| So wie man gegen Zecken und die durch sie übertragenen
Krankheiten nicht mehr tun kann als vorzubeugen, so ist es auch mit den
Begleiterscheinungen des Älterwerdens unserer Vierbeiner. Trotz aller
Bemühungen der Besitzer, die Alten "fit" zu halten, bleiben die
Seniorenhunde oft nicht verschont vor dem, was medizinisch
neurodegenerative Prozesse genannt wird, die Ablagerung von Substanzen wie
ß-Amyloid und die Blutgefässe betreffenden Veränderungen. Je nach Ausmaß
der neurodegenerativen Prozesse geht das Verhalten des Tieres dann auch
über das hinaus, was viele Halter noch unter Altersstarrsinn einordnen
und als Eigenheiten tolerieren. Diese Geriatrischen Verhaltensstörungen
von Hunden, deren Ursache organisch ist, werden mit dem Oberbegriff "Cognitive
Dysfunction Syndrome" zusammengefasst. Die Hauptsymptome sind Störungen
der Orientierung in Heim und Umwelt, Stubenunreinheit, Störungen der
sozialen Interaktionen und bei den Schlaf-Wach-Zyklen.
Da unsere Haustiere immer älter werden, zeigen auch mehr und mehr Hunde
durch den Alterungsprozess verursachte Verhaltensstörungen und das
Interesse, diese so gut als möglich behandeln zu können, wächst. Aus der
Humanmedizin kennt man ginkgo- Pflanzenextrakte als ein bei Menschen zur
Therapie von bestimmten Hirnleistungsstörungen, manchen arteriellen
Verschlusskrankheiten und von Störungen des Vestibularorgans wirksam
einsetzbares Nahrungsergänzungsmittel. Doch wie ist das beim Hund?
Wissenschaftler haben 42 ältere Hunde (Durchschnittsalter 11,4 Jahre) über
einen Zeitraum von acht Wochen einmal täglich über das Futter mit einem
standardisierten Ginkgo-biloba- Extrakt in einer Dosis von 4 mg/kg
Körpergewicht versorgt. Die Hunde hatten durchschnittlich über mindestens
12 Monate geriatrische Verhaltensänderungen gezeigt, diese wurden in sechs
Teilbereiche eingeteilt, nach denen beurteilt wurde.
- Unter Desorientierung in der direkten Umgebung verstehen die
Mediziner beispielsweise das ziellose Umherwandern, verirren, in Ecken
"feststecken", Türen nicht mehr finden und allgemein Vergesslichkeit.
- Veränderungen im Schlaf-Wach- Rhythmus zeigen sich häufig in einem
tagsüber schlafenden Hund, der nachts umherwandert oder auch spontan
erwacht (und zu bellen beginnt).
- Stubenunreinreinheit meint nicht nur das klassische "der Hund
verunreinigt die häusliche Umgebung" sondern auch, dass ein sich bis
dahin zuverlässig bei Bedürfnissen meldender Hund auf einmal nicht mehr
meldet.
- In der häuslichen Umgebung gestörtes Sozialverhalten beinhaltet
alles, was die Beziehung zum Besitzer und bekannten Personen anbetrifft.
Der Hund erkennt möglicherweise ihm bekannte Personen nicht mehr, sucht
deutlich mehr oder deutlich weniger Aufmerksamkeit, läuft ohne
erkennbaren Grund weg, begrüßt seine Besitzer nach Abwesenheit nicht
mehr, ist schwer motivierbar, vielleicht sogar teilnahmslos.
- Generelle Verhaltensänderungen sind Apathie, Nervosität,
Ängstlichkeit, Aggressivität.
- Körperlich kann es zu Appetitlosigkeit, nachlassender Vitalität und
einem insgesamt reduzierten Allgemeinzustand kommen.
Nach etwa vier Wochen zeigte sich eine erkennbare Wirkung, nach acht
Wochen erfolgte eine erneute Beurteilung der Hunde für jeden Teilbereich.
Bei 79 % der Hunde wurde das durch Ginkgo biloba erzielte Ergebnis als gut
oder sehr gut beurteilt. Durchschnittlich bei fünf der sechs Teilbereiche
konnte eine deutliche Verbesserung erreicht werden. Bei 36 % der Hunde
konnten keinerlei klinische Symptome für altersbedingte
Verhaltensänderungen mehr festgestellt werden.
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