Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im Juni 2009 ein neues Zuhause gefunden haben

Ehemalige Vereinshunde erzählen aus ihrem neuen Leben

 
MountyLeider hat man immer wieder Hunde in der Vermittlung, deren größte Chance auf ein eigenes Zuhause nicht in speziell für sie anreisenden Interessenten liegt, ganz einfach deshalb, weil es von denen so wenige gibt, dass die Suche nach ihnen der nach der Nadel im Heuhaufen gleicht. Aber mitunter geht für den einen oder anderen dieser Hunde dann ein Türchen auf, wenn sich kompetente und für alles offene Menschen melden, die ihren Hauptaugenmerk auf die Vierbeiner richten, die es – so wie sie sind - etwas schwerer haben.

Mitte Juni hatten sich ein Paar zum Stationsbesuch angemeldet, Kontakt aufgenommen hatte man eigentlich wegen Pia, doch die war zu dem Zeitpunkt schon versprochen und so wurde nach Alternativen gefragt. Die Antwort „ein Hund, der ansonsten schlechte Vermittlungschancen hat“ ist im Tierschutz immer ein Ereignis, das auch altgedienten Vermittlern den Puls ein wenig schneller werden lässt und viele Hoffnungen weckt. Dass die sich nicht immer erfüllen, ist klar, denn passen muss es auch in so einem Fall, also Hund und Mensch miteinander warm werden und einen Draht zueinander haben.
Kandidaten zum Vorstellen hatte man einige, von A wie Aykon über L wie Leon oder M wie Mounty bis hin zu S wie Shiro, momentan sind es nur Rüden, die zu den „Sitzenbleibern“ gehören. Die Gründe hierfür ganz vielfältig, ein jeder dieser Hunde bringt seine ganz eigene Lebensgeschichte mit, die auf manchen wie eine Bürde lastet.Mounty

Mit allen dieser besonderen Hunde ging man an diesem Sonntag eine Runde, beschäftigte sich auch im Gehege mit ihnen und sammelte so eine Vielzahl von Eindrücken. Diese zu sortieren, zu bewerten und zu besprechen, behielt man sich für die nächsten Tage vor, vorläufige Favoriten Mounty und Shiro, dennoch mit Bedacht wollte man die Entscheidung treffen.

Es wurde Mounty und ganz ehrlich: man hatte es insgeheim gehofft, denn den Rüden nach dem Spaziergang mit den beiden im Gehege zu erleben, ganz ruhig (er gehörte ja auch zu jenen, die gern lautstark ihr Missfallen über die Gesamtsituation Tierschutz zum besten geben) und mit irgendwie verändertem Gesichtsausdruck (gibt es so was wie „glücklich hübscher“ ?), das vermittelte schon den Eindruck, „Topf und Deckel“ vor sich zu haben.

Die erste Rückmeldung ist kurz und durchweg positiv
“ Mounty´s Ankunft in seinem neuen Zuhause hat gut geklappt.
Wir sind uns sicher, dass sich die richtigen drei gefunden haben und hoffen, dass Mounty auch dieser Meinung ist. Ich habe ein gutes Gefühl und das hat mich bisher selten getäuscht.“Mounty und sein Frauchen

 

Aber viel mehr als selbst eine seitenlange Rückmeldung sagt das mit gesandte Foto aus, das einen ganz entspannt glückselig schnorchelnden Mounty zeigt, der dem neuen Frauchen so nahe gerückt ist wie nur möglich ….

Wir bedanken uns ganz herzlich für die beiden sehr netten Besuche in der Station, für die Offenheit, die den Hunden zu teil wurde und wünschen dem Trio, dass die gemeinsame Zeit eine glückliche und lange werde, vielleicht so lange wie bei Vorgänger Brandon, der das traumhafte Alter von 16 ½ Jahren erreichte.

