| Der Siberian Husky Rüde John
kam Ende 2008 aus schlechter Haltung im Rahmen einer „freiwilligen
Abgabe“ zur Nothilfe, ein ganzes Husky-Rudel hatte in einem Hof und
teilweise den angrenzenden Nebengebäuden über Jahre mehr schlecht
als recht gelebt. Mit jeder Läufigkeit der Hündinnen, die Tiere
waren alle unkastriert, vergrößerte sich das Rudel, mit der
zunehmenden Enge häuften sich die Beißereien zwischen den
unausgelasteten Tieren, Geld für tierärztliche Versorgung stand
nicht zur Verfügung.
Mehr als zwei Jahre lang war die aktion tier – menschen für tiere
e.V. an dieser Husky-Haltung dran. Eine schnelle Lösung für die
Nordischen scheiterte an dem Besitzer, der sich im Recht wähnte und
den langen Weg über Amtsveterinär, Auflagen, Kontrollen, neue
Auflagen usw. erzwang. Am Ende stand ein Tierhalteverbot, für die
Hunde allerdings änderte sich nichts, denn diese hatten auf einmal
allesamt einen anderen Besitzer und lebten weiter am selben Ort
unter denselben armseligen Bedingungen.
Die aktion tier – menschen für
tiere e.V. konnte schließlich in 2008 Medienvertreter
sensibilisieren, die in mehreren Berichten ausführlich über die
Zustände vor Ort berichteten. Der so aufgebaute Druck auf die Halter
führte zunächst zur Abgabe eines Teils der Hunde, einer der
glücklichen war John. Bald darauf wurde die gesamte Haltung
aufgelöst.
John zeigte zunächst massive
körperliche Probleme, musste gar als Notfall mit blutigen
Durchfällen beim Tierarzt vorgestellt werden - ein vom Dauerstress
für den Moment ausgelaugter Rüde, dessen Alter auf etwa drei bis
fünf Jahre geschätzt wurde.
Mit Hochdruck suchte man eine
Pflegestelle für ihn, die sich auch nach einiger Zeit fand. Zu
diesem Zeitpunkt hatte John schon ein wenig aufgebaut und ließ
erahnen, dass in ihm so einiges steckte, klar erkennbar war schon
ein recht souveräner nordischer Sturschädel vom Feinsten. Leider
gelang es nicht, John in der privaten Pflegestelle zu integrieren,
denn clever wie er war und ist, hatte er schnell erfasst, dass man
ihm auf Grund seiner Vorgeschichte mit viel Mitgefühl und Herz
entgegentrat und nutzte dies rigoros zu seinem Vorteil aus. Täglich
fordernder stand John den Pflegenden gegenüber, veränderte mehr und
mehr den Alltag so, wie es ihm passend schien. Es blieb schließlich
nichts anderes, als John wieder im Nordlicht für Notfelle
unterzubringen und weiter nach konsequenten, dem gewitzten Kerlchen
gewachsenen Menschen zu suchen.
Wie John dann doch seinen Platz
fand, das erzählt seine neue Besitzerin selber: |
Siberian Husky John
Ein neues Team-Mitglied wird gesucht … und gefunden.
Von Birgitte Lauritzen, Tiertrainer
Ich wohne in Dänemark und fahre ein kleines Team von Schlittenhunden, alle
kommen aus dem Tierschutz.
Kurz vor Weihnachten ´08 habe ich meinen Leithund und Rudelführer schweren
Herzens einschläfern müssen, nur 5 Jahre alt. Ich habe, nach einiger Zeit
des Einzeltrainings mit einem neuen Leithund (schon vorhanden) angefangen
nach Verstärkung zu suchen, weil es werden mindestens 4 Hunde braucht um
so richtig mit meinem Wagen fahren zu können, und ich hatte nur 3
Schlittenhunde.
Die schon vorhandenen Hunde sind die Wurfgeschwister Saga
und Tot, zwei Alaskan Husky Hündinnen aus dem Tierheim Feucht bei
Nürnberg, und Jack, ein Alaskan Malamute Rüde aus „Dyrenes Beskyttelse“ in
Dänemark. Dann gibt es hier noch einen Wachhund, die alte Kuvasz Hündin
Farkas. Sie ist übrigens eine Fundsache, die hängen geblieben ist.
Die Kriterien, die mein neuer Hund erfüllen sollte, waren:
Der Hund sollte jünger, hundeverträglich und physisch sowie psychisch im
Stande sein, im Team zu arbeiten. Alles andere war egal.
Bei meinen ersten Besuchen auf verschiedenen Webseiten von
Nothilfeorganisationen hat kein Hund wirklich mein Interesse wecken
können. Aber dann kam bei der Nothilfe für Polarhunde e.V. ein Update für
den Siberian Husky Rüden John und zwei andere Hunde gingen online, die
auch interessant gewesen wären, und alle drei standen im Nordlicht für
Notfälle.
