Grundrechte des Hundes
1. Wir haben das Recht, vollwertige Mitglieder der Familie zu sein. Wir gedeihen durch soziales Miteinander, Lob und Liebe...
2. Wir haben das Recht auf Beschäftigung. Wir brauchen neue Spiele, Spielzeug, Erfahrungen und neue Gerüche, um uns wohl zufühlen...
3. Wir haben das Recht auf regelmäßiges Training. Bekommen wir es nicht, werden wir überdreht, träge oder einfach fett...
4. Wir haben das Recht, Spaß zu haben. Wir haben Freude daran, uns ab und zu wie Clowns zu benehmen, und unser Verhalten wird nicht immer vorhersehbar sein...
5. Wir haben das Recht auf die Kontrolle unserer Gesundheit. Bringt uns nicht erst zu unserem Tierarzt, wenn wir offensichtlich leiden ...
6. Wir haben das Recht auf eine artgerechte Fütterung. Wir sind von euch abhängig, weil wir wie manche Menschen nicht wissen, was gut für uns ist...
7. Wir haben das Recht, nicht deshalb abgelehnt zu werden, weil wir euren Erwartungen als Ausstellungssieger, Wachhund, Jäger oder Babysitter nicht entsprechen konnten...
8. Wir haben das Recht auf eine gute Erziehung. Sonst würde Verwirrung und Konfrontation unser Verhältnis zu euch stören und wir könnten für uns und andere gefährlich werden...
9. Wir haben das Recht auf Anleitung und Korrektur, mit Verständnis und Einfühlungsvermögen, nicht durch Missbrauch...
10. Wir haben das Recht, in Würde zu leben und in Würde zu sterben, wenn die Zeit dazu gekommen ist.
10 BITTEN EINES HUNDES AN DEN MENSCH
1. Mein Leben dauert nur 10 - 15 Jahre. Jede Trennung von Dir wird für mich Leiden bedeuten. Bedenke es, ehe Du mich anschaffst.
2. Gib mir Zeit zu verstehen, was Du von mir willst.
3. Pflanze Vertrauen in mich ein, ich lebe davon.
4. Zürne mir nie lange und sperr mich nicht zur Strafe ein. Du hast Deine Arbeit, Deine Vergnügungen, Deine Freunde - ich habe nur Dich.
5. Sprich mit mir! Wenn ich auch Deine Worte nicht ganz verstehe, so doch die Stimme, die sich an mich wendet.
6. Wisse, wie immer an mir gehandelt wird, ich vergesse nie!
7. Bedenke, ehe Du mich schlägst, dass meine Kiefer mit Leichtigkeit die Knöchel Deiner Hand zerquetschen können, dass ich aber keinen Gebrauch von ihnen mache.
8. Ehe Du mich bei der Arbeit unwillig schiltst, träge oder faul zu sein, bedenke, vielleicht plagt mich ungeeignetes Futter, vielleicht war ich zulange der Sonne ausgesetzt oder ich habe ein verbrauchtes Herz.
9. Kümmere Dich um mich, wenn ich alt werde. Auch Du wirst einmal alt sein.
10. Gehe jeden schweren Gang mit mir. Sage nie: "Ich kann so etwas nicht sehen", oder "Es soll in meiner Abwesenheit geschehen". Alles ist leichter für mich - mit Dir!
(Aus: "Hunde" der große GU Ratgeber von Ulrich Klever)
Der alte Kettenhund
Ich bin allein; es ist schon Nacht
und stille wird´s im Haus.
Dort ist ein Feuer angefacht,
dort ruht mein Herr sich aus.
Er liegt im warmen Federbett,
deckt bis ans Ohr sich zu,
und ich auf meinem harten Brett
bewache seine Ruh.
Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht,
der Wind aus Ost weht kalt;
die Kälte ins Gebein mir kriecht,
ich bin ja auch schon alt.
Die Hütte, die mein Herr versprach,
erlebe ich nicht mehr,
der Regen tropft durch´s morsche Dach,
Stroh gab´s schon längst nicht mehr.
Die Nacht ist kalt, der Hunger quält,
mein Winseln niemand hört -
und wüßt mein Herr auch, was mir fehlt,
er wird nicht gern gestört.
Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal leck
ich die Schüssel aus,
den Knochen, den ich jüngst versteckt,
den grub ich längst schon aus.
Die Kette, die schon oft geflickt,
sie reibt den Hals mir bloß.
Sie reicht nur noch ein kurzes Stück
und nie werd´ich sie los.
Was Freiheit ist, das lern´ich nie,
doch weiß ich, ich bin treu.
So lieg ich, warte auf den Tod,
denn dieser macht mich FREI.
(Autor unbekannt)
Liebes Herrchen
Am Morgen bist Du sehr früh aufgestanden und hast die Koffer gepackt. Du nahmst meine Leine, was war ich glücklich!!! Noch ein kleiner Spaziergang vor dem Urlaub - hurra!
Wir fuhren mit dem Wagen, und Du hast am Straßenrand angehalten, die Tür ging auf, und du hast einen Stock geworfen. Ich lief und lief, bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte.
Aber als ich zurückkam, warst du nicht mehr da! In Panik bin ich in allen Richtungen gelaufen, um Dich zu finden aber vergebens! Ich wurde immer schwächer von Tag zu Tag.
Ein fremder Mann kam, legte mir ein Halsband um und nahm mich mit. Bald befand ich mich in einen Käfig und wartete dort auf Deine Rückkehr. Aber Du bist nicht gekommen! Dann wurde der Käfig geöffnet. Nein, Du warst es nicht - es war der Mann, der mich gefunden hat. Er brachte mich in einen Raum - es roch nach Tod. Meine Stunde war gekommen
Geliebtes Herrchen, ich will, dass Du weißt, dass ich mich trotz meines Leidens, das Du mir angetan hast, noch stets an Dein Bild erinnere. Und falls ich noch einmal auf die Erde zurückkommen könnte - ich würde auf dich zulaufen, denn
ICH HATTE DICH LIEB!!!
(Verfasser unbekannt)
Du hast in meine Augen gesehen,
da war es schon um dich geschehen,
Du hast mich mit Nachhause genommen,
ich bin ganz neugierig mitgekommen.
Du hast mich stolz spazieren geführt,
die Bewunderung der Passanten gespürt.
Du hast mit mir getobt und gespielt,
und die eine Weile glücklich gefühlt.
Dann hab ich auf den Teppich gemacht.
Da hast du nicht mehr so freudig gelacht.
