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Vorinformationen:
Chang ist ein Chow-Rüde, der aus äußerst schlechter Haltung zur Nothilfe
für Polarhunde e.V. kam, gemeinsam mit seiner Mutter Arcani und Diabolo
(leider im Herbst 2005 in seinem neuen Zuhause an einer Tumorerkrankung
verstorben).
Arcani lebt seit langer Zeit auf der
Chow-Pflegestelle von Frau Ueding,
gemeinsam waren die beiden auch in der Fernsehsendung „Eine Couch für alle
Felle“ zu sehen. Dank der Hilfe von Martin Rütter gelang es, Arcanis Leben
bedeutend zu verbessern. Mittlerweile lebt auch Chang auf der Pflegestelle
bei Frau Ueding, nach einer weiteren fehlgeschlagenen Vermittlung im Jahr
2005 (diesmal
war Chang ursächlich, der das Futter verweigerte, die Wohnung demolierte
etc.) wird sich daran vermutlich auch nichts mehr ändern.
Wenn Sie also eine Patenschaft für Chang (geb. ca. 2000)oder Arcani (geb.
ca. 1997) übernehmen wollen, bitte das
Patenschaftsformular herunterladen
und ausgefüllt an die Geschäftsstelle der Nothilfe für Polarhunde e.V.
senden.
Chang - Chow-Rüde
"Keine 3 Stunden in meinem neuen Zuhause, habe ich mich mit Erfolg
rückwärts aus dem Geschirr befreit und mit weiterem Erfolg das Tal der
Ahnungslosen im Gebiet der Sorben erkundet. Regelmäßige Streifzüge zu
meinem neuen Zuhause ließen den Kontakt zu den neuen Menschen nicht
abbrechen. Nur mit dem Futter bzw. dem Fressen hat es nicht so geklappt."
Am. 22.06.2002 brachten Reiner Bukowez und ich Chang in sein neues, so wie
wir glaubten, gut vorbereitetes Zuhause. Wir fanden eine liebe Familie und
gute Voraussetzungen für einen neuen Start für Chang vor. Inständiges
Bitten, Chang die nächste Zeit nicht vom Gelände zu lassen, sind leider
nicht eingehalten worden.
Bevor wir Chang in .den Raum Bautzen gebracht haben, hatte seine Familie
die Patenschaft für ihn übernommen und damit auch das Interesse für eine
feste übernahme von Chang bekundet. Nach einigen Telefonaten und
Briefwechsel waren wir dann auch der Meinung, dass seine neue Familie
sicher geeignet ist, Chang entsprechend aufzubauen, zumal eine sehr nette,
bereits vorhandene Chow-Hündin mit Namen Cera dabei behilflich sein
könnte.
Man hatte uns versichert, die Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten, damit
Chang keine Möglichkeit hat, flüchtig zu gehen.
Wir waren kaum eine Stunde Autofahrt entfernt und auf dem Rückweg, als
über Handy der Hilferuf kam "Chang hat sich aus dem Geschirr befreit und
hat sich aus dem Staub gemacht". Sämtliche Versuche, ihn wieder
einzufangen, schlugen fehl.
Uns traf das helle Entsetzen, wie sollte sich der arme Kerl dort
zurechtfinden, wie soll man seiner überhaupt wieder habhaft werden.
Da wir jedoch terminlich noch zwingend gebunden waren, konnten wir nicht
wieder umdrehen und sind weiter zugefahren. Ohne Hilfsmittel hätten auch
wir keine Möglichkeit gehabt, Chang zurückzubringen.
Am Abend zu Hause angekommen, haben wir die gesamte Situation
durchgesprochen, da Chang absolut keine Anstalten machte, sich einfangen
zu lassen. Er zeigte sich zwar immer wieder und kam etwas in die Nähe,
doch das war es dann auch.
Zwei Tage später machten sich Carsten Wolf und Günter Schwartze auf den
Weg, um Hilfestellung zu leisten. Ausgerüstet waren sie mit zwei Kumpeln
von Chang aus der Auffangstation, der Chow-Hündin Lea und dem Husky-Rüden
Campino.
Im Gepäck befanden sich zudem zwei Schafszäune, ein Blasrohr,
Betäubungspfeile, Futter und jede Menge Leckerlis. Zum Schlafen im
Ford-Transit hatten sich die beiden Männer Liegen und Schlafsäcke
mitgenommen.
Jetzt konnte es losgehen.
Bei Ankunft nach 7 Stunden Fahrt, wurden sie morgens um 5 Uhr vor Ort in
Empfang genommen. Sofort wurde die Landschaft nach den vermuteten
Liegeplätzen von Chang kontrolliert. Chang wurde auch an einer Stelle im
Wald schlafend gefunden, er machte sich aber umgehend wieder davon. Es
wurde eine Futterstelle aufgebaut und der Zaun installiert und das
Verhalten von Chang beobachtet. Er kam in die Nähe, hat auch das Futter
gefressen. Nachdem die Falle aber geschlossen wurde, fand er blitzschnell
die Schwachstelle im Zaun, rannte diese über den Haufen und verschwand im
Wald. Zwei bis drei Mal kam er auf Sichtweite heran. Durch den
Autoverkehr, Radfahrer und Schaulustige traute er sich trotz Hunger nicht
mehr an die Futterfalle.