Also ab ins Nordlicht mit ein paar von meinen Hunden, um
die Menschen dort kennen zu lernen und zu erklären, wonach ich suchte und
natürlich auch um die Hunde dort zu treffen. Ich hatte es ja eigentlich
nicht eilig.
Nachdem ich die Hunde kennen gelernt hatte, kam eigentlich
nur John in Frage. Er hat den „will to pull“ gezeigt, und hat auch die
anderen Kriterien erfüllt. Oben drauf kam dann noch, dass er ein ganz
frecher und cleverer Kerl war und solche gefallen mir immer besonders gut.
Sie sorgen meiner Erfahrung nach immer für gute Unterhaltung, fordern ihre
Menschen aber auch immer bis zum Haare raufen.
Als John dann hier zusammen mit Corinna Harders vom
Nordlicht ankam, wurde er mit meinem Malamute Rüden Jack zusammengeführt,
wir machten einen kurzen gemeinsamen Spaziergang, ließen die beiden sich
beschnuppern und danach konnten die beiden in den Freilauf zusammen. Wir
haben schnell gesehen, dass es zwischen den beiden Rüden keine Probleme
gibt. Sie waren ja auch beide mit anderen Hunden beiden Geschlechts
äußerst verträglich. Meine beiden Alaskan Husky Hündinnen hatte John schon
beim Besuch im Nordlicht kennen gelernt und später habe ich dann die 4
Nordischen zusammengelassen, wo viel Platz war, das ging eigentlich auch
fein.
Aber dann… Als wir alle in das Haus gingen, hat John
angefangen seine Möglichkeiten auszuloten. Es hat John 10 Minuten
gekostet, das Bett zu erobern. Nicht dass er aggressiv war, keineswegs,
aber spielend, charmant und ausdauernd hat er die anderen Hunde immer
wieder vom Bett weggelockt und sich selber schnell reingelegt.
Es hat dann mich 10 Millisekunden gekostet, John von dem Bett runter
zuwerfen! Und er schlief die erste Woche nur auf dem Boden.
So ging es dann den nächsten Tagen weiter… John wollte immer in der Mitte
stehen, aber beim besten Willen, so wird ein neuer Hund nicht sinnvoll in
ein bestehendes Rudel integriert, dass geht von unten. John hat alles
probiert, von mich anbellen, wenn ich mich mit einem anderen Hund
beschäftigte, über Essen klauen bis zum etwas anknabbern, wenn er
Aufmerksamkeit wollte.
Die erste Woche habe ich beruflich nur mit halber Kraft
gearbeitet und John konnte mit, er lag brav im Auto, und ich konnte
zwischen durch mit ihn spazieren gehen. Als er ein par Stunden mit rein
durfte, hat er sich auch benommen, gut genug um meine Kollegen davon zu
überzeugen, dass meine Geschichten von sein Benehmen total übertrieben
seien…
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Von Links dann das ganze Rudel: Farkas, John, Leithündin Saga, Tot und
Jack. |
Nach 4 Tagen war es soweit, dass John auch mit meiner
alter Kuvasz-Hündin zusammen durfte. Sie ist ja ein Herdenschutzhund und
daher allem Neuem gegenüber sehr misstrauisch. Deswegen hat sie sich im
Wohnzimmer hinter einem Kindergitter alles angesehen und sich so an John
gewöhnt ohne direkten Kontakt. John hat dann auch Zeit gehabt zu lernen
(von mir unterstützt), dass wenn Farkas anfängt zu knurren, will sie
einfach, dass er Abstand nimmt und dann ist alles wieder OK. Als ich die
beiden dann auf der eingezäunten Weide frei laufen ließ, hatten sie auch
keine Probleme sich zu verstehen. Hinterher sind die anderen drei dann
dazugekommen.
Geschafft, habe ich gedacht. Ich sollte aber klüger werden…
Dann ist ein großer Tag gekommen. John ist zum ersten Mal
eingespannt geworden, zusammen mit Saga und Tot, und los ging es. Johns
erste Fahrt. Dabei hat er eine außergewöhnlich schlechte Kondition gezeigt
und um sicher zu sein, dass es wirklich nur schlechter Form war und nichts
Gesundheitliches, bin ich mit ihm zu meinem Tierarzt. Dort sind Lungen,
Herz und Gelenke gründlich untersucht geworden und zum Schluss haben wir
auch den Hund durch mehrere Röntgenaufnahmen gecheckt.
Das Ergebnis war eindeutig und sehr erfreulich: John war 100% gesund! Ich
konnte also mit guten Gewissen anfangen, seine Kondition langsam
aufzubauen.
Also wurden ein eigenes X-back-Geschirr und Pfoten-Schutzschuhe für ihn
besorgt, er hat ja natürlich noch keine dicke Lederhaut an den Pfoten
entwickeln können…
Schon als ich den Wagen das zweite Mal aus der Scheune
geholt habe, ist John wie ein Irrer herum gesprungen. Es hatte ihm auf
jeden Fall Spaß gemacht und er wollte wieder mit! Das ist genau der Geist,
der mir gefällt…
Nach dem Fahren gibt es dann ab und zu Knochen am Stake-Out. Zuerst hat
John nicht richtig gewusst, was anfangen mit so einem Stück roher Kuh. Das
hat er aber sehr schnell heraus bekommen.
