Nothilfe fuer Polarhunde e.V. - Freudenstadt
 

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[Der Second-Hand-SAM]


Von Eva Felizitas Nietiedt

 

SAM hält sich für den Boss - Wie überzeugt man ihn vom Gegenteil?

 

Falls Sie große Dominanzprobleme mit Ihrem SAM haben, können Sie den Effekt der folgenden Übungen verstärken, indem Sie mit SAM zum üben ein paar Tage verreisen. Eine ungewohnte Umgebung verunsichert jeden Hund und ist auch gut geeignet, eingefahrene Verhaltensmuster aufzubrechen. Sollten Sie zu den wenigen Glücklichen gehören, die keine Dominanzprobleme mit ihrem SAM haben, lesen Sie diesen Abschnitt ruhig trotzdem. Gerade im alltäglichen Leben macht man häufig unbewusste Fehler, die SAM erst auf die Idee bringen, er könnte Rudelführer werden. SAM ist natürlich ein ALPHA-Tier. Sie müssen für SAM eine stabile Rudelordnung schaffen. Das hat nichts mit Unterdrückung zu tun. Sie tun SAM keinen Gefallen, wenn er nicht weiß, welcher Rang ihm innerhalb des Rudels zukommt. Bestenfalls verwirren Sie ihn, schlimmstenfalls ernennt er sich selbst zum Chef. Herrschen Sie königlich über Ihr Rudel. Ein wahrer König schreit nicht hektisch herum, sondern bewegt sich aufrecht (Bauch rein, Brust raus - nicht lachen!) und kommandiert souverän. Seien Sie ein imposanter Herrscher, den SAM bewundern kann. Zeigen Sie SAM, dass Sie - und nur Sie - gewisse Privilegien genießen.

 

DESHALB NIEMALS...

 

... darf SAM sich vordrängeln. Wenn nicht genug Platz ist, dürfen Sie SAM nicht vorgehen lassen (durch die Tür, durch eine enge Stelle im Haus, auf der Treppe usw.) auch wenn es Ihnen unpraktisch erscheint. Sie sind der Chef und schreiten königlich voran. Ihr Gefolge hat hinter Ihnen zu bleiben - oder haben Sie die Queen schon mal hinter Ihrem Prinzgemahl gehen sehen?

 

... SAM einfach tun lassen, was er mag. Befehlen Sie. Wenn Sie sehen, dass er sich hinlegen will, sagen Sie schnell "Platz" (nur wenn Sie sicher sind, dass er es wirklich tut). Will er freiwillig aus dem Auto springen, geben Sie trotzdem noch ein Kommando. Es macht für SAM einen großen Unterschied, ob er tun kann, was er will, oder ob Sie es ihm befehlen.

 

... SAM zuerst füttern. Richten Sie den Tagesablauf so ein, dass SAMs Fütterung im Anschluss an eine Ihrer Mahlzeiten erfolgt. Lassen Sie ihn schmachtend zusehen, wie Sie Ihre Mahlzeit verzehren. Bleiben Sie standhaft. Es ist für jeden Hund völlig normal zu warten, bis ranghöhere Tiere ihre Mahlzeit beendet haben. Wenn Sie satt sind, ist er dran.

 

... darf SAM sich auf der gleichen räumlichen Ebene wie Sie oder gar einer höheren befinden.
das geht garnicht
Sie sitzen nie auf dem Fußboden. SAM hat nichts auf dem Sofa oder dem Bett zu suchen. Es sei denn, Sie sitzen auf dem Schrank.

 

... dürfen Sie SAM einen Wunsch erfüllen, ohne dass er vorher eine Geste der Unterordnung zeigt. Er steht vor der Tür - Sie befehlen "Sitz", bevor Sie ihn hinauslassen, er bettelt um ein Leckerchen - lassen Sie ihn sitzen, die Pfote geben oder was immer Ihnen geeignet erscheint. Diese übung hat auch einen praktischen Nutzen. Wenn SAM gelernt hat zu sitzen, wann immer er etwas möchte, werden Sie im normalen Leben eher Beifall ernten. Stellen Sie sich vor, SAM und Ihnen begegnet auf der Straße jemand, der etwas Essbares in der Hand hält. Variante 1: SAM springt an demjenigen hoch und versucht das Leckerchen aus der Hand zu schnappen. Variante 2: SAM setzt sich vor denjenigen, setzt sein Babygesicht auf und gibt die Pfote. Was ist Ihnen lieber?

