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Takai – der kleine Löwe mit der wenig gelungenen Sozialisierungsphase
Wochen- und monatelang wurde trainiert, freiwillige Helfer brachten sich
unermüdlich in die Arbeit mit ein. Geduldig waren sie präsent und
gewöhnten die Hunde an ihre Anwesenheit, vorsichtige Kontaktaufnahmen
kamen freiwillig zu Stande oder wurden mit lecker Schmelzkäse auch etwas
forciert. Erfolge im Rahmen des Möglichen (und das ist weit entfernt von dem, was „normal“ im Sinne eines gut sozialisierten Hundes ist) zeigten sich, beim einen mehr, beim anderen weniger – Takai gehörte zu den Eurasiern im Nordlicht für Notfelle, die sich sehr zurückhaltend zeigten. Sein persönliches kleines Glück war, dass er ein Herrchen fand, das trotz langer Anreise mit der Bahn, die Begleitung von Takai schon in der Station mit übernahm. Als Takai von der Station aus Neuland betrat, also Erkundungen an der Leine statt fanden, war das Herrchen an seiner Seite. Unterstützt von der Trainerin Silvia Klüppelberg, erarbeiteten sich die beiden eine erste gemeinsame Basis (wie Nähe zulassen und Geschirr anlegen), die sicher die Eingewöhnung im neuen Heim erleichtern würde.
Zum ersten Mal hat jemand die Eingewöhnung eines solchen Hundes dokumentiert und uns zugänglich gemacht – etwas, worüber wir sehr froh und dankbar sind, kann es doch dem einen oder anderen eine Vorstellung davon geben, was es bedeutet, einen solchen ängstlich-scheuen Hund auf seinem Weg zu begleiten. 21. August 2008
Erster Rundgang über das Grundstück – brav pinkelt er, hebt sogar das Bein. Etwas aufgeregtes Gezerre an der Leine und löst sich, ganz ordentlich. Vielleicht war es zuviel Schmelzkäse – möglich auch, der Stress, plötzlich mit mir allein im Raum zu sein: All die guten Leckerlis gab er wieder von sich. Abendspaziergang, zweimal die Runde, ging recht ordentlich. 22. August 2008 Eine ganz ruhige Nacht war es. Takai, anstelle der bequemen und etwas geschützten Ecke, hat sich den Platz am Türpfosten und an der Schrankecke ausgesucht. Es ist arg viel Druck für ihn, den Raum mit mir zu teilen. Aber er lässt sich anfassen, wenn es ihm auch gar nicht angenehm ist. Das
Geschirr mag er ohnehin nicht, aber gemeinsam gewinnen wir schon ein wenig
Routine, dass es sitzt. Etwas Schmelzkäse nimmt er an (wenig – es soll ja
drin bleiben…). AUSGEHEN: Die Treppe kann er noch nicht meistern – aber
dann schlägt er gleich „seinen“ Weg ein, putzmunter geht er unseren
Trampelpfad, hebt beim Pinkeln das Bein, und setzt einen ordentlichen
Dutt, ohne Stress. Essen aus dem Napf nimmt er nicht an. Auf dem Weg draußen geht’s wieder bestens, Takai ist wie verwandelt. Und löst das Problem mit seinem Durst auf seine Weise: Schleckt erst die nassen Grashalme ab und entdeckt dann die kleine Wasserstelle auf dem Weg, dort macht er „Schlabbchen“. Gut. Wie nur können wir das Drehen seiner Wohnzimmer-Runden beenden? Erster Schritt: mit „Bleib“ hält er inne und danach gebe ich ihm den Weg frei, eilig weicht er hinaus, aber die Panik wird geringer und er wird gelobt. Nichts gefressen – nun, dann kommt der Napf außer Reichweite.
