Ein interessanter und spannender
Ausflug
in die Welt der Hundepsychologie-
Hundetrainer Kern zu Besuch in der Station
Die Unterstützung und Beratung eines Hundetrainers ist bei der
Vermittlung von nicht ganz unkomplizierten Charakteren eine hervorragende
Angelegenheit – für alle Beteiligten. Natürlich kann man auch Berge von Büchern
wälzen, die zu diesem Thema ja mittlerweile auf dem Markt sind. Doch das macht
längst nicht so viel Freude, wie einem sympathischen Trainer wie Thomas Kern
zuzuhören, der seine Tipps und Tricks mit einer Menge von lustigen bis
dramatischen Erfahrungsberichten untermalt. So hatte das Team
der Station durch den Besuch von Herrn Kern wieder einmal die Gelegenheit, seine
Kenntnisse im Umgang mit Nordischen aufzufrischen und eigene Verhaltensweisen zu
überdenken. Und da wir Ihnen dieses Wissen natürlich nicht vorenthalten wollen,
stellen wir nachfolgend eine Zusammenfassung des Gesprächs mit dem Hundetrainer
vor. Vielleicht können Sie ja den einen oder anderen Tipp ebenfalls anwenden. Wir
wünschen auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen! Eingewöhnung
Einem neuen Hund sollte eine 2- bis 3-wöchige Eingewöhnungsphase
zugestanden werden, in der er sich mit der neuen Umgebung vertraut machen kann.
Das heißt aber nicht, dass Sie ihn in dieser Zeit komplett „(ver-)schonen“
sollten. Gerade in dieser Zeit lernt der Hund, wo es bei Ihnen langgeht. Nehmen
Sie sich und Ihre Vorstellungen also nicht komplett zurück! Seien Sie ruhig im
Umgang mit Ihrem Hund, aber seien Sie bestimmt.
Punktlandung Belohnung Timing ist bei der Erziehung eines
Hundes das A und O. Gibt man das Kommando „Sitz!“, kramt dann einige Zeit in der
Tasche rum, um ein Leckerchen zu Tage zu befördern, belohnt man in der Folge das
Sitzenbleiben. Das kann zwar mitunter auch Sinn machen und zu einem späteren
Zeitpunkt auch gewünscht sein, doch die Verknüpfung Kommando-Ausführen-Belohnung
ist in diesem Fall nicht erfolgt. Und man muss sich nicht wundern, wenn der Hund
ein bisschen länger braucht, um zu lernen. Also: Nur eine punktgenaue Belohnung
führt zum gewünschten Lerneffekt. Futterautomat
Frauchen/Herrchen Ein weiterer wichtiger Aspekt beim
Belohnen ist: Nur Belohnen, wenn auch ein Kommando erteilt wurde! Wenn Ihr
Schützling zu Ihnen kommt und sich brav hinsetzt, ist das zwar ein vorbildliches
Verhalten, doch eine Belohnung in Form von Leckerlis sollte hier nicht erfolgen.
Sie haben ja kein Kommando zum Hinsetzen gegeben. Hier warnt Herr Kern: Lassen Sie
sich nicht von Ihrem Hund zum Futterautomaten machen! Falls Sie Ihren Hund nicht
„leer“ ausgehen lassen wollen: Ein freundliches Ansprechen tut es auch – das Motto
ist schließlich belohnen und nicht bestechen. Vorsicht
Inkonsequenz! Jeder Hundebesitzer weiß: Konsequenz bildet
die absolute Grundlage beim Umgang mit dem vierbeinigen Gefährten und vor allem
bei seiner Erziehung. Und hier lohnt sich ein genauer Blick und auch ein ständiges
Überprüfen der eigenen Handlungen. Nehmen Sie als Beispiel das Anlegen eines
Geschirrs. Sie fordern den Hund auf: „Sitz!“. Dieses Kommando ist Gang und Gäbe
und Ihr Schützling befolgt es auch. Kurz drauf ahnt er aber, was Sie vorhaben und
das Gewurschtel wird ihm jetzt doch zuviel. Er steht auf und dreht sich weg. Was
machen Sie? Sie sind vermutlich so beschäftigt in Ihrem Vorhaben, das Geschirr
