Gewitter im Gehirn
(Leben mit einem epilepsiekranken Hund)
Es kam und kommt überraschend, ohne Vorwarnung, aus heiterem Himmel, keine
dunklen Wolken kündigten das Ereignis an. Keine Chance sich irgendwie darauf
vorzubereiten.
Am 31.03.2010, kurz nach der morgendlichen Fütterung stand unsere Gjoya vom
Dösen auf, drehte sich ein paar Mal um die eigene Achse und blickte Richtung Rute
als wäre dort eine Fliege die sie verscheuchen wollte. Ich sprach sie an, sie
solle sich wieder hinlegen, sie reagierte aber nicht, ging ein paar Schritte
weiter und dann klappten ihre Beine seitlich weg und sie fiel um. Sie machte ein
Hohlkreuz, überstreckte den Nacken, ihre Beine strampelten wild in der Luft herum,
sie speichelte stark und blickte mit starrem Blick und weit aufgerissen Augen ins
Leere. Auf Ansprache oder Berührungen reagierte sie nicht im Geringsten. Panik
stieg in mir hoch, es dauert gefühlt endlos bis sie aufhörte, kurz benommen liegen
blieb, dann aufsprang und unruhig hin und her lief. Ansprechbar war sie wieder
aber deutlich verwirrt. Nach einigen Minuten beruhigte sie sich wieder und legte
sich erschöpft hin. Sie hatte eine epileptischen Anfall gehabt….!
Der sofortige Tierarztbesuch brachte keine Erkenntnisse. Alles normal. Wir sollten
erst mal abwarten, vielleicht wäre es eine einmalige Sache.
In der Hoffnung, dass dem so war und etwas beruhigt ging es wieder nach Hause.
Natürlich forschten wir trotzdem auch mal im Internet. Was ist Epilepsie, wer
bekommt das, wie behandelt man es. Es gab gute wissenschaftliche Berichte zum
Thema, viele erschreckende Berichte von Besitzern betroffener Hunde. Aber das
alles legten wir zur Seite, es war ja nur „eine einmalige Sache“.
Zur Vorsicht ließen wir aber noch eine Blutuntersuchung machen aber es gab keine
Auffälligkeiten. Also alles ok, na also eine einmalige Sache.
Leider war das ein Irrtum. Am 12.04.2010 um 23:30 Uhr ging es wieder los. Wir
waren im Bett und gerade eingeschlafen, das polterte es los. Aufgeschreckt und
sofort beim Hund krampfte Gjoya schrecklich heftig. Sie strampelte wie wild,
speichelte heftig, Kot und Urin gingen ab. Nach 2 Min schrak sie hoch lief fiepend
und orientierungslos hin und her. Sie kam zwar immer an und ließ sich streicheln
aber nach wenigen Sekunden ging sie wieder weg und lief umher. Wir verabreichten
ihr das vom Tierarzt mitgegebenen Diazepam und sie beruhigte sich wieder. Den Rest
der Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Jedes Pfotenkratzen lies auch nur die
geringste Müdigkeit sofort im Keim ersticken. Hatte sie wieder einen Anfall?
Am nächsten Tag telefonierte ich mit einem Epispezialisten in Wiesbaden den ich
übers Internet gefunden hatte. Er nahm sich am Telefon viel Zeit, erklärte und fragte
viel und wir
vereinbarten einen Termin in 1 Woche. Es war keine einmalige Sache und wir wollten
wissen
wie es dazu kommen konnte.
Die Nächte waren alles andere als erholsam, immer ein waches Ohr auf die Hunde (Gjoyas
10
jährige Mutter lebt auch noch bei uns). Vorsichtmaßnahmen wurden getroffen wenn
wir die
Hunde mal allein lassen mussten. Wo war der sicherste Raum in dem Gjoya sich nicht
verletzten konnte wenn sie umfiel und krampfte und wir nicht da sein sollten.
Ausgesucht
wurde die obere Etage, die Treppe mit einem Kindergitter versperrt. Waren wir
wieder zu
Hause wurde Gjoya sofort kontrolliert, war das Fell vom Speichel verklebt, lag
irgendwo Kot
oder Urin - nein, zum Glück nicht. Erleichterung! 2 Tage vor dem Termin, genau an ihrem 3. Geburtstag, kam das Gewitter schon
wieder.
