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ER hatte keine Chance, aber diese nutzte er
Obelix
Dies ist keine Geschichte im eigentlichen Sinne, sondern
die Aneinanderreihung der updates fürs Internet während der 21 Monate, die
Siberian Husky Rüde Obelix über den Verein Nothilfe für Polarhunde e.V.
zur Vermittlung stand.
Vorab stellen wir einige Erklärungen, da sich sonst
diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Husky-Welpen
anzuschaffen, spätestens nach dem Lesen von „Die Ausgangssituation“ fragen
würden, was diese Fundhund-Geschichte denn mit dem Erwerb eines Welpen zu
tun haben soll.
Natürlich können wir Ihnen nicht sagen, ob Obelix geboren
wurde, weil zwei Husky-Besitzer nicht „aufgepasst“ hatten während der
Läufigkeit der Hündin oder ob er dem menschlichen Bedürfnis entsprang, von
einem hübschen, liebenswerten Rüden oder einer ebensolchen Hündin auf
jeden Fall Nachkommen zu haben und daher ein entsprechender
Geschlechtspartner gesucht wurde. Vielleicht wurde Obelix ja auch ganz
simpel bei einem Vermehrer geboren? So oder so – herausgekommen ist ein
nicht gesunder Hund, der zusätzlich noch die Hypothek mit auf seinen Weg
bekam, in Welpentagen wenig Umwelterfahrung gesammelt zu haben und viel zu
früh von seinen Wurfgeschwistern und der Mutter getrennt worden zu sein.
Möglicherweise werden Sie als potentieller Welpen-Käufer
am Ende denken „so schlimm muss es ja nicht kommen“ – da haben Sie
natürlich Recht und daher sollte Obelix Geschichte auch diejenigen, die
einen Tierschutzhund aufnehmen wollen, nicht abschrecken. Denn wenn man
die Entwicklung von Obelix Verhalten während der Monate verfolgt, ist dies
eine wirkliche Erfolgsgeschichte, nämlich die Geschichte einer
erfolgreichen Resozialisierung.
Dennoch sollten mögliche Welpenkäufer überlegen, wo Sie
Ihren zukünftigen Welpen erwerben, im Idealfall natürlich beim
verantwortungsbewussten Züchter, der auch solides Grundwissen in Genetik
hat und die Hundewelpen möglichst perfekt sozialisiert.
Denn wie werden Sie damit umgehen, wenn der von Ihnen auf Grund einer
Klein- oder Internetanzeige irgendwo, schlimmstenfalls auf einem
Parkplatz, übernommene Welpe ganz oder teilweise ein „Obelix“ ist?
Unser Obelix verursachte ohne Vorstellung zur Beratung
wegen einer Lefzenkorrektur, ohne Entwurmungen und ohne Parasitenschutz
Tierarztkosten in Höhe von rund 2.550,-- Euro – in 21 Monaten! Hätte ihn
die Hundeschule nicht im Rahmen ihres Tierschutz-Engagements kostenfrei
trainiert, wären hierfür noch einmal mehr als 500,-- Euro angefallen –
wären Sie bereit dies und möglicherweise noch mehr für den von Ihnen
günstig erworbenen „Obelix“ aufzubringen?
Die Ausgangssituation (20.02.2006)
Anfang Dezember 2005 wurde Obelix gefunden, linksseitig
fehlte ihm bereits die Lefze zu einem großen Teil – was auch immer
geschehen sein mag (vermutlich eine Beisserei), es muss lange zurück
liegen. Zudem wurden bei ihm Zirkumanaldrüsen-Tumore festgestellt, die
Anfang Februar 2006 noch im Tierheim operiert wurden, zeitgleich wurde er
kastriert, da diese Art Tumoren hormonabhängig sind. Schon vorher in
schlechter Verfassung, setzte dieser Eingriff Obelix sehr zu und so
wandten sich die das Tierheim betreuenden Tierschützer an die Nothilfe für
Polarhunde e.V. Noch geklammert und mit zwei zwischenzeitlich entstandenen
Analfisteln kam der vollkommen ausgezehrte Obelix im Februar 2006 auf eine
Pflegestelle des Vereins.
Update 22.Februar 2006
Der erste Eindruck von Obelix war erschreckend und so
wurde er schleunigst dem Tierarzt vorgestellt. Mit 16 kg ist der Rüde
absolut untergewichtig, er verfügt über keinerlei Muskeln, was in
Anbetracht der relativen Kürze des Tierheimaufenthalts natürlich Fragen
zur früheren Haltung und dem dortigen Auslauf aufwirft.
Mit Hilfe einer Kurz-Narkose wurden die rund zwanzig
OP-Klammern entfernt, dabei wurde festgestellt, dass sich zwei Analfisteln
gebildet haben, die nun bis zur Abheilung täglich behandelt werden müssen.
Das war zeitlich leider so umfangreich, dass die geplante Röntgenaufnahme
der rechten Hüfte und des rechten Hinterbeines nicht mehr gemacht werden
konnte, der Patient war bereits zu wach.
Obelix dreht das rechte Hinterbein beim Laufen insgesamt
nach außen, besonders jedoch unterhalb des Kniegelenkes, welches instabil
erscheint. Durch die fehlende Bemuskelung belastet Obelix derzeit
ausschließlich Bänder und Sehnen bei Bewegung.
Klären müssen wir auch noch, ob sein häufiges Niesen von
dem durch das Narbengewebe etwas verschobenen, aber an sich intakten
Nasenspiegel herrührt oder ob er an irgendeiner Infektion der Atemwege
oder einer Allergie leidet. Das Blutbild gab dazu keinen Aufschluss,
deutet jedoch auf Parasiten- bzw. Wurmbefall hin, was behandelt wird.
Obelix ist ein sehr freundlicher, menschenbezogener Rüde,
sehr verschmust und etwas albern, erste vorsichtige Altersschätzungen
gehen von etwa 3 – 6 Jahren aus. Die fehlende Lefze ist ein Handicap, aber
kein Problem, bei der Nahrungsaufnahme oder beim Trinken behindert ihn das
nicht.
Update 15.März 2006
Obelix ist mittlerweile gründlich tierärztlich untersucht und wir haben
sowohl günstige wie auch ungünstige Ergebnisse erhalten.
Sehr gefreut haben wir uns für ihn, dass die röntgenologische Untersuchung
weit besser ausfiel als erwartet, Wirbelsäule und Hüfte sind in Ordnung.
Ein Wirbelkörper ist zwar verändert, wird Obelix so jedoch keine
Schwierigkeiten bereiten. Im Bereich des Fußwurzelgelenks des rechten
Hinterbeins fanden sich Hinweise auf einen früheren Bruch, um das Gelenk
herum ist eine Gewebeverdichtung auf dem Röntgen darstellbar, bisher keine
Arthrose. Da das Gelenk deutlich Spiel hat, gleicht Obelix dies vermutlich
durch das Drehen des gesamten Beines aus, wir hoffen, mit zunehmender
Bemuskelung hier etwas Stabilität zu erreichen.

Die Rhinoskopie (Spiegelung) der Nase zeigte, dass die oberen Atemwege
intakt sind, die Schleimhäute sind (wie an Lefze und After auch) zu
trocken. Es gibt keine Verbindung (Fistel oder ähnliches) von den
Atemwegen zur Mundhöhle. Seine freiliegenden und daher ungeschützten Zähne
bedürfen erhöhter Aufmerksamkeit, ein 1er im Oberkiefer fehlt, 2er und 3er
sind verdreht und das Zahnfleisch ist zurückgegangen, der Zahnhals des
3ers liegt bereits teilweise frei. Das gereizte Zahnfleisch wird sich, da
vorhandene Beläge entfernt wurden und nun regelmäßiges Zähneputzen Pflicht
ist, hoffentlich bald beruhigen. Die Ränder der fehlenden Lefze und der
Nasenspiegel müssen täglich gecremt werden, um den durch die Trockenheit
vorhandenen Reiz auszugleichen.
Eine der beiden Analfisteln ist abgeheilt, an der anderen arbeiten wir
noch.
Obelix hat dank Vitaminpräparaten einen überaus gesunden Appetit
entwickelt und da er trotz aller Fresserei nicht wirklich zunimmt, haben
wir eine Kotuntersuchung durchführen lassen. Das Ergebnis zeigte, dass die
Bauchspeicheldrüse nicht einwandfrei arbeitet, Obelix kann das Futter
derzeit nicht so verwerten, wie er sollte. Abklären müssen wir nun, ob es
sich um ein akutes oder chronisches Bauchspeicheldrüsen-Problem handelt.

Sicher ist mittlerweile, dass Obelix ein recht junger Hund ist, eher drei
bis vier Jahre, denn älter. Er ist ein sehr gutmütiger Hund, der eine enge
Bindung zu den Menschen eingeht – zumindest im Haus. Draußen ist Obelix
dann ganz Husky – viel zu beschäftigt mit all den vielen tollen Gerüchen,
Geräuschen und Eindrücken, um auch noch auf den Menschen am Ende der Leine
zu achten, bestechlich ist er draußen kaum. Schwierig sind Begegnungen mit
Artgenossen, er ist nicht rüdenverträglich.
Update
30.April 2006
Weitere zwei Wochen später, Obelix ist nun seit mehr als vier Wochen in
unserer Obhut, wissen wir wieder ein wenig mehr.
Nach dem Ergebnis der Kotuntersuchung haben wir es einige Tage mit
Diätfutter probiert, dabei nahm Obelix aber eher ab denn zu, obwohl er
nicht unerhebliche Mengen verdrückte. So haben wir uns denn in Absprache
mit dem Tierarzt entschlossen, ihm einmal versuchsweise Enzyme über den
Zeitraum einer Woche zu zufüttern. Obwohl Obelix mengenmäßig etwas weniger
verputzte, hat er uns nun endlich mal sichtbar zugenommen und knapp, ganz
knapp die 18 Kilogramm-Grenze erreicht. Das ist natürlich noch einiges von
seinem Endgewicht entfernt, aber den Bereich des massiven und bedrohlichen
Untergewichts hat er damit verlassen. Mit Hilfe der Enzyme verbleibt die
Nahrung länger im Verdauungstrakt und wird auch ausgenutzt, man merkt es
deutlich an den verringerten Mengen der Endprodukte. Nun versuchen wir die
für ihn richtige Dosierung zu finden, bei der die Bauchspeicheldrüse
optimal unterstützt wird ohne über- oder unterfordert zu sein. Ob die
Medikation ihn sein Leben lang begleiten wird, darüber können derzeit
keine Aussagen getroffen werden.
Sein Fell hat, zumindest wenn es frisch gebürstet ist, wieder Glanz
bekommen, sein Sommerfell ist eher wolfsfarben unscheinbar. Derzeit sieht
er durch den Fellwechsel meist recht zerzaust aus, es ist eigentlich kaum
fassbar, was so ein vergleichsweise kleiner Kerl an Unterfell von sich
schmeißen kann.
Sein sonniges, freundliches Gemüt und seine Lebensfreude machen ihn, trotz
des Unfugs, der ihn immer wieder einmal umtreibt, zu einem angenehmen
Hausgenossen. Für einen Husky ist er recht laut und geschwätzig, hat zu
vielem eine Meinung und gibt diese auch sehr redegewandt zum Besten. Sein
Repertoire an Tönen ist sehr groß und zumindest die Tonfolge „spiel mit
mir“ kann ein Mensch rasch wieder erkennen. Jederzeit ist er zu einem
Spielchen mit seinen Menschen bereit, wobei er Männer bevorzugt. Aufhören
würde er mit Spielen am liebsten gar nie nicht, auch einer der Gründe,
warum es so schwierig ist, Gewicht an ihn hinzubringen. Das Ende einer
Spielzeit muss Obelix mehrfach angesagt werden, so hartnäckig, wie er am
Tisch bettelt zeigt er sich auch hier. Dabei ist er keineswegs eine
„geborene“ Nervensäge, sondern eher ein wenig schwer von Begriff,
möglicherweise weil er früher seinen Willen öfter doch noch durchsetzen
konnte.
Ein Obelix, der begriffen hat, dass Mensch gerade keine Zeit zur
Hunde-Unterhaltung hat, kann sehr ruhig und zufrieden auf seinem Platz
liegen, so könnte er auch einen Job als „Bürohund“ annehmen.

