| Die
Magendrehung beim Hund
Zwei Begriffe werden in diesem Zusammenhang medizinisch oft verwendet, zum
einen Magendilatation und zum anderen Magentorsion.
Unter Magendilatation wird die Aufdehnung (überdehnung) des Magens durch
Gas, oft auch Aufgasung genannt, verstanden.
Die Magentorsion ist der Begriff für die Drehung des Magens um seine
Achse, bezeichnet auch als Magenvolvulus, Volvulus ventriculi oder Torsio
ventriculi.
Es finden sich die Abkürzungen MDV (Magendilatation-Volvulus-Syndrom) oder
MDTV-Komplex (Magendilatations-Torsions-Volvulus-Komplex).
Die genauen Ursachen der Magendrehung sind nicht bekannt. Daher wird hier
sehr viel spekuliert. Die einen vermuten, dass genetische Ursachen
mitverantwortlich sind, andere erklären die Erkrankung mit der einmaligen
Fütterung pro Tag, wieder andere vermuten eine Gewebeschwäche in den
Aufhängesystemen des Hundemagens, andere im Herumtollen nach dem Fressen
oder im Wälzen über den Rücken nach der Fütterung und manch einer im
Treppensteigen nach der Mahlzeit.
Rein statistisch gesehen gibt es etwas mehr Klarheit, denn diese belegt
eindeutig, dass vor allem großwüchsige Rassen mit eher tiefer Brust, wie
Deutsche Doggen, Deutsche Schäferhunde, Boxer und Setterartige Rassen
betroffen sind. Zum Zeitpunkt der Erkrankung sind die meisten Tiere älter
als zwei - drei Jahre. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen zu
wissen, dass die meisten Fälle von Magendrehungen in den Abendstunden oder
nachts registriert werden und die Erkrankung unbehandelt zum Tode führt –
kein Tierarzt wird sich durch einen nächtlichen Anrufes wegen Verdachts
auf Magendrehung „gestört“ fühlen. Ein Hund mit einer Magendrehung
befindet sich in Lebensgefahr, er muss so schnell als möglich tierärztlich
versorgt werden. Bei einem solchen Verdacht bis zum nächsten Morgen zu
warten, bedeutet meist, dass der Hund eingeschläfert werden muss, da die
Schäden am Magen zu weit fortgeschritten sind. Denken sollte man auch an
die Schmerzen, die der Hund in dieser Zeit erleidet.
Für den Tierbesitzer ist zunächst nur die Unruhe des Hundes bemerkbar,
kein Ruheplatz erscheint annehmbar, die Hunde wechseln häufig zwischen
Liegen, Stehen, Umhergehen. Manche Hunde versuchen zu erbrechen, meist
erfolglos, vielleicht verbunden mit etwas gelblichem Schleim. Der
Speichelfluss ist häufig erhöht. Der Hund wird nun zunehmend matter.
Irgendwann wird eine Zunahme des Bauchumfanges sichtbar, klopft man gegen
die Bauchwand, ertönt ein Trommel-ähnliches Geräusch. Meist tritt Atemnot
auf, die Schleimhäute werden zunehmend blass, die Pfoten kalt,
Kreislaufversagen kündigt sich an.
Für den Tierhalter nicht sichtbar hat sich der Magen des Hundes um seine
Achse gedreht, dadurch ist sowohl der Eingang als auch der Ausgang
teilweise oder ganz verschlossen. Die hintere Bauchvene wird durch die
Drehung des Magens verschlossen, es kommt zu venösen Stauungen der
Bauchorgane. Meist dreht sich auch die Milz mit, was zu weiteren
Komplikationen führt.
Die sich noch im Magen befindliche Nahrung beginnt unter dem Einfluss der
Magensäure zu gären, das dabei entstehende Gas dehnt den Magen auf. Der
vergrößerte Magen drückt auf Zwerchfell und Lunge, der Sauerstoffgehalt
des Blutes nimmt ab. Der Blutdruck sinkt, das Herz wird nicht mehr
ausreichend versorgt, es entstehen Herzrhythmusstörungen. Der Hund
befindet sich in einem schweren Schockzustand.
Die durch die anhaltende Kompression der hinteren Bauchvene verursachten
Blutstauungen in den Eingeweidegefäßen können zu Gefäßzerreißungen mit
Einblutungen in den Bauchraum führen. Das teilweise oder völlige
Abgeschnittensein des Magens von der Blutzufuhr bedingt schwere Nekrosen
an der Magenwand.
Der behandelnde Tierarzt wird zunächst die Diagnose absichern, oft ist
hierzu die klinische Untersuchung ausreichend, ansonsten gibt ein
Röntgenbild über die Vorgänge im Innern des Hundes Auskunft.
Danach wird versucht, den Hund zu stabilisieren, da meist eine Operation
notwendig ist, um den Magen wieder in seine Ausgangsposition zu bringen.
Um die inneren Organe schnellstmöglich zu entlasten, wird das im Magen
befindliche Gas entfernt, entweder durch eine Kanüle durch die Bauchwand
oder mittels einer Magensonde. Bei der Operation selbst wird der Magen
zurückgedreht und vor Ende der OP meist in seiner Position fixiert. über
eine Sonde wird er gespült und die Magenwand nach abgestorbenen Bereichen
abgesucht. Falls die Milz sich mitgedreht hatte, muss diese in vielen
Fällen entfernt werden, da sie durch den Blutstau oft so geschädigt ist,
dass sie sich zersetzen würde.
Die ersten Tage sind auch nach erfolgreicher Operation kritisch, da es
erneut zu Herzrhythmusstörungen kommen kann und die Blutgerinnung
überwacht werden muss.
