Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im Februar 2010 ein neues Zuhause gefunden haben

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Eine aus heutiger Sicht teilweise witzige, kuriose und spannende Geschichte zum Thema „der Einzug meines ersten Hundes“ kann das neue Herrchen von Balko erzählen, zwischendrin aber hätte man wahrlich nicht mit ihm tauschen wollen, denn Nerven dürfte er einige gelassen haben. Zugleich ist es auch eine ganz lehrreiche Geschichte darüber, dass man selbst mit der sorgsamsten Planung und Überlegung im Vorfeld mitunter an Punkte gelangt, wo man (erstmal) nicht viel besser da steht als jemand, der total unbedarft an eine Sache herangeht.

BalkoBalkos neues Herrchen ist einer, der eigentlich alles richtig gemacht hat im Vorfeld der Hundeanschaffung. Der Wunsch nach einem Hund bestand schon sehr lange und die Lebensplanung wurde, sobald das möglich war, auf die Realisierung ausgerichtet. Um das Arbeiten für den Erwerb von Brötchen und Hundefutter kommt das Herrchen zwar genauso wenig herum wie viele andere, konnte aber einen Arbeitsplatz finden mit so großzügiger Mittagspause, dass es ohne weiteres möglich ist, den eigenen Magen zu füllen und einen Hund ausreichend zu bewegen. Mit dem Auszug bei den Eltern fand sich auch eine Wohnung in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes, mit dem Vermieter hatte man im Vorfeld bereits abgeklärt, dass man eines Tages Hundebesitzer werden wollte, schriftlich festgehalten hatte man es im Vertrag allerdings nicht.

Einige Zeit, nachdem dieses Rahmengerüst stand, sollte aus dem Wunsch Realität werden. Gut überlegt hatte man längst, in welcher Altersgruppe man einen Vierbeiner suchen wollte, nicht zu jung sollte er sein, sondern von gefestigtem, bereits etwas ruhigerem Wesen, aber auch noch jung und vital genug, um einige erlebnisreiche Jahre miteinander zu haben. Also ein Vierbeiner mittleren Alters, möglichst einer, der einem Anfänger vielleicht nachsichtig den einen oder anderen Fehler im Handling verzeihen könne – so etwas sollte sich doch im Tierschutz finden.

BalkoDer erste Ansatz lehrte den ambitionierten zukünftigen Hundebesitzer, dass berufstätige, alleinstehende und dazu noch junge Leute nicht bei allen Tierschützern die Chance haben, zu diesen Eckdaten noch ein paar erklärende Worte hinzuzufügen. Von dieser ersten Ablehnung nicht entmutigt, suchte der Hundeneuling weiter, es mussten ja noch mehr Tierschutzvereine und Organisationen in der näheren und weiteren Umgebung beheimatet sein, via Internet leicht herauszubekommen.

Auf der Webseite der Nothilfe stach dann Balko (der etwa sechsjährige Husky-Mischling, der über den Kooperationspartner aktion tier – menschen für tiere e.V. aus Teneriffa in den Schwarzwald kam) ins Auge, von dem nicht nur die Bilder sondern auch die Beschreibung außerordentlich gut gefielen, also einen neuen Anlauf genommen. Nicht unerwartet schlugen ihm ein weiteres Mal anfänglich Skepsis und Zweifel entgegen, überzeugend allerdings schon von Beginn an das Handling von Balko und am Ende eines gemeinsam mit der Vermittlerin unternommenen Spaziergang waren auch die Zweifel soweit ausgeräumt. Im Gegenteil, es beeindruckte schon mit welcher Überlegung und Zielstrebigkeit da vorgegangen wurde, an der Tatsache, dass eine schriftliche Vermieterbescheinigung über das Einverständnis mit der Hundehaltung nötig ist, kam man allerdings nicht vorbei.Balko und Herrchen

In dem Glauben, dies sei nur eine Formsache, da ja vor Einzug bereits besprochen, zog der angehende Balko-Besitzer gut gelaunt von dannen um bald darauf etwas ernüchtert zu werden, denn nun gab es Bedenken von Seiten des Vermieters bezüglich Bellen oder Heulen beim Alleinebleiben oder Schäden in der Wohnung. Einige Gespräche weiter allerdings lag sie vor, die schriftliche Zustimmung und auch der Hausbesuch war positiv verlaufen, schnell noch um ein paar Tage Urlaub für die Eingewöhnung nachgefragt und schwups rückte die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches in greifbare Nähe.

Das Wetter allerdings spielte für den Abholtag einmal mehr nicht mit, wenig einladend zeigte es sich bereits morgens mit gelegentlichen Schneefällen – Winter bleibt eben Winter. Die Rückfrage, ob er die Fahrt verschieben wolle, verneinte der Interessent und stand auch pünktlich in Begleitung seines Bruders an der Auffangstation. Beide strahlten richtig, als sie Balko endlich ins Auto laden konnten – was lange währt, wird manchmal halt doch gut.

Mit den neuen Lebensbedingungen kommt Balko sehr gut zurecht, einzig am ersten Arbeitstag, man hatte zwar in den Vortagen das Alleinbleiben bereits geübt, aber der Einschnitt war für den Hund doch spürbar, scheint der Rüde etwas verunsichert gewesen zu sein. Und da kauen bekanntlich beruhigt, suchte er sich etwas entsprechendes – irgendwie ist es typisch für den freundlichen Rüden, dass er nicht irgendwas nahm, sondern sich sein in Reichweite liegendes Geschirr schnappte und dieses verhackstückte. Nur gut, dass er bereits Besitzer eines zweiten war und somit nicht „nackig“ dastand – Herrchen hat’s übrigens mit Humor genommen.Balko mit den neuen Herrchen

Den Bildern, die uns des Herrchens Freundin übersandte, waren auch einige Zeilen über die beiden beigefügt:

„Die beiden sind schon jetzt ein Team und bestens aufeinander eingestellt. Balko wird immer aufgeweckter und aktiver.

