Der letzte Weg
Für viele von uns gehören unsere Heimtiere zur Familie, oft über lange
Jahre sind sie uns vertraute und enge Gefährten. An ihren möglichen Tod
denken wir, wenn überhaupt, mit einer gewissen ängstlichkeit und hoffen,
dass sie eines Tages einschlafen und nicht mehr aufwachen mögen. Keiner
von uns wünscht sich, dass eines Tages das Tier so krank oder
altersschwach ist, dass wir die Situation nicht mehr eindeutig zu Gunsten
des Lebens beurteilen können und die Frage des Einschläferns im Raum
steht.
Laut Tierschutzgesetzt ist es verboten, einem Tier ohne vernünftigen Grund
Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen. Was heißt aber „zufügen“?
Bedeutet dies nicht auch, dass wer Schmerzen und Leid ignoriert, duldet
oder verlängert, unverantwortlich handelt?
Die Entscheidung
Jeder Tierhalter tut sich schwer mit der Suche nach einer Antwort auf die
Frage, wann Einschläfern für das Tier eine Erlösung ist. Kaum einer möchte
sein Tier verfrüht einschläfern lassen, aber auch keiner will bewusst
Leiden verantworten– allgemeingültige Regeln gibt es jedoch leider nicht.
Folgende Gründe könnten ausschlaggebend sein: Verlust der Lebensqualität durch
• unheilbare Krankheiten • starke Schmerzen • schwere Unfallverletzungen • fortgeschrittene Altersschwäche • nicht behebbare Umstände, die die Haltung des Tieres unmöglich machen
(z. B: Aggressivität, extreme Stubenunreinheit)
Die meisten Tierhalter kennen ihre Tiere gut und bemerken selbst kleinste
Veränderungen. Hinweise, dass einem Tier zunehmend die Lebensfreude
abhanden kommt und Leid entsteht, gibt es einige. Das Tier hat - andauernde und / oder starke Schmerzen - kann oder will nicht mehr fressen und / oder trinken - wirkt apathisch, verliert das Interesse an seinem Umfeld - verändert sein Verhalten, ist plötzlich extrem ruhig, scheu oder
aggressiv
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Tiere oft erst sehr spät zeigen,
dass sie Schmerzen haben oder leiden. Von der Natur ist dies so
eingerichtet, damit ein krankes Tier vom Feind nicht als leichte Beute
erkannt wird. In manchen Fällen kann es daher sinnvoll sein, ein Tier
einzuschläfern, bevor die Erkrankung sehr weit fortgeschritten ist,
unnötiges Leiden kann so verhindert werden.
Grundsätzlich entscheidend sind also der Gesundheitszustand des Tieres,
Art und Ausmaß der Erkrankung und die allgemeine Verfassung. Weiter
berücksichtig werden sollten das Alter des Tieres und sein individuelles
Wesen. Bei offenen Fragen, Unsicherheiten oder Zweifeln kann der Tierarzt
mit seiner Erfahrung eine wertvolle Hilfe bei der Entscheidung sein. Letztlich kann nur der Halter beurteilen, ob das Leben seines Tieres noch
lebenswert oder bereits zur Qual geworden ist.
Der letzte Tierarztbesuch
Der medizinische Fachausdruck für Einschläfern lautet Euthanasie, was aus
dem Griechischen kommt und übersetzt „gutes Sterben“ bedeutet. Die
Bedenken vieler Tierhalter, das Tier erlebe den Tod beim Einschläfern
bewusst, leide, sind unbegründet. Mit einer überdosis Narkosemittel (Barbiturat) wird das Tier in eine so
tiefe Narkose versetzt, dass Schmerzempfinden und Wahrnehmung vollkommen
ausgeschaltet werden. Erst danach setzt die Wirkung der eigentlichen
überdosis ein, das Tier nimmt also nichts davon war, dass die Atmung
aussetzt und das Herz aufhört zu schlagen. Manchmal kommt es zu körperlichen Reflexen wie Zucken, Kot- oder
Harnabgang, diese finden jedoch nicht bewusst statt, sondern sind das
Ergebnis rein biochemischer Vorgänge innerhalb des Körpers.