23. August 2008 Wieder war die Nacht ganz ruhig. Die Morgenrunde geht er wieder souverän (na ja, Pischi lässt er laufen,
aber sein Dutt ist ganz normal – das dürfte mangels „Nachschub“ wohl der
letzte sein…) Versuch, ihn in die andere Ecke mit bequemer Unterlage und Nische (!) zu bekommen, geht daneben, immer noch läuft er ins Wohnzimmer. Nachmittags dann die Lösung: Monika ist im Wohnzimmer, die Flurtür ist offen, also „seine“ Ecke ist „weg“; und jetzt folgt er in die Nische! Nach kurzer Wiederholung der Anweisung und allerbesten Leckerli lässt er sich nieder – und bleibt da! (Gottseidank). Ist es nun „mein“ Training? Lasse ich meine Eitelkeit raus, kann ich den Erfolg für mich buchen. Es sieht aber eher so aus, als wüsste Takai den Riesenvorteil zu schätzen: Kein Aufgestört-werden, muss ich die Flurtür öffnen, kein Gerenne ins Wohnzimmer! Prima! Das bleibt jetzt sein fester Platz, wie geplant. Und es ist viel Spannung raus ….. Ganz große Erlebnisse beim Mittagsrundgang: Hinten auf dem Hof springt plötzlich ein Hund aus den Büschen, erschrocken wie ich, bellt er kurz und folgt sofort der Pfeife des Nachbarn, geht zurück. Und Takai? Er hat sich da wohl seiner Ahnen besonnen – er hat den Artgenossen fast ignoriert! Na und dann, auf der Schulstraße!! Gleich zwei freilaufende Hunde (die große Hündin kenne ich), Frauchen rufend hinterher, wie so oft nutzlos. Takai, an langer Leine, lässt sich recht unaufgeregt beriechen,; die große, große Hündin bedrängt ihn. Und nun weiß ich nicht: Ist es die Demutsgeste – oder lockte der Rest Schmelzkäse – sie beleckt Takais Schnauze. Ein wenig wirkt er wie ein Welpe, aber da ist auch ein geradezu hoheitsvoller Blick, er lässt es sich ganz ruhig gefallen, sitzt, und zuckt überhaupt nicht schreckensvoll zurück, wie wir es bei Ungewohntem von ihm kennen. Das Frauchen kriegt ihre Tiere denn auch ein, da wir uns nachbarschaftlich kennen, werten wir das Ganze mal als Antrittsbesuch…. Abends dann klappt es mit der Treppe schon viel besser, und die „neue“
Ecke ist ideal und so schön bequem! 24. August 2008 Nachts war Takais Schlabbern zu hören, vielleicht war er auch vorsichtig
etwas unterwegs. Mein Paar Schuhe im Raum blieben aber unangetastet. Die Treppe schafft Takai jetzt auch ganz ordentlich abwärts. Pischen
wieder ohne Beinheben – Schlabbern an der Wasserstelle unterbleibt. Nach
der Hofrunde wird uns die Schulstraße langweilig – also gehen wir entlang
der Hauptstraße und dann auf eine große Wiese. Ich streue ihm etwas Normalfutter auf den Boden, schau’n wir mal, ob er es
– ohne Napf – aufnimmt. 25. August 2008 Spätabends, aus dem Dunklen, dann Schmatzen und Schlabbern: Der Rest aus dem Napf, den ich ihm hingestreut hatte, ist morgens restlos verschwunden, Takai hat auch viel getrunken. Mein Betreten der Küche ist ihm immer noch recht unheimlich. Ich begrüße
ihn mit Fleischstreifen: Die sind gar zu verlockend, er nimmt sie, wenn
auch im Kriechgang, in meiner Gegenwart auf einer Leckerli-„Spur“ halb in
den Raum hinein, folgt er, als ich mich ins Wohnzimmer zurückziehe. Langer Spaziergang, bis zur Moorhalle. Da kommen Menschen heraus: die
Postbotin geht auf Takai zu: kaum Scheu, er duldet eine Distanz von 8 – 10
Metern ohne viel Stress. 26. August 2008
Na, nun sitzt er – betrete ich seinen Raum, zeigt er sich noch weiterhin
scheu. Jetzt steht der Napf mit „ganz normalem“ Futter vor ihm. Ich habe wenig
Hoffnung, dass er es jetzt nimmt. Schauen wir mal – dann geht er wohl