Das Alleinebleiben ist gar kein Problem...das Haus bleibt heil und die Nachbarn unbehelligt.

Balko hat auch bei den Hunden in unserem Freundeskreis keine Schwierigkeiten gemacht und sich super integriert. Lediglich das Problem mit der Hündin des Vermieters besteht noch, da die beiden Hunde noch nicht wieder zusammen gekommen sind. Aber so ist alles gut geregelt.

Balko verfolgt Christian auf Schritt und Tritt und lässt sich von anderen Leuten nicht beeindrucken... wenn sie kein Futter haben ignoriert er sie einfach.

Christian ist aber auch sehr konsequent mit Balko und das scheint ihm gut zu tun.

Ich denke, dass wir ein richtiges Glück hatten, dass wir gerade auf einen so dankbaren und unkomplizierten Hund gestoßen sind. Besser hätte man es als "Hunde-Neuling" gar nicht treffen können. Balko macht es einem wirklich nicht schwer. Man muss ihn mögen.“

 


 

An den ersten Hund zu gelangen ist meist nicht schwer, auch der Wunsch nach einem zweiten lässt sich häufig noch unkompliziert realisieren, mit jedem weiteren aber wird es schwerer und schwerer. Denn nun gilt es nicht nur nach den äußeren Gegebenheiten und den eigenen Anforderungen zu entscheiden, sondern auch die Beziehungen der bereits vorhandenen Hunde im Auge zu behalten, um nicht mit einem Neuankömmling sämtliche Strukturen der Hundegruppe aus den Fugen zu hebeln.

Ansätze, Auseinandersetzungen im Rudel bei Hinzunahme eines weiteren Hundes zu vermeiden, gibt es einige, die Aufnahme eines Welpen ist einer davon. Sofern man sich auf „Tierschutzfälle“ bei der Suche beschränkt, ist die Auswahl nicht allzu groß und eine Garantie dafür, dass ein Welpe innerhalb des Rudels wirklich ohne Reibereien zum erwachsenen Hund heranreift, gibt es auch nicht. Denn ein jeder Vierbeiner ist nicht nur Produkt seiner Erziehung und seiner Umwelt, sondern bringt auch immer das mit, was man mit den Begriffen Wesen und Charakter irgendwie in Worte zu fassen sucht.Schnee in der Auffangstation

Wesen und Charakter ausgewachsener Tierschutzhunde lässt sich – wenn man ein wenig Ahnung von Hunden hat und sich entsprechend Zeit zum Beurteilen nimmt – oft recht gut einschätzen. In der Fülle der zur Vermittlung Stehenden allerdings denjenigen zu finden, der wirklich alle Voraussetzungen für eine möglichst reibungslose Integration in ein vorhandenes Rudel erfüllt, ist in der Praxis dann häufig mit vielen Kilometern, zahlreichen Hunde-Kennenlernterminen und jeder Menge aufzuwendender Zeit verbunden.

Schon vor einiger Zeit war man bei einem Infostand mit einem Huskybesitzer zusammengetroffen, der für sich und seine Hunde erreicht hat, wovon manch einer heimlich träumt, den Brückenschlag zwischen Passion und täglichem Leben. Interessierten Natur, Berge und vor allem auch die Hunde nahe zu bringen sind dabei nicht ausschließliches Standbein, sondern Teil eines in sich schlüssigen Lebenskonzepts, dessen Tragfähigkeit längst alltags- und praxiserprobt ist.

Man hatte sich (soweit es die Fragen Interessierter zuließen) angeregt unterhalten bei jenem Infostand und sich auch über die Schwerpunkte der jeweiligen Arbeit unterhalten. Und natürlich über die Hunde, vor allem jene, mit denen man selbst lebte oder mit denen man im Laufe des Lebens zusammengetroffen war und die man ein Stück weit begleitete.Schnee und Tito

Nach diesem gemeinsam verbrachten Tag ging ein jeder seiner Wege, nicht wissend, dass man einige Monate später wieder zusammentreffen würde. Denn dafür bedurfte es einiger in keinerlei Zusammenhang stehender Ereignisse, die dazu führten, dass der Wunsch nach einem weiteren vierbeinigen Team-Mitglied konkret wurde während anderswo einmal mehr ein ganzes Rudel Nordischer in den Tierschutz ging.

Die Suche nach einer passenden Teamerweiterung erwies sich als recht schwierig, vielleicht auch weil die Erinnerung an die doch sehr anspruchsvolle Integration des letzten Neuzugangs im vergangen Jahr (ein Rüde mit einer Vorgeschichte als „Wanderpokal“ und dementsprechenden Erfahrungen) noch sehr präsent war. Die nun wieder vorhandene Stabilität innerhalb des Hunderudels sollte diesmal möglichst intakt bleiben und das war bislang bei keiner der Hundedamen, die man sich angesehen hatte, zu erwarten gewesen.

