Die beste Medizin

In den Augen meines Hundes
Liegt mein ganzes Glück,
All mein Inneres, Krankes, Wundes
Heilt in seinem Blick.

Friederike Kempner
 



An ein Hündlein

Gern gab ich die drei Fünfer
Dem losen Buben hin.
Er trug, ich möchte schwören,
Noch ärgeres im Sinn.

Hier wird dich Niemand quälen,
Lässt jeder dich in Ruh;
Ja, trägt wohl gar, dich streichelnd,
Dir manchen Bissen zu.

Des Nachts, im Herbst und Winter,
Legst du dich nah am Herd
In dein bequemes Körbchen,
Und schlummerst ungestört.

Elisabeth Kulmann (1808-1825)
 




Glückliches Hundeleben

Warum ist es so schön, ein Hund zu sein?
Niemand erwartet von einem, dass man jeden Tag badet.
Wenn es juckt, kratzt man sich einfach.
Es fällt niemanden auf, wenn einem an den unmöglichsten Körperstellen Haare wachsen.
Man kann sich stundenlang mit einem Knochen amüsieren.
Man kann den ganzen Tag herumliegen, ohne Angst zu haben, dass man rausgeworfen wird.
Man kriegt keinen ärger, wenn man einem Fremden seinen Kopf in den Schoß legt.
Man freut sich immer, dieselben Leute wieder zu sehen.
So etwas wie schlechtes Essen kennt man nicht.
Man bekommt jeden Tag etwas Leckeres serviert.
Man kriegt alles, wenn man nur treuherzig genug guckt.

Dawn Dressler, USA
 




Hund und Herrchen

Egal, von welcher Art und Rasse,
ob tief er bellt, ob hoch er kläfft,
der Hund macht alles auf der Straße -
und auf die Straße sein Geschäft.
Die Katze ist da etwas feiner:
sie hat ihr Klo, auf das sie geht,
und wie sie liebt, das sah noch keiner -
man hört es höchstens, abends spät.
Der Hund dankt stets für jede Strafe,
er leckt die Hand, die ihn versehrt.
Er ist des Herrchens treuster Sklave -
doch meistens ist es umgekehrt.

Heinz Erhardt
 




Hundeaugen

Hundeaugen, wunderschön,
sehen dich strahlend an.
Sagen: 'Woll'n spazieren gehen,
komm, zieh dich schon an!'

Leuchten, wenn du kommst nach Hause,
liebend schau'n sie hoch zu dir.
Schwänzchen wedeln, Bäuchlein kraulen!
'Bitte bleib doch jetzt bei mir!'

Manchmal können sie auch sagen:
'Habe etwas angestellt...
Sei mir bitte nicht mehr böse,
mach sie wieder heil, die Welt!'

Könnte man denn solchen Augen
ernsthaft wirklich böse sein?
Ist doch dieses kleine Wesen
unser ganzer Sonnenschein.

Christina Telker
 




Seelenverwandte

Wir sind zu zweit im Raum, mein Hund und ich...
Ich begreife, dass in diesem Moment in ihm und in mir
genau das gleiche Gefühl herrscht,
dass es zwischen uns keinen Unterschied gibt.

Wir sind identisch:
in beiden leuchtet das gleiche bange Flämmchen...
Nein, das sind nicht ein Hund und ein Mensch,
die miteinander Blicke tauschen...

Es sind zwei Paar identische Augen,
die fest auf den anderen gerichtet sind.
Und in diesen Augen, sowohl im Tier als auch im Menschen,
liegt ein und dasselbe Leben,
das sich scheu an das andere schmiegt.

Ivan Turgenew
 




Wer ist da???

Wer ist da, wenn ich weine,
wenn die Welt zusammenbricht?
Wer ist da, wenn ich mich freue-
und ein Lächeln erscheint im Gesicht.
Wer ist da, wenn mir alles vollkommen fremd erscheint?
Wer ist da, wenn ich denke, es hat keinen Zweck....
Mein Hund ist da.
Immer.

Jasmin Hornung
 




Rocky
- ein Gedicht für Kinder und ihre Hunde -


Im Tierasyl, Gott-weiß wie lange
Saß Rocky, nur einer von vielen.
Dem kleinen Hund war Angst und Bange;
Er sehnte sich nach Kindern und Spielen.

Doch niemand mocht’ ihn adoptieren,
Weil er nicht 'reiner' Rasse war.
Er wollte lieben, nicht nur 'zieren',
Denn schön war er nicht – das war ihm klar.

Bald wollte ihn der Mut verlassen,
Sein Hundeherz war einsam und schwer,
Plötzlich kommen drei Kinder – nicht zu fassen -
Und rufen: Rocky komm, Rocky komm her!