nachts wieder daran. Ich werden den Napf oben erst einmal wieder wegtun…. Heute war ich längere Zeit weg. Takai stellt (noch?) nichts an. Nach dem Training an der Moorhalle gingen wir einen ganz anderen Weg – warum immer den Trampelpfad? „Unser Löwe“ geht mutig durch die große Welt (na ja, wir kommen an einem Haus vorbei, aus dem Heavy Metal dröhnt, aber da bekomme ich auch das Grausen…). Beinheben, die Rute schwingt locker, und die Treppe ins Haus – ist sie noch eine Hürde? 27. August 2008 Heute morgen: Großer Rundgang (ich hatte als Radfahrer ja ganz vergessen, wir haben hier ja Wege durch Wiesen und an der Bahn entlang). Takai mag das Geschirr nicht: Das ist schon alles: Stress? Keine Spur! Er lässt es sich gefallen, wenn ich ihn anfasse, und nimmt Leckerli jetzt regelmäßig aus der Hand – aber „nur“ Frolic tut’s da auch nicht mehr! Sehr schön hebt er das Bein, setzt brav seinen Dutt (in den Feldern dann war ein zweites Lösen, etwas sehr dünn, vielleicht die Umstellung auf das hiesige Trockenfutter?). Am Bahndamm: muss es denn sein, dass sich ausgerechnet auf unserer Höhe gleich zwei lärmende Güterzüge begegnen? Danach noch ein ICE. Und Takai: Die Ruhe selbst! Die Treppe: Naja, ein bisschen Hilfe braucht er schon noch. Aber drinnen das Ritual „warte“ (ich muss die Außentür schließen) befolgt er sehr brav. Seine Rennerei auf seinen Platz ist hinderlich – noch an der Leine, rutscht er auf dem Linoleum aus…. Heute: H….! und ich war neun Stunden weg! (Saudumm: Bahn / Bus – und mit
Fahrrad…). Aber er liegt brav in seiner Ecke – tut ihm diese „Entlastung“
meiner Anwesenheit vielleicht gut? Aber so lang sollte es nicht werden! Heute stelle ich ihm den voll gefüllten Napf hin. Warten wir mal ab, was sich heute im Dunkeln tut. Gestern Nacht musste ein klein wenig Tapete dran glauben. 28. August 2008 Die Treppe hinunter und wieder hinauf geht jetzt ohne große Unruhe (beim Hineingehen wartet Takai jetzt schon „routiniert“, bis die Tür geschlossen ist. Wir dürfen noch einigen Unfug erwarten: er hat in seiner Ecke schon mal die Tapeten ein wenig heruntergeholt. Über Nacht war der vollgefüllte Futternapf gut zur Hälfte geleert (so weiß ich nun etwa, welche Menge er braucht, um satt zu werden). Erster Rundgang heute etwas früher (ich muss danach weg), Takai war von
dem blanken Ding mit Auge (Kamera), das auf ihn gerichtet war, etwas
irritiert.
Und noch eines: Takai begreift, das Anlegen seines Geschirrs hat sein Gutes: er sträubte sich nicht mehr so sehr, auch meine Nähe macht ihm kaum etwas aus – es gibt ja immer eine schmackhafte Belohnung.
29. August 2008 Ganz früh waren wir draus, die „große Runde“ gehen. In der Pause machte
Takai sofort „sitz“ und das gleich zweimal! (Naja, die Forderung nach
Leckerli war sehr deutlich in seiner ganzen Haltung abzulesen). Nun
versucht er zeitweilig neben mir zu gehen. Zurück ins Haus, duldet er
Nähe, ein wenig Kraulen und nimmt Leckerli aus der Hand. Da habe ich entdeckt: Takai mag etwas schneller gehen, fällt in einen
kleinen Trab – und das geht leichter und lockerer, wenn er vorauf geht. (Herrjeh
– und ich laboriere noch mit dem linken Bein, wenn sich das erst bessert,
werde ich wieder mühelos den geschwinden Schritt gehen können). Heute abend ging es mal wieder die Schulstraße – und noch ein Stück weiter
– hinauf. Ein kleiner Seitenweg an einem Maisfeld entlang, am Ende eine
geruhsame Viertelstunde. Takai macht Sitz – diesmal war er gar nicht auf
seine Belohnung aus. Schnuppert herum, frisst Gras, kommt näher an mich
heran. 30. August 2008 Das nächtliche Fressen blieb nicht auf den Napf beschränkt: Takai macht sich weiter an den Tapeten zu schaffen. Nun, solange er den Schrank nicht anknabbert. Seine Decke hat er zerwühlt, der Napf ist weit verschoben; Takai richtet sich ein – zuhaus! Und neue Abenteuer! In unserer Pause kommt ein großer Rottweiler-Rüde mit Herrchen vom
Spaziergang und bellt großmächtig. Takai steckt es gut weg. Nur als ich
ihn an mich danach heranziehe, gerät er in Panik. Ich setze mich durch,
und er bekommt „Zwangsleckerli“: Frolic mit Käse! Zurück auf dem Hof: Riesenaufregung! Die neuen Mieter sind da, Auto direkt
vor der – immer noch schwierigen Treppe, drei Hunde bellen wie verrückt,