Update 15.April 2006
Am
18. Februar 2006 wurde Obelix in einer Pflegestelle untergebracht, er
ist nun also acht Wochen beim Verein Nothilfe für Polarhunde e.V.
In
den letzten beiden Wochen hat unser „Gispel“ ein weiteres Kilogramm
zugenommen und bringt nun stolze 19 auf die Waage. Er ist immer noch
äußerst schlank, um nicht zu sagen, ein wenig zu dünn, aber er ist
dank der Bauchspeicheldrüsen-Enzyme auf einem guten Weg.
Sein Gangbild hat sich deutlich verbessert, da Obelix noch sehr jung
ist, haben wir auch eine Hunde-Physiotherapeutin zu Rate gezogen.
Diese ist zufrieden mit dem bislang erreichten, die Bemuskelung ist
auf beiden Seiten bisher schön gleichmäßig erfolgt und uns wurde
einiges an „Hausaufgaben“ mitgegeben. Denn unser Obelix könnte noch
besser laufen, dazu müssten wir ihn aber überzeugen, die Reste seiner
Schonhaltung auch noch aufzugeben. Übungen macht der Obelix gerne für
Leckerchen, aber leichte Massagen findet er nur doof, viel zu wenig
„Action“. Wir hoffen, dass er sich daran so gewöhnt wie ans abendliche
Zähneputzen, da sitzt er mittlerweile freiwillig auf seinen Popo und
wartet begeistert auf seine Zahnbürste mit der leckeren
Hähnchen-Zahnpasta.
Schwierig ist nach wie vor sein Umgang
mit Artgenossen, er ist mit Hündinnen nicht eigentlich unverträglich,
aber hat sich so eine „Angriff ist die beste Verteidigung“-Strategie
zu Recht gelegt. Insgesamt ist er sehr unsicher bei Begegnungen mit
fremden Hündinnen, selbst die best sozialisierten sind irritiert ab
seiner Optik und die weniger gut sozialisierten mit niedriger
Reizschwelle attackieren ihn auch schon mal unvermittelt. Obelix
reagiert daher seinerseits auf jedes auch nur im Ansatz vielleicht für
ihn bedenkliche Verhalten einer Hündin, deutet vieles in seiner
Aufregung falsch. So attackierte er auch völlig grundlos die sich auf
der Durchreise befindliche alte Malamute-Hündin Julie. Bis deren
Fahrkette fortgesetzt werden konnte, musste er streng getrennt
untergebracht werden.
Mit der Hündin in der Pflegestelle ist er zwischenzeitlich fast ein
Team, er tut sich sehr schwer, von ihr gesetzte Grenzen zu
akzeptieren, seit einem letzten ernsthaften Zusammenstoss vor zwei
Wochen ist aber Besserung zu erkennen.
Das Betteln am Tisch hat er nun endlich
eingestellt, Sie erinnern sich vielleicht, er erwies sich auch hier
als sehr hartnäckig.
Update
23.April 2006
Am Freitag, den 21. 04. 2006
wurde Obelix in einer renommierten Tierklinik vorgestellt, da sich in den
letzten Wochen zeigte, dass manche Artgenossen von seiner Erscheinung
irritiert sind, wirkt er doch von seiner Nicht-Schokoladen-Seite, als
würde er die Zähne zeigen, manche Hunde reagieren darauf spontan
aggressiv.
Der Klinik-Chef selbst hat sich den Lefzen-Defekt angesehen. Die
Möglichkeit einer begrenzten Wiederherstellung sieht er als gegeben,
hierfür sind jedoch mehre Operationen, die aufeinander aufbauen notwendig,
ob es zwei, drei oder mehr würden, hängt natürlich vom individuellen
Heilungsprozess ab. Den Nasenspiegel würde es noch weiter nach links
verziehen bei einer solchen Korrektur, der Nahtverlauf entlang der
Zahnreihe ist als nicht ganz unproblematisch zu sehen, da dieser durch die
begrenzt zur Verfügung stehenden körpereigenen Gewebe- und Hautflächen
unter Spannung stünde, was der Heilung nicht unbedingt förderlich ist.
Einer der Gründe, diese OP’s vorerst nicht durchzuführen, ist, dass Obelix
für längere Zeit einen Trichter tragen müsste, dies ist auf der
Pflegestelle mit den dortigen örtlichen Gegebenheiten nicht handelbar.
Wirklich entscheidend ist jedoch für uns als Tierschutzverein die Frage,
welche Vor- und Nachteile diese rein ästhetischen Korrekturen für den Hund
Obelix hätten.
Obelix ist in seinem alltäglichen Leben in keinster Weise durch den
Lefzen-Defekt eingeschränkt, er kann ganz normal Fressen, Saufen, Löcher
graben, Schlafen, Hecheln, also das tun, womit sich ein Hund den Tag über
beschäftigt. Optisch abstoßend wirkt er auf die meisten Menschen nicht,
gerade hechelnd draußen fällt es weniger auf und im Alltag ist der Anblick
des schlafenden Obelix rasch Normalität.
Von seiner Persönlichkeit her ist er ein recht typischer junger Husky,
ungeduldig, etwas hippelig, ziemlich temperamentvoll und hitzig. Aber er
ist auch starrköpfig, tut sich unheimlich schwer damit, ein „Nein“ als
solches anzunehmen, setzt häufig ein ums andere Mal nach – auch bei
Artgenossen. Hündinnen, die ihm souverän und gelassen entgegentreten,
schießt er meist stürmisch entgegen, schafft es häufig gleich mit der
Begrüßung, der Hündin versehentlich weh zu tun und zwackt auch so mal
gerne spielerisch hinterrücks und unvermutet - ein rechter Trampel eben.
Vergleichbar vielleicht mit jenen Menschen, die es nicht böse meinen, aber
einem schon zur Begrüßung freundschaftlich so heftig auf den Rücken
klopfen, dass man Mühe hat, sich auf den Füßen zu halten und bei denen
jeder nette und lieb gemeinte freundschaftliche Griff nach dem Arm mit
blauen Flecken für einen selbst endet.
Und so fragen wir uns, was es unserem bei Artgenossen so groben und
ungestümen Obelix momentan bringt, wenn wir ihm dem Risiko ästhetischer
OP’s aussetzen (denn jeder chirurgische Eingriff beinhaltet Narkose- und
Infektionsrisiken etc.)? Sind ihm diese OP’s derzeit wirklich eine Hilfe
oder eher unnötige Schmerzzufügung und eine Belastung, da er während des
Heilungsprozesses geschont werden muss?
Großen Nutzen zieht Obelix aus dem tagtäglichen Umgang mit der sehr
sozialen und verspielten älteren Hündin Laska, die ihm mit viel Geduld
„Unterricht“ in hündischem Sozialverhalten gibt, etwas, dass wir als
Menschen ihm nicht wirklich nahe bringen können. In den ersten Wochen
waren Spielversuche von Obelix Seite geprägt von sehr viel Grobheit, die
Hündin war mehr Sparring- denn Spielpartner und hatte häufig Grund, Obelix
mindestens verbal in seine Schranken zu weisen. Mehr und mehr gelingt es
der Hündin, Obelix in richtiges Spielen einzubinden, in dem er sich nicht
zu Grobheiten oder kleinen Hinterhältigkeiten hinreißen lässt und ihm Tag
für Tag ein wenig näher zu bringen, dass auch Artgenossen Bedürfnisse (und
sei es nur das nach Ruhe) haben, die es zu erkennen und zu respektieren
gilt.
Wir für uns lassen das Thema „ästhetische Chirurgie“ bei Obelix jetzigem
Entwicklungsstand erst einmal offen und werden versuchen, einen Platz für
ihn zu finden, an dem er so willkommen ist, wie er ist, mit seinen vielen
Stärken, aber auch seinen Schwächen. Denn dass er nun langsam der
Vermittlung zugeführt werden kann, zeigt er uns mit jedem Tag aufs Neue:
sehr viel Zutrauen hat er zu sich und seinem Körper wieder bekommen,
springt wie jeder andere Hund über Bäche und Baumstämme, all das, was er
vor Wochen noch fiepend total verweigerte. Seine Analfisteln sind
abgeheilt und ob die Zirkumanaldrüsentumoren noch einmal wieder kehren,
wird die Zukunft zeigen, bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür. Die
eingeschränkte Arbeit seiner Bauchspeicheldrüse haben wir soweit in den
Griff bekommen, er hat gut zugenommen und wird auch noch weiter zulegen,
vor allem an Muskelmasse fehlt doch noch einiges. Aber das wird die Zeit
und die regelmäßige Bewegung mit sich bringen.
Update
22. Mai 2006
In den letzten Wochen hat unser Obelix nochmals eine bedeutende
Veränderung durchgemacht.
Rein von der Erscheinung her hat er sehr gewonnen, die 20 Kilogramm-Grenze
hat er nun überschritten. Das regelmäßige Fetten des Nasenspiegels und des
Randes der verstümmelten Lefze scheint sich, warum auch immer, sehr
positiv auf seinen Niesreiz auszuwirken. Da er trotz des nunmehr deutlich
erhöhten Pollenfluges viel viel weniger niest, schließen wir die als
Eventualität ins Auge gefasste Möglichkeit einer Allergie nunmehr aus.
Seinen Schwanz trägt er auf Spaziergängen jetzt hoch erhoben, wie es sich
für einen Husky gehört, sein Körper hat an Spannung gewonnen, oft tänzelt
er wie ein Pferd im Turniersport. Ein wenig ruhiger ist er nun geworden,
ausgeglichener, aber noch weit entfernt vom „Gemütshund“. Mit der
zunehmenden Sonne und Wärme hat er das Sonnenbaden (oder besser
Sonnenbraten) auf dem Balkon für sich entdeckt.
Sehr positiv hat sich auch das Zusammenleben mit der Hündin weiter
entwickelt. Obelix hat endlich gelernt, die Hündin morgens vor dem ersten
Spaziergang in Ruhe zu lassen, im Gegensatz zu ihm ist die Dame nämlich
Langschläfer und Morgenmuffel. Seit Anfang Mai beginnen sich „vernünftige“
Spielsequenzen der beiden Hunde zu häufen. Obelix hat sein Repertoire an
Spielmöglichkeiten erweitert, er kennt nun noch etwas anderes als das auf
Dauer etwas schmerzhafte „zeig mir wie lang dein Nackenfell ist“. Die
Zurechtweisungen während des Spiels oder der Spielabbruch durch die Hündin
haben sehr abgenommen. Auf ihr Ruhebedürfnis nimmt Obelix nun mehr
Rücksicht, meist fügt er sich nach einer Abfuhr in sein Schicksal und
trollt sich.

