Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im Oktober 2009 ein neues Zuhause gefunden haben

Ehemalige Vereinshunde erzählen aus ihrem neuen Leben

 
Laase, raus aus dem TierschutzOb die räumliche Nähe des Wohnhauses zur Station im Nordlicht Segen oder Fluch ist, ist Ansichtssache, denn dadurch ist ein intensiveres Arbeiten als unter „normalen“ Tierheimbedingungen mit so genannten Problemhunden umsetzbar bzw. macht deren Aufnahme überhaupt möglich. Auf der anderen Seite bedeutet die Resozialisierung eines solchen Hundes in die Wege zu leiten, einen „Vermittlungsplatz“ über einen längeren Zeitraum nicht mehr nutzen zu können, denn Hunde wie Paco, Rocky oder Lasse sind weder schnell noch an jedermann vermittelbar.
Einen solchen Hund später gehen zu sehen, bedeutet noch lange nicht, ihn vermittelt zu haben, sondern ist meist der Beginn einer längeren Zeit des Hoffens und Bangens bis die Eingliederung im neuen Zuhause abgeschlossen ist.

Nur wenig spielt in einen erfolgreichen Prozess der Resozialisierung die Frage nach der Ursache für ein Verhalten hinein, obwohl dies uns als Menschen gern am meisten beschäftigt. Der Hund hingegen greift auf für ihn bewährte Verhaltensmuster zurück, mit denen er in der Vergangenheit Erfolge erzielen konnte, in vielen Fällen ohne groß nachzudenken, Auslösereiz A setzt Verhaltenskette B in Gang.

Insofern fiel es nicht wirklich ins Gewicht, dass man über die ersten Jahre von Lasse gar keine Informationen hatte, er kam als Fundhund 2007 in ein Tierheim und scheiterte in einer ersten Vermittlung, obwohl die Familie, die ihn aufgenommen hatte, Malamute-Erfahrung hatte. Lasse allerdings überforderte sie mit der Vielzahl von Situationen, in denen er problematisches Verhalten zeigte, komplett, der Versuch, mit Hilfe eines Hundetrainers gegenzuhalten, scheiterte. Nach der erneuten Abgabe im Tierheim zog Lasse bald darauf ins Nordlicht um, einen Tag, den man dort so schnell nicht vergessen wird, der erzürnte Lasse wütete in den ersten Stunden wie der sprichwörtliche Berserker, mehr als vierzig Kilo Hund entwickelten eine unbändige Kraft, der das Gehege aber stand hielt.Lasse

So gewaltig wie der Sturm gewesen war, so rasch kehrte Flaute ein und zur allgemeinen Verwunderung integrierte Lasse sich überraschend schnell in den Stationsalltag. Das Arbeiten mit Lasse gestaltete sich in manchen Punkten einfacher als gedacht in anderen schwieriger, der Rüde zeigte neben einer hohen Arbeitsbereitschaft (die es allerdings immer wieder einzufordern galt) leider auch tief verwurzelte Verhaltensauffälligkeiten, an die in manchen Bereichen selbst unter den vergleichsweise guten Nordlicht-Verhältnissen nur ein bedingtes Rankommen war. Manches konnte nur gemindert werden, das Belecken von Gegenständen unter Anspannung beispielsweise war nicht länger reine Stereotypie sondern wurde von Lasse irgendwann in den Bereich des aufmerksamkeitheischenden Verhaltens „verschoben“ und dort gezeigt (was aber immerhin zu einem deutlich weniger häufigen Auftreten des „Beleckens“ führte) – es tat sich viel mit den Monaten, aber dennoch war Lasse noch immer weit entfernt vom ganz normalen Vermittlungshund.

Es war der Zeitpunkt gekommen, an dem Lasse wie reifes Obst darauf wartete, „gepflückt“ zu werden und wie bei Obst auch lief er Gefahr „überreif“ zu werden, nicht mehr genug gefordert und beschäftigt zu werden, was bei Hunden dazu führen kann, dass Langeweile aufkommt und mit ihr schon überwunden geglaubtes Verhalten wieder in den Vordergrund tritt. Aber nun lächelte Fortuna endlich auch einmal für Lasse, er fand eine Interessentin, die allerbeste Voraussetzungen mitbrachte, um den eingeschlagenen Weg mit diesem Malamute weiterzugehen. Leider nimmt das Glück auf Entfernungen keine Rücksichten und so lagen zwischen der Interessentin, die zwischen München und der Schweiz pendelt und Lasse, ihrem „Wunsch-Malamuten“ viele hundert Kilometer oder die ganze Route vom Süden Deutschlands bis ganz hoch in den Norden.

Die Überlegung, ob das Kennenlernen von Lasse in der Station im Schwarzwald möglich sein würde, war genauso schnell vom Tisch wie sie ausgesprochen war – um sich ein wirkliches Bild von Lasse und seinen bzw. den vielleicht zukünftig gemeinsamen Möglichkeiten zu machen musste er in vertrauter Umgebung, in seinen Strukturen eingebettet, erlebt werden. Es musste also eine große lange Reise geplant werden, deren besonderer Höhepunkt bei Gelingen in der Rückfahrt liegen würde, denn Autofahren scheute Lasse wie kaum etwas anderes.Lasse mit dem neuen Frauchen

Lasses Interessentin wurde mit großer Spannung im Nordlicht erwartet, viele Vorgespräche hatten immer wieder bestätigt, dass sie die Richtige schien, aber würde der berühmte „Funke“ überspringen? Und würde Lasse, den sie an diesem ersten Tag auch anzutesten gedachte, so reagieren, dass die Eingliederung in ihren Lebensbereich für die Interessentin vorstellbar war?

Es wurde ein langer und für Lasse sicherlich auch anstrengender Tag im Nordlicht, der sich in vielem von ganz normalen Interessentenbesuchen unterschied – aber mit Lasse stand auch ein ganz besonderer Hund im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Viel, viel intensiver als in anderen Fällen wurde abgeglichen, ob das Kräfteverhältnis Hund – Halter ausgewogen ist, da Lasse unter anderem zum Leinepöbeln neigt, darüber hinaus wurde in einer Vielzahl von Situationen Lasses Verhalten angeschaut und auch getestet, wie schnell er zum „nach vorne kommen“ neigt, denn aus dem „Saulus“ war nun mal im Tierschutz trotz aller Bemühungen noch kein „Paulus“ geworden.

Am Ende war Lasse platt wie selten in den letzten Wochen, so viel action hatte er schon lange nicht mehr in dieser geballten Form gehabt, aber es hatte sich gelohnt: die Option für ein eigenes Zuhause hatte er in der Tasche.Laase schläft selig
Das neue Frauchen war zwar einerseits begeistert, denn Lasse hatte sich wirklich als ihr „Traum-Malamute“ entpuppt, machte sich aber andererseits null Illusionen darüber, dass sie in den nächsten Tagen und Wochen nichts anderes sein würde als „gefordert“. Das Eingliedern von Lasse würde ein Full-time-job sein, der auch sicherlich die eine oder andere Überraschung zu Tage fördern würde, denn Tierschutz und häusliches Zusammenleben sind in manchem so verschieden wie Pumps und Bergstiefel.