Die Frage, ob man als Halter dabei sein möchte / kann, wenn das Tier
eingeschläfert wird, ist eine sehr persönliche, auf die es keine richtige
oder falsche Antwort gibt. Die Entscheidung darüber sollte ruhig im
Vorfeld getroffen werden, falls der Halter dabei sein möchte, kann
überlegt werden, ob noch weitere Personen ihn begleiten. Hat das Tier in einer Familie mit Kindern gelebt, so kann es hilfreich
sein, wenn diese auf Wunsch das Tier auf seinem letzten Weg begleiten
dürfen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Kinder, die sich mit
eigenen Augen vergewissern konnten, dass das Tier ruhig einschläft und
dass es ihm dabei gut geht, mit dem Verlust besser umgehen können.
Der plötzliche Tod eines Tieres durch Unfall oder durch eine akute
Erkrankung kann beim Halter zunächst eine Art Schockzustand auslösen, auf
den Abschied konnte er sich weder vorbereiten noch einstellen. Oft folgen
Schuldgefühle, dass Tier nicht sorgfältig genug beaufsichtigt zu haben,
jedoch kann kein Tier vor allen Risiken bewahrt werden.
Es gibt gesetzliche Vorschriften, was mit dem Körper eines toten Tieres
getan werden darf und was nicht. Verbleibt das Tier beim Tierarzt, so wird sein Körper abgeholt und in
einer Tierkörperbeseitigungsanstalt verbrannt. Der Halter kann sein verstorbenes Tier auch mitnehmen und nach den
gesetzlichen Bestimmungen verbrennen oder beerdigen. Tiere dürfen in Parks, öffentlichen Grünanlagen oder im Wald nicht
begraben werden, aber auf dem eigenen Gründstück (nicht in einem
Wasserschutzgebiet). Das Grab muss in einem ausreichenden Abstand zu
öffentlichen Wegen angelegt werden und mindestens 50 cm unter der
Erdoberfläche liegen. Da viele Menschen gerne einen Ort haben, an dem sie trauern können, gibt
es mittlerweile einige Tierfriedhöfe (dort kann das Tier in einem Grab
beigesetzt werden) und Tierkrematorien (hier erhalten Sie die Urne mit der
Asche), entsprechende Adressen und Ansprechpartner erhalten Sie von Ihrem
Tierarzt.
Die Trauer
Trauer ist ein Teil jeder Beziehung zwischen zwei Lebewesen, die
Mensch-Tier-Beziehung ist dabei keine Ausnahme. Um ein Tier zu trauern ist
also völlig normal.
Trauer ist ein sehr individueller Vorgang und kann mitunter sehr intensiv
sein und lange dauern. Der Verlust betrifft nicht nur den vertrauten
Gefährten, sondern auch alle gemeinsamen Aktivitäten, wie die Spaziergänge
und die Gemütlichkeit auf dem Sofa. Dies zu erkennen und zu akzeptieren
braucht Zeit. Hilfreich können Gespräche mit Freunden oder Familie sein, wobei nicht
jeder die Trauer um ein Tier wirklich nachempfinden kann. Wer merkt, dass er mit seiner Trauer alleine nicht umgehen kann, sollte
einen Besuch beim Hausarzt nicht scheuen. Dieser kann bei der Suche nach
professioneller Beratung und Hilfe zur Seite stehen.
Ein neues Tier?
Auch dies ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss. Eine
gewisse Offenheit für die Individualität eines anderen Tieres sollte beim
Halter vorhanden sein, denn kein Tier, auch nicht bei gleicher Rasse und
gleicher äußerer Erscheinung, gleicht dem anderen. Jedes von ihnen hat
ganz eigene Bedürfnisse, Vorlieben und Abneigungen, die sich deutlich von
denen des verstorbenen Tieres unterscheiden können – Dinge zu überstürzen
ist weder im Sinne des Tierhalters noch des neuen Tieres (auch wenn manch
Angehöriger des Tierhalters es noch so gut meint).
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