dazu kommt Herrchen um die Ecke und brüllt die Hunde – natürlich erfolglos
– zur Ruhe. Und ich sammle hernach die Tapetenreste ein: Takai, wenn du die nicht frisst – du bist doch kein Vogel oder keine Maus, Dir ein Nest zu bauen, oder? Abends ist Monika da und bleibt über Nacht. Wir diskutieren recht laut. Das ist dem Kleinen ungewohnt – und er nimmt zwar Wasser, irgendwann, rumort auch an der Wand – aber am Morgen ist sein Napf unberührt. Monika meint, ich könnte ihn ja mitnehmen zu ihr – sie ist ein
ahnungsloser Engel: Dass wir das Einsteigen in ihr Auto werden trainieren
müssen und dass er den Innenraum dann mit uns teilen lernt, nicht zu reden
von gemeinsamen Fahren – und die Orientierung in einem ganz anderen Haus…. 31. August 2008 Früh an diesem sonnigen Morgen gehen wir los: Geschirr anlegen, ganz freiwillig durch den Flur, ruhig die Treppe hinunter – der Löwe wird sicherer, wie gut für ihn. Nach der Pause an der Moorhalle eine Herausforderung an ihn („sitz“ ist ja nun „normal“, da erwartet er gar keine Belohnung): Es geht eine lange Treppe hinauf zur Bahnbrücke und da muss Takai den ersten kleinen Absatz nehmen. Panik! Aber dann, mit entschiedenem Ziehen, geht’s doch ganz ordentlich; und die paar Stufen wieder hinunter sind nur noch ein kleines Problem… Als Monika nach dem Frühstück fort ist, werde ich von Takai wieder „verfolgt“ (schade, die Kamera mag er gar nicht, so kann ich keine guten Fotos machen): Er schaut nach mir im Schlafraum und kommt auf dem Flur hinter mir her, wo ich bastele. Neugier: Er schaut und riecht hier und da – sucht aber sichtlich meine Nähe (ich stehe mit dem Rücken zu ihm). Als ich mich setze, wagt er sich bis auf einen halben Meter heran, ganz ohne ein Leckerli-Angebot. Dackelt auch wieder in Richtung Ecke; als ich vom Flur zurückkomme, gehen wir vorsichtig aneinander vorbei – er schaut noch mal in den Flur während ich ins Wohnzimmer gehe. Dahin folgt er mir nicht; einer, der nur sitzt und schreibt, ist nicht so interessant….. 1. September 2008 Da sitze ich und schreibe - Takai nutzt die Zeit draußen und frisst Gras und geht die Wege nun häufig „der Nase nach“: Neue Abenteuer, die vielen Gerüche! Das hat er doch noch nicht trainiert, oder? (Ich muss wirklich
nachfragen!) 2. September 2008 Ja, was mag im Kopf so eines Hundes vorgehen? Er sucht – jedenfalls bei
unseren Spaziergängen – immer deutlicher Nähe, stupst mich sogar einmal
mit der Nase an meine Hand. Heute sind wir die ganze Treppe hinaufgegangen; es war schon anstrengend für ihn, immer wieder sträubte er sich – aber dann, oben angelangt, nahm er doch ein Stückchen Streifen, mit etwas Nachhelfen. Sehr schön. Nun werden wir die Treppe auch einmal abwärts gehen müssen. Was findet er nur an meinem Schlafraum? Wenn ich darin werkele, schaut er immer wieder neugierig um die Ecke; nur wenn ich ihn entdecke dabei, trollt er sich erst einmal wieder auf seinen Platz. Das Wohnzimmer ist ihm heute etwas verdächtig. Tagesform? Oder was könnte
ihn irritieren? Leckerli direkt an der Tür ist schon verlockend – er
schafft es nach mehreren Anläufen, es sich zu holen, sehr vorsichtig, sehr
scheu. 3. September 2008 Vorsichtig pirscht Takai sich ins Wohnzimmer, als ich beim Morgenkaffee
lese. Schnuppert herum (naja, ein paar Stückchen Fleischstreifen machen
ihm das Wiederkommen angenehm – denn wenn ich ihn anspreche, trollt er
sich erst einmal wieder in die Küche). Morgen-Ausflug – da geht er jetzt
ganz allein vom Platz und ruhig die Treppe hinunter; wir gehen die „große
Runde“ – und er bewältigt die große Treppe, dicht hinter mir, recht gut. Heute blieb er wieder länger allen (Mittwoch-Training) – die Spur mit
Leckerlis ins Wohnzimmer hatte er diesmal bis in „gewagte“ Ecken verfolgt.
Als ich nach Haus kam – ganz NEU: Takai bekommt einen Fleischknochen!
