Nothilfe fuer Polarhunde e.V. - Freudenstadt

 

[SAM-ein Fall für Spezialisten]  [Allgemeine Regeln der Hundeerziehung]  [Grundsätzliches]  [SAM-derBoss? [SAM-allein zu Haus] [SAM sucht einen Job]
[Der Second-Hand-SAM]


 

Von Eva Felizitas Nietiedt


Neues von SAM - dem Schlimmsten Anzunehmenden Malamute


Der Second-Hand-SAM - Wie bewältigt man die Probleme, die ein Hund mit unbekannter oder ungünstiger Vorgeschichte macht?

Bevor wir zu den typischen Problemen kommen, möchte ich folgendes vorausschicken. Für alle, die sich entschlossen haben, einen heimatlosen Hund aufzunehmen, der wahrscheinlich nicht der süßeste Welpe der Welt ist, und der noch wahrscheinlicher eine Menge Schwierigkeiten bedeutet:

Bravo, das haben Sie richtig gemacht. Sie haben Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein gezeigt, indem Sie nicht mit einer "Welpen-Bestellung" bei einem Züchter dafür gesorgt haben, dass noch mehr überflüssige Hunde in die Welt gesetzt werden.

Um den Eindruck zu vermeiden, dass ein Second-Hand-SAM nur Nachteile bringt, gestatten Sie mir bitte noch ein kurzes Plädoyer für den Zweite-Hand-Hund. Der kann nämlich auch einige Vorteile haben. Im Gegensatz zum süßesten Welpen der Welt ist er erwachsen, d. h. er muss nicht rund um die Uhr gefüttert, beaufsichtigt, hinausgebracht und an die Welt gewöhnt werden. Ein erwachsener Hund schläft nachts genauso gern wie Sie. Im Idealfall ist er sogar völlig unverdorben und vielleicht gut erzogen. Unproblematische "Gebraucht-Hunde" sind optimal als Einsteiger-Modell. Das erspart eine Menge harter Arbeit. Hatte Ihr SAM es früher aber nicht so gut wie bei Ihnen, wird er sich Ihnen umso dankbarer anschließen (kein Märchen - Erfahrung!). Der Welpenkauf ist auch Glücksache (Ja, liebe Züchter, beschimpft mich ruhig!). Niemand kann voraussagen, was aus dem süßesten Welpen der Welt wird, wenn er mal erwachsen ist. Beim Second-Hand-SAM gilt: what you get is what you see - Überraschungen ausgeschlossen, hier kann man ggf. ganz genau entscheiden, ob man mit dieser oder jener Macke zurecht kommt oder eben nicht. Je nachdem, wie man zu seinem Second-Hand-SAM kommt, hat man auch mehr oder weniger Gelegenheit, ihn in Ruhe kennen zulernen, bevor man ihn endgültig zu sich nimmt. Vielleicht steht Ihnen sogar der Vorbesitzer oder ein Verein wie die Nothilfe auch nach SAMs Übernahme zur Seite.

Darüber hinaus sollte man auch die Vorteile eines älteren Hundes nicht übersehen: so ein Oldie mag es eher ruhig und beschaulich, er ist kein stressiger Hunde-Teenager, der nur Unsinn im Kopf hat.
Lieber etwas gediegener
Und - so leid es mir tut, das so nüchtern festzustellen - auch die zu erwartende kürzere Lebenszeit eines älteren Hundes kann von Vorteil sein: Sie müssen nicht Ihr Leben für die nächsten rund fünfzehn Jahre mit Hund planen, sondern können von einem entsprechend kürzeren Zeitraum ausgehen. Das bedeutet, egal ob man selbst vielleicht schon älter ist oder sich aus beruflichen, privaten oder sonstigen Gründen nicht für zehn Jahre oder länger festlegen kann, ein Welpe kommt nicht in Frage, ein älterer Hund ist die richtige Lösung. Und natürlich gibt es für viele typische Probleme auch Lösungen.

