| Adipositas
(Fettleibigkeit)
Überflüssige Pfunde sind nicht gleich überflüssige Pfunde, medizinisch
wird es vor allem dann problematisch, wenn zum Idealgewicht mehr als 15 %
dazu kommen, denn hier liegt die Schwelle zwischen Übergewicht und
Fettleibigkeit. Hat Ihr Hund also bei 20 Kilogramm sein Idealgewicht,
steht er mit 23 Kilogramm schon an der Grenze zum krankhaften Übergewicht
und allen damit verbundenen Folgen.
Die Zahl der zu viel wiegenden Haustiere steigt seit Jahren konstant an,
waren es einmal 20 -30 %, ist heute schon fast annähernd jedes zweite
Haustier betroffen. Untergewichtige Hunde sind in Deutschland fast nur
noch als Tierschutzfälle zu verzeichnen.
Bei den Nordischen ist es des Felles wegen mitunter nicht ganz einfach,
auf den ersten Blick abzuschätzen, ob ein Hund unter-, normal- oder
übergewichtig ist. Hilfreich ist oft, mit den Händen zu erspüren, was das
Haarkleid verbirgt.
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dünner (unterernährter) Hund Rippen, Taillenwirbel und
Hüftknochen sind leicht zu ertasten, Fett kann nicht ertastet
werden.
Taille und Bauchbereich sind deutlich eingeengt, die Hüftknochen
stehen heraus
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idealgewichtiger Hund Rippen können noch ertastet
werden, sind aber nicht sichtbar.
Taille ist sichtbar, wenn der Betrachter von oben herab auf den
Rücken des Hundes sieht. Der Bauchbereich ist leicht angehoben.
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Übergewichtiger Hund
Rippen können unter einer deutlichen Fettschicht ertastet werden.
Taille ist von oben nicht mehr sichtbar. Bauchfalte ist nicht mehr
sichtbar.
kleine Nackenrollen können gesehen /ertastet werden
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Adipöser (fettleibiger) Hund
Rippen sind schwierig unter einer
deutlichen Fettschicht zu ertasten. Fettschicht überzieht die nicht
sichtbare Taille und den Schwanzansatz deutlich.
Deutliche Nackenfalten sind zu sehen, Bauchfalte nicht mehr zu
erkennen, deutlicher Hängebauch sichtbar.
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In der Natur ist das Anlegen von Fettreserven im Körper
notwendig, mit dieser „Reserve“ sollen Zeiten mit schlechter
Nahrungslage überbrückt werden. Da der heutige Haushund nicht mehr
seines Futters wegen jagt und abhängig ist von Erfolg oder Misserfolg
der Jagd, sind diese Fettreserven nicht notwendig.
Der normal gewichtige Hund hat einen Körperfettanteil zwischen zehn und
zwanzig Prozent. Beim übergewichtigen Hund, dessen Körpermasse durch
Fettgewebe aufgestockt ist, kommt es zu einem Fettanteil von bis zu
vierzig Prozent.
Übergewicht oder Fettleibigkeit entstehen nicht von heute auf morgen,
die Suche nach der Ursache für eine unerwünschte Gewichtszunahme des
Vierbeiners sollte daher bereits am Anfang des „Zulegens“ beginnen und
nicht erst, wenn gesundheitliche Folgeprobleme auftreten. Die häufigsten
Ursachen sind:
Ernährungsfehler
oder in harten Worten ausgedrückt der Mensch, der füttert. Grundsätzlich
sollte innerhalb des Haushaltes eine Person die Ernährung des Hundes im
Blick haben. Wenn bei mehreren Haushaltsmitglieder jeder verabreicht,
was er denkt, führt dies oft zu einer viel zu hohen Kalorienzufuhr, der
Hund wird dick.
Zuviel erhalten häufig auch Hunde, die mit Trockenfutter ernährt werden.
Dies liegt meist daran, dass es „wenig“ aussieht, was da laut
Fütterungsempfehlung des Herstellers in den Napf darf. Das Wenige ist
jedoch ganz schön konzentriert, denn das Futter enthält kaum
Feuchtigkeit – wer Trockenfutter schon mal mit Wasser hat quellen
lassen, der hat eine Vorstellung davon, zu welcher Menge es im Magen
eines Vierbeiners aufquillt. Der Magen verfügt über kein starres
Mengenvolumen, das er aufnehmen kann, sondern er lässt sich
„trainieren“, die Magenwand dehnt sich, das Sättigungsgefühl tritt immer
später ein.
Übrigens sind die Mengenempfehlungen der Hersteller nur
Orientierungshilfen, die je nach Stoffwechsel und Aktivität des
gefütterten Vierbeiners angepasst werden sollten. Fast alle Hersteller
bieten unterschiedlich gehaltvolle Futtersorten an, von faserreicher
Diät bis hin zum Hochleistungsfutter, hier gilt es, etwas zum Hund und
seiner Situation passendes auszuwählen. Unterschiedlich energiereich
sind auch Feuchtfutter, von denen in relativ kurzer Zeit eine erheblich
größere Menge an Futter aufgenommen werden kann als beim Trockenfutter,
da es besser „rutscht“.