Dann aber ging Schnee auf der Nothilfe-Webseite online und weckte sofort das Interesse. Der Beschreibung nach schien die weiße Hündin den Anforderungen vollkommen zu entsprechen, generell freundlich und offen zu Menschen, mit einer guten freiwilligen Rückorientierung zu Bezugspersonen und einem ausgezeichneten Sozialverhalten.Schne auf dem Kennenlernspaziergang

Da es der Winter in diesem Jahr nicht eben gut meinte mit den Autofahrern, wurde es allerdings Februar, bis man „zusammen“ kam, als „Rudelvertreter“ war der Alaskan-Husky Tito mitgekommen, jener, der im vergangen Jahr die „Ordnung auf den Kopf gestellt“ hatte. Mit ihm hatte Schnee bei einem ersten Spaziergang keinerlei Schwierigkeiten, auch er mit ihr nicht, so dass man guten Mutes gemeinsam mit den Hunden noch einkehrte. Zum einen um sich vor der Heimfahrt noch zu stärken, zum andern auch um die bei dem Infostand begonnene Unterhaltung noch weiter fortzusetzen. Schnee, die vermutlich das erste Mal in ihrem Leben in einer Gaststätte war, machte ihre Sache ganz passabel, sieht man von dem anfänglichen Irrtum hinsichtlich der Sitzgelegenheiten ab. Woher sollte sie auch wissen, dass Eckbänke Menschen vorbehalten sind? Bequemer als der Boden sind sie allemal…

Im neuen Zuhause ist Schnee gut angekommen, die erste Nacht verbrachte man gemeinsam mit einer Art Campen im eigenen Haus, am nächsten Vormittag folgte dann ein gemeinsamer Spaziergang, auf dem Schnee zwei der anderen Rudelmitglieder kennenlernte, den Rüden Thalis und die Hündin Kira. Dies verlief so harmonisch, dass man es bedenkenlos wagen konnte, hinterher gemeinsam aufs Grundstück zu gehen und Schnee mit dem dort wartenden Chicco und der zweiten Hündin Nanouk bekannt zu machen. Auch dies verlief ohne irgendwelche Zwischenfälle, anschließend einfach „hineingeworfen“ ins Rudel hat man Schnee dennoch nicht.Schnee unterwegs

Mit einer ganz bewusst gewählten Mischung aus „miteinander“ und „getrennt“ schafft man sowohl Schnee wie auch dem Rudel Zeiten, in denen das Erlebte und Erfahrene verarbeitet werden kann, die Hunde sich erholen können. Sehr gezielt arbeiten die Besitzer auch an ihrer Beziehung zu Schnee, die sich übrigens als Frühaufsteherin erwiesen hat, die schon morgens um halb sechs fit genug für eine Gesichtswäsche ihrer Bezugspersonen ist. In den Folgetagen einigte man sich langsam auf halb acht als akzeptable Zeit für Waschungen und sonstige Liebesbezeugungen, dass sie fix ist im Verstehen zeigte Schnee bereits beim Abholtermin. Da hatte man ihr auch nur beim ersten Einsteigen ins Auto Hilfestellung geben müssen, beim zweiten Mal bekam sie es gleich alleine hin.

Etwas begriffsstutziger (oder vielleicht auch triebgesteuerter) scheinen Schnee’s neue männliche Teamkollegen zu sein, denen sie jeweils schon mehrfach bekundete, dass sie so intensiv wie von manchem gewünscht gar nicht anbandeln will. Da Schnee das „nein danke“ auf die Avancen nun mit jedem Tag (und zunehmender Sicherheit in der neuen Umgebung) etwas nachdrücklicher „formuliert“, dürfte es allerdings nicht mehr allzu lange dauern mit der Ernüchterung der vierbeinigen Kavaliere.

SchneeDiese ganze Geschichte lässt sich übrigens mit zwei Sätzen auf den Punkt bringen, wie wir in einer der Rückmeldungen aus dem neuen Zuhause von Schnee feststellen konnten:

„Die Schnee ist ein richtig kleiner Engel. Wir sind froh, dass wir uns für sie entschieden haben.“

Schnee

Wir bedanken uns für diese Vermittlung und vor allem für die angenehmen Gespräche drum rum, die hoffentlich bei Gelegenheit eine Fortsetzung finden.

Schnee mit dem neuen Rudel

 


 

Rocky

Rocky musste vor einigen Wochen schweren Herzens im Rahmen eines Umzugs abgegeben werden, trotz aller Bemühungen war es seiner früheren Familie nicht gelungen, eine dringend erforderliche größere Wohnung mit mehreren Kindern, Hund, Katz und Kleintier zu finden.Rocky in der Station im Schwarzwald

In der Station lebte sich der noch sehr junge, gut jährige Rüde rasch ein und fand ebenso rasch Interessenten, als katzen- und kleintierverträglicher Nordischer konnte er ja gegenüber der „Konkurrenz“ ordentlich punkten. Merkwürdigerweise hakte es in seinem Fall gleich mehrfach auf der letzten Vermittlungsetappe, einmal sogar sehr tragisch durch einen plötzlichen schweren Erkrankungsfall in der angedachten Familie.

Die gute Laune ließ sich der Jungspund davon nicht vermiesen, sondern wartete zuversichtlich auf die nächste Gelegenheit, die rasch in Form eines „erkundschaftenden“ Familienvaters kam. Der hatte seine Rasselbande beim ersten Besuch wohlweislich zu Hause gelassen, da er beide kids als ausgesprochen tierlieb kannte und nicht zu Unrecht davon ausgehen musste, dass diese sehr traurig gewesen wären, hätte so ein Stationstag ohne Hund geendet.

So allein gekommen aber bot der Tag alle Möglichkeiten, sich zwanglos und unverbindlich die in Frage kommenden Hunde anzusehen, viele waren es eh nicht, denn eine der Bedingungen war von vornherein Katzenverträglichkeit. Die vorhandene Mieze ist zwar Freigängerin, soll aber natürlich dann ins traute Heim zurück kommen können, wenn ihr danach ist – also jederzeit.Rocky

In der Station liebäugelte der Besucher gleich mit Rocky, auf den Spaziergang hat man dann Chazz mitgenommen, der zwar insgesamt auch punkten konnte, aber durch seine Kraft und Größe doch bald das Prädikat „anstrengend“ bekam. Entschieden werden konnte so ohne restliche Familie sowieso nichts und daher verblieb man mit einem fest vereinbarten weiteren Besuchstermin.

