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Barrow - ein Husky erweist sich als "very british"

Barrow (geb. Oktober 2000) entstammte einem sechsköpfigen Rudel von
Familien- und Freizeithuskys, das nach dem Tod des Besitzers zum
Jahresende 2006 in Schwierigkeiten geraten war.
Hallo an Alle!
Es wird Zeit, Bericht abzugeben über das, was Canis lupus familiaris "Barrow"
alles erlebt hat! Barrow könnte von unzähligen Reisen nach Italien oder
quer durch Deutschland erzählen, er begleitet mich mit größter Freude
überall hin. Er ist ein Sympathieträger - jeder lächelt uns an, wenn wir
ankommen.
Eine Episode: Gartentörchen offen, Gartenzaun ist nur 1,2Meter hoch -
Kofferraum des Kombis offen, da mal gelüftet werden musste, ich unter der
Dusche und fühlte "Barrow ist weg". Raus aus der Dusche in den Garten!
rufend, nichts. Zurück in die Wohnung, die Leckerli Tasche geholt - raus
gerannt ums Auto...liegt er da: im Kofferraum zwischen
Plastikpfandflaschen. Er mag das Auto, es gibt Sicherheit!
Barrow, auch mal Lupo genannt, früher ängstlich, scheu - heute: wir laufen
Gassi am Rheinufer entlang - man höre und staune: ohne Leine, ja, ja das
kann er, und er geht freundlich auf alle Menschen zu. Riesenspaß macht
ihm, vor zu laufen, stehen zu bleiben und dann auf Zuruf zu mir kommen.
Als ob es das normalste der Welt wäre...
wer in der Station beschrieb ihn als einen Husky, der gerne bellt? Barrow
und bellen? seit er hier ist, seit 1.4 hat er in der Wohnung ein einziges
Mal gebellt. Ein einziges Mal am 1.4.07 um 23:40 Uhr, da war er keine 12
Stunden hier. Seitdem nichts, und das einzige Bellen übrigens auch nur,
weil Nachbars Katzen sich vor das Terrassenfenster wagten.
Und wer sagt dass Huskys nicht als Wachhunde taugen? Nachts halb drei
morgens, jemand verteilt Zeitschriften und steckt diese in unseren
Briefkasten - Barrow steht schon längst vor der Tür und knurrt. Ein kurzes
Signal meinerseits, er kommt wieder in das Schlafzimmer und bezieht
Position in seinem Bett. Jemand betritt den Garten, unaufgefordert, Barrow
(sofern er ihn nicht kennt) macht mich aufmerksam – nein, nicht durch
bellen! Barrow bellt nicht mehr. Nur wenn es darum geht mit anderen Hunden
zu toben, da wird gebellt.

Er macht alles von sich aus, ohne viel Erziehung. Er ist im Wesen so
bescheiden, fast schon "very british" würde ich sagen. Pullern in der
Stadt? an einer Wand? NIEMALS. Nein, Barrow stellt sich an den
Straßenrand, am Bordstein über den Gulli (Alles von sich aus! Nichts
beigebrachtes!) und pullert! So dass mal jemand auf mich zu kam von der
anderen Straßenseite (!) und meinte: "Hat der das gelernt?" ich war schon
verbal auf Verteidigung eingestellt, denn ich dachte, der will mich
anmachen, weil der Hund in der Stadt macht, und derjenige fügte noch
hinzu: das ist ja unglaublich, wie gelernt!
Barrow macht auch nie Haufen auf einem Pfad oder einen Weg. Nein , nur da,
wo es niemanden stört, im Gebüsch.
Barrow im Restaurant: er liegt unterm Tisch, kein betteln, nichts, gar
nichts! Wenn man aufsteht heißt es oftmals: "oh schau mal da ist ein Hund,
den habe ich gar nicht bemerkt!" - "Danke für das Kompliment!".
Wo er auch hinkommt: "Wow ist das ein schöner Hund!". 10% Der Bevölkerung
allerdings haben Panik -ja ich meine echte Panik, wenn er auftaucht. Das
extremste Beispiel war eine farbige Frau, die mit aufgerissenen Augen mit
dem Rücken zur Hauswand auf offener Straße auf Zehenspitzen, schreiend (Ja
schreiend!) an uns im Abstand von 2Metern vorbei schlich. Barrows Reaktion
darauf? KEINE. Das "schönste Kompliment" kam jedoch von einer Frau in
Italien, die gerade ihren Espresso trank: sie ließ die Tasse fallen und
sagte "Mamma mia che bel cane. - Mamma mia, was für ein schöner Hund!".
Irgendwo schon peinlich für mich. grins.
Barrow in Rimini am Strand: unter der Liege im Sand, es war nicht zu warm,
jeder hielt uns für bekloppt mit dem Husky an den Strand Ende August.
