Perulv und Inouk

 

Perulv„Hätte man gewusst, was mit Perulv und Inouk an Tierarztkosten auf den Verein zu kommt… ….“ – nein, man hätte nicht anders gehandelt, nicht anders handeln können. Denn zwei ältere Rüden aus dem Sport, die nur gemeinsam zu vermitteln sind, die haben in einem Tierheim wirklich keine guten Chancen.

Die beiden als gesund gemeldeten Rüden, haben mittlerweile einiges an Tierarztkosten verursacht, der ältere der beiden, Perulv nicht so ganz unerwartet, denn schon das übersandte Foto und die dort zu sehende Körperhaltung wies auf möglicherweise vorhandene Probleme hin.

So wurde Perulv auch bald nach seiner Ankunft in der Pflegestelle dem Tierarzt vorgestellt. Mit nur zwanzig Kilo bei seiner Größe ist er etwas untergewichtig, möglicherweise mit ein hormonelles Problem, denn einer seiner Hoden wies Veränderungen auf und musste entfernt werden. Das gleiche Schicksal wurde dem abgebrochenen Reißzahn imDa fehlt ein Reißzahn Unterkiefer zu teil und einer Hautveränderung auf dem Rücken. Diese hat sich in der pathologischen Untersuchung als Epitheliom erwiesen, also gutartig – allerdings hätte man nicht viel länger warten dürfen, denn der Pathologe fand bereits Anzeichen für eine Veränderung in Richtung bösartig.

Nur wenige Tage später erlitt der stattliche Inouk einen Kreislaufzusammenbruch und musste ebenfalls zum Tierarzt. Dieser diagnostizierte eine heftige und wohl schon länger bestehende Gastritis, die nun spezielles Futter für Inouk erforderlich macht. Der Veterinär riet aber Inouk gründlich durchzuchecken, da eine Gastritis eher seltener zu einem Kollabieren führt.

Der Check-up zunächst ohne weitere unschöne Befunde, erstes Blutbild, Herz alles bestens – der Zusammenbruch blieb weiterhin ein wenig rätselhaft, möglicherweise spielte da Stress (durch die Umsiedlung, die Operation des Kumpels) eine Rolle. Mit dieser Erklärung lag man so falsch nicht, allerdings aus anderem Grund, denn die weiteren Blutuntersuchungen brachten Inoukeine Myasthenia gravis ans Tageslicht. Dies ist eine zu den Autoimmunerkrankungen gezählte Muskelschwäche, auch beim Menschen vorkommend und dort ebenfalls eine seltene Diagnose. Der Verlauf dieser Erkrankung ist sehr individuell, möglich ist alles, von Verbesserung, jahrelanger Remission (also Stillstand) bis hin zu Verschlimmerung mit schweren Krisen. Die Myasthenie reagiert sowohl auf seelische Belastung als auch auf äußere Umstände wie Infekte oder Stress. Die Erkrankung ist behandelbar, aber nicht heilbar.

Bei Myasthenia gravis kann von den Rezeptoren der Muskeln ein Botenstoff nicht aufgenommen werden, der an der Kontaktstelle zwischen Nerv und Muskel ausgeschüttet wird. Ursächlich dafür sind fehlgesteuerte Antikörper, die die Rezeptoren blockieren und den Muskeln wichtige Informationen vorenthalten, so kam es zum Zusammenbruch von Inouk. Wie stark Inouk erkrankt ist, wird sich zeigen, bislang war der Vorfall einzigartig. Seiner Vermittlung wird es aber kaum förderlich sein.

Ebenso glücklos wie Inouk war auch Perulv. Schier endlos lange musste er „Trichter tragen“ bis vor allem die Stelle auf dem Rücken verheilt war, da diese unter Spannung stand, was dem Heilungsprozess wenig förderlich war. Kaum genesen hieß es dann für ihn schon wieder ab zum Tierarzt, die merkwürdige Rückenhaltung und das doch sehr umständlicheperulv Hinlegen sollte einmal näher überprüft werden mittels Röntgenbild. Hier allerdings lief es endlich mal gut, die Hüften sind – angesichts seines Alters – in wirklich gutem Zustand, zwar nicht ganz „lehrbuchmässig“ von der Natur angelegt, aber frei von Arthrose. Schmerzen hat Perulv also definitiv keine, er scheint einfach zur Sorte „umständlicher Nestbetter“ zu gehören.

Inouk wird wegen seiner Myasthenie wohl einer medikamentösen Behandlung bedürfen, derzeit laufen die Gespräche mit Tierklinik und Tierärzten noch, welche auch im Praxisalltag eher selten mit dieser Diagnose konfrontiert werden. Medikamente übrigens nicht weil es Inouk so derart schlecht geht, sondern um den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen, also den aktuellen, sehr zufrieden stellenden Zustand möglichst lange in dieser Form zu erhalten.

Interessenten konnten beide Hunde noch nicht für sich gewinnen, was angesichts des Alters und der Vorerkrankungen nicht weiter verwundert. Wir würden uns daher über Paten für die beiden Pechvögel freuen, die hier ein wenig mithelfen, die Kosten aufzufangen.
 
 

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