Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im November 2009 ein neues Zuhause gefunden haben

Ehemalige Vereinshunde erzählen aus ihrem neuen Leben

 
Als Damon auf der Webseite online ging, stand am Ende seiner Beschreibung folgender Satz:
„Eigentlich sollte ein so junger Rüde mit diesem breit gefächerten Spektrum an bereits vorhandenem Wissen und noch offenen Möglichkeiten schneller Interessenten finden als Text und Bilder zusammengestellt waren oder wie sehen Sie das?“

Sie sahen es ähnlich, es gab einen regelrechten Damon-Ansturm und ganz schnell wie immer in solchen Fällen das Problem: es gab und gibt nur einen Damon und egal nach welchen Kriterien man vorgeht, den einen oder anderen muss man immer enttäuschen.Damon

Abgearbeitet werden die Interessentenanfragen in solchen Fällen zunächst der Reihe nach, was nicht heißt, dass der erste auch unbedingt der Glückliche ist, manch eigentlich bereits sicher geglaubte Vermittlung ist letzten Endes doch nicht zu Stande gekommen.

Anfragern, die nicht an erster Stelle stehen, teilt man dies offen mit, denn das eröffnet beiden Seiten vielleicht eine neue Chance – oder eben auch nicht, aber Hauptsache man geht ehrlich miteinander um. Und so musste man auch der Familie, die vor kurzem ihre Hündin verloren hatte sagen, dass Damon wahrscheinlich nicht mehr zu haben sei. Eine Aussage, die eine ziemliche Enttäuschung war, da irgendetwas an dem jungen Rüden die Herzen der Menschen trotz ihrer noch frischen Trauer auf eine ganz eigene Weise berührt hatte. In die Station wollten sie dennoch kommen, doch an dem Wochenende, an dem sie als nächstes Zeit hatten, war bereits alles voll mit Terminen, es würde also wohl erst am übernächsten Wochenende klappen.

Vielleicht war dieses besondere Gefühl beim Anblick von Damon eine Art Wink des Schicksals gewesen, denn in der Folge zerschlug sich ein um die andere Anfrage für den jungen Rüden und schließlich wurde ein bereits fest vereinbarter Besuch in der Station kurzfristig abgesagt. Wer nicht wagt, der wird nichts sicher wissen oder so ähnlich, jedenfalls griff dann eine beherzte Nothilfe-Hand an einem Sonntagvormittag kurz entschlossen zum Telefon und rief bei dem Ehepaar an.Damon

Erwischt hat man die Frau auf dem Tennisplatz, ihr berichtet, dass kurzfristig nun doch ein Termin frei geworden sei und mal vorsichtig gefragt, wie spontan die Familie denn sei? Sehr, aber nicht unüberlegt, das Match wurde beendet und anschließend die Fahrt zur Station angetreten, wo man natürlich auch Damon das erste Mal gegenüber stand. Mit einem Bedauern merkten die Interessenten an, dass er ja wohl bereits vergeben sei, ein Blick ins Gesicht der Mitarbeiterin ließ ein vorsichtig fragendes „oder?“ folgen – jetzt knisterte es förmlich in der Luft vor Spannung.

Die Freude war riesig, auch wenn es für Sinja, die den Filius der Familie regelrecht umgarnt hatte, schade war und dann wurde eifrig geplant und organisiert soweit möglich. Denn so wirklich günstig ist es nicht, seinem Arbeitgeber wenige Wochen vor Weihnachten mit der überraschenden Frage nach Urlaub zu kommen, auf der anderen Seite kann man es aber auch keinem neu aufgenommenen Hund zumuten, von jetzt auf sofort gleich vormittags alleine zu bleiben. Die Idee war daher, den einen der Arbeitgeber zu fragen, ob hinsichtlich der Flexibilität der Arbeitszeiten etwas machbar wäre, aber dafür müsste es erst einmal Montag werden.

DamonWohl dem, der einen verständnisvollen Chef hat, es war machbar, so dass Damon noch in der selben Woche umsiedeln konnte, was ganz im Sinne des jungen Rüden war, der den „Spielplatz“ Auffangstation allmählich doch etwas langweilig fand.

Die Bilder zeigen es, es passt einfach, dem friedlich schlafenden Damon sieht man mehr als deutlich an, dass er es genießt, wieder mitten drin in einer Familie zu sein und alle für Hunde vorgesehene Aufmerksamkeit für sich alleine zu haben.

„Damon ist ein Superhund, der inzwischen sofort aufspringt, wenn er die Kühlschranktür hört. Ansonsten isst er bei uns sein Trockenfutter nie morgens, sondern nur nachmittags und abends. Warum?? Keine Ahnung.

Er bewegt sich im ganzen Haus vorbildlich vorsichtig, macht nichts kaputt, findet die ganze Nachbarschaft super und am besten kommt er als Kamerad mit unserem Sohn klar. Sie lieben sich heiß und innig, sogar ohne viel Worte macht Damon das, was er soll!

