| Das
Sticker-Sarkom
Bei Hunden gibt es eine Krebserkrankung der äußeren Geschlechtsorgane, die
bei der Paarung weitergegeben wird, das so genannte Sticker-Sarkom (engl.
Canine transmissible venereal tumor, transmissible venereal tumor (TVT),
Sticker tumor). Die Erkrankung kommt weltweit vor, ist in den tropischen
und subtropischen Regionen (Afrika, Mittelmeerraum, Südamerika) jedoch
wesentlich häufiger und tritt dort vor allem bei streunenden Hunden auf.
Das Sticker-Sarkom wurde 1876 von dem russischen Veterinär Novinsky
entdeckt.
Die Übertragung kann nicht nur durch den Deckakt, sondern auch durch
direkten Kontakt oder durch Lecken an den betroffenen Stellen von Tier zu
Tier erfolgen. Der Tumor wirkt immunogen, löst also eine Reaktion des
Immunsystems aus. Ob es zu einer spontanen Rückbildung oder im anderen
Extrem zu einer Metastasierung kommt, scheint stark vom Immunstatus des
betroffenen Tieres abzuhängen. Diese Krankheit betrifft bei Rüden
hauptsächlich Penis und Vorhaut (Präputium), bei Hündinnen Scheide
(Vagina) und Vulva (Labien, Schamlippen). Es zeigen sich rötliche,
knotige, schnell blutende Geschwülste an den Genitalschleimhäuten, auch
mit eitrigem oder blutigem Ausfluss aus den Geschlechtsorganen. Mit dem
weiteren Wachstum nehmen die Tumore eine blumenkohlartige Form an und
können über 5 cm groß werden. Primärherde können auch an anderen
Hautstellen wie der Maul- oder Analschleimhaut auftreten.
Dieser Tumor metastasiert eher selten, die Angaben in der Literatur
schwanken zwischen 5 und 17 %. Metastasen können in den
Leistenlymphknoten, im Damm und Hodensack auftreten, vor allem wenn der
Tumor länger als einen Monat bestehen bleibt. Sehr selten können
Metastasen in entfernten Organen (Lunge, Zentralnervensystem, Auge)
nachgewiesen werden. Nach chirurgischer Entfernung kann es zu Rezidiven
kommen. Der Tumor lässt sich mittels Chemotherapie oder Bestrahlung gut
behandeln. Insgesamt gesehen ist die Prognose jedoch gut.
Ungeklärt war lange Zeit der Ursprung des Sticker-Sarkoms. In der
Fachzeitschrift „Cell“ berichteten nun der Tierarzt Claudio Murgia und
weitere seiner Kollegen vom University College London über ihre Ergebnisse
aus dem Vergleich des Krebsgewebes von 40 erkrankten Hunden auf fünf
verschiedenen Kontinenten. Ihre Genanalysen ergaben, dass das Material
aller erkrankten Hunde genetisch identisch war, dieser Tumor ist die erste
Krebsart, die ihren Ursprung nicht in der Entartung körpereigenen Gewebes
hat. Um noch mehr über das Sticker-Sarkom heraus zu finden, verglichen
Murgia und seine Kollegen die Gensequenzen mit denen von Wölfen und
ursprünglichen Hunderassen vergangener Jahrhunderte. Die größte
Ähnlichkeit konnte bei den Wölfen und einer ursprünglichen ostasiatischen
Hunderasse gefunden werden, so dass der Tumor seinen Ursprung vor
mindestens 200 Jahren bei einem Tier einer solchen Rasse gehabt haben
muss. Als mögliche Erklärung, wie die Krebszellen die Jahrhunderte
überdauern können, geben die Wissenschaftler eine Art Strategie der
Krebszellen an, die es diesen ermöglicht, das Immunsystem der Hunde zu
überlisten.
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