Fressen sollte ein Hund an einem ruhigeren Ort erhalten und während der
Mahlzeit auch nicht gestört werden. Gerade futterneidische Hunde neigen
dazu, sonst sehr schnell und fast unzerkaut das Futter hinunterzuwürgen
und ihr natürliches Sättigungsgefühl durch die Stresssituation nicht zu
beachten.
Und nicht zuletzt: das Lecker, egal ob als Erziehungshilfe, Belohnung
oder kleines Extra, muss in die Ernährung mit eingerechnet werden – grad
Leckerchen sind manchmal wahre Kohlenhydrat- und Fettbomben.
Bewegungsmangel oder geringe Aktivität
Ob freiwillig, weil alt oder mit wenig Temperament ausgestattet oder
unfreiwillig, verletzungsbedingt an der Leine beispielsweise, wer sich
wenig bewegt, verbraucht wenig Energie. Fatal ist es, wenn über das
Futter mehr Energie zugeführt wird, als der Hund verbraucht.
Alter
Aktivität und Vitalität lassen bei älteren Hunden nach, das
Schlafbedürfnis steigt. Verringerung der Futtermenge ist hier eine
Maßnahme, der Umstieg auf ein Seniorenfutter, das weniger Energie zu
führt, dem Hund aber dennoch sein Sättigungsgefühl verschafft, eine
andere.
Kastration
Dieser medizinische Eingriff verändert den Hormonhaushalt eines Tieres
und bei vielen ist in der Folge der Stoffwechselprozess effizienter, der
Hund „verwertet“ das Futter besser. Auch dies lässt sich über die Wahl
der Futtersorte oder eine Verringerung der Futtermenge ausgleichen.
Genetische Disposition
Manche Rassen neigen ein wenig zur Fülligkeit, der beliebte Labrador
beispielsweise, aber auch Cain-Terrier, Cocker- und Cavalier King
Charles Spaniel.
Krankheiten
Eine Störung im Stoffwechsel- oder Hormonhaushalt kann zu Übergewicht
führen, Schilddrüsenunterfunktionen sind bei Hunden gar nicht so selten.
Das Gewichtsproblem lässt sich in diesen Fällen erst angehen, wenn die
eigentliche Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird.
Was aber nun tun, wenn der eigene Hund aus irgendwelchen Gründen
angesetzt hat oder der Second-Hand-Hund eigentlich mehr als einhundert
Prozent Hund ist? Am Anfang steht immer die Ursachenforschung, also
ergründen, wo der Ernährungsfehler oder das gesundheitliche Problem
liegt. Wichtig ist es auch, den Hund einmal zu wiegen, nackte Zahlen
sind eine bessere Ausgangsbasis für das weitere Vorgehen. Wenn Sie
nicht, weil Sie Ernährungsfehler ausschließen konnten, eh schon bei
Ihrem Tierarzt vorbeischauen müssen, sollten Sie dennoch in Erwägung
ziehen, sich von ihm zum Thema Abnehmen beraten zu lassen, vor allem
dann, wenn das Tier sehr viel Übergewicht hat, älter ist und
möglicherweise Grunderkrankungen bestehen. Abnehmen sollte sanft
erfolgen, grade bei sehr dicken Tieren, damit sich das Gewebe mit den
Ausmaßen zurückbilden kann und generell um Nährstoffmangel und ständigen
Hunger beim Hund zu vermeiden – nicht zuletzt wegen der eigenen Nerven,
denn wer möchte sich schon mit einem ständig bettelnden Hund
auseinandersetzen? Langsam abnehmen heißt in der Regel, dass Sie sich
auf einen Prozess von meist drei bis fünf Monaten einstellen müssen. In
dieser Zeit ist es wichtig, konsequent zu bleiben, den Hund regelmäßig
nachzuwiegen um den Verlauf der Bemühungen kontrollieren zu können und
für ausreichende Bewegung zu sorgen.
Abnehmen ist also ein Prozess, dessen Erfolg wesentlich in den Händen
des Tierbesitzers liegt. Aber lohnt sich dieser wochen-, monatelange
Aufwand? Dies kann nur jeder Einzelne für sich und sein Tier beurteilen,
rein medizinisch gesehen ist die Antwort ein klares „Ja“, denn
Übergewicht ist gesundheitsschädigend.
Gesundheitliche Risiken/ mögliche Folgeerkrankungen:
Organverfettung
Am häufigsten betroffen ist die Leber, ein lebenswichtiges Organ, das
eine entscheidende Rolle bei verschiedenen Stoffwechselprozessen im
Körper einnimmt. Die Einlagerung von Fett beeinträchtigt die Funktion
der Leberzellen (beispielsweise Entgiftung der Körpers), durch
übermäßige Fetteinlagerungen können Leberzellen sogar zu Grunde gehen.
Die Leber kann einiges an Schädigungen verkraften, werden diese aber zu
groß, kommt es zu Leberversagen, das Tier fällt in einen komaähnlichen
Zustand und verstirbt in Folge.
