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Shibas finden sich immer wieder einmal in der Vermittlung der NfP, oft
Hunde mit schlimmer oder tragischer
Vorgeschichte, kleine
Persönlichkeiten, die oft hart für ihr Überleben kämpften und vieles
einstecken, verkraften mussten. Daher sind viele von ihnen anfangs scheu,
mitunter sogar misstrauisch und je nach Temperament und Wesen weichen sie
zurück, gehen abwehrend nach vorne oder – und das ist schlimmer als alles
andere – schreien in fürchterlicher Angst, dass es einem Herz und Luft
abschnürt ab so viel Leid. Für diese kleinen Wesen die richtigen Menschen
zu finden ist oft schwer, behütet sollen sie werden und doch losgelassen,
um ein „normales“ Hundeleben zu führen.
Stellvertretend für diese kleinen zauberhaften Wesen, die sie alle sein
können, wenn sie ihren Platz gefunden haben, steht hier die Geschichte von
der Eingewöhnung Kenjis, der im Jahr 2006 in den neuen Bundesländern durch
Anbinden an einer Brücke entsorgt worden war. Über ein Tierheim kam er mit
dem Namen Inu in die Geschäftsstelle, wo er einige Wochen und Monate lebte
und erstes Zutrauen finden konnte.
Sein neues Heim fand er an der Seite von Nele und Taro, deren Frauchen
sich ganz bewusst und nach ausgiebigem Kennenlernen für ihn entschieden
hatte, von ihr erhielt er auch seinen neuen Namen „Kenji“.
Montag, 7. Mai 2007
Nachdem am Samstag sich "rein zufällig" eine ganze Reihe meiner Freunde
und Bekannten die Türklinke in die Hand gaben - einschließlich meines
Vermieters, der vor Mitleid mit Kenji fast zerschmolzen ist - ist nun
endlich unser ruhiger Alltag wieder eingekehrt. Nach einem 2- stündigem
Spaziergang und einem 2- stündigem Besuch unserer Hundetrainerin schläft
der Rest des Rudels nebenan im Wohnzimmer ganz erschöpft und ganz
entspannt: Nele auf dem Teppich an der Eingangstür, Taro und Kenji auf dem
Sofa. So kann ich Ihnen meine kleinen Erfolge mitteilen, in der Hoffnung,
dass Sie diese auch so aufregend finde wie ich.
Mittlerweile kann ich zusammen mit allen dreien ohne Stress spazieren
gehen, Kenji akzeptiert jetzt draußen wie selbstverständlich die Nähe von
Taro. Ich vermute, dass es eine Verbundenheit zwischen den beiden Jungs
schafft, wenn sie gemeinsam einen Grashalm anpinkeln, Kopf an Kopf in
einer Hecke schnüffeln oder in einem Mäuseloch graben. Es ist auch kein
Problem, alle drei zusammen draußen vor der Bäckerei anzubinden und meine
Brötchen zu kaufen - natürlich mit Blickkontakt von drinnen, um zu
kontrollieren, dass keine Person draußen Kenji zu nahe kommt.

In der Wohnung selbst kommt es ab und an zu Keifereien zwischen den beiden
Buben, vor allem, wenn Taro Kenji allzu drängend zum Spielen auffordert,
aber da ließen sich die Streithähne bislang ohne Problem trennen.
Ansatzweise und sehr zögerlich geht Kenji aber manchmal schon auf das
Spiel ein.
Kenji traut sich noch nicht, mit den anderen beiden in meinem Schlafzimmer
zu schlafen, er hat sich für die Nacht das Sofa im Wohnzimmer ausgesucht.
Sobald ich allerdings morgens in die Küche gehe, kommt er angeflitzt,
reibt wie eine Katze seinen Kopf an meinen Beinen und will gestreichelt
werden.
Am ersten Morgen in meiner Wohnung machte Kenji mir aber auch deutlich,
wie schlimm seine ersten Erfahrungen mit Menschen gewesen sein müssen. Aus
Aufregung oder wegen der langen Fahrt hatte er eine kleine Pfütze im
Wohnzimmer hinterlassen. Als er sah, dass ich das Pipi bemerkt hatte,
drückte er sich zitternd und bebend in eine Ecke - das reinste Häufchen
Elend. Nachdem ich das kleine Malheur aber, ohne ihn zu beachten,
weggewischt hatte, kam er zu mir und leckte mir die Hände ab. Ich denke,
wir haben mittlerweile eine kleine Vertrauensbasis.
Inzwischen lässt Kenji sich gerne den Kopf oder die Ohren von mir
streicheln, nur wenn ich die zweite Hand hinzunehme, ist er noch sehr
misstrauisch.