Schnuppert auch gleich dran, leckt dran, aber Monika ist mitgekommen, das
irritiert ihn. 4. September 2008 Zuhaus ist er sichtlich auf Leckerlis aus (es ist schon fast betteln). Die muss er sich aber aus dem Wohnzimmer holen, richtig aus der Mitte des Raumes. Ach, es ist ja so schwer, wenn ich da sitze! In seiner Ecke fühlt er sich entschieden sicherer: lässt sich kraulen (+ Leckerli); irgendwie angenehm…. Wenn nur der große Mensch nicht so dicht bei ihm wäre! Aber von Stress keine Spur – er nimmt die Stückchen von Fleischstreifen (fast) ohne Zögern aus meiner Hand. Nach der Nachmittagsrunde – ganz neu: ich mache ihn an der Langleine in meiner Nähe fest und erledige Außenarbeiten (Holzschutz auf Fenster und Pfosten). Das interessiert ihn – nur wird er wohl nie begreifen, was ich da treibe und wozu es gut sein soll. Irgendwann scheint mir, will er lieber wieder ins Haus, geht ganz von sich aus die Treppe hinauf. 5. September 2008 “ganz große“ Runde heute Nachmittag: Ich werde verfolgt! Takai ist sehr neugierig, was ich so treibe im Haus. Trottet immer hinterher (mit Abstand); schaue ich nach ihm, dreht er oft ab in seine sichere Ecke. Aber immer öfter bleibt er auch stehen, unser Abstand verringert sich allmählich, allmählich … (wie werde ich glücklich sein, wenn er zu mir kommt, irgendwann…). Erst einmal schwingt bei ihm aber meist das Interesse an Leckerli mit. Vielleicht verwöhne ich ihn damit zu sehr, ohne viel zu fordern? 6. September 2008 Heute also war die „große Treppe“ abwärts dran: Brav dackelte Takai sie
hinunter, ich merke, das alles macht er mit viel Vertrauen in mich, ich
gebe ihm seine Sicherheit. Ach! Und an der Moorhalle, gleich nachdem er
seine Aufgabe bewältigt hat, viele Menschen, sie bereiten das Bosseln vor.
Da wird’s dann doch etwas eng. Aber er macht „sitz“ und „platz“: Das gibt
ihm ein Großteil seines Selbstbewusstseins zurück ("das kann ich!“). Monika drängt auf Fellpflege: Der Hund muss gebürstet werden! Sie hat extra ein Set dafür gekauft (und Gottseidank erst einmal zu Hause gelassen). Ich habe ja selbst so was, vielleicht etwas zu klein für das dicke Löwenfell. Aber bevor Monika ihn womöglich mit ihrer Ungeduld verschreckt, versuche ich es, als wir „unter uns“ sind, vorsichtig mal allein: Ach nee- das ist nun wirklich zuviel! Er weicht aus seiner Ecke aus Richtung Wohnzimmer, sichtlich verstört. Nein, dann lassen wir das erst einmal, bis er meiner ganz sicher ist (und im Moment ist sein Fell auch ungebürstet ganz in Ordnung). 7. September 2008
Danach am Weg ein alter Mensch, ich rede mit ihm ein wenig; er spricht Takai an, der hält es ganz gut aus. Kein Stress, nur große Vorsicht. Ich merke, die Leckerlis werden weniger inflationär angeboten und mir scheint, sie sind unterwegs auch weniger interessant als die vielen Gerüche – Takai gebraucht oft und eingehend seine Nase – und ich lasse ihm die Zeit dazu, in den kleinen Pausen. Im Hause: Takai traut sich nach wie vor nur ganz, ganz vorsichtig ins Wohnzimmer, wenn ich darin bin (die ausgelegten Fleischstreifen-Stückchen sammelt er in Windeseile ein, sobald ich kurz hinausgegangen bin). viele Fragen, die ich noch habe: 8. September 2008 Da hatte ich noch einen Rest von einem Schinkenknochen: den, denke ich, teilen wir uns, Schnippel für mich für die Bechamel-Sauce – Schwarte und den Knochen für Takai (na ja, ein bisschen Schinken blieb auch noch dran). Takai putzt alles weg, der Knochenrest war sauber abgenagt. 9. September 2008 Die Wasserschüssel ist völlig leer. Aus T. bringe ich also frische Knochen für ihn mit – ungesalzen! Den ersten bekommt er gleich – und der beschäftigt ihn gut. Er wird also ein richtiger Hund! Mit der „großen“ Treppe hat er heute wieder seine Schwierigkeiten: läuft vorweg und strebt gar zu heftig nach oben. Runter will ich es ihm heute nicht zu schwer machen und gehe voran. So stapft er vertrauensvoll hinter mir hinunter. Und den Weg nach Haus geht er wieder munter. Ins Wohnzimmer traut er sich gar nicht; da trocknet der Teppich…. Wie sage ich dem Löwen: „Es war mein Fehler…?“ 10. September 2008 Diesen spätsommerlichen Morgen gehen wir einen ganz langen Weg, die
Schulstraße hinauf und durch die Windräder in den Feldern ins Unbekannte. 11. September 2008 Als ich mich im morgendlichen Erwachen rege, höre ich Takai kurz „kujehnen“:
Muss er raus? Kann eigentlich nicht sein, wir waren gestern abends noch
unterwegs (und salziges bekommt er bestimmt nicht mehr!). Ist es Ungeduld?