anzubringen, dass Ihnen gar nicht auffällt, dass hier gerade ein Befehl missachtet
bzw. gebrochen wurde. Also innehalten und den Hund wieder auf seinen
Allerwertesten ordern. Oder Tipp vom Hundetrainer befolgen: Gar nicht erst zum
Sitzen auffordern. Es geht auch im Stehen, dann tappt man gar nicht in die
Inkonsequenz-Falle. Belohnung hinterher? Nicht nötig. Dass der Hund anschließend
wieder seine Ruhe hat, ist für ihn Belohnung genug… Das
Leinensführpiel Das Leinenführspiel bietet einen Weg zu dem
Ziel, das sich ein jeder Hundebesitzer wünscht. Und auch für nordische Jagd- und
Schlittenhundehalter muss das unkomplizierte An-der-Leine-Laufen kein
unerreichbarer Traum bleiben. Diese Methode verspricht nicht nur ein „stumpfes“
Ausführen des Befehls, sondern eine Abstimmung auf all Ihre Bewegungen. Trainiert
wird anfangs natürlich mit Leine. Sie gehen einfach los. Sobald Ihr Hund sich in
eine bestimmte Richtung wendet, die Sie nicht vorgegeben haben, wenden Sie sich in
genau die gegenteilige Richtung. Generell machen Sie immer genau das Gegenteil von
dem, was Ihr Vierbeiner sich in den Kopf gesetzt hat. Er wird langsam, Sie werden
schneller. Er geht nach links, Sie nach rechts. Bei dieser
Übung passiert Folgendes: Irgendwann ist natürlich die Spannweite der Leine
erschöpft und der Hund verspürt einen Ruck. Dieser Ruck wird nicht etwa durch
einen Zug an der Leine verursacht, sondern durch Ihr Körpergewicht, das die
Bewegung des Hundes abfängt. Ideal eignet sich dafür das Training mit einem
Bauchgurt oder ersatzweise das bloße Festhalten (nicht ziehen!) der Leine auf
Bauchhöhe. Nach dem Ruck dreht der Hund sich um und sieht: Ihren Rücken. Das ist
nun wirklich etwas irritierend. Er passt sich also aufgrund der Leine automatisch
wieder Ihrer Richtung an. Wenn Ihr Vierbeiner Sie nicht mehr weiter beachtet und
seiner eigenen Wege gehen will, wiederholen Sie dieses Spiel, indem Sie erneut die
Gegenrichtung einschlagen. Ziel ist es, dass Ihr Hund Ihnen seine Aufmerksamkeit
schenkt und sich mit der Zeit komplett auf Sie einstellt. Er ist nämlich mit ein
bisschen Konzentration sehr wohl in der Lage, zumindest aus dem Augenwinkel heraus
Ihre Bewegungen zu erkennen und sich daran zu orientieren.
Stufe zwei meistern Sie, wenn er auch beim Fahrradfahren lässig neben Ihnen
herläuft und alle Richtungswechsel ohne einen Befehl mitmacht. Dann haben Sie es
geschafft. Lassen Sie es aber langsam angehen. Bauen Sie immer wieder
Trainingssequenzen von einigen Minuten ein. Und achten Sie nach einer Weile auch
darauf, dass Sie nicht nur auf die unerwünschten „Alleingänge“ Ihres Begleiters
reagieren, sondern auch selbst die aktive Rolle einnehmen und die Richtungswechsel
aus eigenem Antrieb herbeiführen. Und ebenfalls wichtig: Weisen Sie alle
genauestens ein, die ebenfalls mit dem Hund spazieren gehen. Dann steht Ihrem
Erfolg nichts mehr im Wege. Hochspringen
Wenn ein überschwänglicher Hund seine Freude mitteilen will, tut
er das häufig, indem er sich auf die Hinterpfoten stellt. Wo die Vorderpfoten
landen, kann man oftmals hinterher an den deutlichen Schlammspuren der Kleidung
entnehmen. Und auch wenn der Hund sauber ist, ein solche, oftmals recht
unkontrollierte, Power entgegengestemmt zu bekommen, ist häufig nicht gewünscht.