Kommandos sind kein Problem, und unsere Spaziergänge genießt er in vollen Zügen. Natürlich lernt er immer wieder neue Menschen und die Natur auf unseren Feldern kennen. Er ist sehr schlau und möchte ständig aufs Neue geistig und körperlich gefordert und gefördert werden.Damon

Nach den Spaziergängen legt er sich genüsslich in sein neues Bett oder er sucht sich selbst irgendeinen Platz im Haus aus, der ihm am Besten gefällt.

Damon in seinem neuen Bett

Morgens, wenn er dringend mal früher muss als angedacht, kommt er an unser Bett und "schleckt" uns wach. Er ist ein STAR, der schon jetzt nicht mehr aus unserer Familie wegzudenken ist!!!!“

 


 

Bone

Bone„Wenn’s kommt, dann kommt’s dicke!“ ist ein Sprichwort, das manchmal auch für Hunde gilt, den jungen Rüden Bone beispielsweise. Denn der hat in den letzten Wochen eine ziemliche Pechsträhne abgearbeitet, die mit dem Ende der Zweibeiner-Beziehung seines Herrchens begann. Das mit Hilfe der Mutter rasch unter Bone aufgespannte neue Versorgungsnetz erwies sich als nicht tragfähig, da Bone unter den früheren Umständen fast nie alleine bleiben musste und nun auf einmal damit konfrontiert nicht damit zu Recht kam. Es blieb also nur die Abgabe in den Tierschutz, nachdem ein erster privater Vermittlungsversuch gescheitert war obwohl die Voraussetzungen ideal schienen.

Mit Bone zog auch sein innenliegender Hoden in der Station mit ein, was ihm rasch einen Termin zur Operation verschaffte. Es ist zwar prinzipiell für einen Hund angenehmer, einen solchen Eingriff unter häuslichen Umständen vornehmen zu können, auf der anderen Seite hat eine zwingend anstehende OP (auch bei Übernahme der Kosten) auf Interessenten eine eher abschreckende Wirkung, man weiß ja nie, wie pflegeleicht (oder auch nicht) so ein Patient dann ist. Nicht abgestiegene Hoden sind bei Rüden so selten nicht, aber Bone’s operierender Arzt hatte mit ihm keinen „Routine-Eingriff“ auf dem Tisch, denn nach Öffnung des Bauchraums und Auffinden des Hodens zeigte sich, dass dieser bereits mit einer Niere verwachsen war. Soviel auch zu der oft gehörten Feststellung „in jungen Jahren sei so ein innenliegender Hoden kein Problem, wenn dann erst im Alter….“.Bone

Die OP selber steckte Bone gut weg, nur das mit der „Tüte“ fand er echt ätzig und war froh, als diese endlich runter durfte. Dies just zu dem Zeitpunkt, als es endlich auch einmal mit einem Interessenten wirklich geklappt hatte (viele Anfragen für Bone hatten sich irgendwie dann zerschlagen) und eine Familie samt Hündin im Anrollen zur Station war.

An der Station angekommen waren es dann Mutter und Sohn, die mit zum Gehege gingen um Bone zu holen, der Vater ließ derweilen die gut einjährige Shiva aus dem Auto um mit ihr gemeinsam vor der Station auf seine zwei Lieben und den potentiellen neuen Mitbewohner zu warten.

Das Kennenlernen der beiden noch jungen Hunde verlief unkompliziert, gemeinsam brach man zu einem Spaziergang auf, an dessen Ende vor allem der Vater, ein sehr sportlicher Mann, der nicht nur joggt, sondern auch Marathon läuft, hin und weg war von Bone. Genau so einen sportlichen Kameraden hatte er als zweiten Hund gesucht, vom Alter her passend zur vorhandenen Shiva und bildhübsch noch oben drein (letzteres war natürlich keine Anforderung gewesen).

BoneBone wurde also abreisefertig gemacht und währenddessen eilten die Gedanken des einen hierhin, des anderen dorthin, vielleicht lief der eine sogar schon mit zwei Hunden am Bauchgurt seinen ersten Marathon – auf alle Fälle war am Ende vollkommen vergessen, dass man eigentlich die Station hatte noch besichtigen wollen. Wobei : aufgeschoben ist nicht aufgehoben, sollte sich also mal die Gelegenheit ergeben in der Nähe zu sein, lässt sich bestimmt eine Möglichkeit finden, das Versäumte nachzuholen.

Für Bone heißt es nun „Ende der Pechsträhne“ und ab zurück ins Familienleben, wobei wir seine Besitzer so einschätzen, dass das Alleinebleiben als eines der Lernziele für Bone’s weitere Zukunft angepeilt wird. Wir wünschen den Fünfen recht viel und vor allem lange Freude miteinander und bedanken uns für die netten Stunden.