Will er ins Schlafzimmer und traut sich nur nicht? Nun liegt er in der Küche und behält mich im Blick. Seine Ecke ist nun nicht mehr sein Daueraufenthalt. Dorthin zieht er sich auf jeden Fall zurück, wenn ich den Raum betrete, erfreulich, dass er das nicht mehr ganz so eilig und panisch tut. Der absolute Knüller: Ein Stückchen gekochte Dicke Rippe, das ich von
meinem Teller aussondern musste: Takai kommt dafür glatt ins Wohnzimmer,
und bleibt eine ganze Weile, hoffend auf mehr. Aber zum Betteln wollen wir
ihn nicht erziehen. Es bleibt bei der einmaligen Spende. 12. September 2008 Takai legt unterwegs lange Schnüffelpausen ein. Ich mache ihn mit meinem Fahrrad bekannt; da ist er noch recht skeptisch.
Er wird es schon lernen. 13. September 2008 Große Schnüffelrunde heute früh. Angeleint bleibt er mit mir draußen, ich rupfe etwas Unkraut, an diesem kühlen Morgen – da schaut er sehr interessiert zu. (Er wird solches Tun niemals begreifen…) Drinnen, in seiner sicheren Ecke, geschieht ihm wieder etwas Neues: Ich
habe in seinem Fell Anfänge von Filz entdeckt – also muss es sein (erste
Versucht vor zehn Tagen lösten Flucht aus, aber da versuchte ich es auch
in den Flanken). Jetzt bürste ich seine Mähne um seinen Kopf herum, auch
dicht am Ohr. Er lässt es über sich ergehen, wobei wohl, wieder einmal die
Nähe des großen Menschens bedrückender ist, als das Striegeln und Bürsten,
eher scheint es ihm angenehm. Spätnachmittags, ich bin nur für einige Minuten draußen, finde ich im
Wohnzimmer die Bescherung: Takai konnte (Durchfall) sich nicht halten.
Etwas unglücklich, wie mir scheint, liegt er in seiner Ecke. (Möglich, er
fühlt so etwas wie Schuldbewusstsein, eher wohl ist es ihm unangenehm, das
Malheur in seiner Nähe zu wissen oder ihn plagt Bauchgrimmen?). Ich streue
Holzasche drauf, die ich morgen wegkehren kann. Der (rosa!) Teppich liegt
als Testteppich – schlimmstenfalls schmeiße ich ihm raus (was ich später
ohnehin beabsichtige). Und so lerne ich, was Takai gut tut und was wir
besser bleiben lassen sollten: Frische Fleischknochen? Gekochte Rippe
(immerhin gewürzt), Reste von Schnittkäse, so wenige es auch waren? Ich
muss es herausfinden – erst einmal ist sein Trockenfutter ausschließlich
angesagt. Monika will in einer halben Stunde kommen; so gehen wir vorsorglich am frühen Abend noch einmal raus; wir bleiben auf dem Gelände – und Takai kann überall streunen und schnuppern, er tut es ausgiebig: An einigen Stellen ist das hohe Gras niedergetreten, an den Rändern scheinen sich „Ortsfremde“ gelagert zu haben. Ich muss richtig stellen: Das Getier, welches immer, ist in dieser kleinen Wildnis ja heimisch. Takai jedenfalls erschnüffelt sich deren Spuren. Monika verspätet sich, durchaus erwartet. So üben wir noch etwas mit dem Fahrrad: Eng darum herumzugehen fällt ihm
schwer, brav folgt er mir zunächst, versucht, kaum ist die „Gefahr“ nicht
mehr nahe, auszubrechen. Er verheddert sich in der Leine. So gern ich ihm
helfen wollte („austüdeln“) – wir verstehen einander nicht, trotz
beidseitigem heftigen Bemühens. 14. September 2008 Hinaus in die Felder, in die frühe Sonne: und Takai zeigt pure Lebensfreude, rennt über die Grasstoppeln (ich renne mit) und er trägt die Rute steil oben! Es wärmt mir das Herz! Nachmittags, zuhaus: Monika macht energisch Hausputz…. Wenigstens dem Staubsaugen können wir durch einen Ausflug entkommen. Drinnen: Takai verdrückt sich zu mir ins Wohnzimmer, nimmt sogar Leckerli aus meiner Hand und legt sich in meiner Nähe nieder. 15. September 2008
Heute morgen – Takai stapft frohgemut über das Stoppelfeld, die Rute oft
ganz oben. Dann (da hatte ich vor Tagen einen Hund gesehen, der in der
Nähe wohnen muss) eingehendes Schnüffeln – ich lasse dem Kleinen alle
