| Staupe (canine distemper)
Die Hundestaupe ist eine durch ein Virus verursachte
Infektionskrankheit. Bekannt ist die Krankheit seit dem 18. Jahrhundert,
Carré konnte 1905 den Virus erstmalig nachweisen.
Der Staupevirus gehört zur Familie der Paramyxoviren (zu dieser
Virusgruppe gehört auch das Mumpsvirus oder das Rinderpestvirus) und ist
in der Lage, Blutzellen zu verklumpen.
Der Staupevirus kommt weltweit vor und befällt Caniden (Hunde, Füchse,
Wölfe..), aber auch Waschbären, Pandas, Frettchen, Wiesel, Marder, Nerze,
Otter, Stinktiere und andere. An der Nordsee gab es vor einigen Jahren
selbst bei Robben einen Staupeausbruch.
Eine Ansteckung erfolgt meistens durch direkten Kontakt mit einem Viren
ausscheidenden Tier, das Virus wird in sämtlichen Sekreten und Exkrementen
mit ausgeschieden. So kann auch ein Waldspaziergang potentiell gefährlich
sein, da der Hund dort mit Ausscheidungen von infizierten Waldbewohnern in
Berührung kommen könnte. Der Virus ist jedoch in der Umwelt nur über einen
relativ kurzen Zeitraum aktiv, die UV-Strahlung der Sonne und der pH-Wert
des Bodens inaktivieren ihn schnell.
Die Inkubationszeit beträgt 3 – 6 Tage, nach 8 Tagen sind die
Ausscheidungen des infizierten Tieres ansteckend.
Das Virus dringt über das lymphatische Gewebe des Waldeyer`schen
Rachenringes oder der Bronchiallymphknoten in den Körper ein und vermehrt
sich. Am dritten oder vierten Tag gelangt das Virus ins Blut, das so
genannte virämische Stadium ist erreicht, häufig begleitet von
unspezifischen Symptomen wie einem Fieberschub, leicht gestörtem
Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit oder Bindehautentzündung (Konjunktivitis).
Diese Phase bleibt oft unbemerkt, das Virus lässt sich zu diesem Zeitpunkt
bereits in Milz, Lymphknoten und Thymus nachweisen.
Etwa nach einer Woche bricht die Staupe aus, häufig begleitet von einem
Fieberschub. Es gibt verschiedene Verlaufsformen, die sich miteinander
vermischen können, die Erkrankung hinterlässt oft gravierende Spätfolgen
und endet häufig sogar tödlich.
Der Verlauf mit Erkrankung des Magendarmtraktes (gastrointestinale Form)
beginnt ähnlich einer Verdauungsstörung mit Erbrechen und schleimig
wässrigem Durchfall. Dies kann (muss aber nicht) von Erkrankungen der
Atemwege (respiratorische Form) begleitet werden. Der sehr heftige und nur
schwer zu stoppende Durchfall kann schnell zu Austrocknung und Schwäche
führen.
Der Verlauf mit Erkrankung der Atemwege (respiratorische Form) ist
gekennzeichnet von eitrigem Nasenausfluss mit Verkrustungen um die
Nasenöffnungen und Augen, begleitet von einer erschwerten Atmung. Die
Infektion der Augen führt zunächst zu Entzündungen der Binde- und Hornhaut
mit Lichtempfindlichkeit und kann bis zur Erblindung gehen.
Der zunächst trockene Husten wird, mit zunehmender bakterieller Besiedlung
der geschwächten Schleimhäute, von einem sehr starken Husten mit eitrig
bis blutigem Auswurf abgelöst. Es kommt in Folge zu einer
Lungenentzündung, schließlich bricht der Kreislauf zusammen und der Tod
tritt ein.
Bei der nervösen Form der Staupe versucht das Virus das Gehirn zu
erreichen, dies geschieht häufig still und leise, während die Symptome der
Staupeerkrankung sich eigentlich zu bessern scheinen. Hat der Virus das
Gehirn erreicht (das kann in einigen Fällen Monate dauern), kommt es zu
Schädigungen, die Epilepsie ähnliche Krampfanfälle, nervöse Ticks,
Lähmungen und Wesensveränderungen hervorrufen.
