Nscho-tschi - die Hündin mit dem Namen aus den Winnetou-Romanen von Karl May

 

Nscho-Tschi

Schon im Vorfeld der Aufnahme sorgte der Name für manche Verwirrung, erst als man ihn ausgesprochen hörte, wurde klar, warum er geschrieben so seltsam fremd und doch vertraut wirkte – Nscho-tschi, die Schwester Winnetous, vertraut aus den Karl-May-Filmen längst vergangener Kindertage hatte da wohl Pate gestanden. Karl May gab dem Namen die Bedeutung „ein schöner Tag“ und rein optisch traf das auf die klein gewachsene Husky-Hündin, geboren im März 2005, auch voll zu.Nscho-Tschi

 

Von ihrer Vorgeschichte wusste man nicht viel wie bei manch anderem Vermittlungshund auch, im Falle von Nscho-tschi sollte sich das aber als kostspieliges Problem erweisen.

Ihre letzte Besitzerin hatte sie zweijährig aus einem kleinen Rudel Nordischer in Gehegehaltung übernommen, mehr aus Mitleid heraus, denn ihr Verhalten war auffällig und der Rudelbesitzer gab an, sie leide unter Zwingerkoller und sei auch innerhalb der Gruppe so etwas wie ein Außenseiter. Auch das konnte die Dame damals beobachten und so ging sie mit dem vermeintlichen „Mobbingopfer mit Zwingerkoller“ nach Hause, nicht zuletzt auch deshalb, weil man ihr zugesichert hatte, der Hund sei lauffaul.

Fortan lebte Nscho-tschi also als Haushund in einer Familie mit Kindern und schnell zeigte sich, dass ungefähr nichts stimmte, was man über diesen Hund gesagt hatte. Sie zeigte in vielen Situationen Ängstlichkeiten, unter anderem auch Männern gegenüber. Ihre Hauptbezugsperson in den folgenden Monaten war demzufolge die Frau, die sich sehr bemühte, die Hündin zu stabilisieren und zu erziehen, aber eigentlich keine großen Verbesserungen feststellen konnte. Und lauffaul war Nscho-tschi auch nicht, ganz im Gegenteil, unerschöpflich schien ihre Energie, immer war sie auf den Beinen, unermüdlich und dies war letzten Endes auch der Abgabegrund. Denn zeitlich schaffte es ihre Besitzerin (mit einem großen Haushalt im Rücken) nicht, ihr dauerhaft gerecht zu werden.Nscho-Tschi

Nscho-tschi zog also in der Station ein - klein, süß und kaum 13 kg schwer. Niedlich war sie anzusehen mit ihren oft unkontrollierten Bewegungen – ähnlich einem Zirkuspferdchen in der Manege und somit weit entfernt von dem, was man als normales Bewegungsschema bezeichnen würde.
Rasch zeigte sich, dass die anderen Hunde mit diesen Abweichungen so ihre Schwierigkeiten hatten, mehrfach musste man sie umsetzen, weil sie Gefahr lief, gemobbt zu werden.

Auf ihre Veröffentlichung im Internet meldeten sich unzählige Interessenten– richtig gepasst hat es nicht. Selber wurde man zunehmend unsicherer, denn Hunde mit Zwingerkoller hatte man schon einige gesehen und je länger man die kleine Hündin kannte, desto komischer erschien deren seltsames Verhalten. Man besprach sich mit dem Tierarzt – eine Blutuntersuchung ergab keinen Aufschluss.Nscho-Tschi

Einige Wochen später hatte NschoTschi wunderbare, sehr einfühlsame Leute gefunden. Der Umzug brachte die kleine Hündin jedoch total aus dem Gleis, sie verfiel in noch schlimmere Verhaltensweisen, als sie während ihres Aufenthalts in der Station gezeigt hatte. Uns blieb nichts anderes übrig, als die kleine Hündin zurück zu nehmen und in einer privaten Pflegestelle unter zu bringen.

Aber auch hier war es kein Haar anders, doch man übte sich in Geduld. Laufen draußen war ein Ding der Unmöglichkeit, sie kreiselte, sie kippte, sie lief auch mal wieder gar nicht - ihr unkontrolliertes Verhalten konnte so nicht mehr einfach hingenommen werden. Eine Vorstellung in der Tierklinik, CT, Ultraschall, Entnahme vom Hirnwasser – mehrere Faktoren, die für dieses Verhalten schuld sein könnten, wurden auch schon gleich wieder ausgeschlossen. Weitere Blut- und sonstige Untersuchungen wurden eingeleitet, man suchte buchstäblich nach der Nadel im Heuhaufen.Nscho-Tschi

Es war schwierig, denn viele Fragen waren offen – war etwas in der Zucht schief gelaufen? Hatte sie einen Unfall gehabt? Oder war sie vielleicht ein Auslandshund und man sollte noch in ganz andere Richtungen suchen?
Und nun sind wir bei der eingangs erwähnten fehlenden Vorgeschichte, gerade bei solchen Hunden wäre sie so wichtig – doch wie so oft, weitere Nachforschungen blieben ergebnislos, keiner konnte oder wollte etwas dazu sagen.
Es blieb also dabei: man hatte den Hund, klein vom Wuchs her, mit dicken strammen Beinchen und dicken Pfoten und seine Auffälligkeiten – sonst nichts. Und suchte weiter …

 

Heraus kam wenig, eine Fehlfunktion der Schilddrüse blieb das einzig konkrete und in den folgenden Wochen wurde NschoTschi von Klinik und Pflegestelle auf die entsprechenden Medikamente eingestellt.

