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Die Vermittlungs-Tätigkeit
der Nothilfe für Polarhunde e.V
Vor mehr als zehn Jahren, 1994, wurde die Satzung des Vereins Nothilfe für
Polarhunde e.V. (NfP) unterschrieben. Der Zweck des Vereins ist in § 2
festgeschrieben:
…Der Verein setzt sich zur Aufgabe
• den
Tierschutzgedanken überhaupt zu vertreten und zu fördern;
• durch Aufklärung, Belehrung und gutes Beispiel Verständnis
für das Wesen der Nordischen Hunde wecken;
• das Wohlergehen der Nordischen Hunde zu fördern,
• Quälerei, Misshandlung und Missbrauch an den Nordischen
Hunden zu verhindern und zu verfolgen;
• die Pflege von verlassenen Nordischen Hunden und deren
ordnungsgemäße Weitervermittlung zu übernehmen;
• vorübergehende private Pflegeplätze für verlassene
Nordische Hunde, bis zur endgültigen Vermittlung, zu fördern;
• das Betreiben von Auffangstationen zur artgerechten
Unterbringung bis zur endgültigen Vermittlung.
• Patenschaften für schwer- und nichtvermittelbare Tiere
anzubahnen und zu unterstützen….
Diesen damals formulierten Grundsätzen ist die Nothilfe für Polarhunde
e.V. über die Jahre treu geblieben. Noch immer liegt ein Hauptaugenmerk
der täglichen Arbeit auf der Pflege von verlassenen Nordischen Hunden
und deren ordnungsgemäßer und verantwortungsbewusster Weitervermittlung.
Natürlich war die Art und Weise, wie der Verein seiner Verantwortung
nachkommt, dem Wandel der Zeit unterworfen. Das Internet gewann als Medium
der Vermittlung zunehmend an Bedeutung, dadurch und durch die steigende
Mobilität der Einzelnen wurden die Entfernungen bei den Vermittlungen
immer größer.
Mit der Veränderung gesetzlicher Grundlagen, der darin definierten
Festschreibung bestimmter Hunderassen als gefährlich, füllten sich in den
90er Jahren deutsche Tierheime mit so genannten Kampfhunden. Dem
gesellschaftlichen Druck ausweichend wuchs das Interesse vor allem an
kleinen Hunderassen, die optisch nichts mit den gesetzlich fast
stigmatisierten Rassen gemein hatten, die Nachfrage wurde zunehmend mit
Auslandshunden abgedeckt. Manch Interessent erwärmte sich auch für einen
Nordischen im Ausland und nicht jeder dieser Interessenten war sich über
die Konsequenzen seines Handelns wirklich im Klaren. Oft stand der
Grundcharakter der Nordischen, ihre Eigenständigkeit und ihr Laufbedürfnis
von Anfang an im Widerspruch zu den Wünschen ihrer neuen Besitzer. So fand
auch der eine oder andere Auslands-Hund seinen Weg zur Nothilfe für
Polarhunde e.V. und zusätzlich einige derer, für die sich die Tierschützer
im Ausland besonders einsetzten, die weniger gut vermittelbaren, oft
älteren Tiere. An die Vermittler stellen diese Hunde andere Ansprüche,
denn hier muss zusätzlich über den großen Bereich der nur vor Ort im
Ausland auftretenden Krankheiten aufgeklärt werden. Im Erkrankungsfall
müssen die Hundebesitzer informierend und ratend begleitet werden.
Parallel zu der guten Vermittlungsarbeit vieler Tierschützer fanden sich
auch andere, die in gelockerten Einreisebestimmungen, schwindenden
Grenzkontrollen und der Flut der herrenlosen Auslandshunde ein Geschäft
witterten. Ahnungslosen Interessenten wurden Tiere unter unvollständigen
oder falschen Vorgaben vermittelt, nicht mehr zum Wohl von Tier und
Mensch, sondern meist des finanziellen Vorteils willen. Das Thema
Auslandstierschutz wird mittlerweile äußerst kontrovers diskutiert. Die
Hauptvorwürfe sind neben dem „verdeckten“ Hundehandel fehlende Aufklärung
durch die Vermittler, häufig verknüpft mit der sich anschließenden Frage,
ob dahinter eine gewisse Absichtlichkeit steckt, da befürchtet werde, dass
die Zahl der Interessenten für diese Hunde mit zunehmender Aufklärung
vielleicht sinke.
