| Mandelentzündung
(Tonsillitis)
Die Mandeln (Tonsillen) sind ein lymphatisches Organ in der Wand des
Rachens, die sich nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren
entzünden können. Bei Hunden sind überwiegend jüngere Tiere bis zum Alter
von drei Jahren betroffen.
Die ersten Symptome einer Mandelentzündung sind recht unauffällig,
vermehrtes Gähnen und Schlucken, vielleicht begleitet von schmatzenden
Geräuschen, eventuell vermehrter Speichelfluss. Manche Hundebesitzer
stellten auch einen vermehrten Maulgeruch fest. Irgendwann kommt es zu
kleineren, später größeren Hustenanfällen, so als würde dem Tier etwas im
Halse stecken, was es gerne loswerden würde. Manche Hunde versuchen, den
vermeintlichen Störenfried durch vermehrtes Gras fressen nach unten zu
befördern, andere versuchen, den Reiz durch Würgen weg zu bekommen, in
vielen Fällen so intensiv, dass ein weißlicher Schleim herausgewürgt wird.
Im Verlauf des weiteren Geschehens werden die Hunde matt, bekommen
möglicherweise Fieber und stellen das Fressen ein.
Allerspätestens jetzt sollte der Tierarzt aufgesucht werden, denn es
könnte sich um eine virale oder bakterielle Infektion des Hals-Rachenraums
handelt und sollte abgeklärt werden, auch deshalb, weil die Symptome auch
auf andere, schwerwiegende Krankheiten (z.B. Zwingerhusten, Staupe) oder
einen Fremdkörper hindeuten können.
Geschwollene Mandeln lassen sich oft schon ohne Blick in den Rachen
feststellen, wenn man mit Daumen und Mittelfinger die Halsgegend unterhalb
der Ohren abfährt und etwas ertasten kann, das einem irgendwie „fremd“
vorkommt. Bei einer akuten Mandelentzündung (Tonsillitis) sind die Mandeln
hochrot, glatt bis leicht granuliert und glänzend.
Behandelt wird zunächst oft mit Auspinseln des Rachens, schleimlösenden
Mitteln gegen den Reizhusten und wenn als Auslöser eine bakterielle
Infektion vermutet wird, mit Sulfonamiden oder Antibiotika.
Ein Rachenabstrich wird meist erst gemacht, wenn eine Antibiotika-Therapie
versagt hat und natürlich bei Tieren, bei denen man möglichst vor einer
Antibiotika-Therapie den Erreger isolieren will um ihn dann gezielt nach
Erstellung eines Antibiogramms angehen zu können. Da sich im oberen
Atemwegsbereich eine Vielzahl von Keimen findet, einige davon apathogen
(können also keine Erkrankung auslösen), andere pathogen (in der Lage,
eine Krankheit zu bedingen), ist die Beurteilung eines Rachenabstriches
schwierig. Selbst wenn ein möglicherweise pathogener Erreger in größerer
Zahl gefunden wird, muss dieser nicht ursächlich für das Krankheitsbild
sein, es könnte sich dennoch beispielsweise um eine Virusinfektion
handeln. Der Befund eines Rachenabstrichs muss also immer im Zusammenhang
mit der Vorgeschichte und allen anderen erhobenen Befunden gesehen und
interpretiert werden.
Das Labor für klinische Diagnostik GmbH&Co.KG, kurz Laboklin, hat einmal
1288 Rachenabstriche von Hunden und Katzen ausgewertet, von denen nur 3,1
% keinerlei bakterielles oder mykologisches Wachstum aufwiesen. 71,1 % der
untersuchten Rachenabstriche stammte von Hunden. In ihnen wurde am
häufigsten der Erreger Escherichia coli nachgewiesen (aufgeteilt auf die
verschiedenen Stämme Escherichia coli mit 61,7 %, E.coli hämolysierend mit
26,3% und E.coli mukoid mit 12%).
An zweiter Stelle in der Gesamtauswertung stand der Erreger Pasteurella
sp., gefolgt von Peseudomonas sp., Staphylokokkus sp., Enterobacter sp.,
Streptokokkulus sp. und anderen.
Mischkulturen aus zwei Keimen konnten bei 13,9 % der caninen Abstriche
festgestellt werden, drei Erreger nur in 2,4% der caninen Fälle.
Von den 296 Abstrichen, die außer bakteriell auch mykologisch (auf Hefen)
untersucht wurden, waren beim Hund 23,2% positiv, daran hatte Candida sp.
den größten Anteil.
Bei manchen Hunden kommt es immer wieder zu Mandelentzündungen, bei
einigen Rassen wie Boxern und Bulldoggen begünstigt durch den anatomischen
Körperbau (kurze Schnauze). Bei der chronischen Form ist die Größe der
Mandeln oft unterschiedlich, die Farbe variiert von mattrot bis gräulich,
die Oberfläche erscheint eher granuliert bis zerklüftet (lobuliert),
Eiterbeläge sind möglich. Die Symptome sind noch weniger eindeutig als im
akuten Stadium, manche Hunde zeigen gar keine.
Da Mund- und Rachenhöhle (Zahnfleisch, Alveolen, Gaumen, Lippen und
Tonsillen) zu den häufigsten Lokalisationen maligner Neoplasien, also
bösartiger Tumore, beim Hund gehören, sollte dies mit einer Gewebeprobe
abgeklärt werden. Und auch sonst sollten chronisch infizierte Tonsillen
nicht einfach hingenommen werden, sie können durch Streuung zu
Herzbeutelentzündung (Endokarditis) führen. Daher kann der Tierarzt im
Einzelfall zu einer Tonsillektomie, der chirurgischen Entfernung der
Mandeln raten.
Anmerkung: Es gibt seit Beginn der 50 er Jahre Hinweise, dass das
Auftreten von Panostitis eosinophilica, einer schmerzhaften
Knochenerkrankung bei Junghunden vor allem größerer Rassen, in enger
Beziehung zum Auftreten einer hochgradigen Tonsillitis steht. Auch eine
1995 durchgeführte österreichische Studie von VR Dr. Günther Wanivenhaus
an der Tierklinik-Bruck/Lth ließ einen Zusammenhang zwischen
Mandelentzündung, Pasteurelleninfektion und Panostitis erkennen.
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