Da springt der Kleine leuchtend auf,
Ein neuer Tag, ein neues Leben!
So nimmt Rocky’s Schicksal seinen Lauf:
Endlich 'zuhause' – welch ein Segen!

Nun schenkt ihm die Freude neue Kraft,
Er springt auf jeden Schoß, um 'nachzutanken',
Wie hat er es bloß hierher geschafft?
Sein kleines Herz kennt keine Schranken.

Rocky blüht auf, die Augen strahlen,
Sein Fell wird glänzend und gesund,
Er wird so schön – man sollt' ihn malen!
Rocky – ein wunderbarer Hund!!!


Annemarie Kaim-Collins
 




Herz gesucht

Herz gesucht, auch leicht getragen,
und nicht kreislaufstörungsfrei,
aber fähig gut zu schlagen
und vor allem herzlich treu.

Das im Dünnen wie im Dicken,
stets Gefährte bleibt und Freund
und aus völlig freien Stücken
ehrlich ist - und nicht nur scheint!

Das nicht lügt und nicht gemein ist
und nie ander´n sich verschreibt,
das, wenn man in Not allein ist,
trotzdem da ist - und auch bleibt.

Herz gesucht! - und schon gefunden,
klug, bescheiden und gesund,
treu sogar mit überstunden:
DENN ICH HABE EINEN HUND!

Verfasser unbekannt
 




Nur ein kleiner Hund

Ein Mensch, der einsam ist und alt,
Erwirbt sich einen Hund, und bald
Merkt er und kann es kaum verstehn,
Wie Trübsal nebst den leiden Wehn
Zusammenschmelzen wie das Eis.
Es flüstert eine Stimme leis
Ihm in das Ohr und tut ihm kund:
Dein bester Freund, das ist der Hund.

Kehrt Mensch nach einem Gang nach Haus,
Empfängt ihn Hund mit Saus und Braus.
Jubelnd ausser Rand und Band
Küsst er die dargebotne Hand,
Dass es von leeren Wänden schallt.
Der Mensch mit Hund wird niemals alt.
Er blickt dem Morgen ins Gesicht.
Ein Mensch mit Hund vereinsamt nicht.

Berti Wohlert (Australien)
 




Du sagst, du wärst so müde wie ein Hund,
So reizbar, krank und hungrig wie ein Hund,
So matt und melancholisch wie ein Hund.
So träge, schläfrig, müßig wie ein Hund.
Doch warum vergleichst du dich mit einem Hund?
Worin der Mensch gering schätzt einen Hund,
Stell ich dich besser gleich mit einem Hund.
Du bist so treu und ehrlich wie ein Hund,
Bist unbefangen, lieb, so wie ein Hund,
Du bist so klug und tapfer wie ein Hund.

Sir John Davies
In Cineam (1594)

 




An den Hund eines Toten

Der Tod den edlen Herrn dir nahm,
Vergebens suchst du seine Wege.
Du blickst mich an, ja, komm und lege
Auf meinen Schoß dein Haupt voll Gram.

Aus deinen Augen, treues Tier!
Schaut eine stumme, tiefe Klage,
Und geht an mich die ernste Frage:
"Wo find ich ihn? Mensch! sag es mir!"

Wend ab dein fragend Auge nur!
Was könnt' ein armer Mensch dir sagen?
Antwortet ja auf solche Fragen
Selbst ihm mit Schweigen die Natur.

Justinus Kerner (1786-1862)
 




Der Hund

Da oben wird das Bild von einer Welt
aus Blicken immerfort erneut und gilt.
Nur manchmal, heimlich, kommt ein Ding und stellt
sich neben ihn, wenn er durch dieses Bild

sich drängt, ganz unten, anders, wie er ist;
nicht ausgestoßen und nicht eingereiht,
und wie im Zweifel seine Wirklichkeit
weggebend an das Bild, das er vergißt,

um dennoch immer wieder sein Gesicht
hineinzuhalten, fast mit einem Flehen,
beinah begreifend, nah am Einverstehen
und doch verzichtend: denn er wäre nicht.

Rainer Maria Rilke
aus: Der neuen Gedichte anderer Teil

 




Liebesgedicht für einen Hund

sieben Tagen schuf Gott die Welt,
zwischendrin ein Tier das bellt.

Der eine sieht es als Vieh,
ein anderer sagt: Es ist ein Genie.
Wieder andere reden nicht rum,
sagen: "Es ist dumm".
Andere allerdings meinen, es soll an die Leine,
dann gibt es solche, die können es nicht ertragen,
haben es satt: "So ein Tier gehört nicht in die Stadt".