Mit der Hundetrainerin habe ich nun als nächste Schritte vor, ihn daran zu
gewöhnen,
- mit beiden Händen berührt zu werden (Würstchen oder Käse gibt es nur
noch aus beiden Händen)
- dass Füße nichts Schlimmes sind (Würstchen oder Käse werden auf die Füße
gelegt)
- am ganzen Körper gestreichelt und später einmal gebürstet zu werden
(wenn wir spielen, wird das jeweilige Spielzeug wie zufällig am Körper
entlang gestrichen).
Mittwoch, 9. Mai 2007
Hurra, grade haben Taro und Kenji richtig miteinander gespielt. erst nach
etwa 15 Minuten wurde es Kenji zuviel und er fing wieder an zu keifen,
woraufhin er von Taro abgeleckt wurde. Was bin ich stolz auf meinen Taro,
dass er so cool die ganzen vergangenen Zurückweisungen akzeptierte und
trotzdem nicht nachließ, den Kleinen aus der Reserve zu locken, und was
bin ich so stolz auf den kleinen Kenji, dass er es geschafft hat, über
seinen eigenen Schatten zu springen.
Übrigens habe ich die genaue Bedeutung des Namens Kenji nachgeschlagen, es
bedeutet "starker, intelligenter zweiter Sohn", ein passender Name für den
kleinen Kerl, in den er bestimmt noch hineinwachsen wird. Taro bedeutet
"erstgeborener Sohn".
Ich glaube, Nele hat den kleinen Kerl jetzt auch adoptiert und versucht
ihm Hundemanieren beizubringen. Gestern Abend hatte Taro ein Stückchen
Käse fallengelassen, dass sich Kenji vergeblich einverleiben wollte. Bei
der anschließenden Streiterei ging Nele ganz gelassen zwischen die beiden
Streithähne, Taro trollte sich und Kenji warf sich durchdringend
kreischend wie ein Babywelpe auf den Rücken.
Unsere Übungen machen wir auch einigermaßen regelmäßig, ob mit Erfolg,
weiß ich noch nicht, da ich bewusst jede Eskalation (d.h. Zuschnappen)
vermeiden will. Außerdem habe ich mir gestern bei meiner Tierärztin
DAP-Spray von Ceva besorgt, das ich jetzt einmal täglich in der Wohnung
versprühe. Es enthält Pheromone von säugenden Hündinnen und soll von daher
stress- und angstabbauend wirken. Vielleicht hilft das ja auch neben den
Notfalltropfen bei Kenjis Eingewöhnung.
Sonntag, 13. Mai 2007
Kenji räkelt sich gerade jetzt ganz gemütlich und zufrieden hinter mir auf
meinem Bett. Seit 2 Tagen traut er sich nämlich in mein Schlafzimmer und
da hält er sich dann am liebsten in meinem Bett auf oder auf Neles Decke.
Da er sich schon als Wachhund fühlt, fällt er allerdings auch immer wieder
auf Neles Trick herein, wenn sie ihn von ihrem Platz vertreiben will: Sie
bellt an der Eingangstür, Kenji flitzt kläffend hin, während sie sich in
aller Ruhe auf ihren Platz legt. Nach ein paar Minuten kommt Kenji wieder,
schaut etwas dumm aus der Wäsche und trollt sich dann wieder.
Übrigens kann man Kenjis Gemütslage an seinen jeweiligen Plätzen erkennen:
1. klein und ängstlich - er liegt auf der Hundedecke hinter dem Sofa, dort
wird auch der getrocknete stinkige Pansen verzehrt. 2. mindestens so groß
und stark wie Taro - er liegt auf dem Sofa 3. ihm kann keiner etwas - er
liegt im Bett oder auf Neles Decke daneben, wobei ich nicht weiß, welcher
dieser beiden Plätze ihm den größten Gewinn an Selbstvertrauen bringt.
Nele wird schon fast unumschränkt respektiert. Mit Taro dagegen wird immer
noch häufig gestritten. Ich glaube aber nicht, dass dies problematisch
wird, da Taro vom Wesen her sehr viel nachgiebiger und weicher ist.
Mit Nele hat Kenji einen recht starken Jagdtrieb gemein. Ganz verbissen
graben beide einträchtig nach Mäusen, wehe wenn Taro auch mal in einem der
Löcher nachschauen möchte, was die beiden anderen denn da so eifrig tun.
