Neues von SamGordon – Charmeur mit Handicaps

Gordon

Er stach schon bei seiner Ankunft in der Station Süd im November 2009 heraus. Gordon war Teil einer 7-köpfigen Husky-Familie, die wegen finanzieller Probleme des Besitzers ihr Zuhause verloren hatte und das Auffälligste an Gordon war erst mal seine Farbe, denn alle anderen Rudelmitglieder waren weiß. In den ersten Tagen herrschte ein wahnsinniges Gewusel und wir brauchten eine Weile, bis wir die hüpfenden, tobenden und rennenden Hunde voneinander unterscheiden konnten – außer Gordon natürlich.

GordonNicht nur optisch tat sich der im August 2003 geborene Rüde hervor. Er war auch ein souveräner Clan-Chef, der seine Familie fest im Griff hatte. Gordon war der unerschütterliche Fels inmitten der weißen Brandung. Mit seiner Ausstrahlung hat er die Ehrenamtlichen im Nu fasziniert, doch leider waren seine Chancen auf Vermittlung nur gering, denn er erwies sich nicht nur als wahnsinnig zugstarker Rüde, dem viele Gassigeher nicht gewachsen waren, sondern auch noch als Handicap-Hund, der durch einen beidseitigen Katarakt („Grauer Star“) schon beträchtliche Teile seiner Sehkraft eingebüßt hatte. Dazu kam noch eine alte Pfotenverletzung, die ihn an manchen Tagen stark humpeln ließ. Eine Pfoten-OP wollten wir aber in Absprache mit dem Tierarzt nicht mitten im Winter durchführen, sondern eher auf den Frühsommer verschieben, wenn das Wetter geeigneter wäre – in der Station hätten wir Gordon sonst über Wochen einsperren und von seiner Familie trennen müssen.

Es kam dann aber anders: Gordon fand im April 2010 eine Pflegestelle und durfte die Station verlassen. Wir hofften, dass es seiner Pfote gut täte, wenn er nicht mehr ständig auf dem geschotterten Stationsgelände leben würde. Doch durch den regelmäßigen Auslauf, den er ab da bekam (und auch genoss), verstärkte sich das Humpeln noch. Also wurde er abermals bei der Tierärztin vorstellig.

GordonDie Diagnose war verheerend, und das lag nicht an der Pfote. Gordon hatte nämlich dringlichere Probleme als den schmerzenden Ballen: er litt an einer Schilddrüsenunterfunktion und war zudem noch nierenkrank. Als i-Tüpfelchen hatte er sich außerdem Darmparasiten eingefangen, die mittlerweile nach einigen Behandlungen allerdings ausgemerzt sind. Doch die anderen gesundheitlichen Einschränkungen blieben.

Unser Sorgenkind erhält nun Medikamente wegen der Schilddrüse und der Nieren. Beide Erkrankungen können so in Schach gehalten werden. Aber zum Aufatmen ist es zu früh, denn es ist leider so, dass Gordon auch noch weitere „Baustellen“ hat...

Seine Augen zum Beispiel. Wie bereits erwähnt, leidet Gordon beidseitig unter einem Katarakt, der womöglich zur völligen Erblindung führt. Wir hatten allerdings keine Ahnung, wie lange ihn diese Sehbehinderung schon plagt. Nachdem er sich nämlich zusätzlich noch eine Augenentzündung zugezogen hatte, wurde bei eingehenden Untersuchungen festgestellt, dass er am rechten Auge bereits eine künstliche Linse hat. Im Nachhinein konnten wir durch das frühere Frauchen in Erfahrung bringen, dass Gordon bereits im Alter von gut einem Jahr diese Linse verpasst bekam – so früh also war er schon beeinträchtigt. Der Eingriff wurde damals tadellos durchgeführt und das Auge einige Wochen mit Tropfen nachbehandelt. Die gesamte Prozedur war bestimmt nicht billig, doch nach Auskunft des aktuellen Tierarztes leider umsonst, denn die Nachbehandlung hätte sich seiner Meinung nach mindestens über ein ganzes Jahr erstrecken müssen.Gordon