Wie bringe ich dem Vierbeiner jetzt bei, dieser Bezeichnung gerecht zu werden und
alle Pfoten auf dem Boden zu lassen? Thomas Kern erläutert die
beiden Methoden: Die eine ist: Ignorieren. Und dabei ist wirklich Ignorieren
gemeint. Sobald Sie sich wegdrehen, zeigen Sie eine direkte Reaktion. Und die muss
ausbleiben. Nicht angucken, nicht drehen, tun Sie einfach so, als ob der Hund Luft
wäre. Denn genau das Gegenteil möchte er eigentlich erreichen. Wenn Sie sich ihm
dann zuwenden, wenn er wieder auf dem Boden ist, entsteht die gewünschte
Verknüpfung: Hochspringen – ich werde ignoriert; Boden – ich werde (positiv)
beachtet und sogar belohnt. Damit sichergegangen wird, dass der Hund genau diesen
Unterschied versteht, warten Sie mit der Belohnung mindestens 2 Sekunden, nachdem
der Hund wieder auf dem Boden ist! Die zweite Möglichkeit ist
Maßregelung. In diesem Fall kontert man das Hochspringen mit einer
Vorwärtsbewegung des Oberkörpers, so dass man sich zügig und bestimmt über den
Hund beugt und ihn damit in eine untergeordnete Rolle bringt. Diese Reaktion muss
nicht von einem Kommando oder sonstigem Wortlaut begleitet werden.
Bei dieser Methode sollte eine vorsichtige Abwägung gemacht
werden, mit welchem Typ Hund man es zu tun hat. Bei einem Vierbeiner mit
schwieriger Vergangenheit, der auch mal andere unerwünschte Verhaltensweisen
zeigt, sollte man von dieser Art der Maßregelung absehen.
Futterneid Ihr Hund knurrt Sie an, wenn Sie sich ihm
während des Fressens nähern? Ihnen ist was runtergefallen und Sie laufen Gefahr,
dass Ihr vierbeiniger Freund schlagartig etwas von seiner Freundlichkeit verliert
und sein Fressen verteidigt? Hier ist das „Besenstiel-Training“ unter kompetenter
Anleitung anzuraten. Der Besenstiel wird dabei zu einer imaginären Hand
umfunktioniert, indem man auf einer Seite einen ausgestopften Handschuh befestigt.
Mit dieser Arm-Attrappe kann man sich nun dem Napf nähern, während der Hund
frisst. Sobald er gelernt hat, nicht mehr auf die Attrappe zu
reagieren, ziehen Sie diese weg. Und genau darin besteht auch schon die Belohnung:
Der Hund zeigt keine Aggressivität und Sie lassen ihn in Ruhe. Seien Sie aber
bitte vorsichtig bei der Umsetzung des Gelernten mit Ihrem eigenen Arm. Führen Sie
dieses Training lieber einmal zuviel als zuwenig durch und vor allem nicht im
Alleingang, sondern mit der fachlichen Unterstützung eines guten Trainers, denn
bei falscher Anwendung könnten Sie mehr Schaden anrichten als Gutes tun.
Und wenn Sie nicht gleich Erfolge erzielen, gilt auch hier der
allgemeine Grundsatz: Seien Sie geduldig und vor allem beharrlich.
Fazit Herr Kern sendet zum Schluss
noch die beruhigende Nachricht für alle aus, die oftmals schon das Gegenteil
gehört haben: Auch Nordische lassen sich durchaus erziehen. Sie sind vielleicht
nicht so unterwürfig und anhänglich wie andere Rassen und bringen besondere
Charakteren mit. Aber im täglichen Zusammenleben lassen sich schwierige
Eigenheiten auf ein Minimum reduzieren und das abgestimmte Zusammenspiel zwischen
Halter und Hund maximieren. Es kommt nur darauf an, auch die eigene Haltung des
Öfteren kritisch zu hinterfragen. Und sich einen konsequenten, entschlossenen,
aber stets ruhigen Umgang mit dem Tier anzugewöhnen. Wir können aus eigener
Erfahrung sagen, dass das mit der Schützenhilfe eines kompetenten Hundetrainers
weitaus besser gelingt als im ungeübten Alleingang. Doch wenn Sie die gewissen
Grundregeln und Strategien erst mal verinnerlicht haben, dann werden Sie und Ihr
Hund viel Spaß miteinander haben. Und genau das möchten wir
Ihnen an dieser Stelle wünschen! Ihr Team von der Nothilfe für
Polarhunde Anmerkung:
Dieser Bericht ist selbstverständlich nicht als Anleitung gedacht und erspart
auch nicht den Besuch einer guten Hundeschule!
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