Diesmal mittags im Wintergarten. Wieder dauerte es schrecklich lange 2 Min. danach
hatte
sie diesmal deutlich stärkere Bewusstseinsstörungen. Sie reagierte zwar auf
Ansprache konnte
aber wohl nicht richtig sehen. Den Nachbarn der in seinem Garten am Fenster
vorbeilief bellte
sie ängstlich mehrere Minuten an. Oh je, hatte sie es jetzt so wie ich es im
Internet viel
gelesen hatte?
Viele Hunde erkennen ihre Umgebung nicht mehr, sind panisch, greifen in Panik ihre
eigenen
Besitzer oder die anderen Familienhunde an. Manchmal wird der krampfende Hund vom
zweiten Hund angegriffen.
Das wollten wir nicht, müssen wir die Hunde nun trennen? Chaju, kam zwar immer an
wenn
Gjoya krampfte lies sich aber immer wegschicken. Aber was wenn die beiden allein
sind?
Den Gedanken schoben wir erst einmal zur Seite. Am 19.04.2010 dann der Besuch beim Facharzt. Ein ausgiebiger neurologischer Test
wurde
gemacht und zeigte keine Auffälligkeiten. Hätten sich welche gezeigt hätten die
auch vom
Anfall vor 2 Tagen stammen können, so aber war alles ok. Wir besprachen die
weiteren
Untersuchungsmöglichkeiten. Auch weil sie aus unserer eigener Zucht stammt war es
uns
schon wichtig zu wissen ob es sich um primäre/erbliche oder sekundäre/durch eine
Krankheit
erworbene Epilepsie handelt.
Weitere Blutuntersuchungen wurden gemacht. Vielleicht hatte sie ja Toxoplasmose,
die kann
Krämpfe auslösen? Katzenkot gehört leider zu ihren Lieblingsspeisen und kann
Toxoplasmose übertragen. Die „Hoffnung“ wurde uns schnell genommen. Ein an
Toxoplasmose erkrankter Hund würde schwere Symptome zeigen.
Herzuntersuchung alles ok, hätte mich auch gewundert, Gjoya ist ja ein fitter
Sporthund.
Wir entschlossen uns eine Liqouruntersuchung und weitere Urinuntersuchungen machen
zu
lassen. Alle Möglichkeiten die Krämpfe auslösen könnten sollten abgeklärt werden.
Das
hielten wir aus züchterischer Sicht für sehr wichtig. Wenn der Befund dem Club
gemeldet
wird muss man auch eine gesicherte Diagnose haben.
Gjoya wurde in Narkose gelegt und per Punktion die Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit
und per
Katheder Urin entnommen. Liqour wurde vor Ort untersucht (ohne Befund), Blut und
Urin
wurden eingeschickt ins Labor. Sollten auch die Werte in Ordnung sein bliebe als
letzte
Untersuchungsmethode noch ein MRT vom Kopf.
Da 3 Anfälle innerhalb von 14 Tagen zu viel sind bekam Gjoya ab sofort ein
Antiepileptika.
Sie wurde ein Studienhund in einer Medikamentenstudie. Ein neues Medikament wird
in einer
zweiten Studienreihe im Vergleich zum üblichen Phenobarbital getestet. Die Wirkung
des
neuen Medikamentes hatte schon eine erste Studie gezeigt, jetzt ging es um die
Nebenwirkungen. Erste Ergebnisse zeigten keine Nebenwirkungen wogegen
Phenobarbital
erhebliche Nebenwirkungen haben kann. Leider durfte man nicht aussuchen ob man das
neue
oder alte Medikament bekommt sondern musste eine der 2 versiegelten Boxen wählen.
Wir
zogen Phenobarbital. Etwas enttäuscht war ich zunächst schon, aber trotzdem sollte
man so
eine Studie unterstützen wenn man die Möglichkeiten dazu bekommt und Hauptsache
ist ja
auch erst mal, dass es wirkt und keine Anfälle mehr kommen. Ein Anfallstagebuch
muss
geschrieben werden und alle 4 Wochen müssen wir zur erneuten Untersuchung kommen.
Dafür ist das Medikament 1 Jahr lang kostenfrei. Nach fast 5h
Untersuchungsmarathon ging
es dann mit vielen Infos die erst verarbeitet werden mussten wieder nach Hause.
Nun hieß es die Medikamentengabe zu regeln. Zweimal täglich im Abstand von 12h
sollte
Gjoya die Tabletten bekommen. Möglichst immer pünktlich. Ein Pillendöschen mit
Wecker
wurde gekauft und morgens und abends um 8 Uhr musste nun immer jemand zu Hause
sein.
