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Von Eva Felizitas Nietiedt
Neues von SAM - dem Schlimmsten Anzunehmenden
Malamute
Der Second-Hand-SAM - Wie
bewältigt man die Probleme, die ein Hund mit unbekannter oder
ungünstiger Vorgeschichte macht?
Bevor wir zu den typischen Problemen kommen, möchte ich
folgendes vorausschicken. Für alle, die sich entschlossen haben,
einen heimatlosen Hund aufzunehmen, der wahrscheinlich nicht der
süßeste Welpe der Welt ist, und der noch wahrscheinlicher eine
Menge Schwierigkeiten bedeutet:
Bravo, das haben Sie richtig gemacht. Sie haben Mitgefühl und
Verantwortungsbewusstsein gezeigt, indem Sie nicht mit einer
"Welpen-Bestellung" bei einem Züchter dafür gesorgt haben, dass
noch mehr überflüssige Hunde in die Welt gesetzt werden.
Um den Eindruck zu vermeiden, dass ein Second-Hand-SAM nur
Nachteile bringt, gestatten Sie mir bitte noch ein kurzes
Plädoyer für den Zweite-Hand-Hund. Der kann nämlich auch einige
Vorteile haben. Im Gegensatz zum süßesten Welpen der Welt ist er
erwachsen, d. h. er muss nicht rund um die Uhr gefüttert,
beaufsichtigt, hinausgebracht und an die Welt gewöhnt werden.
Ein erwachsener Hund schläft nachts genauso gern wie Sie. Im
Idealfall ist er sogar völlig unverdorben und vielleicht gut
erzogen. Unproblematische "Gebraucht-Hunde" sind optimal als
Einsteiger-Modell. Das erspart eine Menge harter Arbeit. Hatte
Ihr SAM es früher aber nicht so gut wie bei Ihnen, wird er sich
Ihnen umso dankbarer anschließen (kein Märchen - Erfahrung!).
Der Welpenkauf ist auch Glücksache (Ja, liebe Züchter,
beschimpft mich ruhig!). Niemand kann voraussagen, was aus dem
süßesten Welpen der Welt wird, wenn er mal erwachsen ist. Beim Second-Hand-SAM gilt: what you get is what you see -
Überraschungen ausgeschlossen, hier kann man ggf. ganz genau
entscheiden, ob man mit dieser oder jener Macke zurecht kommt
oder eben nicht. Je nachdem, wie man zu seinem Second-Hand-SAM
kommt, hat man auch mehr oder weniger Gelegenheit, ihn in Ruhe
kennen zulernen, bevor man ihn endgültig zu sich nimmt.
Vielleicht steht Ihnen sogar der Vorbesitzer oder ein Verein wie
die Nothilfe auch nach SAMs Übernahme zur Seite.
Darüber hinaus sollte man auch die Vorteile eines älteren Hundes
nicht übersehen: so ein Oldie mag es eher ruhig und beschaulich,
er ist kein stressiger Hunde-Teenager, der nur Unsinn im Kopf
hat.

Und - so leid es mir tut, das so nüchtern festzustellen -
auch die zu erwartende kürzere Lebenszeit eines älteren Hundes
kann von Vorteil sein: Sie müssen nicht Ihr Leben für die
nächsten rund fünfzehn Jahre mit Hund planen, sondern können von
einem entsprechend kürzeren Zeitraum ausgehen. Das bedeutet,
egal ob man selbst vielleicht schon älter ist oder sich aus
beruflichen, privaten oder sonstigen Gründen nicht für zehn
Jahre oder länger festlegen kann, ein Welpe kommt nicht in
Frage, ein älterer Hund ist die richtige Lösung. Und natürlich
gibt es für viele typische Probleme auch Lösungen.
SAM war ein Zwinger-Hund.

Das allein kann schon ein Problem
sein, wenn man ihn ins Haus holt. Wenn SAM sein Leben bisher
ausschließlich im Zwinger verbracht hat, hat er von der Welt
buchstäblich noch nichts gesehen. Er kennt kein Haus, keine
Menschen, keine Straßen, keine anderen Hunde, Halsband und Leine
sind ihm vielleicht fremd, anfassen lässt er sich nicht und
stubenrein ist er sowieso nicht. Im schlimmsten Fall ist er im
Zwinger völlig verblödet und hat Verhaltensstörungen entwickelt.