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Ein richtig hübsches und auch noch junges Mädels-Quartett, sortiert in allen Fellfarben, war da vor einigen Wochen aus wenig guter Haltung über ein Tierheim in die Vermittlung gekommen. Merkwürdigerweise blieb von ihnen ausgerechnet Tenshi über, die mit ihrem schwarz-weißen Pelz und der ausdrucksstarken Gesichtszeichnung doch eigentlich voll und ganz dem klassischen Schönheitsbild vom Husky entspricht. Vielleicht schreckte ja den einen oder anderen, dass sie innerhalb des Quartetts die Führung inne hatte, vergessen sollte man in so Fällen aber nie, dass der Hund einfach nicht zum Leben im Chaos geschaffen ist, sondern nach einer Ordnung strebt – die Hälfte aller Fernseh-Hunde-Coachings-Shows wäre überflüssig, wenn es anders wäre. Und so bleibt dem Rudelmitglied, das am tuffsten und sichersten ist, eigentlich gar nichts anderes über, als die Truppe zu führen – über seine wirklichen Stärken und Schwächen sagt das nicht viel aus.Tenshi

Anfang Juni tat sich dann aber doch langsam etwas in Sachen Tenshi, eine nette vierköpfige Familie, die vor einigen Monaten einen jungen Rüden mit ähnlichem Erfahrungshorizont aufgenommen hatte, war auf der Suche nach einem Zweithund. Dieser sollte, wenn möglich, die Fähigkeit haben, dem Rüden ein wenig Dampf zu machen, denn der hatte sich beim Sporteln als wenig eigen motiviert herausgestellt. Dabei war es nicht so, dass er nicht wollte oder konnte, nein, er ist eher – um es mal am gut verständlichen menschlichen Beispiel zu erklären – so der Typ, der ständig im Clinch mit dem inneren Schweinehund liegt und von dem andere sagen würden „der kommt nicht in die Puschen.“

Spontan schoss einem da der Gedanke an Tenshi durch den Kopf und ups – wie sagte doch das telefonische Gegenüber gerade „Tenshi wäre auf der Webseite aufgefallen“? Na, wenn das nicht ein gutes Omen ist? Gleich für den nächsten Feiertag wurde ein Besuch in der Station vereinbart, im Vorfeld war allerdings schon klar, selbst bei allseitiger Sympathie würde Tenshi auf den Umzug noch ein wenig warten müssen, weil noch im privaten Umfeld der Familie ein größeres Ereignis anstand, das bereits im Vorfeld viel Zeit und Engagement erforderte.

TenshiAuch Shadow und Tenshi gestalteten ihren großen Auftritt ganz unkompliziert, verstanden sich auf Anhieb und beim anschließenden Spaziergang zeigte Tenshi auch gleich, was in ihr steckt, nämlich jede Menge Kraft, Zugvermögen und Energie, das ganze gepaart mit großer Bewegungslust, einem ziemlichen Tempo und einer schier unersättlichen Neugierde auf einfach alles. Und das spornte auch gleich Shadow an, wie gesagt, einmal „aus dem Tee gekommen“ ist der ein junger Husky wie jeder andere ….

Eine Woche später war es dann soweit, das Straßenfest war überstanden und das neue Herrchen rückte an, um die junge Hündin abzuholen, alleine, das Frauchen war Hundefutter verdienen und die Kids in der Schule. Auch Shadow war zu Hause geblieben, die Box im Auto muss erst noch auf den Transport von zweien umgebaut werden, aber das ist für das handwerklich geschickte Herrchen höchstens ein Zeitproblem.

Wie einst Shadow lernt nun auch Tenshi, was es heißt, ein Haus- und Familienhusky mit sportlichem Background zu sein, und selbst wenn sie sich da, was wir nicht glauben, ein wenig ungeschickt anstellen sollte, wird das für die Familie sicher nicht Thema sein, einschlägige Erfahrung haben sie da ja. Und so schauen wir auch für Tenshi guter Dinge in die Zukunft und freuen uns, dass sie es so gut getroffen hat – vielleicht kriegen wir ja später sogar mal Fotos von Tenshi’s erster Begegnung mit Meer und Strand, denn natürlich sind auch für sie die Familienurlaube all inclusive.

