| Demodikose (demodex
canis, Haarbalgmilbe)
Demodikose ist eine durch Parasiten hervorgerufene, oft entzündliche
Hauterkrankung des Hundes. Es sind mehrere Erscheinungsformen bekannt.
In geringer Anzahl sind Demodex-Milben offenbar normale Bewohner der
Haarfollikel und auch der Talg- und apokrinen Schweißdrüsen (kommen nur in
bestimmten Hautgegenden im Unterhautgewebe vor und stehen in enger
Beziehung zu den Haarfollikeln, in deren Ausführungsgänge sie münden).
Festgestellt wurde, dass die Milben offenbar von der Mutterhündin in den
ersten Tagen der Geburt auf die Welpen übertragen werden – durch
Kaiserschnitt geborene und mutterlos aufgezogene Welpen sind in der Regel
milbenfrei.
Als auslösende Ursache für eine Demodikose ist eine angeborene oder
erworbene Immunschwäche anzusehen. Eine Disposition wurde bei Hunderassen
wie Shar Pei, Boston Terrier, Afghanischer Windhund, aber auch West
Highland White Terrier und sogar Alaskan Malamute festgestellt. Nach den
Beobachtungen sind jüngere und kurzhaarige Hunde öfter betroffen, ebenso
Hunde, die unter Belastungen wie Wurmbefall, Läufigkeit, inneren
Krankheiten oder auch Stress leiden.
Hunde, bei denen eine familiäre Häufung der Erkrankungen mit Demodikose
auftritt, sollten von verantwortungsvollen Züchtern komplett (Elterntiere,
Geschwister etc.) aus der Zucht genommen werden, da derzeit von einer
Erblichkeit für eine spezifische Abwehrschwäche gegen diese Milben
ausgegangen wird.
Eine Ansteckung anderer Tiere oder eine übertragung auf den Menschen wird
derzeit ausgeschlossen, Demodex-Milben sind streng wirtspezifisch.
Die Demodex-Milbe ist nur etwa 025 – 0,3 mm groß, mit einem
zigarrenförmigen, schmalen und lang gestrecktem Körper. Die Larve hat drei
Beinpaare, die Nymphen und erwachsenen Milben vier stummelartige
Beinpaare. Die gesamte Entwicklung vom Ei über Larven und zwei
Nymphenstadien läuft innerhalb von 20 – 35 Tagen auf dem Wirt ab. Ohne
Wirt sind die Milben nur sehr kurz lebensfähig.
Die Milben stechen in den Haarfollikeln (Wurzelscheide des Haares, dort
befindet sich also die Haarwurzel) die Keratin produzierenden Zellen an
zur Nahrungsaufnahme an, diese werden dadurch zu vermehrter
Kerationbildung angeregt, schließlich verstopft das Keratin den
Follikelausgang. Durch die Vermehrung der Milben und die weiter
fortschreitende Talgproduktion wird die Wurzelscheide des Haares
aufgedehnt, eine Folge ist Haarausfall. Reißt ein infizierter Follikel, so
können Milben in die Blut- bzw. Lymphbahn gelangen und in den Lymphknoten
nachgewiesen werden.
Oft kommt es zu bakteriellen Sekundärinfektionen mit Staphylokokken oder
Streptokokken.
Die lokalisierte, milde Form der Demodikose kommt vor allem beim Junghund
vor, erstmals meist im Alter zwischen drei und achtzehn Monaten. Eine oder
mehrere klar umrissene Hautstellen zeigen Haarverlust, eine feine silbrige
Schuppung, eventuell eine Rötung verbunden mit leichtem Juckreiz. Häufig
betroffen sind davon die Körperpartien, die in engem Kontakt zur
Mutterhündin standen, Kopf, Lefze, Augenlider, Vorderbeine. 90 % der an
der lokalisierten Demodikose erkrankten Tiere genesen innerhalb von acht
bis zwölf Wochen ohne Therapie, ihr Immunsystem funktioniert. Die anderen
Tiere bilden eine generalisierte Demodikose aus.
Es empfiehlt sich jedoch immer, bei Verdacht auf eine Demodikose einen
Tierarzt aufzusuchen.
Die generalisierte Demodikose ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung,
sie kann zur Sepsis und zum Tod des Hundes führen. Die Behandlung kann
recht kostenintensiv werden und muss, um längerfristig Erfolg zu haben,
sachgemäß, konsequent und bis zum Therapieabschluss durchgehalten werden.