Eine einzige Patent-Lösung gibt es in diesem Fall nicht.
Grundsätzlich sollte man Hunde erfahren sein, wenn man einen
SAM
hat, der wirklich zwingergeschädigt ist. In solchen Fällen ist
außerdem ein vierpfotiger Co-Trainer durch nichts zu ersetzen,
wenn der Zwinger-SAM nicht ein völlig gestörtes Verhältnis zu
Artgenossen hat (gleichgeschlechtliche ausgeschlossen). Man muss
sich vorstellen, dass ein Zwingerhund einen regelrechten
Kulturschock erleidet, wenn er plötzlich aus seinem Zwinger
heraus in eine völlig neue Umgebung mit einer Fülle von
unbekannten Dingen verfrachtet wird. Wenn er ängstlich auf seine
neue Welt reagiert, kann es sich empfehlen, ihm einen
provisorischen Zwinger im Garten zu basteln. Natürlich bleibt
die Tür offen, damit er heraus kommen kann, wenn er sich traut.
Unabhängig davon, ob der Zwinger-SAM nun die zuvor beschriebene
vollkommene Katastrophe ist, oder nur eines der nachfolgend
beschriebenen Probleme hat, ist die Lösung in jedem einzelnen
Fall die gleiche. Bei einer Vielzahl von Problemen sollte man es
langsam angehen lassen. Bevor der Hund sich nicht einmal ins
Haus traut, hat es keinen Zweck ihn stubenrein bekommen zu
wollen, und solange er nicht einmal frisst, ist es zwecklos, an
seinen Manieren zu arbeiten. Hier muss man behutsam eines nach
dem anderen angehen.
SAM ist nicht stubenrein.
Hier gibt es mehrere mögliche
Ursachen: SAM ist ein Zwinger-Hund,
SAM ist krank, SAM hat vor
lauter Aufregung vergessen, dass er eigentlich stubenrein ist.
In seltenen Ausnahmefällen kann es auch vorkommen, dass
SAM
Probleme mit anderen Hunden im Haushalt hat und deswegen ins
Haus macht. Diese Fälle benötigen aber speziell auf den
Einzelfall zugeschnittene Lösungen, die hier nicht alle
angesprochen werden können. Sinnvoll ist dann, einen Tierarzt
oder Verhaltenstrainer hinzuzuziehen. Der Tierarzt wird
ebenfalls benötigt, wenn noch nicht ausgeschlossen ist, dass
SAM krank ist. Wenn er eine Erkrankung der Verdauungsorgane oder gar
Würmer hat, hat es überhaupt keinen Sinn, ihn zur Stubenreinheit
zu erziehen. Sobald feststeht, dass SAM organisch gesund ist,
kann man mit dem Training beginnen. Sollte SAM nur vergessen
haben, dass er stubenrein ist, wird er sich nach kurzer Zeit
ohnehin daran erinnern. Bei einem Umzug ist übrigens ein
Aufregungsdurchfall völlig normal und überhaupt kein Anlass zur
Aufregung.
Oberstes Gebot beim Sauberkeitstraining ist Pünktlichkeit. Wenn
man schon weiß, dass SAM nicht stubenrein ist, weiß man bereits
auch, wann gen au er sich üblicherweise erleichtert. Daran kann
man SAMs persönliche Intervalle ermitteln, in denen man ihn dann
hinausbringt (außerdem natürlich immer wenn er Anstalten macht,
sich hinzuhocken oder das Bein zu heben). Füttern sollte man
SAM
anfangs möglichst nur einmal täglich, IMMER zur gleichen Zeit.
Etwa zwei bis drei Stunden später führt man ihn genauso immer um
die gleiche Zeit hinaus und geht nicht wieder hinein, bevor er
seinen Haufen gemacht hat. Die Zeitangabe soll nur zur
Orientierung dienen! Beobachten Sie SAM genau und finden Sie
heraus, wann genau er wirklich muss. In der ersten Übungsphase
kommt es darauf an, dass SAM so oft wie möglich draußen macht.
Sobald er das tut, Loben und Belohnen! (Natürlich halten
Passanten Sie für völlig irre, wenn Sie sich ausgiebig über
einen Hundehaufen freuen!)