Zeit. Mir geht durch den Kopf: Wir leben ja allein miteinander; was geschähe, wenn mir unterwegs etwas passierte? So werde ich zu meinen wichtigen Informationen, die ich für solchen Fall mit mir führe, den Hinweis fügen, dass der Hund betreut werden muss. Große Beruhigung für mich ist, dass ich die Adresse unserer „Nordlicht“-Freunde angeben kann! Na, Takai hat wieder etwas Durchfall (Knochen von der Lammkeule?). Also:
Rechtzeitig abends noch mal raus- aber es hat sich beruhigt. Takai hatte
sich zuvor auf der Wiese Hasenköttel, ganz frisch, zu Gemüte geführt. War
wohl richtig, ihn zu lassen. Hier endet der erste Teil von Takais Tagebuch, der uns mit diesen Zeilen übersandt wurde “ Guten Tag, Ihr lieben Nothelfer! Bevor die Texte weiter anschwellen, Ich glaube, jetzt wird mein Tagebuch etwas weniger umfangreich werden : 23. Oktober 2008 Guten Tag, liebe Freunde - habe ich mich schon "verdächtig" gemacht, so
lange nicht mehr berichtet zu haben? Wenn wir morgens - nun kommen die Temperaturen Takais Fell entgegen -
unsere Rundgänge machen, kann ich immer nur denken: Die Siebenjährige Nachbarstochter möchte Takai so gern einmal knuddeln. Ich habe sie vertröstet - durchaus nicht grundlos : Immer, wenn wir bei ihr vorbeikommen und sie treffen, wird er sie mehr kennen - und dann wird's schon werden. Was sagt der Fuchs in "Der Kleine Prinz" von Exupery? Ganz herzliche Grüße Zwei Monate ist Takai nun bei mir - und wie hat er sich entwickelt“ Er ist nicht mehr der ängstliche Kleine: Trabt mit hoch erhobener Rute seine Wege, schnüffelt in jede Hofeinfahrt, und hinterlässt, wo nötig, seine Duftmarken. So er mich nicht dringend zum Ausgehen auffordert, wenn ich morgens etwas zögere, kommt er auf mich zu, voller Erwartung, Ohren spitz, die Augen aufmerksam auf mich gerichtet, sobald ich mich anziehe. Sein Schlafplatz ist nun im Wohnzimmer, oft auch tags, wenn ich am Schreibtisch sitze. Völlig entspannt schnarcht er mitunter, oder er träumt unter leichtem Bellen, wie es den Hunden eigen ist, seine Pfoten träumen mit ihm vom Laufen… Noch immer bleibt seine Ecke sichere Zuflucht: Dort lässt er sich bereitwillig wie auch ungeduldig anleinen, streckt den Kopf für das Brustgeschirr vor, hebt die Pfote links und rechts – und lässt sich kraulen, genießt es jetzt ganz angstfrei. Treten wir nach draußen, inspiziert er zuerst die Spuren der beiden Artgenossen aus der oberen Wohnung um danach entschlossen das Grundstück zu stürmen, ich komme kaum so schnell hinterher“ Die Nachbarshunde kennen wir nun alle recht gut: „Stummel“ von gegenüber, der, klein und fröhlich, beschnuppert wird; „Purzel“, den Foxel an der Hauptstraße, der sein Kläffen nicht seinlassen kann, doch neugierig wedelnd an den Zaun kommt. Die großmächtige Dogge am Ende der Schulstraße: Tieftönendes Gebelle – und nimmt Reißaus, als Takai ganz unbeeindruckt Kontakt sucht. Schließlich am Ende der Jägerstraße – vom Hof (mit Ziege, Gänsen, einer Heidschnucke und einigen Glucken mit ihren Küken) kommt ein ganz großer brauner Hund: Die Begrüßung ist beiderseits überaus freundlich. Anfangs zieht Takai an der Leine voran – das lässt er, je länger wir unterwegs sind, bis er am Ende lieber hinter mir hertrabt. Bleibe ich zu einem längeren Klönschnack mit einem Nachbarn stehen (eine ganz neue Erfahrung – fuhr ich doch sonst an den Gehöften vorbei!), so setzt er sich, lässt uns nicht aus dem Blick, bis er ungeduldig zu Jienen anfängt…. Mit seiner Leine gehen wir beide recht routiniert um: Hält er plötzlich zu intensivem Schnüffeln an, kürze ich sie zu Schlaufen ein, so vertüdelt er sich nicht im Weitergehen oder wenn er gar losrennt. Takai liebt die Gräben, ich gebe ihm gern nach, lasse die Leine lang, meist stürmt er heftig ziehend wieder heraus, es liegt so viel Lebenslust darin, so mag ich ihn nicht bremsen. Das „Austüdeln“ besorgt er meist selbst: Dreht sich einmal herum oder hüpft elegant, so ganz nebenher, aus der kleinen Falle heraus; und wenn es denn