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Donnerstag, den
29.
November, hatten wir wieder einen besonders gern gesehenen „Gast“ in der
Station, den Hundetrainer Thomas Kern von der Hundeschule Kern in
Emmendingen. Wie beim letzten Besuch auch, war das Wetter uns
ausgesprochen wohl gesonnen, Sonnenschein wärmte von oben, konnte aber
letzten Endes nicht wirklich erfolgreich gegen die irgendwann aufziehende
Kälte in den Füßen ankommen. Und noch etwas ähnelte dem letzten Termin:
wieder waren die Rüden, zu denen sich konkrete Fragen stellten, in der
Überzahl.

Vom ersten Sorgenfall, dem Husky-Rüden Rocky, der nun schon zum zweiten
Mal in der Vermittlung ist, haben wir keine Bilder vom Tag selber, denn er
war nach der Entfernung einer Hautveränderung (pathologischer Befund steht
noch aus) in der Iso-Station untergebracht. Bei ihm ist es gerade der
Erstkontakt mit fremden Personen, der massive Probleme schafft, dazu kommt
noch eine gewisse Ressourcen-Verteidigungsbereitschaft.
Momentan steht er zwar auf Grund der noch nicht verheilten OP-Wunde und
des ausstehenden Pathologie-Befundes noch nicht zur Vermittlung an, aber
wenn es soweit ist, werden wir die Ratschläge einfließen lassen in den
Vorstellungs-Text.
Etwas größer war der nächste Kandidat, ein Malamute, ebenfalls mit Namen
Rocky. Eine der wichtigsten Fragen war natürlich die nach dem
vermeintlichen „Aggressions-Potential“ des Hundes – es ist immer wieder
faszinierend, wie Herr Kern so ganz ohne Worte und ohne große Gestik einem
Vierbeiner durch entsprechende Körpersprache Grenzen setzt, weitaus
faszinierender aber noch die Reaktionen der Hunde. Denn ihnen scheint
diese „Arbeitsform“ kein bisschen fremd und so rückte auch Herr Kern dem
Malamute auf diese Weise ziemlich auf den „Pelz“ – nein, Aggression zeigte
Rocky keine, ganz im Gegenteil, trotz seiner mitunter recht
penetrant-fordernden Art, zeigen die Ohrmuscheln doch recht häufig nach
hinten.
Stand der Fotograph anfangs noch vor dem Gitter, so wurde er nach dieser
Erkenntnis erst mal reingeholt und wurde gleich zum unfreiwilligen
„Testobjekt“, denn Rocky interessierte dieser menschliche Nachzügler sehr.
Schön konnten wir mit Hilfe der Erklärungen von Herrn Kern sehen, wie der
Malamute-Rüde gleich beim ersten Kontaktaufnehmen sondiert, wie weit er
gehen kann. Rocky kann es akzeptieren, dass er als zu „aufdringlich“ eine
Abfuhr erhält, nur mit einer gezeigten menschlichen Missbilligung ist für
ihn das Thema „nicht bei den Akten“, sondern wird umgehend nochmals
hinterfragt, zur Not auch noch ein drittes Mal.

Fazit: Rocky braucht eine absolut konsequente Linie, da er ansonsten
selbst versucht, Ordnung zu schaffen (und genau dafür gehen ihm gewisse
„Führungs-Qualitäten“ ab).

Der Besuch bei Blacky im Gehege war dann ein echtes Erlebnis, denn dieser
Hund, der jahrelang in seiner häuslichen Umgebung wenig Grenzen erfuhr,
ist so unglaublich vielfältig in seinem Wesen, dass er nur schwer in Worte
zu pressen ist. Blacky ist ein Quirl, lautstark und clever, ein
Workaholic, ein – tja, wie formuliert man das – vielleicht „ein
selbstverliebter Pfau, der es gar nicht verkraften kann, wenn er seinen
Willen nicht bekommt?“ und nicht zuletzt ein wirklich begnadeter
Hundeschauspieler, der uns - nachdem er seinen Willen nicht erhielt - sehr
überzeugend und laut schreiend den schwer verletzten, bemitleidenswerten
Hund gab.
Aber mal der Reihe nach erzählt:
Blacky ist an für sich unsicher, er
nähert sich, erschrickt sich, weicht zurück, kommt sofort wieder an – in
atemberaubendem Tempo. Er ist ein quirliges Energiebündel, mit einem ganz
wachen Verstand, der auch komplexere Übungen rasch erfassen kann. Ihn
absitzen zu lassen, ein Leckerchen langsam zu Boden zu legen und ihn
dieses erst auf Kommando nehmen zu lassen, hatte er vom Ablauf her nach
nur wenigen Korrekturen erfasst. Seine Ungeduld, seine ihn antreibende
Aktivität macht es ihm aber schwer, geduldig auf dem Hinterteil sitzen zu
bleiben und das in seinen Augen unendlich langsame Ablegen des Leckers zu
verfolgen – es reißt ihn förmlich nach vorne.