Sobald ihm drinnen ein Missgeschick unterläuft, halten Sie sich
vor Augen: Es ist nicht seine Schuld. Sie haben ihn nicht
rechtzeitig hinausgebracht. Strafe für SAM ist also
unangebracht, Ihre Strafe ist das Saubermachen. Dabei sollte
SAM
auf gar keinen Fall zusehen. Nehmen Sie keine Notiz davon und
bringen Sie SAM unauffällig aus dem Zimmer, bevor Sie die
Schweinerei aufwischen (Essigreiniger ist zu empfehlen). Mit-der-Nase-hineinstupsen o. ä. ist völlig unsinnig. Wissen
sollte man folgendes: ein erwachsener Hund beschmutzt seine
Höhle nicht freiwillig. Er tut es entweder, weil er nicht
rechtzeitig hinaus kann, oder weil er Ihr Haus noch nicht als
seine Höhle betrachtet. Das erledigt sich, sobald SAM sich bei
Ihnen richtig zu Hause fühlt. Ein besonderes Problem hat
allerdings der Zwinger-SAM. Ihm ist sein angeborener Drang,
seine Höhle sauber zu halten, aberzogen worden. Der Zwinger-SAM
glaubt, es ist richtig, sich drinnen zu lösen und traut sich
draußen nicht, selbst wenn er überhaupt auf die Idee kommt.
Manch ein Zwinger-SAM verkneift es sich draußen mit solcher
Macht, dass man stundenlang vergeblich mit ihm umherlaufen kann.
Daheim angekommen, erledigt er sein Geschäft dann mit riesiger
Erleichterung. Solch ein SAM braucht ein Vorbild, sein Mensch
braucht daher einen Co-Trainer. Wenn noch andere Hunde im
Haushalt leben, wird SAM ohnehin mehr von denen abschauen, als
ein Mensch ihm beibringen könnte. Wenn kein weiterer Hund im
Haushalt lebt, suchen Sie Hilfe in der Nachbarschaft. Es ist
sicher ein anderer Hundehalter bereit, Sie und SAM mit seinem
Hund beim Spazierengehen zu begleiten, damit SAM sieht, dass es
nicht verboten ist, sein Geschäft draußen zu erledigen.
Wenn SAM gelernt hat, dass man nicht ins Haus macht, können Sie
behutsam beginnen, in der schon beschriebenen Weise für den
Spaziergang feste Zeiten zu etablieren, die natürlich nicht zu
weit auseinander liegen sollten. Dazwischen bringen Sie ihn nur
noch hinaus, wenn es nicht anders geht. Wichtig ist aber
weiterhin, die festgesetzten "Gassi-Zeiten" einzuhalten und
immer noch pünktlich zu füttern. Wie oft und wie lange dann ein
Spaziergang notwendig ist, können Sie nur selbst herausfinden.
SAM wird es Ihnen zeigen, Sie müssen nur richtig hinsehen.
SAM frisst nicht. Auch bei diesem Problem können Aufregung oder
Erkrankungen mögliche Ursachen sein. Wenn ein gesunder
erwachsener Hund mal einen Tag, beispielsweise am ersten Tag im
neuen Zuhause nicht frisst, wird er keinen Schaden davontragen.
Daneben gibt es natürlich zahlreiche Tricks, um das Futter für
SAM unwiderstehlich zu machen. Die Zugabe von Fleischbrühe,
Distelöl, zerlassener Butter oder Leberwurst sind nur einige
Tipps (Vorsicht ungesund, deswegen nur Notlösung). Wenn ihm das
über die Aufregung hinweghi1ft, gibt sich das Problem nach ein
paar Tagen.
Die Fressgewohnheiten von Hunden sind ebenso individuell wie
kulinarische Vorlieben der Zweibeiner. Manch ein SAM beginnt zu
sabbern, wenn Sie nur "Fisch" sagen, andere wenden sich
angeekelt ab. Viele Zwinger-SAMs haben eine Abneigung gegen
frisches Futter und mögen es nur, wenn es schon schlabbrig und
angegammelt ist. Das finden Sie mit der Zeit schon heraus. Falls
Sie einen SAM kennen, der ein Butterbrot mit Schinken
verschmäht, rufen Sie mich bitte an, es sei denn, er hat lieber
das Käsebrot, das daneben lag, gestohlen. Sollte die
Futterverweigerung länger als 24 Stunden dauern, gehen Sie
besser zum Tierarzt - Zähne anschauen nicht vergessen!
Wenn SAM weiterhin nicht fressen mag, obwohl der Tierarzt ihn
für gesund befunden hat und obwohl Sie ihm verschiedene (Lock-)Angebote
gemacht haben, könnte es sein, dass SAM sich nicht traut.