Die ganze drauffolgende Nacht wurde in halbstündigem Rhythmus Wache
geschoben und die Falle kontrolliert - ohne Erfolg.
Am anderen Morgen wurde das Futter frisch gerichtet und die Gegend zu Fuß
wieder abgelaufen. Keine 200 Meter vom Standort entfernt wurde Chang
gesichtet in Marschrichtung der Futterfalle, er war aber nicht bereit, in
diese zu gehen.
Carsten bewaffnete sich mit dem Blasrohr und verfolgte Chang. Nachdem die
Kreise von Chang sich vergrößerten, kam sein neuer Besitzer mit dem Auto
zu Hilfe. Nach einigen Versuchen gelang es, Chang mit einem
Betäubungspfeil zu treffen, ihn von der Fahrbahn mittels Decken
abzudrängen. Er zog sich in ein Maisfeld zurück und konnte dort dank des
Betäubungspfeils und der schnellen Reaktion von Carsten eingefangen
werden.
Völlig am Ende, übersät mit sicher hunderten von Zecken haben wir ihn in
den Transportkäfig gesetzt. Man hatte am Ende den Eindruck, dass er froh
über das gute Ende war.
Nach Abbau von Zaun und Falle, erstem Versorgen mit Futter und Wasser,
wurde postwendend mit Chang die Heimreise angetreten, um ihn mit EXspot zu
behandeln und in der Tierklinik durchchecken zu lassen.
Bei dieser ganzen Aktion hatte sich Chang eine Augenverletzung zugezogen,
die mehrere Male in der Tierklinik behandelt werden musste.
Mittlerweile ist Chang wieder auf dem Weg der Besserung, wir denken, dass
er sich psychisch wieder stabilisiert hat.
Lea schien die Aktion gefallen zu haben, Campinos ängstlichkeit hat es
nicht gerade geholfen.

Die Aktion war zwar erfolgreich, aber das Finanzielle steht auf einem
anderen Blatt.
Es ist immer wieder schade für uns, dass bestimmte Verhaltensmaßregeln,
die wir bittend weitergeben, nicht eingehalten werden. Meist ist es zu
Lasten der Tiere - es hätte für Chang tödlich ausgehen können. Da Chang
und sein Bruder Diabolo doch schon lange Monate bei uns weilen, hat man
sich sehr an die Tiere gewöhnt, hängt an ihnen und wünscht ihnen das
Beste. Wenn solche Vertrauensverhältnisse dann durch ein Fehlverhalten der
Menschen in Frage gestellt werden, geht auch das meist zu Lasten der
Tiere.
Abgesehen davon, dass die Zeit, die die beiden Männer mit der
Einfangaktion verbracht haben, anders genutzt hätte werden können. Zudem
ist es auch für diejenigen, die sich an solchen Aktionen beteiligen und
hautnah dabei sind, ebenso eine massive psychische Belastung. Man hat ja
nie eine Gewähr dafür, dass man das Tier einfängt und einigermaßen
schadlos im Empfang nehmen kann.
Lea und Campino mussten ebenso mit Zeckenmittel behandelt werden, Günter
Schwartze hatte sich durch eine festgesaugte Zecke auch in Gefahr
gebracht.
Wir bringen dies aus ganz bestimmten Anlass so ausführlich unter dieser
überschrift zum Ausdruck, damit sich alle diejenigen, die oftmals sorglos
mit solchen Tieren, die ein besonders Schicksal auf dem Buckel haben,
umgehen, dies zu Herzen nehmen. Leider sind es keine Einzelfälle und jedes
Tier, das dadurch sein Leben lassen muss, ist eines zuviel.
Es hat nichts mehr mit "lustig" zu tun. Wer sich zur übernahme eines
solchen Hundes entschieden hat, der trägt nicht nur einen Teil, sondern
die komplette Verantwortung. Und dies kann nicht immer auf dem Buckel der
Tierschützer bzw. derjenigen ausgetragen werden, die sich über Monate
mühselig damit beschäftigen, die Tiere einigermaßen zu resozialisieren.
Was damit verbunden ist, das ist harte Knochenarbeit und man muss durch
viele Höhen und Tiefen gehen. Fehler macht jeder, doch darf man nicht
bewusst die Empfehlungen in den Wind schlagen. Wir wissen, weshalb wir mit
der Vermittlung solcher Tiere umsichtig und sorgfältig vorgehen. Wer das
nicht verstehen kann, wird auch mit einem solchen Hund nicht glücklich.
Monica Schwartze, Journal für Nordische Hunde 23, September 2002
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