SAM war ein Zwinger-Hund.
SAM war Zwingerhund
Das allein kann schon ein Problem sein, wenn man ihn ins Haus holt. Wenn SAM sein Leben bisher ausschließlich im Zwinger verbracht hat, hat er von der Welt buchstäblich noch nichts gesehen. Er kennt kein Haus, keine Menschen, keine Straßen, keine anderen Hunde, Halsband und Leine sind ihm vielleicht fremd, anfassen lässt er sich nicht und stubenrein ist er sowieso nicht. Im schlimmsten Fall ist er im Zwinger völlig verblödet und hat Verhaltensstörungen entwickelt. Eine einzige Patent-Lösung gibt es in diesem Fall nicht. Grundsätzlich sollte man Hunde erfahren sein, wenn man einen SAM hat, der wirklich zwingergeschädigt ist. In solchen Fällen ist außerdem ein vierpfotiger Co-Trainer durch nichts zu ersetzen, wenn der Zwinger-SAM nicht ein völlig gestörtes Verhältnis zu Artgenossen hat (gleichgeschlechtliche ausgeschlossen). Man muss sich vorstellen, dass ein Zwingerhund einen regelrechten Kulturschock erleidet, wenn er plötzlich aus seinem Zwinger heraus in eine völlig neue Umgebung mit einer Fülle von unbekannten Dingen verfrachtet wird. Wenn er ängstlich auf seine neue Welt reagiert, kann es sich empfehlen, ihm einen provisorischen Zwinger im Garten zu basteln. Natürlich bleibt die Tür offen, damit er heraus kommen kann, wenn er sich traut. Unabhängig davon, ob der Zwinger-SAM nun die zuvor beschriebene vollkommene Katastrophe ist, oder nur eines der nachfolgend beschriebenen Probleme hat, ist die Lösung in jedem einzelnen Fall die gleiche. Bei einer Vielzahl von Problemen sollte man es langsam angehen lassen. Bevor der Hund sich nicht einmal ins Haus traut, hat es keinen Zweck ihn stubenrein bekommen zu wollen, und solange er nicht einmal frisst, ist es zwecklos, an seinen Manieren zu arbeiten. Hier muss man behutsam eines nach dem anderen angehen.

SAM ist nicht stubenrein. Hier gibt es mehrere mögliche Ursachen: SAM ist ein Zwinger-Hund, SAM ist krank, SAM hat vor lauter Aufregung vergessen, dass er eigentlich stubenrein ist. In seltenen Ausnahmefällen kann es auch vorkommen, dass SAM Probleme mit anderen Hunden im Haushalt hat und deswegen ins Haus macht. Diese Fälle benötigen aber speziell auf den Einzelfall zugeschnittene Lösungen, die hier nicht alle angesprochen werden können. Sinnvoll ist dann, einen Tierarzt oder Verhaltenstrainer hinzuzuziehen. Der Tierarzt wird ebenfalls benötigt, wenn noch nicht ausgeschlossen ist, dass SAM krank ist. Wenn er eine Erkrankung der Verdauungsorgane oder gar Würmer hat, hat es überhaupt keinen Sinn, ihn zur Stubenreinheit zu erziehen. Sobald feststeht, dass SAM organisch gesund ist, kann man mit dem Training beginnen. Sollte SAM nur vergessen haben, dass er stubenrein ist, wird er sich nach kurzer Zeit ohnehin daran erinnern. Bei einem Umzug ist übrigens ein Aufregungsdurchfall völlig normal und überhaupt kein Anlass zur Aufregung.

Oberstes Gebot beim Sauberkeitstraining ist Pünktlichkeit. Wenn man schon weiß, dass SAM nicht stubenrein ist, weiß man bereits auch, wann gen au er sich üblicherweise erleichtert. Daran kann man SAMs persönliche Intervalle ermitteln, in denen man ihn dann hinausbringt (außerdem natürlich immer wenn er Anstalten macht, sich hinzuhocken oder das Bein zu heben). Füttern sollte man SAM anfangs möglichst nur einmal täglich, IMMER zur gleichen Zeit. Etwa zwei bis drei Stunden später führt man ihn genauso immer um die gleiche Zeit hinaus und geht nicht wieder hinein, bevor er seinen Haufen gemacht hat. Die Zeitangabe soll nur zur Orientierung dienen! Beobachten Sie SAM genau und finden Sie heraus, wann genau er wirklich muss. In der ersten Übungsphase kommt es darauf an, dass SAM so oft wie möglich draußen macht. Sobald er das tut, Loben und Belohnen! (Natürlich halten Passanten Sie für völlig irre, wenn Sie sich ausgiebig über einen Hundehaufen freuen!)