Bedauerlicherweise ist es nun so, dass Gordon auf dem rechten Auge keinen Deut besser sieht als er es ohne künstliche Linse täte. Eine erneute Operation ist jedoch nicht möglich, stattdessen steht dem Rüden wohl eine Langzeitbehandlung bevor, die aber die Sehkraft trotzdem nicht verbessern kann. Gordon und seine Pflegeeltern müssen nun eben das Beste aus der Situation machen – und das tun sie auch. Alles ist aufeinander eingespielt und abgestimmt und unser Patient fühlt sich in seiner Pflegestelle richtig wohl. Nachdem seine bisherige Gefährtin (eine etwas eigenwillige Husky-Dame) mittlerweile zur ursprünglichen Besitzerin zurückgezogen ist, hat Gordon eine neue Freundin bekommen, an der er sich auch beim Spazierengehen orientieren kann.

A propos Spazierengehen: Das Humpeln war zwischendurch nahezu verschwunden und trat nur noch sporadisch bei steinigem Untergrund auf. Wir waren zuversichtlich, unserem Großen zumindest diese Operation ersparen zu können. Doch Anfang 2011 verstärkten sich seine Probleme wieder. Aber es liegt nicht nur an der Pfote selber. Vielmehr ist auch seine Oberschenkelmuskulatur unterentwickelt –vermutlich durch eine Fehlbelastung in den vergangenen Jahren. Dies könnte auch der Grund für diverse Verspannungen und Knoten im Rückenbereich sein. Um Gordon Linderung zu verschaffen, bekommt er nun Physiotherapie. Wir hoffen, dass er damit die Verspannungen abbauen kann, Muskeln aufbaut und wieder „runder“ läuft. Ob dann trotzdem noch die Pfoten-OP geboten ist oder ob man hier mit Medikamenten helfen kann, wird die Zukunft zeigen.Gordon

Gordon wird von seinen Pflegeeltern jedenfalls liebevoll umsorgt und ist dort in besten Händen. Er hat die Zweibeiner innerhalb kürzester Zeit um die Pfote gewickelt und genießt die Schmuse- und Krauleinheiten ohne Ende. Wir wollen Gordon auf seiner Pflegestelle belassen, denn es wäre für ihn ein großer Schock, dort herausgerissen zu werden und das wäre nicht in unserem Sinne. Außerdem sind wir sehr froh, dass er durch seine verantwortungsvolle, ehrliche und souveräne Dauerpflegestelle trotz aller Handicaps die Chance hat, ein gutes und wohlversorgtes Dasein in häuslicher Umgebung zu führen. Eine Pflegestelle wird sein Zuhause allerdings auch bleiben, denn es ist abzusehen, dass Gordon auch weiterhin größere Kosten verursachen wird und eine feste Übernahme würde einfach den finanziellen Rahmen „seiner“ Zweibeiner sprengen.

Wir würden uns daher sehr über nette Paten für Gordon freuen. Wer sich nicht über längere Zeit binden will, kann natürlich auch gerne mit einer Einzelspende zu Gordons Versorgung beitragen – bitte in diesem Fall bei der Überweisung die vollständige Anschrift angeben, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung ausstellen können. Herzlichen Dank an alle, die unseren charmanten „Mehrfach-Handicapler“ unterstützen!