Für die generalisierte Demodikose sind mehrere Verlaufsformen bekannt.
Generell gilt, dass ein besonderes Augenmerk auf die Suche nach der
Ursache für die Schwächung des Immunsystems gerichtet werden sollte,
findet sich diese und lässt sich behandeln, sind die Erfolgsaussichten für
die Demodikose-Behandlung besser.
Bei der Pododemodikose (Demodex-Pododermatitis) sind die Veränderungen vor
allem an den Zehen und im Zwischenzehenbereich zu finden.
Bei der seltenen demodektischen Otitis externa treten die Milben im
Bereich des äußeren Gehörgangs auf, die Veränderungen sind auf das Ohr
beschränkt.
Bei der squamösen Verlaufsform sind alle Stadien eines schuppenden Ekzems
zu beobachten, dazu Haarlosigkeit, Talgbelag bis hin zu „Mitessern“.
Daraus kann sich (vor allem bei über zweijährigen, sehr kurzhaarigen
Hunden) die pustolöse Form entwickeln. Es bilden sich derbe blaurote
Knötchen, die in gelbe, braunrote oder schwärzliche Pusteln übergehen. Die
befallenen Hautstellen sind geschwollen und erwärmt. Auf leichten Druck
entleert sich aus den Pusteln eine talgartige, durch Sekundärinfektionen
oft eitrige Masse, in die sich Blut und Milben mischen. Fortschreitender
Haarausfall, Hautverdickung, später faltige, borkenähnlich zerklüftete
Haut, die blaurot erscheint, kennzeichnen den weiteren Verlauf. Dazu
können weitere, sekundäre Hautinfektionen durch Bakterien,
Appetitlosigkeit, gestörtes Allgemeinbefinden und oft auch unspezifische
Erkrankungen der Lymphknoten mit Schwellungen kommen. Juckreiz wird vor
allem durch die Sekundärinfektionen verursacht.
Aus der squamösen Verlaufsform kann sich auch eine mit erbsengroßen
Knötchen (Papeln) einhergehende so genannte squamopapöse Verlaufsform
entwickeln. Um diese Papeln bilden sich schuppende, haarlose Stellen.
Juckreiz tritt nicht immer auf.
Bekannt ist auch eine atypische Verlaufsform der Demodikose, die über den
ganzen Körper verteilt Veränderungen bewirkt. Diese Veränderungen sind
Haarausfall auf kleinen umschriebenen schuppigen Bezirken, verstreute
Papeln und Pusteln. Selbst nässende Knötchen sind möglich.
Je älter der Hund bei erstmaligem Auftreten der Demodikose ist und je
länger diese besteht, desto schlechter ist die Prognose, durch immer
tiefer in der Haut statt findende Sekundärinfektionen mit Bakterien drohen
Sepsis und Tod.
Die Diagnose erfolgt häufig durch tiefe Hautgeschabsel, die mikroskopisch
untersucht werden. Alternativ kann versucht werden, Eier und Milben an
ausgerissenen Haarwurzeln mikroskopisch nachzuweisen. Gerade bei der an
den Pfoten auftretenden Pododemodikose kann eine Biopsie erforderlich
sein.
Ob bei einer lokalen Demodikose eine Behandlung erforderlich ist,
entscheidet der behandelnde Tierarzt anhand des Verlaufs, wie beschrieben,
in 90 % der Fälle kommt es innerhalb von 3 bis 8 Wochen zu
Spontanheilungen. Eine Kontrolle des Verlaufs durch einen Tierarzt ist
wegen des Risikos der Ausbildung einer generalisierten Demodikose
angeraten.
Bei der generalisierten Demodikose wird der Tierarzt die sekundären
Hautinfektionen durch Bakterien antibiotisch behandeln, zur Bekämpfung der
Milben wird meist eine drei- bis vierwöchige Behandlung mit einem Akarizid
eingeleitet, häufig unterstützt durch antibakteriell wirkende Shampoos,
die die Haarfollikel frei spülen. Darüber hinaus wird der Tierarzt
versuchen, die Ursache für die Schwächung des Immunsystems herauszufinden,
gerade bei älteren Hunden können schwerwiegende Erkrankungen wie Tumore
die Ursache sein.
Seit einiger Zeit gibt es neue Behandlungsansätze durch Medikamente der
Klasse der Avermectine und der Milbemycine, die allerdings von
verschiedenen Rassen wie Collie, Sheltie, Bobtail, Australian Shepard und
deren Mischlingen oft schlecht vertragen werden.
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