Sobald ihm drinnen ein Missgeschick unterläuft, halten Sie sich vor Augen: Es ist nicht seine Schuld. Sie haben ihn nicht rechtzeitig hinausgebracht. Strafe für SAM ist also unangebracht, Ihre Strafe ist das Saubermachen. Dabei sollte SAM auf gar keinen Fall zusehen. Nehmen Sie keine Notiz davon und bringen Sie SAM unauffällig aus dem Zimmer, bevor Sie die Schweinerei aufwischen (Essigreiniger ist zu empfehlen). Mit-der-Nase-hineinstupsen o. ä. ist völlig unsinnig. Wissen sollte man folgendes: ein erwachsener Hund beschmutzt seine Höhle nicht freiwillig. Er tut es entweder, weil er nicht rechtzeitig hinaus kann, oder weil er Ihr Haus noch nicht als seine Höhle betrachtet. Das erledigt sich, sobald SAM sich bei Ihnen richtig zu Hause fühlt. Ein besonderes Problem hat allerdings der Zwinger-SAM. Ihm ist sein angeborener Drang, seine Höhle sauber zu halten, aberzogen worden. Der Zwinger-SAM glaubt, es ist richtig, sich drinnen zu lösen und traut sich draußen nicht, selbst wenn er überhaupt auf die Idee kommt. Manch ein Zwinger-SAM verkneift es sich draußen mit solcher Macht, dass man stundenlang vergeblich mit ihm umherlaufen kann. Daheim angekommen, erledigt er sein Geschäft dann mit riesiger Erleichterung. Solch ein SAM braucht ein Vorbild, sein Mensch braucht daher einen Co-Trainer. Wenn noch andere Hunde im Haushalt leben, wird SAM ohnehin mehr von denen abschauen, als ein Mensch ihm beibringen könnte. Wenn kein weiterer Hund im Haushalt lebt, suchen Sie Hilfe in der Nachbarschaft. Es ist sicher ein anderer Hundehalter bereit, Sie und SAM mit seinem Hund beim Spazierengehen zu begleiten, damit SAM sieht, dass es nicht verboten ist, sein Geschäft draußen zu erledigen.

Wenn SAM gelernt hat, dass man nicht ins Haus macht, können Sie behutsam beginnen, in der schon beschriebenen Weise für den Spaziergang feste Zeiten zu etablieren, die natürlich nicht zu weit auseinander liegen sollten. Dazwischen bringen Sie ihn nur noch hinaus, wenn es nicht anders geht. Wichtig ist aber weiterhin, die festgesetzten "Gassi-Zeiten" einzuhalten und immer noch pünktlich zu füttern. Wie oft und wie lange dann ein Spaziergang notwendig ist, können Sie nur selbst herausfinden. SAM wird es Ihnen zeigen, Sie müssen nur richtig hinsehen.

SAM frisst nicht. Auch bei diesem Problem können Aufregung oder Erkrankungen mögliche Ursachen sein. Wenn ein gesunder erwachsener Hund mal einen Tag, beispielsweise am ersten Tag im neuen Zuhause nicht frisst, wird er keinen Schaden davontragen. Daneben gibt es natürlich zahlreiche Tricks, um das Futter für SAM unwiderstehlich zu machen. Die Zugabe von Fleischbrühe, Distelöl, zerlassener Butter oder Leberwurst sind nur einige Tipps (Vorsicht ungesund, deswegen nur Notlösung). Wenn ihm das über die Aufregung hinweghi1ft, gibt sich das Problem nach ein paar Tagen.

Die Fressgewohnheiten von Hunden sind ebenso individuell wie kulinarische Vorlieben der Zweibeiner. Manch ein SAM beginnt zu sabbern, wenn Sie nur "Fisch" sagen, andere wenden sich angeekelt ab. Viele Zwinger-SAMs haben eine Abneigung gegen frisches Futter und mögen es nur, wenn es schon schlabbrig und angegammelt ist. Das finden Sie mit der Zeit schon heraus. Falls Sie einen SAM kennen, der ein Butterbrot mit Schinken verschmäht, rufen Sie mich bitte an, es sei denn, er hat lieber das Käsebrot, das daneben lag, gestohlen. Sollte die Futterverweigerung länger als 24 Stunden dauern, gehen Sie besser zum Tierarzt - Zähne anschauen nicht vergessen!

