Es sind zwischenzeitlich schon Jahre
vergangen, seit ein großes Rudel scheuer, belgischer Huskys
über die Auffangstation hereinbrach und doch ist es in der
Erinnerung, als sei es gestern gewesen. Große Anstrengungen
waren nötig, um diese Tiere nach und nach abzuvermitteln und
alles hätte man sich gewünscht, nur nicht dass sich
ähnliches nochmals ereignet.
Doch vor einigen Wochen zog wieder ein vergleichbares Rudel
ein, 18 Eurasier aus schlechter Haltung (weitere 12 gingen
in das Tierheim nach Rüsselsheim:
www.tierheim-ruesselsheim.de ,Ansprechpartner Frau
Wagner), ein wenig verwahrlost und menschenscheu. Hunde, die
weder eine streichelnde Hand noch Halsband oder Leine
kennen, denen Spaziergänge so völlig fremd sind wie die
gesamte Welt außerhalb ihres unmittelbaren Lebensbereichs.
Die Ankunft der Hunde war „Chaos pur“, jeder einzelne in den
Augen die blanke Panik, die Angst der Vierbeiner war
förmlich zu greifen. Doch auf diesem Stand sind sie nicht
geblieben, Rüde Leon gar schon vermittelt und glücklich.
Sein bester Kumpel, der dunkle Nelson, wäre eigentlich auch
soweit – in seiner „Ungeduld“ hat er mal selbst zum
Vermittlungs-Rundumschlag angesetzt:
Darf ich vorstellen?
Mein Name ist NELSON,

ich bin der Pascha unter dem Rudel in Süd. Manchmal steigt
es mir zu Kopf, wenn die Mädels um meine Gunst buhlen. Ich
bin sehr neugierig und interessiert an allem, aber wie das
übrige Rudel, kann ich noch nicht über meinen Schatten
springen.
Es ist ganz schön, wenn die Menschen kommen und uns mit
Leckereien verwöhnen, d.h. damit sind wir schon zu gewinnen.
Fast alle von uns sprechen besonders auf den von Silvia
Klüppelberg, der Hundetrainerin vom Nordlicht
so angepriesenen Schmelzkäse an, den wir auch gerne entlang
dem ganzen menschlichen Arm in uns hineinziehen. Dafür
stehen wir sogar manchmal mit den Vorderpfoten dem Mensch
auf die Oberschenkel, damit wir ja nichts übrig lassen. Das
ist ein Punkt, wo man auch einen Deal machen könnte. Es
fehlen uns derzeit nur die richtigen Ansprechpartner. Aber
Halt – so einfach ist es auch wieder nicht, anfassen lassen
wir uns trotzdem noch nicht und schrecken gleich zurück.
Aber wichtig ist es für uns, durch diese Beschwichtigung
langsam Vertrauen zu fassen, wozu wir auch gerne bereit
sind. Aber es wird dauern…..!!
Wie schon auch im Vermittlungstext von
Sumi von den Pflegern
angedeutet, ist es sicherlich nicht einfach, uns aus dem
Rudel heraus „ins kalte Wasser“ zu werfen, aber doch noch
die beste Lösung. So orientieren wir uns nicht immer an den
anderen noch scheuen Kumpeln, sondern eher am Menschen. Es
sollte natürlich gewährleistet sein, dass wir in ein Zuhause
kommen, wo all das, was wir noch lernen müssen, um
leinenführig zu sein, auch richtig umgesetzt wird. Kleine
Fehler verzeihen wir schwer und reagieren mit Panik oder
evt. auch einem Schnapper.
Das Ungewisse, was auf uns zukommt, das kennen wir nicht und
müssen damit sehr langsam konfrontiert werden. Unterschätzen
darf kein Interessent, dass wir gute Beobachter sind, sehr
lernwillig aber in unserem Verhalten eher unkontrolliert,
das kann Probleme schaffen.
Wer es liebt, mit dieser Herausforderung zu leben, der kann
mit viel Geduld und Schützenhilfe durch die Vermittler
erleben, wie eine „Pflanze plötzlich zum Blühen kommt“.
Andere haben es ja schließlich auch schon geschafft.
Wie auch bei Leon,
der erste aus Süd, der vermittelt wurde, so ist es durchaus
möglich, dass wir uns mit Katzen arrangieren, denn wir gehen
ja lieber noch in die Defensive und bis wir mal soweit sind,
dass wir Selbstbewusstsein aufgebaut haben, ist das Problem
mit den Samtpfötchen von alleine gelöst. Schließlich ist
jeder darauf bedacht, dass Burgfrieden herrscht. Also sehen
wir einer Konfrontation mit Katzen gelassen entgegen.
So, das ist mal allgemein. Meine Persönlichkeit wäre evtl.
soweit, dass sie durchaus in der Lage ist, einem
Zusammenleben mit Mensch im häuslichen Bereich auf sich zu
nehmen. Hier in der Station bin ich ein bisschen der Macho,
da ich durch die vielen Mädels Rückenstärke habe, aber das
kann sich schnell ändern. Mit langsamen Schritten würde ich
es gerne wagen, ein guter vierbeiniger Kamerad an der Seite
von verantwortungsbewussten Menschen zu werden.
Ich bin sogar ein bisschen neugierig darauf, was mich
erwartet und könnte auch versuchen, durch einen stabilen
Kumpel schnell zu lernen.
Achja, was ich fast vergessen hätte: vom Alter her sind wir
so zwischen 7 – 9 Monate, eine genaue Altersangabe können
wir leider nicht abgeben. Und wer nun fragt, welche Rasse
bei uns mehr zum Tragen kommt, der Wolfsspitz, der Samojede
oder der Chow-Chow, der soll sich einfach auf den Weg machen
und es selbst herausfinden. Aber an meinem Schweigen merkt
man des Rätsels Lösung sicher schon. Ein Treffer??
Auch der Stationsalltag bietet hin und
wieder Gelegenheit zum Schmunzeln, aber
sehen Sie
selbst.
Nun stelle ich Ihnen noch meinen „Harem“ vor:
Länger zusammengelebt habe ich mit Akami,
sie mutiert auch ein bisschen dazu, den Chef unter den
Mädels zu spielen. Mutig ist sie meist die erste, die an den
Fingern oder am Arm hängt und sich Schmelzkäse einsaugt. So
schnell lässt sie sich auch nicht davon abbringen, den Weg
für die anderen freizugeben.