Die aktive Verantwortung für Lasse ging mit der Meldung, dass man am Ende einer langen, langen Fahrt gut angekommen ist, endgültig an das neue Frauchen über, aber so wirklich losgelassen haben wir ihn noch nicht, dazu hat man sich einfach zu sehr mit ihm auseinandergesetzt. Mit den Trainingsfortschritten, die das neue Frauchen akribisch in einer Art täglichem Tagebuch festhält, haben wir noch an Lasses Entwicklung teil und sie erleichtern das langsame Loslassen, denn mit jedem Tag mehr zeigt sich ein weiteres Puzzlestückchen vom dem Lasse, den wir schon im Nordlicht manchmal aufblitzen sahen. Ein sehr lustiger, mitunter sogar alberner und recht verspielter Kerl, der, wenn er will bestechend charmant all seine Malamuten-Liebenswürdigkeiten ausspielen kann – ein Traum von einem Malamuten eben, den es gilt, aus seiner „Umverpackung“ herauszupuhlen.

Wir bedanken uns sehr herzlich und ganz aufrichtig bei seiner neuen Besitzerin (und dem mitziehenden Lebenspartner), dass sie sich Lasse so wie er war zugemutet und aufgebürdet hat und seither fast ununterbrochen in der Verantwortung, an der „Front“ steht und in all den Mühen nie den Blick für die liebenswerte Seite von Lasse, aber auch für die eigenen Schwächen verliert – Lasse hätte es nicht besser treffen können.

 


 

Nina nimmt Kontakt aufIn der zweiten Augusthälfte war Nina in der Station im Schwarzwald angekommen, geboren wurde sie zu Beginn des Jahres irgendwo auf Madeira. Aufgewachsen im dortigen Tierschutz war Nina vor allem eins, nämlich komplett unbedarft, vergleichbar einem Buch, das außer dem Titel und der Überschrift des ersten Kapitels noch gänzlich leer ist.

Erstaunlicherweise (für so eine junge Hündin) gingen für Nina nach ihrer Vorstellung im Internet zunächst nur wenige Anfragen ein – ob’s daran lag, dass das junge Ding noch nicht mal zuverlässig stubenrein war? Rein theoretisch hatte sie zwar bald nach ihrer Ankunft verstanden, dass Geschäfte außerhalb des Innenbereichs getätigt werden sollten, in der Praxis gab es aber noch so manches Missgeschick, das Ganze (vor allem die Blase) will ja erstmal trainiert sein.

Ihr Glück fand Nina trotzdem, bei Menschen, denen wichtig war, welche Wesenszüge die neue Mitbewohnerin im Haushalt mitbringen würde, vieles andere würde sich dann finden. Die „Neue“ sollte sich vor allem mit dem vorhandenen Rüden verstehen, dessen Trauer über den Verlust seiner Partnerin ihn und seine Besitzer in die Station geführt hatte, aber auch von ihrer Persönlichkeit her möglichst wenig Ambitionen mitbringen, diesen nach dem Eingewöhnen in Frage zu stellen. Nicht dass es der stattliche Hundeherr momentan nötig hätte, von seinen Besitzern über Gebühr betüdelt zu werden, aber nach mehr als zehn gemeinsamen Jahren muss man daran denken, dass der vierbeinige Gefährte langsam älter wird und sich möglicherweise schon in der näheren Zukunft erste Altersanzeichen bemerkbar machen. Es zeugt von Rücksicht dem langjährigen Kameraden gegenüber, wenn man sich bei der gemeinsamen Partner-Suche auch davon leiten lässt.Nina

Nina’s Anblick hat erst einmal erstaunt, denn anhand der Fotos hatte man sie sich viel, viel größer vorgestellt und später, auf dem Spaziergang Seite an Seite mit dem kräftigen Hundemann, wirkte sie sogar nochmals kleiner und zarter. Dem gestandenen Rüden begegnete sie mit dem gebührenden Respekt, was auf den Fotos auch recht gut zu sehen ist, da wurde gezüngelt und sich klein gemacht, ein Verhalten, das sich auch während des Spaziergangs und danach hielt – er ist aber auch ein Hüne neben der zierlichen Nina.

Die Würfel waren gefallen, Nina sollte es sein, samt ihren möglichen kleinen Pfützchen, mit schon erwachsenen Kindern sind genügend Menschen im neuen Zuhause da, die sausen können, wenn sich so ein Bedürfnis bemerkbar macht. Für Nina ein Riesenglück, denn es ist nun wirklich höchste Eisenbahn, dass sie all die vielen Dinge jenseits des Tierschutzes kennenlernt. Von denen wird sie wohl mehr als manch anderer zu sehen bekommen, denn ihre Menschen sind gleich mit dem Wohnmobil angereist, das Ausgangspunkt vieler zukünftiger Unternehmungen sein wird. Vielleicht wird uns davon ja mit den Jahren der eine oder andere kleine Bericht samt Fotos zugehen für die „lange schon glücklich vermittelten Hunde“? Darüber würden wir uns sicher ebenso freuen wie über die Vermittlung von Nina.

Nina mit ihrer neuen Familie


 

Ende des Sommers begab sich ein Ehepaar auf die Suche nach einem vierbeinigen Gefährten, eine Entscheidung, die lange gereift war und deren „Vollzug“ mit genau derselben ruhigen Überlegtheit angegangen wurde. Neben einigen Eckpunkten wie kein Problemhund oder „Hüne“, die ein Vierbeiner erfüllen sollte, gab es eigentlich nur ein Kriterium, das beiden wichtig war: es sollte funken.

Wer schon einmal versucht hat, sich quasi gewollt zu verlieben, der weiß, wie schwierig das werden kann, bei einem Besuch in der Station im Schwarzwald tat sich erstmal nichts. Statt enttäuscht zu sein, vereinbarte das Paar sobald es sich ergab (man ist viel mit dem Wohnmobil unterwegs) einen Termin im Nordlicht, vielleicht ließe sich ja da der- oder diejenige finden, der ihre Herzen höher schlagen ließ.

Mit interessanten, nicht ganz so riesig gewachsenen Kandidaten konnte man auch im Norden aufwarten, machte sich auch so seine Gedanken, wer vielleicht passen könnte und stellte dann am Tag X fest, dass alles ganz anders kommen kann. Denn trotz aller Eindrücke, die in den ersten Minuten mit dem Gang durch die Station auf Interessenten niederprasseln, konnte sich einer ganz klar und deutlich ganz nach vorne in die Gedanken schieben: Shorty mit dem unverwechselbaren Überbiss.Shorty nimmt Abschied vom Nordlicht

Interessanterweise verhielt sich der aus einer freiwilligen Abgabe (die einer Beschlagnahme zu vorgekommen war) stammende Rüde auch ganz anders den Interessenten gegenüber als man es von ihm gewohnt war. Viel aufgeschlossener und schon richtig „anschleimend“ klebte er sich förmlich an das Paar, blind für das anwesende Personal, selbst als dieses mit Geschirr in der Hand daneben stand. Drei, die für einander bestimmt waren?