Nun fragt Ihr Euch, was ist denn das?
Wer bringt Euch Glück, wer nimmt Euch Last?
Wer lässt die Trauer von Euch gehn?
Wer lässt die Blinden wieder sehn?
Wer lässt die Einsamen nicht allein?
Wer nimmt den Kranken ihre Pein?
Wer gibt uns soviel Glück - und erwartet nichts zurück?
Wer macht das Leben für uns rund?
Ihr wisst es schon,

es ist der HUND.

Gabriele Gummert
 




Als ich meinen neuen Hund bekam

Ich bat um Stärke,
um ihn perfekt zu erziehen.
Ich wurde aber schwach
und verwöhnte ihn mit Häppchen.

Ich wollte einen Hund, der gehorcht,
so dass ich stolz sein könnte.
Ich bekam einen widerspenstigen,
der mich demütigte.

Ich wollte Gehorsamkeit,
um überlegen zu sein.
Es wurde ein Clown,
der mich zum Lachen brachte.

Ich hoffte auf einen Begleiter,
gegen meine Einsamkeit.
Ich bekam den besten Freund,
der mir das Gefühl der Liebe gab.

Ich bekam nichts, was ich wollte,
aber alles, was ich brauchte!

Cordula Klingelstein
 




Dein Hund

Wenn alle Dich meiden und hassen,
ob mit oder ohne Grund,
wird einer Dich niemals verlassen,
und das ist Dein treuer Hund.

Und würdest Du ihn sogar schlagen,
ganz herzlos und ohne Verstand,
er wird es geduldig ertragen,
und leckt Dir dafür noch die Hand.

Nur Liebe und selbstlose Treue
hat er für Dich immer parat!
Er beweist es Dir täglich aufs neue,
wie unsagbar gern er Dich hat.

Nennst Du einen Hund Dein eigen,
wirst Du nie verlassen sein,
und solltest Du vor Einsamkeit schweigen,
denn Du bist doch niemals allein.

Wird einst der Tod Dir erscheinen,
und schlägt Dir die letzte Stund`,
wird einer bestimmt um Dich weinen,
und das ist Dein treuer Hund.

Drum schäm Dich nicht Deiner Tränen,
wenn einmal Dein Hund von Dir geht!
Nur er ist, das will ich erwähnen,
ein Wesen, das stets zu Dir steht.

D. Trautwein
 




Der beste Freund..

Ich war einmal ein kleiner Hund
Wog anfangs nur ein gutes Pfund
Da kamen alle Leut daher,
Sie liebten meine Kleinheit sehr.

In Menschenarmen warm geborgen
Nahm mich ein Frauchen mit nach Haus
Ein Leben lang für mich zu sorgen
Versprach sie mir, mir süßen Maus.

Alles, was ein Hund so braucht
Bekam ich, und viel Liebe auch.
Da fing ich an mich zu vergrößern
Bin heute groß wie ein Kalb,
wer kann daran etwas verbessern?

Frauchens Liebe ist mitgewachsen
Sagt immer zu mir " Braver Hund".
Nur ihre scheinbar guten Freunde
erscheinen nicht mehr.
Ich bin der Grund.

Seitdem hat Frauchen mich befördert
Ich bin "ihr Freund, der gute Hund".

Wally Lindl
Wally.Lindl@t-online.de

 




Er ist eben mein Hund

Er ist mein drittes Auge, das über die Wolken blickt,
mein drittes Ohr, das über die Winde lauscht.
Er ist ein Teil von mir, der sich bis zum Meer erstreckt.
Wie er sich an meine Beine lehnt, beim leisesten Lächeln mit dem Schwanz wedelt,
seinen Schmerz zeigt, wenn ich ohne ihn ausgehe...,
sagt mir tausend mal, dass ich der einzige Grund seines Daseins bin.
Habe ich Unrecht, verzeiht er mir mit Wonne.
Bin ich wütend, bringt er mich zum Lachen.
Bin ich glücklich, wird er vor Freude fast verrückt.
Mache ich mich zum Narren, sieht er darüber hinweg.
Gelingt mir etwas, lobt er mich.
Ohne ihn bin ich doch nur einer unter vielen.
Mit ihm bin ich stark.
Er ist die Treue selbst.
Er lehrte mich die Bedeutung von Liebe.
Durch ihn erfahre ich seelischen Trost und inneren Frieden
Er lehrte mich verstehen, wo vorher nur Ignoranz war.
Sein Kopf auf meinem Knie heilt meine menschlichen Schmerzen.
In seiner Gegenwart habe ich keine Angst vor Dunkelheit und Unbekannten.
Er versprach, auf mich zu warten... wann und wo auch immer... ich könnte ihn ja brauchen.
Und ich brauche ihn – wie ich es immer getan habe.
Er ist eben mein Hund.