Da sich sein Verhalten gegenüber Artgenossen auf Spaziergängen bisher
nicht verbessert hat, haben wir nun einen Hundetrainer zu Rate gezogen.
Dieser hat sich Obelix (ohne die Hündin als Stütze an seiner Seite) in
einer ausgedehnten Einzelstunde angesehen und ihn nach und nach mit vieren
seiner tierischen Co-Trainer bekannt gemacht. Überrascht und sehr erfreut
haben wir gesehen, dass unser Obelix (an der Schleppleine ohne Rückhalt
durch die Bestärkung der Leine mit dranhängendem menschlichem Personal)
deutlich besser mit Artgenossen zu Recht kommt, sogar so gut, dass er
unter den wachsamen Augen des Hundetrainers an einer Gruppenstunde
teilnehmen durfte. Auch hier kam er an der Schleppleine während des
spielerischen, das Sozialverhalten übenden Unterrichtsteils gut mit den
meisten anderen Hunden klar. Die Ablehnung durch einen der Hunde zu
akzeptieren, bereitete ihm etwas Schwierigkeiten, hier musste er
„eingesammelt“ werden. Vor lauter Aufregung konnte er im ernsthaften
Erziehungsteil der Stunde nicht einmal mehr „sitz“, selbst seinen Namen
schien er vergessen zu haben, zumindest zuckte er auf Zuruf nicht einmal
mit einem Öhrchen, von Kommen schon gleich gar nicht zu reden. Am Ende
traf ein todmüder Obelix zu Hause ein, so komplett kaputt, dass er selbst
am Tag darauf zu Spaziergängen geweckt werden musste, denn er wollte nur
eins: schlafen, schlafen und nochmals schlafen.
Auf diesem Weg sehen wir nun eine Möglichkeit, für den jungen Rüden
deutliche Verbesserungen zu erreichen, zum einen hinsichtlich eines
artgerechten Lebens mit Sozialkontakten und natürlich auch mit Blick auf
eine Verbesserung seiner Vermittlungsmöglichkeiten trotz der (zugegeben
kostenintensiven) Bauchspeicheldrüsen-Geschichte plus Lefzendefekt und der
noch immer herrschenden Unsicherheit bezüglich der Gut- oder Bösartigkeit
der Zirkumanaldrüsentumore. Und so haben wir unseren Obelix „eingeschult“,
einen mehrwöchigen Gruppenkurs soll er absolvieren und wir hoffen, dass
sich seine Aufregung soweit legt, dass er neben dem Sozialverhalten auch
seine Grunderziehung ausbauen kann. Dies wäre zugleich der erste Schritt
auf der Suche nach einem „Job“ für Obelix, der aufgrund seines
Sprunggelenkes nicht Schlittenhund werden kann und wegen der
eingeschränkten Nasenfunktion (kann Gerüche wahrnehmen, aber hat
Schwierigkeiten, deren Ursprung exakt zu lokalisieren) mit „Sucharbeiten“
nicht beschäftigt werden kann.
Update 19. Juni 2006
Obelix besucht nun seit einigen Wochen die Hundeschule und hat dadurch
sehr gewonnnen. Er ist ruhiger und ausgeglichener geworden, nicht nur bei
Begegnungen mit Artgenossen, sondern in seinem Gesamtverhalten,
beispielsweise beim Autofahren oder im Wartezimmer des Tierarztes.
Natürlich ist er noch immer nicht der „perfekte“ Mitfahrer im Auto, aber
das Dauer-Quietschen ist Vergangenheit, Obelix macht nun auch mal Pausen,
die sich wohltuend auf die Nerven der übrigen Mitfahrer auswirken.
Verschiedentlich wurde er auch dabei gesehen, dass er sich im Auto sogar
setzte, zwar nur kurzfristig, aber es ist ein erster Schritt. Ebenso
deutlich ist seine Veränderung im Wartezimmer des Tierarztes, wo er den
Mitarbeitern bisher das Telefonieren durch seine Fieperei und Quietscherei
erschwerte, teilweise sogar fast unmöglich machte. Hier kann er sich nun
sogar hinlegen und nur ab und an ein leises Tönchen von sich geben, wenn
eine geringere Anzahl weiterer Tiere vorhanden ist, seine Toleranzschwelle
liegt derzeit bei einem weiteren Hund, einer Katze und einem
Meerschweinchen. Eine hinzukommende weitere Katze führt dann dazu, dass
Obelix in sein bisheriges Verhalten zurückfällt und sich auch nicht mehr
beruhigen lässt.
Auf Spaziergängen sind die Situationen, in denen an einer Koppel oder
ähnlichem vorbeigegangen werden muss, mit Obelix besser handelbar, am
einfachsten ist es, wenn er an der kurzen Leine zügig vorbeilaufen kann.
Muss allerdings wegen eines entgegenkommenden Hindernisses (Traktor oder
ähnliches) an der Seite gehalten werden, hält Obelix der Situation mit den
Tieren auf der Koppel nicht mehr stand und verwandelt sich in das laut
tösende, auf den Hinterbeinen stehende Durchdreh-Obelix.
Teilweise kann Obelix nun mit allen vier Beinen auf dem Boden und ohne
Lärm zu machen an Artgenossen vorbeigehen, besonders einfach fällt ihm das
bei kleineren Hunden. Größere Artgenossen verunsichern ihn stärker und
hier muss noch einiges erarbeitet werden. Außerhalb der Hundeschule und
deren „sicheren“ Rahmen hat Obelix momentan nur Kontakt zu wirklich
souveränen und sicheren Hündinnen, um die bisher gemachten Fortschritte
nicht zu gefährden. Seine Erstkontaktaufnahme ist noch etwas linkisch,
aber zurückhaltender als bisher, was von den Hündinnen durchweg positiv
aufgenommen wird. Grenzen, die ihm eine der Hündinnen setzt, akzeptiert er
bereits deutlich schneller.
Wer die updates aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass Obelix ein recht
hartnäckiger Bursche sein kann und so sind seine Erziehungsfortschritte,
was den Gehorsam, das „Hören“ anbetrifft, eher kleinerer Art, aber
durchaus vorhanden. In den meisten Situationen beherrscht er nun das
Laufen an der kurzen Leine, abhängig von den vorhandenen Umweltreizen muss
er weniger oder öfter korrigiert werden. Das seit Monaten bereits geübte
„Sitz“ flutscht immer noch nicht so, wie es eigentlich sein sollte, aber
endgültig der Vergangenheit gehören sich manchmal über Minuten ausdehnende
Aufenthalte beim Überqueren der Straße an, weil ein Obelix sich partout
nicht setzen will und gründlichst prüft, wer denn nun den „längeren Atem“
hat: Hund oder Halter? Dennoch ist in vielen Situationen noch das ein-
oder sogar zweimalige Tippen auf sein Hinterteil erforderlich, damit
Obelix der Ernst der Aufforderung „Sitz“ bewusst wird. Ein ganz klein
wenig von dem Kommando „Bleib“ hat er auch erlernt, für ihn wohl eine der
schwersten Übungen überhaupt, da Geduld so ganz und gar nicht zu seinen
Charaktereigenschaften gehört.
Da auch zwischen den Gruppenstunden in der Hundeschule geübt werden muss,
ist Obelix nun auch hinreichend beschäftigt und ausgelastet, er ist abends
im wahrsten Sinne des Wortes „hundemüde“. Diese geistige Forderung scheint
für ihn völlig neu zu sein, denn er ist erschöpfter als die deutlich
ältere, zwangsweise mitübende Hündin. Das Zusammenleben mit der Hündin hat
sich weiter verbessert, er hat neue Spielmöglichkeiten erlernt und kann
auch seine Motorik besser kontrollieren. So ist es mittlerweile nicht mehr
er, der meist die Spielaufforderungen startet, sondern sie. Ganz besonders
interessant wird er übrigens für sie, wenn er an der Schleppleine laufen
darf, da sie eine ausgesprochene Schwäche für Rennspiele hat – wobei er
trotz aller Motivation und Jugend gegen diese kleine Sausemaus keinerlei
Chance hat.
Dass die Hundeschule für Obelix etwas bringen würde, haben wir erwartet,
dass er jedoch auf so vielen anderen Gebieten dadurch ebenfalls
Fortschritte macht, die teilweise wirklich beeindruckend sind, hätten wir
nicht erwartet und freuen uns für ihn riesig. Wenn er sich so
weiterentwickelt, dann wird er irgendwann - Lefze hin oder her – einen
ganz „normalen“ Umgang mit seinen Artgenossen pflegen und nur noch ein
wenig anders aussehen, aber nicht mehr anders sein.
Update 22. Juli
2006
Neun Wochen Hundeschule haben Obelix in
einem Ausmaß verändert, das wir immer noch staunend wahrnehmen.
Ganz besonders stolz sind wir, dass
Obelix sehr unauffällig und somit also äußerst erfolgreich an einem
Erste Hilfe Kurs für Hundebesitzer teilgenommen hat. Tapfer und
teilweise sogar recht entspannt in liegender Position hat er die fast
dreistündige Veranstaltung trotz großer Wärme und der Anwesenheit
vieler anderer Hunde auf engem Raum gemeistert. Fast vollkommen
widerstandslos hat er auch beim Thema Pfotenverband als Übungsobjekt
mitgewirkt und sich dafür sogar „kunstgerecht“ in Seitenlage bringen
lassen.
Mittlerweile läuft er regelmäßig in den
Morgenstunden an der Schleppleine an einem kleinen Flüsschen, das von
vielen Hundebesitzern gerne aufgesucht wird. Begegnungen mit
Artgenossen sind für ihn hier kein Problem mehr, manchmal, wenn er
beim Schnüffeln regelrecht von einem Vierbeiner überrascht wird, zeigt
er zwar noch kurze Unsicherheiten, die sich aber nach wenigen Sekunden
legen. Bisher hat er sich noch keinem Vierbeiner, von dem er
gemaßregelt wurde, gegenüber in irgendeiner Weise aggressiv gezeigt.
Situationen, in denen es zu Mecker von Seiten eines Artgenossen kommt,
sind eben jene Überraschungsmomente, wo er gerne in sein hektisches,
zu forsches Verhalten zurück fällt oder Situationen, in denen
Spielzeug im Umlauf ist. Passend zu der
Vermutung, er habe wohl früher
recht isoliert als Einzelhund gelebt, ist Obelix nämlich der Meinung,
alles Spielzeug dieser Welt sei seines – wen wundert’s, dass einige
andere Hunde diese Auffassung so gar nicht teilen wollen? Hier zeigt
er sich hartnäckig wie immer und kassiert so Mecker gleich mehrfach in
Folge – manchmal ist dann ein Eingreifen des anderen Hundebesitzers
erforderlich (Spielzeug an sich nehmen).
Seine Abrufbarkeit an der Schleppleine ist nach diesen paar Wochen
durchaus zufrieden stellend für einen Husky in seinem Alter, wirklich
verlässlich ist er natürlich nicht und man muss ihn auch ohne
Ablenkung sorgsam im Auge behalten. Aus Hundebegegnungen lässt er sich
(noch) nicht abrufen und schließt sich auch gerne mal einem anderen
Hundebesitzer für den weiteren Spaziergang an, wenn dieser bessere
Lecker oder schöneres Spielzeug zu haben scheint. Auch in der
Hundeschule zeigt er sich ähnlich, wird er heran gerufen, so gesellt
er sich meist zum erst besten Menschen der Gruppe - vielleicht meint
er, das alles sei ein riesengroßes Rudel, in dem jeder auf jeden
achte?
Schwierigkeiten bereiten ihm weiterhin Rüdenbegegnungen an der kurzen
Leine bei annähernd gleich großen oder größeren Rüden – offensichtlich
fehlt ihm mit der Bewegungsfreiheit der Schleppleine dann auch die
Sicherheit bzw. die Möglichkeit der Flucht.
Obelix und die mit ihm lebende Hündin sind mittlerweile ein im
wahrsten Sinne des Wortes „eingespieltes“ Spielteam, das sich auch bei
Anwesenheit anderer Hunde gerne miteinander beschäftigt. Mittlerweile
beherrscht der junge Rüde alle hündlichen Spielformen, Rennspiele,
Raufspiele und auch hitzetaugliche kleine Beißspielchen in liegender
Position auf dem Boden. Nicht besonders schätzt er es, wenn die Hündin
die Oberhand zu gewinnen droht, er möchte auf jeden Fall
gleichberechtigter Spielpartner sein. Regelrecht „rot gesehen“ hat,
als er vor einigen Tagen von der Hündin im Spiel komplett über den
Haufen gerempelt wurde und sich dabei wohl seinem Schmerzenslaut nach
zu schließen beim Aufprall auf den Boden auch weh getan hat. Hier war
es nötig, ihn erstmal aus dem Spiel zu nehmen, bis er sich wieder
beruhigt hatte.
Die seit Wochen anhaltenden hohen
Temperaturen setzen Obelix ziemlich zu, nach neun Uhr morgens sinkt
sein Bewegungsbedürfnis rapide gegen Null und er fühlt sich, seinem
Gesicht nach zu schließen, regelrecht belästigt, wenn man ihn zwecks
Erleichterung vor die Türe bittet. Seine derzeitige
Lieblingsbeschäftigung ist somit derzeit Schlafen, gerne auf den
kühlen Fliesen, seufzend dreht er sich ab und an von einer Seite zur
anderen, wenn die Fliesen unter ihm warm geworden sind.
Update 21.
August 2006
Vor drei Tagen war Obelix genau ein halbes Jahr in der Obhut der Nothilfe
für Polarhunde e.V., Anlass, wieder einmal Bilanz zu ziehen.
Sein körperlicher Zustand ist absolut gut, sein Endgewicht hat sich bei
etwa 21, 5 Kilogramm eingependelt. Seine Pfoten und sein Kopf wirken nun
nicht mehr unproportioniert und viel zu ausgeprägt, sondern passen gut zu
seinem etwas stämmigen Erscheinungsbild, das eher dem kompakten Typ Husky
früherer Jahre entspricht. Schön gleichmäßig hat er Muskeln aufgebaut und
sein Gangbild ist gut, wenn er das Toben nicht zufällig mal wieder
übertrieben hat.
Obwohl jung und für jeden Blödsinn zu haben, manchmal sogar frech und
nicht zu vergessen ausgesprochen stur, ist er ein sehr sensibler Hund, den
laute Stimmen und drohend in Stimmen mitschwingende Untertöne
verunsichern, auch wen die Ansprache nicht ihm sondern dem pubertierenden
menschlichen Nachwuchs gilt. Draußen reagiert er mitunter auf spontane
Geräusche ängstlich und zeigt auch Fluchtverhalten, sprintet also kopflos
ans Ende der Leine. In ihm neuen Situationen zeigt er Anspannung und
Unruhe, kann sich jedoch immer öfter einfinden und beruhigen.
Durch das Fehlverhalten eines anderen Hundehalters, der seinen
freilaufenden Rüden aus der Entfernung ins Sitz befahl, just als Obelix
sich bereits auf wenige Schritte genähert hatte, und somit seinen Hund in
eine „ungünstige Ausgangslage“ für die Begegnung gebracht hatte, kam es
Ende Juli zu gravierenden Rückschritten. Von dem Rüden auf der Flucht so
in die Po-Backe gebissen, dass tierärztlicherseits gleich geklammert
werden musste, reagierte Obelix mit einem vollständigen Rückfall in sein
altes Verhalten.
Im Wartezimmer des Tierarztes wurde so krakelt, dass außer ihm nichts mehr
zu hören war, im Auto sprang er quietschend und fiepend von einer Ecke zur
anderen und gab an der Leine beim Anblick von Artgenossen die gewohnten
Vorstellungen des „tösenden Leinenmonsters.“
Versuche der Pflegestelle, ihn an bereits gelerntes zu erinnern, schlugen
fehl, Obelix reagierte weder auf vertraute Worte, Handlungsabläufe noch
bekannte Situationen.
Relativ frustriert wurde der wöchentliche Kurstermin in der Hundeschule
aufgesucht, zufälligerweise an jenem Ort statt findend, an dem Obelix auch
seine erste Einzelstunde gehabt hatte. Der Trainer wurde über die
Ereignisse informiert und Obelix, unruhig und aufgeregt wie er war, auf
den Platz geführt, die Schleppleine befestigt und gewartet, bis der
Trainer das Signal zur „Spielrunde“ für die Vierbeiner gab. Obelix, der
sich bis dahin mit seinem Pflegfrauchen fast gegenüber im gebildeten Kreis
befunden hatte, stackste mit hoch aufgereckter Bürste schnurstracks zu
„seinem“ Trainer und agierte zunächst von dort aus, unsicher, schreckhaft,
aber nicht aggressiv. Ein wenig kritisch wurde es als nach einigen
Minuten, der Obelix hatte sich eigentlich schon ein wenig akklimatisiert,
doch noch verspätet ein Rüde zur bis dahin nur von Hündinnen besuchten
Gruppe stieß. Immer wieder Blickkontakt zum Trainer suchend bekam Obelix
auch dies gemeistert und erinnerte sich im „ernsthaften“ Teil der Stunde
zumindest ansatzweise an einiges des bisher Gelernten. Auf der Heimfahrt
war nur hin und wieder ein vereinzeltes Tönchen aus dem Heck des Kombis zu
hören, nach dem Fressen verfiel Obelix in einen tiefen, von intensiven
Träumen begleiteten Schlaf.
Sein Gesamtverhalten hat sich seither wieder zügig verbessert, allerdings
ist er bei fremden Hunden sehr viel vorsichtiger und zurückhaltender
geworden, zeigt deutlich Unsicherheit.
Uns haben diese Ereignisse wieder einmal ganz bewusst gemacht, wie
zerbrechlich und rasch zerstörbar erlernte neue Verhaltensmuster unserer
Vierbeiner doch sind und dass ein paar Wochen „richtiges“ Verhalten noch
nicht bedeuten, dass die Versäumnisse der vorausgegangen Jahre erfolgreich
abgearbeitet wurden. Den Obelix werden wir, die Hundeschule bietet hierfür
nach absolviertem Grundkurs viele Möglichkeiten an, auch zukünftig einmal
in der Woche zur „Weiterbildung“ schicken und weiterhin mit ihm daran
arbeiten, dass er ein souveräner, auch in Stress- oder für ihn unbekannten
Situationen gelassenen bleibender Rüde wird.
Update
14. September 2006
Noch immer wächst Obelix stetig an seinen Aufgaben oder wächst er einfach
nur in das Leben eines ganz normalen Familienhundes hinein?
Zwei längere Autofahrten ins Schwäbische und zurück überstand er
bravourös, nach ein wenig anfänglichem Gequietsche und Geschimpfe
verstummte er und legte sich bald darauf hin – doch dies sollte nicht die
einzige Premiere bleiben. Eine Raststätte an einer Autobahnabfahrt bot
Obelix Gelegenheit zu zeigen, dass er nicht nur im Schutze seiner
Hundeschulen-Gruppe „gaststätten-tauglich“ ist. Rasch gelang es ihm, sich
dort auf der Terrasse zu entspannen und schließlich sogar einzuschlafen
und das, obwohl nicht eben wenig Lastwagen ihren Weg in Richtung Autobahn
suchten. Beim zweiten Ausflug galt es dann, eine über einstündige
Wartezeit im Auto zu überstehen, auch hier zeigte er sich geduldig und
unaufgeregt. Auf den kleinen Spaziergängen in völlig fremder Umgebung war
er sehr interessiert an allem, dennoch erinnerte sich an erlernte
Kommandos und war gut führbar. Deutlich zeigt er nun, dass er sich in ihm
unbekannten Situationen an den ihm vertrauten Menschen orientiert.

