In räumlicher
Nähe zum After (Anus) befinden sich einige Drüsen, die nach ihrer
Lokalisation weiter unterteilt werden können.
In der Wand des vorderen Analkanals befinden sich Analdrüsen (Glandulae
anales), um die Afteröffnung herum die Zirkumanaldrüsen (Glandulae
circumanales) und in der Dammgegend die Perianaldrüsen (Glandiulae
perinanales).
Die Ausführungsgänge der Analbeutel, die rechts und links des Afters in
dessen Schließmuskulatur eingebettet liegen, münden in die Afterrosette,
etwa an der Grenze zwischen behaarter und unbehaarter Haut. Die
Analbeutel selbst sind kleine, wie Säcke ausgebildete Drüsenbeutel, die
Schleimhaut der Innenseite ist mit Analbeuteldrüsen besetzt. Diese
Analbeuteldrüsen produzieren ein übelriechendes, schmieriges (fettiges),
bräunliches Sekret, das beim Kotabsatz von dem darüber gleitenden
Kotstrang aus dem Beutel herausgedrückt wird, und den Kot überzieht.
Die natürliche Entleerung der Analbeutel kann durch länger andauernden
Durchfall oder weichen Kot gestört werden. Manche Hunde produzieren aber
auch von Geburt an ein zu dickflüssiges Sekret, das leicht in den
Kanälen eintrocknet und diese verstopft. Kommt es zu einer Ansammlung (Anschoppung)
von Sekret in den Analbeuteln wird das von den betroffenen Hunden als
sehr unangenehm empfunden.
Die betroffenen Tiere rutschen häufig auf dem Hintern sitzend über den
Boden („Schlittenfahren“), manche kneifen den Schwanz ein, Anal- und
Schwanzregion werden häufig beleckt oder beknabbert, manche pressen wie
beim Kotabsatz. Bei einigen Tieren kommt es zu Juckreiz in der Schwanz-
und Analregion, der ausstrahlen kann, so dass die Tiere auch Flanken,
Hinterbeine, Kruppe oder Schwanz benagen.
Durch eindringende Bakterien kann es zu einer Entzündung der Analbeutel
kommen, die Analbeutel sind oft als ein- oder beidseitige
Hervorwölbungen neben dem After erkennbar. Die bisherigen Symptome
verstärken sich, Schwanzbewegungen werden möglichst vermieden, da die
Entzündung meist sehr schmerzhaft ist sind auch Unruhe und hecheln zu
beobachten, gelegentlich Fieber. Der Versuch, Kot abzusetzen ist häufig
sehr schmerzhaft, da oft der gesamte Analring geschwollen und entzündet
ist, die Tiere schreien vor Schmerz beim Versuch des Kotens
unwillkürlich auf. In einigen Fällen wurden im Zusammenhang mit
Analbeutelentzündungen auch an anderen, weit entfernten Körperstellen
wie Kopf oder Hals behandlungsresistente Hautekzeme mit Rötungen,
Pusteln oder Krusten festgestellt.
Bleibt die Entzündung des / der Analbeutel unbehandelt, entwickelt sich
der noch schmerzhaftere Analbeutelabszess. Es braucht einige Zeit, bis
der Abszess „reif“ ist, meist bricht er dann auf und entleert sich nach
außen. Der Inhalt des Analbeutels ist bei Abszessbildung eine
eitrig-blutige, extrem übelriechende Masse, den Kanal, den sich das
Sekret gebahnt hat, nennt man Fistelkanal.
Hat man den Verdacht, dass der Hund mit seinen Analbeuteln
Schwierigkeiten hat, sollte man den Gang zum Tierarzt nicht scheuen.
Halter, deren Hund häufiger Probleme mit vollen Analbeuteln haben,
können das Ausmassieren / Ausdrücken selbst übernehmen. Niemals sollte
man jedoch als Ungeübter ohne fachkundige Anleitung das Entleeren der
Analbeutel selbst in Angriff nehmen, das Gewebe von Enddarm und
Analregion ist sehr zart und die Gefahr, den Hund zu verletzen, ist für
Laien groß.
Der Tierarzt wird bei gefüllten Analbeuteln versuchen, diese durch
sanften Druck zu entleeren. Gelingt dies wegen des zu zähen Inhalts oder
verklebter / verstopfter Ausführungsgänge nicht, kann mit einer stumpfen
Kanüle eine Spülflüssigkeit in den Beutel eingebracht werden. Dies muss
meist mehrfach in etwa wöchentlichem Abstand durchgeführt werden, bis
sich das Geschehen wieder auf natürlichem Weg eingependelt hat. Je nach
Beschwerdelage des Hundes wird der Tierarzt Schmerzmittel einsetzen.
Das Vorgehen ist bei einer Entzündung der Analbeutel das gleiche,
zusätzlich wird allerdings ein entzündungshemmendes Medikament in den
Analbeutel instilliert (eingeträufelt). Je nach Ausmaß der Entzündung
kann zusätzlich die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten
erforderlich sein.
Liegt bereits ein Analbeutelabszess vor, so muss gewartet werden, bis
dieser „reif“ ist, dann wird dieser eröffnet (meist durch chirurgische
Spaltung, also mit dem Skalpell aufschneiden) und mehrere Tage bis zur
vollständigen Abheilung gespült. Auch hier können entzündungshemmende
Medikamente zusätzlich in Tablettenform nötig sein.