Unterwürfige Hunde (eher unwahrscheinlich bei einem
SAM)
beispielsweise trauen sich nicht, in Gegenwart anderer zu
fressen. Halten Sie mehrere SAMs sorgen Sie für eine strikte
räumliche Trennung beim Fressen, möglichst so, dass die Hunde
sich weder sehen noch hören können. Die Hemmung, in Anwesenheit
eines ranghöheren Rudelmitgliedes zu fressen, macht übrigens
auch vor Ihnen nicht halt. Daher sollten Sie einen Kostverächter
möglichst mit seinem Napf allein und in Ruhe lassen. Dies ist
allerdings kein schlechtes Zeichen und bedeutet nicht, dass
SAM
Angst vor Ihnen hat, sondern schlicht, dass er Sie als
übergeordnet ansieht. Ein solcher SAM wird Ihnen kaum
Dominanzprobleme verursachen, freuen Sie sich.
Auch ein schlecht fressender SAM sollte an feste
Fütterungszeiten gewöhnt werden. Vergessen Sie nicht, dass
SAMs
Fütterung sich auf Ihren ganzen Tagesablauf auswirkt: Sie müssen
ihn anschließend beaufsichtigen, damit er nicht wild
herumspringt und sich eine Magendrehung zuzieht. Direkt nach dem
Fressen könnte ihm beim Autofahren schlecht werden, und
letztendlich hängen auch seine Spaziergeh- und
Allein-sein-Zeiten vom Zeitpunkt der Fütterung ab. Deshalb
sollten Sie ihm das Futter nicht für unbegrenzte Zeit zur
Verfügung stellen, sondern nach möglichst kurzer Zeit den Napf
wegräumen, auch wenn er nicht leer gefressen ist. Wie viel Zeit
Sie Ihrem SAM mindestens lassen müssen, können Sie nur selbst
erforschen. Er wird sich aber mit der Zeit daran gewöhnen, dass
man nicht ewig mit dem Futter herumpanschen kann. Außerdem kann
die Aussicht, dass der Napf nicht ewig dastehen wird, ungeheuer
appetitanregend wirken.
Wichtiger als das Fressen ist aber, dass SAM genügend Wasser
aufnimmt. Allerdings sind auch hier die Geschmäcker verschieden.
Viele verschmähen Leitungswasser und machen sich umso
genüsslicher über Pfützen, Teiche u. ä. her. Falls er nicht
trinkt, gehen Sie aber besser gleich zum Tierarzt.
SAM fürchtet sich vor allem. Der Angst-SAM ist ein echtes
Problem. Ein SAM, der sich vor allem und jedem fürchtet, braucht
zunächst mal zwei Dinge: mehr Selbstbewusstsein und Sicherheit.
Sicherheit bringt ihm vor allem eine deutliche Rangordnung im
Rudel. Das bedeutet keineswegs, dass Sie SAM zum Rudel-Boss
ernennen sollen, im Gegenteil. Ein ängstlicher SAM, dem eine
stabile Rudelordnung fehlt, wird sich verpflichtet fühlen, in
dem aus seiner Sicht wirren Haufen für Ordnung zu sorgen und
sich damit gleich noch mehr überfordert fühlen. Hier müssen Sie
ein echtes Alpha-Tier sein. Zeigen Sie SAM deutliche Grenzen und
verlässliche Regeln. Nein ist nein, und was gestern nein war,
ist auch heute und morgen nein. Daran müssen sich alle
Rudelmitglieder halten. Wenn Oma das nicht kann, weil er ja sooo
süüüß um die Schokolade bettelt, müssen Sie Oma von
SAM
fernhalten, bis er sicherer und selbstbewusster ist. Nur wenn
SAM Sie respektiert, traut er Ihnen auch zu, ihn zu beschützen
und zu versorgen. Sie müssen den Ton angeben und zwar immer!
Außerdem sorgen Sie natürlich auch dafür, dass ihm kein Unheil
geschieht. Dann wird SAM mit der Zeit ein beruhigendes Gefühl
der Sicherheit entwickeln und sich unter dem Schutz seines
Rudels der einen oder anderen Herausforderung - das kann schon
eine knisternde Plastiktüte, die ihn ängstigt, sein - stellen
und daraus ein neu es Selbstvertrauen entwickeln. Andersherum
dürfen Sie sich auf gar keinen Fall vor irgendetwas fürchten.