Die nächsten Tage wurden wir ruhiger. Die Tabletten würden schon helfen! Einige Tage später kamen die Ergebnisse der Blut- und Urinuntersuchungen, alles
normal
kein Krankheitsbefund. Die letzte Möglichkeit die jetzt noch für eine Krankheit
als Ursache
der Anfälle in Frage kam war die nicht sehr schöne Vorstellung eines Tumors im
Gehirn.
Einen kleinen Tumor könne man heute operativ entfernen hieß es und diese winzige
Hoffnung
lies uns zu dem Entschluss kommen das teure MRT an der Uni in Gießen machen zu
lassen.
Einige Tage später war es soweit, Gjoya musste wieder in Narkose, ganz genau wurde
mit
dem Epifacharzt besprochen welche Narkosemittel sie bekommen dürfe, denn einige
sind
krampf auslösend bei einem Epileptiker. Unruhig lies ich Gjoya nach dem
Einschlafen
zurück, gut 1 h später konnte ich wieder zu ihr und die Aufwachphase bei ihr
verbringen.
Alles war zum Glück gut gegangen, es hatte keinen Anfall gegeben. Wir bekamen eine
schöne CD mit Aufnahmen ihres Gehirns mit, der Befund lautete aber auch hier: ohne
Befund. Natürlich waren wir froh, aber nun lautete die Abschlussdiagnose beim
Tierarzt.
Primäre/erbliche Epilepsie!! Wie kann dass sein? Keiner von Chajus Welpen hat bisher Epilepsie, die Ältesten
sind fast 8
Jahre alt. Auch von der väterlichen Seite her war uns nichts bekannt. Und Gjoya
hatte im
letzten Herbst ihren 1 Wurf….. Aber wir haben es nicht wissen können, es gab
keinerlei
Hinweise auf Epilepsie und wer weiß schon, dass Epilepsie auch beim Samojeden ein
Thema
ist und beschäftigt sich vor einer Verpaarung damit? Inzwischen sind wir schlauer, die Suche nach Samojeden die ebenfalls Epilepsie
haben/hatten war leider erfolgreich. Die Annahme einiger Züchterkollegen Gjoya sei eine
Ausnahme, ein
dummer Zufall, hat sich leider als Irrtum herausgestellt. Vieles sind
Informationen die man
leider nur „unter der Hand“ bekommt, einmal weil die Besitzer gar nicht wissen
oder auf die
Idee kommen, dass die Meldung des Befund an den jeweiligen Rasseclub wichtig für
die
Gesundheit der Rasse ist, andererseits, weil sie von ihren Züchtern tatsächlich um
Stillschweigen gebeten wurden…..!!!
Einige Fälle sind aber in den Zuchtdatenbanken von Verbänden eingetragen, was sehr
lobenswert ist, denn nur wenn man die Daten kennt, kann man eine Ausbreitung von
Epilepsie auch verhindern. Einige der Besitzer von Samojeden mit Epilepsie haben
Blutproben ihrer Hunde an die Uni Helsinki für Forschungszwecke im Bereich
Epilepsie beim
Samojeden geschickt. Das ist der richtige Weg zu einer gesunden und
verantwortungsvollen
Samojedenzucht und sehr lobenswert, dass auch diese Besitzer oder Züchter sich dem
negativen Gerede von Anderen ausgesetzt haben.
Sollten wir nicht alle so handeln? Worum geht es uns bei der Zucht? Nur ums
Prestige, um
den guten Ruf der eigenen Zuchtstätte, um Ausstellungserfolge, ums liebe Geld oder
geht es
uns doch eher um die Gesundheit der Rasse? Manchmal habe ich da leider nicht den
Eindruck, dass es um Letzteres geht, denn warum werden sonst negative Befunde die
einem
schlechtes Gerede einhandeln könnten nicht gemeldet sondern man erfährt davon nur
hinter
vorgehaltener Hand?