Dann musstest du fort, ich weiß nicht wohin,
ich hab nur gespürt, wie lästig ich bin.
Dann wurde ich größer, dir fehlte die Zeit,
ich wollte zwar brav sein, doch bald gab es Streit,
dann hab' ich vor Frust die Möbel zerkaut,
das war dir zuviel, und du wurdest laut.
Du hast von Erziehung und Härte gesprochen,
und ich habe Deinen Zorn gerochen.
Du hast mich verbannt aus deinem Haus,
aus dem Zwinger kam ich nur noch selten raus,
Du hast mir Futter und Wasser gegeben
und gedacht, das sei genug für mein Leben.
Du hast ein neues Spielzeug gefunden -
hattest die Nase voll von uns Hunden.
Dann wurde ich krank, lag einsam im Stroh,
ich dachte, mein Herz wird nie wieder froh.
Dann hast du bei mir nicht mehr saubergemacht,
mir nur noch meinen Fressnapf gebracht.
Dann hab' ich gewusst, bald ist es vorbei,
denn niemand hört meinen stummen Schrei.
Dann ging ich hinüber, weit von dir fort,
an einen neuen, besseren Ort.
Es bleibt nur ein trauriger Blick zurück.
Soviel Leid für ein klein wenig Glück?
Ich frage dich, warum liebtest du mich?
Ich war doch nur ein Spielzeug für dich.
Du hast mich gewollt, du hast mich bekommen,
du hast mir mein ganzes Leben genommen.
Warum liebtest du mich? Hast mich niemals begriffen.
Hast auf alle meine Gefühle gepfiffen.
Dein Herz ist kalt. Wird niemals warm.
Bei all dem Spielzeug bist du - arm...
(Autor unbekannt)
Er war nur ein kleiner Hund
Der kleine Hund liebte seinen Herrn über alles. Dieser riesengroße Mensch war sein Abgott. Er gab ihm Futter und Wasser und er schien ihn auch zu lieben; ganz sicher, denn er streichelte ihn zärtlich und redete mit ihm Er gab ihm einen Platz in seiner Wohnung, den er gegen jeden anderen noch so großen Hund bis zum letzten verteidigen würde! Das ging so ein ganzes Jahr lang. Dann wurden die Liebkosungen des Menschen spärlicher. Er schien immer unruhiger zu werden. Aber da er niemals vergaß, seinem kleinen Freund das Futter hinzustellen, machte der sich keine Sorgen. Ab und zu wurde er auch noch gestreichelt. Menschen waren und dachten eben anders als Hunde! So sprang er ihm immer wieder voller Freude entgegen, ja er schrie förmlich vor Freude, wenn er hörte, dass der Riesengroße nach Hause kam, der ihm leicht auf den Rücken klopfte und beruhigend, wenn auch etwas abwesend sagte: »Ja, ja! Ist ja gut!« Dann kam die Urlaubszeit. Die erste im Leben des kleinen Hundes, der vor Aufregung leise jaulend neben seinen Herrn in das Auto gesetzt wurde, das er schon kannte. Er versuchte, sich möglichst nahe an den geliebten Menschen heranzudrängen, aber der schob ihn so unsanft zurück, dass der kleine Hund bestürzt zu ihm aufsah. Er ahnte nicht, dass sein Herr daran dachte, dass er wahrscheinlich überall nur Unannehmlichkeiten mit dem Tier haben und nie ganz frei sein würde. Er konnte ihn sicher nicht allein in dem fremden Hotelzimmer lassen, und er konnte und wollte ihn auch nicht dauernd mit sich herumschleppen. Der kleine Hund, der verunsichert vorsichtig mit der Pfote nach ihm tappte, erschien ihm auch längst nicht mehr so nett, wie damals als er ihn in einem Schaufenster sah und kurz entschlossen kaufte, weil er sich gerade sehr einsam fühlte. Aber im Urlaub wollte er Bekanntschaften machen. Er wollte, nun ja, was halt alle im Urlaub wollen. Der kleine Hund war plötzlich eine Last für ihn, und er begann zu überlegen, wie er ihn loswerden könnte. Als eine gut übersichtliche Strecke kam und er ganz sicher war, dass vor und hinter ihm niemand fuhr, fasste er den kleinen Freund plötzlich im Genick, der ihn zutraulich ansah und versuchte, rasch noch seine Hand zärtlich zu lecken, warf ihn kurzerhand aus dem Wagen und fuhr davon, ohne sich noch einmal umzusehen. Der kleine Hund überschlug sich, aber er hatte keine Verletzung davongetragen. Er stand da, sah dem Wagen nach, der hinter einer dünnen Staubwolke immer kleiner wurde, und verstand die Welt nicht mehr. Sicher würde der Wagen gleich wiederkommen. Sicher war das nur ein Versehen. Vielleicht ein etwas grober Scherz wie damals, als er ihn in ein tiefes Wasser geworfen hatte, um zu sehen, ob er schwimmen könne. Sicher würde er wieder besonders gestreichelt werden. Er würde warten, wie er schon so oft gewartet hatte. Er setzte sich an den Rasenrand der Straße. Er war nicht mehr der Jüngste, was ihm sein Herr nicht angesehen hatte. Seine Augen waren bereits etwas getrübt, aber er wusste, dass der Wagen, auf den er wartete, grün war. Manilagrün, wie die Menschen das nannten. Jedes mal, wenn ein grüner Fleck in der Ferne auftauchte, richtete sich der kleine Hund auf, spitzte die Ohren und wedelte unsicher mit dem Schwanz. Er lief ganz nah an die Fahrbahn. Sicher würde dieser Wagen, den er nur etwas verschwommen sehen konnte, halten und er würde schnell hineinspringen und alles würde wieder so sein wie früher. Aber der Wagen fuhr vorbei. Und der nächste grüne Wagen auch. Der kleine Hund war verzweifelt. Er winselte leise. Was sollte aus ihm werden? Er hatte doch niemanden auf dieser schrecklich großen, fremden Welt außer diesem Menschen, der in dem grünen Wagen davongefahren war. Es kamen noch zehn grüne Wagen, es kamen zwanzig verschwommen grüne Wagen. Der kleine Hund wurde immer verzweifelter. Er lief so nahe wie möglich an die Fahrbahn heran und dann plötzlich wusste er es: Das war sicher immer derselbe Wagen. Er fuhr nur immer wieder an ihm vorbei. Wenn der nächste grüne Wagen kam, würde er einfach hineinspringen und dann würde alles wieder gut sein. Er spannte seine müden Muskeln, duckte sich, als der nächste verschwommen grüne Wagen heranbrauste, und sprang. Den Aufprall spürte er nur ganz kurz. Dann wurde er auf die Fahrbahn geschleudert und der nächste Wagen machte einen zottigen, blutigen Fleck aus ihm. Einen Fleck, der doppelt so groß war wie der kleine Hund. Der tote Hund sah jetzt viel größer aus, so wie Tote für uns immer größer werden, wenn man nichts mehr an ihnen gutmachen kann.