Also Akami könnte durchaus auch
mit ihrer schnellen Auffassungsgabe von der Neugier gepackt
sein, mal zu schauen, was sich so im häuslichen Bereich bei
Menschen abspielt und sich gut einfügen. Aber wie gesagt,
was für alle gilt, wir brauchen viel Zeit und ruhige,
ausgeglichene Menschen.
Cheyenne

war die dritte im Bunde, bis wir jetzt wieder alle
zusammengelegt wurden. Cheyenne wirkt durch ihr Äußeres ein
wenig schüchtern, kann aber, wenn es um die Leckereien geht,
auch mal zeigen, was sie für ein weißes Gebiss hat. Oh, man
darf die Kleine nicht unterschätzen, auch wenn sie
sicherlich die Jüngste von uns ist.

Eine süße Hündin, die
schutzbedürftig aussieht, es aber sicherlich auch Faust dick
hinter den kleinen Plüschohren hat.
Das nun beschriebene 4-er Rudel war bis vor kurzem für sich
und zusammen hier kann ich aber schon folgende Beobachtung
weitergeben:
Nuka

ist von allen die Scheuste Hündin, die eher meint, auch ohne
Menschen leben zu können. So geheuer sind ihr die Zweibeiner
nicht. Sie dürfte schwer zu knacken sein, wenigstens bei uns
in der Station. Sie lässt keinen an sich ran und huscht
immer schnell in die entgegen gesetzte Richtung. Hier wäre
es sicher von Vorteil, wenn ein Zweithund vorhanden ist,
oder es müssen Menschen für sie kommen, die einen weiteren
Weg mit dem Mädel gehen müssen, als man es sich wünscht.
Aber Geduld ist halt in jedem Fall angesagt.