Warum gibt es unter den Verbänden keinen internationalen Austausch von
Gesundheitsdaten,
wir verpaaren doch auch international. Wer kann schon in jedem Landesclub Mitglied
werden
um berechtigt zu sein die Gesundheitsdaten der Hunde zu bekommen. Warum ist
Finnland
z.B. offen und hat alle Gesundheitsdaten auf einer frei zugänglichen
Internetseite? Haben
andere Länder etwas zu verheimlichen? Wir sprachen mit unserem Epifacharzt und mit Neurologen von der Uni Gießen über
die
Vererbung von Epi. Leider ist der Erbgang recht unklar. Man geht von einem
autosomal
rezessiven polygenen Erbgang aus, d.h. beide Elterntiere haben für sich
unterschiedliche
Gene, die einzeln keine Wirkung haben, aber in der Kombination die Krankheit
vererben. 30 -
40 % eines Wurfes sind befallen, aber nur bei einem Teil kommt die Epilepsie zum
Ausbruch. Ein fataler Erbgang, da man keinem Hund ansehen kann, ob er Träger des
Gens ist
oder nicht. Das wäre erst möglich, wenn es einen Gentest dafür gibt, der steht
aber in Bezug
auf Epi bisher nur für sehr wenige Rassen zur Verfügung. Der Rat der Ärzte: Eine
hundertprozentige Sicherheit dass das Gen nicht weitervererbt wird gibt es nur
wenn die
Eltern, die Geschwister und mögliche Welpen eines erkrankten Hundes aus der Zucht
genommen werden. Ob man sich als Züchter/Rüdenbesitzer an den Rat hält muss jeder
mit
seinem eigenen Gewissen vereinbaren, da unsere Zuchtordnung nur den Epileptiker
ausschließt.
Wir werden uns daran halten, unsere Zucht ist damit für die nächsten Jahre
beendet. Erst
wenn unsere Chaju nicht mehr sein sollte, dann wird es vielleicht wieder einen
Welpen geben,
der dann vielleicht irgendwann auch mal wieder in die Zucht geht. Die Besitzer von
Gjoyas
Geschwistern und von ihren Welpen und die Besitzer von Gjoyas Vater sind von uns
sofort
informiert worden und unsere Welpenkäufer wollen sich auch alle an der Rat der
Ärzte halten
und keinen der Hunde je zur Zucht nutzen. Es ist eigentlich sehr schade, denn es
sind alles
tolle Welpen aber das Risiko ist einfach zu hoch. Ebenso wurde natürlich sofort
der FB Zucht
über Gjoyas Befund informiert, das war für uns keine Frage und dazu ist jeder
Züchter laut
Zuchtordnung ja auch verpflichtet, nur scheint sich nicht jeder daran zu halten.
Gjoyas Befund war und ist ein Schock für uns, das wir nicht mehr züchten können
sehr
traurig, aber wichtiger ist im Moment ihr Wohlergehen. Leider hatten wir nach
Beginn der
Medikamentengabe nur 4 Wochen lang Ruhe, dann hatte sie gleich 4 weitere Anfälle
innerhalb von 14 Tagen. Die Dosierung wurde daraufhin verdoppelt. Schon 3 Tage
später
beim nächsten neurologischen Test zeigte sie erste Koordinationsstörungen. In
schnellen
Kurven rutschte sie hinten weg, lief ab und zu mal gegen Möbel und eierte beim
Spaziergang
durch die Gegend. An Agility, ihre Lieblingssportart die sie super beherrscht, war
und ist im
Moment nicht zu denken. Sie findet keinen Absprung, rennt überall vor und kann
ihre
Bewegungen nicht koordinieren. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. Letzte
Woche
zeigte sie Angstverhalten bei der Begegnung mit 2 Hunden. Absolut ungewöhnlich für
sie, die
immer fröhlich und frei auf andere Hunde zuging. Wir hoffen sehr, dass auch diese
Nebenwirkungen wieder verschwinden und keine anderen hinzukommen. Zu Beginn der
Dosierung war sie unendlich müde und lustlos. Kein Hunde konnte sie zum spielen
auffordern
sie wirkte richtig depressiv. Wo war da unser immer aktive, fröhliche und zu
stundenlangem
Spiel aufgelegter junger Hund? Das ging zum Glück nach einigen Wochen wieder weg,
aber
dann kamen leider auch wieder die Anfälle. Seit der Verdoppelung der Dosierung ist
sie seit 3
Wochen anfallsfrei, aber die Angst ist da, das es bald wieder losgeht, dass sie
vielleicht zu den
40% der Hunde gehört die sich nicht einstellen lassen. Dann ist es irgendwann
vorbei, dann
wird sie Serienanfälle bekommen, aus denen sie nicht mehr allein rauskommt, bei
denen
Gehirnzelllen absterben und aus denen man sie dann erlösen muss. Eine
Horrorvorstellung
die schreckliche Angst macht…
Leider sagt die Statistik, dass nur 30% der Epihunde nach der
Medikamenteneinstellung
anfallsfrei werden, bei weiteren 30% erreicht man eine geringer Anfallshäufigkeit
und/oder
kürzere Anfälle und 40% der Hunde sind überhaupt nicht einstellbar. Ich möchte mit diesem Bericht klarmachen, wie furchtbar Epilepsie ist und wie sie
das Leben
beeinträchtigt.