Rocky

Rocky mit den KindernZu diesem rückte dann die gesamte Familie (ohne Katze natürlich) an, die beiden Kids tatsächlich in freudig gespannter Erwartung, die zugehörige Mutter eher ein wenig zurückhaltend, obwohl sie ja diejenige war, die am meisten Hundeerfahrung mit brachte. Einst hatte sie einen Chow-Schäfer-Mix-Rüden gehabt, der allerdings bereits vor Geburt der Kinder altersbedingt verstorben war. Als man vorsichtig ein wenig hinterfragte, wurde auch rasch der Grund der mütterlichen Zurückhaltung klar, hinter der sich nichts anderes verbarg als die Befürchtung, dass sich der vierbeinige neue Mitbewohner so eng an sie binden würde wie sein Vorgänger. Der war nämlich so auf sein Frauchen fixiert, dass das hinzugekommene Herrchen nicht mal mit Spaziergängen punkten konnte (Chow-Mix eben) und somit der Hund und die damit verbundene Arbeit weiterhin allein dem Frauchen zu fiel. Jetzt mit den Kindern wäre eine solche Situation natürlich etwas ungünstig – in Rockys Fall waren jedoch keine Probleme zu erwarten, Chow-Chow und Husky unterscheiden sich ...

Rocky verzauberte dann auch das neue Frauchen, sein offenes, freundliches Wesen muss man auch einfach gern haben, die beiden Kids waren eh hin und weg. Entspannter als mit Chazz auch der anschließende Familien-Spaziergang mit Rocky, der von beiden in Frage kommenden Kandidaten eindeutig der kleinere und leichtere ist. Am Ende des Besuches stand dann fest: die Familie wird ihr zukünftiges Leben mit Rocky teilen.

Rocky im neuen Heim

Seither hat man einige Male telefoniert und Rocky auch Anfang Februar nochmals in der Station gesehen zum Nachimpfen, der eigentlich ins Auge gefasste Termin hatte seinerzeit ausfallen müssen, weil sich der Bube an der Pfote so verletzt hatte, dass er gleich ein Antibiotikum brauchte. Rocky hat sich bestens eingewöhnt und die Hundebegeisterung der Familie hält an, ganz lustig ein Telefonat, bei dem grad im Hintergrund die heimkehrenden Kinder zu hören waren, deren erste Frage an Mutti war „wo ist der Rocky?“, denn der ist nicht immer daheim, Herrchen ist nun endlich auch Hundebesitzer in vollem Umfang (und mit allen Rechten und Pflichten), geht viel spazieren und nimmt Rocky auch mal mit zur Arbeit in die Fahrschule. Und ja, auch mit der Mieze läuft es bestens, die sah keinen Grund, sich ein anderes Heim zu suchen..

 


 

Jaki in der SchweizIm Sommer 2009 kam der einst als junger Hüpfer bei einer Familie eingezogene Husky-Mix Jaki neunjährig in die Vermittlung zurück. Erst rund um die Gespräche bezüglich der Abgabe erfuhr man, dass es in den vergangenen Jahren wohl einiges an Schwierigkeiten mit Jaki und seinem Verhalten gegeben hatte. Die Gründe für die endgültige Trennung von Jaki lagen allerdings in der persönlichen Situation der Familie, so dass in diesem Fall ein früheres Einbeziehen des Vereins nichts geändert hätte (aber sich vielleicht manches einfacher hätte gestalten lassen).

Dass die letzten Monate nicht gut gelaufen waren, merkte man Jaki beim Einzug ins Nordlicht deutlich an und auch sonst hatte man zugegeben ein paar Schwierigkeiten, sich auf den Rüden einzustellen. Gewohnt in offene und freie Gesichter Nordischer Hunde zu blicken, deren Minenspiel relativ gut ablesbar ist, blickte man bei Jaki in Zotteln, die Augen, Lefzen und teilweise auch das Ohrenspiel verdeckten. Dass ihm nachgesagt wurde, ohne jede Warnung nach vorne zu kommen, machte die Situation nicht wirklich besser, denn das mitgebrachte entzündete Auge schrie förmlich nach einem Tierarztbesuch.

Da also relativ rasch was passieren musste und man selber mit der Rasse Picard gar keine Erfahrungswerte hatte, wandte man sich einmal mehr mit der Bitte um Hilfe an die Hundetrainerin Silvia Klüppelberg. Diese sah sich Jaki zunächst im Nordlicht an und später besuchte Jaki sie dann in ihrer Hundeschule. An den Umgang mit solch felligen Kameraden gewöhnt, wusste Silvia, wo genau hinschauen und konnte bald sagen, dass Jaki sehr wohl Signale setzte. In ihren Augen war Jaki ein stimmiger Mix aus Picard und Husky, vielleicht nicht eben ein Hund für jedermann, da der Picard doch überwog, aber einer, der entsprechend kompetente Besitzer zu begeistern wüsste.Jaki

In den darauffolgenden Wochen und Monaten lernte man Jaki im Nordlicht kennen und schätzen, denn auf seine zugegeben ganz andere Art zeigte er sich als sehr souveräner und ausgeglichener Rüde, der eigentlich mit nichts und niemand ein Problem hatte. Immer vorausgesetzt, man nahm ihn wie er war und vor allen Dingen ernst – was aussah wie ein riesengroßer Knuddelbär beinhaltete einen selbstbewussten Rüden, der nicht dran dachte, sich für irgendwen oder was zum Affen zu machen oder sonst wie zu verbiegen. In allen Vergesellschaftungen war er der ruhende Pol, dessen Präsenz in vielen Situationen ausreichte um einem Jungspund zu dollen Schabernack zu verleiden – auf seine Art ein Traum von einem Hund.