Paul Filipp
An Herrchen und Frauchen!
Heute bin ich gestorben.
Ihr habt genug von mir gehabt.
Ihr habt mich in ein Tierheim gebracht. Es war überfüllt.
Wahrscheinlich bin ich unter einem schlechten Stern geboren.
Jetzt liege ich in einem schwarzen Plastiksack.
Mein Halsband, das zu klein war und auch schmutzig, hat die Frau,
die mich auf das ewige Jagdfeld geschickt hat, abgenommen.
Das und die kaum benutzte Leine, die ihr hier gelassen habt,
wird ein anderer Welpe bekommen.
Hätte es sein können, dass ich immer noch bei euch zu Hause wäre...
...wenn ich den Schuh nicht zerkaut hätte?
Ich wusste nur, dass es Leder ist, es lag vor mir auf dem Boden.
Ich wollte nur spielen. Ihr habt vergessen, Hundespielzeug zu kaufen.
...wenn ich stubenrein gewesen wäre?
Ihr habt meine Nase da reingedrückt. Ich verstand es nicht. Es gibt doch Bücher und Schulen, wo man lernen kann, wie man Welpen so etwas beibringt.
...wenn ich keine Flöhe in die Wohnung geschleppt hätte?
Aber ohne Mittel kann ich sie nicht los werden!
...wenn ich nicht gebellt hätte?
Aber ich habe doch nur gesungen:
Ich bin da, ich bin da, ich bin alleine und so einsam.
Ich möchte euer bester Freund werden.
...wenn ich euch erfreut hätte?
Aber wenn ihr mich schlagt, wie kann ich euch da erfreuen?
...wenn ihr mich gelehrt hättet, mich richtig zu benehmen?
Nach der ersten Woche, habt ihr keine Zeit mehr für mich gefunden.
Ich habe den ganzen Tag auf euch gewartet!
Heute bin ich gestorben.
Euer Welpe
(aus dem Ungarischen übersetzt von Edina Kopuváry)
Ein Welpe mit Handicap
Ein Geschäftsinhaber hatte ein Schild über seine Tür genagelt, darauf war zu lesen
"Hundebabys zu verkaufen."
Dieser Satz lockte Kinder an. Bald erschien ein kleiner Junge und fragte, "Für wie viel verkaufen sie die Babys?" Der Besitzer meinte "zwischen 30 u. 50 Dollar“.
Der kleine Junge griff in seine Hosentasche und zog etwas Wechselgeld heraus. "Ich habe 2,37 Dollar, kann ich mir sie anschauen?"
Der Besitzer grinste und pfiff. Aus der Hundehütte kam seine Hündin namens Lady, sie rannte den Gang seines Geschäfts hinunter, gefolgt von fünf kleinen Hundebabys. Eins davon war einzeln, ersichtlich weit hinter den Anderen. Sofort sah der Junge den humpelnden Kleinen. Er fragte, "was fehlt diesem kleinen Hund?"
Der Mann erklärte, dass als der Kleine geboren wurde, der Tierarzt meinte, er habe ein kaputtes Gelenk und wird für den Rest seines Lebens humpeln.
Der kleine Junge, richtig aufgeregt, meinte, "den kleinen Hund möchte ich kaufen!"
Der Mann antwortete, "nein, den kleinen Hund möchtest du nicht kaufen. Wenn Du ihn wirklich möchtest, dann schenke ich ihn Dir."
Der kleine Junge war ganz durcheinander. Er sah direkt in die Augen des Mannes und sagte: "Ich möchte ihn nicht geschenkt haben. Er ist ganz genauso viel wert wie die anderen Hunde und ich will für ihn den vollen Preis zahlen. Ich gebe ihnen jetzt die 2,37 Dollar und 50 Cents jeden Monat, bis ich ihn bezahlt habe.
Der Mann entgegnete, "du musst diesen Hund wirklich nicht bezahlen, mein Sohn. Er wird niemals rennen, hüpfen und spielen können wie die anderen kleinen Hunde.
Der kleine Junge langte nach unten und krempelte sein Hosenbein hinauf, und zum Vorschein kam sein schlimm verkrümmtes, verkrüppeltes linkes Bein, geschient mit einer dicken Metallstange.
Er sah zu dem Mann hinauf und sagte, "Na ja, ich kann auch nicht so gut rennen und der kleine Hund braucht jemanden, der Verständnis für ihn hat.
Der Mann biss sich auf seine Unterlippe. Tränen stiegen in seine Augen, er lächelte und sagte, "Mein Sohn, ich hoffe und bete, dass jedes einzelne dieser kleinen Hundebabys einen Besitzer wie dich haben wird."
Im Leben kommt es nicht darauf an wer du bist, sondern dass jemand dich dafür schätzt, was du bist, dich akzeptiert und liebt!!!
(Verfasser unbekannt)
Dies ist die Geschichte von Lea
Ich weiß nicht mehr viel von dem Ort, wo ich geboren bin. Es war eng und dunkel und nie spielte ein Mensch mit uns. Ich erinnere mich noch an Mama und ihr weiches Fell, aber sie war oft krank und sehr dünn. Sie hatte nur wenig Milch für mich und meine Brüder und Schwestern. Die meisten von ihnen waren plötzlich gestorben.
Als sie mich meiner Mutter wegnahmen, hatte ich furchtbare Angst und war so traurig. Meine Milchzähne waren kaum durchgestoßen und ich hätte meine Mama doch noch so sehr gebraucht. Arme Mama, es ging ihr so schlecht.
Die Menschen sagten, dass sie jetzt endlich Geld wollten und dass das Geschrei meiner Schwester und mir ihnen auf die Nerven ginge.
So wurden wir eines Tages in eine Kiste verladen und fortgebracht. Wir kuschelten uns aneinander und fühlten, wie wir beide zitterten, ohnmächtig vor Angst. Niemand kam, um uns zu trösten.
