland bringen sollte. Obwohl die Fluggesellschaft die Mitnahme
des zweiten Hundes auf denselben Flugpaten abgelehnt hatte, nahmen die
Tierschützer Wilson am Abflugtag kurzerhand mit zum Airport, vielleicht würde sich
ja ein anderer Passagier kurzfristig noch entschließen können ebenfalls Flugpate
zu sein. Falls nicht hätte Wilson zumindest Abwechslung vom Tierschutz-Alltag
gehabt. Es klappte tatsächlich und Wilson zog zeitgleich mit Elias in der Station im Schwarzwald ein. Hier bestach er gleich durch seine freundliches, für sein Alter überraschend ausgeglichenes Wesen, das den Umgang und die Spaziergänge mit ihm angenehm machten – zumindest solange, wie man nicht in eine Schneeverwehung geriet, denn das der Siberian ein Zughund sein soll, war bis zu Wilson noch nicht vorgedrungen. Relativ rasch nach Wilsons Ankunft kamen Besucher mit ihrer Hündin in die Station, die sich nicht nur mit dem Gedanken an einen Zweithund trugen, sondern auch offen für einen nicht ganz gesunden Hund waren. Eigentlich die Chance für Gordon, der sie aber nicht zu nutzen wusste oder besser nicht nutzen konnte, denn zu unterschiedlich waren er und die Hündin. Nicht dass die beiden einander offen abgelehnt hätten, aber was er überlegt und besonnen, war sie quirlig und verspielt und so war die Interessenlage beim gemeinsamen Spaziergang jeweils eine vollkommen andere. Um nichts unversucht zu lassen, manchmal stellt sich Sympathie ja erst beim
zweiten Anlauf ein, gab man den beiden nach dem Spaziergang noch Gelegenheit, in
einem frei geräumten Gehege miteinander ohne Leine umzugehen. Man hätte sich
gewünscht, dass die unbeschwerte Fröhlichkeit der jungen Hundedame den manchmal
fast zu ernsthaft erscheinenden Gordon ein wenig aus der „Reserve lockt“, doch der
war und blieb primär genervt von so viel Umtriebigkeit. Was sehr schade war, denn
von seiner Art her hätte er den Interessenten sehr gut gefallen und das obwohl er
beim Spaziergang deutlich gezeigt hatte, was an Kraft ihm zur Verfügung steht. Während man so zusammen stand und über das Erlebte sprach, gab es für die junge Hündin nicht viel zu tun, bei Gordon war sie definitiv „abgeblitzt“ und selbiger hatte sich auch schon wie zur Bekräftigung zurückgezogen. Da Untätigkeit jungen Nordischen nicht sonderlich liegt, besah sich das Mädel mit Interesse die Umgebung und entdeckte im Nachbargehege rasch Wilson, der darauf nur gewartet hatte. Denn das irgendwo „was los“ ist, lässt sich in der Station nie verheimlichen und ruft die Neugierigen immer auf den Plan (zu denen eigentlich jeder Nordische zu zählen ist). Zunächst unbemerkt entspann sich zwischen Wilson und der jungen Hündin ein kleines Geplänkel, das trotz des trennenden Gitters in kleine Spielansätze überging. Die gegenseitige Sympathie blieb auch den zugehörigen Leinenhaltern nicht verborgen und als man bald darauf gen Heimat fuhr hatte sich Wilson zumindest in den Gedanken schon einen Platz erobert. Es ist für den Alltag ein Quantensprung von der Aufnahme eines gesetzteren etwas älteren Rüden hin zu einem mopsfidelen jüngeren und setzte einen weiteren Entscheidungsprozeß voraus, parallel dazu ging Wilson auf der Webseite online. Dort stach er schnell dem einen oder anderen ins Auge, am schnellsten aber waren die Besitzer der jungen Hündin, die sich fürs folgende Wochenende erneut ansagten.
Mit konnte er aber trotzdem nicht gleich, denn es fehlte noch der Hausbesuch, der gleich für die nächste Woche fest vereinbart wurde. Kaum war diese Formalie erledigt, war man auch schon wieder an der Station miteinander verabredet, denn Wilson’s Auszug stand an – bei dem rasanten Tempo, was der junge Rüde in Sachen Vermittlung vorlegte, kam man kaum noch mit dem Schriftkram hinterher. Zum Abholen kam der bereits erwachsene Sohn, der genau so schnell von Wilson
verzaubert war wie seine Eltern. Gut vorbereitet hatten sie ihn auch auf Wilsons
eher bescheidene Sportlichkeit, (während des Stationsaufenthalts war ihm ja selbst
an der Leine ziehen scheinbar zu anstrengend) denn nach einem Blick auf Wilson und
die Höhe des Kofferraumes kam gleich die Frage nach dem Reinlupfen. Das regelte
dann aber Wilson selber, wie immer ganz unkompliziert, aus dem Stand einmal hopp
und dann war zumindest der vordere Teil vom Hund „on board“. Den Rest durfte
man dann nachschieben, Klappe zu und schon war er unterwegs nach Hause, sein
Zuhause. Dort wurde er schon sehnsüchtig und mit Spannung erwartet: „….und plötzlich war er da. Das Wichtigste zuerst. Es geht ihm gut! Obwohl ihn unsere Cara bei jeder noch so kleinen Gelegenheit über die Maßen bespielt. Manchmal müssen wir unsere Kleine zurückhalten um ihm eine Pause zu gönnen, da man eigentlich soviel Zuneigung und Spielaufforderung selbst als gestandener Husky Rüde kaum ertragen kann. Er meistert dies mit stoischer Geduld. Die ersten 3 Nächte schlief er problemlos in Caras Korb durch, ohne ein Anzeichen von Unruhe. Sie gab bereitwillig diesen ab, wohl wissend dass es durchaus Alternativen bei uns gibt. Sein Schmusebedürfnis könnte man als außerordentlich bezeichnen, denn er hängt sich an jeden aus der Familie dran als ob es kein Morgen gäbe. Auch die Spaziergänge mit ihm sind eine wahre Freude, da er nicht übermäßig zieht und ständig schaut wo sich Cara befindet. Die ersten Kontakte mit den Nachbarhunden sind geknüpft, und sie sind durchweg positiv verlaufen.
Im Moment prasseln so viele neue Eindrücke auf ihn ein, die es zu verarbeiten gilt, dass er dazu Zeit braucht diese alle zu bewältigen, welche er auch bekommt. Es scheint, wir haben mit ihm einen ungeschliffenen Diamanten bekommen. Es liegt nun an uns, wie sehr er mit der Zeit zu strahlen beginnt. Funkeln tut er jetzt schon. Er hat sein neues Rudel gefunden und akzeptiert. Diese Geborgenheit genießt er sichtlich und bestätigt dies durch tiefes wohliges Brummen, dass man glaubt man kraule einen Braunbären.“
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