Bo, ein neunjähriger Siberian Husky Rüde

 

Bo

Bo’s Geschichte bei der Nothilfe für Polarhunde begann im Juni 2006, er wurde zunächst telefonisch als Notfall gemeldet, eine mail mit den Angaben folgte. Zum damaligen Zeitpunkt war das Leben des Rüden aus seiner Sicht wohl eine einzige „Katastrophe“, denn mit dem Tod seines Besitzers rund acht Wochen vorher hatte sich alles verändert. Er und sein Herrchen waren ein Team gewesen, zwei ältere „Herren“, die sich ihr Leben miteinander eingerichtet hatten, Haus und Garten miteinander teilten und deren gemeinsame größte Freude die Besuche der Enkelkinder des Besitzers waren. Dass Bo einmal operiert wurde wegen Harnsteinen, die die Harnröhre verlegt hatten und sich bei der Abheilung eine Fistel gebildet hatte, die dazu führte, dass Bo mal mehr mal weniger inkontinent war, war für die beiden kein Problem gewesen, man lebte damit.
Seit acht Wochen saß Bo nun im Juni schon alleine im Garten des Hauses, zwei-, dreimal täglich kam jemand aus der Familie, ging ein wenig mit ihm, sorgte für Wasser und Fressen, aber ein Leben wie er es gewohnt war, war das wahrlich nicht. Und auch die Familie brauchte eine Lösung, denn niemand von ihnen hatte die räumlichen Möglichkeiten, den Hund aufzunehmen. Von allen Seiten wurde der Familie zusätzlich eingeredet, dass ein Hund in dem Alter und dem gesundheitlichen Problem nicht mehr unterzubringen sei. Die Verunsicherung, was das Richtige sei für Bo, Draußenhaltung an Kette, im Garten oder Zwinger (einige schlugen sogar Euthanasie vor), wuchs von Woche zu Woche.

Die Krankengeschichte von Bo war zwischenzeitlich in der Geschäftsstelle eingetroffen, der behandelnde Tierarzt sah noch eine Chance für Bo in einer weiteren OP – allerdings lag die Erst-OP schon Jahre zurück und Prognosen über den Heilungsverlauf konnte keiner geben.

Husky Rüde BoDennoch gab es kein Zögern, Bo sollte eine Chance bekommen, Anfang Juli 2006 traf er in einer Pflegestelle ein, wo er sich rasch eingewöhnte und sich einem vorhandenen Rüden anschloss. Mitte Juli wurde er dann in einer Tierklinik vorgestellt und operiert, erneut wurden Harnblasensteine entfernt, davon einer in recht beachtlicher Größe. Die labortechnische Untersuchung ergab, dass 90 % der entfernten Harnsteine Struvitsteine waren, die bei einer Übersättigung des Harns mit Magnesiumammoniumphosphat entstehen. Die restlichen 10 % waren Weddellit-Kristalle, das sind einzelne, harte Kalziumoxalatkristalle von mitunter bizarrer Struktur. Da bei der Bildung von Struvitsteinen ernährungsbedingte Faktoren wahrscheinlich eine Hauptrolle spielen, wurde Bo umgehend auf entsprechendes Diätfutter umgestellt.
Das Ergebnis der Operation fiel leider nicht so gut aus wie erhofft. Durch die Entfernung des großen Blasensteins war Bo zwar erneut schmerzfrei und das Ausmaß der Inkontinenz hatte sich deutlich verringert, sie war aber leider nicht völlig verschwunden. Versuche, dies mit Tabletten noch zu verbessern schlugen fehl. Auf seinen Liegeplätzen bleiben einfach mal mehr mal weniger große feuchte Stellen zurück, er tropft also nicht permanent, sondern vor allem dann, wenn sich die Muskulatur wie im Schlaf entspannt. Bo selbst ging damit weiterhin so gelassen um wie in den Vorjahren, seinen Spaß am Leben ließ er sich davon noch lange nicht vermiesen, weite ausgedehnte Spaziergänge und viel Spielerei mit Mensch und anderen Hunden stand weiterhin ganz oben auf seiner Beliebtheitsliste. Für seine Vermittlung aber sah es nun schlecht aus, denn wer lässt sich schon auf einen „undichten“ Hund ein?
Bo, Weihnachten 2006 in Dänemark
Bald darauf fanden sich bei Bo zwei Gewebsneubildungen an der linken Brustwand, die rasch auf Apfelgröße anwuchsen. Diese wurden im November operiert und stellten sich als gutartige Lipome (Fettgeschwulst) heraus. Die Abheilung erfolgte diesmal nicht ganz komplikationslos, mehrfach musste wegen nachgelaufenen Wundsekrets punktiert werden. Bo stand diese Zeit tapfer durch und war froh, als nach zehn Tagen das Fädenziehen erst einmal einen Schlussstrich unter die Tierarztbesuche zog. Beschäftigt war er gedanklich auch mit ganz anderem: er hatte das Angebot bekommen, in eine Dauerpflegestelle umzusiedeln, wo er wieder so im familiären Umfeld leben konnte wie früher. Na ja, mit Einschränkung, denn nun hat er zusätzlich zum Herrchen noch eine Hündin als Dauer-Weggefährtin und ein Frauchen. Letzteres fand er von Anfang an ja ganz brauchbar, denn zwei Bezugspersonen sind schon mal gar nicht schlecht, aber die Aufmerksamkeit der beiden mit einem anderen Vierbeiner teilen? Bo versuchte sich also zunächst ein wenig im Diskutieren, ob es nicht möglich sein würde, die Hündin einfach irgendwie „verschwinden“ zu lassen, doch seine Pflegeeltern blieben hart und so wurde auch Bo einsichtig. Ist ja auch vorteilhafter, mit einer Hündin zwei Bezugspersonen zu teilen in einem dauerhaften und huskygerechten Zuhause als weiterhin als Vermittlungshund auf der Suche nach einem Plätzchen zu sein. Ein gemeinsamer schöner Winterurlaub im Norden überzeugte ihn schließlich vollends, dass so ein Leben als Quartett seine ausgeprägten Sonnenseiten hat.Bo

Während Bo also einfach nur geniest, wieder ein Zuhause zu haben, wie er es gewöhnt ist, müssen andere sich um die finanzielle Seite seiner Zukunft bemühen. Wie alle anderen Hunde muss auch Bo regelmäßig geimpft und entwurmt werden, ist in seiner neuen Gemeinde hundesteuerpflichtig (leider machen nur noch die wenigsten Kommunen hier Ausnahmen für Pflegehunde), braucht sein tägliches Diätfutter, muss ab und an zur Ultraschalluntersuchung um die Harnblase auf Steine zu kontrollieren und wird bestimmt auch einfach mal nur so krank werden, kein Hund ist vor Alltäglichem wie dem Hineintreten in eine Scherbe oder einem simplen Magen-Darm-Virus gefeit. Alleine ist dies für einen Tierschutzverein wie die NfP, bei der die Mittel stets genauso knapp sind wie bei allen anderen derartigen Organisationen, finanziell leider nicht machbar - Bo braucht also Paten, die diese Kosten mittragen.

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