Nur seine Art stieß bei den wenigen Interessenten, die sich meldeten, eher auf Unverständnis. Meist führte man kein Gespräch über Jaki, sondern erklärte diesen und seine Verhaltensweisen, was in der Regel zu einem Erkalten des Interesses führte. Langsam kristallisierte sich heraus, dass auf dem bisher eingeschlagenen Vermittlungsweg über die eigene Webseite und allgemeine Datenbanken die Suche nach dem „Deckelchen“ für Jaki mehr als schwierig sein dürfte, es mussten also Alternativen her.

Der Picard ist keine von sehr vielen nachgefragte Rasse, was wohl an seinem ursprünglichen Berufsbild liegen dürfte, dem Hüten von großen Tieren wie Kühen oder dem Bewachen einsamer Gehöfte. Die damit verbundene Eigenverantwortlichkeit des Hundes passt wenig zu den heutigen Gegebenheiten und insgesamt vielleicht auch nicht mehr zu der Mentalität vieler Menschen, denn warum sollte man es sich mit alternativen Beschäftigungen schwer machen wenn es mit einer anderen Rasse auch bedeutend einfacher geht?

JakiAber es gibt sie, die Liebhaber der Picards und glücklicherweise steht die Webseite des Clubs für französische Hirtenhunde auch dem Tierschutz offen, im November des vergangenen Jahres wurde Jaki dort online genommen.

Zunächst einmal tat sich nichts, denn dass in der Schweiz bereits einige Wochen später die Beschreibung von Jaki ausgedruckt wurde und in der Folgezeit wieder und wieder durchgegangen und betrachtet wurde, konnte im fernen Nordlicht niemand sehen.

Gut Ding braucht Weile und nachdem es gründlich überlegt und durchdacht war, meldete sich die Schweizerin im Januar im Nordlicht, wo man bereits den Atem anhielt, als sie erwähnte, dass ihr vorheriger Hund ein Picard-Chow-Mischling gewesen war, der altershalber verstorben sei. Zum ersten Mal führte man nun ein Gespräch über Jaki, erklären brauchte man hier nichts, denn beim Gegenüber wurden er und der Picard in ihm verstanden.

Bald darauf (unser Schweizer Mitglied Frau Langer war einmal mehr so lieb, den Hausbesuch zeitnah zu erledigen) stand fest, Jaki hatte einen Volltreffer gelandet und abgesehen von der irrsinnigen Entfernung und dem miesen Wetter sprach eigentlich nichts dagegen, dass dies der Platz fürs Leben ist.

JakiMan besprach sich lange und intensiv mit Jakis potentiellem neuen Frauchen, denn eigentlich hätte man es gerne anders gemacht, als sich irgendwo in der Mitte Deutschlands zu treffen, ließ sich aber überzeugen, dass auch dies eine Möglichkeit wäre und ohne jeden Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg der Vermittlung an sich.

Nun blieb noch der für das Wetter Zuständige, der sich dem wortlosen Bitten, doch mal eine wirkliche Winterpause einzulegen, nicht wirklich geneigt zeigte, mehr als etwas weniger Winter war nicht herauszuschlagen. Aber auch das traute sich das neue Frauchen zu, das voll Ungeduld und in gespannter Erwartung den Tag herbeisehnte, an dem endlich wieder ein vierbeiniger und wuffender Kamerad ihr Leben bereichern würde.

Noch vor der Fasnet traf man sich mitten in Deutschland bei eisiger Kälte und unterwegs immer mal wieder aufziehendem Schlechtwetter, am entspanntesten Jaki, der die Fahrt zum Treffpunkt in aller Gemütsruhe verpennt hatte.

An die für ihn zunächst Fremde dockte er im Verlauf des mehrstündigen Treffens mehr und mehr an, vor allem, nach dem er schon bei den ersten Versuchen festgestellt hatte, dass Hund hier eine Punktlandung machen könnte. Als es ans Weiterfahren ging, hatte er für das einstige Pflegepersonal kaum mehr als einen scheelen Blick über, all sein Interesse war bereits auf das neue Frauchen und die zukünftigen Abenteuer gerichtet.

Einsteigen ins unbekannte Auto – umgehend, sich hinlegen und bequem zurechtrücken – sofort, so als wäre er nie woanders ausgestiegen kletterte Jaki in des neuen Frauchens Fahrzeug und ließ sich gen Schweiz chauffieren, wo er spät des Abends (oder früh in der Nacht) ankam.Jaki

Viele Gedanken hat man sich schon auf der „Leerfahrt“ ins Nordlicht und auch in den nächsten Tagen gemacht, nicht zuletzt auch um die Katze, die im neuen Zuhause auf Jaki wartete – alles unnötig, da haben sich tatsächlich zwei gesucht und gefunden:

„Liebes Nordlicht,

hallo, ich bin’s Jaki, ich wohne jetzt in der Schweiz.

Jaki und Pearl

Jaki und Katze ZoraWährend der langen Fahrt schlief ich fast immer. Ich bin erst zwei Tage hier und habe mich schon gut eingelebt. Ich habe schon einige neue Freunde kennengelernt und habe mit ihnen gespielt. Natürlich ohne Leine, mein Frauchen hat mir vertraut, weil ich schon so gut auf sie höre und weil ich so folgsam bin. Darum bin ist seit dem ersten Tag hier meistens ohne Leine unterwegs. Natürlich nicht bei Strassen oder nachts, auch die zahlreichen Enten hier im Fluss haben mich nicht interessiert.

