Spulwürmer (Ascariden) beim Hund
Der Hundespulwurm (lat. Toxocara canis ) gehört zu den Fadenwürmern, auch
Nematoden genannt, er zählt zu den beim Hund weltweit am häufigsten
vorkommenden gastrointestinalen Parasiten. Untersuchungen gehen davon aus,
dass die durchschnittlichen Befallsraten in einzelnen Ländern zwischen 12
% in Nordamerika und 29 % in Südamerika liegen. Höhere Prozentsätze sind
beispielsweise aus Barcelona bekannt, wo ein Befall der dort lebenden
Hunde mit diesen Parasiten von 36,6 % ermittelt wurde.
Deutlich höhere Werte konnten Gothe und Reichler 1990 bei einer Studie mit
100 zufällig ausgewählten Hundefamilien in Süddeutschland nachweisen, 67 %
der Würfe und 45 % der Muttertiere schieden Eier von Toxocara canis auf.
Auch andere Autoren konnten eine Altersabhängigkeit des Spulwurmbefalls
bei Hunden feststellen. Die am häufigsten betroffene Altersgruppe ist
demnach die der Tiere zwischen dem 0. und 5. Lebensjahr, nur ganz selten
werden bei Hunden über zehn Jahren noch Eier von Toxocara canis
nachgewiesen. Dies führt zu der Annahme, dass die Infektionsgefahr mit
Toxocara canis mit dem Älterwerden des Tieres deutlich abnimmt. Weitere
Studien zeigten bei im Haus gehaltenen Hunden weniger hohe Befallsraten
als bei Hunden aus Zwingeranlagen. Studien, die die Einkommenssituation
der Halter berücksichtigten, kamen zu dem Ergebnis, dass Hunde in sozial
schwachen Haushalten stärker von Toxocara canis befallen sind.
Diese hohen Befallsraten sind vor allem deshalb von Bedeutung, weil die
Ascaridose (Spulwurmbefall) eine Zoonose ist, eine auf den Menschen
übertragbare Erkrankung. Untersuchungen zeigen, dass bei Menschen mit
einer Infektionsrate zwischen 1 und 7 % zu rechnen ist, wobei insbesondere
Kinder gefährdet sind. Aus den verschluckten Hundespulwurmeiern schlüpfen
im Darm des Menschen die Larven, die die Darmschleimhaut passieren und
über den Blutweg in die verschiedenen Organe gelangen, betroffen sind vor
allem Leber und Lungen. Eine Weiterentwicklung der Larven ist im Menschen
nicht möglich, die Larven können jedoch sehr lange (bis zu 7 Jahre) im
Gewebe überleben. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome. Treten
durch die Toxocarose, wie die von Toxocara canis verursachte Erkrankung
heißt, Symptome auf, so sind diese sehr uneinheitlich. Die Anzeichen
reichen von Fieber, Husten, Bauchschmerzen bis hin zu
Entwicklungsstörungen und Sehstörungen. Eine Besonderheit ist die okuläre
Toxocarose (Larva migrans ocularis), bei der meist nur ein Auge betroffen
ist, teilweiser Sehverlust ist möglich. Einzelfälle, in denen es zum Tod
des Patienten durch massive Besiedlung des Gehirns mit Larven von Toxocara
canis kam, sind wissenschaftlich belegt. Eine klinisch etablierte
Behandlung von Toxocara canis beim Menschen steht bisher nicht zur
Verfügung, zum Einsatz kommen verschiedene Chemotherapeutika, die über
einen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen verabreicht werden.
[Anmerkung zur Bezeichnung dieser Zoonose: Das durch wandernde
Nematodenlarven beim Menschen hervorgerufene Krankheitsbild wird als „Larva
migrans“ bezeichnet und umfasst hauptsächlich Infektionen mit Spul- und
Hakenwurmlarven. Je nach Lokalisation der Erscheinungen unterscheidet man
zwischen Larva migrans cutanea und Larva migrans visceralis. Die kutane
(die Haut betreffende) Form wird durch perkutan einwandernde
Hakenwumlarven verursacht, während die häufigste Ursache der Larva migrans
visceralis, die in Leber, Lunge, Zentralnervensystem und Auge
eingewanderten Larven von Toxocara canis des Hundes und Toxocara mystax
der Katze sind.]