Tenshi

 


 

PiaSchon länger war die Familie auf der Suche nach einer Gefährtin für ihren jungen Rüden Ché und hatte zunächst an eine temperamentvolle Hündin mittleren Alters gedacht, die vielleicht auch ein wenig bremsend auf das Energiebündel einwirken könne. Solche Mädels muss man suchen und schließlich hatte man eine gefunden, die man Ché auch vorstellte. Ober besser ihn ihr, es galt einige Kilometer für das Kennen lernen zu überwinden. Rasch merkte man aber, dass so eine gestandene Hundedame ein gewisses Maß an Umgangsformen vom männlichen Gegenüber erwartete und genau damit tat sich der in stürmischer Begeisterung entflammte Ché ein wenig schwer.

Die Suche ging also weiter und über Wochen fand sich kein Hund, der der Beschreibung nach zu passen schien, es sah fast so aus, als müsse man sich einen „backen“. Dass es dann doch nicht ganz so schlimm wurde, ist „Röhre“ Pia zu verdanken, die über den Kooperationspartner aktion tier –menschen für tiere e.V. aus Teneriffa in die Vermittlung gekommen war. Rund ein halbes Jahr alt, zeichnete sich bei ihr schon ab, dass sie bei der Verteilung des Temperamentes wohl zweimal angestanden war – ansonsten konnte man über sie nur sagen, dass sie ein vollkommen unbedarftes Hundekind mit außergewöhnlicher Stimmkraft ist, das vom Ernst des Lebens noch nicht mal gestreift worden war.Pia und Che

Klein-Pia mit der gewöhnungsbedürftigen Stimme ging also online auf der Webseite und sprang Ché’s Familie gleich ins Auge und ganz spontan entschied man dann während eines Ausflugs, jetzt sofort doch einmal bei der Nothilfe vorbeizuschauen. Nicht alle unangemeldeten Besucher haben so ein Glück wie diese Familie, sie verwischten tatsächlich jemanden, der auch ziemlich rasch einen Stationsbesuch mit Kennen lernen von Pia organisiert bekam.

Klein-Pia fand das unerwartete Event natürlich super spannend, ganz viele Menschen mit noch viel mehr Aufmerksamkeit nur für sie – wenn das nicht ihr ganz persönlicher Glückstag war. Dass es dann noch zum Spaziergang ging, war noch mal toller, ganz begeistert von dem ganzen Geschehen um sie rum, hätte Pia da noch ewig weitermachen können. Doch alles Schöne geht einmal zu Ende und so musste auch die Familie erstmal wieder heim, alleine, aber nicht ohne gleich einen Termin für den nächsten Besuch, diesmal mit Ché, der an jenem Tag zu Hause geblieben war, zu vereinbaren.

Gesagt, getan, gleich mit zwei Autos rückte man an um – wenn alles lief wie erhofft – eine für alle Beteiligten entspannte Heimfahrt zu garantieren, schnell noch was trinken...so ein Fahrzeug ist ja schließlich kein Hunde-Spielplatz. Das Zusammenführen der beiden Hunde vollkommen unproblematisch, Klein-Pia belegte Ché gleich mit Beschlag, albern hier und toben da – möglicherweise hat Ché nun in Sachen Energie jemanden gefunden, der ihm nicht nur ebenbürtig, sondern sogar über ist.

Richtig schwierig wurde es dann, als es ans Fotos machen ging – unermüdlich hangelte oder schnappelte Pia in Richtung Ché, so wie der auch nur ansatzweise in ihrer Nähe positioniert wurde - spielen, spielen nichts als spielen wollte sie. Also das ganze mit Abstand erneut probiert und siehe da, nun ging es, auch wenn Pia vermutlich schon über den nächsten Blödsinn nachdachte. Der musste aber warten bis zu Hause, noch einmal schnell die Hunde-Tankstelle für unterwegs ausgeschlürft und dann ab in getrennte Autos – für den Teil der Familie mit Ché an Bord die Heimreise nochmals eine kurze Verschnaufpause.

Vermutlich werden zwischenzeitlich schon alle in der Nachbarschaft gehört haben, dass hier nun auch Pia wohnt, irgendwie können wir es uns gar nicht anders denken, als dass sie sich auch dort lauthals gleich selber vorgestellt hat. Für die Lütte freuen wir uns natürlich unheimlich, dass es so schnell geklappt hat mit dem eigenen Heim, denn vom Alter her ist es nun höchste Zeit, ihr das beizubringen, was Hund heut so im Alltag können sollte. Und in der Familie mit zwei schon erwachsenen Söhnen sind sicherlich ausreichend Nerven und Geduld für dieses bestimmt nicht einfache Unterfangen vorhanden.