Auch im „normalen Alltagsgeschehen“ sind noch immer
Fortschritte zu verzeichnen, so hat er seit mehr als zwei Monaten keine
Triangel mehr in Hundekörben oder ähnlichem hinterlassen. Ausgelastet
bleibt er nun (gemeinsam mit der Hündin) auch mal gut drei Stunden allein
zu Hause, die Wartezeit verschläft er brav. Die Hundeschule besucht er,
auch er hatte einige Wochen Sommerferien, ebenfalls wieder und muss sich
nun neuen Anforderungen stellen. Der Theorie-Unterricht bietet die
Möglichkeit, sich mit vielen Artgenossen und deren Haltern in einem Raum
aufzuhalten, vielstimmiges Lachen oder sogar Klatschen inbegriffen. Ein
wenig schwer tut er sich dort noch, zur Ruhe zu kommen und diese zu
bewahren, wirklich (negativ) fällt er aber nicht auf.
Einen
Samstagnachmittag lang hat er in einen Apportier-Workshop
hineingeschnuppert und sich durchaus begeisterungsfähig gezeigt (vor allem
für den Futterbeutel), so wie er auch bisher für alle Aktivitäten
gemeinsam mit dem Mensch großes Interesse zeigte. Die vielen Begegnungen
mit Artgenossen in der Hundeschule haben das „Leinenmonster“ weiter in den
Hintergrund gedrängt, immer besser kann er auf Spaziergängen an anderen
Hunden vorbei gehen. Im Freilauf (an der Schleppleine) ist er weiterhin
verträglich und vor allem anfangs zurückhaltend, gibt es irgendwo Gekeife,
ist er aber immer in der Nähe. Mobbing-Verhalten zeigt er dabei (noch)
nicht, eine gewisse Unschlüssigkeit ist ihm jedoch anzumerken. Eine neue
Spielkameradin hat er außerhalb der Hundeschule in einer
Husky-Schäferhündin gefunden und den Beweis angetreten, dass er wirklich
„spielen“ gelernt hat. Nicht ein einziges Mal musste die Hündin ihn
zurechtweisen oder einen Schmerzenslaut von sich geben – hier gilt das Lob
seiner unermüdlichen, vierbeinigen Lehrerin Laska.
Trotz aller Fortschritte ist Obelix noch immer leicht aus dem
Gleichgewicht zu bringen und zu verunsichern , die mehrtägige „Invasion“
von Handwerkern in der Pflegestelle und das damit verbundene Chaos
stresste ihn deutlich mehr als Hündin Laska, die dem Treiben gelassen mit
der Weisheit des Alters zusah. Ungewöhnliche, vom Alltag abweichende
Ereignisse arbeitet er weiterhin in seinen Träumen auf, die an solchen
Tagen besonders intensiv sind.
Update 15. Oktober 2006
Derzeit befindet sich Obelix im Fellwechsel, nachdem er im Frühjahr nicht
so recht auf Sommerpelz umstellen wollte, kommt nun überall das Unterfell
heraus. Trotz regelmäßigen Bürstens sieht er immer irgendwie „verrupft“
aus und hinterlässt an allen Liegeplätzen helle „Wollmäuse“. Nachdem er
Striegel nicht zu kennen schien, hat er sich nun an die „Dinger“ gewöhnt,
wirklich lieben wird er das Prozedere des Bürstens aber vermutlich nie, da
ist einfach zu wenig „action“ für ihn drin….
Action satt hatte er hingegen bei einem Spiel- und
Beschäftigungsnachmittag der Hundeschule, wo eine Gruppe von 10
erlebnishungrigen Halter-Hundeteams sich mit zwei Trainern und deren
Hunden aufmachten, was zu erleben.
Hiervon wollen wir ausführlich berichten, denn hier zeigte sich
überdeutlich, dass er bei Dingen, die gänzlich neu und somit neutral für
ihn sind, ganz anders an die Sache ran geht als bei irgendwie aus der
Vergangenheit bekannten Dingen - mit den Grundkommandos und deren
Ausführung hat der Obelix ja so seine Schwierigkeiten.
Nach einem anfänglichen Kennenlernen der Hunde bestand die erste Aufgabe
darin, dem Halter nachzugucken, wie dieser langsam einen Waldweg
hinunterging um dann irgendwo einzubiegen und einen Hochsitz zu erklimmen.
Der Hund wurde dann gerufen und los ging die Suche, denn wo bitte sind die
Leckerlies samt Mensch denn hingekommen? Unseren Obelix hat es ganz schön
verwirrt, das Rufen zwar zu hören, aber Mensch zunächst nicht entdecken zu
können – eigentlich schade, dass kein Fotoapparat zur Hand war, um seine
nachdenklichen Blicke einzufangen. Letztendlich ging auch ihm ein Licht
auf, aus welcher Richtung wohl die Stimme tönte ….
Und weiter ging’s zu ein wenig über den Baumstamm hüpfen, doch da hatten
die Trainer nicht bedacht, dass eine Woche vorher ein ordentlicher Sturm
durchs Ländle gefegt war und einigen Windbruch hinterlassen hatte. Der
Obelix war es also von seinen ganz normalen Spaziergängen schon gewohnt,
auf derartige Hindernisse zu treffen und hatte für den ausgesuchten
Baumstamm, der in nur etwa 35 - 40 cm Höhe über dem Weg lag, nur ein ganz
müdes Husky-Grinsen übrig. Aber weil Mensch das so wollte und ein
Leckerchen winkte, stakste er mehr als dass er sprang wie ein alter
Hunde-Opa mit entsprechendem Gesichtsausdruck über dieses langweilige,
dünne Stämmchen hinweg – bei so viel Motivation mussten dann doch einige
andere Teilnehmer herzhaft lachen.
Das nächste Spiel fand er weit spannender, denn immerhin winkte als
Belohnung nicht ein Leckerchen, sondern ein ganzes Wiener Würstchen. Doof
nur, dass dieses unerreichbar auf einer Astgabel lag, einzig das darum
gewickelte Seil baumelte verheißungsvoll herab. Dass er an dem Seil zu
ziehen hätte sollen, um das Würstchen auf den Boden zu befördern, auf
diese Idee kam er nicht wirklich, doch da er immerhin (außer dem
Standard-Obelix-Quietschen) ein klein wenig Aktivität zeigte und was
ausprobierte, um an das Würstchen zu gelangen, haben die Menschen dann ein
wenig nachgeholfen, um ihm seinen „Erfolg“ zu bescheren und so verschwand
das Wiener in einem sehr zufriedenen Obelix.
Weiter ging es, nach einer kurzen Badespaß-Pause in einem vorbei
fließenden Bach, auf einem Waldspielplatz. Hier konnte Obelix dann endlich
einmal zeigen, dass er wirklich langsam beginnt, von sich aus Dinge
anzubieten, auszuprobieren, sich etwas zu zutrauen. Da warf das Mensch
doch seinen mittlerweile innig geliebten Futterbeutel direkt voraus auf
einen Erdwall – dumm nur, dass der direkte Weg dorthin nicht möglich war,
da sich vor Obelix eine senkrechte, betonierte Fläche auftürmte – mit ein
wenig Zeigehilfe hat er dann rasch begriffen, dass der seitliche Aufstieg
wohl zum Beutel führt und diesen stolz heruntergeholt. Dank des besonders
leckeren Inhalts (mit etwas Schwarzwurst und Speckwürfelchen aufgepeppt)
ging es weiter zu einigen riesigen aufgestapelten Baumstämmen. Mensch
hatte durchaus seine Mühe, da ein Stück hinauf zu krebseln und den
Futterbeutel zu platzieren – Obelix, der zunächst brav sitzend gewartet
hatte, hielt es vor Ungeduld irgendwann nicht mehr auf dem Hinterteil.
Aber er wartete immerhin, bis Mensch wieder herabgeklettert war und ihn
schickte, das Beutelchen zu retten. Und hier erstaunte er das erste Mal,
denn statt denselben Weg wie Mensch zu nehmen, zog er es vor, das Problem
von der Seite anzugehen. Dieser Weg war zwar nicht unbedingt ein
einfacherer, aber ein eigener und nach ein paar Koordinationsproblemchen
der vier nicht immer ganz standsicheren Pfoten hatte Obelix den schnöde
ausgesetzten Futterbeutel gefunden und zurück gebracht.
Das Kriechen unter einem Baumstamm durch bereitete ihm keine Mühe – wenn
Mensch meint, dass ihn das erfreut, dann kann ein Obelix Mensch diese
Freude durchaus gönnen – entsprechende Leckerchen-Bezahlung inbegriffen.
Ganz positiv ist hier und auch während des gesamten Nachmittages
aufgefallen, wie sehr er sich zwischenzeitlich am Menschen orientiert und
vieles Neues ohne Zögern angeht.
Richtig was zu staunen bekamen Trainer und Mensch allerdings, als Obelix
sich am Holzhäuschen beweisen sollte. An der Stirnseite eine Türöffnung,
an den Längsseiten Fensterlaibungen, ein Wetterschutz, der auch als
Hundespielplatz dienen kann. So flog also der arme Futterbeutel durch die
Fensterlaibung und der Obelix wurde aufgefordert, diesen wieder zu
besorgen. „Ha“, dachte sich vermutlich der Obelix, „ihr glaubt wohl, ich
bin doof, oder was? Schließlich habe ich vorhin gesehen, wie die
Trainer-Hündin das mal vorgeführt hat!“ Und so trabte unser Obelix
schnurstracks ums Häuschen rum, schritt durch die Türöffnung, suchte
seinen Beutel und kam freudestrahlend wieder angeflitzt. „Einmal
Reißverschluss aufmachen, bitte!!“
Eine 8 um und zwischen Menschenbeinen hindurch zu laufen fand er ebenso
unterhaltend wie das Laufen auf zwei nebeneinander liegenden, schräg
gestellten schmalen Brettern, auch wenn diese sich bedrohlich unter seinem
Gewicht beugten, interessant auch, dass ein sitzender Mensch sich freuen
kann, wenn Hund seine Vorderfüße nach Aufforderung auf die Oberschenkel
stellt.
Ein in der Gruppe anwesender Jack Russel war der ultimative Test, ob
Obelix klein-hundetauglich ist – er ist es, allerdings gegen Ende, als der
Obelix schon müde und der Jack Russel immer noch einem Ball hinterher
jagte, da zeigte er dann doch hin und wieder leichte Ansätze, hinterher zu
setzen (vermutlich jagdlich ausgelöst).
Ganz besonders gut gefallen hat Mensch an diesem Nachmittag, dass Obelix
bis zum Schluss (immerhin mehr als vier Stunden) den Blickkontakt zum
Menschen suchte – noch im August war genau dies („er nimmt keinen Kontakt
auf, schaut nicht“) Thema einer Unterhaltung mit dem Hundetrainer.
Update 13. November 2006
Mit seinem
Fellwechsel ist Obelix nun annähernd durch, ganz schmal und schlank schaut
er jetzt aus, so ganz ohne Unterfell. Die schöne bräunliche Einfärbung,
die unter seinen hellen und dunklen Haaren je nach Lichteinfall mal mehr
oder weniger zum Tragen kam, ist einem eher faden hellgrau gewichen.
Sehr souverän hat er einige Tage krankheitsbedingten Ausfalls der
Althündin überstanden, hat sich freudig mit allem möglichen beschäftigen
lassen und kam so, trotz etwas reduzierter Spaziergänge, voll auf seine
Kosten. An den Tagen, an denen ihm das Bespaßungsangebot nicht ausreichend
erschien, kam er abends auch den Menschen abholen und motivieren, noch ein
paar einfache Übungen zu verlangen – nicht ganz uneigennützig vermutlich,
ihm stand wohl der Sinn nach ein paar zusätzlichen Leckereien.
 |
| Obelix beim novemberlichen
Sonnenbad, nun lieber drinnen wie draußen |
Zunehmend sicherer wird er im Erstkontakt mit ihm fremden Hunden im
Freilauf, offensichtlich kann er nun besser einschätzen, welcher „Art“
sein Gegenüber ist. Einige Situationen mit gleich großen Rüden hat er so
erfolgreich gemeistert und , zwar mit allen Anzeichen von Stress aber
friedlich, auch die Begegnung mit einem Rüden überstanden, der beim
Anblick der Althündin in sabberndes Entzücken verfiel und sich jedem
Einfluss seines Halters entzog. Zu seinem großen Kummer sind nach wie vor
alle Mädels, die für ihn als Spielkameraden in Frage kommen, eindeutig
schneller und wendiger als er. Im nun oft rutschigen und nassen Gras hat
er häufig das Nachsehen und muss gezwungenermaßen immer wieder seine
„Gräten“ einsammeln, speziell beim Kurven laufen gerät ihm doch da manches
Mal so einiges durcheinander.
An der Leine ist das auf den Hinterbeinen tobende „Monster“ mittlerweile
fast in Vergessenheit geraten, mit etwas Abstand, dem einen oder anderen
hasenartigen Hoppler und einigen leisen Quietschern kommt er an den
meisten Hunden vorbei. Highlight war aber, dass er auf einem Feldweg eine
ältere und ziemlich abgeklärte Schäferhündin passieren konnte, ohne ins
Feld ausweichen zu müssen.
Redselig und mitteilsam ist er nach wie vor, Mensch kann es gar nicht
überhören, wenn den Obelix etwas beschäftigt, verwirrt, unzufrieden macht
oder er gar etwas Bestimmtes möchte.
Zu verunsichern ist er insgesamt nach wie vor recht schnell, eine
geringfügige Veränderung einer eigentlich bekannten Situation und alle
Verhaltensmuster stehen erst einmal wieder auf Null. So beispielsweise
nervte er, der mittlerweile im Auto eigentlich nach ein paar Minuten Ruhe
gibt, eine gute Stunde lang dauerquietschend sein Pflegeherrchen auf dem
Weg zu einer Vorkontrolle, da dieser die Fahrt mit seinem eigenen, dem
Obelix bis dahin fremden Auto angetreten hatte. Der Rückweg hingegen
verlief ruhig und mit überwiegend schlafendem Obelix.
Zunächst ähnlich chaotisch ging es zu, als Besuch aus der Geschäftsstelle
der Nothilfe für Polarhunde e.V. kam. Obelix kennt sowohl die
Besuchssituation an sich (klingeln, Menschen kommen in die Wohnung, setzen
sich irgendwann irgendwo hin, gehen irgendwann wieder) als auch die beiden
Personen, die da zu Besuch kamen. Neu war nur, dass das Pflegefrauchen mit
hündischer Begleitung rechnete (was angesichts seiner Fortschritte im
Umgang mit Artgenossen durchaus möglich erscheint) und vorsorglich mal
alle Spielsachen nach oben legte. Da der Besuch aber begleitungslos
erschien, konnten Obelix „Schätze“ wieder in Richtung Boden wandern. Dies
und dass sich ein Teil des Besuches noch zum Hundekraulen auf dem Boden
niederließ, war dann doch einer zu viel. Quietschend, nervös hin- und her
laufend, schließlich sogar mit der Schnauze in den Haaren der Pflegemutter
und der dann auch noch zart, aber spürbar in die Kopfhaut knappend,
verlief die erste halbe Stunde eher chaotisch, erst langsam beruhigte er
sich wieder und legte sich schließlich auch hin. Hierbei suchte er aber
Körperkontakt zur Hündin, wie beispielsweise auch im Tierarzt-Wartezimmer.
Ähnliches ergab sich auch in der Hundeschule, da der bisherige
wöchentliche Termin durch Zeitumstellung und nahenden Winter bereits in
der Dämmerung liegt und es im Verlauf der Unterrichtsstunde richtig dunkel
wird. Mit dieser Situation kam Obelix dann nicht mehr klar, sehr aufgeregt
und Ansprache meist ignorierend hechelte und zerrte er sich von A nach B,
vollkommen überfordert in der ihm fremden und dann auch noch dunklen
Umgebung. Obwohl man auch daran arbeiten sollte, wurde der
Hundeschul-Termin verlegt, wichtiger erscheint uns dann doch, die letzten
Unsicherheiten im Umgang mit Artgenossen abzubauen. Dazu gehört einfach,
dass er sich im geschützten Bereich des spielerischen Stundenteils der
Hundeschule weiterhin in der Interaktion mit Artgenossen ausprobieren
kann. Voraussetzung hierfür ist aber Tageslicht, denn einen so leicht zu
verunsichernden Hund im Dämmrigen oder Dunkeln an die Schleppleine zu
nehmen, verbietet sich von selber.
Wo viel Chaos zu finden ist, gab’s dann aber auch noch ein freudiges
Erstaunen. Des Pflegefrauchens Auto musste sich mal wieder in die
Werkstatt begeben, welche mitten in einem stark befahrenen und lauten
Industriegebiet liegt. Zunächst erwartungsgemäß recht nervös, die
Verdauung meldete sich prompt, brach man zu einem Spaziergang auf, die
Reparatur-Zeit überbrücken. Noch bevor der etwa eine Viertelstunde
entfernt liegende Wald erreicht war, hatte sich der Rüde beruhigt, auch
den Rückweg überstand er souverän. Das fertige Auto stand äußerst günstig
auf dem Werkstattparkplatz, die Heckklappe an einer Hecke, der
Seitenabstand zum jeweils nächsten Fahrzeug nicht ausreichend, um die
Türen zum Einladen eines Hundes ausreichend weit öffnen zu können - und
weit und breit kein Baum oder ähnliches zum Hunde anbinden. Also blieb
nur, beide Hunde vor der gegenüberliegenden Reihe parkender Autos absitzen
zu lassen, trotz des teilweise eingezäunten Geländes nicht ganz
risikofrei, denn keine 100 Meter hinten dran verläuft die Schnellstraße
(mit entsprechendem Lärmpegel), auf der einen Seite nach zwanzig Metern
hinter dem Zaun ebenfalls eine stark befahrene Straße und auf der anderen
Seite die Werkstatt, deren Arbeit auch nicht geräuschlos ist. Und der
Obelix blieb vollkommen entspannt da sitzen bis das Auto ein Stück heraus
gefahren war, so als wäre es das normalste der Welt – ein in all seinem
gegensätzlichen Verhalten des Menschen Herz einfach anrührender Hund.
Update
12. Dezember 2006
In den letzten Wochen hat sich unser Obelix in der neuen Hundeschulgruppe
eingelebt, auch wenn die Gruppenstruktur ihm deutlich mehr
„Sozialkompetenz“ abverlangt - denn bislang war er fast „Hahn im Korb“ von
lauter Hündinnen, einzig ein kleiner Shiba-Rüde war noch anwesend. Beim
ersten Termin waren zwei größere Rüden, ein gleich großer Rüde und ein
halbhohes Modell anwesend, dazu noch eine Schäferhündin mit wenig Gehorsam
und viel Eigensinn, die anderen Hündinnen verblassten neben ihr.
Obelix hatte leider an diesem Tag auch einen recht stressig verlaufenen
Vormittag hinter sich, draußen Sturm, ein Wetter, bei dem Obelix seinen
Menschen auf Schritt und Tritt folgt und keine Ruhe findet, solange diese
nicht irgendwo still sitzen. Gesichert mit der extra langen Schleppleine,
ging es dann in den spielerischen ersten Teil der Stunde, dem Kennenlernen
der anderen Hunde. Zunächst hielt er sich am Rand der Gruppe, erkennbar
unsicher, guckte mehr, als dass er selbst aktiv war, ließ die einzelnen
Hunde auf sich zu kommen. Sehr positiv fiel auf, dass er sich nicht, wie
so oft, in unmittelbare Nähe des Trainers begab, sondern die Situation
alleine (mit dem Pflegefrauchen als Rückhalt) anging.
Das erste Zurückkommen auf Kommando ignorierte er, immer noch zu
aufgeregt, um sich auf etwas anderes einzulassen als die vielen fremden
Hunde. Beim zweiten Mal ging’s dann schon besser, langsam war auch der
Obelix ins Zentrum der sich über eine Wiese bewegenden
Menschen-Hunde-Gesellschaft vorgedrungen und wurde ruhiger. Nach einer
kleinen, verbalen Meinungsverschiedenheit zweier anderer Hunde zeigte er
sich recht gestresst und setzte sich kurz darauf von der Gruppe ab, musste
eingefangen werden. Dieses „sich entziehen“ aus einer Stress-Situation
zeigt Obelix öfter, wenn man ihn gut im Blick hat und rechtzeitig
eingreifen kann, ist dieses Verhalten auch unterbrechbar über einen
Rückruf (und Anleinen).
Im Übungsteil der Stunde war er zu Pflegefrauchens Erstaunen sehr
konzentriert bei der Sache und für seine Verhältnisse überraschend
kooperativ. Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt gab es dann (alle Hunde
angeleint) eine kleine Pöbelei in „mehreren Akten“ von einem der großen
Rüden, die Obelix selbstverständlich entsprechend zu beantworten
versuchte, da er sich der Situation durch die Leine nicht entziehen
konnte. Nach mehrfacher Anmache zeigte er dann auch Stress in Form von
Hinterschnappen hinter einem vorbeifahrenden Auto, auch dies ein
wiederkehrendes, vorhersehbares Verhalten.
Ein Riesenschnauzermischling, der beim letzten Termin gefehlt hatte, war
dann eine Woche später von der Größe her unheimlich beeindruckend für den
Obelix. Dies und die ebenfalls anwesenden (großen) Trainer-Hunde führten
dazu, dass er erst einmal Schutz hinter dem Rücken des Trainers suchte und
zunächst von dort aus im Freilauf agierte, nach einigen Minuten hatte er
sich auch mit dieser Situation angefreundet.
Wieder eine Woche später gab es dann die ersehnte Gelegenheit, einmal
Fotos von Obelix in der Hundeschule zu machen. Aufgenommen wurden die Bilder mitten in
Emmendingen, auf dem Festplatz, dort war Obelix vorher noch nie gewesen.
Dort befindet sich auch eine Skaterbahn, in deren unmittelbarer Nähe sich
die Gruppe befand und die wegen des schönen, ungewöhnlich warmen Wetters
sehr gut besucht war. Die Fotos zeigen ein wenig von der Ruhe und der
Souveränität, die Obelix in diesen Situationen hat, zeigen, wie aufmerksam
er bei der Sache ist, wenn er mit einem Menschen ein Team bilden kann (und
sich Leckerlies erarbeiten kann). In einer derart mit Geräuschen beladenen
Umgebung (um den Platz wälzt sich der Verkehr) solche Bilder von Obelix zu
machen, damit hätten wir vor einigen Monaten nicht gerechnet –ein
herzliches Dankeschön an die Hundeschule Kern, deren Inhaber (und Trainer
von Obelix) zwischenzeitlich für unseren Handicapler eine Patenschaft in
Form des Unterrichts übernommen hat. Dass die Hundeschule Kern sich sehr
im Tierschutz engagiert, wissen wir, hätten aber nie mit einer derart
großzügigen Unterstützung gerechnet.