Gordon

 

Update Juli 2011

Gordon

Gordonund AkkaUnser Gordon genießt weiterhin sein umsorgtes und behütetes Leben in seiner Pflegestelle, die Streicheleinheiten seiner Zweibeiner und das Zusammensein mit seiner Akka, was Gordon allerdings nicht davon abhält, weiter „vor sich hin zu kränkeln“. Mal war es eine Entzündung der Augen, dann wieder quälte ihn Durchfall oder er hatte sichtlich Probleme beim Laufen. Zum allen Überfluss verstärkte sich das Problem an seinem Ballen, so dass nun ein gründlicher Rumdum-Check in der Tierklinik Hüttig in Reutlingen anstand. Mitte Mai war es dann soweit, für Gordon wurde ein ganzer Tag reserviert. Frühmorgens machte sich die ganze Familie aus Bayern auf, um ja pünktlich in Reutlingen einzutreffen. Denn nichts wünschte man sich sehnlicher, als dass Gordon endlich frei von Beschwerden würde leben können.

Gordon in der Klinik

GordonZuerst kam die ausgiebige neurologische Untersuchung, die allerdings keinen Befund brachte und damit auch keine Erklärung für Gordons Probleme. Nach einer Pause für Zwei- und Vierbeiner ging es weiter zur orthopädischen Untersuchung, doch auch diese brachte kein eindeutiges Ergebnis, so dass unserem Gordon ein CT nicht erspart blieb. Gordon wurde also schlafen gelegt und die Untersuchung in Angriff genommen. Viel ist dabei nicht heraus gekommen: Die Wirbelsäule hat zwar leichte Veränderungen, aber nichts, was man behandeln müsste oder gar Gordons etwas steifen Gang erklären würde. Allerdings wurde in seiner Pfote eine Gewebeverdichtung gefunden, die man in einer Operation abklären musste, denn die konnte von einem Fremdkörper bis hin zum Tumor alles sein.

Da ja Gordon sowieso schon in Narkose lag und auch schon eine Kanüle für eine eventuelle Kontrastmitteluntersuchung gelegt war, wurde gleich noch eine Gehirnwasseruntersuchung gemacht, die Aufschluss über kleinste Entzündungen gegeben hätte. Doch auch diese blieb zum Glück für unseren tapferen Gordon ohne Befund.

Gordon nach der UntersuchungIm Anschluss wurde dann noch die Pfote operiert, die einen winzig kleinen Fremdkörper – wahrscheinlich ein Knochensplitter – zutage förderte. Leider wurde durch diesen Fremdkörper bereits der Zehenknochen in Mitleidenschaft gezogen, so dass nun noch nicht ganz klar ist, ob Gordon diesen Zeh behalten kann oder ob er womöglich amputiert werden muss. Dies wird sich aber erst in einigen Wochen oder Monaten entscheiden – falls Gordon dann noch immer hinken sollte, müsste er womöglich wiederholt auf den OP-Tisch. Vorerst sind wir aber glücklich darüber, dass Gordon keinen Tumor hat und hoffen sehr, dass ihm eine weitere Operation erspart bleibt.

Erst am späten Abend hatte Gordon dann seinen Rausch ausgeschlafen und konnte von seinen überglücklichen Zweibeinern ins Auto gebracht werden, um die Heimreise anzutreten. Auch die Nachsorge hat Gordon ganz brav über sich ergehen lassen. Die Medikamente waren sowieso kein Problem, nur die anstehenden Verbandswechsel fand Gordon nicht so prickelnd. Dass Gordon auch von „schonen“ nichts wissen wollte, versteht sich fast von selbst, hier musste er von seinen Pflegemenschen immer etwas ausgebremst werden. Doch mittlerweile hat sich Gordon von den Strapazen erholt und genießt sein Leben als geliebtes Familienmitglied.

So sehr wir es unserem Gordon auch wünschen würden, überhaupt von Tierärzten verschont bleiben kann er trotzdem nicht, denn demnächst steht wieder eine Untersuchung seiner Augen an und auch ein Bluttest wegen seiner Schilddrüse ist wieder fällig. Gordon freut sich daher sehr über liebe Paten, die dabei helfen, seine medizinische Versorgung und sein Leben in der Pflegestelle abzusichern.

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letzte Bearbeitung am 23. Jul 11