| Diabetes bei Hund und Katze
Unter dieser hormonell bedingten, aber gut behandelbaren Erkrankung leiden
ca. 40.000 Hunde und Katzen und dennoch wird vergleichsweise selten
darüber berichtet.
Dabei ist es wichtig, dass Halter die Anzeichen für Diabetes erkennen
können, da dieser unbehandelt zu massiven Schäden wie Erblindung und
lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen führt (Ketoazidose: Keton
(Azeton) entsteht im Körper beim Abbau von Fett und lässt das Blut sauer
reagieren. Fett wird abgebaut, weil die Muskelzellen den Zucker im Blut
ohne Insulin nicht verwerten.). Zusätzlich kommt es zu Verschiebungen im
Elektrolythaushalt der Tiere mit Störungen wie Erbrechen, Durchfall,
Austrocknung (Dehydrierung), Linseneintrübung und erhöhter
Thromboseneigung. Bei schwer kranken und unbehandelten Katzen kann es zu
Nervenschäden mit Bewegungsstörungen, Gelbsucht und Schock kommen, das
diabetische Koma droht.
Grundsätzliches: Im Körper wird die Nahrung im Darm in ihre Einzelteile
zerlegt, Kohlenhydrate werden dabei zu Zucker (Glucose) abgebaut, vom Darm
resorbiert (aufgenommen) und ins Blut abgegeben. Die Glucose liefert den
Zellen des gesamten Organismus Energie, doch damit die Zellen die Energie
aufnehmen können, wird Insulin benötigt. Steht dem Körper zu wenig des in
der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormons Insulin zur Verfügung, kann
die Glucose nicht von den Zellen aufgenommen werden und der
Blutzuckerspiegel im Blut steigt. Der Körper versucht, durch Ausscheiden
über die Nieren Glucose abzubauen, der Körper verliert durch den
vermehrten Harnabgang Wasser. Durch die dadurch hervorgerufene
Austrocknung entsteht der gewaltige (Dauer-)Durst, den von Diabetes
betroffene und unbehandelte Tiere haben.
Die ersten Anzeichen, die auf Diabetes hinweisen können, sind also
gewaltiger Durst, häufiges Urinieren, Heißhungeranfälle bei
Gewichtsabnahme und allgemeine Mattigkeit, Lethargie und Schwäche,
vereinzelt treten auch Lähmungen der Hinterbeine oder des Schwanzes auf.
Der Tierarzt sollte bereits beim Auftreten der ersten Warnsymptome, meist
gesteigerter Durst und häufiges Wasserlassen, aufgesucht werden, nur er
kann mittels einer Blutuntersuchung den Blutzuckerwert (Langzeitzucker)
bestimmen. Um ein aussagefähiges Untersuchungsergebnis zu erhalten, muss
das Tier nüchtern sein und die letzte Mahlzeit sollte am Vortag nicht
später als 16.00 Uhr gegeben worden sein. Bei Katzen, die bei
Tierarztbesuchen sehr nervös reagieren, wird durch vom Körper freigesetzte
Stresshormone der Zucker im Körper mobilisiert und so der
Blutzuckerspiegel in die Höhe getrieben, was zu verfälschten
Messergebnissen führen kann.
Je nach Höhe des gemessenen Wertes und der festgestellten Begleitumstände
wird der Tierarzt eine Therapie beginnen, deren Ziel eine Normalisierung
der Symptome ist.
Bei Hündinnen kommt es vor, dass Diabetes im Zusammenhang mit deren
Sexualzyklus auftritt, die Behandlung findet hier in Form der Kastration
statt.
Bei einem leichten, also sehr früh diagnostizierten Diabetes ist oft eine
Futterumstellung auf eine proteinreiche, kohlenhydratarme Kost
ausreichend, im Fachhandel ist entsprechend zusammengesetztes Futter
erhältlich. Ist das betreffende Tier zusätzlich übergewichtig und / oder
leidet unter Bewegungsunlust, wird der Tierarzt eine schonende
Gewichtsreduktion einleiten und Vorschläge machen, wie das Tier zu mehr
Bewegung angeregt werden kann. Der Therapieverlauf wird mittels
überprüfung des Glucosegehalts im Nüchternharn (Urin-Teststreifen) und
regelmäßiger Bestimmung des Langzeitzuckers im Blut überwacht.