Pia

Weit mehr als viele Worte sagen die Bilder der ersten Rückmeldung rund eine Woche später, Ché und Pia sind schon richtig zusammengewachsen, nicht ganz unerwartet zu einem Duo mit viel Energie und reichlich Dynamik: „Pia hat sich ganz gut bei uns eingelebt. Sie und Che sind wie Bonnie und Clyde... unzertrennlich und ungestüm!

Pia und Che

Auch unserem Che tut es ganz gut, nicht mehr der einzige Vierbeiner der Familie zu sein und einen raufwilligen, wilden Freund zu haben!“

Pia und Che


 

Manchmal, wenn man ein sehr harmonisches Doppelpack (also zwei schon länger miteinander lebende Hunde) in die Vermittlung bekommt, daDyke und Kiruna wünscht man sich im hintersten Winkel seines Herzens, die beiden nicht trennen zu müssen – einen Wunsch, den man in den seltensten Fällen laut äußert, denn die Chancen zweier sind vergleichsweise verschwindend gering. Wenn es dann wieder Erwarten doch klappt, dann freut man sich riesig oder besser doppelt, so wie bei Dyke und Kiruna.

Grund des Tierschutzaufenthaltes der beiden gut Dreijährigen war Dyke, der hatte sich nämlich im letzten Zuhause als kleiner Krakeeler betätigt, der den Nachbarn gehörig auf den Nerven herumsägte. Und mit denen wollten es die zugehörigen Menschen ganz und gar nicht verderben, schließlich lebte bei ihnen ein kleines Rudel sportlich geführter Alaskan Huskys, an dessen Zukunft es auch zu denken galt. Mit der Entscheidung, Dyke abzugeben, musste man sich aber auch Gedanken um Schwester Kiruna machen, deren sportlicher Einsatz zwar den langbeinigen Alaskans in nichts nach stand, deren Beinlänge ihr aber eine Schrittgeschwindigkeit auferlegte, der die Ballen der Pfoten häufig nicht stand hielten.

Letztendlich zogen dann beide in der Station im Schwarzwald ein und während sie sich eingewöhnten, ging anderswo die Ära eines Mutter-Tochter-Doppelpacks zu Ende, völlig überraschend verstarb ausgerechnet die jüngere der beiden einst aus einem Tierheim aufgenommenen Hündinnen an einem Aneurysma. Die 15jährige Kira trauerte ebenso wie ihre Menschen, deren Haus, in dem schon bis zu einer Handvoll Nordischer für Umtriebe gesorgt hatten, nun ungewohnt still war.

Um das zu ändern, vereinbarte man einen Besuch in der Station, leiten lassen wollte man sich in der Entscheidung vor allem von Hündin Kira und Kiruna und Dykehoffte, dass die sich für eine Geschlechtsgenossin erwärmen würde, denn einen männlichen Markier-Fritzen wollte man sich eigentlich nicht unbedingt ins Haus holen.

Eine, von der man wusste, dass sie sehr sozial im Zusammenleben mit beiderlei Geschlechtern ist, war Kiruna und stellte daher diese Besucherin Kira vor. Im Schlepptau von Kiruna kam auch Dyke mit auf den Spaziergang, der von der alten Kira für sein „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“-Verhalten punktum resolut und mit nachhaltiger Wirkung zurechtgewiesen wurde.

Mit zunehmender Dauer des Weges gerieten Kiras Besitzer mehr und mehr in den Bann des charmanten und fröhlichen Gespanns, dass sie da bei sich hatten und das zu trennen zunehmend irgendwie nicht richtig erschien. Rasch fanden sich auch ein paar (selbst-)überzeugende Argumente, warum die Aufnahme des Duos recht vorteilhaft wäre. So müsste man, die bisherigen Hunde wurden zwar fast alle durchweg alt und sehr alt (bis zu 17 Jahren) nach Kiras Ableben nicht erneut nach einem passenden Partner suchen, auch Sport ließe sich mit zweien ja besser machen wie mit einem, das entsprechende Trainingszubehör hatte man ohnehin zu Hause.