Jaki trifft eine Menge Artgenossen

Pearl und JakiIch habe auch keine Probleme, wenn ein Jogger an mir vorbei rennt, die beachte ich überhaupt nicht. Ich werde ja auch immer wieder mit Leckerlies verwöhnt, da lohnt es sich folgsam zu sein. Meine Mitbewohnerin Zora, die Katze finde ich auch ganz nett und sie mich auch, ich glaube wir werden noch ganz dicke Freunde. Wir haben auch schon gemeinsam Leckerlis bekommen, das stört mich überhaupt nicht, da mein Frauchen sehr gerecht ist. Heute habe ich Pearl kennengelernt, eine Schweizer Schäferhündin, die ist sehr verspielt und wir sind um die Wette gerannt, als wir zurückgerufen wurden.

Zora und Jaki

Jaki im KörbchenWie ihr auf den Bildern seht hatte ich heute eine Menge Spaß. Auch durften wir gemeinsam in meinem Garten nach Leckerlis suchen und weil der Tag so super war, habe ich gedacht, ich könnte heute mal das Sofa ausprobieren, wenn Frauchen schnell im Garten ist um die Hasen zu füttern. Als sie wieder ins Haus kam, war sie schon erstaunt, dass ich nicht wie gestern an der Türe gewartet habe und sah mich erst gar nicht, tja man muss die Gunst der Stunde nutzen… Aber es nützte nichts, ich wurde an meinen Platz verwiesen, was ich auch sofort befolgte….

Aber so nach fünf Minuten dachte ich, man sollte als halber Picard nicht so schnell aufgeben und schaute mein Frauchen an, marschierte los Richtung Sofa und wollte es mir neben ihr bequem machen, aber ich wurde wieder an meinen Platz verwiesen… schade, die eine Pfote hatte ich schon oben, aber für die zweite reichte es nicht mehr, dann hörte ich schon wieder das Wort „nein“. Aber macht nichts, meine Liegeplätze, die nur für mich sind, sind ja auch bequem.

Heute wurde ich ganz behutsam gebürstet, was ich sehr genoss, wobei ich auch immer wieder mit Leckerlies verwöhnt wurde. Eigentlich bin ich ja schon ein bisschen ein Schmusebär, die Streichelei und Bürsterei ist toll. Wenn man es nicht übertreibt, dann bin ich auch ganz brav und kann es richtig genießen, so wie heute.

Ich glaube, das wird ein ganz tolles Leben hier und ich werde noch viele tolle Sachen erleben. Also bis bald, ich melde mich wieder.

Euer Jaki“

Bleibt uns noch der Dank an den „Club für französische Hirtenhunde e.V.“ ohne dessen Webseite sich Jaki und sein Frauchen vielleicht erst sehr viel später oder möglicherweise auch gar nicht gefunden hätten. Danke sagen wir natürlich auch Jaki’s Frauchen, die wirklich einiges auf sich genommen hat um an ihren neuen Lebensgefährten zu gelangen – wir wünschen ihr und Jaki, dass sie noch lange Jahre allem Unbill des Lebens so trotzen wie dem Wetter am Tag ihres ersten Treffens und viele glückliche gemeinsame Stunden miteinander haben.

 


 

Micha gehört zu denjenigen Hunden, deren Leben gleich mehrfach extreme Wendungen erfuhr, so als wolle es das Schicksal jeweils nicht bei ein bisschen Pech oder Glück belassen.

Michas neue Familie

MichaFast zehnjährig fand sie sich während der Sommermonate auf einmal in einem bereits voll belegten elsässischen Tierheim wieder, als eine der ältesten mit schlechten Zukunftsaussichten – ein frei gewordener Platz in der Auffangstation im Schwarzwald verhalf ihr zu neuen Perspektiven. Vorher allerdings musste sich Micha noch ausgedehnten Mamma-Tumor-OP`s unterziehen, während sie die OP’s selber super gut überstand, war der Heilungsprozess durch große Mengen nachlaufendes Wundwasser ein langwieriger.

Am Ende aller Mühen aber hatte Micha einen Pflegeplatz bei einem Ehepaar mit Rüden ergattert und schaffte es innerhalb von Wochen, sich dort so festzusetzen, dass sie bald darauf übernommen wurde. Anfang des vergangen Jahres verstarb dann leider viel zu jung ihr Herrchen und die Lebensumstände änderten sich gravierend. Das zugehörige Frauchen setzte zwar alles dran, beide Hunde halten zu können, scheiterte aber ausgerechnet an Micha selber, die auch in dieser Situation nicht willens war, von ihren Prinzipien abzurücken. Und zu denen gehört, kleine Hunde nicht zu mögen und genau so einer kam bereits mit zu der Arbeitsstelle, zu der auch Michas Frauchen beide Hunde hätte mitbringen können.

Micha im GlückMicha musste also wieder in die Vermittlung, gewünscht hätte man sich, die im Juli 1996 geborene Husky-Malamute-Hündin könnte direkt vom alten ins neue Heim übersiedeln, doch leider tat sich über Monate nichts bzw. nichts, wo eine Kleinhunden, Katzen und Heimtieren wenig freundlich gesonnene Hundedame hingekonnt hätte. Kurz vor Jahresende musste sie daher in der Station im Schwarzwald aufgenommen werden, was einen angesichts der Jahreszeit und der gut dreizehnjährigen Hündin natürlich schmerzte.

