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Teddy – eine Odyssee
falscher Tierliebe ?
In Spanien wurde eine Tierschützerin auf Teddy aufmerksam, der dort unter
katastrophalen Bedingungen lebte. Der Besitzer war sofort bereit Teddy
abzugeben. Die Tierschützerin bereitete alles für den Flug vor
(Kastration, Impfung etc.) und organisierte eine Pflegestelle in
Deutschland.
Die Schwierigkeiten begannen umgehend, da die bereits vorhandene Hündin in
der Pflegestelle Teddy nicht sofort akzeptierte und dieser sich zur Wehr
setzte, wenig tolerant auch durch seine mittlerweile entzündete
Kastrationswunde. Dies spielte keine Rolle, Teddy musste die Pflegestelle
umgehend verlassen.
Die Tierschützerin nahm Teddy für eine Nacht zu sich nach Hause. Am
nächsten Tag wurde Teddy von ihr in einem Tierheim als Pensionshund
abgegeben. Etwa zwei Wochen verbrachte Teddy dort, dann wurde er im Mai
dieses Jahres mit der Aussage, er sei ein völlig unkomplizierter, gesunder
Hund von der Station Nord in eine Pflegestelle übernommen.
Als Teddy bei uns in der Pflegestelle Verhaltensauffälligkeiten zeigte
(starke plötzlich auftretende Unruhezustände, einkoten und einnässen in
sämtliche Polstermöbel ) führten wir dies auf den Stress der vergangenen
Zeit zurück. Doch es sollte noch schlimmer kommen!
In der Nacht, aus dem Tiefschlaf heraus, erlitt Teddy einen "grand mal"
Anfall (Form der Epilepsie – Symptomatik: Bewusstseinsverlust,
tonisch-klonischer Krampf, einnässen und einkoten), nach 6 Stunden folgte
ein weiterer Anfall, drei Stunden später der dritte. Auf Grund der
ausgeprägten Epilepsie wurde Teddy medikamentös eingestellt. In der
Einstellungsphase des Antiepileptikums ( Mylepsinum ) wurde Teddy von
ausgeprägten Unruhezuständen gepeinigt, die teilweise unerträglich waren.
Aber......die Anfälle waren vorerst unterbrochen. Nach einer Rückfrage bei
der zuständigen Tierschützerin (die bei Teddys Vorbesitzer Informationen
einholen wollte) erfuhren wir, dass Teddys Erkrankung bekannt war.
Weiterhin erwähnte die Tierschützerin, dass sie, in der einen Nacht, die
Teddy bei ihr verbracht hatte, ihm auf Grund seiner Unruhezustände (ohne
tierärztlichen Rat einzuholen) ein Beruhigungsmittel verabreicht hatte.
Unglaublich - die neuen Erkenntnisse machten uns klar, dass wir von einer
lang bestehenden ausgeprägten Epilepsie ausgehen mussten und dass die
Unruhezustände auf eine durch die Anfälle ausgelöste Hirnschädigung
deuteten.
Nachdem Teddy eine Vertrauensebene zu uns als Pflegefamilie aufgebaut
hatte, haben sich, Gott sei Dank, die quälenden Unruhezustände gebessert.
Teddy hatte seine Verlustängste abgebaut, liebte lange Spaziergänge mit
seinem Menschen- und Hunderudel, sprang mit Freude in seinen “Camper“, mit
dem er fast jedes Wochenende zu neuen Abenteuer unterwegs war.
Im Juli ging es ab nach Köln, zur Sendung “Tiere suchen ein Zuhause“.
Teddys Vorstellung löste eine Riesennachfrage von Interessenten aus. Das
bedeutete Telefonate über Telefonate, fast 3 Stunden täglich. Aber
leider........ Mitleid war nicht angesagt, damit war Teddy auf keinen Fall
geholfen. Fakten zählten, es war abzusehen, dass kein neues Rudel für
Teddy in Frage kam, da die Schwierigkeiten, die Teddy in sich trug, keiner
in der Vollkommenheit tragen konnte.
Die medikamentöse Therapie reduzierte die Anfälle auf Zeitabstände von 4
Wochen, im Oktober konnten wir sogar von 8 Wochen berichten.
Im Laufe des Jahres meldeten sich immer wieder Interessenten, aber auch
nach persönlichen Hausbesuchen mit ausführlicher Verhaltensberatung war
keine Vermittlung möglich. Wir als Pflegestelle waren uns darüber im
Klaren, dass Teddy wohl dauerhaft bleiben würde.
Nachdem Teddy sich weiterhin stabilisiert hatte, kam wie ein Donnerschlag
die grausame Erkenntnis, dass Teddy seinen unaufhörlichen Kampf gegen die
Erkrankung verloren hatte.
Plötzlich traten so heftig aneinander gereihte Anfälle auf, die in dieser
Form für Teddy nicht mehr zumutbar waren. Sie stellten uns vor eine
Entscheidung, die uns angesichts seines Alters von nur 6 Jahren und seiner
katastrophalen Vorgeschichte, unglaublich schwer viel.

Am 02.11.04 ist Teddy über die Regenbrücke gegangen.
Die Odyssee ist zu Ende. Wir sind sicher, dass Teddy in Wulfstorf zur Ruhe
gekommen ist, war es doch der Ort, in dem er fast jedes Wochenende in
seinem“ Camper“ gedüst ist, um neue Abenteuer zu erleben.
Fazit: Bei jeder übernahme, vor allem aber der von Auslandstieren, die u.U.
eine lange belastende Reise vor sich haben, sollte der Tierschützer vor
Ort einen besonderes Augenmerk auf gesundheitliche Probleme oder
Verhaltensauffälligkeiten legen und diese noch vor Ort erfragen bzw.
abklären und die Ergebnisse als Grundlage für jede weitere Hilfe nehmen -
Mitleid alleine reicht nicht, um effektiven Tierschutz zu machen.
Corinna Harders
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