All diese seltsamen Geräusche und erst noch die Gerüche - wir sind in einem Petshop einem Laden, wo es viele verschiedene Tiere gibt. Einige miauen, andere piepsen, einige pfeifen. Wir hören auch das Wimmern von anderen Welpen. Meine Schwester und ich drückten uns eng zusammen in dem kleinen Käfig. Manchmal packt uns jemand und hebt uns hoch, um uns zu begutachten. Einige sind freundlich und streicheln uns, andere sind grob und tun uns weh. Oft hören wir sagen oh, sind die süß, ich will eines, aber dann gehen die Leute wieder fort.
Letzte Nacht ist meine Schwester gestorben. Ich habe meinen Kopf an ihr weiches Fell gelegt und gespürt, wie das Leben aus dem dünnen Körper gewichen ist. Ich sollte verbilligt abgegeben werden, damit ich bald wegkomme. Niemand beachtet mein leises Weinen, als meine kleine Schwester weggeworfen wird.
Heute ist eine Familie gekommen und hat mich gekauft! Jetzt wird alles gut. Es sind sehr nette Leute, die sich tatsächlich für mich entschieden haben. Sie haben gutes Futter und einen schönen Napf und das kleine Mädchen trägt mich ganz zärtlich auf den Armen. Ihr Vater und ihre Mutter sagen, ich sei ein ganz süßes und braves Hundchen.
Ich heiße jetzt Lea.
Ich darf meine neue Familie auch abschlabbern, das ist wunderbar. Sie lehren mich freundlich, was ich tun darf und was nicht, passen gut auf mich auf, geben mir herrliches Essen und viel, viel Liebe. Nichts will ich mehr, als diesen wunderbaren Menschen gefallen und nichts schöneres als mit dem kleinen Mädchen herumzutollen und zu spielen.
Erster Besuch beim Tierarzt. Es war ein seltsamer Ort, mir schauderte. Ich bekam einige Spritzen. Meine beste Freundin, das kleine Mädchen, hielt mich sanft und sagte, es wäre ok, dann entspannte ich mich. Der Tierarzt schien meinen geliebten Menschen traurige Worte zu sagen, sie sahen ganz bestürzt aus. Ich hörte etwas von schweren Mängeln und von Dysplasie E und von Herz zwei. Er sprach von wilden Züchtern und dass meine Eltern nie gesundheitlich getestet worden seien. Ich habe nichts von alledem begriffen, aber es war furchtbar, meine Familie so traurig zu sehen.
Jetzt bin ich sechs Monate alt. Meine gleichaltrigen Artgenossen sind wild und stark, aber mir tut jede Bewegung weh. Die Schmerzen gehen nie weg. Außerdem kriege ich gleich Atemnot, wenn ich nur ein wenig mit dem kleinen Mädchen spielen will. Ich möchte so gerne ein kräftiger Hund sein, aber ich schaffe es einfach nicht. Vater und Mutter sprechen über mich. Es bricht mir das Herz, alle so traurig zu sehen.
In der Zwischenzeit war ich oft beim Tierarzt und immer hieß es genetisch und man kann nichts machen. Ich möchte draußen in der warmen Sonne mit meiner Familie spielen, möchte rennen und hüpfen. Es geht nicht. Letzte Nacht war es schlimmer als eh und je. Ich konnte nicht einmal mehr aufstehen um zu trinken und nur noch schreien vor Schmerzen.
Sie tragen mich ins Auto. Alle weinen. Sie sind so seltsam, was ist los? War ich böse? Sind sie am Ende böse auf mich? Nein, nein, sie liebkosen mich ja so zärtlich. Ach, wenn nur diese Schmerzen aufhörten! Ich kann nicht einmal die Tränen vom Gesicht des kleinen Mädchens ablecken, aber wenigstens erreiche ich ihre Hand. Der Tisch beim Tierarzt ist kalt. Ich habe Angst. Die Menschen weinen in mein Fell, ich fühle, wie sehr sie mich lieben. Mit Mühe schaffe ich es, ihre Hand zu lecken. Der Tierarzt nimmt sich heute viel Zeit und ist sehr freundlich, und ich empfinde etwas weniger Schmerzen. Das kleine Mädchen hält mich ganz sanft, ein kleiner Stich - Gott sei dank, der Schmerz geht zurück. Ich fühle tiefen Frieden und Dankbarkeit.
Ein Traum: Ich sehe meine Mama, meine Brüder und Schwestern auf einer großen grünen Wiese. Sie rufen mir zu, dass es dort keine Schmerzen gibt, nur Frieden und Glück. So sage ich meiner Menschenfamilie Auf Wiedersehen auf die einzig mit mögliche Weise: Mit einem sanften Wedeln und einem kleinen Schnuffeln.
Viele glückliche Jahre wollte ich mit Euch verbringen, es wollte nicht sein. Stattdessen habe ich Euch so viel Kummer gemacht. Es tut mir leid, ich war halt nur eine Händlerware.
(Lea ©1999 J. Ellis - bewilligte Uebersetzung von E. Wittwer)
Als ich noch ein Welpe war...
Als ich noch ein Welpe war, unterhielt ich Dich mit meinen Possen und brachte Dich zum Lachen. Du nanntest mich Dein Kind, und trotz einer Anzahl durchgekauter Schuhe und so manchem abgeschlachteten Sofakissen wurde ich Dein bester Freund.
Immer wenn ich "böse" war, erhobst Du Deinen Finger und fragtest mich "Wie konntest Du nur?" - aber dann gabst Du nach und drehtest mich auf den Rücken, um mir den Bauch zu kraulen.
Mit meiner Stubenreinheit dauerte es ein bisschen länger als erwartet, denn Du warst furchtbar beschäftigt, aber zusammen bekamen wir das in den Griff.
Ich erinnere mich an jene Nächte, in denen ich mich im Bett an Dich kuschelte und Du mir Deine Geheimnisse und Träume anvertrautest, und ich glaubte, das Leben könnte nicht schöner sein.
Gemeinsam machten wir lange Spaziergänge im Park, drehten Runden mit dem Auto, holten uns Eis (ich bekam immer nur die Waffel, denn "Eiskrem ist schlecht für Hunde", sagtest Du), und ich döste stundenlang in der Sonne, während ich auf Deine abendliche Rückkehr wartete.
Allmählich fingst Du an, mehr Zeit mit Arbeit und Deiner Karriere zu verbringen - und auch damit, Dir einen menschlichen Gefährten zu suchen.
Ich wartete geduldig auf Dich, tröstete Dich über Liebeskummer und Enttäuschungen hinweg, tadelte Dich niemals wegen schlechter Entscheidungen und überschlug mich vor Freude, wenn Du heimkamst und als Du Dich verliebtest.