Wieder Leute, die wenig Ahnung haben: Der muss doch leiden, nein er
hechelte nicht einmal, um sich zu kühlen. Huskys sind schlau, sie buddeln
den Sand auf - legen sich rein - fertig. Sicher wäre es zu warm gewesen
wäre ich nicht hin gegangen, das steht außer Zweifel. Genau so wie die
Leute, die ständig fragen: "Ist das ein Husky? braucht der nicht so viel
Auslauf? und NUR Schnee?". Ich sagte schon, ich werde T-shirts drucken mit
"ja es ist ein Husky, und er braucht nicht SO viel Auslauf." - Jeder weiß,
dass er mehr Bewegung braucht als diese kleinen Pseudohunde, doch 30 km am
Tag? Kein Witz, das wurde ich schon gefragt! Alles Sache der
Konditionierung - oder? Wir laufen am Tag bis zu 3 Stunden, am Wochenende
mehr, in Sequenzen und Einheiten aufgeteilt, und ich wüsste nicht, dass
Barrow unausgelastet ist. Er wird auch mental viel gefordert.
Ehrlich gesagt, ich könnte mir außer einem Husky keinen anderen Hund
vorstellen. Einen sabbernden Boxer? Einen *gäääähn* Labrador oder
Retriever? Wie all die anderen "ach der ist ja so schön der Labi..."
*Müdes Gääääähnen* habe ich dafür übrig. Was ist schöner als dieser Drang
nach Bewegung, Laufen, Freiheit und Ursprung des Hundes, den ein Husky
vermittelt? Sie sind schlau, nein intelligent. Schnell, anmutig, stolz,
haben es nicht nötig zu reagieren, wenn sie von anderen Hunden "angemacht"
werden- Arrogant? sollen es nennen, wie sie möchten, es ist definitiv
sozialverträglicher!
Wo wir gerade dabei sind: Packt mich jemand mal schroff am Arm, sieht er
eine wundervolle Zahnreihe....nichts gefährliches, was man nicht unter
Kontrolle haben würde! Doch schön zu sehen, dass das Rudel eins ist, das
Rudel an erster Stelle ist.
Barrow lernt sehr viel dazu, und wenn man überlegt, er ist erst 7Monate(!)
hier bei mir, sind wir extrem weit. Mittlerweile haben wir es sogar
geschafft, dass er in der Stadt nicht mehr zieht! Draußen im Wald auch
nicht mehr! Die Leine ist immer locker, und auf "Langsam" läuft er eben
langsamer.
Hauptbahnhof war früher die reinste Panik für ihn, sicherlich nicht der
Ort hin zu gehen, doch stufenweise, immer ein wenig länger bleibend, hat
er es geschafft heute in das Gebäude rein zu gehen und keine Angstzustände
zu bekommen. Mehr als das: überrascht wurde ich letztens: er macht auf den
Gleisen, neben dem einfahrendem Zug "Sitz" und bleibt neben mir: klar
Aufforderung zum Streicheln gleich hinterher. Wenn es darum geht, wieder
aus dem Gebäude raus zu gehen, ist er wohl der erste, der draußen ist -
doch das ist in Arbeit.
Andere Hunde? Kein Problem. Er will mit allen spielen. Der "Gartenzaun",
für Barrow wäre es ein leichtes drüber zu springen - Nachbars Katzen
(4Stück) zu jagen, nein! Kein Reissaus, kein Weglaufen. Barrow jagt nur
noch Mäuse auf dem Feld, an der Leine. Das was erreichbar ist. Es gab auch
schon mal einen Hasen, den er mir vor die Füße legte - also bin ich wohl
echt Rudelführer.
Was soll ich sagen: Barrow ist TOP. Ich bin so froh, dass ich ihn gewählt
habe, er hier ist. Sicher bin ich mir darüber, dass er früher wohl
schlechte Erfahrungen gemacht hat, denn dieses Ducken und Einziehen ist
klares Zeichen dafür. Doch dass sah ich schon beim ersten Treffen, und
irgendwie wusste ich: "...das Matteo, das ist DEIN Hund. Das ist eine
Mordsarbeit, denn er hat Angst..." und ich 0 Erfahrung mit Hunden, ich
meine, ich hatte noch keinen, doch das ist DEIN Hund. Barrow, und das
sahen die wenigsten in meiner Umgebung, muss verstanden werden. Viele
dachten und sagten: "Matteo, warum so einen Hund?" "Der ist so scheu, den
kannste nicht mal streicheln" (Siehe jetzt die Bilder!). Meine Schwester:
"Der ist nicht hübsch!" Heute vergöttert sie ihn!
