| Anaplasmose
Verursacher dieser Erkrankung ist ein Bakterium, Anaplasma
phagozytophilum, das beim Biss der heimischen Zecke (Gemeiner Holzbock,
Ixodes ricinus) über deren Speichel in die Blutbahn des Hundes eindringt.
Derzeit gehen die Wissenschaftler auf Grund ihrer Erhebungen davon aus,
dass zwischen zwei und fünf Prozent der Holzbock-Population in Deutschland
mit dem Bakterium infiziert ist, regional wurden stellenweise noch höhere
Durchseuchungsraten von bis zu 9 Prozent gefunden.
Obwohl der Holzbock in allen Regionen zwischen dem 40. und 60. Breitengrad
(also ganz grob Schweden, Dänemark, Norwegen bis Frankreich, Nordspanien
und Norditalien) lebt und die Gefahr einer Anaplasmose-Infektion für einen
Hund somit durchaus gegeben ist, ist diese Erkrankung vielen Menschen weit
weniger bekannt als die Ehrlichiose, deren Endemiegebiet in den tropischen
und subtropischen Gebieten südlich des 45. Breitengrades (Asien, Afrika,
Mittelmeerländer) zu finden ist. Vielleicht liegt dies darin begründet,
dass der Erreger der Anaplasmose früher zu den Ehrlichien gezählt wurde
(damals benannt als Ehrlichia phagozytophila) und die hervorgerufene
Erkrankung als granulozytäre Ehrlichiose bezeichnet wurde. Es handelt sich
aber um eine eigenständige Erkrankung, Ehrlichiose und Anaplasmose werden
von unterschiedlichen Bakterien verursacht, die zwar beide über den
Zwischenwirt Zecke auf den Hund übertragen werden, jedoch bei
unterschiedlichen Zeckenarten (Ehrlichien werden von der braunen
Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen) und unterschiedlichen
geographischen Gebieten zu finden sind.
Einmal in den Hundekörper eingedrungen, befällt Anaplasma phagozytophilum
die Granulozyten, spezielle weiße Blutkörperchen, die für die Immunabwehr
des Körpers von Bedeutung sind und zerstört diese letztendlich. Zunächst
aber gelangt das Bakterium mit den Granulozyten über die Blutbahn in den
gesamten Körper. Dabei setzt es sich auch an der Wand von Blutgefässen
verschiedener Organe wie Leber, Nieren, Lunge und Hirnhäuten fest. Die
Inkubationszeit, also die Zeit die zwischen dem Eintritt des Bakteriums in
den Körper und dem Auftreten von Symptomen verstreicht, ist nicht ganz
genau bekannt, manche Quellen nennen einen Zeitraum von 4 – 18 Tagen. “.
Reagiert das Immunsystem des Hundes auf den „Eindringling, so zeigen sich
in dieser ersten akuten Phase der Erkrankung Symptome ganz
unterschiedlicher Art. Das Allgemeinbefinden des betroffenen Hundes ist
reduziert, häufig tritt über einen Zeitraum von 3- 5 Tagen hohes Fieber
auf, das Tier verliert an Gewicht, leidet oft unter Erbrechen und
Atembeschwerden (Luftnot), beobachtet wurden mitunter Augen- und
Nasenfluss. Auftreten können akute oder chronische Vergrößerung der Milz (Splenomegalie)
und abnorme Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie), krankhaften
Schwellungen von Lymphknoten (Lymphadenopathie), Gliedmaßenödeme und
Entzündungen der Gelenke (Polyarthritis). Sind die Hirnhäute befallen,
treten auch neurologische Symptome in Folge entzündlicher Veränderungen
(oder Hirnblutungen) auf, beispielsweise Bewegungs- und
Bewusstseinsstörungen. Im Blutbild zeigt sich häufig Blutarmut (Anämie),
eine Abnahme der Blutplättchen und Störungen des Proteingehalts, Milz- und
Lebervergrößerung führen ebenfalls zu Veränderungen des Blutbildes. Sind
die Nieren betroffen, kann im Urin meist Protein und Blut nachgewiesen
werden.
Nach dieser ersten Phase kann der Hund völlig gesund erscheinen, den
Erreger aber weiterhin in sich tragen, eine subklinische Phase also. Dem
Immunsystem mancher Hunde gelingt es, den Erreger vollständig
auszuschalten. Wesentlich häufiger allerdings ist der Erreger nur in einer
Art „Ruhezustand“, der häufig dadurch beendet wird, dass das Immunsystem
des Hundes auf irgendeine Weise geschwächt wird (durch Hunger, Kälte,
schlechte Haltungsbedingungen, Stress, andere Infektionskrankheiten usw.).
Wird der Erreger so erneut aktiv, spricht man von der chronischen Phase,
bei der sich erneut Symptome zeigen, allerdings bestehen bleiben, dies
gilt insbesondere für die Gelenkentzündungen und -schwellungen, die meist
wechselnde Lahmheiten verursachen.