Sie, jetzt Deine Frau, ist kein "Hundemensch" - trotzdem hieß ich sie in unserem Heim willkommen, versuchte ihr meine Zuneigung zu zeigen und gehorchte ihr.
Ich war glücklich, weil Du glücklich warst.
Dann kamen die Menschenbabies, und ich teilte Deine Aufregung darüber.
Ich war fasziniert von ihrer rosa Haut und ihrem Geruch und wollte sie genauso bemuttern.
Nur dass Du und Deine Frau Angst hattet, ich könnte ihnen wehtun, und so verbrachte ich die meiste Zeit verbannt in einem anderen Zimmer oder in meiner Hütte.
Oh, wie sehr wollte auch ich sie lieben, aber ich wurde zu einem "Gefangenen der Liebe".
Als sie aber größer waren, wurde ich ihr Freund. Sie krallten sich in meinem Fell fest, zogen sich daran hoch auf wackligen Beinchen, pieksten ihre Finger in meine Augen, inspizierten meine Ohren und gaben mir Küsse auf die Nase.
Ich liebte alles an ihnen und ihre Berührung - denn Deine Berührung war jetzt so selten geworden - und ich hätte sie mit meinem Leben verteidigt, wenn es nötig gewesen wäre.
Ich kroch heimlich in ihre Betten, hörte ihren Sorgen und Träumen zu, und gemeinsam warteten wir auf das Geräusch Deines Wagens in der Auffahrt.
Es gab einmal eine Zeit, da zogst Du auf die Frage, ob Du einen Hund hättest, ein Foto von mir aus der Brieftasche und erzähltest Geschichten über mich.
In den letzten Jahren hast Du nur noch mit "Ja" geantwortet und das Thema gewechselt.
Ich hatte mich von "Deinem Hund" in "nur einen Hund" verwandelt, und jede Ausgabe für mich wurde Dir zum Dorn im Auge.
Jetzt hast Du eine neue Berufsmöglichkeit in einer anderen Stadt, und Du und sie werdet in eine Wohnung ziehen, in der Haustiere nicht gestattet sind.
Du hast die richtige Wahl für "Deine" Familie getroffen, aber es gab einmal eine Zeit, da war ich Deine einzige Familie.
Ich freute mich über die Autofahrt, bis wir am Tierheim ankamen.
Es roch nach Hunden und Katzen, nach Angst, nach Hoffnungslosigkeit.
Du fülltest die Formulare aus und sagtest "Ich weiß, Sie werden ein gutes Zuhause für sie finden".
Mit einem Achselzucken warfen sie Dir einen gequälten Blick zu. Sie wissen, was einen Hund oder eine Katze in "mittleren" Jahren erwartet - auch mit "Stammbaum".
Du musstest Deinem Sohn jeden Finger einzeln vom Halsband lösen, als er schrie "Nein, Papa, bitte! Sie dürfen mir meinen Hund nicht wegnehmen!"
Und ich machte mir Sorgen um ihn und um die Lektionen, die Du ihm gerade beigebracht hattest: über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortung, und über Respekt vor allem Leben.
Zum Abschied hast Du mir den Kopf getätschelt, meine Augen vermieden und höflich auf das Halsband und die Leine verzichtet. Du hattest einen Termin einzuhalten, und nun habe ich auch einen.
Nachdem Du fort warst, sagten die beiden netten Damen, Du hättest wahrscheinlich schon seit Monaten von dem bevorstehenden Umzug gewusst und nichts unternommen, um ein gutes Zuhause für mich zu finden.
Sie schüttelten den Kopf und fragten "Wie konntest Du nur?".
Sie kümmern sich um uns hier im Tierheim so gut es eben geht.
Natürlich werden wir gefüttert, aber ich habe meinen Appetit schon vor Tagen verloren.
Anfangs rannte ich immer vor ans Gitter, sobald jemand an meinen Käfig kam, in der Hoffnung, das seiest Du - dass Du Deine Meinung geändert hättest - dass all dies nur ein schlimmer Traum gewesen sei... oder ich hoffte, dass es zumindest jemand wäre, der Interesse an mir hätte und mich retten könnte.
Als ich einsah, dass ich nichts aufzubieten hatte gegen das vergnügte Um-Aufmerksamkeit-Heischen unbeschwerter Welpen, ahnungslos gegenüber ihrem eigenen Schicksal, zog ich mich in eine ferne Ecke zurück und wartete.
Ich hörte ihre Schritte als sie am Ende des Tages kam, um mich zu holen, und trottete hinter ihr her den Gang entlang zu einem abgelegenen Raum.
Ein angenehm ruhiger Raum. Sie hob mich auf den Tisch und kraulte meine Ohren und sagte mir, es sei alles in Ordnung.
Mein Herz pochte vor Aufregung, was jetzt wohl geschehen würde, aber da war auch ein Gefühl der Erleichterung.
Für den Gefangenen der Liebe war die Zeit abgelaufen.
Meiner Natur gemäß war ich aber eher um sie besorgt.
Ihre Aufgabe lastet schwer auf ihr, und das fühlte ich, genauso wie ich jede Deiner Stimmungen erfühlen konnte.
Behutsam legte sie den Stauschlauch an meiner Vorderpfote an, während eine Träne über ihre Wange floss.
Ich leckte ihre Hand, um sie zu trösten, genauso wie ich Dich vor vielen Jahren getröstet hatte.
Mit geübtem Griff führte sie die Nadel in meine Vene ein.
Als ich den Einstich fühlte und spürte, wie die kühle Flüssigkeit durch meinen Körper lief, wurde ich schläfrig und legte mich hin, blickte in ihre gütigen Augen und flüsterte "Wie konntest Du nur?"
Vielleicht verstand sie die Hundesprache und sagte deshalb "Es tut mir ja so leid".
Sie umarmte mich und beeilte sich mir zu erklären, es sei ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass ich bald an einem besseren Ort wäre, wo ich weder ignoriert noch missbraucht noch ausgesetzt werden könnte oder auf mich alleine gestellt wäre - einem Ort der Liebe und des Lichts, vollkommen anders als dieser irdische Ort.
Und mit meiner letzten Kraft versuchte ich ihr mit einem Klopfen meines Schwanzes zu verstehen zu geben, dass mein "Wie konntest Du nur?" nicht ihr galt.
Du warst es, mein geliebtes Herrchen, an den ich dachte.