Wir haben dennoch versucht, ein Bild davon zu zeichnen, wie eine mit der Vermittlung zwangsläufig einhergehende Veränderung den im Nordlicht so stabil wirkenden Shorty wieder ein Stück zurückwerfen könnte. Bereits vergessen geglaubte Unsicherheiten und Ängstlichkeiten könnten für eine Weile wieder in den Vordergrund treten wie so oft bei Hunden, die über eine längere Zeit unter wenig guten und isolierten Bedingungen lebten. Dann würde Shorty der Anleitung seiner neuen Menschen bedürfen, die ein wenig Geduld mit ihm haben müssten. Eine Aufgabe, die die Interessenten gerne übernehmen wollten und der sie sich mit den entsprechenden Ansprechpartnern als Rückhalt gewachsen fühlten und so stand am Ende des Tages fest: Es hätte einfachere Lieben gegeben, aber welche Liebe fragt schon nach möglichen Schwierigkeiten?

ShortyZwischenzeitlich ist Shorty um- und eingezogen, nicht unerwartet hat ihn das veränderte Umfeld in vielen Punkten seiner Stabilität erstmal beraubt, klar erkennbar war aber von Anfang an eins: glücklich ist er, so ganz nah an seinen Bezugspersonen dran und hat mit der häuslichen Umgebung überhaupt keine Schwierigkeiten, im Gegenteil. Erste kleine Kostproben seiner Cleverness hat er auch schon abgegeben, Türen öffnen? – no problem, learning by doing:

„wie versprochen, erhalten Sie eine kleine Rückmeldung über Shortys erste Tage bei uns.

Die Reise verlief im Auto sehr, sehr gut. Wir waren jedoch erst weit nach 21 Uhr am Ziel.
Anfangs war Shorty natürlich unruhig. Er bewegte sich aufgeregt im Kofferraum hin und her und malte mit seiner Nase einige Schriftzeichen an die Fenster. Er „verbuddelte“ noch den großen Knochen zwischen Sitz und Kofferraum. Irgendwann legte er sich hin und rührte sich nicht mehr. Wir machten – wie Sie empfohlen haben – wenige Pausen. Angebotenes Wasser nahm er, Fressen verschmähte er. Erst kurz vor Würzburg wurde er im Kofferraum unruhig und wir unterbrachen die Fahrt für einen kurzen Lauf.
Die letzten beiden Kilometer legte er zu Fuß mit seinen neuen „Bossen“ zurück.

Seine Nase hatte leider schon den ersten Kontakt mit dem Holzofen und seitdem ist er ganz vorsichtig und weiß was mit „heiß!“ gemeint ist. Ziemlich schnell hat er seinen neuen Platz belegt und dort seine erste Nacht verbracht. Die war schon um drei Uhr vorbei und ich habe mich dann zu ihm ins Wohnzimmer gelegt, damit er nicht so alleine war. Aber um 6 Uhr war dann Schluss. Shorty wollte raus.

ShortyAm ersten Tag bei uns war Shorty sehr unruhig. Er war sehr ängstlich, hörte aber auf alle Kommandos. Ihm fehlen wohl seine Hundekollegen. Seinen Darm hat er dann erst am Abend entleert – nicht bei den Spaziergängen – sondern auf der Terrasse. Während sehr langer Ausgänge markiert er noch nicht einmal. Er macht also während seiner Spaziergänge gar nichts. Dafür hat er die Terrasse ausgewählt….

Er frisst und säuft normal.

Die ganze Nacht hat er dann auf seinem Fell geschlafen, bis er mich um 6.30 Uhr mit einem kurzen Wuff weckte und dann vor der Terrassentüre auf Ausgang wartete.

Am heutigen zweiten Tag normalisiert sich unser aller Leben. Shorty gibt deutlich Signal, wann er auf die Terrasse möchte. Geschlossene Türen möchte er nicht ertragen – es wird langsam kalt! Wenn er drinnen ist, will er raus und umgekehrt!

Im Garten habe ich ein 10 Meter langes Drahtseil angebracht mit einer 5 m langen Leine. Dieses Angebot nimmt er an und durchforscht den Garten wie ein Tiger.
Heute hat er sehr genau beobachtet und selbstständig die Türe von der Terrasse zum Garten geöffnet. Schwupp – weg war er! Sein Ausbüxen endete nach ein paar Minuten. Er hörte auf Kommandos, wenn auch verzögert, ließ sich dann sitzend an die Leine nehmen. ……

Erschöpft liegt er gerade auf seinem Fell und nagt am Knochen, gar nicht so einfach mit dem Überbiss!
Sein neuester Lieblingsplatz ist übrigens unter dem Esstisch. Mal gucken, was er morgen gut findet. (Die Couch war nur für eine Zehntel Sekunde gut!)Shorty und sein Knochen
Manchmal heult er ganz leise – wenn wir leise antworten, wedelt er mit dem Schwanz und legt sich hin!
Er fordert seine Schmuseeinheiten deutlich ein, kann sich aber auch ganz gut alleine beschäftigen und auch zurückziehen.

Wenn es an der Türe klingelt, interessiert ihn das gar nicht. Er steht noch nicht einmal auf, wenn jemand kommt.

Shorty kocht sehr gerne mit – jedenfalls ist er gerne dabei und das sehr nahe.
Anfangs war es spannend ihn zu beobachten, wenn wir frühstückten oder andere Mahlzeiten einnahmen. Er ging wohl zunächst davon aus, es wäre für ihn gedeckt worden.
Schon jetzt am zweiten Tag ist er zurückhaltender und geht nur noch an seinen Fressplatz.

Heute ist er kurzfristig ausgezogen und hat sein Schaffell aus dem Wohnzimmer auf die Terrasse gezerrt. – Jetzt hat er es sich wohl wieder anders überlegt…..“

Shortys LiebingsplatzWo immer wir können, unterstützen wir die drei natürlich und sind recht zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg ein guter ist und es den dreien gelingt, ein gutes Vertrauensverhältnis zu einander aufzubauen, damit das Fundament der „Liebe auf den ersten Blick“ die nötige Stabilität für ein hoffentlich langes und für alle Beteiligten glückliches Leben miteinander bekommt.

Siesta mit Herrchen

 


 

Glücklich ist auch Mexx geworden, der fünfjährige Husky-Mischlingsrüde, der wegen familiärer Veränderungen abgegeben werden musste. Dank der Bemühungen seines Besitzers fand sich recht nahe am alten Wohnort eine huskyerfahrene Familie, die Mexx bei sich aufgenommen hat und ihm das Los ersparte, viele Stunden täglich auf die Rückkehr seines bisherigen Besitzers von der Arbeit zu warten.

