|
Sebadenitis
Bei Sebadenitis handelt es sich um eine Hauterkrankung, andere
Bezeichnungen sind S.A. oder Granulomatöse Sebadenitis, welche bisher bei
Hund, Katze und Kaninchen beschrieben wurde. Das Immunsystem betroffener
Tiere zerstört bei dieser Erkrankung letztlich die köpereigenen
Talgdrüsen, die oberflächlich in der behaarten Haut der Tiere liegen.
Abhängig von der Körperregion des Hundes variieren die Talgdrüsen
hinsichtlich Größe und Anzahl, eine hohe Dichte an Talgdrüsen findet sich
beispielsweise im Nacken und am Schwanzansatz, besonders große Talgdrüsen
sind am Kinn. Von den Talgdrüsen aus gibt es eine durchgängige Verbindung
zur Hautoberfläche, der Epidermis. Das in den Talgdrüsen produzierte
Sekret, der Talg oder wissenschaftlich Sebum, gelangt durch den
Ausführungsgang an die Hautoberfläche und verteilt sich dort sowohl auf
der Haut wie auch auf den Haaren. Dabei hat das Sebum mehrere wichtige
Funktionen. Zum einen wird die Feuchtigkeit der Haut auf diese Weise
reguliert, zum anderen ist das Sebum auch eine Art „Barriere“ gegen
potentielle Krankheitserreger und ist zusätzlich noch an der Bildung der
Hornschicht beteiligt.
Erkrankt nun ein Hund an Sebadenitis ist für den Besitzer zunächst nichts
feststellbar, das Geschehen spielt sich zunächst in und um die Talgdrüsen
herum ab. Mikroskopisch lassen sich in und an den Talgdrüsen viele
verschiedene Zellen des Immunsystems nachweisen, ein Zellinfiltrat aus
Abwehrzellen. Seine Aktivität richtet sich überwiegend gegen die
Talgdrüse, die Haarfolikel bleiben fast unbeeinträchtigt. Einige Zeit
später wird der Besitzer in der Regel auf das Geschehen aufmerksam. In
vielen Fällen finden sich erste Anzeichen an Ohren oder Kopf, dann Rumpf
und Schwanz, die Erkrankung kann aber an jeder Körperstelle beginnen.
Durch den Verlust ihrer natürlichen Schutzschicht wird die Haut schuppig,
die Hornschicht verdickt sich, Haare brechen mitunter büschelweise mit
anhaftenden, bräunlichen (silbrigen) Schuppen ab. Insgesamt ist die Haut
in diesem Stadium sehr anfällig für die Ansiedlung jedweder Art von
Bakterien, die heftige, oft stark juckende und eitrige Entzündungsprozesse
auslösen können. Die meisten der betroffenen Hunde riechen zu diesem
Zeitpunkt sehr unangenehm, eine Folge der Bakterienansiedlung.
Im Endstadium der Erkrankung kommt es durch die körpereigenen Abwehrzellen
zur Selbstzerstörung der Talgdrüsen, die Entzündungsintensität nimmt dann
wieder ab. Unter dem Mikroskop ist keine Talgdrüsenstruktur mehr
erkennbar. Die Talgdrüsen können sich nicht mehr regenerieren, sie fehlen
dem Hund dauerhaft.
Die Diagnose Sebadenitis zu stellen ist nicht einfach, Grundvoraussetzung
ist die Durchführung einer Hautbiopsie. Dabei werden mit einem speziellen
Werkzeug (Hautstanze) unter lokaler Betäubung kleine Hautstückchen an
meistens drei Körperstellen des Hundes (in der Regel Halsmitte, Rücken,
Schwanzansatz) entnommen, die Wunden werden meist mit einem Faden
verschlossen. Der untersuchende Pathologe muss speziell auf das
Vorhandensein von Talgdrüsen achten – da die klinischen Hautveränderungen
erst auftreten, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist, wird
der Pathologe in den meisten Fällen feststellen, dass keine Talgdrüsen
mehr zu finden sind, nur in seltenen Fällen gelangen Proben mit
entzündeten Talgdrüsen zur Untersuchung. Dies belegen auch Zahlen aus den
USA von 1998 bzw. 1999. Dort hatte man zunächst 95 SA-Fälle ausgewertet,
das durchschnittliche Erkrankungsalter betrug 3,8 Jahre, zwischen dem
Auftreten der Symptome und der Diagnose vergingen durchschnittlich 9
Monate. Nicht besser sah es ein Jahr später aus, dort wurden 35 SA-Fälle
analysiert, das Durchschnittsalter lag bei 4,5 Jahren, unerkannt blieb die
Erkrankung durchschnittlich 2 Jahre. Der jüngste Hund, bei dem je eine SA
festgestellt wurde, war ein 3 Monate alter Collie, gewöhnlich tritt die