Mitunter ist es die praktische Übung, die jeder Theorie ein Ende macht und so wurde am Ende des Spaziergangs einfach ausprobiert, ob die nicht ganz kurze Heimfahrt wohl mit allen an Bord möglich wäre. Ein Moment der Hochspannung bei den Zweibeinern und dann machte sich allgemeine Erleichterung breit, drei fröhlich lächelnde Huskygesichter lugten nebeneinander aus dem Auto raus und schienen zu fragen „is was?“.

Dyke,Kiruna und Kira

Nein, nicht wirklich, nur riesengroße Freude bei allen menschlichen Beteiligten, denn auch das neue Frauchen sah sich insgeheim schon mit den zwei kleinen, stämmigen, aber ungemein kräftigen Siberians durch die heimatlichen Gefilde fahren. Und so wurde aus dem angekommenen Trio ein wegfahrendes Quintett, dem wir für die Zukunft alles Gute und viele gemeinsame tolle Erlebnisse wünschen.


 

Wenn Lebenswege sich miteinander verbinden

Bensoki und NadjaEnde September 2007 trafen einige der Vermittlungskandidaten der NfP anlässlich der Aufzeichnung von „herrchen gesucht“ in Frankfurt zusammen, ganz unterschiedliche Hunde, die ihren damaligen Lebensbereich im Süden, im Norden und auch in Pflegestellen hatten. Mit dabei waren aus dem Nordlicht kommend die ältere und auf Grund ihrer Lebenserfahrungen nicht ganz einfache Nadja und aus dem Schwarzwald Bensoki, eine ursprünglich aus dem Sport stammende Hündin. Ganz zufällig entstand damals auch ein Bild mit beiden, nicht wissend, dass Jahre später dieses noch einmal eine ganz andere und besondere Bedeutung bekommen sollte.

Beide Hundedamen fanden in der darauf folgenden Zeit ein Zuhause, doch während Nadja ihr Glück machte und sich trotz mancher Auffälligkeiten und Schwierigkeiten in der Anfangszeit zu einem wahren Traum-Husky entwickelte, wurde Bensoki im Jahr 2008 erneut im Tierschutz abgegeben, diesmal zog sie im Nordlicht für Notfelle ein.

Danach änderte sich leider in Bensokis Leben, außer den Gehegemitbewohnern, erst einmal nichts mehr, mit ihren neun bzw. zehn Jahren war sie vielen Interessenten schon „zu alt“, andern in vielen Situationen zu ängstlich – kurz, es gab eine Vielzahl von Gründen, sie jeweils nicht in die engere Wahl zu nehmen. Im Mai 2009 kam dann, Bensoki hatte einen regelrechten Zusammenbruch mit Versagen der Hinterhand gehabt, noch ein weiterer dazu: das Röntgen hatte Arthrosen im Bereich der Wirbelsäule offenbart, die Auswirkungen mit Schmerzmitteln zwar behandelbar, die Grunderkrankung aber nicht.

Noch während man abwartete, ob die gut anschlagende Behandlung länger als nur kurzfristig half und in Gedanken schon ein Text-Update für den Vermittlungstext im Internet vorbereitete, klingelte das Telefon, dran die Besitzer von Nadja, die einige Wochen vorher nach kurzer aber heftiger Erkrankung verstorben war. Ihre Menschen hatten etwas Zeit gebraucht, um mit diesem unerwarteten Schicksalsschlag fertig zu werden, doch nun hatten sie die erste Trauer hinter sich gelassen und waren bereit für einen neuen Hund.

Wie schon vor der Aufnahme von Nadja stand bereits fest, es sollte wieder einer der älteren Hunde mit sonst weniger guten Chancen sein und – falls es machbar wäre – die derzeit „ärmste Socke“ in der Station. Die Antwort auf die Frage, wer das denn sei, war Grund des Anrufes, in Ruhe wollte man dann vor einem Besuch überlegen, ob die speziellen Verhaltensweisen dieses Hundes in der Familie handelbar seien.Bensoki bei der Abreise

Also erzählte man von Bensoki, die teilweise wirklich zurückhaltend bis ängstlich war, teilweise aber auch mit dieser Zurückhaltung kokettierte, sie ausspielte um sich um Dinge zu drücken, die ihr im Vorfeld als nicht angenehm erschienen und bei der man als Mensch mitunter auf einem schmalen Grat zwischen fördern, fordern und überfordern wandelte.
Als der Hörer zurückgelegt wurde, hatte man ein gutes Gefühl und jede Menge Hoffnung für Bensoki.