Bei wiederkehrenden Analbeutelentzündungen, die therapeutisch und / oder
mit Futterumstellungen nicht in den Griff zu bekommen sind, kann der
Tierarzt zum Entfernen der Analbeutel raten, da hier immer die Gefahr
der Entartung, also der Tumorbildung, besteht. Dieser Eingriff ist nicht
risikofrei, da die Analbeutel in der Nähe des Afterschließmuskels liegen
und die Gefahr der sich aus der OP ergebenden Kot-Inkontinenz besteht.
Die Operation selbst wird unter Vollnarkose durchgeführt, meist mit
zusätzlicher örtlicher Betäubung, um den Analreflex auszuschalten. In
die Analbeutel kann ein schnell härtender Kunststoff injiziert werden,
dann sind diese klar umrissen und können leichter frei präpariert
werden. Die Schleimhaut der Analbeutel darf bei der OP nicht verletzt
werden und die Analbeutel müssen vollständig entfernt werden. Die
entstandene Wunde wird vernäht und wird dann wie jede andere Wunde
weiterversorgt.
Tumoren im
Analbereich des Hundes entstehen meist aus den apokrinen Drüsen der
Analbeutel oder den Perianal- oder Zirkumanaldrüsen (auch „hepatoiede
Drüsen“ genannt). Es kommen gut- (benigne) und bösartige (maligne)
Tumoren vor, gutartige in Form von Adenomen und bösartige in Form von
Adenokarzinomen. Andere Hauttumoren wie Mastzelltumore, Melanome,
Lymphome u.a. kommen in diesem Bereich ebenfalls vor.
Im Bereich der
Analbeutel sind gutartige Tumoren sehr selten. Die bösartigen
Adenokarzinome der Analbeutel machen etwa 2 % der Hauttumore beim Hund
aus. Das Durchschnittsalter der Hunde liegt bei etwa 10,5 Jahren,
überproportional sind die Rassen Dackel, Cocker Spaniel und Schäferhund
vertreten. Beim Vorliegen eines solchen Tumors kommt es bei mehr als
einem Drittel der Tiere zu einem Anstieg des Blutkalziumspiegels, durch
den eine Vielzahl von Symptomen hervorgerufen werden kann. Meist treten
die Analbeutelkarzinome nur einseitig auf, unbehandelt können sie enorme
Ausmaße annehmen (Durchmesser bis zu 10 cm). Sehr schnell kommt es zu
Metastasen in den regionalen Lymphknoten, Fernmetastasen finden sich
später vor allem in der Lunge und in den Organen des Bauchraums.
Behandelt wird mit chirurgischer Entfernung des Tumors, je nach Größe
und Stadium mit oder ohne Bestrahlung. Erste Studien zum Einsatz von
Chemotherapeutika wie Doxorubicin kombiniert mit Cyclophosphamid,
Cisplatin und Carbopaltin wurden bereits durchgeführt. Die mittlere
Überlebenszeit von Hunden, die zum Zeitpunkt der Operation bereits
Metastasen hatten, wird mit etwa 6 Monaten angegeben und von Hunden, bei
denen bei der OP keine Metastasen festgestellt wurden, mit etwa 15
Monaten.
Tumore der
Zirkumanaldrüsen sind recht häufig beim Hund, sie machen etwa 15 % der
Hauttumoren aus und stehen an dritter Stelle bezogen auf alle Tumoren
beim Hund. Bei etwa 90 % der Tumoren handelt es sich um Adenome
(gutartige Tumoren). Die Zirkumanaldrüsen, die sogenannten hepatoiden
Drüsen, kommen gehäuft im Perianalbereich vor, aber auch am
Schwanzansatz, am cudalen Schwanzorgan, Vulva und anderen Hautstellen,
es handelt sich bei ihnen um modifizierte (abgewandelte) Talgdrüsen. Das
Vorhandensein von Rezeptoren für Geschlechtshormone (Androgene und
Östrogene) belegt, dass Wachstum und Funktion der Drüsen on
Sexualhormonen reguliert wird.
Das Risiko von Rüden an einem perianalen Adenom zu erkranken liegt bei
76 %, davon sind mehr als 60 % unkastrierte (intakte) Rüden. Der
Altersdurchschnitt liegt wieder bei etwa 10,5 Jahren, eine besondere
Veranlagung scheint bei den Rassen Cocker Spaniel und Foxterrier
gegeben, ebenso bei Rüden mit Hodentumoren.
Behandelt wird das perianale Adenom primär mit der Kastration des
sexuell intakten Rüden, in 95 % der Fälle kommt es zu einer Regression
(Rückgang). Die chirurgische Entfernung ist nur bei kastrierten Rüden,
weiblichen Hunden und störenden Adenomen nötig.
Von Karzinomen der Zirkumanaldrüsen sind vor allem un- oder
spätkastrierte Rüden betroffen, die großen Rassen wie Schäferhunde
erkranken häufiger. Mit 11,3 Jahren liegt das durchschnittliche
Erkrankungsalter höher. Die Metastasenbildung ist mit 10 – 30 % deutlich
geringer als beim Analbeutelkarzinom (50% und höher), Metastasen werden
vor allem in den örtlichen Lymphknoten und der Lunge gefunden. Die
Behandlung ist im wesentlichen identisch mit der des
Analbeutelkarzinoms. Die Überlebenszeiten sind bei Hunden ohne
Metastasen mit zwei Jahren deutlich besser, bei ausgedehnter
Metastasierung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung wurden selten
Überlebenszeiten von mehr als sechs Monaten erreicht.