In seltenen Fällen erreicht das Staupe-Virus das Zentrale Nervensystem (ZNS)
ohne zuvor eine deutliche Symptomatik im Magendarmtrakt oder den Atemwegen
verursacht zu haben.
Treten nervöse Symptome auf, ist die Sterblichkeit hoch.
In einigen Fällen kommt es etwa 14 Tage nach der Magendarmerkrankung durch
Staupe zu einer übermäßigen Hornhautbildung (Hyperkeratose) an den
Zehenballen und dem Nasenspiegel. Die Hornhaut wird brüchig und weist
tiefe Furchen und Risse auf. Dieses Krankheitsbild wird als Hard pad
disease (Hartballenform) bezeichnet.
überlebt ein Hund eine Staupeinfektion, behält er trotz bester
tierärztlicher Betreuung oft gesundheitliche Schäden zurück, die ihn ein
Leben lang begleiten. Diese Schäden können am Verdauungsapparat, an Herz
und Lunge, an den Augen (Hornhautschädigung, Erblindung) und an den
Pfotenballen (Nasenspiegel) auftreten und /oder sich in nervösen Ticks
und/oder Anfallsleiden äußern. In sehr seltenen Fällen leiden Hunde nach
überstandener Staupe an plötzlich und unvermutet auftretenden
„Wutanfällen“, also unkontrollierbaren Aggressionsausbrüchen.
Bei Hunden, die an Staupe erkrankten, bevor der Zahnwechsel abgeschlossen
ist, kommt es zum Absterben der Zellen, die den Zahnschmelz bilden. Daher
liegt das Dentin (Zahnbein) frei, mit der Bildung von (bräunlichem)
Sekundärdentin verschließt der Körper die kleinen Kanälchen der Zähne. So
entsteht ein bräunliches „Staupegebiss“, das durch seine Schmelzdefekte
sehr anfällig gegenüber Infektionen ist. Eine regelmäßige Fluoridierung
und sorgsame zahntherapeutische Behandlung durch den Tierarzt kann den
sonst vorprogrammierten schnellen Zahnverfall verlangsamen.
Die einzige Möglichkeit, Staupe vorzubeugen, ist eine lückenlose
Schutzimpfung des Tieres. Dazu gehört auch, die regelmäßige Auffrischung
des Impfschutzes.
Impfungen gegen Staupe sind seit den späten sechziger Jahren in
Deutschland möglich. So wurde aus einer relativ häufigen
Infektionskrankheit eine „Rarität“, bis vor etwa einem Jahrzehnt waren
vielen jungen Tierärzten die Verlaufsformen aus eigener Anschauung nicht
bekannt. Leider treten nun wieder bundesweit vermehrt Staupefälle auf.
Dies liegt zum Teil an einer zunehmenden Impfmüdigkeit mancher Halter, oft
einhergehend mit wirtschaftlichen überlegungen und Zwängen. Diskutiert
wird auch, in wie weit die zunehmenden Tierimporte aus Osteuropa die
Verbreitung der Staupe begünstigen und /oder ob änderungen der in der
freien Natur vorkommenden Virusstämme, gegen die die bisherigen Impfstoffe
möglicherweise keinen vollständigen Schutz bieten, eine Rolle spielen.
Impfschema: Welpen werden im Alter von sieben bis acht Wochen das erste
Mal gegen Staupe geimpft. Um eine Grundimmunisierung zu erreichen, ist
eine Wiederholungsimpfung nach vier Wochen erforderlich. Um den Schutz
aufrecht zu erhalten sind jährliche Auffrischungen nötig.
Besteht ein besonderes Infektionsrisiko können Welpen vor Erreichen des
Mindestimpfalters sowie anderweitig erkrankte Tiere (die normalerweise von
einer Impfung ausgenommen sind) durch die Injektion eines Immunserums
geschützt werden. Diese passive Immunisierung ersetzt aber nicht die
aktive Impfung, denn nur diese veranlasst das Immunsystem zur Bildung von
Antikörpern.
Diese interessante Seite einem Freund senden
zurück
|