 

... darf SAM sein Futter, einen Kauknochen oder ein Spielzeug knurrend vor Ihnen verteidigen. Als ranghöheres Tier haben Sie jederzeit das Recht, Futter für sich zu beanspruchen. üben Sie das Wegnehmen gezielt. Nehmen Sie ihm, während er frisst, die Futterschüssel weg. Lassen Sie SAM sitzen. Geben Sie ihm die Futterschüssel dann wieder. Klar, dass dann noch ein extra leckeres Häppchen darin sein sollte. Sollte SAM so dominant sein, dass Sie sich nicht trauen, ihm Futter wegzunehmen, fangen Sie damit an, dass Sie ihm sein Futter erst geben, wenn er platt auf dem Boden liegt oder wenigstens sitzt. SAM darf auf keinen Fall schon mit dem Kopf im Napf hängen, bevor sie ihn auf den Boden gestellt haben. Erst auf Ihr Kommando darf SAM aufstehen und zum Napf gehen. Nötigenfalls müssen Sie ihn anbinden oder sich von jemandem helfen lassen, der ihn festhält. Bleiben Sie in SAMs Nähe während er frisst, wenn möglich, streicheln Sie ihn. üben Sie das solange, bis Sie mit dem Wegnehmen anfangen können.

 

... inkonsequent sein. Ihr erstes "Nein" sollte SAM schon treffen, während er sich die nächste Untat gerade ausdenkt. Und es bleibt bei einem "Nein". Hört er nicht, müssen Sie einschreiten. Sagen Sie dreimal "Nein" und lassen ihn dann doch gewähren, haben Sie verloren.

 

... darf SAM ein Augen-Duell gewinnen. Das "Niederstarren" ist ein Unterordnungsritual, das man auch gut bei Hunden untereinander beobachten kann. Das direkte Anstarren ist Herausforderung, der Unterlegene senkt zuerst den Blick. Vielleicht ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass die meisten Hunde einen nicht direkt ansehen. Der typische "Hundeblick" kommt immer so ein bisschen von unten. Ein Hund, der Sie nur von unten herauf oder gar nicht ansieht, wird keine Dominanzprobleme verursachen, weil er sich von sich aus schon unterordnet. SAM allerdings blickt jedem unbefangen ins Auge. Das allein ist noch neutral, weder Unterordnung noch Herausforderung. SAM empfindet Menschen grundsätzlich nicht als bedrohlich, deshalb hat er es nicht so eilig, beschwichtigende Gesten der Unterordnung zu zeigen. Weil Sie SAM durch das Anstarren zu einem Rangkampf herausfordern, ist hier Vorsicht geboten. Fangen Sie kein Augen-Duell an, wenn Sie nicht absolut Herr der Lage und sicher sind, es zu gewinnen. Wenn SAM damit beginnt, Sie zu fixieren, und Sie die Situation als bedrohlich empfinden, müssen Sie den Kampf beenden, ohne ihn zu verlieren. Das heißt, Sie dürfen auf keinen Fall wegblicken, besser ist es, SAM abzulenken. Es reicht, wenn er nur einen Moment den Kopf bewegt. Machen Sie irgendein Geräusch oder etwas anderes, das seine Aufmerksamkeit erregt. Achten Sie gut darauf, ob SAM Sie anstarrt, wenn Sie es möglicherweise gar nicht bemerken. Wenn Sie die Situation im Griff haben, machen Sie sich das Ritual zunutze, um SAM klarzumachen, dass Sie der Chef sind. Erwidern Sie seinen Blick oder starren Sie ihn an, bis er aufgibt. Er wird entweder irgendwann deutlich den Blick senken oder verlegen etwas "Wichtiges" tun, vielleicht muss er sich gerade am Ohr kratzen oder gähnen. Dann geht die Runde an Sie.