Wenn Sie Dinge, die SAM ängstigen, meiden oder aufgeregt
reagieren, wird er glauben, Sie hätten davor genau solche Angst
wie er. Also bleiben Sie gelassen, aber zwingen Sie ihn zu
nichts. Ein verlässliches Alttier ist immer das beste Mittel.
gegen einen ängstlichen Hund. Schauen Sie sich einmal andere
Hundehalter an: ängstliche aufgeregte alte Damen haben eher
hysterische Kläffer, wohingegen sich selbstsichere, gelassene
Hundepersönlichkeiten eher bei Menschen finden, auf die diese
Beschreibung auch zutrifft. Dies soll keine Vorurteile schüren,
aber beobachten Sie doch einfach mal selbst.
SAM fürchtet sich vor bestimmten Dingen.
Au weh, spezielle
Angstauslöser sind ein weites Feld. Gewitter, Feuerwerk oder der
Tierarzt sind nur einige typische Beispiele. Grundsätzlich gilt
folgendes: Sie müssen zunächst einmal abwägen zwischen
SAMs Grad
der Angst vor der bestimmten Sache und dem Erfordernis, ihn
daran zu gewöhnen. Wenn SAM sich z. B. vor der Leine fürchtet,
müssen Sie etwas dagegen unternehmen, egal wie lange es dauert
und wie beschwerlich es für Sie und SAM ist. Wenn
SAM sich aber
etwa vor gefliesten Räumen fürchtet, haben Sie mehrere
Möglichkeiten: Sie erwägen einen Umzug, weil Ihr Haus komplett
gefliest ist; Sie lassen alles wie es ist, weil nur Ihr Bad
gefliest ist und SAM dort ohnehin nichts verloren hat, oder Sie
machen sich an die harte Arbeit, SAM an Fliesen zu gewöhnen. Es
gibt keine festen Regeln, wovor ein Hund Angst haben soll oder
darf - seine Menschen ausgenommen. Es kommt nur darauf an, dass
Sie und SAM im Alltag problemlos zurechtkommen. Vergessen Sie
den Schutzhundausbilder, der Sie abkanzelt, weil "so ein großer
Hund doch keine Angst zeigen darf“. Vergessen Sie ihn und
ersparen Sie sich und SAM unnötige Torturen.
Nun zu den nötigen Torturen, z. B. der Leine. Wenn
SAM sich
jedes Mal abduckt, sobald Sie versuchen, ihm die Leine
anzulegen, kommen wieder einmal mehrere Gründe in Betracht: Er
kennt das einfach nicht oder SAMs früherer Mensch hat ihn mit
der Leine verprügelt. Sinnvoll ist dann, zunächst mal auf eine
möglichst leichte, weiche Nylon-Leine umzusteigen und vor allem
beim Anlegen darauf zu achten, dass die Karabiner nicht
lautstark aneinanderrasseln. Vermeiden Sie heftige Bewegungen,
ausladende Gesten und beugen Sie sich möglichst nicht über
SAM.
Nähern Sie sich lieber von der Seite beim Anlegen der Leine.
Eventuell legt sich SAMs Angst dann schon. Wenn er sich auch
weiterhin fürchtet, müssen Sie jeden Spaziergang zu einem tollen
Erlebnis für SAM machen, und gleichzeitig versuchen, eine
stabile, angstfreie Beziehung zu ihm aufzubauen. Sobald
SAM
Ihnen vertraut, können Sie sich die Leine umhängen, um wann
immer Sie in SAMs Nähe sind, diese Leine dabeizuhaben. Wenn Sie
mit ihm spielen, wenn Sie mit ihm schmusen und wenn Sie ihn
füttern - einfach in jeder Situation, die SAM angenehm ist, muss
die Leine dabei sein und auch sonst so oft es geht. Sobald er
sich an die Leine gewöhnt, hört er auf, sie als bedrohlich zu
empfinden. Dieses Prinzip lässt sich eigentlich auf alle
Gegenstände, vor denen SAM sich fürchtet anwenden. Zugegeben, es
ist ein wenig unpraktisch, bei allem was man tut, z. B. eine
Zeitung in der Hand zu halten, aber wenn SAM früher zur Strafe
die Zeitung übergezogen bekam, Sie aber die Zeitung lesen
möchten, ohne dass SAM in Panik verfällt, bleibt Ihnen kaum
etwas anderes.