Diese Entwicklung beobachtet die NfP mit einer gewissen Besorgnis, wohl
wissend, dass das Ansehen des inländischen Tierschutzes durch
Spendenunterschlagungen einzelner und in der jüngsten Zeit sogar gezielten
Betrügereien unter dem Deckmantel Tierschutz bereits gelitten hat. Wie
viele andere Vereine spürt auch die Nothilfe für Polarhunde e.V. die
daraus resultierende Verunsicherung und Zurückhaltung potentieller neuer
Spender und Förderer.
Doch nicht nur die Finanzen, sondern auch die Vermittlungsarbeit ist
betroffen. Speziell bei Interessenten, die erstmalig in Kontakt mit der
NfP kommen, sind viele Ängste spürbar, manche werden auch ganz direkt
artikuliert.
Doch wie überzeugt ein Tierschutzverein davon, dass er an fairen,
ehrlichen Vermittlungen interessiert ist, zum Wohl von Tier und Mensch?
Ein Hund, der der Nothilfe für Polarhunde e.V. übergeben wurde, wird in
der Auffangstation oder einer privaten Pflegestelle untergebracht. Dort
wird der Hund sorgsam beobachtet, ob er irgendwelche Auffälligkeiten
zeigt, die im Widerspruch zu seinem Alter, seiner Rassezugehörigkeit oder
auch den Angaben des Vorbesitzers stehen. Hinweisen auf bislang unerkannte
Krankheiten wird nachgegangen, bis diese ausgeschlossen oder bestätigt
werden, selbstverständlich werden auch Impfungen und Entwurmungen auf
einen aktuellen Stand gebracht und falls nötig, die oft vernachlässigten
Zähne saniert. Aus den Beobachtungen der ersten Tage wird ein
Vermittlungstext erstellt, der im Laufe der Zeit ergänzt oder überarbeitet
wird. Auf bestehende Defizite des Hundes, welcher Art sie auch sein mögen,
wird hingewiesen, denn nach Möglichkeit sollen nur Interessenten
angesprochen werden, die damit auch umgehen können. Klar gesagt werden
muss hier, dass körperliche Defizite einfacher zu erkennen und zu
beschreiben sind als besondere Verhaltensmuster. Das Verhalten eines
Hundes ist immer auch eine Reaktion auf das, was der Mensch vorgibt und
anbietet. Ein unsicherer Hund kann beispielsweise mit einem unsicheren
Menschen an seiner Seite Fremden gegenüber abweisend sein, sogar bis hin
zum Schnappen, an der Seite einer souveränen Rudelführung jedoch
freundlich (zurückhaltend) zu jedermann. Ein Hund, der aus Langeweile zwei
Meter Zäune bisher spielend überwand, kann ausgelastet und beschäftigt
einen weitaus geringeren Zaun als unüberwindliches Hindernis akzeptieren.
Hunde, die in der Auffangstation untergebracht sind, können dort meist nur
einen Teil ihres Verhaltensrepertoires zeigen, da das enge Zusammenleben
mit dem Mensch innerhalb des Hauses fehlt.
Viel Zeit investieren die Verantwortlichen in die Vorbereitung einer
Vermittlung und zwar möglichst bevor der Kontakt zu dem „eigentlichen“
Hund hergestellt wird, denn oft spricht der Hund das Herz an, wo
eigentlich der Verstand vorrangig entscheidend sein sollte. Die Aufklärung
über die rassebedingten Bedürfnisse und Charaktereigenschaften für
Neuanfänger mit den Nordischen ist hierbei selbstverständlicher
Bestandteil, auch die Vermittler selbst mussten ihr Wissen irgendwann
einmal erwerben.