Beim Menschen sind verschiedene Infektionswege mit Toxocara canis bekannt,
beispielsweise durch den Verzehr von mit Larven infiziertem Fleisch oder
mit Eiern kontaminiertes Gemüse, auch die Übertragung von Spulwurmeiern
mit Fliegen spielt eine Rolle. Aus einer Studie von 1999 weiß man, dass es
auch möglich ist, sich beim Baden in öffentlichen Gewässern durch das
Abschlucken von kontaminiertem Wasser zu infizieren. Eine weitaus
bedeutendere Infektionsquelle ist jedoch der Kontakt mit an Hundehaaren
klebenden Eiern oder Larven von Toxocara canis. Die britischen Tierärzte
A. Wolfe und I. Wright untersuchten 60 Hunde und fanden bei jedem vierten
Toxocara-Eier im Fell, teilweise pro Gramm Hundefell bis zu 180 Eier. Von
71 untersuchten Toxocara-Eiern waren drei bereits infektiös, fast ein
Viertel befand sich im so genannten „embryonierten“ Stadium, welches für
den Menschen beim Abschlucken ebenfalls gefährlich werden kann. Gerade bei
Kindern ist die Gefahr groß, dass sie sich nach dem Streicheln eines
Hundes die Finger in den Mund stecken und so infektionsfähige Stadien des
Parasiten aufnehmen. Kinder sind auch die Hauptleidtragenden der Unsitte
mancher Hundehalter, ihre Hunde nicht von Spielplätzen fern zu halten.
Untersuchungen ergaben, dass der Sand von Spielplätzen sehr häufig
kontaminiert ist, die Werte liegen hier zwischen 3 % und 87 %.
Die Bekämpfung von Spulwurmeiern in der Außenwelt ist schwierig, da die
mit dem Kot ausgeschiedenen Eier eine außergewöhnliche Resistenz gegenüber
Umwelteinflüssen haben. Etwa ein bis drei Wochen nach dem Ausscheiden
werden die Eier infektiös, bereits bei wenigen Graden oberhalb des
Gefrierpunktes können sie monatelang infektiös bleiben, bei hoher
Luftfeuchtigkeit sogar jahrelang. Auch innerhalb des spezifischen Wirtes
Hund sind die Spulwürmer bestens gerüstet, um das Überleben ihrer Art auf
lange Sicht zu garantieren, allen modernen Entwurmungsmöglichkeiten auf
ihre Weise trotzend.
Nehmen ältere Hunde Spulwurmeier auf, so schlüpfen etwa zwei bis vier
Stunden später im Dünndarm Larven. Diese Larven durchbohren die Darmwand
und erreichen über die lymphatischen Gefäße und die venösen Kapillaren die
Leber. Dort findet ein geringes Wachstum der Larven ohne Häutung statt.
Nach drei bis fünf Tagen gelangen die Larven auf hämatogenem (über das
Blut) Weg von der Leber in die Lunge. Bei den meisten erwachsenen Hunden
(mit guter Immunabwehr) kommt es nun zu einer somatischen Wanderung, also
zu einer Wanderung der Larven innerhalb des Körpers. Sie gelangen über den
großen Blutkreislauf in quergestreifte Muskulatur, Nieren, Leber und
Zentralnervensystem. Dort verharren sie, ruhen reaktionslos im Gewebe,
eine so genannte impatente Infektion. Die Larven werden im Gewebe oft in
Granulome und von einer fibrösen Kapsel eingeschlossen, die Larven sind
mindestens ein Jahr überlebensfähig. Bei nicht tragenden Tieren kommt es
zu keiner weiteren Entwicklung dieser infektiösen Stadien.
Die große Stunde dieser Laven schlägt, wenn eine impatent infizierte
Hündin trächtig wird. Möglicherweise ist es die zunehmende Ausschüttung
von Prolaktin gegen Ende der Trächtigkeit, die zur Aktivierung von
ruhenden somatischen Larven führt. Es wird jedoch stets nur ein Teil der
ruhenden Larven mobilisiert, so dass bei weiteren Trächtigkeiten auch ohne
eine Neuinfektion der Mutterhündin der Prozess erneut in Gang gesetzt
werden kann. Ab dem 42. Tag der Trächtigkeit gelangen diese reaktivierten
somatischen Larven auf hämatogenem Weg über die Gefäße der Nabelschnur in
die fetale Plazenta. Die reaktivierten Larven gelangen in die Leber der
Feten und verharren dort bis zur Geburt. Innerhalb von Stunden nach der
Geburt der Welpen gelangen die ersten Larven von Toxocara canis auf
hämatogenem Weg in die Lunge. Die unzureichend ausgereifte Abwehrlage der
Welpen ist die Grundlage für die nun beginnende tracheale Wanderung der
Larven. Durch Ruptur (Riss) der Kapillaren gelangen die Larven in die
Lungenbläschen und steigen den Bronchialbaum bis zur Luftröhre (Trachea )
auf. Bereits in der Lunge kommt es zu einem erneuten Größenwachstum der
Larven, die nächste Häutung findet entweder in der Lunge, der Luftröhre
oder der Speiseröhre statt. Haben die Larven den Rachenbereich des Welpen
erreicht, lösen sie einen Hustenreiz aus und werden abgeschluckt. Meist um
den 10. Lebenstag eines pränatal infizierten Welpen haben die Larven den
Magen erreicht, wo sie mehre Tage verbleiben und sich nochmals häuten.