Und tatsächlich, der ersehnte Anruf kam, Anfang Juni wollte man kommen und das Hundemädel kennen lernen, bei gegenseitiger Sympathie würde sie danach gleich mit fahren, in ihr neues Zuhause. Mit Spannung wartete man also und stellte fast umgehend fest, das Ehepaar war Bensoki mit seiner ruhigen Art sehr sympathisch, bei einem späteren gemeinsamen Kaffeetrinken lag sie ganz entspannt und kein bisschen ängstlich mit dabei, schien sich überraschend zugehörig zu fühlen.
Auch das spätere Einsteigen ins Auto verlief unkompliziert, wieder ging Bensoki mit einer Selbstverständlichkeit mit der Situation um, die man gar nicht vermutet hätte, sie schien also wirklich einig mit dem Geschehen und ist es offensichtlich noch immer:Bensoki

„Bensoki ist gut hier angekommen. "Gut angekommen" auch bei den ortsansässigen Artgenossen, bei denen sie sich als Muster an Verträglichkeit präsentiert.

Hier im Haus findet sie sich prima zurecht und hat schon einige Scherze auf Lager. Als ich mir ein Wannenbad eingelassen hatte, schob sich ein neugieriges schwarzes Näschen über den Wannenrand und ein Hundeblick fragte: Na, was machst Du denn da?

Anfängliche Zögerlichkeiten beim Anlegen des Geschirrs lassen bereits jetzt deutlich nach, wenn wir nicht eilig aufbrechen, sondern so lange mit Geschirr oder Halsband in der Hand sitzen bleiben, bis Bensoki es nicht mehr aushalten kann und freiwillig kommt.

Bensokis Lieblingsplatz

Den schönen Platz auf dem Gästebett darf Bensoki tagsüber benutzen, sitzt jemand von uns dort, wartet sie höflich auf eine Einladung und springt dann begeistert dazu (es gibt dann einen kleinen Schlecker über`s Gesicht)...Bensoki

Gartenarbeit findet Bensoki auch toll, vorausgesetzt, wir Menschen arbeiten mit, dann ist sie voll bei der Sache und hilft tüchtig (Rasenmähen findet sie nicht schlimm - man kann sich in dem abgemähten Gras so schön wälzen und das Fell grün färben).

Bensoki beim Baden

Viel Spaß machen ihr die Planschereien im Weserwasser und die langen Spaziergänge zwischen den Feldern und im Wald. Mit den städteplanerischen Eigenheiten (Bürgersteige, Straßen, Vorgärten) muss sie sich erst noch ein wenig vertraut machen: am liebsten läuft sie nämlich dort, wo viel Platz ist: mitten auf der Straße oder quer durch fremde Vorgärten. Das bekommen wir aber noch hin...

Wir freuen uns, dass nach dem Verlust unserer lieben Nadja ein so fröhliches Hundemädchen hier eingezogen ist.“

Bensoki

So haben sich die Lebenswege von Nadja und Bensoki also noch ein zweites Mal gekreuzt und miteinander verwoben, auch wenn die eine nur noch in den Herzen ihrer Menschen mit dabei war und ist. Die allerschönsten Vermittlungsgeschichten schreibt eben das Leben selber und wir bedanken uns für das Vertrauen, das uns die neuen Besitzer von Bensoki ein weiteres Mal entgegenbrachten und wünschen Ihnen, dass die Zeit mit Bensoki eine so glückliche wird wie die mit Nadja.
 


 

Eine, die wahrhaft angekommen ist: Suki
Suki

Schon einmal fand sich Suki bei den Glücklichen, im letzten Jahr, doch dann erkrankte das Frauchen schwer und die Familie konnte die junge Eurasier-Hündin nicht mehr behalten.