Wenn SAM weiterhin nicht fressen mag, obwohl der Tierarzt ihn für gesund befunden hat und obwohl Sie ihm verschiedene (Lock-)Angebote gemacht haben, könnte es sein, dass SAM sich nicht traut. Unterwürfige Hunde (eher unwahrscheinlich bei einem SAM) beispielsweise trauen sich nicht, in Gegenwart anderer zu fressen. Halten Sie mehrere SAMs sorgen Sie für eine strikte räumliche Trennung beim Fressen, möglichst so, dass die Hunde sich weder sehen noch hören können. Die Hemmung, in Anwesenheit eines ranghöheren Rudelmitgliedes zu fressen, macht übrigens auch vor Ihnen nicht halt. Daher sollten Sie einen Kostverächter möglichst mit seinem Napf allein und in Ruhe lassen. Dies ist allerdings kein schlechtes Zeichen und bedeutet nicht, dass SAM Angst vor Ihnen hat, sondern schlicht, dass er Sie als übergeordnet ansieht. Ein solcher SAM wird Ihnen kaum Dominanzprobleme verursachen, freuen Sie sich.

Auch ein schlecht fressender SAM sollte an feste Fütterungszeiten gewöhnt werden. Vergessen Sie nicht, dass SAMs Fütterung sich auf Ihren ganzen Tagesablauf auswirkt: Sie müssen ihn anschließend beaufsichtigen, damit er nicht wild herumspringt und sich eine Magendrehung zuzieht. Direkt nach dem Fressen könnte ihm beim Autofahren schlecht werden, und letztendlich hängen auch seine Spaziergeh- und Allein-sein-Zeiten vom Zeitpunkt der Fütterung ab. Deshalb sollten Sie ihm das Futter nicht für unbegrenzte Zeit zur Verfügung stellen, sondern nach möglichst kurzer Zeit den Napf wegräumen, auch wenn er nicht leer gefressen ist. Wie viel Zeit Sie Ihrem SAM mindestens lassen müssen, können Sie nur selbst erforschen. Er wird sich aber mit der Zeit daran gewöhnen, dass man nicht ewig mit dem Futter herumpanschen kann. Außerdem kann die Aussicht, dass der Napf nicht ewig dastehen wird, ungeheuer appetitanregend wirken.

Wichtiger als das Fressen ist aber, dass SAM genügend Wasser aufnimmt. Allerdings sind auch hier die Geschmäcker verschieden. Viele verschmähen Leitungswasser und machen sich umso genüsslicher über Pfützen, Teiche u. ä. her. Falls er nicht trinkt, gehen Sie aber besser gleich zum Tierarzt.

SAM fürchtet sich vor allem. Der Angst-SAM ist ein echtes Problem. Ein SAM, der sich vor allem und jedem fürchtet, braucht zunächst mal zwei Dinge: mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit. Sicherheit bringt ihm vor allem eine deutliche Rangordnung im Rudel. Das bedeutet keineswegs, dass Sie SAM zum Rudel-Boss ernennen sollen, im Gegenteil. Ein ängstlicher SAM, dem eine stabile Rudelordnung fehlt, wird sich verpflichtet fühlen, in dem aus seiner Sicht wirren Haufen für Ordnung zu sorgen und sich damit gleich noch mehr überfordert fühlen. Hier müssen Sie ein echtes Alpha-Tier sein. Zeigen Sie SAM deutliche Grenzen und verlässliche Regeln. Nein ist nein, und was gestern nein war, ist auch heute und morgen nein. Daran müssen sich alle Rudelmitglieder halten. Wenn Oma das nicht kann, weil er ja sooo süüüß um die Schokolade bettelt, müssen Sie Oma von SAM fernhalten, bis er sicherer und selbstbewusster ist. Nur wenn SAM Sie respektiert, traut er Ihnen auch zu, ihn zu beschützen und zu versorgen. Sie müssen den Ton angeben und zwar immer! Außerdem sorgen Sie natürlich auch dafür, dass ihm kein Unheil geschieht. Dann wird SAM mit der Zeit ein beruhigendes Gefühl der Sicherheit entwickeln und sich unter dem Schutz seines Rudels der einen oder anderen Herausforderung - das kann schon eine knisternde Plastiktüte, die ihn ängstigt, sein - stellen und daraus ein neu es Selbstvertrauen entwickeln. Andersherum dürfen Sie sich auf gar keinen Fall vor irgendetwas fürchten. Wenn Sie Dinge, die SAM ängstigen, meiden oder aufgeregt reagieren, wird er glauben, Sie hätten davor genau solche Angst wie er. Also bleiben Sie gelassen, aber zwingen Sie ihn zu nichts. Ein verlässliches Alttier ist immer das beste Mittel. gegen einen ängstlichen Hund. Schauen Sie sich einmal andere Hundehalter an: ängstliche aufgeregte alte Damen haben eher hysterische Kläffer, wohingegen sich selbstsichere, gelassene Hundepersönlichkeiten eher bei Menschen finden, auf die diese Beschreibung auch zutrifft. Dies soll keine Vorurteile schüren, aber beobachten Sie doch einfach mal selbst.