Gesundheitlich hat es den Obelix in den vergangenen Wochen wieder etwas
„gebeutelt“, erst wurde er von heftigen Durchfällen geplagt, als deren
Ursache eine Collitis diagnostiziert wurde, eine Entzündung des Enddarms,
diese sprach glücklicherweise gleich auf das erste verabreichte Medikament
hervorragend an. Dann zeigte er zum wiederholten Male an der intakten
Lefze vereinzelte Schwellungen, die ihn auch zum Kratzen animierten und so
einen erneuten Tierarztbesuch notwendig machten. Ein untersuchtes
Hautgeschabsel zeigte keine Milben. An sich ein positives Ergebnis, es
ließ aber die Frage offen, was diese für Obelix nervigen Hautveränderungen
auslöst. Um dieses Rätsel lösen zu können, wurde Blut abgenommen und ins
Labor gegeben um nach evt. Anzeichen für eine Allergie zu suchen. Für
„Allergie“ sprach, dass sich diese „pustulöse Dermatitis“ durch
Cortisongaben zurückbildet, auch die häufigen Ohren-Probleme passen dazu.
Das Ergebnis des Allergietestes mit positiv auf Hausstaubmilben und beide
Futtermilben-Arten traf uns daher nicht ganz unerwartet und wir werden
sehen, wie wir damit im Alltag nun am besten umgehen.
Die Lefze wurde diesmal mit einer den Juckreiz lindernden Salbe ohne
Cortison behandelt, da Obelix auch zur Impfung fällig war. Warum diese
Hauterscheinungen in den letzten Wochen vermehrt und großflächiger
auftreten als bisher, ist uns nicht bekannt. Da Stress Allergien häufig
verschlimmert und die Veränderung der Hautsituation im Oktober begann,
könnte es möglicherweise der heftige Fellwechsel sein, den Obelix
durchlief und der sich nun dem Ende nähert. Jahreszeitlich ganz und gar
unpassend „angezogen“ ist er nun, alles Unterfell hat er von sich geworfen
und lediglich das Deckhaar behalten – ob ihn da die ungewöhnlich warme
Witterung im November etwas durcheinander brachte?
Update 02. Januar 2007
Unser Obelix ist gut
im Neuen Jahr angekommen, die Knallerei der letzten Tage hat ihn trotz
seiner mitunter „hasenfüßigen“ Grundeinstellung wenig mitgenommen, er
bleibt wie immer stets für eine Überraschung gut. Einzig am frühen Abend
wollte er nicht mehr so recht laufen, denn da war das gesamte „Junggemüse“
noch auf der Gass und amüsierte sich mit Krachern und Co.. Den durch
gekippte Fenster eindringenden Lärm fand er, einen ordentlichen
Kanonenschlag ausgenommen, nicht weiter bemerkenswert, ungerührt schlief
er vor sich hin oder spielte ein weiteres seiner Weihnachts-Quietscherle
kaputt.
So verschlief er auch den Jahreswechsel, schließlich war er eine
gute Stunde vorher draußen gewesen (auch wenn da beide Hunde den Drang zur
schnellen Rückkehr hatten, erleichtern konnten sich beide trotz des schon
herrschenden Radaus), hatte sein Gute-Nacht-Leckerli und seine Zähne
geputzt bekommen – für ihn im Wesentlichen eine Nacht wie jede andere. Von
der etwas nervöseren Hündin, die abends darauf bestand, sicherheitshalber
ebenfalls bei den Menschen auf dem Sofa Platz zu nehmen, hat er sich nicht
anstecken lassen, auch wenn die beiden sonst recht häufig einer Meinung
sind.
Es ist sicher nicht die große Liebe bei den beiden Hunden, aber sie
unterhalten eine gut funktionierende Gemeinschaft, in der beide voll auf
ihre Kosten kommen. Deutliche Gemeinsamkeit wird vor allem nach außen hin
demonstriert, im Tierarzt-Wartezimmer oder beim Theorie-Unterricht der
Hundeschule ist Kontaktliegen angesagt, zuhause trennt man sich lieber zum
Schlafen. Dafür gibt es gute Gründe, er würde von ihr wohl behaupten, dass
sie zu laut schnarche, sie hingegen findet seine mitunter sehr lebhaften
Traumphasen eher unangebracht, „Gezapple“ würde sie es vermutlich nennen.
Auch im Auto reist man strikt getrennt, das Brummen des Motors und das
Schaukeln des Fahrzeugs wiegt Madame sofort in den Schlaf, während er
voller Aufregung quietschend erst einmal ein wenig hin- und hertappen
muss, seitlich, hinten, vorne gucken, vielleicht lässt sich ja das Ziel
erahnen. Es dauert also, bis er zur Ruhe kommt, Madame ist da meist schon
halb ausgeschlafen.
Holde Einigkeit hingegen herrscht, wenn es morgens Raureif auf den Gräsern
hat – eins, zwei – Vollgas, mal gucken, ob die Leinen halten! Mal springt
sie ihn an, mal er sie, mal haut sie sich ins kalte, weiß verzierte Gras,
mal er, Lebenslust pur – egal, was das hintere Ende der Leinen dazu zu
sagen hat, es gibt Momente, da sind die Ohren vollkommen taub. Es wird
geknufft und gerempelt, mal liegt er unten, mal sie, übertrieben deutlich
die Mimik, zwei Spielwütige unter sich. Das andere Ende der Leine hat
mittlerweile die Konsequenzen aus diesen morgendlichen
Standfestigkeitsprüfungen gezogen, denn die Alberei und Blödelei an den
Leinen geht den ganzen weiteren Spazierweg so weiter. Statt acht Meter
Leine gibt es nur noch fünf, das ist einfacher zu heben, wenn der Übermut
die beiden wieder vorwärts preschen lässt. Etwas besser wird es erst, wenn
die beiden sich am Ufer der Elz ein wenig austoben konnten, im Idealfall
noch ein paar andere Vierbeiner getroffen haben. Die Tücken solcher
regelmäßigen Treffen kennt Obelix nun auch, verbündet sich doch regelmäßig
die Hündin mit einer schwarzen Mischlingsdame und gemeinsam heißt das
Spiel dann „fang den Obelix und pfetze ihn“, mitunter setzen die beiden
dunklen Mädels ihm so zu, dass er mal empört verbal den „Rauch reinlassen
muss“. Ganz besonders ätzend findet er ihre schlechte Angewohnheit, ihn
kurz unterhalb des Schwanzansatzes festzuhalten, ein Wedel ist zum Wedeln
da und nicht als Haltegriff gedacht!
Da an der Elz mehr Hundemädels als Rüden unterwegs sind, hat ihn die
Hündin nun mit eigenem Führpersonal einige Male in die Hundeschule
begleitet. Obelix soll auch die Situation vertrauter werden, wenn Hund mit
„seiner“ Hündin auf andere Rüden trifft und diese sich dann, ganz Weib,
mehr für die anderen Männlichkeiten interessiert. Ein wenig stresst ihn
das schon, aber er gewöhnt sich zunehmend und gibt sich Mühe, auch einmal
ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen. Gelingt ihm dies, sind die beiden für
die restlichen Hundebesitzer der Gruppe immer ein echter „Hingucker“,
unglaublich laut wird es, wenn die beiden im Spiel brummeln, knurren,
aufeinander krachen, eine Lautstärke, die die wenigsten von ihren eigenen
Hunden kennen.
Seine ersten Ansätze, mal ein wenig von sich aus was anzubieten, wenn er
nicht so recht weiß, was von ihm erwartet wird oder wie ein Problem zu
lösen ist, schreiten weiter voran, sehr langsam zwar, aber er probiert bei
Hilflosigkeit nun doch ab und an etwas anderes als Quietschen. Mitunter
hat Mensch aber an seiner neuen Offenheit nicht nur Freude, so sprang er
doch neulich mal an einem netten älteren Herrn hoch, der ihm erzählte, was
für ein hübscher Hund er sei. In der Hundeschule traf es einen netten
Mischlingsrüden gleicher Größe, den der Obelix mit aufreiten belästigte,
wirklich ernst nahm ihn der andere nicht, kaum dass er sich die Mühe
machte, ihn abzuschütteln.
Gesundheitlich stagniert die Lage derzeit eher, die Dermatitis ist zwar
soweit abgeheilt, dass keine Pusteln mehr vorhanden sind, die Haut im
Nasen-Lefzen-Bereich zeigt aber mitunter noch immer Rötungen und ist auch
recht empfindlich. Nicht ganz unschuldig ist daran auch der Obelix selber,
der seinen Rüssel schneller in ein Mauseloch oder ähnliches rammen kann,
als Mensch das erahnen und verbieten kann. Das Futter macht nun den Umweg
über die Gefriertruhe, bevor es vom Futtersack aus in die Schüssel
gelangt, ein Versuch, eine Futterumstellung zu vermeiden, denn die Sache
mit der Bauchspeicheldrüse würde gerade hervorragend funktionieren. Zwei
Tage vor Silvester hat er sich auch heimlich nachts (er weiß ja, dass er
nicht kratzen soll), wieder mal ein Ohr blutig aufgekratert, die
Unschuldsmine am frühen Morgen überzeugte dann aber niemanden. Wirklich
böse kann ihm aber keiner sein, zu knuffig kann er dann mit seinen
verschieden farbigen Augen treuherzig gucken und aufmerksam der
„Strafpredigt“ lauschen …..
Update
01. Februar 2007
Der Januar war zunächst ein vollkommen entspannt verlaufender Monat, indem
erstmals so etwas wie ein „Alltagsgefühl“ zu spüren war. Sämtliche
Hundebegegnungen an der Elz oder in der Hundeschule waren problemlos,
seinen „Bekanntenkreis“ hat er sogar erweitert, auch um einige große
männliche Artgenossen. Einzig der Rüde, den er immer wieder in der
Hundeschule mit Aufreiten belästigt hatte, sagte ihm irgendwann einmal
ganz unmissverständlich, dass es nun genug wäre – eine Ansage, die Obelix
seither beachtet.
Mit der mit ihm lebenden Hündin hatte Obelix dagegen ein Erlebnis der
„dritten Art“ bei der abendlichen Futterausgabe. Madame verfolgt relativ
ruhig stehend, aber mit Argusaugen, damit ihr ja kein Handgriff entgeht,
die Futterzubereitung, während der Obelix unruhig von a nach b tappt, rein
in die Küche, raus aus der Küche, wenn es gar zu lange geht, dann mault er
auch schon mal. Eines Abends denn schob er sich beim hin- und hertappen
von links kommend zwischen die Pflegemutter und die Küchenschränke. Just
als er sich nach vorne durchschieben wollte, um seine „Runde“
fortzusetzen, riss der rechts sitzenden Hündin, ihres Zeichens eh
futterneidisch, der Geduldsfaden und sie gab eine Kurzvorstellung des
„keifenden Marktweibes“. Dabei ritzte sie wohl mit einem Eckzahn den
Obelix ein wenig an seiner vorhandenen Lefze, eine kleine, fast nicht
blutende Schramme, die er umgehend mit lautem Wehgeschrei kommentierte.
Der „häusliche Frieden“ war zwar rasch wiederhergestellt, aber der Obelix
hatte daraus wohl wieder seine ganz eigenen Rückschlüsse gezogen. Denn am
nächsten Morgen an der Elz zeigte er sich sehr ängstlich als er zwei
entgegenkommenden Hunden angesichts wurde. Obwohl er die kleine, keifende
Paula und den ruhigen, zurückhaltenden, gleich großen Bobby von
zahlreichen Begegnungen kennt, traute er sich erst vorbei, erst als deren
Frauchen die beiden zu sich rief und einen Bogen um den Obelix lief –
sichtlich erleichtert suchte er dann hinter dem Pflegefrauchen Schutz.
Auch die folgenden Tage blieb er ein wenig ängstlich abwartend erst mal im
Hintergrund, wenn andere Hunde auftauchten, mittlerweile ist das Erlebnis
offensichtlich vergessen.