Kaum hat er eine Aufgabe
gelöst, könnte schon die nächste kommen, laut bellend macht er fordernd
auf sich aufmerksam, wenn er aus dem Zentrum der menschlichen
Aufmerksamkeit heraus zu gleiten droht. Und er kann es nur schwer
ertragen, wenn er nicht mehr in ein Geschehen eingreifen kann, die
Kontrolle über Situationen komplett entzogen bekommt – Symbol ist für ihn
der Container, in dem er eigentlich während der Wintermonate im Warmen
schlafen sollte.

Und wird er „zwangseinquartiert“, „ausgegrenzt“, dann
wird abgerechnet – was eigentlich zerstörungssicher gebaut geglaubt war,
bietet Blacky und seinem findigen Kopf doch noch Angriffsfläche, die Fotos
geben das Chaos einer solchen Nacht wieder.
Der Knüller kam dann beim Verlassen des Geheges, Blacky hat da Ähnlichkeit
mit Colja, raus gehen ohne ihn ist eine echte „Arbeitsaufgabe“. Er
versuchte also mit durchzuwischen, wurde von Herrn Kern mit dem Bein
gebremst, etwas unsanft kam er in Berührung mit der seitlichen Begrenzung.
Schreiend hinkte Blacky hoch dramatisch auf drei Beinen ein paar Schritte
seitlich zurück, er wirkte schon fast ein wenig hysterisch in seiner
Schreierei, plumpste schließlich wie schwer verletzt auf den Boden. Hatte
es jetzt versehentlich tatsächlich einen größeren Schaden gegeben?
Herr Kern hat sich Blacky wieder genähert und den weiterhin liegenden
Rüden untersucht, die Pfote ließ sich problemlos berühren. Und auch die
Pfleger wussten von einer ähnlichen Aktion – hatte Blacky sich doch einmal
leicht die Pfote vertreten und die daraus folgende Aufmerksamkeit
geschickt eine ganze Woche durch ständiges Hochhalten der Pfote immer
wieder aufs Neue erhalten – bis er eines Tages beim unbeschwerten
Herumrasen erwischt wurde…..
Für diesen mit etwas rasseuntypischen Beschäftigungsforderungen
aufwartenden Rüden passende Menschen zu finden, die ihm bei seiner
Quirligkeit ruhig Grenzen aufzeigen und auf der anderen Seite ein hohes
menschliches Aktivitätsniveau anbieten wird für die Vermittler eine
richtig schwierige Aufgabe werden. Und auch seine Auslastung in der
Station ist äußerst schwierig, so Kleinigkeiten wie Pfote links oder
rechts zu geben, hat Blacky schon längst gelernt und Spielzeug, das ihm
länger als nur Sekunden oder Minuten stand hält, gibt es auch nicht so
viel, Herr Kern hatte aber doch noch einige Ideen…..
Für eine unsichere, ängstliche Jung-Hündin gab es gewaltige,
organisatorische Hausaufgaben für die Vermittler, denn hier muss nun bald
etwas passieren, sonst manifestiert sich das Verhalten und ein Problemhund
droht zu entstehen. Hier wird bereits intensiv nach einer Lösung gesucht,
denn Problemhunde gibt es im Tierschutz schon genug …..
Im Anschluss an die Stationshunde hatte Herr Kern noch einen Termin mit
dem vor einigen Wochen vermittelten Akita-Malinois-Mischling White Pepper
– ein Hund, dessen gelungene Mischung (Spritzigkeit des Malinois und
Ausgeglichenheit des Akitas) selbst einen Hundetrainer faszinieren kann.
Und auch die neuen Besitzer haben ihren Spaß mit diesem gelehrigen Hund,
mit dem das gemeinsame Arbeiten viel Freude macht.
Ein wenig wehmütig stimmt, dass derartige „Klasse-Hunde“ für die
Vermittler eher schlecht zu platzieren sind, denn wer optisch nicht dem
typischen Nordischen entspricht, der ist bei vielen Interessenten schon
„chancenlos“.
Wir bedanken uns bei Herrn Kern für die Unterstützung bei den
Vermittlungsbemühungen für unsere Sorgenkinder und für einen wie gewohnt
äußerst lehrreichen Vormittag.