Ich werde für immer an Dich denken und auf Dich warten.
Möge Dir ein jeder in Deinem Leben so viel Loyalität zeigen.
(Jim Willis 2001, übersetzt aus dem Amerikanischen von Elvira Rösch & Nicole Valentin-Willis)
Hundewäldchen
Zusammengekauert saß der bärtige alte Mann im Nieselregen eines kalten Wintertages vor dem Tor des Tierheims, neben sich in einem kleinen Bollerwagen einen Schäferhund, der sogar aus der Nähe wie ein Bündel alter Kleider wirkte, die jemand achtlos abgelegt hatte.
Die beiden mussten schon eine ganze Weile dort warten, denn als die ersten Angestellten früh um sieben kamen, hatte der Mann Mühe, sich aus seiner Stellung zu erheben, so steif war er geworden. Der Hund versuchte erst gar nicht auf die Beine zu kommen, er blinzelte nur kurz und schloss dann wieder die Augen, ohne einen Laut von sich zu geben.
"Es ist wegen Harras," der alte Mann sprach die junge Tierpflegerin, die das breite Tor aufschloss, zögernd an, "er ist krank" .. und nach kurzem Zaudern, "sehr krank."
Er hatte seinen breitkrempigen, verwitterten Schlapphut gezogen und wartete. "Dann müssen wir ihn uns wohl ansehen", für das Mädchen schien das ganze eher ein Routinevorgang zu sein. " Kann er noch laufen?" "Ja schon, aber er hat Schmerzen denke ich, ich werde ihn hineintragen". "Aber nein, dafür ist das Tier doch viel zu schwer", sie sah ihn zweifelnd an und setzte hinzu, "und Sie auf keinen Fall kräftig genug." "Das täuscht", erwiderte der Alte kurz, beugte sich nieder und schob seine beiden Arme wie die stählernen Greifer eines Gabelstaplers unter das Tier, um es dann sanft emporzuheben.
"Wohin?" fragte er und sein Atem schien kaum beschleunigt. "Erst einmal ins Trockene, der Tierarzt kommt erst in einer Stunde". Das Mädchen schritt ihm schnell voraus und bog schon wenige Meter weiter in einen kleinen Nebenweg ein, an dessen Ende ein breiter Bungalow stand. "Hier werden unsere Neuankömmlinge untergebracht", sie schloss die Tür auf und der warme Dunst vieler Tierleiber schlug den Eintretenden entgegen. "Legen Sie Ihren Hund hierher, Sie können bei der Untersuchung dabeibleiben“, sie wies auf eine schmale Pritsche, die vor dem Behandlungsraum stand. "Es sei denn, Sie wollen das Tier nicht mehr haben und er wird ohnehin Dauergast bei uns", sie sah ihn fragend an."
"Das ist Harras und Sie sollten solche Vermutungen erst gar nicht anstellen, er versteht Sie nämlich." Das Mädchen lächelte, "tut er das? Dann sollte ich wohl etwas vorsichtiger mit meinen Worten sein". Der Mann legte das Tier unendlich liebevoll auf die Pritsche und setzte sich daneben.
Das Mädchen ging geschäftig hin und her, ordnete Instrumente, öffnete Medizinschränke und ließ die beiden dabei nicht aus den Augen. Endlich schien sie mit ihren Vorbereitungen für den tierärztlichen Alltag fertig zu sein und wandte sich dem alten Mann und dem Hund zu. "Darf ich ihn mir mal ansehen, oder ist er kein Menschenfreund?" "Er ist mein Freund" ,das schien dem Alten als Empfehlung für sein Tier zu reichen. Vorsichtig kam das Mädchen heran, sprach mit sanfter, tiefer Stimme beruhigende Worte und streckte ihre offene Handfläche dem teilnahmslos daliegenden Hund behutsam entgegen. Er reagierte nicht.
"Harras, mein Guter“, sie versuchte immer noch, die Aufmerksamkeit des Hundes zu wecken, vermied es jedoch, sich ebenfalls auf die Pritsche zu setzen.
" Mein Alter, Du darfst", sagte der Mann plötzlich, "sieh doch nur, sie setzt sich nicht".
Das Mädchen lächelte, "Sie mögen das alle nicht, sie fühlen sich wie in einer Falle, wenn sie von zwei Seiten eingekreist werden und dann hat man Mühe, ihr Vertrauen zu gewinnen". Der Mann erwiderte ihr Lächeln, "Mir scheint, Sie sind hier am richtigen Platz, die Tiere werden Sie mögen."
Als wolle der Hund diesen Satz bestätigen, hob er schwach den Kopf und schnupperte an der ausgestreckten Hand. Ein kaum wahrnehmbares Schwanzwedeln signalisierte, dass die kurze Prüfung befriedigend ausgefallen war.
"äußere Verletzungen hat er keine, soweit ich sehe, aber er ist wohl schon sehr alt?"
"Das sind wir beide und bisher waren wir trotzdem noch niemals krank", sagte der Alte und seine Worte klangen wie eine Beschwörung, dass es auch diesmal nichts schlimmes sein möge.
Das junge Mädchen füllte eine Schüssel mit Wasser und schob sie sacht in die Nähe der Hundeschnauze, doch der Hund zeigte weiterhin keine Reaktion.
"Nun, was immer es ist, ich fürchte, wir werden ihn röntgen müssen, richten Sie sich schon mal darauf ein, dass unser Doktor nur dann eine wirkliche Diagnose stellen kann."
"Wie ist er? Ein guter Mann, oder einer von der Metzgersorte?"
Das Mädchen überlegte kurz, als wolle es auf keinen Fall etwas falsches sagen und sah den Alten dann voll an: "Er ist eine ehrliche Haut, wenn Ihr Hund keine Chance mehr hat, wird er es Ihnen knallhart sagen, er hält nichts davon, kranke Tiere um jeden Preis am Leben zu erhalten, aber, er tut alles, um das Einschläfern zu vermeiden".
"Das ist gut", sagte der Alte und sah zum ersten Mal weniger besorgt aus.
"Sie können bei der Untersuchung dabeibleiben, der Doktor findet, das beruhigt seine Patienten und er hat weniger Stress.", das Mädchen strich Harras sanft mit dem Handrücken über die Stirn und verschwand dann im Nebenraum. Kurze Zeit später tauchte sie wieder auf, in der Hand einen dampfenden Becher mit Kaffee, den sie dem Alten ohne ein Wort reichte. Der nahm das Gefäß dankbar entgegen, wandte sich aber keine Sekunde von dem Tier auf der Pritsche ab.