 

Mit den Wochen stellte sich unter den Medikamenten eine sichtbare Besserung Nscho-Tschi bei der Fasnetein, erkenntlich vor allem für diejenigen, die sie von der Station her kannten und eine Weile nicht mehr sahen. Nscho-tschi kann zwischenzeitlich besser an der Leine laufen, bleibt auch in der Spur und hat wenige Aussetzer, im Frühjahr 2009 hatte sich ihr Leinenverhalten sogar soweit stabilisiert, dass sie mit Frauchen nun auch in Richtung Stadt kann, sogar am Rande der Straßenfasnet waren die beiden unterwegs. Mit einem speziellen Führgeschirr von north-dog (ähnlich dem für die Rettungshunde) hat sie auch keine Möglichkeit, sich diesem zu entwinden.

Das Spezialgeschirr

 

So wie es aussieht, ist Nscho-tschis Schilddrüsen-Unterfunktion angeboren und durch den viel zu spät erfolgten Behandlungsbeginn ist die motorische und mentale Entwicklung der Hündin vermutlich nachhaltig und unwiderruflich gestört. Also neben dem Kleinwuchs, den Auffälligkeiten im Bewegungsablauf ist sie auch geistig nicht auf dem Stand einer erwachsenen Hündin, sondern auf einemNscho-Tschi Entwicklungsstand weit darunter. Daran wird – wie auch am Kleinwuchs und den atypischen Bewegungen – vermutlich nicht mehr viel zu ändern sein, denn in ihrem Lernverhalten ist Nscho-tschi ebenfalls behindert, kann sich schlechter konzentrieren, sich weniger selbst erschließen. Möglich ist es ihr aber trotz allem, im Alter von vier Jahren gelang es ihr schließlich, das eigenständige Zerlegen von getrockneten Leckereien wie Schweineohren hinzubekommen, sie hatte nun gelernt, ihre Pfoten zum Festhalten zu benutzen.

Für Nscho-tschi selber ist allerdings alles gut, so wie es ist, sie weiß nicht um ihre Andersartigkeit und hat auch keinerlei Probleme damit. Im Gegenteil, Nscho-tschi’s Leben ist fröhlich, ein riesiger Spielplatz ist alles, der nur für sie geschaffen wurde.

Wie schrieb ihre Pflegemutter nach vielen Monaten über sie:
„Über alles (Bäume und Felder, Katzen und Kühe, Wiesen und Blumen, Blätter Stroh und Erde) freut sie sich und springt hoch vor Glück!

Im Garten spielt sie manchmal Kätzchen und klettert am Baum empor oder galoppiert wie ein Pferdchen um den kleinen Teich herum. Sie kann auch wie ein Hase Haken schlagen und Zickzack hüpfen und ganz schnell rückwärts laufen. Kunststücke probiert sie: Purzelbäume, auf Steinen und Mäuerchen balancieren und sich im Efeubaum verstecken.Nscho-Tschi
Wenn Nscho-tschi sich freut, dreht sie sich ganz schnell im Kreis wie ein Karussell und wenn sie dann mal müde ist, schläft sie im Stehen kurz oder fällt einfach um.

Nscho-tschi kommt mit jedem gut aus, ist friedlich und lustig. Eine kleine Zuckermaus. Jeder Tag ist durch sie ein bisschen freundlicher und sie ist immer gut gelaunt.

Manchmal macht man sich Sorgen um sie und denkt, das kann sie doch nicht lange aushalten, immer so auf Trab zu sein. Aber es macht ihr eigentlich nichts aus – sie sieht stets zufrieden und ganz munter aus!“

 

 

Gefördert wird Nscho-tschi in ihrer Pflegestelle weiter, denn auf ihre Art kann sie lernen, wie genau, das weiß noch keiner so recht, aber manches von dem, was man ihr vermitteln wollte und will, ist doch schon in großen Teilen angekommen. Und genau dieses geduldige und unermüdliche Training gibt Anlass zu vermuten, dass NschoTschi auf dem besten Weg ist, wenigstens ein bisschen ein sich normal verhaltender Hund zu werden.Nscho-Tschi

Eine erneute Vermittlung von Nscho-tschi ist derzeit nicht angedacht, sie ist in ihrer Pflegestelle, wo schon einige besondere oder einfach sich anders verhaltende Hunde lebten, mit ihren Eigenheiten angenommen wie ein gesunder Hund und wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten als solcher behandelt.

Paten, die dieser etwas anderen kleinen Hundepersönlichkeit den weiteren Lebensweg absichern helfen, wären eine große Hilfe, zumal Nscho-tschi täglich ihre Schilddrüsenmedikamente und regelmäßig entsprechende Kontrolluntersuchungen braucht.
 

 

 

 

 

 


 

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