Aus Studien gibt es Hinweise, dass das Trauma Magendrehung die Entwicklung
einer DIC (disseminierte intravasale Koagulopathie) begünstigt. Hier
werden durch eine übermäßig stark ablaufende Blutgerinnung im
Blutgefäßsystem Gerinnungsfaktoren verbraucht, daraus resultiert
schließlich eine Blutungsneigung.
Das Risiko einer Magendrehung kann nicht völlig ausgeschlossen werden, nur
verringert. Statt einer einzigen, großen Mahlzeit sollte zweimal täglich
gefüttert werden, im höheren Alter sogar dreimal. Starke körperliche
Belastungen sollten vor und nach der Fütterung vermieden werden.
Potentiell gefährdete Hunde, die im Rudelverband leben, sollten separat
gefüttert werden, um neidiges, schlingendes Fressen zu vermeiden.
Dass auch Nordische & Co. nicht vor einer Magendrehung gefeit sind,
erlebte Günter Schwartze hautnah mit dem Chow Akino im Jahr 2001, im
„Journal für Nordische Hunde“ (Ausgabe 19) berichtete er darüber:
Magendrehung ein Albtraum für viele Hundebesitzer
Den 27. Juli 2001 werden wir so schnell nicht vergessen. Kurz vor dem
Zubettgehen hörten wir ein jämmerliches Wimmern und Jammern. Es schien,
als hätte sich ein fremder Hund bei uns in die Wohnung verirrt. Auf der
Suche nach dem Unglücksraben entdeckten wir hinter unserem Sofa unseren
Chow-Rüden Akino. Noch nie zuvor haben wir ihn je weinen oder jammern
hören, diese Töne waren uns total fremd. So kannten wir ihn nicht. Er
schien sichtlich Probleme zu haben. Als wir ihn ansprachen, ging sofort
mit an die Türe und musste sich draußen übergeben. Nachdem er vergeblich
versucht hatte, Kot abzusetzen, fühlten wir seinen Körper an. Irgendetwas
stimmte mit ihm nicht. Schon gleich bemerkten wir beide, dass der Bauch
wie ein Luftballon aufgeblasen war. Panik machte sich in uns breit. Nur
jetzt keinen Fehler machen, die Zeit arbeitet gegen uns. Ein örtlicher
Tierarzt war Freitagabend um 23 Uhr nicht mehr erreichbar, also riefen wir
sofort und umgehend in der Tierklinik in Reutlingen an. In knapp einer
Stunde waren wir vor Ort und wurden auch schon vom Klinikchef in Empfang
genommen. Die Diagnose war eindeutig: MAGENDREHUNG. Blieb denn unserem
Pflegehund überhaupt nichts erspart? (Wir waren uns nicht bewusst, in
dieser Richtung einen Fehler gemacht zu haben, nach dem Füttern hatte er
das Haus nicht mehr verlassen. Im Nachhinein können wir nur Vermutungen
anstellen.)
Akino wurde sofort in Narkose gelegt und mit einer Sonde versorgt. Seine
Herzfrequenz betrug mittlerweile 300. Ziemlich bestürzt sind wir nach
Hause gefahren und haben dann nochmals in der Klinik angerufen. Die
Herzfrequenz war dieselbe, also würde eine Operation in diesem Zustand ein
Risiko für ihn sein.
Am nächsten Tag derselbe Zustand - also doch OP, die einzige Alternative,
sonst hat er hin wie her überhaupt keine überlebens-Chancen. Um 15 Uhr
erhielten wir die Nachricht, dass Akino die Operation wider Erwarten gut
überstanden hat.
Am Sonntag erneuter Anruf. Die Herzfrequenz war auf 150 gesunken, Akino
wäre selbständig mit in den Garten und hätte sich entleert. Anschließend
sei er der Meinung gewesen, dass es Zeit für einen Rundgang in der Klinik
wäre. Nach erfolgreicher Begehung hat er sich dann durch Aufforderung
wieder auf Station begeben, sei sogar in die Box gestiegen.
Am Montag war die Herzfrequenz glücklicherweise auf 130, so dass gute
Aussichten bestünden, dass wir ihn am Dienstag mit nach Hause nehmen
könnten. Das hatten wir dann auch vor - unser chinesischer Kobold hat uns
ziemlich gefehlt. Er ist für uns eine große Bereicherung.
Als wir am Dienstag in die Klinik kamen wurde er nochmals untersucht und
uns mit einer Herzfrequenz von 120 aufatmend übergeben. Die Freude war auf
beiden Seiten groß. Der ganze Hund hat vor Freude gewedelt - glücklich
haben wir den kleinen Mann wieder in die Arme geschlossen. Ein besonders
herzliches Dankeschön an das komplette Team der Tier-Klinik Dr. Hüttig in
Reutlingen für die ausnehmend gute Betreuung.
Die Tage drauf waren etwas risikoreich - Akinos Drang, die Katzen
erfolglos zu jagen, war schnell wieder aufgeblüht. Aber ruhiger ist unser
Bursche geworden, beim Laufen verausgabt er sich nicht. Nach 10 Tagen
konnten dann die Klammern gezogen werden, die Nachkontrolle verlief
positiv. Ein EKG brachte gute Werte ans Tageslicht und die Klinik ist
erstaunt, wie super Akino das alles so weggesteckt hat. Sind Chows einfach
so??
Zwischenzeitlich merkt man ihm nichts mehr an, nur einen Herzschaden wird
er behalten und für den Rest seines Lebens Medizin benötigen.
Sollten Sie einmal in
dieselbe Situation kommen, verlieren Sie keine Zeit. Jede Minute ist
kostbar. Versuchen Sie, die nächste Tierklinik zu erreichen, sofern eine
in der Nähe ist.
Günter
Schwartze
Akino verstarb am 27.12.2004

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