 

... SAM als Sieger aus einem Spiel gehen lassen.
Sitz, brav
SAM
rauft gern und hat viel überschüssige Kraft. Deshalb gefallen ihm Zerr-Spiele besonders gut, Bälle zu apportieren mag SAM nur gelegentlich. Solche Spiele sind eine wunderbare Sache. Sie und SAM haben gemeinsam Spaß, SAM ist beschäftig und liebt Sie dafür, deswegen haben Sie seine volle Aufmerksamkeit und ganz nebenbei können Sie SAM seinen Platz in der Rangordnung verdeutlichen. Angenommen, Sie balgen mit SAM um ein Seil, achten Sie darauf, dass SAM nicht das Seil bekommt und damit verschwindet. überlassen Sie es ihm nur, wenn Sie sicher sind, es ihm wieder abnehmen zu können. Es schadet auch nicht, wenn Sie SAM mal kurz "Sitz" machen lassen, bevor er an dem Spielzeug zerren darf. üben Sie "Aus", indem Sie ihm das Spielzeug kurz wegnehmen. Klar, dass SAM es zur Belohnung gleich wiederbekommt. Machen. Sie sich klar, was solche Spiele für SAM bedeuten. Sie glauben er spielt ja sooo niedlich - von wegen - Ihr SAM ahmt Kampf-, Jagd- und Beuterituale nach. Und bei der Jagd im Rudel hört alles auf ein Kommando, das des Chefs. Also müssen Sie den ganzen Ablauf des Spielgeschehens bestimmen. Ebenso wichtig ist, dass SAM die Beute am Ende der Jagd bei Ihnen abliefert. Das kann geschehen, indem Sie das Spiel beenden, wenn SAM Ihnen den Ball gebracht hat oder Sie ihm das Seil weggenommen haben. Spielen Sie nicht solange, bis SAM keine Lust mehr hat. So bleibt das Spiel für ihn attraktiv und außerdem nutzt es Ihnen nichts, wenn Sie die Beute zwar haben, SAM sich aber schon lange nicht mehr dafür interessiert. Sie dürfen sich auf SAMs Spielaufforderung übrigens ruhig einlassen. Auch im Hunde- bzw. Wolfsrudel werden Spiele häufig von rangniederen Tieren angeregt. Vorsicht! Sie müssen auch hier die richtige Balance finden. Der Chef hat nicht immer Zeit für alberne Spielchen. Manchmal hat er keine Lust oder etwas Wichtigeres zu tun. Es darf nicht dahin ausufern, dass Sie gehorchen, wann immer SAM spielen möchte.

 

... Unterwerfungsgesten unterdrücken. Wenn SAM zur Begrüßung an Ihnen hoch springt und versucht, Ihnen durch das Gesicht zu lecken, finden Sie das vielleicht lästig, SAM aber vollführt ein Ritual der Unterwerfung. Er huldigt seinem Chef und zeigt dies, indem er auf eine infantile Verhaltensweise zurückgreift: Welpen animieren auf diese Weise die Alttiere, ihnen Futter vorzuwürgen. Wann immer SAM als Erwachsener sich verhält wie ein Welpe, ist das eine Demutsgeste. SAM könnte nie verstehen, warum er dafür bestraft wird. Wenn Sie Dominanzprobleme mit SAM haben, ist es der Entwicklung Ihrer Beziehung auch wenig zuträglich, SAM ausgerechnet dann zurückzuweisen, wenn er sich einmal submissiv verhält. Da müssen Sie also durch. Vielleicht gehen Sie vor SAM in die Hocke, damit er Sie beim Anspringen nicht umwirft oder beschmutzt, weichen Sie seiner Schnauze ein bisschen aus, damit das Schlecken danebengeht - dann ist das Ritual trotzdem eingehalten. Falls Sie es wirklich unerträglich finden, können Sie es ihm abgewöhnen, wenn sich die Beziehung zu SAM stabilisiert hat.

 

... SAM zuerst begrüßen. Falls außer Ihnen noch weitere Menschen zur Familie gehören, gilt wann immer jemand heimkommt: zuerst werden die Menschen begrüßt, SAM muss sich hinten anstellen. Wenn er versucht, sich vorzudrängeln oder als erster am Gartentor ist, ignorieren Sie ihn. Begrüßen Sie ihn nach den anderen Familienmitgliedern, dann aber ausgiebig. Auch das Empfangen von Gästen sollten Sie nicht SAM überlassen. Erst umarmen Sie den Besuch, dann darf SAM begrüßt werden.

 

... darf SAM den Anführer spielen. Will er rechts herum, gehen Sie nach links. Wollten Sie ursprünglich nach rechts? Dann gehen Sie nur ein paar Schritte in die andere Richtung und machen dann kehrt. Wichtig ist nur, dass Sie sagen, wo es langgeht.

 

Quelle: Journal für Nordische Hunde, Ausgabe 12, Dezember 1999, S. 28 -33

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