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Von Eva Felizitas Nietiedt
Vom Richtigen Umgang mit Ratschlägen zur Hundeerziehung
Lernen Sie die richtigen Ratschläge zu erkennen und ignorieren Sie den Rest. Jeder Hund und erst recht jeder Malamute ist eine eigene Persönlichkeit. Deshalb sind alle allgemeinen Ratschläge sicher für irgendeinen Hund geeignet, aber nicht zwangsläufig auch für Ihren. Niemand kennt Ihren Hund so gut wie Sie, deshalb lächeln Sie einfach freundlich, wenn Ihnen ein wohlmeinender Schäferhund- oder Dobermannhalter rät, Sie müssten Ihn nur von der Leine lassen, dann würde sich Ihr tobender, zähnefletschender Malamute schon ordentlich benehmen. Lächeln Sie und lassen Sie es... Auch bei den unzähligen Ratgebern zur Hundeerziehung ist immer Vorsicht geboten. Häufig erhalten Sie eine schöne Verhaltensmaßregel, aber niemand verrät Ihnen die Konsequenzen. Drei Beispiele: Oft werden Sie den Rat finden, den Hund zu füttern, bevor Sie essen, damit er nicht während Ihrer Mahlzeit bettelt. Gut und schön für einen verfressenen Dackel. Einem dominanten Malamute sagen Sie damit kurz und bündig, dass er der Chef ist - denn der frisst immer zuerst. Ein weiterer Klassiker unter den Ratschlägen für den Hund, der nicht gern allein bleibt ist, dass Sie ihm ein getragenes Kleidungsstück zum Kuscheln geben sollen. Der vertraute Geruch beruhigt ihn schließlich. An sich prima, aber bedenken Sie bitte, dass Ihr Hund Ihren alten Jogging-Anzug nicht von Ihrem neuen Chanel-Kostüm unterscheiden kann. Es ist nicht sein Fehler, wenn Sie irgendwann Ihr bestes Designer-Stück im Hundekörbchen finden - voll mit Haaren, ein bisschen angesabbert und zerfleddert. Immer wieder hört man auch den Rat, ein unerwünschtes Verhalten des Hundes zu unterbrechen, indem man ihn erschreckt. Erst in dieser Woche war in einer großen Hundezeitschrift zu lesen, man solle einem Hund, der sich gegenüber Passanten an seinem Gartenzaun aggressiv gebärdet, eine Klapperbüchse ins Kreuz werfen, sobald er losstürmt. Das kann funktionieren, kann aber auch völlig daneben gehen. Davon stand kein Wort in der Zeitschrift. Ein Hund, der nur ein bisschen Kombinationsgabe besitzt, aber nicht fähig ist, sein Verhalten und das Erscheinen des Passanten voneinander zu differenzieren, wird die Klapperbüchse in seinem Kreuz eher mit dem Erscheinen des Passanten verbinden. Daraus folgt: Wenn ein Passant kommt, bekommt der Hund die Klapperbüchse ins Kreuz. Na Bravo, dann wird der Hund eventuell künftig noch wütender versuchen, Passanten zu verbellen, um sie von seinem Gartenzaun und damit das Klapperding von sich fernzuhalten. Das hängt außerdem noch .davon ab, wie sehr sich der Hund die Klapperbüchse zu Herzen nimmt. Das können wiederum nur seine Menschen wissen. Sinnvoller wäre, den Hund mit etwas, das er gern hat (Spielzeug, Schmusen, Leckerehen oder was immer ihm gefällt) abzulenken, dann dafür zu sorgen, dass er nicht zähnefletschend am Zaun hängt, und ihn anschließend mit dem Ablenkmittel zu belohnen. Ist natürlich ein bisschen anstrengender - man muss jedes Mal zum Gartenzaun laufen, anstatt aus bequemer Entfernung nach ihm zu werfen. Die zweite Methode erscheint aus drei Gründen besser: Erstens haben Sie nichts verdorben, wenn es nicht funktioniert, zweitens könnte die Rasselbüchse auch jemand anderen treffen und drittens lernt der Hund, etwas Positives mit dem Erscheinen von Passanten zu verbinden. Etwas Positives, das von Ihnen ausgeht. Wenn er sich das gut genug eingeprägt hat, wird er möglicherweise irgendwann automatisch nach Ihnen und seiner Belohnung Ausschau halten, sobald jemand auf der Straße vor seinem Garten erscheint. Dafür ist die zweite Methode aufwendiger und hier müssen Sie die richtige Belohnung auswählen. Wenn Sie an einer lebhaften Straße wohnen, ist ein Wiener Würstchen pro Passant vielleicht übertrieben, wenn einmal pro Woche jemand vorbeikommt, mag es praktikabel sein. Weil Ihr Malamute höchstwahrscheinlich überhaupt kein Theater macht, wenn Menschen vorbeigehen, müssen Sie den Ratschlag ohnehin nur auf vorbeigehende Hunde übertragen. Vielleicht ist Ihnen das auch alles zuviel und Sie ziehen einfach einen zweiten Zaun ein paar Meter hinter dem ersten, damit Ruhe ist. Sie sehen: Hunde-Erziehungstipps sind wie Medikamente, einige sind überflüssig, manche teuer und alle haben Nebenwirkungen (die ggf. durchaus akzeptabel sein können), es fehlt nur leider zu oft der Beipackzettel. Es gibt kein Allheilmittel und jeder benötigt etwas anderes. überlegen Sie also sorgfältig, was Sie Ihrem Hund beibringen und was er besser nicht lernen sollte. Probieren und beobachten Sie, was bei Ihrem Hund funktioniert und was nicht. Folgen Sie nicht sklavisch irgendeinem Hundeknigge. Wenn Ihr Hund nicht kommt, wenn Sie rufen, versuchen Sie es eben mit In-die-Hände-klatschen oder Pfeifen. Seien Sie kreativ und denken Sie sich Lernmethoden aus, die Ihnen und Ihrem Hund gefallen. Ihr Hund soll sich so entwickeln, dass Sie in Ihrem Alltagsleben zurechtkommen und Freude an ihm haben.
Quelle: Journal für Nordische Hunde, Ausgabe 12, Dezember 1999, S. 28 -33 Alle Texte von S.A.M. zum Download (211Kb)
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