Gene Hill
 




Hundetreue

Wenn Dir ein Mensch ein Unrecht tut, und wird es Dir zu bunt,
Beschimpfst Du ihn in Deiner Wut und nennst ihn einen Hund!
Bedenkst nicht, dass Dein treues Tier nie so sein könnt wie der;
Der Name "Hund" ist glaube mir, ein Schimpfwort nimmermehr.

Er dankt für jedes kleinste Stück und blickt dich an beseelt,
Er spricht zu Dir mit seinem Blick, weil ihm Die Sprache fehlt.
Erkenn' den Wert bevor's zu spät, sei gut zu Deinem Tier!
Denn wenn Dein Hund zu Grunde geht, hält niemand mehr zu dir.

Ein treues Herz, ein treuer Blick, das gibt's noch auf der Welt,
denn auch im Schmerz, nicht nur im Glück ein Wesen zu dir hält.
Doch suchst bei Menschen Du die Treu, vergeblich suchst Du da aufs Neu,
In Leid und Freud, zu jeder Stund, hält einer treu zu Dir: Dein Hund!

Ein treues Herz, ein treuer Blick, verloren hab ich ihn,
es ging von meinem Herz ein Stück mit meinem Hund dahin.
Jetzt such' bei Menschen ich die Treu, vergeblich such ich da aufs Neu,
In Leid und Freud, zu jeder Stund, war mir nur einer treu, mein Hund!

Ernst Arnold
 




Der Betrug

Man hat mich gesehen und kaufte mich prompt,
denn ich bin ein Hund, der vom Züchter kommt.
Und wird es nicht allenthalben empfohlen,
man soll gute Hunde beim Züchter holen?
Und alle Erwartungen trafen ein:
Ich bin hübsch, lieb und kann auch folgsam sein.

Mich hat man am Strand draußen aufgelesen,
da bin ich seit Monaten schon gewesen.
Man hat mich getreten, es gab nichts zu fressen,
dann stieß man mich weg und hat mich vergessen.
Bin alt nun und krank, mein Herz tut mir weh.
Hab nur gelernt, dass ich gar nichts versteh.

Ich wurde in einer Tonne geboren,
meine Finder gaben mich schon verloren.
Mein rechtes Ohr hängt, das linke blieb stehen
und auf einem Auge kann ich nicht sehen.
Ich liebe die Menschen und weiß nicht warum.
Sie finden mich hässlich, mickrig und dumm.

Ihr seht, ich bin hübsch und mein Fell ist glatt.
Man pflegte mich gut in der großen Stadt.
Sie haben mich sogar angezogen,
operiert und die Ohren hochgebogen.
Dann wurde ich an einen Baum gebunden,
dort hat mich nach Tagen jemand gefunden.

Und Du? Wer bist Du? Hast noch nicht gesprochen.
Hast bis jetzt mit der Nase am Gitter gerochen.
Wenn sie kommen um einen auszusuchen,
verschmähst du all ihre Hundekuchen.
Siehst niemanden an und willst dich nicht binden.
Möchtest du keine neue Familie finden?
Eine Pause tritt ein. Niemand sagt ein Wort.
Der Blick des Gefangenen driftet weit fort.
Sein Kopf ist erhoben, die Schultern gestrafft,
der Körper ist mager und doch voller Kraft.

Dann dreht er sich um, sein Schwanz fächelt
leicht den Wind, der von Norden herüberstreicht.
Der Blick seiner blauen Husky-Augen
scheint sich am Fragenden festzusaugen.

„Versteht ihr nicht“, flüstert er in den Wind,
dass wir nur eine Laune der Menschen sind?
Sie wollen uns schaffen nach ihrem Gefallen
und wissen doch nicht wohin mit uns allen.
In dieser Sekunde sind wir schon verloren,
denn es werden tausend Welpen geboren.

Wir sind zu viele, das ist der Betrug,
denn Menschen bekommen niemals genug.
Sie wissen es alle, doch die endlose Flut
immer neuer Hunde gefällt ihnen gut.
Die endlosen Züge der überschussfracht
sind in Tierheimen ja wunderbar untergebracht.“

Sanft hebt er die Schnauze, setzt an zum Gesang.
Ein klagender Ton zieht die Gitter entlang.
Eine Türe schlägt zu und dann schweigt er still,
weil das, was er weiß, niemand wissen will.
Er legt sich nieder, bettet ruhig sein Haupt.
Oh ja, es sind viele! Viel mehr, als man glaubt....

I. Winiawsky


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