Suki im neuen HeimGlücklicherweise fand man recht rasch ein Ehepaar, das bereit war, sich Sukis anzunehmen, an das Thema ängstlicher, schlecht-sozialisierter Hund ging man ohne Erfahrungen, aber mit gesundem Menschenverstand und der Bereitschaft, sich raten zu lassen heran. Suki zog also Ende Januar ein, als Pflegehund, denn Hund und Mensch sollten ohne jeden Erfolgsdruck eine Chance haben, zueinander zu finden.

Einige Wochen später war dann alles klar, Mensch und Hund harmonierten und die Familie lud zu einem weiteren Besuch vor Ort ein an dessen Ende der Übernahmevertrag für Suki unterschrieben sein sollte.

Viel hatte man auf Fotos gesehen und erzählt bekommen in den dazwischen liegenden Wochen und hatte einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Was man aber zu sehen bekam, übertraf das Erwartete bei weitem, Suki hatte mächtig an Selbstvertrauen und Sicherheit gewonnen.

Die einst für sie verantwortlichen Tierschützer erkannte sie gleich, wohl auch an den mitgebrachten kleinen Hunden, zu denen Suki damals kein wirklich gutes Verhältnis hatte. Die Wiedersehensfreude war denn auch nur einseitig, vielleicht drängte sich Suki sogar der Eindruck auf, die ihr bekannten Zweibeiner wollten sie wieder einmal abholen, schließlich hatte man sie aus der vertrauten Auffangstation, aus der Pflegestelle zum Erlernen von Leinenführigkeit und minimalen Haushaltsbenimmregeln ebenso abgeholt wie aus ihrem ersten eigenen Heim – wenig einladend bellend begrüßte Suki den Besuch aus dem Schutz des Zaunes heraus.Suki mit dem kleinen Besuch

Einmal eingetreten ging es mit Suki und den kleinen Hunden besser als gedacht, zwar wurde deren Inspektionsrunde durch Haus und Garten skeptisch überwacht, aber sie durften frei ihrer Wege gehen. Während Besuch, bald frisch gebackene Suki-Besitzer sowie die Familie des Sohnes den wunderschönen Tag im Garten plaudernd genossen, verzog Suki, sonst Schatten ihres neuen Herrchens, sich lieber ins Haus – vielleicht der Logik folgend, dass wer nicht gesehen wird, auch nicht eingetütet werden kann.

Und dennoch nahm man viele Eindrücke mit, den offenen, aufmerksamen Blick, mit dem Sukis Augen ihren Menschen folgten, das gepflegte Äußere, das unterstrich, was ihre Menschen schon berichtet hatten, nämlich dass Fellpflege nun zu nicht nur tolerierten sondern sogar genossenen Handlungen gehörte. Die Freiheit, mit der sich Suki von a nach b bewegte, ganz offen und nicht wie früher am Rande, an Möbeln oder Wänden sich entlang drückend, mehr huschend denn gehend.

Als man schon den Aufbruch in Erwägung zog, holte der Sohn noch Sukis vierbeinige Sukis Malamut-FreundeFreunde dazu, die beiden traumhaften und souveränen Malamuten Kyra und Acuro. Die beiden zu beobachten im Umgang mit den kleinen Hunden war eine Freude und man konnte sich fast bildhaft vorstellen, wie diese beiden auch Sukis Herz für sich gewonnen hatten, so sehr, dass sie nun zu den liebsten Spielgefährten der Eurasierin gehören.

Man fuhr mit dem Gefühl nach Hause, dass diese Hündin es nicht hätte besser treffen können und dass sie, grade mit Blick auf ihre unglückliche Sozialisation und ihren bisherigen Werdegang, sich in dieser vergleichsweise kurzen Zeit geradezu außergewöhnlich eng an ihre Menschen angeschlossen hatte.

Wie groß die Bindung von Suki an ihre neuen Menschen allerdings wirklich ist, hatte man damals nicht erahnt und auch nie zu träumen gewagt – nur Tage später erschrak sich Suki bei einem Spaziergang mit der jungen Familie (als Abwesenheitsbetreuung), ging trotz der Ruhe bewahrenden Malamuten rückwärts aus dem Geschirr und entschwand, kilometerweit weg von ihrem Zuhause, mitten im Schwarzwald.