Sehr
misstrauisch ist Nuka und beobachtet alles peinlichst genau,
was in der Station vor sich geht.
Monja

war ganz am Anfang diejenige, die von allen nur gemobbt
wurde, überängstlich und scheu war. Heute hat sie
wunderfitzig die Nase immer vorn, um nichts zu verpassen.
Man könnte meinen, dass sie der Herausforderung „Mensch“
sehr offen gegenübersteht, um zu erfahren, wie die Welt
hinter den Stations-Gehegen aussieht. Eine gute Portion
Selbstvertrauen wird sie sich herausnehmen wollen, so hübsch
wie die Hündin auch ist.

Suki

naja, eigentlich macht sie einen ganz forschen Eindruck,
aber das täuscht. Vorne eine laute Klappe, aber immer
bereit, gleich den Rückwärtsgang einzulegen. Suki ist eher
zögerlich mit der Kontaktaufnahme, drückt sich zwischen die
anderen rein wodurch sie sich auch ein wenig stärker fühlt.
Aber gerne benützt sie auch gleich den Fluchtweg. Durch
konsequentes Üben wird sie sicherlich eine bezaubernde
Begleiterin.
Taiga „Taiga steht im
Vermittlungsgespräch“

bei ihr hat man den Eindruck, lieber in die hinterste Ecke,
nix sehen und nicht auffallen, vielleicht geht der Kelch an
mir vorbei. Auch wenn Mensch im Gehege ist, bleibt sie oft
unsichtbar und man findet sie im hintersten Eck. Sie wird
länger brauchen, bis sie aus sich herausgeht und muss erst
noch Selbstvertrauen lernen.

