| Woran erkenne ich eine gute Hundeschule?? Die Verhaltensforscher haben in den letzten Jahrzehnten
viel mit Hunden gearbeitet und vieles herausgefunden über das Verhalten,
das Lernvermögen, Gedächtnis etc. und mit diesen Erkenntnissen auch
vieles in Frage gestellt, was früher „Usus“ in der Hundehaltung war. In der Vermittlung sind gut halbwüchsige und erwachsene
Nordische Hunde eindeutig in der Mehrheit und so haben wir diese beim
Schreiben dieser Zeilen auch im Fokus. Welpenbesitzer (und auch Besitzer
so genannter „Problemhunde“, also Hunde mit Verhaltensauffälligkeiten)
sollten noch eine Nuance kritischer sein bei der Auswahl einer Hundeschule,
in der Vermittlung finden sich leider immer wieder Beispiele dafür,
was geschehen kann, wenn Mensch hier zu gutgläubig Empfehlungen vermeintlicher
Fachleute folgt. Eine gute Hundeschule ist geprägt von dem Bewusstsein,
dass die Akzeptanz der Hundehaltung in unserer Gesellschaft wesentlich
davon beeinflusst wird, wie sich Hund und Halter in der Öffentlichkeit
präsentieren. Daraus ergibt sich schon fast zwangsläufig, dass ein großes
Augenmerk auf der Schulung der Halter liegt, dass diesen Wissen nicht
nur praktisch, sondern auch theoretisch vermittelt wird. Grundkenntnisse
darüber, wie Hundeverhalten, Lernen des Hundes und ähnliches funktioniert,
sollten zusätzlich zum praktischen Kursteil erworben werden können.
Die Trainer selbst sind mit vielen der verschiedenen modernen Erziehungsmethoden
vertraut und bilden sich auf Seminaren etc. immer wieder weiter. Die meisten Hundeschulen bieten Ihnen die Möglichkeit
einer „Schnupperstunde“, ohne jede Verpflichtung für die Zukunft können
Sie mit Ihrem Hund einmal am Unterricht teilnehmen und danach entscheiden,
ob Sie sich dort gut aufgehoben fühlen. Beim Besuch einer „Schnupperstunde“ können Sie feststellen, wie der Umgang mit den Hunden ist, ob die Gesamtatmosphäre ruhig und entspannt ist, wie viel Wert auf was gelegt wird, ob möglicherweise „Erfolgsdruck“ vorhanden ist. Achten Sie auch auf die Größe der Gruppe und darauf, wie sie zusammengestellt ist. Gerade mit halbwüchsigem Hund an der Leine ist es vorteilhaft, wenn nicht nur Teenies derselben Altersgruppe herumwuseln, die ihre Kräfte miteinander messen wollen, sondern auch ältere Hunde, die Grenzen setzen. Die Anzahl der Hunde sollte noch überschaubar sein, eine Lernstunde besteht aus verschiedenen Teilen, die Hunde erhalten auch die Möglichkeit zu Sozial- und Spielkontakten mit ihren Artgenossen. Der Trainer achtet darauf, dass kein Mobbing und keine (ernsthaften) Streitereien entstehen, Sie als Hundebesitzer sind weitgehend verantwortungsfrei während dieses Stundenteils. Sichern Sie Ihren Nordischen bei diesen Freilauf –Aktivitäten mit einer Schleppleine, wird dies als vollkommen „normal“ für einen Hund mit ausgeprägtem Jagdtrieb angesehen, andere Kursteilnehmer stören sich daran nicht. Das Konzept vieler Hundeschulen, in kleinen Gruppen
und nicht an einem festen Platz zu üben, sondern immer wieder unterschiedliche
Punkte als Startpunkt der Übungsstunde zu wählen, hat Vor- und Nachteile.
Vor allem in den ersten Stunden werden Sie die Palette der Nachteile
möglicherweise überdeutlich spüren, Ihr Hund ist nur unkonzentriert,
abgelenkt und gibt sich Ihnen gegenüber ignorant, Rüden kommen häufig
aus dem Markieren gar nicht mehr raus. Im schlimmsten Fall funktionieren
selbst einfachste Kommandos, von denen Sie dachten, die sitzen bereits,
nicht mehr. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen, Sie und Ihr Hund
werden lernen, mit diesen vielen Reizen umzugehen und sich die gegenseitige
Aufmerksamkeit auch in diesen Situationen zu erhalten. Und ist es nicht
im Alltag so, dass es während eines Spazierganges viele Dinge gibt,
die Sie oder Ihren Hund ablenken und gerade daraus dann oft die Situationen
entstehen, die Sie unter „daran müssen wir noch arbeiten“ einordnen?
Die Arbeit in Einzelstunden ist immer dann sehr sinnvoll, wenn ein konkretes Arbeitsziel erreicht werden soll, denn in dieser Unterrichtsform kann sehr individuell und intensiv mit einem Hund und seinem Hundeführer gearbeitet werden. Auch bei Schwierigkeiten, die nur innerhalb der eigenen vier Wände auftreten oder in einer ganz speziellen Situation, hilft oft nur das gezielte (Einzel-)Training vor Ort. Ihnen und Ihrem Hund sollte die Hundeschulzeit Spaß machen, Sie sollten stets ein gutes Gefühl bei der Sache an sich haben und sich zu nichts überwinden müssen (das gelegentliche Niederringen des inneren Bequemlichkeits-Schweinehundes mal ausgenommen). Erfolgsdruck oder ein „Muss“, Vorschläge des Trainers unbedingt umzusetzen, gibt es nicht, Sie entscheiden mit Blick auf Ihren Hund, was sinnvoll ist und was nicht. Für Dinge, die Sie zwar erarbeiten wollen, aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht auf dem vorgeschlagenen Weg, sucht der Trainer mit Ihnen gemeinsam nach einer Alternative. Üben Sie zwischen den Stunden mit Ihrem Hund, fühlen Sie sich sicher dabei und wissen, was Sie wie üben können. Sie und Ihr Hund gewinnen an Erfahrung und Souveränität, als Team werden Sie zunehmend besser. Scheuen Sie sich nicht, bei der Auswahl der Hundeschule mindestens ebenso kritisch zu sein wie beim Kauf eines Neuwagens. So wie Sie ein Auto meist einige Jahre fahren müssen, leben Sie auch mit dem, was eine Hundeschule an Veränderung möglicherweise bewirkt, über einen längeren Zeitraum. Gerade durch den „Boom“ der Branche gilt es derzeit, sehr sorgsam zu entscheiden und zu prüfen, die Bezeichnung „Hundetrainer“ ist keine Garantie für eine zugrunde liegende, sorgsame Ausbildung.
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