Suki

Gute zwei Wochen war Suki wie vom Erdboden verschluckt, alles organisierte Suchen förderte keine Hinweise auf ihren Verbleib oder gar Aufenthaltsort zu Tage, sie war einfach weg. Die Hoffnung auf ein rasches Aufgreifen von Suki schwand mit jedem Tag und in Gedanken begann man langsam mit allem zu rechnen, nur nicht mit dem, was dann geschah. Denn ein zweites Mal schien sich die Erde aufzutun und Suki war einfach wieder da, so als wäre nie etwas gewesen, stand sie am heimischen Gartenzaun und wollte hinein – es gibt Dinge, für die findet man weder Worte noch eine Erklärung, nur Dankbarkeit.

 


 

Der dreijährige Finlay, der mit einer ganzen Reihe von Vorzügen aufwarten konnte (und kann), zu denen leider aber nicht das längere Alleinebleiben gehört, hat dank seiner rührigen bisherigen Besitzerin, die jede Möglichkeit nutzte um die Richtigen für den Malamuten zu finden, ein neues Zuhause bezogen.

Finlay


 

Was man beim Gedanken an menschliche Beziehungen eigentlich immer im Hinterkopf hat, nämlich dass man sich mit den Jahren auch in verschiedene Richtungen entwickeln kann, ist den meisten Besitzern von mehr als einem Hund weitaus weniger präsent. Zu Recht, denn in der Regel sind Hunde in dieser Hinsicht viel unkomplizierter als die Zweibeiner – aber unmöglich ist es natürlich nicht, dass langjährige vierbeinige Gefährten irgendwann nicht mehr miteinander können…Maruk

Der neunjährige weißgraue Maruk ist einer, der das erlebt hat, die Differenzen zwischen ihm und seinem langjährigen männlichen Teamkollegen wurden so fein ausgetragen und waren doch so schwerwiegend, dass die zugehörigen Besitzer zunächst an gesundheitliche Probleme bei Maruk dachten. Erst nachdem ein tierärztlicher Check völlig ohne Befunde blieb, achteten sie genauer auf ihr kleines Rudel Hündinnen und Rüden und fanden da die Ursache für Maruks Verhaltensänderungen.

Gewünscht hatten sie sich einen nahtlosen Umzug von Maruk in ein neues Zuhause, doch der nutzte einen (im Endergebnis nicht erfolgreichen) Vorstellungstermin bei Interessenten im Nordlicht gleich dazu, zu zeigen, dass er diese Situation besser fand als die häusliche und so durfte er, wenn auch von seinen Besitzern aus mit schweren Herzen, bleiben.

In den folgenden paar Wochen beeindruckte Maruk fast täglich aufs Neue, ein nicht nur schöner, sondern auch charakterlich toller Hund, in eigentlich jeder Lebenslage souverän, was jeden Spaziergang, jede Art von Umgang zu einem freudigen Erlebnis für alle Seiten werden ließ.Maruk

Qualitäten, die natürlich auch Besuchern nicht verborgen blieben und gleich der erste, der offen und auf nichts festgelegt, in der Station vorbeikam, erwies sich als Volltreffer für Maruks Zukunft. Jahrelange Erfahrung mit Nordischen, ausreichend Zeit, die für einen nicht mehr ganz jungen, aber auch nicht alten Hund noch erforderliche Sportlichkeit bei gleichzeitigem Vermögen, auch mal Ruhe einkehren zu lassen – da werden bei Maruk zukünftig kaum Wünsche offen bleiben. Sogar für den bisher gewohnten umfangreichen Kontakt mit anderen Hunden ist gesorgt, das Herrchen geht nämlich regelmäßig mit anderen Besitzern Nordischer on Tour.

Und so von Mensch zu Hund und umgekehrt war eh gleich alles klar, da funkten zwei von Anfang an auf einer Wellenlänge, einander eigentlich doch fremd und doch seltsam vertraut im Umgang miteinander – gern hat man ihn also ziehen lassen, den Maruk, und freut sich über die nur positiven Rückmeldungen aus dem neuen Zuhause. Den beiden, Herr und Hund, wünschen wir, dass sie diese Harmonie im Miteinander noch für viele Jahre genießen können.

 

Maruk mt Herrchen