Eine liebenswerte Hündin, die man gerne beschützen möchte.
Ob sie so schnell über ihren Schatten springen kann, da
hängt sicher von dem Vertrauen ab, das man ihr als
Zweibeiner übermittelt.
So, das ist die Crew vom Süden, die sich langsam auflösen
möchte, um jeder für sich draußen in der Welt mit Dingen
konfrontiert zu werden, genau das, was wir bisher nicht
kennen lernen durften.
Sicher freut sich die Nothilfe für Polarhunde auf jeden
seriösen Interessenten, der mit solchen (immer noch)
Rohlingen umzugehen weiß.
Vielleicht grüße ich euch schon bald von der „Glücksfelle-Seite“.
Wir wollen ja gerne umziehen, aber es muss passen. Gebt ihr
uns eine Chance?
Euer Nelson
Es ist schön zu sehen, wie diese scheuen
Tiere, herausgenommen aus dem Rudel und in den häuslichen
Bereich verpflanzt, förmlich auftauen und am Leben
teilnehmen. Dennoch schreitet die Vermittlung nach wie vor
nur langsam voran, da hier kompetente Menschen gefragt sind,
die sich mit der Ein- und Umgewöhnung von solchen
„Rohlingen“ auseinandersetzen und anfreunden können und
eventuell einen souveränen und stabilen Ersthund besitzen.
Damit jedoch noch nicht mehr Zeit ins Land geht als nötig,
bitten wir um Mithilfe und Bekanntgabe bei evtl. Eurasier
interessierten Menschen. Erst einmal Vertrauen gefasst,
können solche Tiere nach einer (vielleicht etwas längeren)
Eingewöhnungszeit zu wahren Schätzen werden.
Von den Kosten her werden wir mit diesem
Rudel ganz schön in die Pflicht
genommen.
Es würde uns sehr freuen, wenn wir für unser Eurasier-Rudel
PATEN gewinnen, oder mit Spenden für diese Hunde unterstützt
werden könnten.
Unsere Bankverbindung:
Volksbank Dornstetten, Konto-Nr. 523 760 01, BLZ: 642 624
08.
update 14.07.2008
Hallo Leute, ich bin es nochmals der
„Nelson“.
Zwischenzeitlich
habe ich mich angestrengt und mich zum Büro-Hund
hochgearbeitet. Man hat mich kurzerhand an die Leine
genommen, aus dem Rudel geholt und im Büro einquartiert.
Erstmal wollte mir das nicht so gefallen, doch dann fand ich
es nicht nur interessant, sondern ich habe auch wahnsinnig
viel gelernt. Hände, die mich streicheln, die kann ich gut
akzeptieren, auch wenn man mich durchmassiert, dann gefällt
mir das sehr. Gelegentlich bekomme ich auch die Öhrchen
ausgestrichen, das ist besonders fein und beruhigt ungemein.
Mein Fell ist natürlich ein wenig verfilzt und der Geruch
auch streng, aber bevor ich in die Pflegestelle umziehe,
werde ich noch gebadet. Wenn ich dann auch regelmäßig raus
komme und die Touren mitmache, dann verliere ich sicherlich
ein paar der überschüssigen Pfunde. Ach, fast hätte ich es
vergessen, mit Leidenschaft düse ich die Treppen rauf und
runter – das macht so richtig Freude.
Nebenbei kann ich nämlich auch betteln, was manchmal zum
Erfolg führt. Es ist schön, dies alles erreicht zu haben,
was mich jedoch bedrückt ist, dass ich meinen Harem
zurücklassen musste. Die Mädels sind noch nicht soweit,
obwohl auch fest daran gearbeitet wird.
Akami wird die nächste sein, dann die Cheyenne. Diese beiden
Mädels waren im Gehege mit mir zusammen und wurden
dementsprechend auch schon so von mir erzogen, so dass sie
nun zutraulicher sind.
Natürlich helfen da immer wieder die Schmelzkäseeinlagen,
die dargeboten werden, die das sonst eintönige Leben in der
Station bereichern. Immer wieder neue Gesichter – neue
Menschen, alle wollen helfen, damit wir schneller in gute
Stellen vermittelt werden können. Leckerlies nehmen wir auch
gerne in jeder Form. Und wahnsinnig neugierig und lernwillig
sind wir – auch fangen wir die Gedankenvorgänge der
Menschen, die was von uns wollen, rechtzeitig auf, um
Vorsorge treffen zu können. Nicht von jedem lassen wir uns
verwöhnen. Es kommt eben stark der Asiate durch.
Taiga ist ja schon seit längerer Zeit in der Pflegestelle,
wo sie für ihr neues Zuhause leinenführig gemacht wurde. Die
Kleine macht wahnsinnige Fortschritte und wird zum
Monatsende hin so weit sein, dass man sie beruhigt ins Leben
entlassen kann. Wenigstens für die Menschen, die schon
sehnsüchtig auf sie warten.
So, das war’s mal für heute. Kommt mal wieder vorbei, wenn
ihr neues von den Eurasiern hören wollt. Ich zieh mich jetzt
erst einmal zurück und bereite mich auf mein neues Zuhause
vor. Auch meine neuen Menschen warten schon darauf, dass ich
vermittlungsfähig bin.
Dann macht es mal gut und erzählt von uns weiter, vielleicht
gibt es noch liebe Leute, die einen der noch wartenden
Eurasier aufnehmen möchten.
update 22.07.2008
Hurra – ich bin schon mal in die
Geschäftsstelle umgezogen, hier werde ich für ein neues
Leben in einer neuen Familie vorbereitet. Natürlich verhalte
ich mich „fast“ vorbildlich. Die Leute sagen, dass sie
überrascht sind, wie gut ich mich hier im Haus bewege,
Treppen steige und auch schon an der Leine laufe. Aber
Hunger habe ich immer und die Küche finde ich total klasse.
Überall riecht es auch nach Miezenfutter. Die Miezen stören
und interessieren mich nicht, aber das, was die so zu sich
nehmen, das riecht teuflisch gut.
Mir gefällt es hier super. Und mal ehrlich, so zwischen den
drei kleinen Hundedamen als einziger gestandener Kerl, das
schmeichelt unheimlich.
Ok, ich will es nicht übertreiben, die Pflegemenschen sagen,
„der Nelson hat was – er läuft nicht, er schreitet und ist
hier der King“. Ich kann euch sagen, das geht runter wie Öl.
Wenn es Neuigkeiten gibt, dann melde ich mich wieder, denn
ich mach enorm schnelle Fortschritte.

Euer Nelson