Ich lernte und verstand: Nicht über ihn bücken, nicht direkt/frontal nach
ihm rufen, immer seitlich. Rief ich, blieb er vor mir auf sicherer
Entfernung stehen und ich wunderte mich immer: WIESO bleibt der dort vorne
stehen und nicht hier bei mir? Bis mir einfiel: Na klar, frontal ist
Angriff, die "Waffe", die Zähne sind vorne! Die Seite ist empfindlich! -
dreh Dich zur Seite und ruf: "Barrow - komm her!" und siehe da: vor dem
Fuß!
Ferner: Ich sah, dass er immer, egal wohin er wollte, zb. zum Auto auf die
Tür zu, immer einen Bogen machte. Warum kann der nicht direkt hin? Warum?
Weil Wölfe einkreisen! Weil im Kreisen man seine seitliche Fläche zeigt?!
Eine Ausnahme gibt es, noch, aber das kann man nicht verübeln:
Tierarztpraxis. Was für eine Panik! Doch mit viel Geduld arbeiten wir
daran, wir gehen vor die Praxis; nichts geschieht - keine Behandlung
heute, wir gehen wieder Heim. Wir gehen hinein, nur zur Gewöhnung, und
wieder Heim. Hundeschule? Intensivkurse? Fehlanzeige: Barrow und ich
hatten 5mal Einzelstunden. Das war’s. Doch die Suche nach dem richtigen
Tiertrainer/in war/ist der Wahnsinn: da gab es welche, die allen ernstes
Kurse anbieten, in welchem Husky’s (davon hat derjenige 2Stück in der
Schule) mit Autoreifen durch ein Feld rennen. Kurs? Naja, ich empfand,
dass die Chemie nicht passte, ferner bildet der Rottweiler zu Schutzhunden
aus und da war es für mich rum. Eine weitere stellte sich vor: Ja
Huskys...kein Problem, ist auch nur ein Hund, bisher hat sie immer nur
Westis ausgebildet und ein Husky ist nicht viel anders als ein Westie..."ok
danke - der nächste!"
Der nächste: Tolle Bilder auf der Website, Kurse voll mit Singlefrauen und
ihren Hunden, hmmmmm nicht schlecht - da könnte ich auch daraus Nutzen
ziehen und Barrow auch. " Zwei Fliegen mit einer Klappe". Naja, zwei
Termine ließ er ausfallen ohne abzusagen und schaltete das Handy aus,
damit ich ihn nicht erreichen konnte = "Der nächste!". Die nächsten waren
zu weit weg. Also endete ich bei "Nadja Winter" - und siehe da: Barrow
brummte sie beim Erstbesuch weg, doch zum Schluss ging alles gut.
Barrow mit Kindern? Kein Problem. Barrow und Stufen, vor denen er sich
früher fürchtete: "Treppe rauf, Treppe runter!" Kein Problem. Eins kann er
sehr gut: Leckerlis klauen!
Als er kurz im Auto warten musste, auf der Rücksitzbank, weil Herrchen
gerade ein neues Geschirr besorgte: kam einer in das Geschäft hinein und
sprach "wem gehört der schwarze Kombi?" sagte ich "Mir, wieso?" er "Dein
Hund sitzt hinterm Steuer und wartet darauf dass es los geht!" - "Wie
bitte"? also kurz raus geschaut: Barros saß auf dem Fahrersitz, hinter dem
Steuer, und wartete. Es sah so aus, als ob jemand hinter dem Steuer sitzt
und darauf wartet weiter zu fahren.

Es gab mal den "Fall" einer Exfreundin von mir, die allen Ernstes wollte,
dass er allein, in einer fremden Wohnung, im EG übernachtet und ich im
Obergeschoss. Barrow fängt an, sein Rudel zu rufen. Wie Rufen? Bellen?
Nein, kein Bellen - Barrow bellt nicht. Barrow kann jaulen. Wie ein
großer! Immer die gleiche Sequenz, der gleiche Rhythmus, die gleiche
Lautstärke - ich wusste/ahnte oder bildete mir vielleicht auch ein: "Der
weint nicht, der ruft dich!" - als Ruhe war, holte ich ihn neben das Bett.
Diskussion mit der Frau? Klar! Doch mein Kommentar: "Hör mal - der Hund
war zuerst da, und willst Du schlafen oder einen Hund rufen hören?" Soll
ich hier noch erwähnen, dass die Beziehung nicht mehr besteht? Denke diese
Problematik kennen einige.
Wo ich bin, ist er, und wo er ist bin ich,
stets nach dem, was in der Station an der Wand hängt: "Du hast Freunde, Du
hast einen Job, Du hast Kollegen, Du hast Bars, Kneipen, Restaurants, Du
hast Familie, Frau, Kinder - ich, ich Hund Barrow habe nur Dich."
So und nach solch einem langem Bericht - wird es wieder Zeit, laufen zu
gehen! Viele Grüße!
Matteo & Barrow
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