SAM fürchtet sich vor bestimmten Dingen. Au weh, spezielle Angstauslöser sind ein weites Feld. Gewitter, Feuerwerk oder der Tierarzt sind nur einige typische Beispiele. Grundsätzlich gilt folgendes: Sie müssen zunächst einmal abwägen zwischen SAMs Grad der Angst vor der bestimmten Sache und dem Erfordernis, ihn daran zu gewöhnen. Wenn SAM sich z. B. vor der Leine fürchtet, müssen Sie etwas dagegen unternehmen, egal wie lange es dauert und wie beschwerlich es für Sie und SAM ist. Wenn SAM sich aber etwa vor gefliesten Räumen fürchtet, haben Sie mehrere Möglichkeiten: Sie erwägen einen Umzug, weil Ihr Haus komplett gefliest ist; Sie lassen alles wie es ist, weil nur Ihr Bad gefliest ist und SAM dort ohnehin nichts verloren hat, oder Sie machen sich an die harte Arbeit, SAM an Fliesen zu gewöhnen. Es gibt keine festen Regeln, wovor ein Hund Angst haben soll oder darf - seine Menschen ausgenommen. Es kommt nur darauf an, dass Sie und SAM im Alltag problemlos zurechtkommen. Vergessen Sie den Schutzhundausbilder, der Sie abkanzelt, weil "so ein großer Hund doch keine Angst zeigen darf“. Vergessen Sie ihn und ersparen Sie sich und SAM unnötige Torturen.

Nun zu den nötigen Torturen, z. B. der Leine. Wenn SAM sich jedes Mal abduckt, sobald Sie versuchen, ihm die Leine anzulegen, kommen wieder einmal mehrere Gründe in Betracht: Er kennt das einfach nicht oder SAMs früherer Mensch hat ihn mit der Leine verprügelt. Sinnvoll ist dann, zunächst mal auf eine möglichst leichte, weiche Nylon-Leine umzusteigen und vor allem beim Anlegen darauf zu achten, dass die Karabiner nicht lautstark aneinanderrasseln. Vermeiden Sie heftige Bewegungen, ausladende Gesten und beugen Sie sich möglichst nicht über SAM. Nähern Sie sich lieber von der Seite beim Anlegen der Leine. Eventuell legt sich SAMs Angst dann schon. Wenn er sich auch weiterhin fürchtet, müssen Sie jeden Spaziergang zu einem tollen Erlebnis für SAM machen, und gleichzeitig versuchen, eine stabile, angstfreie Beziehung zu ihm aufzubauen. Sobald SAM Ihnen vertraut, können Sie sich die Leine umhängen, um wann immer Sie in SAMs Nähe sind, diese Leine dabeizuhaben. Wenn Sie mit ihm spielen, wenn Sie mit ihm schmusen und wenn Sie ihn füttern - einfach in jeder Situation, die SAM angenehm ist, muss die Leine dabei sein und auch sonst so oft es geht. Sobald er sich an die Leine gewöhnt, hört er auf, sie als bedrohlich zu empfinden. Dieses Prinzip lässt sich eigentlich auf alle Gegenstände, vor denen SAM sich fürchtet anwenden. Zugegeben, es ist ein wenig unpraktisch, bei allem was man tut, z. B. eine Zeitung in der Hand zu halten, aber wenn SAM früher zur Strafe die Zeitung übergezogen bekam, Sie aber die Zeitung lesen möchten, ohne dass SAM in Panik verfällt, bleibt Ihnen kaum etwas anderes.