Mexx


 

GloryIn ihren Namen wird die junge dunkle Hündin, die einst als Nr. 60 aus einer spanischen Tötung gerettet wurde, wohl erst noch rein wachsen müssen, sie wurde von den Tierschützern, die sie nach Deutschland brachten, Glory genannt. Übersetzt bedeutet dieser englische Begriff Ruhm, Glorie, Pracht, Herrlichkeit – optisch wird die junge Hündin dem vollauf gerecht, lernen muss sie aber noch jede Menge, mit ihrer bislang vorhandenen Erziehung gewinnt sie keinen der sprichwörtlichen Blumentöpfe.

Das war allerdings nicht der Grund, warum sie bald nach ihrer Ankunft in Deutschland schließlich zur Nothilfe für Polarhunde kam, sondern (wohl auch durch Glorys einsetzende Läufigkeit ausgelöste) Querelen mit den bereits vorhandenen Hündinnen in der Pflegestelle.

Mit dem Umzug in den Schwarzwald kam Glory bestens zu Recht, sie reiste an, schaute sich um und war da mit jener erfrischenden Unkompliziertheit, die der Jugend anheim liegt. Noch bevor sie auf der Internetseite online gehen konnte, hatte sie schon erste Fans gefunden, Mitglieder, die ihren Urlaub in der Nähe verbrachten und während des Aufenthalts so oft als möglich als (zusätzliche) Spaziergänger mit Stationshunden unterwegs waren. Gerne hätten sie Glory ein Heim geboten, doch leider konnte keiner von beiden (nochmals) Urlaub für eine Eingewöhnung bekommen – manchmal soll es einfach nicht sein.Glory

Auf die Internetseite schaffte es Glory aber dennoch nicht, denn die nächsten beiden Herzen, die sie für sich gewinnen konnte, gehörten Vater und Sohn, womit schon mal die Mehrheit einer Interessentenfamilie auf ihrer Seite war. Die zugehörige Frau und Mutter hatte sich zunächst einen ganz anderen Favoriten ausgeguckt, optisch völlig konträr, aber von Temperament und Wissensstand her ähnlich. Zu einer Patt-Situation kam es dennoch nicht, denn Glory konnte an einer Stelle punkten, die der Familie derzeit eher weniger bedeutsam, langfristig aber wichtig ist: Katzenverträglichkeit. Denn irgendwann einmal, eher in der näheren denn weiteren Zukunft soll wieder eine Samtpfote mit zur Familie gehören, der bisherige Mäusejäger verstarb leider vor einiger Zeit.

Am liebsten hätte man am Ende eines Tages voll mit Spaziergängen mit ganz unterschiedlichen Hunden und viel Beschäftigung mit den einzelnen Stationsbewohnern in den Gehegen Glory gleich mitgenommen. Es gab aber noch einiges vorzubereiten und zu organisieren, Glory ist der erste vierbeinige Lebenspartner in ihrer neuen Familie, der nicht miau sondern wuff sagt (oder vielleicht uhuhuh).

Acht Tage später war es dann soweit, das „Abholkommando“ neues Frauchen und Herrchen fuhr mit dem Auto vor, das seit dem letzten Besuch um ein stabiles Trenngitter bereichert wurde. Auch zu Hause war alles bestens vorbereitet, sogar die Hunde-Haftpflichtversicherung schon abgeschlossen, es fehlte also nur noch eines, der Hund. Und der ließ sich nicht lange bitten, alles, was neue Abenteuer verspricht, ist ja Musik in den Ohren junger Nordischer und so wäre es Glory am liebsten gewesen, man hätte das mit dem Abschiedsfoto ersatzlos gestrichen, Stillhalten und Stillstehen ist noch so gar nichts für den energiegeladenen Quirl.

Glory

Viel Neues wird auf Glory und ihre Familie in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten einstürmen und die auf allen Seiten vorhandene Lernbereitschaft lässt uns guten Mutes sein, dass die vier nicht nur zusammenwachsen, sondern miteinander wachsen.

 


 

Nita

NitaSo wirklich viele Anfragen kamen für die Malamute-Mix-Hündin Nita nicht, obwohl vieles dafür sprach, dass man mit ihr einen rechten „Traumhund“ bekommen würde, da sie an viele artfremde Tiere gewöhnt ist, den Umgang mit Kindern kennt und über eine solide Erziehung verfügt. Einzige Auffälligkeit bei ihr war ein etwas angespanntes Verhältnis Artgenossen gegenüber, da dieses aber nicht immer so gewesen war, sondern nach einer ihr zugefügten Bissverletzung aufgetreten war, würde das mit etwas Arbeit und Umsicht wohl hinzubekommen sein.

Angesichts der Nachfragen-Flaute (wie übrigens oft bei „Mixen“) war es gut, dass ihr Frauchen sich parallel zur Vorstellung auf der NfP-Webseite auch selbst noch ins Zeug gelegt hat, um Nita das zu verschaffen, was sie dringend brauchte: einen Platz, wo man ihr auch zeitlich und von der Bewegung her so gerecht werden konnte, wie es für eine fünfjährige Hündin nötig ist. Denn genau das konnte ihr das bisherige Frauchen nach vielen Veränderungen nicht mehr bieten.

Mittlerweile ist für Nita alles gut geworden, sie hat eine Familie gefunden, zu der sie passt wie „Deckel auf Topf“ oder wie schrieb ihr früheres Frauchen:

„Sie kommen wirklich sehr gut klar mit Nita. Sie lebt da mit zwei Kindern, zwei Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen, Chinchillas und Vogelspinnen und sie hatte kein Problem sich dort einzuleben und sich arrangiert sich ganz vorbildlich mit den anderen vierbeinigen Mitbewohnern. Mit den beiden Katzen hatte sie von Anfang an kein Problem (nachdem sie klargestellt hat, dass ihre Futterschüssel tabu ist), man kann mit ihnen inzwischen sogar in einem Bettchen liegen und schmusen und schlafen.
Naja, das restliche Kleingetier interessiert sie anscheinend nicht weiter, solange es ihr nicht grad vor der Nase rumhüpft, aber selbst wenn der Hase mal in seinem Käfig tobt, steckt sie nur die Nase rein, tut ihm aber nix...Nita

Kinder sind für sie eh das Größte, egal ob 4beinig oder 2beinig. Ihr neues Herrchen hat mich gestern angerufen und ganz stolz erzählt, dass Nita den Jüngsten (ich glaub 6 Monate) ganz behutsam an der Windel genommen und ihn von der Treppe weggezogen hat. (Ja, genau so kenne ich sie).
Sie hat sogar im Wohnzimmer ihren eigenen Sessel bekommen.

Das Problem mit fremden Hunden hält sich auch soweit in Grenzen, hauptsächlich reagiert sie so heftig, wenn sie an der Leine ist. Sie hatte aber inzwischen schon einige Hundebegegnungen, die ruhig verliefen und letztendlich sogar in einem "Miteinander rumtoben" geendet sind. Ihre neue Familie hat auch eine ordentliche Portion an Hundeerfahrung, was den Umgang mit Nita natürlich wesentlich einfacher für sie macht.