Ich möchte damit erreichen, dass Züchter, Besitzer und.... ja eigentlich alle, die
sich mit Zucht
und Haltung von Samojeden/Nordischen Hunden beschäftigen, nachvollziehen können,
was
für ein Leid dahinter steckt. Ich möchte auch sensibel dafür machen, was das für
eine
qualvolle Angst auch für den Besitzer ist, der nie weiß, ob sein Hund diesen
Anfall übersteht.
Und.... das bei jeder Wahl der Elterntiere, egal bei welcher Hunderasse, ein
großes
Augenmerk auf die Epilepsie gehören sollte. Das Leid des Hundes, der im Anfall
selber
davon nichts mitbekommt, besteht im Danach. Er kommt zu sich, hat furchtbare
Angst, er
weiß nicht, wo er sich befindet, wer die Personen und die Hunde um ihn rum sind,
er weiß
nur, dass etwas Schlimmes passiert ist. Diese weitaufgerissenen Augen, die einen
angstvoll
und hilfesuchend ansehen...... Dieses hektische Umherlaufen, fiepen, alles
beschnüffeln, um
sich neu zu orientieren. Dieser große Durst und Hunger einiger Hunde. Und dann die
grenzenlose Erschöpfung, die sehr lange anhält, je nach Schwere und Dauer des
Anfalls. Der
Tierarzt sagt damals man müsse sich vorstellen der Hund absolviere einen Triathlon
unter
Vollgas. Und der Besitzer.....Er kann nicht helfen, außer so viel Ruhe wie möglich
zu
vermitteln und hoffen, dass Herz und Kreislauf die enorme Anstrengung eines
Krampfes
aushalten, dass die Zunge nicht in den Hals rutscht und der Hund qualvoll
erstickt, dass es der
einzigste Anfall war und dann noch froh sein, dass es zuhause passiert ist und
nicht auf dem
Spaziergang oder beim Spiel mit fremden Hunden. Dann nicht die Hoffnung zu
verlieren,
dass es mit der Einstellung klappt, das kann Monate dauern und auch
Dosierungserhöhungen
und Wechsel der Medikamente sind oft nötig, was dann zu erneuten und/oder anderen
Nebenwirkungen führen kann mit denen der Hund und die Besitzer dann fertig werden
müssen. Dazu die Kosten für die meist lebenslang nötigen Medikamente… Neben der Sorge um den Hund, vielen schlaflosen Nächten weil man aufschreckt wenn
der
Hund Geräusche macht und denkt es wäre wieder ein Anfall und der Planung der
Alltags mit
einem Epihund ist man auch bei diversen Aktivitäten eingeschränkt:
Eine Einladung zum Grillen: ja gerne, darf der Hund mit damit er am Abend
pünktlich seine
Tabletten bekommen kann? Wenn das nicht geht müssen wir leider absagen.
Ein großes Fest wo der Hund nicht mit kann: wo lassen wir ihn in der Zeit? Kann
man
jemandem die Betreuung und das mögliche Miterleben eines Anfalls zumuten?
Ein Kinobesuch: passt das zeitlich mit der Tablettengabe? Liebe Züchterkollegen und Samojedenbesitzer, hört auf die Krankheit zu ignorieren
und
abzutun als Einzelfälle. Wie schnell wird daraus mehr, man weiß es doch von den
Border
Colllies, Aussies, Sennenhunden, Retrievern…. Epilepsie kommt in jeder Rasse vor,
auch mir
war das neu.
