Otitis, die Entzündung des Ohres
Unterteilt ist das Ohr des Hundes in das äußere und das innere Ohr. Der
äußere Gehörgang nimmt im Verlauf eine Biegung um fast 90 Grad, der
senkrechte Teil des äußeren Gehörganges ist also gut einsehbar, der
horizontale (waagrechte) Teil aber nur mit entsprechenden tierärztlichen
Hilfsmitteln. Auch die Reinigung dieses tiefen Anteils des äußeren Ohres
ist schwierig. Das innere Ohr ist von der so genannten „Bulla“ umgeben,
einer knöchernen Blase, die hinter den Kieferästen liegt. Die Bulla
schützt die empfindlichen Organe des inneren Ohres, das Mittelohr und das
Innenohr. Von vielen Tierbesitzern wird nicht wahrgenommen, dass die
Ohrentzündung keine lästige Erscheinung ist, sondern eine sehr
schmerzhafte Erkrankung. Da das Außenohr einen bedeutenden Anteil am
Hörprozess hat, kann eine schwere Otitis externa das Hörvermögen
beeinträchtigen und in letzter Konsequenz sogar zum Verlust des
Hörvermögens führen.
Nach den Ergebnissen verschiedener Studien scheint es bei bestimmten Rassen eine Prädisposition für die Otitis externa zu geben. Genannt werden die Schäferhunde, die Cocker- und die Springer-Spaniel, sowie die Zwergpudel. Auch das Alter eines Hundes scheint ein Faktor zu sein, demnach sind Tiere zwischen zwei und sechs Jahren häufiger betroffen. Eine Rolle zu spielen scheinen auch die Haare im Ohrkanal, je mehr Haare sich dort befinden, desto eher scheint es zu einer Otitis externa zu kommen.
Je früher eine Entzündung des äußeren Gehörgangs
erkannt wird, desto besser sind die Chancen, diese relativ einfach und
zügig in den Griff zu bekommen. Kratzt ein Hund vermehrt an den Ohren,
schüttelt häufiger den Kopf oder hält ihn schief, so kann dies ein Hinweis
auf eine beginnende Ohrentzündung (oder Milbenbefall etc.) sein und mit
Blick auf die möglichen Folgen sollte das Tier lieber einmal zu viel als
zu wenig beim Tierarzt vorgestellt werden. Tritt nach einigen Tagen Behandlung keine Verbesserung ein oder ist der Gehörgang zum Zeitpunkt des Tierarztbesuches bereits so verkrustet, dass mit Ohrreiniger eine Lösung der Verkrustungen / Verschmutzungen unwahrscheinlich erscheint, kann (bei den meisten Hunden in Narkose) eine Ohrspülung durchgeführt werden. Der äußere Gehörgang wird dabei mit einem Schleimhautdesinfektionsmittel manuell gereinigt, danach wird die medikamentelle Therapie fortgesetzt. Polypenartige Wucherungen im Ohr entstehen, wenn es unter der Therapie nicht gelingt die Ohrentzündung einzudämmen, in der Praxis überwiegen allerdings die Fälle, in denen eine Ohrenentzündung bis dahin schlicht verschleppt und gar nicht behandelt wurde. Eine Behandlung mit Medikamenten bringt hier kaum Erfolg, meist ist eine Operation des Ohres nötig und dies bald, denn durch die zunehmende Verengung des Gehörganges schreitet die Entzündung deutlich schneller fort.. Die betroffenen Tiere haben zu diesem Zeitpunkt starke Schmerzen, in der Umgangssprache haben sich nicht umsonst Begriffe wie „Ohrenzwang“ und „Kopfscheue“ dafür gefunden. Ohrenzwang beinhaltet das häufige Schütteln des Kopfes, vielfach eine Kopfschiefhaltung, vermehrtes, fast zwanghaftes Kratzen an den Ohren. Hinter dem Begriff Kopfscheue verbirgt sich, dass der Hund sich nicht mehr gerne im Bereich der Ohren, des Kopfes berühren lassen will, da dies für ihn mit Schmerzen verbunden ist. Um hier Abhilfe zu schaffen, stehen dem Tierarzt verschiedene operative Möglichkeiten von der teilweisen bis vollständigen Entfernung des äußeren Gehörgangs mit oder ohne Osteotomie (Durchtrennung eines Knochens oder Beseitigung eines Knochenstücks) der Bulla zur Verfügung. Eine Operationsmethode der Wahl auf Grund der
anatomischen Gegebenheiten gibt es nicht, das Vorgehen richtet sich nach
den im Ohr bestehenden Veränderungen.
Bei der Otitis-Operation nach Zepp (lateral ear canal resection) wird der äußere Gehörgang eröffnet, der Tragus wird nach auswärts und unten verlagert. So wird eine bessere Belüftung des horizontalen Gehörgangs erreicht, die Einbringung von Medikamenten wird vereinfacht.
Geht die Otitis externa einher mit nicht mehr zu korrigierenden (irreversiblen) strukturellen Veränderungen wie beispielsweise Tumoren, die den Hörkanal verschließen, kann eine Resektion (operative Entfernung) der vertikalen Wand des Hörkanals nötig sein.
Chronische Wucherungen, die mit dem Ohrkanal verbunden sind, nicht behandelbare Mittelohrinfektionen, eine komplette Verengung des äußeren Ohrkanals, Abszesse u.a. können die Durchführung einer Total ear canal ablation – Operation (TECA) erforderlich machen. Dabei wird der Ohrkanal abgetrennt und entfernt. Meist ist hier auch eine laterale Bulla-Osteotomie LBO), also die Öffnung und Entfernung eines Teils der knöchernen Schutzhülle (Bulla) um Mittel- und Innenohr herum erforderlich. Dieser sehr weit reichende Eingriff führt häufig zu einem starken bis völligen Verlust des Hörvermögens. Die Therapie von Schwerhörigkeit bzw. Hörschädigungen beim Hund ist noch nicht sehr weit fortgeschritten. Ende der 90er Jahre konnte aber in einigen Studien belegt werden, dass eine medizinische Messmethode des Hörvermögens, FAEP (frühe, akustisch evozierte Potentiale = messbare, elektrische Potentialschwankungen, die im Stammhirn entstehen, wenn bestimmte Schallsignale auf das Ohr treffen), beim Hund möglich und sinnvoll ist. Anhand ihrer Messungen konnten die Untersuchenden feststellen, dass nach einer ventralen Bullaostetomie ähnliche FAEP nachweisbar sind wie vor der OP, nach totaler Gehörgangsentfernung und lateraler Bullaosteotomie konnten sie oft keine FAEP nachweisen. Sie schlossen daraus, dass die laterale Bullaosteotomie häufig zu einem kompletten Hörverlust fehlt.
Shiba nach beidseitiger Otitis-Operation, davon eine Seite mit Bullaosteotomie
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