Danach besiedeln sie den Dünndarm, häuten sich ein letztes Mal und
entwickeln sich über ein kurzzeitiges nicht geschlechtsreifes Stadium zum
adulten und somit geschlechtsreifen Hundespulwurm, der etwa 16 cm lang
werden kann und optisch Spaghetti ähnelt.
Möglich ist auch die galaktogene (über die Muttermilch) Übertragung von
Larven. Die hierbei übertragenen Larven entwickeln sich im Darm der Welpen
ohne weitere Wanderung zu adulten Würmern.
Ein adulter Toxocara canis –Wurm produziert pro Tag bis zu 200.000 Eier.
Diese werden mit dem Kot ausgeschieden und sind zum Zeitpunkt des
Ausscheidens nicht embryoniert. In den Eiern entwickelt sich nach
zweimaliger Häutung das infektionstüchtige dritte Larvenstadium.
Bei der Infektion von Hunden mit Toxocara canis spielt auch die Aufnahme
von Beutetieren, in deren Muskulatur sich Larven des Parasiten abgelagert
haben (paratenische Wirte), eine Rolle. Das Spektrum paratenischer Wirte
reicht von Ringelwürmern über Amphibien bis hin zu Mäusen oder Vögeln.
Durch die Verdauungssäfte des Hundes kommt es zur Freisetzung der Larven.
Je nach Menge der Larven und Reaktionslage des Hundes (Gesundheitszustand)
vollziehen diese Larven eine tracheale oder somatische Wanderung.
Tracheale Wanderungen finden hauptsächlich bei Tieren unter drei Monaten
statt, eine somatische Wanderung bei Tieren über sechs Monaten. Bei
älteren Hunden mit unzureichender Immunabwehr kann es zu Spulwurmbefall im
Darm kommen.
Eine regelmäßige Entwurmung von Hunden und Welpen ist enorm wichtig, ein
Wurmmittel tötet allerdings nur die adulten Würmer, nicht jedoch die
verschiedenen Larvenstadien. Eine mehrmalige Entwurmung über einen
Zeitraum von mehreren Wochen ist also nötig, um einen Hund zuverlässig von
Spulwürmern zu befreien. Gerade für Welpen kann ein Befall mit Spulwürmern
ernsthafte Folgen haben. Was mit zunehmend struppigem Fell, Husten,
Erbrechen, einem aufgetriebenen Bauch, Durchfall oder Verstopfung durch
Spulwurmknäule im Darm beginnt, entwickelt sich bei starkem Wurmbefall
durch das Blutsaugen der Würmer an den Blutgefässen im Darm zu einer
Blutarmut, zu Apathie, Futterverweigerung, Abmagerung und endet
schlimmstenfalls mit dem Tod des Welpen.
Ein erwachsener Hund mit Spulwurmbefall im Darm bleibt häufig ohne
Symptome und scheidet Tag für Tag große Mengen von Spulwurmeiern
(Durchmesser weniger als 1/10 mm) aus.
Die Zahl der Hundehalter, die den Einsatz von Wurmmitteln bei ihren Hunden
nur dann befürworten, wenn Wurmbefall tatsächlich vorhanden ist, steigt.
Auf den Allgemeinzustand des Hundes und die Beurteilung des Kots durch
persönliche Inaugenscheinnahme sollte sich ein Halter aber auch in eigenem
Interesse nicht verlassen. Ein Wurmbefall des Hundes kann nur sicher
ausgeschlossen werden durch eine Laboruntersuchung des Kotes. Eine
Maßnahme, die im Interesse aller Beteiligten liegt, also im Interesse des
Halters selbst, des Vierbeiners und auch der Umwelt.
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