Gesundheitlich verlief der Monat ruhig, fürs letzte Wochenende war ein
zweitägiges Massage-Seminar für Mensch und Hund gebucht, die Zweibeiner
freuten sich bereits. Einige Tage vorher zeigte sich unterhalb des
Nasenspiegels auf der defekten Seite am Rand des Narbenverlaufs ein
kleiner rosa Fleck, der sich stetig vergrößerte. Dies trübte zwar den
Genuss des Seminars ein wenig, dennoch lohnte sich der Besuch allemal. Die
gut 15 Hunde umfassende Gruppe kam erstaunlich schnell zur Ruhe, hatten
sie doch auch den besten Part erwischt: einfach nur hinhalten. Die
Zweibeiner hingegen arbeiteten sich auch durch einen Berg Theorie,
Knochen, Muskeln, Gelenke, dazu unterschiedliche Massagetechniken. Die
letzten Stunden standen für Gangbildanalyse eines jeden vierbeinigen
Teilnehmers und daraus resultierenden individuellen Übungsvorschlägen zur
Verfügung.
Aufgefallen ist unser Obelix weder während des Seminars noch in den
Pausen, kein Geknurre, kein übermäßiges Gejammer, ein Hund wie viele
andere auch – was für eine Entwicklung hat er doch durchlaufen in den
letzten Monaten!

Die darauf folgende
Woche begann dann mit einem Besuch in der Tierarztpraxis, den stetig
weiter wachsenden Fleck betrachten lassen, der mittlerweile schon auf über
einen Zentimeter Länge kam, der Obelix (noch) nicht stört oder behindert.
Ohne Biopsie lässt sich leider nichts Definitives sagen zum derzeitigen
Zeitpunkt, ein Papillom (durch Virus hervorgerufen) scheidet wohl eher
aus, da die Auflagefläche sehr breitflächig ist. Der Veterinär geht daher
von einem Hauttumor aus, der bislang gutartig aussieht. Es gibt gutartige
Hauttumoren, die sich so spontan wie sie entstanden sind, auch nach
einigen Wochen wieder zurückbilden. Auf Anraten des Tierarztes lassen wir
das „Gewächs“ daher erst mal an Ort und Stelle, beobachten das weitere
Wachstum und besprechen uns in der kommenden Woche erneut mit dem
Veterinär.
Update
06. Februar 2007
Nachdem unser Obelix oder besser gesagt sein „Gewächs“ die ganze Woche
über kein Einsehen zeigte und das besagte Ding größer und größer wurde,
gab es heute beim Veterinär nicht mehr viel zu besprechen:
sicherheitshalber musste das Ding raus.
Hatte sich unser Obelix im Wartezimmer noch fast durchgängig vorbildlich
benommen (ein paar leise Quietschereien ausgenommen), war das gute
Benehmen schlagartig vergessen, als die Nadel des Zugangs den Weg in sein
Vorderbein suchte. Sein großes Wehgeschrei stand in keinem Verhältnis zum
Geschehen und so waren alle froh, als das Narkosemittel seinen Dienst tat.
Neben der Entfernung des Tumors und dem Vernähen der Lefze wurden,
schließlich bietet sich so eine günstige Gelegenheit nicht alle Tage, die
Zähne durchgesehen, alles bestens, da gibt es nach wie vor nichts zu tun
für den Tierarzt.
Obwohl
das Narkosemittel für einen Hund deutlich unter seinem Gewicht dosiert
war, tat er sich schwer mit dem Aufwachen, erst als die Blase deutlich
drückte, kam zaghaftes Leben in den Hund. Die Treppen runter nahm er
sicherheitshalber die Kuli-Dienste vom Pflegeherrchen in Anspruch, der
Versuch, gekonnt das Bein am Baum zu heben scheiterte dann auch, er behalf
sich, lehnte den Schulterbereich an den Stamm und pieselte im Stehen,
Hauptsache Ziel erreicht. Zum Anstänkern eines Goldies, die gegenseitige
Abneigung wird bei jeder Begegnung schon seit Monaten gepflegt, langte die
Form grad noch, Treppe rauf schaffte man dann auf des Pflegeherrchens
Armen, fein, so einen eigenen Kuli zu haben! Oben angelangt, hätte er gern
Hunger gehabt, aber wer noch nicht recht stehen kann, der braucht auch
nicht zu fressen und so trollte er sich wieder, kämpfte sich mit
wackeligen Beinen über den Rand seines Korbes und schlief weiter.

Nun heißt es für die Menschen wieder warten, erst auf das Ergebnis der
Histologie, denn diesmal wollen wir wissen, was da weg geschnitten wurde,
schließlich wurde er erst vor einem Jahr am anderen „Ende“ wegen
Anal-Tumoren operiert. Und wenn der Pathologe nichts Gegenteiliges
befundet, sollte in zehn Tagen mit dem Fädenziehen die Sache erledigt
sein. Wobei sich da schon fast die Frage aufdrängt: und was fällt dem Hund
dann als nächstes ein in Sachen Krankheiten?
Update
12.Februar 2007
Nun endlich ist der Pathologie-Befund da: Histiocytom, ein gutartiger
Tumor, der mit dem Fäden ziehen am Freitag vergessen und erledigt sein
wird.
Obelix ging es schon am Tag nach seiner Narkose wieder blendend, er hatte
aus dem bisserl Medikament ja auch den mehr als maximalen Schlaf
herausgezogen. Und so konnte er bereits auf der ersten Runde wieder mit
allerlei Blödsinn glänzen und unterbreite auch durchaus ernst gemeinte
Angebote, bereit für das Verdienen von ein paar Leckerchen zu sein - ein
Gefallen, denn man ihm doch gerne tat. An den Fäden stört er sich gar
nicht, kein Trichter, kein Gescharre, kein Geschlecke - nur ab und zu ein
verwunderter Blick auf eines seiner Körperteile, wenn er sich beim Putzen
mit einem Faden selber pickst.
Update
19. Februar 2007
Anscheinend war es unserem Obelix zu wenig, dass er „nur“ einen komplett
neuen Vermittlungstext zu seinem einjährigen Jubiläum bei der Nothilfe für
Polarhunde e.V. bekommen hat und nicht auch noch ein update. Denn er
lieferte uns gleich heute morgen jede Menge Stoff für eine update-Meldung.
Klamm und heimlich, geschützt durch die Dunkelheit der Nacht, hat sich
unser Obelix recht heftig hinten links am Popo rumgebissen und da ihn da
offensichtlich etwas plagte, wurde wieder einmal der Tierarzt zu Rate
gezogen. Eine Diagnose hatten wir recht schnell, ein heftig entzündeter
Analbeutel war die Ursache für Obelix energisches Knabbern am Hinterteil –
nur behandeln? Nein behandeln lassen wollte er das nicht, mit großem
Wehgeschrei und viel Gezappel versuchte er zu verhindern, was
unvermeidlich war. Dem hilflos Tobenden musste ein Beruhigungsmittel
verabreicht werden, die Spritze löste erneutes Geschrei aus - ja wenn er
mal die Fassung verloren hat, dann ist ihm halt alles zu viel ….
Durch die „chemische Keule“ bald reichlich wehrlos, wurde er wieder auf
den Tisch gehievt und erstmal das Ausmaß der Entzündung in Augenschein
genommen. Fast könnte man resigniert sagen „wir haben uns im Kreis gedreht
im letzten Jahr“, denn auch diesmal fand sich eine Fistel, die nun wieder
mühsam bis zum Verheilen gespült werden muss. Den Tierarzt wird der Obelix
in nächster Zeit also recht häufig sehen…