Eine der regelmäßigen Besucherinnen der Station konnte es bald nicht mehr länger mit ansehen und beschloss daher, es mit Micha und ihrem Rüden zu versuchen, ein gewagtes Unterfangen, da da schon zwei rechte vierbeinige Individualisten aufeinander trafen. Mit Fingerspitzengefühl und jener energischen Konsequenz, die man mitunter braucht, wenn man sich mit Malamute-Sturschädeln auseinandersetzt, gelang tatsächlich ein friedliches Nebeneinander, ansatzweise für Momente auch ein Miteinander – dennoch blieb der Alltag bemühter als man es sich gewünscht hätte für alle Beteiligten.

Und dann kam ein mail, das am Rande erwähnte, dass man sich auch vorstellen könne, einem älteren Hund ein Heim zu geben - für das dann folgende hat der Volksmund eine nett umschreibende Weisheit von kleinen Finger und der ganzen Hand ……..Micha

Als man Micha ins Gespräch gebracht hatte, mussten die Interessenten verständlicherweise einige Zeit nachdenken und sich mit dem Thema „Seniorenhund“ intensiv am konkreten Fall auseinandersetzen. Denn auch wenn ein zwischenzeitlich erfolgter Tierarztbesuch ergab, dass Micha bei weitem gesünder ist als eigentlich gedacht, jünger wird ein Hund mit so einem Befund nicht und gut dreizehn Jahre lässt wenig Raum für die Hoffnung auf sehr viele gemeinsame Jahre. Wobei Zeit ein relativer Begriff ist – man kann viel Zeit verschwenden und wenig Zeit intensiv nutzen.

Am Ende allen Nachdenkens war man bereit für einen Besuch bei Micha in der Pflegestelle, gegenseitige Sympathie war nun die letzte Voraussetzung für ein Sich-Einlassen auf die ältere Hundedame. Die Fahrt zu planen erwies sich als nicht ganz einfach, denn das Wetter dachte nicht daran, optimale Bedingungen zuzulassen, Anfang Februar mogelte man sich daher zwischen zwei Schlecht-Wetter-Zonen quasi durch um Micha endlich kennenzulernen.

Der Rest ist vergleichsweise schnell erzählt, Micha und ihre Interessenten wurden gleich warm miteinander und dem Pflegefrauchen langsam weh ums Herz beim Gedanken die alte Dame ziehen zu lassen.

„Breit gemacht“ hat sich Micha rasch im Leben ihrer neuen Menschen – im wahrsten Sinn des Wortes, nur mit den Herzen allein hat sie sich nicht beschieden:

 

 

„An meine „alten“ Dosenöffner.

Micha auf ihrem neuen SofaNach einer aufregenden Woche bei meinen neuen Dosenöffnern finde ich endlich mal die Zeit, euch zu schreiben. Erst einmal das Wichtigste: mir geht es super gut und ich habe mich sehr gut eingelebt! Die zwei habe ich spielend um meine Pfote gewickelt. Ich habe schon so viel erlebt seit ich hier bin. Schon allein die Reise von der schönen , winterlichen Schwäbischen Alb in mein neues Zuhause. Da bin ich das erste Mal ICE gefahren – und dann gleich mit 300km/h. Das war mir am Anfang etwas unheimlich aber dann fand ich das super – ich wäre noch bis Hamburg weitergefahren.

Im neuen Zuhause angekommen habe ich erst einmal alles ganz genau unter die Lupe genommen. Nach penibelster Inspektion hab ich festgestellt: genug weiche Kuschelplätze vorhanden! Die knapp 4m lange Couch habe ich natürlich gleich in Beschlag genommen und den Platz brüderlich geteilt: ich 75%, die beiden Dosenöffner 25%. Ähnlich haben wir drei uns das Wasserbett geteilt. Das ist toll sag ich euch … etwas wackelig aber toll. Das habe ich auch gleich zu meinem Lieblingsplatz ernannt.

Da die Hundedame von Welt heute Strass trägt, habe ich mich über mein neues glitzer Halsband total gefreut. Das trage ich jetzt voller Stolz spazieren und genieße die neidischen Blicke der weiblichen Zwei- und Vierbeiner.Michas Wasserbett

Obwohl wir zu Dritt sehr viel zusammen Gassi gehen, finde ich es noch bequemer Zuhause zu machen. Meine Zweibeiner erklären mit zwar immer, dass das nicht so toll ist, aber so ganz verstehen tue ich das noch nicht.

Nicht das Ihr denkt ich würde hier nur schlafen, essen und gestreichelt werden. Nein nein! Ich muss auch hart arbeiten. Ich gehe nämlich jeden Tag mit einem meiner Zweibeiner mit ins Büro. Da finde ich es super. Ich bin der Star dort. Meine Taktik ist von Büro zu Büro zu wandern und mir von jedem Kuschel- und Streicheleinheiten abzuholen.

So jetzt muss ich leider Schluss machen da ich meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen muss: kuscheln und schlafen. Ich melde mich ganz bald wieder – versprochen!

Eure Micha“

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Michas Menschen, dass sie sich auf die charmante aber eben bereits ergraute Französin eingelassen haben und ihr die Zeit geben, sich in die neue Umgebung einzufinden und freuen uns jetzt schon drauf, wieder von dem Trio zu hören.

Micha

 


 

Jedes Ding hat zwei Seiten und so hilft in der Praxis nicht alles, was für Vermittlungshunde gut und nützlich ist, auch der Vermittlung an sich.eines von Dalmis Vermittlungsbildern Häufig lässt sich beispielsweise beobachten, dass für in Pflegestellen untergebrachte Tiere erstaunlich wenig Nachfragen eingehen. Eine mögliche Ursache könnte der Gedanke von Interessenten sein, dass es diesem Tier – verglichen mit jenen in Tierheimen oder Auffangstationen – bereits recht gut geht und man lieber nach einer „richtigen Notnase“ Ausschau hält. Vergessen sollte man dabei aber nicht, dass vielleicht im selben Moment ein anderes Tier weitaus dringender genau diesen Pflegeplatz brauchen könnte und natürlich auch, dass die Tiere sich mit jedem Tag länger in der Pflegestelle heimischer fühlen (den Begriff „Zuhause auf Zeit“ oder „bis zur Vermittlung“ kann man einem Tier ja nicht erklären).