SAM mag nicht Autofahren. Wiederum gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder kennt SAM einfach kein Auto oder er hat vielleicht
schon schlechte Erfahrungen gemacht. Falls ihm sogar regelmäßig
im Auto schlecht wird, kann man kaum etwas tun, außer darauf zu
achten, dass SAM nicht mit vollem Magen ins Auto steigt. In
diesem Fall besteht aber wenig Hoffnung, ihm das Autofahren zum
Vergnügen zu machen. Wenn SAM das Auto einfach unheimlich
findet, weil er das nicht kennt, haben Sie schon bessere
Chancen. Zuerst müssen Sie eine positive Grundstimmung schaffen,
das Auto sollte nicht zu warm sein und auf keinen Fall dürfen
Sie den Motor starten, bevor SAM drin ist. Zuerst sollte
SAM das
Auto auf einem ruhigen Platz erkunden dürfen. Im besten Fall
haben Sie ein Grundstück, auf dem SAM sich allein mit dem Auto
beschäftigen kann, solange er es für nötig hält. öffnen Sie alle
Türen und vergessen Sie ein Leckerchen im Wagen. Die meisten
SAMs wird schon die Neugier in diese seltsame Höhle auf vier
Rädern treiben. Wenn SAM nicht von allein kommt, locken Sie ihn
in die Nähe des Wagens. Gehen Sie dann mit ihm Schritt für
Schritt näher heran und loben Sie ihn für jeden Zentimeter.
Sobald SAM im Auto ist, setzen Sie sich zu ihm. Damit sollten
Sie die erste Übung beenden. Beim nächsten Mal schließen Sie die
Türen, wenn Sie und SAM im Auto sitzen. Als nächsten Schritt
stellen Sie kurz den Motor an, fahren aber noch nicht. Das
sollten Sie erst tun, wenn SAM das Bei-laufendem-Motor-im-Auto-sitzen verkraftet. Bei alledem muss
das Auto für SAM immer etwas Angenehmes bringen. Entweder
belohnen Sie ihn mit Leckerchen oder nehmen sein
Lieblingsspielzeug mit, das er haben darf, sobald er im Wagen
sitzt. Die zuerst sehr kurze Fahrt können Sie dann schrittweise
verlängern. Klar, dass am Ende jeder Autofahrt für
SAM ein
tolles Abenteuer oder ein langer Spaziergang herauskommen muss.
Wer nur zweimal im Jahr mit SAM Auto fährt, und das immer direkt
zum Tierarzt, muss sich nicht wundern, wenn SAM eine Abneigung
gegen das Auto entwickelt.
SAM ist überhaupt nicht so, wie der Vorbesitzer gesagt hat. Ein
weit verbreitetes Phänomen bei Zweite-Hand-Hunden ist
tatsächlich, dass Angaben des früheren Besitzers so überhaupt
nicht zuzutreffen scheinen. Falls Ihnen das auch mit Ihrem
SAM
passiert ist, lassen Sie sich nicht beunruhigen. Es kommt schon
vor, dass der frühere Besitzer SAM ein bisschen netter, besser
erzogen usw. beschreibt, um ihn leichter vermitteln zu können.
Bei Abgabe-Tieren in Heimen ist eher das Gegenteil der Fall,
denn oft schämen sich die früheren Besitzer zuzugeben, dass Sie
des Hundes überdrüssig sind o. ä. und behaupten dann einfach,
SAM hätte z. B. gebissen oder andere Unarten gezeigt. Und auch
wenn der Vorbesitzer SAM weder beschönigend beschreibt noch
absichtlich schlecht macht ist es durchaus nicht ungewöhnlich,
wenn SAM sich unter dem Eindruck des Umzugs und in der neuen
Umgebung anders benimmt, als er es sonst gewöhnlich tat. In
diesem Fall wird er aber, sobald er sich eingewöhnt hat, wieder
ganz der Alte sein. Für die Auswahl Ihres Zweite-Hand-SAMs
bedeutet das, dass Sie die Angaben von Tierpflegern oder
Vorbesitzern ernst nehmen, Warnungen auf keinen Fall in den Wind
schlagen aber auch nicht alles bedingungslos glauben dürfen.
Quelle: Journal für Nordische Hunde, Nr. 15, September 2000, S.
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S.A.M. zum Download (211Kb)
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