Nita darf jetzt jeden Tag reichlich Gassi gehen. In naher Zukunft wird sie auf einem Hundeplatz angemeldet, um am Umgang mit anderen Hunden noch ein wenig zu feilen. Man hat sie sogar schon mit auf eine Wanderung genommen. So was findet sie natürlich klasse... Aber anstatt sich danach mal hinzulegen, hat sie erstmal ihr Quitschetier angeschleppt um noch ne Runde mit ihren Menschen zu bubeln. Ich denke, Nita hat dort jetzt ihr Plätzchen gefunden.“

Wir freuen uns sehr für Nita, ihr früheres Frauchen und ihre neue Familie.

 


 

Ein Malamute-Rüde im Tierschutz ist wahrlich keine Ausnahme, aber einer wie Baskar schon. Der gut dreijährige Rüde kam aus besten Verhältnissen, mit viel Liebe und Sachverstand erzogen ohne verhätschelt zu sein und eigentlich ein Malamute, den man unter normalen Umständen als Halter nie mehr aus den Händen geben würde.Baskar

Dass sich Baskar dennoch in der Auffangstation im Schwarzwald einfand lag daran, dass er als nun erwachsener Hund in seinem Ursprungsrudel den Artgenossen gegenüber die Frage nach den Wertigkeiten und den Positionen mehr als einmal stellte und mit der Antwort nie nicht zufrieden war. Ein friedliches Zusammenleben war auf dieser Basis nicht mehr möglich und ihn dauerhaft von den anderen Hunden zu separieren keine Lösung für ein ganzes Hundeleben – mitunter stoßen auch erfahrene Halter an Grenzen, die unüberwindbar sind.

Viel Zeit, sich im Tierschutz umzusehen, hatte Baskar nicht, sehr schnell fanden sich Interessenten und nahmen tatsächlich den weiten Weg bis in den Schwarzwald auf sich, um das „Sahnestückchen“ von einem Malamute persönlich kennen zulernen.

Ob sich’s gelohnt hat, davon können Sie sich selbst ein Bild machen:

„Nach der problemlosen "Überfahrt" von Baden-Württemberg nach Sachsen war Baskar sehr ruhig und ist dem Begrüßungsmarathon der Familienmitglieder und des "halben" Dorfes mit viel Liebe begegnet.
Dann sind wir mit ihm die erste Runde in seiner neuen Heimat gegangen, bei der er ruhig und interessiert mit gelaufen ist. Uns kam schon die Frage, haben wir wirklich einen Schlittenhund an der Leine?Baskar

Dann kamen wir zu unserem See und der "Masse Wasser" ist er mit Vorsicht begegnet. Langsam ging er die ersten Schritte ins Wasser, dann "fiel ein Schalter um" und ein "anderer" Hund war am Ende der Leine. Baskar stürmte ins Wasser, wieder heraus, rann und sprang am Ufer hin und her. Mensch, Schilf und anderes waren kein Hindernis dabei - mit wuscheligem Fell "verpackte 40kg" waren außer Rand und Band. Ab da wussten wir, dass wir eine "Wasserratte erwischt" hatten.

Baskar

BaskarIn den folgenden Tagen wurde Baskar immer aufgeschlossener und lebhafter. Die Grundstücksgrenzen stellt er nicht in Frage, die "Grundstückstiefe" schon. Es wird immer mal nachgesehen, wie viel Erde verfügbar ist.
Auch die Lauffreudigkeit hat schnell zugenommen. Aus dem Mitlaufen wurde immer wieder auch ein leichtes Rennen. Durch Animation legte Baskar auch den "2. Gang" ein, was mit einer Bauchlandung des Herrchens endete - jetzt war klar, Baskar ist ein Schlittenhund!
Nun lebt er sein Bewegungsbedürfnis am Fahrrad aus, mit noch etwas Respekt vor dem Drahtesel, dafür jedoch mit guter Leinenführigkeit.

Das von der ersten Begegnung an entgegengebrachte, liebevolle Kuschelbedürfnis bringt Baskar jedem Familienmitglied entgegen, am liebsten ohne Ende. Zum Glück gibt es mehr als eine Hand voll davon. Hierbei Konsequenz zu zeigen, fällt unheimlich schwer. Naturgemäß ist Baskar's Kopf nicht nur groß, sondern auf liebevolle Art dickköpfig. Wenn ich mitten in der Stube liegen will, will ich das eben - seht mal zu, wie ihr mich da wegbekommt.

Sehr beeindruckend ist Baskar's dunkle, tiefe Stimme, die sehr selten, aber dann mit Bestimmtheit zu vernehmen ist. Für uns erstaunlich ist, dass diese am häufigsten zu hören ist, wenn er unsere Nichte/Neffen zum Spielen auffordert. Am liebsten werden dann Knochen bzw. Bälle genommen, die einen Fiepton von sich geben. Erst wenn dieser nicht mehr zu hören ist, wird das Spielzeug wieder hergegeben. Beim Wegrennen von Baskar vor dem Spielgefährten wird naturgemäß auf Blumen und anderes Gesträuch keine Rücksicht genommen. Auch mit welcher Leichtigkeit Baskar seine Größe und Masse über feste Gegenstände unterschiedlichster Höhe "fliegen" lässt, ist beeindruckend.

Anhand seiner offenen Körpersprache uns gegenüber, seinem freudigen Begrüßen beim Wiederkommen und nicht ansatzweise erkennbaren Ausreißversuchen können, wir sagen, dass Baskar sich bei uns sehr wohl fühlt. Und wir sind positiv erstaunt und glücklich, einen solchen unkomplizierten sowie tollen Gefährten an unserer Seite zu haben.“

Baskar

 


 

SinaSina, eine in 2002 geborene Husky-Schäferhündin, stand eigentlich zur Abgabe, weil es mit der sich verändernden Familiensituation zunehmend schwierig geworden war, ihrem Bewegungsbedürfnis gerecht zu werden.

Leider tat sich in Sachen Vermittlung lange nichts, wie so häufig bei Mixen und vielleicht hat es auch so sollen sein, denn nun wird sie bleiben, wo sie ist, die Hündin mit den vielen Talenten und Fähigkeiten. Diese zu nutzen wird nun unter einem ganz anderen Blickwinkel gestaltet, da bei Sina zwischenzeitlich eine chronische Erkrankung festgestellt wurde:

“Wir haben uns jetzt doch entschlossen, Sina zu behalten. Letzte Woche war ich beim Tierarzt mit ihr, weil sie nicht mehr gut gelaufen ist und einen schlechten Eindruck machte. Sie hat leider die HD- Krankheit und muss jetzt regelmäßig Medizin nehmen, damit sie wieder einigermaßen schmerzfrei laufen kann. Die linke Hüfte sperrt. Zum Glück haben die Medikamente angeschlagen, denn sie läuft jetzt wieder viel besser und sie hat auch wieder einen freundlicheren Ausdruck in den Augen. Sie darf jetzt auch nicht mehr am Fahrrad laufen. Die Tierärztin meinte, dass es mit dem Alter zusammen hängt.“

Wir freuen uns sehr, dass Sina nun dort ihren Lebensabend verbringen kann, wo sie schon immer zu Hause war und ihre Besitzerin nicht nur in jungen, sondern auch in leicht ergrauten und von ersten Altersanzeichen behafteten Tagen zu ihr steht.