Auch am Herzen kann es zu Fettansammlungen kommen, nicht selten werden
dadurch auch andere Organe etwas verdrängt, wie beispielsweise der
vordere Lungenlappen. Der Herzmuskel nimmt durch das eingelagerte Fett
Schaden, muss darüber hinaus auch noch eine höhere Leistung erbringen,
da das Blut im Körper auch durch die zusätzlichen Fettschichten verteilt
werden will.
Herz-Kreislauferkrankungen
Das Herz eines dicken Tieres muss eine wesentlich höhere Leistung
erbringen als das Herz eines normal gewichtigen Tieres, denn das im
Körper eingelagerte Fettgewebe muss mitversorgt werden. Problematisch
wird dies bei bereits bestehender Vorerkrankung des Herzens bzw. mit
zunehmender Verfettung des Herzmuskels. Kann das Herz nur noch mit
verminderter Leistung arbeiten, kann es zu Stauungen kommen, die zu
Wasseransammlungen in der Lunge oder im Körper führen können.
Eingeschränkte Atemkapazität
Massive Fettdepots im Brust- und Bauchraum benötigen Platz, dieser steht
dann den Lungenflügeln zur Ausdehnung nicht mehr zur Verfügung, die
Lungenkapazität ist eingeschränkt. Der Hund ist durch die verminderte
Sauerstoffzufuhr weniger leistungsfähig, er ermüdet schneller (gerät
außer Atem, hechelt stark). Im schlimmsten Fall gelingt es dem Körper
nicht mehr, eine ausreichende Sauerstoffversorgung aufrecht zu erhalten,
es kommt zu einer Unterversorgung, die ihrerseits wieder
Stoffwechselstörungen nach sich zieht.
Erkrankungen des Verdauungssystems
Starke Fettpolster im Bauchraum können auch den Darm einengen und zu
Darmträgheit führen, Verstopfung, mitunter Gasbildung, ist die Folge.
Übergewicht kann auch zu einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse oder
Ausbildung eines Diabetes führen.
Degenerative Erkrankungen des Skelettsystems / Lahmheiten
Gelenke im Körper sind für bestimmte Abläufe und eine bestimmte
Belastung ausgelegt, alles was darüber hinaus geht, Leistungssport oder
eben auch Übergewicht, führt zu übermäßiger Abnutzung. Die Abnutzung der
Gelenke bedeutet Arthrosen, welche oft schmerzhaft sind und das Tier in
der Beweglichkeit deutlich einschränken. Sichtbar wird dies häufig durch
Schonhaltungen, Lahmen.
Weitere Risiken eines übergewichtigen Tieres sind:
-
Bluthochdruck (Hypertonie)
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Eingeschränkte Diagnostikmöglichkeiten von bildgebenden Verfahren
mit zunehmender Stärke der Fettschichten
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Häufiger Komplikationen bei Narkosen und Operationen
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Hitzeintoleranz
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Höhere Tumorneigung
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Größere Empfänglichkeit für Infektionskrankheiten
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Hautkrankheiten
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Harnsteine
Nicht unterschätzen sollte man die Auswirkungen, die
größeres Übergewicht auf das empfundene Wohlbefinden eines Tieres hat.
Aus dem etwas mehr wiegenden und deutlich ruhigeren Tier kann auch ein
mürrischer, nicht ausgelasteter und mitunter abweisend reagierender
Vierbeiner werden.
Und ganz wichtig: Übergewichtige Tiere haben – rein statistisch gesehen
– eine um etwa zwei Jahre verkürzte Lebenserwartung (verglichen mit
ihren normalgewichtigen Artgenossen).
Zu Beginn des Jahres 2004 wurden die Ergebnisse einer Langzeitstudie von
Nestlé Purina veröffentlicht, die den Einfluss von Adipositas (in
Abhängigkeit von der Dauer) auf Lebenserwartung und die Entwicklung
bestimmter Krankheiten beim Hund überprüft hatte.
Hier konnte belegt werden, dass übermäßiges Körperfett die
Insulinempfindlichkeit reduziert, dadurch wird die schnelle und
effiziente Aufnahme von Glucose durch die Zellen behindert. Von dieser
Begleiterscheinung sind interessanterweise mittelgradig übergewichtige
Hunde stärker betroffen als deutlich überfütterte Tiere. Das im Blut
verbleibende Insulin und die Glucose können die Funktionen von Organen
behindern, was zur Ausbildung von verschiedenen chronischen Erkrankungen
führen kann. Bei Hunden sind dies vor allem die Entwicklung von
Osteoarthritis und verschiedene Funktionsstörungen innerer Organe.
Es zeigte sich auch, dass die dicken Tiere im Vergleich weitaus häufiger
Behandlungen wegen chronischer Erkrankungen benötigen und eine
Behandlung früher erforderlich ist. Nachgewiesen werden konnte auch eine
Abhängigkeit zwischen der Dauer des Übergewichtes und dem Ausmaß der
Schäden.
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