| Tödliche Gefahr in
Frostschutzmittel (Glysantin): Ethylenglycol
Das im Frostschutzmittel für die Scheibenwischanlage des Autos enthaltene
Ethylenglycol ist eine farb- und geruchslose Substanz, die sehr gut mit
Wasser mischbar ist. Verwendet wird es auch als Bestandteil der
Bremsflüssigkeit und fotografischer Entwickler. Speziell
Frostschutzmitteln wird häufig zusätzlich ein fluoreszierender Stoff
beigemengt (um Lecks im Kühlwassersystem besser lokalisieren zu können).
Ethylenglycol ist geruchlos und schmeckt süßlich, daher werden beim
Einfüllen verschüttete oder am Plastikbehälter herab gelaufene Tropfen
gerne von Haustieren aufgeschleckt. Leider reichen bereits wenige
Milliliter Ethylenglycol aus, um einen oft tödlich verlaufenden
Vergiftungsprozess in Gang zu setzen.
über die Haut wird Ethylenglycol nur schlecht aufgenommen, ein Risiko
besteht nur bei nicht intakter Hautoberfläche, über den Magen-Darm-Trakt
wird es jedoch schnell resorbiert.
Das heimtückische an einer Vergiftung mit Ethylenglycol ist, dass sie in
zwei zeitlich absolut getrennten Phasen abläuft, zwischen denen eine
zeitweilige vordergründige Zustandsverbesserung möglich sein kann.
Etwa 30 Minuten nach Aufnahme des Ethylenglycols setzen die ersten
Symptome ein, es kommt durch eine Reizung der Schleimhäute zu Erbrechen
und es wird insgesamt ein dem Alkoholrausch ähnlicher Zustand
hervorgerufen, der sich in Koordinationsstörungen der Bewegungen (Ataxie)
und ZNS-Depression (Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, Koma). Diese Symptome
der ersten Phase dauern etwa 12 Stunden an.
Im Körper selbst ist die höchste Konzentration von Ethylenglycol im
Blutkreislauf etwa 1 bis 6 Stunden nach Aufnahme zu messen. Das
Ethylenglycol gelangt mit dem Blut in die Leber. Durch die Enzyme
Alkoholdehydrogenase und Aldehyddehydrogenase wird das Ethylenglycol
bio-chemisch in andere Produkte umgewandelt. Bei dieser Umwandlung
entstehen beispielsweise Glycolsäure, Oxalsäure, Glycoaldehyd oder
Glyoxylsäure. Nicht umgewandeltes Ethylenglycol und alle
Umwandlungsprodukte werden in der Folgezeit über die Nieren ausgeschieden.
Die Symptome der zweiten Phase setzen beim Hund etwa 36 – 72 Stunden nach
der Aufnahme des Giftstoffes ein, bei Katzen bereits nach 12 – 24 Stunden.
Es entwickeln sich durch die nerven- und nierenschädigende Wirkung der
Umwandlungsprodukte wie Glycoaldehyd und Oxalsäure Krämpfe und Anzeichen
einer Niereninsuffizienz. In den dünnen Kanälchen der Nieren (Tubuli)
werden Kalziumoxalatkristalle abgelagert. Bezüglich des
Harnausscheideverhaltens ist jede Abweichung möglich, also erhöhtes
Harnvolumen, verminderte Harnausscheidung und eine fast gen Null
reduzierte Harnmenge.
Labortechnisch lässt sich bis zu sechs Stunden nach Aufnahme ein mit
fluoreszierendem Stoff versetztes Frostschutzmittel durch eine spezielle
Lichtquelle im Maul, am Kopf, den Pfoten, sogar in Erbrochenem oder dem
Harn nachweisen. Auch chromatographisch ist der Nachweis in Serum oder
Harn möglich. Die Blutwerte deuten insgesamt auf eine Nierenschädigung
hin.
Eine Therapie wird zunächst die Vitalfunktionen stabilisieren, je nach
verstrichener Zeit seit Einnahme des Ethylenglycols kann eine Magenspülung
durchgeführt werden um eine weitere Giftaufnahme zu unterbinden.
Aktivkohle bindet übrigens keine Glykole. Eine Antidotbehandlung ist
möglich, sind jedoch mehr als fünf Stunden seit Giftaufnahme verstrichen,
ist der Verlauf meist ungünstig.
Als Antidot (Gegenmittel) steht bereits seit langem Ethanol (Alkohol) zur
Verfügung, es verhindert die Verarbeitung des Ethylenglycols im
Stoffwechsel zu seinen toxischen Umwandlungsprodukten, da es das Enzym
Alkoholdehydrogenase hemmt. Es wird mit einer Kochsalzlösung intravenös
mehrmals mit zeitlichem Abstand gegeben. Seit einiger Zeit gibt es mit
Fomepizol (4-Methylpyrazol) ein alternatives Antidot, das ebenfalls das
Enzym Alkoholdehydrogenase hemmt, aber weniger Nebenwirkungen als Ethanol
hervorruft. Es wird ebenfalls mehrfach intravenös mit zeitlichem Abstand
verabreicht.
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