 


 

Manchmal, wenn man alles schon verloren glaubt, geht doch noch dort ein Türchen auf, wo man es am wenigsten gesucht hätte, in der unmittelbaren Umgebung.

Nina

Für die verträgliche, bescheidene zwölfjährige Nina fand sich innerhalb des Wohnortes des bisherigen Halters ein neues Zuhause, für die ältere Hündin sicherlich die bestmögliche Lösung. Denn so wird die an sporadischen Epilepsie-Anfällen leidende Nina nicht komplett entwurzelt, die Umgebung ihrer täglichen Gassigänge ist ihr bereits bestens vertraut und viele der ihr dort begegnenden Artgenossen sind ihr bekannt. Dies sollte die mit einem Umzug bedingte Aufregung und Anspannung deutlich mindern und das Risiko mit den Veränderungen einen Anfall auszulösen verringern.

Wir freuen uns sehr für Nina und bedanken uns bei denen, die hier ebenfalls Hilfe angeboten haben.

 


 

Snow, ehemals Jarvi

SnowViel Freizeit und Herzblut haben Kollegen eines in Not geratenen bayrischen Mushers in den letzten Wochen aufgewandt, um ihm oder eigentlich mehr seinen Hunden zu helfen. Insgesamt 16 Siberians galt es unterzubringen, von denen einige (auch ältere) von ihren Züchtern zurück genommen wurden (auch ohne den Wunsch Sport zu treiben ist die Empfehlung, sich den Züchter seines Welpen sehr genau auszusuchen mitunter nicht nur im Notfall Gold wert). Auf allen Ebenen liefen Vermittlungsbemühungen für diejenigen, die nicht irgendwohin zurückgehen konnten, es gelang so, selbst für recht betagte Hunde Möglichkeiten zu finden. Für einen aber wollte sich so gar nichts auftun, einen siebenjährigen weißen Rüden mit Schilddrüsenunterfunktion und schließlich war es Zeit, nicht nur den Kontakt zur Nothilfe zu halten, sondern aktiv um Mithilfe zu bitten.

Bei Hunden mit Handicap wie Jarvi heißt es in Sachen Webvorstellung top oder flop – tut sich nichts in den ersten Tagen, wird es schwierig. Was nicht heißt, dass diejenigen, die sich auf solche Hunde melden, nicht gut überlegt hätten, im Gegenteil, viele davon sind überzeugte „Wiederholungstäter“ oder solche, die einen solchen kennen und dadurch keinerlei Berührungsängste mehr haben.

Snow mit einem RudelmitgliedFür Jarvi allerdings ging das Türchen wo ganz anders auf, nämlich schon dort, wo seine Berufung, seine Passion liegt, also im sportlichen Einsatz, aber nicht mehr mit dem Erfolg als Ziel an erster Stelle, sondern der Zusammenarbeit im Team. Die meisten Mitglieder sind Vollblut-Tierschutzhunde aus ganz unterschiedlichen Haltungen, zu einer Einheit geworden durch das sorgfältige Auswählen neuer Mitglieder im Vorfeld, der hohen Sensibilität ihres Frauchens beim Zusammenführen und der späteren Leitung des tatsächlichen Einlebens.

Dem Team fehlte nach wie vor ein erfahrenes, umsichtiges etwas älteres, aber noch nicht altes Mitglied, das einerseits insgesamt zur Ruhe und Stabilität beitragen könnte, andererseits sportlich auch zwei- wie vierbeinige Mitglieder weiterbringen sollte. Jarvi’s Bilder sehen, Text lesen und das Gefühl haben, der könnte es sein waren ungefähr eins – in den nächsten Tagen wurde geklärt und organisiert, mit einem ganzen Team im Schlepptau will die Überwindung einer solchen Entfernung wie hier ja genauestens geplant werden.

Vor Ort angekommen klappte das Zusammenspiel mit dem bisherigen Besitzer gut, telefonisch hatte man das Meiste bereits abgeklärt und ging nun gemeinsam ruhig und besonnen an die Umsetzung, um diese reelle Chance für Jarvi nicht zu gefährden. Also nichts für Menschen, die gerne schnell zu Entscheidungen kommen, aber die im Vorfeld investierte Zeit zahlt sich in der Regel aus.So schön kann man als Husky leben

So auch in diesem Fall: Jarvi fuhr am Ende als weiteres Teammitglied mit zurück in die Schweiz und bereichert bereits jetzt den gesamten Rudelverband, schon nach wenigen Tagen machte sich die von ihm ausgehende Souveränität bemerkbar. Das neue Frauchen hat er bereits voll für sich gewonnen, einen neuen Namen übrigens auch, aus Jarvi wurde Snow:

ich bin überglücklich Snow bei mir zu haben.

Die lange Fahrt war sehr anstrengend, aber es hat sich wieder einmal mehr gelohnt, gelohnt, gelohnt! Er sprang mir ja auf dem Vermittlungsbild schon voll mitten ins Herz, und ist schon jetzt daraus nicht mehr wegzudenken.

Ein Wehrmutstropfen: Oft kommt mir der frühere Besitzer in den Sinn und mich schaudert eiskalt, wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Freunde soo hergeben müsste. Um so mehr setze ich alles dran, dass sie es bei mir einfach nur gut haben, gut und noch einmal gut. Sie sind mein Leben geworden, dieses wunderbaren Geschöpfe.

Snow und der Nachwuchs

Nun steht aber Snow neben mir und bettelt die ganze Zeit, er möchte doch auch etwas sagen dürfen, denn schließlich könne er doch das alles am besten beurteilen. Nun, ich bin selbst gespannt, was er denn da schreiben wird: „

wir natürlich auch und haben fast ungläubig festgestellt, das ist ja ein richtiges Gedicht und ein schönes noch dazu:

„Für euch sah es so aus, als wollt mich einfach niemand,
Doch so war es nicht; ich wartete nur, bis ich sie fand:
Das Super-Rudel wo`s nichts gibt zum streiten,
Und - ich übertreibe nicht, das tollste Frauchen aller Zeiten !
Ein wirklich schönes Plätzchen habe ich gefunden,
Ein siebenköpfiges Rudel mit drei Jungspunden.
Im Haus ist für mich schon alles noch sehr frisch:
Da stand ich doch schnurstracks in meiner ganzen Größe auf dem Stubentisch-
Ob ich meinem alten Herrchen noch nachweine?
Ja manchmal schon, aber nur auf die ganz feine…
Frauchen will ich das ja nicht spüren lassen,
Sonst hört es vielleicht auf, mein schneeweisses Fell zu küssen.
Deshalb hat es auch ein „Snow“ aus mir gemacht.
Ob mich das stört? Das wäre ja gelacht.
Mein Verhalten sei absolut integer und souverän,
sagt die zweibeinige Oberhündin, mein großer Fan.
Den drei Jungen in Team soll ich das richtige Rennen beibringen,
Deshalb steht fest: In Zukunft werde ich als Leader springen!
Die ganze Meute sei ruhiger geworden,
Wegen dem Gebell der Jungen habe es nun weniger Sorgen.
Ich bin halt einfach ein Prachtsexemplar,
Und das war Frauchen von Anfang an klar.
Das lange Warten hat sich doch gelohnt,
Denn ich werde hier mit interessantem Garten, rennen, Sofa und viel schmusen belohnt.
Ich bin glücklich, dass mich Frauchen so verehrt,
Und hab hier alles, was ein Huskyherz begehrt!“

Snow, vormals Jarvi

Vielleicht ist Ihnen das Herz ähnlich aufgegangen wie uns und mehr denn je glauben wir, dass der sensible Snow genau am richtigen Platz angekommen ist – vielen, vielen Dank für all das, vor allem das Getane und noch zu Leistende.