Anaplasmose kann sehr gut behandelt werden, ist aber nicht in allen Fällen
heilbar, wie die Vergangenheit zeigte. Möglicherweise befinden sich Reste
des Bakteriums noch im Knochenmark, wo sie besonders schlecht medikamentös
erreicht werden können. Es müssen aber bei einem weiterhin infizierten
Tier nicht zwingend nach einer Behandlung weitere Schübe folgen.
Die Behandlung selbst erfolgt mit Antibiotika, in der Regel verabreicht
über einen Zeitraum von 4 Wochen, aber auch länger möglich. Als sehr
wirksam gilt bislang die Gruppe der Doxycycline, vor allem der Wirkstoff
Doxycyclinhyclat (das Hyclat bewirkt einen besonders gleichmäßigen
Tagesspiegel der Substanz im Körper). In schweren Fällen können Gaben von
immunsupprimierendem (das Abwehrsystem des Körpers schwächenden)
Prednisolon (Cortison) erforderlich sein, auch Bluttransfusionen sind
unterstützend hilfreich.
Um schnell eine Therapiekontrolle zu haben, kann wiederholt die
Thrombozytenzahl überprüft werden, die Diagnose und Verlaufskontrolle
erfolgt durch andere Labortests.
Bei einer frischen Infektion mit Anaplasma phagozytophilum ist ein Test
auf Antiköper negativ (Antikörper können erst etwa einen Monat nach
erfolgter Ansteckung nachgewiesen werden). Die mikroskopische Untersuchung
eines speziell eingefärbten Blutausstrichs kann die Anaplasmen als
Einschlüsse (Einlagerungen) in den befallenen Zellen darstellen. Weitaus
zuverlässiger ist der direkte Erregernachweis durch PCR, denn hierbei wird
nach DNA der Erreger im Untersuchungsgut (Blut, Lymphknotenpunktat)
gesucht.
Bei einer vermuteten, eventuell länger bestehenden Infektion kann ein
Antikörper-Test durchgeführt werden. Der hierbei gewonnene Titer-Wert (<
1:50 negativ, 1:50 – 1:100 schwach positiv, > als 1:100 positiv) hat
eingeschränkte Aussagekraft, da immer bedacht werden muss, dass Antikörper
auch noch lange nach einer Eliminierung von Erregern im Blut nachweisbar
sind. Auch hier sind die Ergebnisse der PCR-Untersuchung aussagefähiger,
eine 100 % Sicherheit gibt es aber bei keinem Verfahren. Bei positiv
getesteten Hunden sollten mögliche Doppelinfektionen (z.B. Borrelien,
Mykoplasmen) abgeklärt werden.
Zur Verlaufskontrolle einer Erkrankung ist die Bestimmung des Titer-Wertes
von Nutzen.
Bei Welpen ist zu beachten, dass diese Antikörper über die Plazenta des
Muttertieres erhalten können. In diesem Fall sind die gemessenen Titer
niedrig und im Alter von etwa sechs Monaten gen Null gesunken.
Die einzig mögliche Prophylaxe vor einer Anaplasmose-Erkrankung liegt
darin, möglichst den Stich / Biss des Holzbocks zu vermeiden. Dieser ist
ab einer Temperatur von ca. zehn Grad Außentemperatur aktiv, kann also
auch an milden Wintertagen angetroffen werden. Ixodes ricinus kommt
hauptsächlich in Wäldern und Waldrandbereichen vor, je nach
Luftfeuchtigkeit wandern die Zecken in eine Höhe von bis zu einem Meter
über dem Boden. Hunde streifen die adulten Zecken häufig von der Spitze
eines Grashalmes ab.
Das Absammeln der Zecken nach einem Spaziergang ist zwar sinnvoll, aber
als alleinige Maßnahme gegen Zecken nicht wirklich wirkungsvoll, beim
dichten Fell eines Nordischen sowieso eine schwer wirklich umfassend
durchzuführende Maßnahme. Effektiven Schutz bieten spot-on-Präparate oder
alternativ Halsbänder mit einer Zweifachwirkung. Der häufig verwendete
Wirkstoff ist Permethrin. Die hochprozentigen Permethrinpräparate werden
an ein oder zwei Punkten des Hundes aufgetragen und verteilen sich über
den ganzen Körper. Sie sind nicht wasser- sondern fettlöslich,
gelegentliches Schwimmen oder Regen vermindert die Wirkung also nicht und
sie schützen den Hund zum einen durch ihre abschreckende Wirkung (Repellenteffekt,
Zecken meiden ein so behandeltes Tier), zum anderen durch ihre abtötende (akarizide)Wirkung.
Bei Hunden mit MDR1-Defekt oder der Möglichkeit eines solchen (häufig
betroffen die Rassen Kurzhaar- und Langhaar-Collie, Shetland Sheepdog,
Australian Shepherd, Border Collie, English Shepherd, Longhaired Whippet,
McNab-Hütehund, Old English Sheepdog (Bobtail) und Silken Windhound) bitte
wegen Überreaktionen auf bestimmte Wirkstoffe im Zweifel Rücksprache mit
dem Tierarzt halten, welcher Zeckenschutz der richtige für Ihren Hund ist.
Für Katzen kann der Wirkstoff Permithrin tödlich sein.
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