Mary ist eine Alaskan Malamute Hündin,
etwa 6 Jahre alt und kastriert. Ihr Leben begann in einer
Massentierhaltung, wo die Hunde in Verschlägen gehalten und
Welpen in Erdhöhlen zur Welt gebracht wurden. Anfang 2008
wurden die Hunde
beschlagnahmt und auf Tierheime verteilt –
scheue, den Kontakt mit Menschen nicht gewöhnte Tiere, die
weder Halsband noch Leine kennen und denen sämtliche im
Alltag vorkommende Umweltgeräusche völlig fremd waren.
Im April 2008 hatte Mary das große Glück von einem Ehepaar
mit zwei schon etwas älteren souveränen Hunden und Haus und
Garten aufgenommen zu werden. Sie orientierte sich gleich an
dem vorhandenen Rüden und zwar so allumfassend, dass sie
nach einem einzigen Malheur stubenrein war. Die ihr
unbekannten Haushaltsgeräusche fand sie vor allem eins:
interessant und ging der Sache meist neugierig auf den
Grund.
Anfassen ließ sie sich zunächst nicht, kam aber schon nach
recht kurzer Zeit von selber auf die Menschen zu und suchte
Kontakt. Innerhalb von zwei Monaten konnte sie sich soweit
öffnen, dass sie, wenn ihre Bezugsperson, die Frau, aus dem
Haus gewesen war, diese freudig an der Tür begrüßte. Mary
selber war in jenen Wochen nicht außerhalb von Haus und
Grundstück, entsprechende Halsband-Anlegeübungen waren
gerade begonnen worden.
Leider entstand mit der zunehmenden Offenheit und
Zutraulichkeit von Mary eine Art Konkurrenz-Situation mit
der vorhandenen Hündin, die ebenfalls Frauchen als
Bezugsperson ansah. Es gelang nicht, die Lage zu entspannen
und es endete wie so oft bei Hündinnen: wenn es knallt, dann
richtig und mit zurückbleibenden unerbittlichen Feindinnen.
So fand sich die eine in der Tierklinik wieder und die
andere zunächst im Tierheim.
Doch die Menschen, die rund zwei Monate mit dieser Malamutin
verbrachten, setzten und setzen alles daran, dass diese in
ihren Augen absolut liebenswerte Hündin ein Zuhause findet,
das ihr gerecht werden kann. Sie haben daher Marys
Übersiedlung ins Nordlicht für Notfelle organisiert und
stehen auch für Fragen von potentiellen Interessenten gerne
zur Verfügung – Mary hat wohl zum ersten Mal in ihrem Leben
für jemanden wirklich Bedeutung gewonnen.

Potentielle Interessenten – ideal wäre natürlich jemand, der
ähnliche Lebensumstände bieten könnte wie im Text
geschildert, also Haus mit Garten, einen souveränen Ersthund
(aber nur männlich, mit dem Rüden war Mary durchgängig „ein
Herz und eine Seele“), Geduld und viel Zeit. Denn nach den
Beobachtungen in der häuslichen Umgebung zeigt Mary
Verlustängste, wenn ihre Haupt-Bezugsperson das Haus
verlässt (trotz anwesendem Herrchen und Rüden), fiepst und
hinterlässt auch schon mal ein „Seelein“.
Dies und Mitgefühl reichen jedoch noch nicht, um Mary
gerecht werden zu können, es braucht auch eine gute Portion
„Führungsqualität“ um der unsicheren Hündin Halt und Hilfe
sein zu können. Denn Malamute genug, um mal zu schauen,
welche Position Besucher oder ähnliches innehaben, ist sie
schon.
Bis diese besonderen Menschen gefunden sind, wird mit Mary
gearbeitet, denn sie soll ja während ihres Aufenthalts nicht
einfach nur warten, sondern weitere Lernerfahrungen machen –
ach ja, mit Schmelzkäse brauchen Sie der Dame dann zwecks
Motivation nicht kommen, Leberwurst ist schon das Mindeste,
was aufzufahren ist….
Anfängliche Unsicherheiten nach ihrem Einzug ins Nordlicht
konnte die Malamutin recht schnell abbauen. Das Problem
waren / sind Leine, Halsband und Geschirr, alleine die
Utensilien in der Hand zu sehen, hieß für Mary zunächst "ich
verflüchtige mich dann lieber mal".
Anfassen war zunächst nur zögerlich möglich, es könnte ja in
Verbindung mit dem Anlegen eines Halsbandes stehen. Langsam
wurde das Vertrauen zur Hand mit dem Hilfsmittel
Leberwurst-Tube aufgebaut. Begonnen wurde an der geöffneten
Tür zum Gehege, für Mary eine sichere Variante mit
Fluchtmöglichkeit nach draußen.
Als erstes waren Berührungen mit der Leine möglich,
schließlich löste auch die Berührung mit dem
engeren Halsband bei Mary keine Panik mehr aus.


Neben den Übungen mit Leine und
Halsband, die sicher einen gewissen Stresspegel bei Mary
hervorrufen, wird immer wieder der freie Kontakt zur Hand
als entspannende Situation eingesetzt.



Die Neugierde besiegt die Panik gegenüber den
"Angst auslösenden Gegenständen“
Mittlerweile kontaktet Mary völlig frei im Innenbereich mit
ihren Bezugspersonen und Besuchern
und verfolgt von ihrem Gehege aus neugierig Mary
alles, was mit ihren Artgenossen jenseits des Zaunes auf die
Beine gestellt wird.
Beschäftigt man sich mit Mary, zeigt sie uns immer wieder,
dass im Malamute eben auch Malamute drin ist. Ein "Sitz"
beherrscht sie aus dem "FF", doch einmal gezeigt reicht das
ihrer Meinung nach völlig aus um zu beweisen, dass das
Kommando noch nicht vergessen ist. Und so sieht man auf ein
weiteres verlangtes „Sitz“ oft eine albern herumkaspernde
Mary, die sich charmant aber ziemlich stur vor langweiligen
Wiederholungen zu drücken versucht.
Jeder Besucher ist von Mary`s Charakter verzaubert und
beeindruckt, die letzte Hürde muss aber noch überwunden
werden. Denn noch fühlt Mary sich in ihrem vertrauten Umfeld
am sichersten und hat von sich aus so gar keine Motivation
die Welt entdecken zu wollen. Aber wir sind uns sicher, dass
wir schon bald von Mary´s ersten Ausflügen berichten können.