| Hundekrankheiten – Leishmaniose (canine leishmaniose) Die Leishmaniose ist die am häufigsten nach Deutschland eingeschleppte Tropeninfektionskrankheit, die sowohl Hunde als auch Menschen befallen kann. Benannt wurde die Krankheit mach dem britischen Tropenarzt Sir William Boog Leishman. Er entdeckte 1900 die Leishmaniose-Erreger erstmals in Indien. Außer in Australien tritt die Leishmaniose in allen Kontinenten auf. In Europa sind vor allem die Länder um das Mittelmeer betroffen. Die Durchseuchungsrate mit der Hundeleishmaniose ist regional sehr unterschiedlich. Von den verschiedenen Leishmanienarten sind Hunde am häufigsten mit Leishmania infantum infiziert. Bei den Leishmanien handelt es sich um Parasiten, die hauptsächlich von der Sandmücke übertragen werden. Sandmücken sind tropische Insekten, deren Verbreitungsgebiet sich nach Südeuropa ausgeweitet hat. In den letzten Jahren wurden in Portugal und sogar in Deutschland und der Schweiz vereinzelt Sandfliegen entdeckt. Hunde werden vor allem durch einen Stich der Sandmücke über einen Zwischenwirt infiziert. Und zwar, wenn die weibliche Sandmücke (nur die können stechen) bei einem Leishmaniose-infizierten Tier (bei dem nicht unbedingt ein Ausbruch der Krankheit stattfindet) Blut saugt und anschließend einen Hund sticht und dabei die Erreger überträgt. Es kann aber eventuell auch eine Infektion stattfinden durch eine Bluttransfusion oder durch offene Verletzungen, in die der Erreger durch den Kontakt zu einem Krankheitsträger geraten kann. Da man bis heute mindestens 9 verschiedene Stämme von Leishmania infantum kennt, können die Symptome und damit auch die Behandlung sehr unterschiedlich sein. Zu berücksichtigen sind auch die verschiedenen Vorkommensgebiete der unterschiedlichen Erreger. Eine Behandlung kann also z.B. in Spanien ganz anders aussehen als in Griechenland bzw. bei einem Hund, der sich in diesen Gebieten aufgehalten hatte. Symptome Die Inkubationszeit beträgt mindestens zwei Monate. Es kann aber auch erst nach Jahren zum Ausbruch der Krankheit kommen. Es gibt auch Hunde, die den Erreger zwar in sich tragen, es aber nicht zu Krankheitssymptomen kommt (latent infiziert). Nach einer Infektion vermehren sich die Leishmanien in den weißen Blutkörperchen. Erste Symptome eines mit Leishmanien infizierten Hundes können sein: Fieber, Durchfall, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Lahmheit, Haut- und Fellveränderungen. Die Ohrränder können einreißen und sich dort Schuppen bilden, die sich über den Kopf auf den gesamten Körper ausbreiten. Häufigstes Krankheitsanzeichen sind offene Hautwunden, die am gesamten Körper auftreten können, vermehrt aber an den Ohren, an der Nase, am Kopf oder an den Beinen. Diese Wunden verheilen nur schlecht. Sie können auch verkrusten und immer wieder aufbrechen. In der Folge kann es zu Haarausfall an diesen Stellen, um die Augen herum oder auch am gesamten Körper kommen. Weitere Symptome können Augenerkrankungen sein, z.B. Entzündungen der Lider, der Hornhaut oder der Bindehaut. Bei einigen infizierten Hunden kann Nasenbluten auftreten. Angeschwollene Lymphknoten, besonders in den Kniekehlen, können ertastbar sein. Mit Hilfe eines Blutbildes ist häufig eine Blutarmut feststellbar. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es zu Nierenversagen kommen, da sowohl die Leishmanien als auch einige der Arzneimittel, die gegen Leishmaniose eingesetzt werden, die Nieren schädigen können. Trotz immer besserer Therapiemöglichkeiten verläuft eine Leishmaniose-Erkrankung beim Hund nicht selten tödlich. Es sind aber auch hin und wieder spontane Heilungen vorgekommen. Nachweis der Leishmaniose Besteht Verdacht auf eine Leishmaniose-Infektion, suchen Sie bitte umgehend einen Tierarzt auf. Frühestens 14 Tage nach einer Infektion können mittels eines Bluttests Antikörper nachgewiesen werden. Ist der LAT (Leishmaniose-Antikörper-Titer) positiv, ist eine Infektion ziemlich sicher. In seltenen Fällen kann der LAT auch leicht erhöht sein durch eine andere Infektionskrankheit, z.B. Babesiose oder Ehrlichiose. Die Laboruntersuchung des Bluts auf Antikörper dauert einige Tage und kann mit verschiedene Verfahren durchgeführt werden. Ein niedriger Hämatokrit- und Hämoglobin-Anteil im Blut gilt als auffällig. Es gibt auch einen sogenannten Leishmaniose-Schnelltest. Dieser führt aber zu sehr ungenauen Ergebnissen und sollte nicht überbewertet werden. Anstatt oder zusätzlich zur Blutuntersuchung