Und da wir ihn schon so schön „kalt gestellt“ hatten, baten wir auch
gleich um einen Kontrollblick in die Ohren, da diese ja durch die Allergie
recht häufig Probleme machten und wir eigentlich nur sicher gehen wollten,
dass auch da, so wie im Hautbereich, alles in Ordnung ist. Überraschung!
Es fand sich ein kleines Loch im Trommelfell des linken Ohres, so klein,
dass es von selber zu heilen sollte in den nächsten Wochen – wie er das
nun wieder geschafft hat, ist uns ein Rätsel.
Der Rest vom Tag war für Obelix „gelaufen“, leise schnarchend genoss er
seinen Medikamentenrausch, erst zur abendlichen Fressenszeit kam ein wenig
Leben rein. Ermattet von der vorherigen „Block-Runde“, wurde das Essen im
Liegen und aus der Hand eingenommen, aber das mit gutem Appetit, kein
Krümel blieb über.
Update 03. März 2007
Nun ist er wieder obenauf, unser Obelix, nachdem er an dem seinerzeit
verabreichten Beruhigungsmittel doch volle drei Tage knabberte – sein
Stoffwechsel scheint aus unerfindlichen Gründen Schwierigkeiten mit dieser
Art der Sedation zu haben. Medikamente dieser Wirkstoffgruppe sollte er
zukünftig besser nicht mehr verabreicht bekommen, rät der Tierarzt, der
noch keinen vergleichbaren Fall in seiner Praxis hatte. Geschadet haben
Obelix die drei Tage im Rauschzustand nicht, neben den
Koordinationsschwierigkeiten fiel vor allem sein extremer Appetit auf, es
war schon ein richtiger „Fress-Flash“ und das bei einem sonst immer
mäkligen, langsamen Fresser….
Nachdem der Tierarzt nun wieder einige Zeit im Zwei-Tages-Rhythmus
aufgesucht wurde, ist die Fistel schnell abgeheilt und auch die Entzündung
hat sich völlig zurückgebildet, für gesund wurde der Rüde vor zwei Tagen
befunden.
Bei den folgenden Behandlungen war er übrigens ein recht braver Patient,
einzig als einmal weder Frau noch Herr Doktor in der Praxis waren, gab es
ein ziemliches Geschrei – wieder einmal zeigte sich Obelix wenig flexibel,
wenn an einer an sich vertrauten Situation etwas verändert wird.
Die Bestätigung für diese Annahme gab es dann einen Tag später,
Video-Trainings-Nachmittag der Hundeschule, neun Teams mit Obelix völlig
fremden Hunden agierten da gemeinsam, nebeneinander, hintereinander – sehr
aufregend. Noch viel aufregender mit all diesen Hunden in einem kleinen
Raum das Aufgenommene anzusehen und zu besprechen, er kam zwar zur Ruhe,
aber entspannen konnte er sich nicht. Das Pflegefrauchen bekam ein paar
weniger gute Haltungsnoten, der Obelix mal wieder den einen oder anderen
Lacher für besonders langsames und wie in Stufen abgearbeitetes „Sitz“ –
unser kleiner, liebenswerter Clown hatte wieder „voll zugeschlagen“. Der
danach statt findende Ausflug in die Stadt war dann einer zuviel, hektisch
und kaum noch ansprechbar schoss Obelix an der Leine herum – es traf ihn
wohl unvorbereitet, denn die sonstigen Stadtgänge mit der Hundeschulgruppe
beginnen immer am Bahnhof, wo mit dem Auto hingefahren wird. Die an sich
bekannte Situation „Stadt“ wurde durch diese geringfügige Veränderung (zu
Fuß von anderem Ausgangspunkt) wieder unbekannt und versetzte Obelix in
Stress. Zur nachfolgenden Besprechung musste er nicht mehr mit in den
Gruppenraum, sondern durfte sich im Auto erholen – tief schlafend auf der
Seite liegend wurde er danach vorgefunden, nicht mal neben dem Auto
redende Passanten konnten ihn wecken.
Also weiter an seiner sozialen Kompetenz arbeiten, die Videoaufnahmen
zeigten auch schön, wo Mensch zukünftig trotz der an der Leine
ausgebrochenen Hektik hilfreich eingreifen kann.
Kaum zwei Tage später durfte er zum ersten Mal bei einer Tierschutzfahrt
mit, um die Verträglichkeit eines Tierheimhundes zu testen. Die fragliche
alte Hündin Liberty hatte viel Ähnlichkeit mit der alten Malamutin Julie,
die im vergangenen Jahr einen Tag Station gemacht hatte in Obelix
Pflegestelle und so ließen sich die Situationen gut miteinander
vergleichen. Hatten es bei Julie noch Wertungen wie „setzen, sechs“
gegeben, gab es diesmal ein „weitermachen, gut“, fürs „sehr gut“ war er
ein wenig zu stürmisch und grobmotorisch, aber der Fortschritt in seinem
Verhalten gegenüber Artgenossen ist wirklich enorm. Der einzige Lichtblick
eines Nachmittages, der traurige Einblicke gab, was Menschen Hunden alles
antun können durch Vernachlässigung und Setzen falscher (menschlicher)
Prioritäten.

Nach so viel Unbill und geleisteter Arbeit freute sich Obelix dann umso
mehr, dass einige seiner Paten ihn in der darauf folgenden Woche einmal so
richtig verwöhnten. Von den Tierschützern von „Tiere kennen keine Grenzen“
kam ein riesengroßes, zusammen gesammeltes Pakte voll mit den von Obelix
so geliebten Quietscherchen.

 
Nach
anfänglichem Zögern und ungläubigem Staunen „alles meins?“ widmete sich
der so Beschenkte dann voll Hingabe dem Schreddern der ersten Gummiteile –
rasch hat seine Begeisterung immer einen solchen Level erreicht, dass er
derart herzhaft zu beißt, dass ganze Stücke davon fliegen – nur gut, dass
er sie nicht frisst, sondern nur enttäuscht das defekte Ding nach einer
Weile liegen lässt. Innerhalb von Minuten starben so die ersten Quietscher
den Heldentod und der Raum verwandelte sich zusehends in ein Obelix
Spielzimmer, mitten drin im Chaos ein super zufriedener Obelix.


Und
auch der nächste Tag brachte mit dem Besuch einer Schweizer Patin ein
echtes Highlight, hatte diese doch richtig gute Lecker im Gepäck und war
sogar bereit, sich gründlichst Gesicht und Ohren schlecken zu lassen.

Die
ruhige Art der Patin sorgte auch dafür, dass Obelix sich nur gut benahm
und von seiner absolut sonnigsten Seite zeigte, sehr ruhig, sehr
ausgeglichen und kein bisserl aufdringlich. Und auch wenn Obelix am
liebsten alles für sich vereinnahmt hätte, Menschen, Leckerlie,
Streicheleinheiten, es fiel noch genügend ab für die in der Pflegestelle
vorhandene Hündin. Vertrieben wurde sie nur durch den menschlich
verständlichen Wunsch, ein paar Erinnerungsfotos haben zu wollen – Foto
sehen, Blitzlicht ahnen, weg ist Madame und überlässt Obelix gerne allein
die Bühne.

Update
02.April 2007
Hatten wir uns vor vier Wochen nicht gefreut, dass die
Analbeutel-Entzündung samt Fistel so unkompliziert abgeheilt war? Nun,
es war ein Trugschluss, eine Woche später war der andere Analbeutel
dran, diesmal nur angeschwollen, noch nicht entzündet. Als dieses
ausgestanden war, vergingen nur wenige Tage und die linke Seite war
wieder eitrig entzündet, beim Tierarzt hätten wir im vergangenen Monat
eigentlich gleich sitzen bleiben können mit dem Obelix.
Allzu viele Möglichkeiten, dieses Szenario zu vermeiden, gibt es
nicht, er leidet weder an Durchfall noch zu weichem Kot. Allerdings
kam es nach der Operation vom letzten Jahr zu Narbenbildung auch im
Darmbereich direkt hinter dem After (für den Tierarzt deutlich
tastbar) und das Darm-Gewebe ist stellenweise etwas schwach, beides
wird wohl zu den Schwierigkeiten beitragen. Gleichzeitig ist es aber
auch der Grund, warum die operative Entfernung der Analbeutel als
letzte Möglichkeit der Behandlung in Frage kommt, das Risiko, dass der
Rüde in Folge inkontinent wird, ist deutlich höher als bei einem nicht
voroperierten Hund.
So
eigentlich ganz schön nervenstrapaziert, nahm unser Obelix an 24. März
an einem Workshop der Hundeschule teil „Test „Hundeführerschein“ –
Würden wir ihn bestehen?“. Als momentan Wahl-Baden-Württemberger
unterliegt Obelix ja recht wenig gesetzlichen Zwängen – aber was wäre
wenn er z.B. nach Hamburg vermittelt würde? Würde er mit der dortigen
Prüfung klar kommen? Eine interessante Frage – grad weil er eben auch
ein Husky ist und sich hartnäckig das Gerücht hält, diese seien gar
nicht erziehbar. Beurteilt wurden die Hunde nach den Prüfregeln des
IGH-Hundeführerscheins, der zwei Stufen vorsieht, die erste an der
Leine, die zweite ohne. Obelix trat also für Stufe 1 an und was da so
von ihm verlangt werden darf, finden Sie hier:
http://www.ig-hundeschulen.de/cms/fileadmin/igh/downloads/PO.pdf
Der Test begann mit der Prüfung der Leinenhalter, die rund eine halbe
Stunde Zeit hatten, die richtigen Antworten auf die sich auf drei DIN
A4-Seiten auftürmenden Fragen im Multiple-Choice-Verfahren
herauszufinden. Die insgesamt sieben Hunde waren in dem Raum
mitanwesend, sie hatten sich vorher nicht gekannt oder kennen lernen
können. Danach ging es in den praktischen Teil, durchs Industriegebiet
ins Gelände, wo die Hunde endlich auch Zeit für ihre Sozialkontakte
fanden (und die Halter den Abruf unter erschwerten Bedingungen zeigen
konnten). Danach ging es an kurzer Leine zügig an die Elz, wo bei
trockenem Wetter jede Menge „Freizeit-Verkehr“ war, also
Spaziergänger, andere Hundebesitzer, Jogger, Fahrradfahrer – was der
Alltag eben so zu bieten hat. Von dort ging es weiter ins Zentrum des
Kleinstädtchens, die Halter durften samt Hunden eine kurze
Verschnaufpause in einem Cafe einlegen. Zum Kaffee wurde rege über die
theoretischen Fragen debattiert, manche Antwort hatte man doch so oder
so verstehen können. Ein Gang durchs Städtchen folgte, immer wieder
unterbrochen von kleinen Alltagshandlungen wie Geldautomat oder
Ladengeschäft besuchen – nicht nur die Hunde werden geprüft, auch die
Umsicht der Halter. Denn ein vor einem Geschäft wartender Hund sollte
so platziert werden, dass andere Zweibeiner sich auch noch heraus oder
herein trauen, selbst die, die ein wenig ängstlich sind. Danach ging
es dann fix und foxi zur Abschlussbesprechung in die Hundeschule – die
erlebte Obelix aber nicht mehr, er schlief schon süß und selig im Auto
den Schlaf der Gerechten.
Der Bewertungsbogen unseres Obelix war gar nicht schlecht (was im
Schwäbischen so viel heißt wie „er war gut“), den Husky allerdings
kann er nicht verleugnen. Ablenkung lenkt ihn wirklich erst einmal ab,
neugierig wird zunächst geguckt und sich dann besonnen, was eigentlich
verlangt war - da er Platz gar nicht gern macht, dauert es da dann am
allerlängsten mit der Besinnung. Tja und freilaufend (in seinem Fall
gesichert mit der Schleppleine) ist er dann ganz Husky: „
war da nicht ein störendes
Nebengeräusch, das sich anhörte wie das Pflegefrauchen? Ach nööö,
lieber weiter schnuffeln…. – oh, sie war es doch! Was will sie denn?
Lass mal rumgucken, warum sie rufen könnte…hmmmm???? ja ja, nur net
hetzen, ich komm ja schon…“ – zu mehr als einem
„befriedigend“ reichte es hier trotz des monatelangen
Schleppleinen-Trainings und des Übens der Abrufbarkeit nicht. Und
selbst dafür musste das Pflegefrauchen schon mit allen Tricks, wie zum
Beispiel der von Obelix so heiß geliebten Schwarzwurst kämpfen – eine
Hundeschule macht aus einem Husky halt auch nur einen erzogenen Husky,
das Wesen und die Eigenheiten, Eigenwilligkeiten der Nordischen
bleiben immer bestehen (zumindest wenn es eine gute Hundeschule ist).
Seine Leistung aber bleibt davon unberührt, denn es war wirklich eine
großartige Leistung, die er da über fast drei Stunden gezeigt hat.
Unser ziemlich unverträglicher und ganz und gar nicht umweltsicherer
nervöser Zappel- und Quietsche-Chaot ist während der Monate zu einem
sehr verträglichen, in vielen Situationen sicheren und stets führbaren
Hund herangereift - seine Alltagstauglichkeit hat er sehr erfolgreich
unter Beweis gestellt.
Update 30.April 2007
Wie hieß es im letzten update so schön? „Eine Hundeschule macht aus
einem Husky halt auch nur einen erzogenen Husky“? Obelix scheint
diesen Satz intensiv studiert zu haben, denn man konnte in den letzten
Wochen nur sagen „ihn stach der Hafer“ – das aber gründlich.
Ausgerechnet einen Hundeschultermin suchte er sich für seinen ersten
richtigen Absetz-Versuch in Richtung „grenzenlose Freiheit“ aus, nicht
sehr clever, wie sich zeigen sollte. Es begann ganz harmlos mit einem
Rennspiel mehrer Hunde, denen sich Obelix, mal wieder der letzte (weil
der langsamste), angeschlossen hatte und die sich im Rennen recht weit
entfernten. Da sie dabei den Obelix abhängten, quasi „verloren“, gab
der dann auch von sich aus auf und ging lieber interessanten Spuren
nach – von denen es in Waldnähe leider jede Menge gibt. In seinem
gemächlichen Trab seilte er sich immer weiter ab – Rufen entlockte ihm
nicht mal ein Ohrenzucken – es blieb also nichts anderes als
hinterher. Das registrierte auch der Obelix, übersah aber, dass neben
dem Pflegefrauchen sich auch der Hundetrainer „auf die Socken“ gemacht
hatte – böse Überraschung, als der ihm kurzerhand den Weg abschnitt.
Als Obelix feststellte, dass der Trainer sich der Schleppleine
bemächtigt hatte und der schöne Ausflug somit jäh zu Ende war, da hat
er protestierend dann ein wenig rumgekläfft und sein lustigstes
Husky-Lachen dazu aufgesetzt – schön, dass sich wenigstens er
offensichtlich amüsiert hatte!
Gleich am nächsten Morgen dann ein ähnliches „ich-kann-nichts-hören-nicht“-Szenario,
diesmal war es das für die Ernte bereits zwischen den Erdbeeren
ausgebrachte Stroh, das es ihm angetan hatte und durch das er wie ein
Junghund mehr schlitterte denn rannte. Da Übermut bekanntlich nicht
vor Konsequenzen schützt, ist die Länge der Schleppleine nun wieder
beachtlich und an der Rückrufbarkeit wird vermehrt geübt. Frühjahr,
bestes Kaiserwetter und überschäumende Lebensfreude hin oder her – so
geht es denn beim besten Willen nicht!