Vorgestern war ich schon sehr mutig, als ich eine kleinere Besorgung
machen wollte, standen alle drei wie die Äffchen an der Tür und wollten
mit. Nach einer kurzen Überlegung habe ich sie dann alle drei auf der
Rückbank des Autos angegurtet und ---- kein Problem, keine Keiferei!!!!
Allerdings als am Donnerstag meine Putzfrau kam - sie mag Hunde und meine
beiden Alteingesessenen lieben sie heiß und innig - hat sich Kenji gar
nicht gut benommen. Gott sei Dank hatte ich ihn schon vorsorglich an die
Leine genommen und nahe bei mir gehalten, wie ich das immer mache, wenn
ich Besuch bekomme, der ihn noch nicht kennt. Als er sie mit dem
Wischlappen herumwedeln sah, ist er schier ausgerastet. Da er aber nicht
an sie herankam, hat er in seiner Rage sich in dem ersten besten
festgebissen, was da war, es war mein Schuh, glücklicherweise ein recht
fester.
Aber im Großen und Ganzen kommen wir gut zurecht. Kenji sucht seinen Platz
im Rudel und er orientiert sich mehr und mehr an mir. In der Wohnung ist
er in der Regel bestrebt, Sichtkontakt mit mir zu halten - er folgt mir
bis in die Toilette. Er ist nicht futterneidisch, so dass ich sogar alle
Hunde gemeinsam füttern kann.
Dienstag, 15. Mai 2007
Gerade ist mir zum zweiten Mal aufgefallen, dass Kenji am Schwanz sehr
empfindlich reagiert. Als wir vier aus der Tür herauswollten, hat sich in
dem ganzen Hundegewusel die Leine um Kenjis Schwanz gelegt, aber wirklich
nur ganz locker. Sofort hat er angefangen erbärmlich zu kreischen. Können
Sie Ihren Mann mal fragen, ob ihm das auch schon aufgefallen war. Ich
möchte zwar nicht in unserer Honeymoonphase schon mit ihm zum Tierarzt
gehen aber ... ???? (ratlos!)
Mittwoch, 23. Mai 2007

Eeeeendlich habe ich meinen Fotoapparat hervorgekramt und hier sind die
ersten Fotos von Kenji und seinem Rudel. Leider ist das Rudel gerade nicht
sehr aktiv. Weitere Fotos - hoffentlich aktivere - folgen in den nächsten
Tagen.
Freitag, 25. Mai 2007
Gestern war ein ereignisreicher Tag mit zwei großen Aufs und einem Ab:
1. Kenji hat ein neues Geschirr an.
Um nicht dauernd Kenji zwangsweise berühren zu müssen, hat Kenji bislang
immer sein Geschirr anbehalten. Vor einigen Tagen hatte sich beim eifrigen
Mäuselöcheraufgraben sein Geschirr mit seiner Pfote etwas verhudelt. Als
ich zu hause sein Geschirr ausziehen wollte, -ich hätte eine seiner Pfoten
etwas biegen müssen -, kam es zu Blut, Tränen und Schweiß auf meiner
Seite, zu einem elendigen Gekreische auf seiner Seite. Seither habe ich
neben der Spüle als Notfallausrüstung eine Schere, Pflaster und
blutstillende Watte deponiert. Und das Geschirr blieb wie es war,
vielleicht für ihn etwas unbequemer als zuvor, aber noch einigermaßen
sicher um Gassi zu gehen. Bis gestern morgen, wir waren wieder im Feld
unterwegs auf Mäusejagd, anscheinend unsere Lieblingsbeschäftigung.
Plötzlich löste sich eine Naht des Geschirrs auf und Kenji war nur noch
symbolisch mit der Leine verbunden. Ein kleiner Ruck und er hätte die
große Freiheit gehabt. Und wir hatten noch ungefähr einen langen Kilometer
zum Auto. Mit starrem Blick auf das Stückchen Nähseide, das den Kleinen
noch mit mir verband, ließ ich Nele und Taro von der Leine und machte mich
auf den Rückweg. Und wie es der Teufel will, sonst laufen wir hier
tagelang umher, ohne einen anderen Hund zu sehen, kamen einige andere
Hunde des Wegs. Ich hockte mich zu Kenji hinunter, umarmte ihn, damit er
sich nicht von dem aufgeregten Gehüpfe der anderen anstecken ließ und
lospreschte. Oh Wunder, er ließ es zu, blieb ruhig und leckte meine Hände,
selbst als eine übergewichtige Dackeldame neugierig an seinem Hinterteil
herumschnüffelte. Und oh weiteres Wunder, nicht nur Nele, auch Taro folgte
mir ohne weiteres.