 


 

PittiGanz besonders gefreut haben wir uns über die Nachricht, dass die blinde Husky-Hündin Pitti ein Zuhause gefunden hat, denn dass es ihr dort an nichts fehlen wird, wissen wir.

Pitti ist nämlich, begleitet von ihrem neuen Besitzer Thomas, nach Schweden, genauer Stockholm geflogen, wo bereits zwei weitere ehemalige Tierschutzfälle auf ihr Herrchen und den Neuzugang in der kleinen Runde warten.

Laika und Sheila werden Pitti schon beim Einleben helfen und fortan als rüstiges Senioren- und Handicapler-Trio Stockholm und Umgebung mit Herrchen durchstreifen.

das Trio

 


 

Twix

TwixSelbst nach Jahren kann Vermittlungsarbeit richtig spannend und lehrreich sein, mit dem elfjährigen Twix zum Beispiel. Als erstes erinnerte er einen daran, dass Musher nicht gleich Musher ist. Eine Tatsache, der man sich als Vermittler Nordischer eigentlich bewusst ist, die aber, weil man in der Praxis meist mehr mit gescheiterten Träumen als mit erfolgreichen Projekten konfrontiert ist, gerne mal in den Hintergrund gedrängt wird. Da ist es gut, wenn ab und an einmal ein Sporthund in die Vermittlung kommt, bei dem alles im Leben stimmig ist, selbst die Altersvorsorge.

Dass alles menschliche Planen nichts nützt, wenn zwei sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen können, auch das unterstrich Twix eindringlich. Er, der zehn Jahre und zwei Besitzer lang nie auffällig gewesen war, immer zuverlässig und integer im Rudelverband lebte, mutierte mit seinem Umzug auf einen an sich tollen Schlittenhunde-Rentner-Platz zu einer Art Revoluzzer. Obwohl ihm rein objektiv wirklich alles geboten wurde, was ein angegrauter Schlittenhund wünschen könnte, Zuwendung, Gefährten, angepasste sportliche Betätigung, ein schönes Gelände und vieles mehr, wurde Twix dort nicht heimisch. Im Gegenteil, je länger er dort lebte, desto deutlicher wurde sein Konflikt mit dem vorhandenen Rudelanführer und leider auch seine Verhaltensauffälligkeiten. Am hervorstechendsten dabei sein lautstarker Protest, wenn irgendetwas in seinen Augen nicht stimmig war und das war einiges – bald lagen selbst die Nerven der tierliebsten Nachbarn bloß (verständlicherweise).

Twix teilt sogar das Körbchen

TwixEigentlich sah man Twix von Vermittlerseite her eher als Zweithund bei einer Hündin oder vielleicht auch als Einzelhund, der Versuch, ihn noch einmal in ein kleineres Rudel zu integrieren war nicht mal angedacht. Aber genau dort lag sein Glück, den Sprung vom Pflegehund hin zum nicht mehr wegzudenkenden Teamgefährten hat er quasi im Schnelldurchlauf geschafft, denn mit diesem Umzug war Twix wieder das, was er zehn Jahre lang gewesen war, einfach unkompliziert, liebenswert und ein richtig toller Hund.

„Kaum haben wir von Twix' Schicksal erfahren, war er auch schon bei uns als Pflegehund. Natürlich hatten wir im Hinterkopf mit dem Gedanken gespielt, ihn zu behalten, wenn alles gut läuft.

Bevor wir ihn aber bei uns hatten, haben wir den Bericht auf der Webseite der Nothilfe für Polarhunde über Twix nochmals gelesen und darüber nachgedacht, worauf wir uns da eingelassen haben.Doch wie es meistens ist, kommt alles anders als erwartet.

Twix im neuen RudelDadurch, dass Twix schon 11 Jahre alt ist, hat er natürlich viel mehr Erfahrung als alle anderen Hunde von uns, aber das sehen wir als Vorteil bei unserem Rudel. Er passt super in unsere Truppe, nicht mal mit unserem eher dominanten Rüden Stone gab es Schwierigkeiten. Mittlerweile ist Twix auch schon über ein Monat bei uns und die Hunde spielen alle schön zusammen.

Akena, unsere Hündin, die wir auch aus der Nothilfe haben, macht einen Superjob als Alphahündin und ich glaube, dem Twix gefällt das ganz gut, ein Weibchen als „Vorgesetzten“ zu haben. Alles in allem ist unser Rudel ruhiger geworden. Twix hat sicher seinen Beitrag dazu geleistet und bildet so etwas wie den Ruhepol des Rudels. Doch ab und zu lässt er sich sogar auf ein Spielchen mit der kleinen Inouk (unserer Jüngsten) ein. Einfach ein super Hund!

Das Rudel

 

 

 

 

Er genießt es, in einem Rudel zu sein und ich denke auch, dass er jetzt ein Rudel gefunden hat, das zu ihm passt. Wir hatten ein wenig Angst, da er ja als sehr laut beschrieben wurde, warten aber seit Wochen vergebens auf einen Lautstärke Ausbruch.

Ich glaube, besser hätte es nicht funktionieren können. Innerhalb von 2 Tagen hatte er sich vollständig in das Rudel eingefügt und rennt seither mit den Anderen zusammen, als hätte er schon immer bei uns gelebt.“

Wir bedanken uns ganz herzlich für die schnelle Hilfe mit einem Pflegeplatz und der Unvoreingenommenheit, mit der Twix auf- und angenommen wurde. Für die Zukunft wünschen wir allen, Mensch wie Hund, dass Twix noch lange gesundheitlich so gut drauf sein möge wie derzeit und seine große Erfahrung an die jüngeren Teammitglieder Akena, Stone und Inouk weitergeben kann.