SAM mag nicht Autofahren. Wiederum gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kennt SAM einfach kein Auto oder er hat vielleicht schon schlechte Erfahrungen gemacht. Falls ihm sogar regelmäßig im Auto schlecht wird, kann man kaum etwas tun, außer darauf zu achten, dass SAM nicht mit vollem Magen ins Auto steigt. In diesem Fall besteht aber wenig Hoffnung, ihm das Autofahren zum Vergnügen zu machen. Wenn SAM das Auto einfach unheimlich findet, weil er das nicht kennt, haben Sie schon bessere Chancen. Zuerst müssen Sie eine positive Grundstimmung schaffen, das Auto sollte nicht zu warm sein und auf keinen Fall dürfen Sie den Motor starten, bevor SAM drin ist. Zuerst sollte SAM das Auto auf einem ruhigen Platz erkunden dürfen. Im besten Fall haben Sie ein Grundstück, auf dem SAM sich allein mit dem Auto beschäftigen kann, solange er es für nötig hält. öffnen Sie alle Türen und vergessen Sie ein Leckerchen im Wagen. Die meisten SAMs wird schon die Neugier in diese seltsame Höhle auf vier Rädern treiben. Wenn SAM nicht von allein kommt, locken Sie ihn in die Nähe des Wagens. Gehen Sie dann mit ihm Schritt für Schritt näher heran und loben Sie ihn für jeden Zentimeter. Sobald SAM im Auto ist, setzen Sie sich zu ihm. Damit sollten Sie die erste Übung beenden. Beim nächsten Mal schließen Sie die Türen, wenn Sie und SAM im Auto sitzen. Als nächsten Schritt stellen Sie kurz den Motor an, fahren aber noch nicht. Das sollten Sie erst tun, wenn SAM das Bei-laufendem-Motor-im-Auto-sitzen verkraftet. Bei alledem muss das Auto für SAM immer etwas Angenehmes bringen. Entweder belohnen Sie ihn mit Leckerchen oder nehmen sein Lieblingsspielzeug mit, das er haben darf, sobald er im Wagen sitzt. Die zuerst sehr kurze Fahrt können Sie dann schrittweise verlängern. Klar, dass am Ende jeder Autofahrt für SAM ein tolles Abenteuer oder ein langer Spaziergang herauskommen muss. Wer nur zweimal im Jahr mit SAM Auto fährt, und das immer direkt zum Tierarzt, muss sich nicht wundern, wenn SAM eine Abneigung gegen das Auto entwickelt.

SAM ist überhaupt nicht so, wie der Vorbesitzer gesagt hat. Ein weit verbreitetes Phänomen bei Zweite-Hand-Hunden ist tatsächlich, dass Angaben des früheren Besitzers so überhaupt nicht zuzutreffen scheinen. Falls Ihnen das auch mit Ihrem SAM passiert ist, lassen Sie sich nicht beunruhigen. Es kommt schon vor, dass der frühere Besitzer SAM ein bisschen netter, besser erzogen usw. beschreibt, um ihn leichter vermitteln zu können. Bei Abgabe-Tieren in Heimen ist eher das Gegenteil der Fall, denn oft schämen sich die früheren Besitzer zuzugeben, dass Sie des Hundes überdrüssig sind o. ä. und behaupten dann einfach, SAM hätte z. B. gebissen oder andere Unarten gezeigt. Und auch wenn der Vorbesitzer SAM weder beschönigend beschreibt noch absichtlich schlecht macht ist es durchaus nicht ungewöhnlich, wenn SAM sich unter dem Eindruck des Umzugs und in der neuen Umgebung anders benimmt, als er es sonst gewöhnlich tat. In diesem Fall wird er aber, sobald er sich eingewöhnt hat, wieder ganz der Alte sein. Für die Auswahl Ihres Zweite-Hand-SAMs bedeutet das, dass Sie die Angaben von Tierpflegern oder Vorbesitzern ernst nehmen, Warnungen auf keinen Fall in den Wind schlagen aber auch nicht alles bedingungslos glauben dürfen.


Quelle: Journal für Nordische Hunde, Nr. 15, September 2000, S. 22 - 27

Alle Texte von S.A.M. zum Download (211Kb)

 

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