Bandwürmer (Zestoden)
Ihren Namen haben diese Würmer von ihrer Erscheinungsform, den meist
flachen, bandförmigen Körpern. Ja nach Art sind sie nur wenige Millimeter
lang oder erreichen mehre Meter Länge, der Lebensraum der erwachsenen (adulten)
Bandwürmer ist der Dünndarm.
Der Körper der adulten Bandwürmer besteht aus einem Kopf (Skolex), der als
Haftorgan ausgebildet ist, mit ihm klammert sich der Wurm an der Darmwand
fest, die Nahrungsaufnahme erfolgt über die gesamte Körperoberfläche. Der
sich dem Kopf anschließende Halsbereich ist nicht unterteilt, ihm folgen
die einzelnen Glieder (Proglottiden). Da alle Bandwürmer Zwitter
(Hermaphroditen) sind, beherbergt jedes dieser Glieder sowohl komplette
weibliche wie männliche Geschlechtsorgane und ist somit eine selbständige
Funktionseinheit, die je nach Art 15.000 – 100.000 Eier enthalten kann. Im
Halsbereich des Bandwurmes werden ständig neue Proglottiden gebildet, die
diejenigen ersetzen, die reif geworden, am Ende der Gliederkette (Strobila)
abgestoßen und mit dem Kot ausgeschieden werden. Diese weißen
Bandwurmglieder sind eigenbeweglich, bei manchen Bandwurmarten kann man
sehen, wie sie aus den Kothaufen kriechen, bei anderen Arten sind sie so
klein, dass dieser Vorgang nur unter dem Mikroskop erkennbar ist. Die
äußere Hülle der Bandwurmglieder löst sich nach einigen Tagen auf und
Tausende von winzigen Eiern bleiben zurück. Diese sind sehr
widerstandsfähig, bei Temperaturen um 7 Grad können die Eier mancher Arten
wie z.B. die des kleinen Hundebandwurms rund 200 Tage überleben, bei plus
21 Grad immerhin noch ein Viertel dieser Zeit, rund 50 Tage. Innerhalb
dieses Zeitraums werden viele der Eier von Zwischenwirten aufgenommen
(aufgefressen), in ihrem Magen-Darm-Trakt schlüpft aus dem Ei die so
genannte Hakenlarve. Diese bohrt sich durch die Darmwand und wird über das
Blut- und Lymphsystem im Körper verteilt. An so genannten
Prädilektionsstellen (Organe, in denen sich die Erkrankung vorrangig
ausbildet) entwickeln sich daraus ansteckungsfähige Finnen (Larvenstadium,
auch Metazestoden genannt). Für den Zwischenwirt kann diese Infektion
tödlich sein, da beispielsweise die Finnen des kleinen Fuchsbandwurmes
ungehemmt und in das umliegende Geweben hinein wachsen (ähnlich einem
bösartigen Tumor), Finnen anderer Bandwurmarten werden auf Grund ihrer
Größe zum Problem.
Nimmt nun ein Endwirt wie der Hund einen solchen infizierten Zwischenwirt
auf, werden die Finnen im Darm frei, stülpen ihren Saugkopf aus, mit dem
sie sich an die Darmwand heften und in der Folgezeit zu erwachsenen
Würmern heranwachsen – womit der Kreislauf sich dann wieder schließt, wenn
er nicht durch die Gabe eines entsprechend geeigneten bandwurmwirksamen
Präparates unterbrochen wird. Diese Medikamente töten den Wurm übrigens
nicht ab, sondern zerstören lediglich seine Schutzschicht, mit der er sich
gegen die Verdauungssäfte schützt, der Bandwurm selbst wird anschließend
„verdaut“. Dies erklärt auch, warum nach Gabe eines Bandwurmpräparates im
Kot keine Wurmteile zu finden sind. Die Präparate wirken nur auf die
Würmer ein, die am Tag der Gabe im Hund vorhanden sind – fängt der
Vierbeiner am nächsten Tag eine Maus (möglicherweise infizierter
Zwischenwirt) und verspeist diese, kann sich schon nach vier Wochen erneut
ein erwachsener Bandwurm im Hundedarm durch Abtrennen von Proglottiden
fortpflanzen.
Bandwurmbefall beim Hund als Endwirt verläuft über lange Zeit oft völlig
ohne Symptome, lediglich durch das Auswandern der reifen Bandwurmglieder
mit dem Kot können am After Irritationen und / oder Juckreiz entstehen,
manche Tiere zeigen daraufhin das „Schlittenfahren“. Erst bei starkem
Befall mit Bandwürmern können Bauchschmerzen, blutig-schleimige
Durchfälle, Verstopfungen (oder sogar Darmverschluss) und Gewichtsverlust
(durch Nahrungsentzug, die Würmer im Darm konkurrieren mit dem Hund um die
aufgenommenen Nährstoffe) beobachtet werden.
Nachgewiesen wird eine Bandwurminfektion mittels einer oder mehrer
Kotproben, im Hinterkopf sollte man bei negativem Ergebnis immer haben,
dass der Kot unauffällig ist in der so genannten Präpatenzperiode (der
Zeit zwischen Infektion des Tieres und Auftreten der ersten Wurmeier im
Kot) und dass nicht mit jedem Kot Proglottiden ausgeschieden werden. Die
heutigen Entwurmungsmittel sind gut verträglich, grade wenn kleine Kinder,
deren Hygiene-Verhalten noch nicht so ausgeprägt ist, im Haushalt leben,
ist eine vorsorgliche Entwurmung eine durchaus vertretbare Handlungsweise.
Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass nicht alle abgetrennten
Bandwurmglieder mit dem Kot definitiv ausgeschieden werden, manche bleiben
auch am Fell des Tieres haften und können dann irgendwo innerhalb der
Wohnung (Liegeplatz etc) abgestreift werden oder beim Streicheln an die
Hände gelangen (gefährlich vor allem bei den winzig kleinen Proglottiden
des Fuchsbandwurmes).
Wichtige Bandwurmarten beim Hund:
Dipylidium caninum (Gurkenkernbandwurm, Kürbiskernbandwurm)
Diese Bandwurmart hat sich Insekten als Zwischenwirte ausgesucht, also
Haarlinge und Flöhe. Mit ihr kann sich der Hund infizieren, wenn er bei
der Fellpflege einen mit Finnen befallenen Floh oder Haarling abschluckt,
der Kot und der Speichel der Insekten ist ungefährlich (kann also keine
Bandwurminfektion beim Hund hervorrufen).
Ein Hund, der unter Flöhen oder Haarlingen zu leiden hatte, sollte
vorbeugend im Anschluss an die Flohbehandlung ein Mittel gegen Bandwürmer
erhalten.
Menschen infizieren sich selten mit diesem Bandwurm, dazu müsste nämlich
ein befallener Floh verschluckt werden, gefährdet sind am ehesten
Kleinkinder durch ihr mangelndes Hygienebewusstsein.
Untersuchungen in 2003 haben gezeigt, dass etwa 0,1 % der Hunde und 0,03 %
der Katzen in Deutschland infiziert sind.
Echinococcus granulosus (kleiner Hundebandwurm)
Bandwürmer der Gattung Echinococcus sind nur wenige Millimeter lang, ihre
Zwischenwirte sind alle Wiederkäuer (auch wildlebende wie Hirsche oder
Rehe) sowie Pferde und Schweine. In Deutschland kommt die natürliche
Infektion mit E. granulosus nicht mehr vor, allerdings ist die Wurmart in
Osteuropa und dem Mittelmeerraum häufig verbreitet, Hunde infizieren sich
meist bei Reisen in diese Länder. Mit rund 10 Infektionen pro 100.000
Einwohner und Jahr ist in diesen Regionen auch das Risiko für Menschen
sich mit diesen Bandwürmern zu infizieren und an Echinokokkose zu
erkranken am größten. Der Mensch als „Irrwirt“ kann Finnen ausbilden, die
Apfelgröße erreichen können, durch ihre bevorzugte Lage in Leber, Lunge
und Gehirn treten entsprechende Krankheitsfolgen auf. Meist ist es
möglich, beim Menschen derartige Finnen operativ zu entfernen.
Echinococcus multilocularis (kleiner Fuchsbandwurm)
Dieser Bandwurm ist von Form und Größe her eher untypisch, er wird nur ca.
3 mm lang und besitzt selten mehr als 5 einzelne Glieder, sein Aussehen
erinnert an eine mehrfach eingeschnürte Wurst. Zwischenwirt sind kleine
Nagetieren, vor allem Mäuse haben für jagende Hunde eine Bedeutung, in
Problemregionen mit starker Fuchsbandwurmverbreitung empfiehlt sich daher
eine drei- bis vierwöchige Entwurmung von „Mäusejägern“.
Der Mensch ist kein eigentlicher Zwischenwirt für diese Bandwurmart, als
„Fehlwirt“ können sich im menschlichen Körper jedoch Larven in der Leber,
manchmal in der Lunge, im Knochenmark und an anderen Stellen entwickeln (alveoläre
Echinokokkose). Diese formen bei ihrer Vermehrung blasige Gebilde, die
ähnlich Tumoren in das umliegende Gewebe einwuchern. Betroffene müssen
über einen langen Zeitraum, manchmal sogar bis an ihr Lebensende
Medikamente einnehmen, unbehandelt verläuft die alveoläre Echinokokkose
meist tödlich. Vergleicht man allerdings die vielfältigen
Ansteckungsmöglichkeiten für den Menschen und die tatsächliche (und
geringe) Zahl der Erkrankungen, so ergibt sich daraus ein Hinweis, dass
nur wenige Menschen empfänglich für den Fuchsbandwurm sind.
Hunde können in seltenen Fällen sowohl End- als auch Fehlwirt dieser
Wurmart sein.
Taenia spp.
Endwirte sind vor allem Katzen, Füchse und Marderartige, Hunde eher
seltener, Untersuchungen von Hundekotproben in 2003 ergaben eine
Befallshäufigkeit von 0,4 %. Zwischenwirte sind auch hier kleine
Beutetiere wie Mäuse.
Zu den bekanntesten Bandwürmern dieser Gattung gehört Taenia taeniaeformis
auch Hydatigera taeniaeformis genannt, der dickhalsige Bandwurm, auch
Finnen- oder Katzenbandwurm genannt.
Mesocestoides spp.
Diese Bandwürmer; deren besonderes Merkmal der Kopf mit vier unbewaffneten
Saugnäpfen ist, sind in Europa u.a. bei Fuchs, Katze und Hund verbreitet,
bei Fuchs und Katze häufig Mesocestoides lepthothylacus, Zwischenwirte
sind Nagetiere. Die infektiösen Zwischenstadien nennt man hier
Tetrahyridien. Eine Infektion mit Mesocestoiden verläuft beim Endwirt
meist völlig symptomlos.
Diphyllobotrium latum (Grubenkopf- oder Fischfinnenbandwurm)
Eine wenig verbreitete Bandwurmart in Deutschland, deren Finnen mit
Fischnahrung aufgenommen werden.
Diese interessante Seite einem Freund senden
zurück
|