 

Twix im Rudel


 

Warum sich der eben mal dreijährige Cooper mit seinem Einzug im Nordlicht auch schon fast umgehend in die Reihe der „Vermittlungs-Bleienten“ einreihte, konnte eigentlich keiner verstehen. Jung, gesund, voller Power, jedoch mit abrufbarer Grunderziehung und an ein Leben im Haus gewöhnt brachte er eigentlich alles mit, was Interessentenherzen über kurz oder lang höher schlagen lassen sollte, aber irgendwie Fehlanzeige. Die spärlichen Anfragen für ihn zerschlugen sich meist schon in den Anfängen, es tat einem richtig leid für den an sich sensiblen Rüden, dem doch manches im Tierschutz förmlich auf den „Magen schlug“ oder die „Tränen in die Augen trieb“.Cooper

Dass Cooper nun aber doch sein Glück gefunden hat, verdankt er vor allem der zielstrebigen Hartnäckigkeit seines heutigen Besitzers, der sehr wohl wusste, dass er nicht zu denen gehört, die sich als Interessenten leicht tun. Davon hat sich der junge Mann allerdings nicht beirren lassen und einen ersten Besuch im Nordlicht gemacht, bei dem er vor allem zuhörte und vieles mit auf den Weg nach Hause nahm, auch den Sack voller Bedenken, die man angesichts seines Alters und seiner beruflichen Zukunft geäußert hatte. Vermittler sind eben Menschen wie andere auch und sammeln mit den Abgaben Erfahrungen, die sich nicht einfach so aus dem Gedächtnis streichen lassen und mitunter unbewusst in das eine oder andere Interessentengespräch mit einfließen.

Beim nächsten Besuch im Nordlicht war der Interessent dann nicht alleine, sondern kam mit einem Familienmitglied, das mit Bestandteil einer Lösung für angesprochene Eventualitäten war. Dass damit nicht alle Restzweifel ausgeräumt waren, war dem potentiellen Cooper-Neubesitzer durchaus bewusst, was ihn aber keinesfalls entmutigte oder von ihm gar als persönliche Kränkung aufgefasst wurde. Frei nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ ließ er den Kontakt nicht abreißen und besuchte Cooper weiterhin, zu dem er schon von Anfang an einen guten Draht gehabt hatte. Irgendwann kam dann der Vorschlag, doch mal mit Cooper das potentielle Zuhause und auch gleich das „Fangnetz“ im Untergrund zu besuchen, denn es galt noch auszutesten, ob es mit Cooper und den dort vorhandenen Hunden in deren Zuhause so gut miteinander ging wie beim Kennenlernen im Nordlicht.

Also Nägel mit Köppen gemacht und Termin vereinbart, es klappte entgegen aller Vermittler-Unken-Gedanken alles wunderbar, auch während eines ersten Spazierganges in der fremden Umgebung erwiesen sich die beiden als gutes Team – es war langsam an der Zeit zu vertrauen und loszulassen.

CooperCooper zog bald darauf um und hat sich bestens eingelebt, der gleich folgende Bericht zeigt sehr schön, wie gut Herr und Hund bereits miteinander „schwingen“:

„….Was für ein an sich ruhiger und gelassener Kerl er ist, davon hat Cooper mir und meiner Mutter schon bei der Autofahrt vom Nordlicht heimwärts einen Vorgeschmack gegeben. Die hat er nämlich ohne die leiseste Beschwerde mitgemacht und ganz brav blieb er auf seinem Platz, von wo aus er aufmerksam betrachten konnte, was außerhalb des Wagens denn so alles vor sich ging. Mit der Ruhe war es zuhause angekommen dann aber erstmal vorbei, denn da nahm die Aufregung die ersten Tage doch überhand und Spaziergänge wollte Cooper in einem Tempo absolvieren, das menschliche Knie nicht ohne Beschwerden mitmachten. Zwei Tage und viele verspannte Muskeln später aber kehrte die Gelassenheit zurück, Cooper wurde wieder der angenehme Spaziergänger, der er schon auf den Probespaziergängen im Nordlicht war und befand nun auch, dass man sich im Haus schon mal hinlegen konnte. In der Zwischenzeit hatte er mir schon gezeigt, dass er fremden Menschen und Hunden gleichermaßen freundlich und gelassen gegenüberstand, selbst wenn diese an der Leine schon mal in die Offensive gingen, ihn bekläfften oder ansprangen - Cooper nahm’s mit der ihm eigenen Gelassenheit und zog sich notfalls einfach ein paar Schritte zurück.
Gelassen nahm er auch alles hin, was bei uns ihm Haus so auf ihn zukam: Straßengeräusch, Musik, ständiges ein und aus von Menschen und Hunden. Cooper freut das rege Leben eher, als dass ihm in den Sinn käme, dass selbiges ja auch störend sein könnte.Cooper

Und mehr noch: Cooper kann mit Katzen! Bei ersten Begegnungen mit einer Katze von Verwandten kam Cooper nicht im Traum darauf, diese als Beute zu sehen. Mit der ihm typischen Mischung aus Neugier und einer Prise vorsichtigem Misstrauen wird langsam Kontakt aufgebaut. So ließen sich auch schon andere Hindernisse meistern, seien es verdächtig klappernde Baustellen-Brücken, im Wind wippende Federn oder gleich ganze Taubenschwärme (die er, je nach Lust und Laune, in jagdbar oder beunruhigend einteilt) Ein wenig Welterfahrung scheint ihm da schon noch zu fehlen, aber die wird fleißig nachgeholt.

Dass es übrigens ein Mythos ist, dass ein Husky nur rennen, rennen, rennen will durfte ich auch schon erfahren. Sicher genießt Cooper ausgedehnte Spaziergänge ebenso, wie gegenseitiges jagen im Garten oder "einfach mal die Straße runterfetzen". Aber auch einfach mal ein paar Streicheleinheiten bekommen oder beim kochen zuschauen gehören zu seinen Hobbys, für die dann auch schon mal die Leine mit einem verächtlichen Blick gestraft wird.

Fressen ist sowieso etwas ganz großartiges für Cooper. Mit großer Ausdauer kann er am Tisch um Häppchen betteln und wenn man nicht aufpasst, wird da auch schon mal was vom Tisch oder aus dem Abfalleimer geklaut. Seltsamerweise steht dabei Gemüse ganz oben auf seiner Beliebtheitsskala. Egal ob Kartoffelschalen, Mohrrübe oder Brokkoli. Das Problem mit dem Mülldiebstahl haben wir gelöst, indem der Eimer einen Deckel bekam, am betteln wird noch einiges an Arbeit fällig werden.Cooper

Gesundheitlich ist der Durchfall der ersten Tage schon lange überstanden und auch die Augenentzündung verschwindet langsam

Und, zu guter letzt, habe ich noch eine tolle Nachricht: Cooper bleibt alleine, wenn’s denn sein muss. Ist meinerseits mal etwas zu erledigen, sucht er nicht etwa Anschluss bei den Mitbewohnern oder kommt auf dumme Gedanken, sollten diese nicht da sein, sondern zieht sich aufs Zimmer zurück und döst einfach, bis ich wiederkomme.

Also, noch einmal vielen Dank - im Anhang finden sie ein paar Bilder von dem Rabauken mit dem goldenen Herzen.“

Genau genommen sind wir diejenigen, die zu danken haben, vor allem dafür, dass man so offen und ehrlich miteinander umgehen und sich auseinander setzen konnte. Macht’s weiterhin so gut wie bisher, Ihr beiden – was nicht „aus den Augen, aus dem Sinn“ heißen soll, das eine oder andere Foto und ein paar Zeilen erhoffen wir uns schon noch von Euch in den nächsten Jahren.