kann auch eine mikroskopische Untersuchung oder eine Kultur angelegt werden von Knochenmark, Hautzellen oder Lymphknotengewebe. Das Ergebnis ist hier sehr zuverlässig. Ein Ergebnis aus einer PCR (Polymerase Chain Reaction) Untersuchung des Knochenmarks oder des Blutes ist ebenfalls relativ sicher. Bei der Eiweiß-Elektrophorese wird der Quotient von Albumin/Globulin festgestellt. Ist dieser sehr niedrig, kann dies ein Hinweis auf eine Leishmanien-Infektion sein. Behandlung Vor Beginn einer Behandlung ist es hilfreich zu wissen, in welchem Land bzw. in welchem Gebiet sich der Hund angesteckt hat. Da die verschiedenen Stämme von Leishmania infantum regional auftreten und sehr unterschiedlich sind, richtet sich auch eine Behandlung danach. Der Tierarzt könnte sich in dem Ursprungsland erkundigen, welche Behandlung dort wirksam eingesetzt wird und damit vielleicht das eine oder andere Medikament gleich ausschließen bzw. eben die dort wirksame Arznei zur Therapie hier einsetzen. Leishmanien können auch Resistenzen gegen bestimmte Arzneimittel entwickeln. Dadurch könnte ein Medikament bei einem Hund ansprechen, bei dem anderen aber völlig wirkungslos sein. Die Nebenwirkungen der Leishmaniose-Medikamente sind zum Teil erheblich und eine Behandlung ist vom Tierbesitzer gemeinsam mit dem Tierarzt genau abzuwägen. Die Kosten für eine Behandlung können je nach Therapie (incl. der Bluttests) einen Betrag von 1.000 Euro und mehr erreichen. Vorbeugung Sandmücken sind nachtaktive Insekten, die von etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang bis ca. 1 Stunde vor Sonnenaufgang auf der Suche nach Blut sind. Außerdem sind sie nur bei einer beständigen Temperatur über 20 Grad aktiv. In Europa betrifft das etwa die Zeit von Mitte Mai bis Ende Oktober. Mitte August bis Ende September sind die Hauptflugzeiten der Sandmücke. Wenn Sie während der Sommermonate in einem Leishmaniose-Gebiet Urlaub machen, sollten Sie Ihren Hund vielleicht besser zu seiner Sicherheit zu Hause lassen. Ansonsten sollten Sie darauf achten, dass sich Ihr Hund möglichst nicht nachts im Freien aufhält. Die Fenster und Türen des Urlaubsquartiers sollten mit feinmaschigen (<4mm) Mückennetzen geschützt sein. Der einzig wirksame Schutz, der in Deutschland erhältlich ist, ist ein so genanntes Protectorband. Dieses Halsband schützt den Hund nicht nur vor Sandmückenstichen sondern auch vor Zecken- und Flohbefall. Die Wirksamkeit erstreckt sich über sechs Monate. Allerdings entfaltet sich die Wirkung erst nach zwei Wochen, so dass Sie das Halsband dem Hund rechtzeitig vor dem Urlaub anlegen sollten. Zusammenleben mit einem Leishmaniose-positiven Hund
Ein Leishmaniose-infizierter Hund muss nicht
isoliert gehalten werden. Man sollte aber besondere Vorsicht mit offenen
Hautwunden walten lassen und Beißereien nach Möglichkeit aus dem Weg
gehen. Ansonsten genügen normale hygienische Maßnahmen, um keine
Ansteckung anderer Tiere oder Menschen zu verursachen.
Verantwortungsbewusste Tierschützer werden einen positiv getesteten Hund
nicht in eine Familie mit kleinen Kindern vermitteln, da gerade die
Kleinsten die Grundregeln der Hygiene im Alltag nicht beachten.
Leishmaniose - ungewöhnliche Verlaufsformen sind
möglich
Leishmaniose - Bluttransfusionen als Übertragungsweg
Leishmaniose-positive Rüden: der Deckakt als mögliche Infektionsursache? Im Fachjournal „Veterinary Pathology“
veröffentlichten brasilianische Veterinärmediziner im Jahr 2005 das
Ergebnis einer Studie an rund 200 Rüden, die zunächst serologisch auf
Leishmanien untersucht wurden. Für die weitere Studie wurden 20 negativ
getestete Rüden, 20 positiv getestete Rüden ohne Anzeichen von Symptomen
und 20 positiv getestete Rüden mit klinischen Anzeichen für Leishmaniose
ausgewählt. Diniz SA, Melo MS, Borges AM, Bueno R, Reis BP, Tafuri
WL, Nascimento EF, Santos RL. Leishmaniose-positive Hündinnen und deren Welpen Wissenschaftler des Virginia- Maryland Regional College of Veterinary
Medicine in Blacksburg, Virginia (USA) haben in einer Fachzeitschrift von
ihren Studien an Leishmaniose positiven Mutterhündinnen berichtet, deren
Welpen gegen Ende der Trächtigkeit mittels Kaiserschnitt zur Welt gebracht
und untersucht wurde. In der Fruchtblase und bei den Welpen in Leber,
Knochenmark, Milz, Lymphknoten sowie Nieren konnten sie den Erreger "Leishmania
infantum" nachweisen. Leishmaniose positive Hündinnen können also den
Erreger auf ihre ungeborenen Welpen übertragen. |