Erkrankung erst bei erwachsenen Hunden auf. Es gibt keinen Hinweis, dass
die Geschlechter unterschiedlich stark betroffen sind. Fellfarben oder
auch Geschlechtsstatus (kastriert / nicht kastriert) scheinen ebenfalls
keine Rolle zu spielen, ob Sebadenitis auftritt oder nicht. Gewisse Rassen
scheinen allerdings häufiger betroffen zu sein, auch wenn Sebadenitis
Hunde aller Rassen und auch Mischlinge betreffen kann. So wurde die
Krankheit erstmals 1986 bei einem Hund beschrieben, man weiß aber, dass
die Erkrankung in den 60er Jahren bereits bei Pudeln auftrat. Speziell für
den Pudel ist belegt, dass die Erkrankung vererbt werden kann, für eine
andere, ebenfalls häufig betroffene Rasse, den Akita Inu, läuft aktuell
noch ein entsprechendes Forschungsprojekt, dass Auskunft über die
Vererbbarkeit beim Akita geben soll. Dies ist nötig, da die klinischen
Veränderungen sich bei den beiden Rassen deutlich unterscheiden, es ist
also nicht gesichert, dass bei beiden Rassen die gleiche Ursache zur
Zerstörung der Talgdrüsen führt. Die meisten Quellen gehen von einem
autosomal rezessiven Vererbungsmuster aus, d.h. nur wenn beide Elterntiere
das Defektgen weitergeben, kann die Krankheit zum Ausbruch kommen. Beim
Pudel konnte übrigens durch gezielte Zuchtprogramme das Auftreten von
Sebadenitis deutlich reduziert werden.
Sehr schwierig ist es auch, herauszufinden, in welchem Stadium sich die
Erkrankung des jeweiligen Tieres befindet. Es gibt keinen zeitlichen
Zusammenhang zwischen der Dauer der Erkrankung und deren Fortschreiten,
bei manchen Hunden ist Sebadenitis ein eher schleichender Prozess, immer
wieder schubweise über Jahre hinweg auftretend, bei anderen Hunden ist das
Endstadium mit Zerstörung der Talgdrüsen schon nach wenigen Wochen
erreicht.
Viele Fragen sind noch offen beim Thema Sebadenitis.
Als mögliche Auslöser für die Erkrankung werden neben der Genodermatose
(genetisch bedingte krankhafte Hautveränderung) auch Stresssituationen
genannt. Desweiteren wird über einige Fälle berichtet, bei denen
unmittelbar vorher Glukokortikoide (Klasse von Steroid-Hormonen aus der
Nebenniere wie Kortison) verabreicht wurden.
Unbekannt ist auch die Ursache, warum das Immunsystem plötzlich
körpereigenes Gewebe wie die Talgdrüsen angreift (Autoimmun-Erkrankung).
Eine einheitliche, allgemeingültige Behandlungsempfehlung gibt es für die
Sebadenitis nicht. Da die Erkrankung meist sehr spät diagnostiziert wird
und nicht heilbar ist, die Zerstörung der Talgdrüsen also nicht rückgängig
gemacht werden kann, setzt die Therapie im Wesentlichen an den Symptomen
an. Ein erkrankter Hund muss also lebenslang behandelt werden, da nicht
die Ursache therapiert sondern nur die Auswirkungen der schwankend
verlaufenden Erkrankung gelindert werden können.
Bei Hunden, die bereits im Frühstadium diagnostiziert werden, kann
versucht werden, die Zerstörung der Talgdrüsen durch eine Unterdrückung
der Entzündung aufzuhalten oder möglicherweise sogar ganz zu verhindern.
Hierbei können Cortisonpräparate, Vitamin-A-Abkömmlinge, essentielle
Fettsäuren oder auch das Immunsystem beeinflussende Medikamente wie
Cyclosporin zum Einsatz kommen.
In allen anderen Fällen werden akute Entzündungen der Haut meist mit
Antibiotika behandelt, was häufig zu Besserung führt, jedoch nicht als
Dauermedikamentation angewandt werden kann. Eine langfristige Behandlung
setzt immer am größten Problems eines SA-Hundes an: dem fehlenden
Schutzfilm der Haut. Es gibt eine Reihe von Bädern (Badeölen) und
rückfettenden Shampoos bzw. Spülungen, mit denen versucht wird, die
natürlichen Vorgänge zu imitieren. Möglich ist auch ein Einsatz von
Homöopathie in Verbindung mit einer Ölbehandlung, ein anderer Ansatz ist
biochemisch und naturheilkundlich. Eine Reihe von Erfahrungsberichten
finden sich auf der Seite
www.sebadenitis.de
und selbstverständlich viele weitere Informationen zu dieser
Hauterkrankung.
Diese interessante Seite einem Freund senden
zurück |