Er trank und summte dabei in tiefem Bass eine Melodie, die der Hund zu kennen schien, er öffnete die Augen und wedelte schwach. "Ja, mein Alter, hab keine Angst, ich bin ja da, es wird Dir niemand weh tun", er sang diese Worte fast und seine Stimme zitterte leicht.
Dann ging alles ziemlich schnell. Der Tierarzt, ein grobschlächtiger Mann um die 40, mit überraschend sanften Händen nahm sich viel Zeit für den alten Schäferhund und man sah seinem Gesicht nicht an, zu welchem Ergebnis er gekommen war. Endlich ging er in den Nebenraum, um die Röntgenaufnahme auszuwerten und kam lange Zeit nicht zurück. Als er wieder eintrat war sein Gesicht mehr als ernst.
"Wo leben Sie mit dem Hund", er sah den Alten fragend an und mit einem zweifelnden Blick auf dessen Kleidung, "ich meine, hat der Hund ausreichende Pflege?"
"Wir leben zusammen und was ich habe, hat auch Harras", der Alte schien nicht gesonnen, mehr Auskünfte zu geben.
"Es könnte sein, dass das in seinem jetzigen Zustand nicht mehr ausreichen wird, das Tier kann nicht auf der Straße leben, Sie sollten ihn hier bei uns lassen."
"Auf gar keinen Fall“, der alte Mann erhob sich abrupt , "sagen Sie mir nur, was er braucht, er wird es bekommen".
Der Arzt schwieg eine Weile, seufzte tief und sagte dann rasch, " Sie sollten wissen, dass Ihr Harras keine Chance mehr hat, ich kann ihn für etwa 24 Stunden schmerzlos halten und das werde ich auch tun, aber dann müssen Sie sich entscheiden, obwohl es eine wirkliche Wahl für jemanden, der sein Tier so liebt wie sie, nicht geben wird, nicht geben sollte.“
Der Alte antwortete nicht sofort, er schien wie betäubt vor Schmerz und sein Bart zitterte. "Und Sie irren sich nicht?" Seine Stimme war fast tonlos.
"Ich denke, Sie wissen die Antwort darauf selbst, dass Sie zu uns gekommen sind, zeigt mir, dass Sie zumindest geahnt haben wie krank Ihr Hund ist."
"Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie wissen, dass seine Krankheit nichts mit seinem Leben auf der Straße zu tun hat, das kann auch jedem Wohlstandshund passieren und ist dann ebenso hoffnungslos." Der Arzt versuchte nicht länger, seine Diagnose erträglich klingen zu lassen, er wandte sich schon seiner nächsten Aufgabe zu, "Machen wir weiter Britta," sagte er kurz zu dem jungen Mädchen, das die ganze Unterhaltung in teilnehmendem Schweigen angehört hatte.
"Kommen Sie, ich gebe Ihnen das Schmerzmittel für Harras.", sie legte ihre Hand auf den Arm des Alten und führte ihn zu einem der großen Medizinschränke.
"Sie können das Tier hier lassen“, sagte sie dann und ihre Augen wirkten dunkel vor Anteilnahme, ehe er antworten konnte fuhr sie fort, "ich weiß, das kommt für Sie nicht in Frage, aber erwähnen muss ich es."
Sie reichte ihm ein kleines Fläschchen, "Bitte jeweils dreimal am Tag 10 Tropfen ins Trinkwasser träufeln, oder auch öfter, wenn Sie merken, er hat Schmerzen."
Der Alte griff nach dem Fläschchen mit der trüben Flüssigkeit wie nach einem Rettungsanker, doch sie hielt es fest und sah ihn eindringlich an.
"Ich muss Sie warnen, achten Sie auf die Dosierung, es ist ein überaus starkes Betäubungsmittel, gleichermaßen gefährlich für Mensch und Tier."
"Danke," er verstaute das Fläschchen wie eine Kostbarkeit tief in der Tasche seines abgetragenen Mantels.
"Ehe er sich abwenden konnte, sagte sie, "kennen Sie die Schrebergartensiedlung am Stadtrand?"
Er schien gar nicht zuzuhören, seine Augen wirkten leer und fast blicklos. "Sie können dort mit Harras die nächsten Tage verbringen, um diese Jahreszeit ist dort niemand.“, sie griff in ihren blauen Kittel und reichte ihm einen großen Schlüssel. "Der ist für den Eingang zur Anlage. "Das Gartenhaus meines Großvaters finden Sie in der dritten rechten Abzweigung vom Tor aus betrachtet, Nummer 11, und der Schlüssel liegt unter dem Blumentopf am Eingang."
Jetzt endlich schien er seine Umgebung wieder wahrzunehmen, er sah sie an, als biete sie ihm nicht nur einen Platz für sich und das kranke Tier, sondern die Rettung aus tiefster Not. "Mein Gott Kind, das gibt es noch," er betrachtete das Mädchen Britta so zweifelnd, als werde das Angebot im nächsten Augenblick zurückgezogen.
"Warum tun Sie das?"
Sie zuckte die Achseln, " wahrscheinlich weil ich gerade meine Hündin Tess verloren habe und die Erinnerung noch frisch genug ist, echte Gefühle um mich herum nicht achtlos zu übersehen. Ich arbeite hier, weil Tiere nun einmal meine Welt sind, aber glauben Sie mir, oft genug würde ich das alles gern hinschmeißen beim Anblick all der vernachlässigten und misshandelten Kreaturen. Kommt dann aber jemand wie Sie und Harras, dann weiß ich wieder, es lohnt sich.", sie stockte einen Moment und fügte dann hinzu; "Liebe lohnt sich."
Der alte Mann lächelte und sah für einen Moment weniger unglücklich aus. "Ich wünsche Ihnen, dass immer jemand in ihrem Leben sein wird, der diese Ansicht mit Ihnen teilt.“, sagte er dann und dem Mädchen war für einen Moment so, als habe der Alte sie gesegnet.
Der alte ölofen in der Gartenlaube gab eine köstliche Wärme ab und die Eisblumen an den kleinen Butzenscheiben schmolzen zusehends. Beide, der alte Vagabund und sein Hund waren restlos erschöpft, es war ein weiter Weg gewesen bis hier heraus und nur auf dem letzten Stück hatte ein LKW das Wägelchen und die beiden mitgenommen. Den ganzen restlichen Weg hatte der Alte das Gefährt gezogen und von mal zu mal längere Pausen einlegen müssen.