Menschen, die sich für einen ursprünglich aus dem Ausland kommenden Hund
interessieren, werden über die möglicherweise noch zukünftig auftretenden
Krankheiten informiert und erhalten entsprechendes Informationsmaterial,
um dieses Thema in Ruhe noch einmal durchdenken zu können.
Vermittlungen direkt ab Flugzeug sind generell nicht im Interesse des
Vereins, da durch den massiven Stress des Fluges und der Klimaveränderung
Krankheiten ausgelöst werden können. Zudem sind Nachtestungen auf
spezielle Erkrankungen, die im Ursprungsland vorkommen, erst nach vielen
Wochen sinnvoll und (zumindest für den Moment) aussagefähig.
Bei Hunden, die an einer chronischen Krankheiten wie Arthrose,
Hüftgelenksdysplasie oder ähnlichem leiden, wird der aktuelle Stand der
Erkrankung so genau als möglich dargestellt und die in der Zukunft
möglichen günstigen oder ungünstigen Entwicklungen beschrieben. Gerne
stellen die Vermittler auch Kopien der tierärztlichen Befunde zur
Verfügung, damit die Interessenten mit diesen zu einem ihnen bekannten
Tierarzt gehen und sich dort unvoreingenommen beraten lassen können. Das
Ziel ist hierbei, das Leben mit einem derart erkrankten Hund vom
zeitlichen und finanziellen Aufwand her vorstellbar (begreifbar) zu machen
und möglichen menschlichen Selbstüberschätzungen vorzubeugen.
Ein ähnlicher Aufwand ist im Vorfeld der Vermittlung von ängstlichen,
scheuen, oft vorwiegend im Zwinger gehaltenen Hunden nötig. Hier
allerdings ist mehr die Weitergabe von Erfahrungen, die viele andere in
der Vergangenheit gemacht haben, und Tipps gefragt, die vor allem durch
die allererste, recht kritische Zeit helfen, in der noch keine Beziehung
Hund-Halter vorhanden ist.
Vorbereitet werden will auch die Vergesellschaftung von Hunden, denn nicht
jeder Hund ist sofort begeistert, Gesellschaft zu bekommen und zu teilen,
was bisher allein seines war. Auch verändert sich oft das Verhalten eines
„Doppelpacks“ (gegenüber Artgenossen etc.), leider nicht immer nur zum
Vorteil.
Gegen Ende der Vorgespräche findet meist eine so genannte Vorkontrolle vor
Ort bei den Interessenten statt. Dieser Besuch vor Ort bietet den
Interessenten Raum für viele Fragen, die sich in einem Gespräch manchmal
leichter stellen lassen und die Möglichkeit, bereits angedachte
Alltagslösungen auf ihre Durchführbarkeit hin „abzuklopfen“.
Sind sich Hund und Interessenten beim Kennen lernen sympathisch und die
Menschen sich ihrer Entscheidung nach einiger Zeit des Überdenkens sicher,
wird die Übersiedlung des Hundes vorbereitet. In Ausnahmefällen wird vor
dem endgültigen Abgabevertrag zunächst ein Pflegevertrag geschlossen, um
Mensch und Hund ohne jeden Druck das Aneinandergewöhnen, das
Zusammenwachsen zu erleichtern.
Die Nothilfe für Polarhunde e.V. steht als Ansprechpartner in der
Eingewöhnungszeit und darüber hinaus stets zur Verfügung und das gerne,
denn dieses Engagement zahlt sich aus. Vielfach lassen sich so
Schwierigkeiten bereits im Ansatz durch entsprechende Tipps korrigierend
beeinflussen und Rückgaben vermeiden. Selbst Jahre später kann im
Krankheitsfall ein hilfreicher Tipp gerade aus dem umfangreichen
Erfahrungsschatz der Vermittler kommen, einen Versuch ist es immer wert.
Mit demselben Selbstverständnis kümmert sich die NfP um die Hunde, die
einst über den Verein vermittelt wurden, wenn es deren Menschen nicht mehr
möglich ist, die Hunde weiterhin zu halten. Denn gute Tierschutzarbeit
beinhaltet auch, der einmal übernommenen Verantwortung für ein Tier
lebenslang gerecht zu werden.
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