In allen sonstigen Fällen wird die Therapie mittels Insulin durchgeführt,
das täglich unter die Haut des Tieres gespritzt wird. Für das Tier ist
dies nicht schmerzhaft, ein kleiner Pieks mit sehr feiner Nadel, und jeder
Halter kann dies selbst zu Hause tun, anfängliche Unsicherheiten
verschwinden bald. Auch hier wird der Therapieverlauf mittels
Urin-Teststreifen und Messungen des Langzeitzuckers im Blut kontrolliert
um exakt die Insulin-Dosis zu finden, die für das einzelne Tier
erforderlich ist.
Wichtig ist auch hier, dass übergewichtige Tiere langsam und schonend
abnehmen und sich ausreichend bewegen. Bewegung ist ein wesentlicher
Faktor, weil sie die körpereigene Kontrolle des Blutzuckers verbessert.
Die Mahlzeiten werden bei Hunden zweimal täglich mit jeweils gleicher
Futtermenge gegeben, Katzen erhalten mehrere kleine Mahlzeiten über den
Tag verteilt. Das Futter wird auch hier auf eine proteinreiche,
kohlenhydratarme Kost umgestellt. Tabu sind alle leicht löslichen
Kohlenhydrate wie Kuchen, Süßigkeiten und ähnliches – auch wenn das Tier
diese „so“ gerne mag.
Vergisst der Halter einmalig eine Insulindosis oder hat das Gefühl, eine
Spritze ging daneben, so ist dies nicht bedenklich. Auf gar keinen Fall
sollte beim nächsten Mal mehr Insulin gegeben werden, da bei einer
überdosierung der Blutzuckerspiegel so rapide absinkt, dass dem Tier akute
Lebensgefahr droht. Dieser Zustand der Hypoglykämie kann auch eintreten,
wenn das Tier Insulin gespritzt bekommt, das Futter jedoch aus
irgendwelchen Gründen verweigert, also keine Kohlenhydrate aufnimmt.
Anzeichen für eine „Unterzuckerung“ können Nervosität, Angst,
Muskelzittern, Bewegungsstörungen und erweiterte Pupillen sein. In diesem
Fall sollte dem Tier sofort Traubenzucker in die Backen gegeben werden
oder, falls es nicht (mehr) schluckt, Honig auf die Zunge geschmiert
werden.
Diabetes kann übrigens nicht nur jeden Menschen, sondern auch jedes Tier
treffen, Menschen und Tiere im letzten Lebensdrittel vermehrt
(Alters-Diabetes).
Ebenso wie der Mensch kann ein Tier mit dieser Erkrankung sehr gut zurecht
kommen, vorausgesetzt, die erforderliche Therapie wird konsequent
durchgeführt.
Anmerkung:
Im Journal of Small Animal Practice sind die Ergebnisse einer Studie
veröffentlicht worden, die in England durchgeführt wurde und die auf
einen weniger bekannten Aspekt bekannter Krankheiten wie Diabetes
mellitus, Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und
Hyperadrenokortizismus (Überproduktion von Kortisol in den Nebennieren
infolge Überproduktion von ACTH in der Hypophyse oder
Kortisol-produzierendem Tumor der Nebennierenrinde). Als Ergebnis der
Studie wurde bei Patienten mit einer solchen Vorerkrankung eine
signifikant niedrigere Tränenproduktion als beim gesunden Tier
festgestellt, die Ursache ist noch nicht bekannt. Bei den Hunden mit
Diabetes wurde bei vielen zusätzlich eine deutlich verringerte Cornea-
Empfindlichkeit beobachtet. Bei Hunden mit diesen Grunderkrankungen
sollten also regelmäßig auch die Augen kontrolliert werden, da für sie
die Gefahr an einer Keratokonjunktivitis sicca (Tränenfilm-Mangel oder
"trockenes Auge") zu erkranken, höher ist.
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