Und wir haben es bis ins Auto und nach Hause geschafft, wo sich das
Fädchen dann völlig gelöst hatte und das Geschirr abfiel. Mit wenigen
Worten "Kenji tu dein rechtes Pfötchen hier hinein" und "jetzt das andere
Pfötchen" war das neue Geschirr angezogen. Ich war vollkommen selig und
stolz auf meine Süßen. Aber Kenji wollte nicht, dass ich übermütig werde.
2. Kenji beißt Frauchen ins Bein.
Dann kam wieder einmal die Putzfrau, Jana, eine liebe Vietnamesin, die von
Taro und Nele innig geliebt wird. Da ich Kenjis Reaktion auf Jana kannte,
habe ich ihn gleich an der Leine bei mir gehalten und solange Jana sich in
den anderen Zimmern aufhielt, ließ er sich auch noch einigermaßen ruhig
halten. Sobald er sie jedoch sah, geriet er absolut in Panik und tickte
total aus. Ich wollte ihn an der Leine hinter mir halten, damit er ihr ja
nicht zu nahe kam, und da war es schon geschehen - er hatte in meine Wade
geschnappt. (Kein großes Drama - nur ein blauer Fleck) Kann es sein, dass
er eine Aversion gegen Leute hat, die asiatisch aussehen - so wie Taro
gegen junge Männer im Blaumann? Denn allein die Tatsache, dass sie einen
Wischmopp in der Hand hatte, kann es nicht sein. Ich bin zwar nicht die
eifrigste Hausfrau, doch auch ich kehre und wische regelmäßig in der
Wohnung und das macht ihm nichts aus.
3. Kenji lässt sich bürsten.
Abends kam die Hundetrainerin mit Sekt, um mit mir zu feiern, dass Kenji
und ich unser "Geschirrproblem" gelöst hatte. Als Kenji zur Begrüßung
freudig an ihr hochsprang, hatte sie Tränen in den Augen. Sie meinte, wir
hätten enorme Fortschritte gemacht. Kenji hätte schon eine sehr starke
Bindung zu mir aufgebaut, er orientiere sich immer öfter an mir; da ich
ihn dauernd um mich habe, fällt mir so was natürlich nicht so auf. Und ich
sollte einen weiteren Schritt machen und ihn bürsten. Mit der weichsten
Bürste habe ich ihn dann gebürstet. Er hat immer wieder zwischendurch die
Zähne gefletscht, aber mit einem ruhigen "lass das" und ab und zu einem
Stückchen Wurst auf der Bürste ließ er es sich dann doch gefallen.
Wenn ich es recht überlege, wir haben auch noch weitere Fortschritte
gemacht. Kenji hört mittlerweile auf seinen Namen. Wenn ich ihn bei seinem
Namen rufe, sucht er Blickkontakt. Wenn ich mit ihm alleine ohne den Rest
des Rudels spazieren gehe, das machen wir in der Regel einmal täglich,
dann zieht er nicht mehr dauernd an der Leine, als ob wir auf der Flucht
wären. Und er muss dann auch nicht mehr alles, was sich bewegt, verbellen.
Wenn ich mit allen Hunden zusammengehe, ist er allerdings noch extrem
aufgeregt und gebärdet sich noch immer wie Klein-Rambo.
Samstag, 26. Mai 2007
Kenji hat sich gerade ohne Zähnefletschen und ohne Gekreische Advantix,
des Zeckenmittel, in sein Fell geben lassen.
PS. So sieht Kenji in seinem neuen Geschirr aus.

Sonntag, 10. Juni 2007
Hier ein paar neue Fotos von Kenji - Kenji lacht endlich und Kenji kommt
schon, wenn man ihn ruft.

Freitag, 29. Juni 2007
Natürlich dürfen Sie, dass was ich Ihnen schreibe und an Fotos schicke,
gerne verwenden. Und ich schreibe auch regelmäßig Kenjis Tagebuch - man
vergisst ja sonst so viel so schnell.
Es ist halt so, dass wenn mein!!! Kenji mal wieder mich so supertoll mit
seinen Fortschritten und seinen Bemühungen, seinen Anstrengungen
überrascht hat, dass ich es dann am liebsten der ganzen Welt mitteile -
zumindest allen, die eine e-mail Adresse habe-. Da geht es mir nicht
anders als meinem Nachbarn, der seit einem halben Jahr eine kleine scheue
Streunerin bei sich und seinem Rüden beherbergt, und vor ein paar Tagen
ganz stolz dem ganzen Dorf erzählte, dass die Kleine bei dem Sturm zum
ersten Mal im Haus übernachtet hat.
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