Die Hunde werden in solchen Situationen immer alle angekettet um
Streitereien über Futterressourcen zu verhindern.
Mitten in dem ganzen Integrations-Projekt ist Tot dann
läufig geworden und das hat alles (auf jeden Fall die Rüden) auf dem Kopf
gestellt.

Das hat schon viel Stress gebracht, hat viel Brummerei unter den Rüden
ausgelöst und einmal auch eine direkte Konfrontation, wo John aber schnell
nachgab, nachdem er in die Ecke getrieben worden war. Ich habe dann Jack
weg kommandiert und John noch mal verbal „auf dem Kopf gehauen“.
Keiner von den Rüden ist sehr souverän, John ist eher der
Ambitionierte von den beiden, aber im Moment doch noch sehr durcheinander.
Er ist erst vor zwei oder drei Monaten kastriert worden und hat auch 4-5
Umzüge hinter sich in der Zeit. In der jetzigen Umgebung ist er recht neu
und dazu kam nun noch die läufige Tot, die sich mit allem und jeden paarte
(beide Rüden sind kastriert, aber das hatten sie da wohl vergessen).
Jack war immer eher der Omega-Hund Typ und auch durch die Hitze von Tot
deutlich gestresst. Ich hatte Angst, einer oder beide würden den Überblick
in einer Situation verlieren und dass sie sich gegenseitig verletzen
könnten. Also habe ich das Kommando übernommen und die Regel aufgestellt
„ich will keine Schlägereien oder Streitereien. GAR NICHT, ich werde
stinke-sauer und schimpfe mit Euch!“ Rangordnung wird NACH der Hitze
entschieden.
Wenn ich nicht Zuhause war, musste ich natürlich die Rüden
trennen, Jack hat dann die läufige Tot als Gehege-Kumpel gekriegt. Ich bin
auch ein paar Tage weggefahren zu meiner Freundin und habe Jack und John
alleine mitgenommen, um ihnen ein par stressfreie Tage zusammen zu
ermöglichen und sofort waren die Brummereien auch verschwunden.
Jetzt ist die Hitze vorüber und alles ist relaxter geworden und Szenarios
wie dieses, dass Jack, Tot und John sich das Bett teilen (die Hunde sind
hier im Bett erlaubt), sind wieder Alltag geworden.
Im Grunde genommen gibt es hier nicht sehr viele Regeln,
aber die die es gibt, auf denen bestehe ich. Begrenzungen können ja auch
viele Probleme hervor provozieren. Mein Prinzip ist eher, die
Schlittenhunde müssen sich so frei wie möglich fühlen, um hier bleiben zu
wollen, und nicht weil sie dazu gezwungen sind.
Dann werden solche Bilder nach einer Woche möglich: Wir sind vom Fahren
gerade zurück gekommen und alle Hunde sind ab auf die Weide um Mäuse zu
fangen. Nur John nicht, er legt sich an die Tür, um mit mir ins Haus zu
kommen.

Der Tag wird wohl kommen, wo John die Position als Alpha
Rüde im Rudel übernimmt. Er ist ambitionierter und intelligenter als Jack.
Aber alles zur seiner Zeit, er muss erst harmonisch werden, geistig sowohl
wie körperlich, dann werde ich ihn auch nicht bremsen.
Im Moment ist er gerade in so einer Phase gekommen, wo er buchstäblich an
mir klebt wie eine Zecke, will z. b. lieber schnell ins Auto zurück als
einen Spaziergang im Wald zu machen oder will lieber in meinen Auto
liegen, als mit den zwei Hündinnen von meiner Freundin zu spielen.
Im Haus liegt er auch immer im meiner Nähe. Das darf er auch gerne machen,
so lange wie er es nötig hat. Dann muss er aber wieder seine
Selbständigkeit finden, um ein starkes Rudel-Mitglied zu werden und um ein
erfülltes Leben zu führen, er hat das Zeug dafür auf jeden Fall.
Einen bedeutenden Schritt in dieser Richtung hat er heute, nach 15 Tagen
gemacht. Er ist auf seinen ersten richtigen „Job-Einsatz“ mitgegangen, als
ich als Hundetrainer die Aufgabe hatte, einem unerzogenen Hund
beizubringen, an anderen Hunden vorbei zu gehen. Johnny war als Statist
dabei und er hat es souverän gemeistert.
Tja, Little John (wie ich ihn liebevoll nenne, weil er
wirklich nicht sehr groß ist), heute Abend trinke ich ein Glass Wein auf
dein Wohl und auf viele erlebnisvolle Jahre mit dir zusammen.
Morgen fahren wir wieder mit dem Wagen und danach kriegst du einen
Riesen-Knochen.
Vielen, vielen Dank an alle Tierschützer und Tierfreunde,
die sich für John eingesetzt haben.
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