nicht gelingt, setzt er sich, meine Hilfe erwartend und hebt die Pfoten, ganz unaufgefordert, wo es nötig ist. Wie viel Vertrauen hat der Kleine doch! Ich fürchtete schon eine Katastrophe: „Shiwi“, die so schlecht erzogene Nachbarshündin (sie war seine erste Bekanntschaft, wir erinnern uns), wurde an ihrer Leine ausgeführt, lief auf uns zu; demutsvoll leckte sie Takai das Maul – es war damals also nicht der restliche Schmelzkäse –und forderte ihn herumspringend zum Spielen auf; Takai tat mit – und am Ende waren die beiden Langleinen heillos miteinander verheddert, und er war kreuz und quer umschlungen, ich fürchtete Panik. Aber nicht doch: Takai, ganz ruhig, legte sich hin, und ließ mich minutenlang alles entwirren, für die zerrende Shiwa hatte er gar nichts übrig (menschlicher Maßstab wäre wohl Verachtung – da täten wir dem Tier aber gewiss Unrecht). Und wie war das gestern? Wie gut er versteht: Will er an irgendeinem „verdächtigen“ Plastikrest riechen, genügt ein leises „Nein“, unterstützt vielleicht von einem ganz sanften Ziehen an der Leine – sofort lässt er ab. Zwei Male, etwas deutlicher „NICHT AUF DIE STRASSE“: seither schnuppert er bis an deren Rand, ohne die weiße Fahrbahnabgrenzung wieder zu übertreten. Im Übrigen sind Autos, große Lastwagen, Trecker kein Problem für ihn. Und wenn es mit einem Unbekannten oder mehreren Radfahrern mal eng wird für ihn, setzt er sich, sieht vertrauensvoll auf mich, und ich kann ihm Sicherheit bieten. Wie wünsche ich diesem kleinen, schlauen Hund, dass er einmal wird ohne Leine und frei gehen und springen können! Fleischknochen werde ich ihm erst einmal nur sehr wenig geben können; Takai bekommt davon Durchfall. Das Wohnzimmer ist nun sein Schlafplatz und so ging er deshalb nächstens weit hinaus auf den Flur. Erste Hilfe: Asche aus dem Kamin, später Erde aus dem Garten drüber – da liegen ja Fliesen, von denen alles leicht zu entfernen ist. Aber was macht Takai? Fischt sich aus dem Kamin ein Stück Holzkohle und frisst sie!! Ich erinnere mich, in meiner Kindheit in solchen Fällen Kohle bekommen zu haben. So habe ich jetzt eine Packung aus der Apotheke besorgt (die Apothekerin wunderte sich, so was nähme sonst niemand mehr). Nach Beipackzettel bekommen Kinder zwei Tabletten am Tag – für Takai also werden eineinhalb gut sein, denke ich. Und ich werde nur noch Markknochen kaufen für ihn: damit beschäftigt er sich viel länger, bis sie ganz aufgegessen sind – und er verträgt sie besser. Einzig im geschlossenen Raum ist Takai noch ganz unsicher, flüchtet in seine Ecke, wenn ich aufstehe, mag auch nicht ganz an mich herankommen und sich anfassen lassen. Und auch nach einem zweiten Training ins Auto einzusteigen, bleibt seine Angst, vorerst. Dabei müsste er (da stelle ich Ansprüche an seine Schlauheit!) doch schon wissen: „AUTO – RÜCKSITZ – SCHMELZKÄSE: GUT“. Na gut, üben wir noch…. Ach ja: er kann jetzt Pfote geben. Nur sieht er dabei etwas unglücklich drein. Ich verstehe das –irgendwie finde ich die Übung auch peinlich. Nur: was soll ich ihm jetzt beibringen? 14. Juni 2009 Nun muss ich doch mal berichten : Takai läuft o h n e L e i n e! Hier einige Fotos.
Er bewegt sich frei, ohne Einzäunung, und kommt problemlos nach einem Ausflug zurück. Solche "Alleinjagd" geht natürlich nicht, zum einen ist während der Schonzeit Leinenzwang, zum anderen käme ich bei gemeinsamer Jagd mit dem schnellen Kerlchen nicht mit. Und in seiner Erziehung bin ich noch nicht so weit, dass er auf die Aufforderung "Komm her" unbedingt und in jedem Fall garantiert zurückkäme.
Mit ihm unbekannten Menschen ist er noch immer sehr zurückhaltend (sehr zum Kummer der Nachbarskinder, die ihn so gern mal streicheln wollen - aber er ist ja kein Teddybär), aber Leckerlis kann er kaum widerstehen, und nimmt sie - bei Nachbar/innen , und Postbot/innen aus der Hand. Peter Brückner |