Im Jahr 2005 hatte der Verein die
Sorge für eine gewisse Anzahl von Hunden, die sich einfach nicht
vermitteln lassen wollten, aus dem einen oder anderen Grund. Man hat sehr
viel Arbeit in die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für diese Hunde
gesteckt, ging zum Teil auch über die Internetvorstellungen neue Wege –
interessanterweise haben einige der Vierbeiner sich im neuen Zuhause ganz
anders präsentiert als angenommen und konnten sich mit Bedingungen
problemlos arrangieren, die eigentlich als „sub-optimal“ galten. Diese
Erfahrungen und die guten Erfolge, die die Arbeit von Hundetrainern mit
Malamute Lupo, Husky-Mix Taylor, Husky Obelix und auch der eigenwilligen
Nadja (um einige der letzten Monate zu nennen) hervorbrachte und bringt,
sind in die tägliche Arbeit des Vereins mit eingeflossen. Und so wurde nun
auch für einige Hunde in der Auffangstation, deren Verhalten ein gewisses
„Dauersitzer-Potential“ beinhaltet, ein Termin mit einem erfahrenen
Hundetrainer vereinbart.
Die Zielsetzung war folgende:
Welche Menschen kommen als potentielle Halter für diese Hunde in Frage und
was kann diesen Interessenten an Hilfen im Vorfeld und auch auf den Weg
gegeben werden?
Was kann unter den in der Station herrschenden Bedingungen umgesetzt
werden, um die Vermittlungschancen der Hunde gezielt zu verbessern?
Mitte April kam der Trainer zunächst in die Geschäftsstelle, wo mit Hündin
Jenny und ihrer herzkranken Dauerpflege-Gefährtin Tonja eine
stimmgewaltige Alarmanlage jeden Besucher zuverlässig, aber mitunter
nervtötend und kaum abstellbar, vermeldet. In Anbetracht der besonderen
Rücksicht auf Tonja und auf die scheuen Hunde, die sich zeitweise
ebenfalls dort zur Resozialisierung aufhalten, ist hier ein sehr
umsichtiges Handeln nötig, effektiv sollte es aber dennoch sein.
Nach diesem kleinen „Aufwärm-Training“ ging es dann in die Station, der
Fotograf war direkt dorthin gekommen, um ein paar Eindrücke festzuhalten.
Erster Zielhund war Banja, die über viele Monate entlaufene Hündin aus dem
großen Belgien-Rudel – wieder einmal erfuhren wir Überraschendes über und
von dieser Hündin. Mit all diesen Informationen kann die gezielte Suche
nach einem neuen Heim für diese ganz besondere Hundedame nun beginnen.
Ohne Pause ging es dann zu
Colja und
Chimo, wobei hier Colja der deutlich
größere Sorgenfall ist, denn sein Tierschutz-Aufenthalt ist insgesamt
schon viel, viel zu lange. Er ist in der Station ein Hund, der recht viel
Aufmerksamkeit des Personals bindet, da er so einige Verhaltensweisen
erlernt hat, die den Alltag mit ihm nicht eben einfach machen. Hier liegen
nun ganz gezielte Vorschläge vor, wie mit ihm gearbeitet werden kann und
natürlich auch eine gute Beschreibung seines zukünftigen Besitzers und
Umfelds – jetzt hoffen wir natürlich, dass der Gesuchte „seinen Hund“ und
seine eigene Beschreibung recht bald entdeckt und sich in der
Geschäftsstelle meldet.
Auch Chimo macht sich nun mit einem neuen Vermittlungstext ausgestattet
auf, endlich ein Plätzchen zu finden, wo er einmal ganz Hund sein kann,
mit all seinen Bedürfnissen, die jahrelang keine Beachtung fanden.
Eine kleine Überraschung hatte dann auch noch Colja, der Lindwurm in
Sachen Türen, parat, denn er nutzte eine Unachtsamkeit, die von Chimo
angestoßen wurde, um sich mal eben am Trainer vorbei ins Nachbargehege zu
Alisha und Rayka „abzuseilen“. Das nervöse Aufschrecken eines Teils der
anwesenden Zweibeiner, denn Rayka wurde als absolut rüdenunverträglich
zurückgegeben, wurde vom Trainer rasch unterbunden und die Hunde konnten
sich selbst um die Angelegenheit kümmern. Was diese ganz unspektakulär und
lautlos meisterten, eine kurze Begrüßung, dann war das Thema durch – und
wir um eine ungeplante, aber wertvolle Information reicher.
Ganz herzlichen Dank an Thomas Kern von der Hundeschule Kern, der uns den
Vormittag über mit vielen weiteren guten Tipps und Anregungen versehen hat
und uns sehr anschaulich den Weg aufgezeigt hat, wie aus unseren
„Problem-Fellen“ glücklich vermittelte Nordische Hunde werden könnten.
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