Jeder kann in die Lage kommen, einen solchen Hund zu haben, ich wünsche es
niemanden. Das gleiche gilt natürlich für alle anderen Krankheiten die erbliche
bedingt sein
können auch. Auch die ersten Fälle von schwerer HD und Katarakt sind vor
Jahrzehnten als
Einzelfälle abgetan wurden, was bei den meisten Rassen daraus wurde hat man dann
ja
bemerkt und entsprechende Zuchtprogramme entwickelt. Es hat aber Jahre gedauert,
bis die
anfingen zu wirken. Warum muss das Kind erst in den Brunnen fallen bevor man ihn
sichert? Kein möglicher Epiträger, oder Epileptiker darf in die Zucht, dazu ist die
Krankheit für alle
Beteiligten zu schlimm. Die Gefahr der versteckten Verbreitung ist auch dadurch
gegeben,
dass die primäre Epilepsie zu 50% zwischen dem Welpenalter und 5 Jahren auftritt,
zu 50%
aber auch bis zu einem Alter von 10 Jahren.
Auch schwere HD und Augenkrankheiten sind schlimm für Mensch und Hund aber da kann
man heute sogar operieren und die Hunde und Besitzer haben danach eine gute
Lebensqualität. Ein medikamentös nicht einstellbarer Hund (40% aller Betroffenen
Hunde!!!)
wird schnell sterben. Das Gehirn merkt sich jeden Anfall und die Bereitschaft
wieder zu
krampfen steigt mit jedem Anfall, das ist wissenschaftlich bewiesen. Liebe Züchter, denkt gut darüber nach, ob ihr so ein Leid jemanden zumuten könnt
wenn Ihr
eine Verpaarung mit einem Hund macht der möglicherweise Epiträger sein kann. Denkt
darüber nach, was Euch bei der Hundezucht wichtig ist, worum es euch dabei geht.
Ich hoffe
im Namen aller zukünftigen Welpenkäufer das es euch allen wirklich am
vordergründigsten
um die Gesundheit der jeweiligen Rasse geht die ihr züchtet und nicht ums
Prestige. Hört auf
damit schlechte Gesundheitsbefunde nicht zu melden. Ihr habt aus züchterischer
Sicht das
Beste gemacht, wenn ihr vor einer Verpaarung alles abgeklärt habt was die
Gesundheit der
Vorfahren angeht die Ihr verpaaren wollt. Diejenigen die Befunde zurückhalten, die
Infos
anderen Züchtern, dem Verband bewusst nicht mitteilen und einfach weiterzüchten
wie
bisher, die müssen ein schlechtes Gewissen haben, nicht ihr, die ihr ehrlich seid.
Wer den Mut hat kann sich hier den 3ten Anfall von Gjoya ansehen. Das Video zeigt
die
letzten Krampfsekunden und die starke Bewusstseinsstörung danach. Und stellt Euch
einfach
beim ansehen mal vor, es wäre Euer Hund der da einen epileptischen Anfall hat.
http://www.youtube.com/watch?v=sBIqyGUgeWI
Hier einige interessante links zum Thema Epilepsie zum Ansehen und Nachlesen:
http://www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-115.php
http://www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-116.php
http://www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-117.php
http://tierneurologie.de/download/artikel/krampfanfaelle1.pdf
http://www.tierneurologie.de/download/artikel/krampfanfaelle2.pdf
http://www.tg-tierzucht.de/hzucht/publikation/epilep.pdf
http://epilepsie-beim-hund.de/schwartz_porsche_startseite.phtml
http://www.of-kiyaras-wolf-pak.de/seiten/epilepsie.htm
Und hier die Infos der Uni Bern über die Epiforschung. Dorthin sind Blutproben von
Gjoya,
ihrer Muter und 9 weiteren Verwandten gegangen. Der Aufwand dafür ist relativ
gering und
die Kosten belaufen sich auf 10-20,-€. Jede Probe eines erkrankten Hundes und
seiner
gesunden Verwandten kann helfen einen Gentest zu entwickeln, wenn vielleicht auch
erst in
einigen Jahren. Die Proben werden eingefroren und können somit auch lange nach dem
Tod
eines Hundes noch bei der Forschung helfen. Die Uni Bern arbeitet eng mit der Uni
Helsinki,
der Uni München und weiteren Experten zusammen.
http://www.genetics.unibe.ch/content/e2353/e2786/index_ger.html
Infos und Austausch mit anderen Besitzern von Hunden die Epilepsie haben findet
man unter
Anderem hier:
http://epilepsie-netzwerk.foren-city.de
Über einen Austausch mit den Besitzern von Nordischen Hunden die Epilepsie haben
würde
ich mich persönlich sehr freuen: meronhlare@gmx.de
Anja Kläne, mit Episamojede Gjoya von Meronhlare (3 Jahre alt) , 08.07.2010
www.samojedenonline.de
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