Gierig trank das Tier das leicht erwärmte Wasser, in das der alte Mann nun die vorgeschriebenen Dosis der Schmerztropfen hinein gegeben hatte. Schon Minuten später streckte der Schäferhund sich seufzend wie ein alter Mensch auf der breiten Liege aus, die mitten im Raum stand und der Mann deckte ihn behutsam mit einer alten Schafwolldecke zu, die er in einem der Schränke gefunden hatte.
"Es ist soweit mein Freund, nur noch kurze Zeit und wir beide werden im ewigen Sommer auf die Jagd gehen", liebevoll strich er dem Tier über den Kopf. "Aber jetzt muss ich Dich ganz kurz allein lassen, Du weißt, den letzten Gang wird ein Team wie wir beide es sind, so antreten, wie es sich für freie und stolze Geschöpfe gehört. Ich habe also noch einiges zu tun, schlafe mein Kleiner, schlafe, ich werde hier sein, wenn Du erwachst, ich werde immer hier sein, immer, immer“, seine Stimme versagte und der Hund, als habe er die beschwörende Stimme absolut verstanden, stöhnte tief und schwer und schlief ein.
In der Kneipe der kleinen Siedlung, die direkt hinter den Schrebergärten lag, ging´s an diesem Abend hoch her. Es war Freitag und das bevorstehende Wochenende sorgte bei allen für eine Bombenstimmung.
Den alten Mann, der plötzlich in der Tür stand, bemerkten die Zecher erst, als er seine Mundharmonika ansetzte und die neuesten Hits aus den Charts zu spielen begann. Im Nu wurden Tische und Stühle beiseite geräumt und der Tanz ging los. Der Alte spielte ausgezeichnet und der Wirt sah sein Geschäft blühen.
" Spiel, spiel Alter, es soll Dein Schaden nicht sein". Und der Alte spielte als hänge sein Seelenheil davon ab. Zwei Stunden später steckte er erschöpft und taumelnd vor Müdigkeit die Mundharmonika in die Tasche, nachdem er als letztes Lied das bekannte "muss i denn zum Städtele hinaus", intoniert hatte.
Der Wirt winkte ihn an den Tresen und wollte ihm ein wirklich gut bemessenes Trinkgeld in sein Hutband stecken, aber der Alte wehrte ab.
"Das habe ich gern getan, wenn auch nicht umsonst, alles was ich von Ihnen dafür verlange, ist ein Pfund rohes gehacktes Fleisch aus Ihrer Küche“, er sah den erstaunten Wirt beschwörend an, „nur das, nicht mehr."
"Sollst Du haben Alter, wenngleich Du Dir für das Geld gewiss hättest Hackfleisch für eine ganze Woche kaufen können". Der alte Mann lächelte als er das Fleischpaket in Empfang nahm, denn der gutmütige Wirt hatte ihm einen gefüllten Flachmann in die Verschnürung gesteckt.
Er klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, als er ihn zur Tür begleitete und sie hinter dem Graukopf abschloss.
Das Tier hob den Kopf als der Alte die Gartenlaube betrat. "Du hast doch nicht etwa geglaubt, ich lasse Dich länger allein als ich muss?" Habe ich nicht immer gehalten, was ich Dir versprochen habe mein Junge? "Ich werd´s auch diesmal tun, sei sicher, wir beide gehen zusammen in das Land hinter dem Regenbogen.
Was meinst Du, sollen wir beide das so machen wie wir gelebt haben, mit einem Festakt von dieser Bühne abtreten, wie zwei alte Gaukler, die noch mal groß aufdrehen, obwohl ihr Programm langsam zu verstaubt ist, noch irgendwen von den Sitzen zu reißen?"
Der Hund hatte aufmerksam zugehört, es schien ihm etwas besser zu gehen, und als die Stimme seines Herrn verstummte, seufzte er tief und legte die Schnauze auf die Vorderpfoten "Ja, ja", der Mann packte das Fleischpaket aus, breitete das Papier sorgfältig auf dem Boden aus und wartete. Der Hund ließ ihn nicht aus den Augen, schickte sich aber nicht an, das weiche warme Lager zu verlassen.
"Ich bin ein Idiot", der Alte strich dem Tier sanft mit dem Handrücken die Schnauzbarthaare zurück, " aber kreide es mir nicht an Harras, ich hab doch glatt vergessen, wie viel Du von guten Tischmanieren hältst, es wird in unseren Kreisen eben nicht vom Boden gespeist, Du hast Recht. Also der Herr, es ist angerichtet", er hob das Papier samt Inhalt vom Boden auf und legte es dem Hund direkt vor die Schnauze.
Der Schäferhund begann zu schnuppern, zögerte und tat dann so, als fresse er ein Häppchen, in Wahrheit jedoch blieb es bei dem Versuch. Mit unendlicher Traurigkeit in der Stimme sagte der alte Mann, "bin ich zu spät Harras, war das Timing mal wieder saumäßig, wie schon so oft? Weißt Du, ich hab´s nicht eher geschafft Dir Dein Lieblingsmenü zu beschaffen, könntest Du nicht mal probieren, ob es sich gelohnt hat, dafür zwei Stunden die Einmannkapelle zu spielen?" Er nahm etwas von dem frischen Hackfleisch auf die Hand und hielt es dem Tier bittend hin.
Der Hund sah ihn aus trüben, unendlich ergebenen Augen an, dann nahm er zögernd ein paar Bröckchen und schluckte es ohne zu kauen hinunter.
"Na was hältst Du davon?"
Der Hund stieß einen kurzen winselnden Laut aus und, als wolle er die Bemühungen seines menschlichen Freundes belohnen, leckte er mit der Zunge einige Fleischkrümel aus der Hand des Alten. Doch damit schien seine Energie erschöpft und er schlosserneut die Augen.
Seufzend stand der Alte auf und traf seine Vorbereitungen. Er fand im Geräteschuppen alles, was er brauchte und schritt schon wenige Minuten später mit Schaufel und Hacke bewaffnet die wenigen Meter zu einem an die Schrebergärten angrenzenden Wäldchen. Er drang tief bis ins Unterholz vor und begann zu graben.
Im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze fand man die beiden. Mann und Hund einander zugewandt, eine Hundepfote in der Hand des Mannes, eine Geste unendlicher Liebe.
Die Schrebergärtner nannten das Gehölz seitdem das Hundewäldchen und schworen darauf, dass von dort in kalten Nächten die leisen Töne einer Mundharmonika und fröhliches Hundegebell zu hören seien.
Lieselore Warmeling
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