Abgesehen von diesen „Flucht-Tendenzen“ kann aber nur Erfreuliches
über ihn berichtet werden. Sehr gut ist mittlerweile seine
Orientierung an seiner Bezugsperson, dies macht sich am deutlichsten
in den nicht alltäglichen, überraschenden Situationen bemerkbar. So
hat beispielsweise der Bauer, an dessen Hof es fast täglich an der
Morgenrunde vorbeigeht, Anfang April die größeren Kälber in den
Auslauf neben dem Hof getan, der Weg führt direkt daran vorbei. Da ein
Stallgebäude keine freie Sicht zulässt, blieb die Überraschung recht
lange im Verborgenen, zumindest den Zweibeinern, den Hunden war am
vermehrten Schnüffeln und Tänzeln schon anzumerken, dass da was anders
sein muss als sonst. Dem Obelix war der Anblick der schon recht großen
Kälber alles andere als geheuer, so weit entfernt wie nur möglich
drückte und drückt er sich da vorbei, sollte zufällig noch einer „muh“
sagen, dann geht er freiwillig bei Fuß – wer weiß schon als Hund, was
Kühe fressen?
Auch bei Begegnungen mit Artgenossen verlässt er sich darauf, dass
Mensch das schon irgendwie regeln wird und er – unter Wahrung seiner
Individualdistanz – den anderen Hund gefahrlos passieren kann.
Betonung liegt hierbei auf Distanz, je größer der andere Hund, desto
mehr Raum braucht Obelix zwischen sich und dem anderen, um ruhig
vorbei zu gehen. Im Alltag nicht immer eben einfach, manch andere
Hundehalter bringen wenig Verständnis dafür auf, dass ein grad mal
autobreiter Waldweg dem Obelix zu eng zum Vorbeigehen wird, wenn der
andere Hund bereits in Wegmitte läuft. Bittet man dann noch, den Hund
vielleicht auf des Hundeführers andere Seite zu nehmen – tja, dann
kann man beim Heimkommen wieder was erzählen….. Manchmal sind umkehren
und bei passender Gelegenheit ein paar Schritte in die „Pampas“ da der
einfachere Weg, mit solchen Begegnungen umzugehen.
Richtig überflüssig war dann eine Situation innerorts in einem
Wohngebiet, dort schoss vollkommen unvermittelt von einem
Gartengrundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Hund,
etwas kleiner als der Obelix, knurrend auf ihn zu. Der ziemlich
verdutzte Obelix drehte sich leicht dem anderen Hund zu und sah auch
schon eine krause Nase und viele noch recht weiße Zähne, es folgte ein
Satz nach vorne und ein Schnappversuch nach Obelix. Der die Leine
haltende Zweibeiner hatte da endlich auch die Schrecksekunde durch und
stellte sich zwischen Obelix und den Angreifer. Ein paar barsche
Worte, eine eindeutige Handbewegung in Richtung Heimat und ein Schritt
nach vorne – schwups, schon wart der Wegelager nicht mehr gesehen, ein
zugehöriger Zweibeiner wurde übrigens gar nie nicht gesichtet. Obelix
war ganz freiwillig hinter seinem Menschen geblieben, von ihm kam in
der gesamten Situation weder ein Knurren noch sonst ein Zeichen für
Aggressivität. Aber geträumt hat er später heftig, viel Gerenne und
Gebelle im Schlaf – wie immer, wenn ein Erlebnis ihn sehr beschäftigt.
Update01.Juni 2007
Huhu, hier ist Obelix!

Ich darf nämlich heute mal selber, weil dem Pflegefrauchen nichts für
ein update eingefallen ist und da denk ich mir, ich nehm’ das jetzt
einfach mal selber in meine dicken Pfoten mit der Vermittlung, denn
die Menschen kriegen das mit ihren wohlgesetzten Worten irgendwie
nicht hin …
Also, ich bin ein kastrierter Husky-Rüde, etwa 2002 oder 03 geboren,
da erinnere ich mich nicht mehr so genau. Ende 2005 wurde ich ganz
alleine irgendwo gefunden und ins Tierheim gebracht, im Februar 2006
kam ich zur NfP und drei Monate später wurde ich eingeschult.
Hundeschule fiel meinem Pflegefrauchen erst ganz schön schwer, das
dauerte, bis sie herausbekam, wie ich „ticke“ (Handzeichen sag ich
nur). Aber nu geht das und zusammen haben wir schon den Test für den
Hundeführerschein nach den Vorgaben der IG-Hundeschulen gelaufen und
Stufe eins bestanden (o.k. im Freilauf an der Schleppleine waren meine
„Noten“ dann nicht so berauschend, bin halt doch ein Husky). Dass mich
trotzdem keiner will, das kränkt mich ja ein bisserl, ich dachte
immer, feste arbeiten wird auch belohnt…
Ich sei ein Quatschkopf sagen sie, wenn ich das Geschirr ankriegen
soll, dann sause / hüpfe ich davon, gucke immer, ob auch jemand
hinterher kommt und dann geht das mit Spielaufforderungen und viel
Gerenne erst mal bis ich eingefangen bin. Das will ich auch nicht
missen, das macht Spaß. Morgens bin ich in der ersten Viertelstunde
draußen dann etwas anstrengend, da knall ich schon mal in die Leine,
ausgeschlafen ist das Leben ja so schön! Danach werde ich ruhiger, die
liebsten Spaziergänge sind mir übrigens die, wo es auch was zum
Plantschen hat – zu keiner Jahreszeit kann ich dem Wasser widerstehen.
Begegnungen mit anderen Hunden finde ich an der Schleppleine gut,
Mädels finden mich manchmal ein bisserl „trampelig“, dabei gebe ich
mir so `ne Mühe. An der Flexi oder kurzen Leine finde ich größere
Rüden dann etwas uncool, ich mein, da kann ich mich im Notfall nicht
verdrücken und das macht es einfach schwierig. Okay- ich oute mich,
ich bin kein Held und froh, wenn mir jemand sagt, wo’s lang geht, aber
gelle, ich bin kein Schisshase, Gewitter oder Silvester lässt mich
kalt.
Wieder zu Hause ist meist erst mal eine „Unterboden-Reinigung“ fällig,
irgendwer wirft mir beim Laufen immer lauter Schmuddelzeugs an den
Bauch bis der ganz braun-schwarz ist. Danach möchte ich Frühstück
(nett garniert mit den 4 Wurststückchen mit meinen Tabletten) und wenn
das nicht schnell genug geht, maule ich auch schon mal rum.
Anschließend gucke ich, wenn geboten, noch etwas Katzenfernsehen vom
Balkon, und dann ruhe ich, bis ich zur Mittagsrunde wieder geweckt
werde. Gerne lasse ich mir hinterher einen Snack (getrockneter Pansen
oder kleine Hundekekse) reichen, dann beaufsichtige ich die
Küchenarbeit und gehe dann ein weiteres Nickerchen halten. Manchmal
erhebe ich mich schon etwas vor der frühabendlichen Runde und suche
jemanden, der noch ein bisserl mit mir spielt, Bällchen werfen oder
so. Mein Abendessen, Trockenfutter dekoriert mit drei
Tabletten-Wurststückchen, möchte ich dann bitte fix, denn jetzt habe
ich richtig Hunger und maule, wenn die Essensausgabe bummelt. Bevor
ich meinen vollen Bauch ablege, will ich noch ein paar Leckerchen
verdienen und vorführen, was ich alles so gelernt habe in den letzten
Wochen und Monaten. Darauf keine Lust zu haben gilt nicht, da werde
ich nervig. Mir ist es egal, ob wir das drinnen machen oder noch eine
kleine Zusatzrunde gehen, ich bin für beides zu haben, Hauptsache, wir
machen zusammen! Das Schläfchen hinterher habe ich mir wirklich
verdient, denn meist gebe ich alles –zur letzten Runde kann man mich
am Körbchen abholen, eigentlich stehe ich erst auf, wenn Halsband und
Leine schon dran sind. Hinterher stehe ich wie eine eins in der Küche,
warte auf mein Bett-Hupferl und das anschließende Zähne putzen, bitte
nur die freiliegenden und nur mit Hähnchen-Zahnpasta! Danach
entschwinde ich in mein Körbchen und wünsche zu ruhen bis zum nächsten
Morgen, schnarchen tue ich übrigens nicht, so dass mein Wunsch, in der
Nähe Eures Bettes zu schlafen kein Problem ist.

Meine Lieblingshobbys sind Löcher buddeln, Vögel aufscheuchen und mit
einem Hundekumpel spielen, gerne apportiere ich auch meinen
Futterbeutel oder einen Ball. Und wenn irgendwo Kinder sind, stelle
ich mich oft dazu und tue so, als gehöre ich zu denen – dabei sein ist
alles für mich! Mit einem Zweithund kann ich aber schon mal alleine
bleiben – vorausgesetzt Ihr kriegt das hin ohne mich zu gehen, ich
kann ja so traurig – vorwurfsvoll aus meinem Pelz gucken.
Wetten, dass nu einige denken „baoh – klasse Hund, Nothilfe anmailen /
anrufen“ und sich fragen, warum ich schon so lange zu haben bin? Ganz
einfach, die Tabletten sind Enzyme für meine Bauchspeicheldrüse, die
macht nämlich nicht genug davon selber und die kosten rund 25,-- Euro
im Monat. Wen das noch nicht abschreckt, der zuckt meist weg, weil ich
schon mal eine OP am Popo hatte, wo ein Tumor der äußeren Drüsen
weggemacht wurde und mich auch meine Analbeutel etwas öfter nerven.
Tja und wenn dann noch meine fehlende Lefze auf der einen Seite ins
Spiel kommt, dann sind endgültig alle potentiellen Interessenten weg,
da brauch ich nicht mal mehr sagen, dass ich auch Allergiker bin und
wegen meinem einen Sprunggelenk keinen Sport machen darf.
Wenn ich nicht so ein fröhliches, sonniges Gemüt hätte, wär ich jetzt
deprimiert! Aber weil ich so ein lustiger Kerl bin, nehm ich’s leicht
und nerve einfach meine Pflegefamilie nebst Hundedame noch ein bisserl
weiter - oder will mich nu jetzt etwa einer???
Update 28.Juni 2007
Nein, auch Obelix flammender Aufruf in eigener Sache brachte ihm
keinen Interessenten ein, er ist nach wie vor zu haben…..
Würde man Obelix fragen, wie sein letzter Monat war, so würde er
vermutlich sagen „sehr durchwachsen“, denn es ging wirklich drunter
und drüber. Die in der Pflegestelle lebende Hündin erkrankte, viele
Tierarztbesuche waren nötig, schließlich folgte gar noch eine
Milchleisten-Operation. Dem Obelix fehlte also seine liebste
Spielkameradin, denn die hatte verständlicherweise gar keine Lust auf
Raufereien oder Rennspiele.
Auch die Möglichkeit, den Obelix mal rennen zu lassen, war nur sehr
eingeschränkt gegeben, das lag aber an dem Obelix selber, der kann
nämlich dem Geruch von Erdbeeren nicht widerstehen, mal abgesehen
davon, dass er das Aufwirbeln von dem ganzen Stroh zwischen den
Erdbeerreihen beim Drüberrennen anscheinend mega lustig findet. Also
tobt er erstmal durch die Erdbeerreihen, um dann auf die Suche nach
der ultimativen Erdbeere zu gehen, die anscheinend nicht nur reif,
sondern sogar ein wenig überreif sein muss – aber keinesfalls schon
matschig. Da das natürlich gar nicht geht, schließlich erwarten die
Bauern ja nach all der Arbeit auch ihren Ertrag, konnte er nur auf dem
Platz der Hundeschule laufen – garantiert erdbeerfrei aber nur
eingeschränkt zugänglich.

A propos Hundeschule, die hat er diesen Monat gleich zweimal versäumt,
weil der Termin sich mit den Tierarzt-Terminen überschnitt. Nach dem
zweiten Mal staunten dann alle nicht schlecht, was für ein
arbeitswütiger Obelix sich da zum Stadtrundgang einfand. Trotz großer
Wärme gab er eine Sondervorstellung, wie begeistert er doch bei der
Sache sein kann und wie schnell er, der Anweisungen sonst gerne mal
reiflich überdenkt, doch sein kann, selbst der Trainer kam ins
Staunen. Eine Woche später war der Spuk dann wieder vorbei und
verkehrte sich ins Gegenteil, es gab den super langsamen und
schwerfälligen Obelix zu sehen, der sich mit vielen Windungen,
Abstufungen und Seufzen in ein Sitz begab. Ursächlich dafür war wohl
zum einen der nasse Boden, ausgerechnet er, der nach jedem Spaziergang
aussieht, als hätte er ein Schlammloch gefunden, schätzt es gar nicht,
wenn er sich ins Feuchte setzen muss, hinlegen geht natürlich
überhaupt nicht. Selbst freiwillig, wenn er müde ist und eigentlich
liegen wollte, sieht er mit entsprechendem Gesichtsausdruck (leidend-angewidert)
davon ab – eine liebenswerte Macke, die irgendwie zu ihm passt. Das
andere, was ihn ein wenig aus dem Konzept brachte, waren zwei neue
Teilnehmer, beides große Hunde und die damit verbun |