Im vergangen Jahr war es ein siebenjähriger Pinto-Rüde, der recht lange ohne wirklich konkret werdende Anfragen in einer Pflegestelle untergebracht war, abgegeben worden war er wegen einer plötzlich aufgetretenen und erwiesenermaßen therapieresistenten Allergie. Die mangelnden Anfragen spielten in diesem Fall sicherlich auch das Alter, weder jung noch alt, und die Tatsache, dass dieser Rüde im Umgang mit anderen Hunden, vor allem kleineren, nicht wirklich problemlos war.

Mit den letzten Wochen des Jahres ging dann aber doch noch eine sehr interessierte Mail für ihn ein, es folgte ein erstes Telefonat, bei dem man von Vermittlerseite her angenehm überrascht wurde durch die Klarheit der Vorstellungen. Die Familie hatte bereits einen Nordischen gehabt, war sich über das Wesen und die speziellen Verhaltensweisen also im klaren, auch darüber, wo beim Favoriten die Schwachstellen lagen und welche Auswirkungen diese auf den Alltag haben würden.

Barnie und sein neues HerrchenIn einigen Wochen hatte man allerdings noch einen Urlaub geplant und wollte erst danach die Aufnahme des Hundes umsetzen, hatte jedoch angedacht, die Zeit vorher noch zu einem Besuch in einer der Stationen zu nutzen, um auch einen Teil der anderen Hunde kennen zu lernen. Man verabredete also einen Termin und die Familie kam, der berühmte Funke aber sprang nirgends über, es folgte daher ein Besuch in der Pflegestelle des Pinto-Rüden.

Obwohl der Besuch, in der Pflegestelle leben auch Kinder, in recht lebhafter Atmosphäre statt fand, konnte man es da förmlich knistern hören, es flogen die Funken von allen Seiten – es ist immer wieder erstaunlich, wie oft die nur auf Grund einer Internetvorstellung basierende Überzeugung „der ist es“ dem tatsächlichen Kennenlernen stand hält.
Witzigerweise wollte sich auch der Rüde beim Gehen gleich der (eigentlich noch) fremden Familie anschließen, nur mit Mühe konnte man ihn am Einsteigen ins Auto hindern.

Für den Januar war dann eine erneute Fahrt zur Pflegestelle vereinbart, um den Auserkorenen abzuholen, fast wäre das noch an der mangelnden Kooperation des Wetters gescheitert, just für den Abholtermin waren starke Schneefälle vorausgesagt. Kaum war die Prognose bekannt, da meldete sich auch schon die Familie, ob man den Termin eventuell vorverlegen könne, man freue sich schon so auf den Familienzuwachs und wolle es nicht riskieren, dass man des Wetters wegen vielleicht nicht fahren könne – aber klar doch.

Den zwar tatsächlich eintreffenden Schnee, der allerdings weit weniger schlimm ausfiel als von den Meteorologen angekündigt, konnte der Pinto Rüde, der mit dem Umzug vom gewöhnungsbedürftigen Dalmi (wer vermutet da denn schon einen Husky mit Tupfen und nicht einen echten Dalmatiner dahinter?) in Barnie umbenannt wurde, bereits mit der neuen Familie genießen.Barnie

Eingewöhnt hat sich Barnie im Handumdrehen, so quasi mit dem Einzug, speziell im häuslichen Bereich zeigte er von Anfang an keinerlei Unsicherheiten oder andere Anzeichen von „fremd sein“. Ganz besonders dicke Freunde wurden rasch Barnie und das kleine Töchterchen der Familie, die schon regelrecht vernarrt ineinander sind. Mit dem lebhaften Alltag seiner neuen Familie kommt Barnie bestens zu Recht, ist geradezu erstaunlich geschwätzig geworden, oft hört man, wenn man dort anruft, im Hintergrund nicht nur die Kids plappern sondern immer wieder auch Barnie, der sich mit „huhu“ an der Plapperei beteiligt.

Außerhalb des häuslichen Bereichs ist es – nicht unerwartet- nur solange unkompliziert, wie keine Hundebegegnungen anstehen. Gerade bei seiner „Schwachstelle“ hat Barnie mit dem Umzug wieder Rückschritte gemacht (verglichen mit dem, was in der Pflegestelle bereits erreicht worden war), was nicht ungewöhnlich ist, irgendwo spiegelt sich die mit einem Umsetzen einhergehende Verunsicherung meist. Und gerade bei Barnie darf man nicht vergessen, dass er in seinen ersten Lebensmonaten, die er unter nicht so günstigen Umständen verbrachte, so etwas wie der Prügelknabe innerhalb des damaligen Rudels war. Vermutlich aus daraus resultierenden Unsicherheiten Artgenossen gegenüber, entwickelte Barnie ein für ihn hilfreich erscheinendes Verhalten, das sich mit den Lebensjahren (und den Wiederholungen) verfestigte – und so etwas löst man nicht in wenigen Monaten einfach in „nichts“ auf.

Die Erwartungshaltung der neuen Familie tendiert daher in diesem Punkt auch gegen Null, was nicht heißt, dass die Dinge bleiben sollen wie sie sind. Einen ersten Hundeschulbesuch hat Barnie bereits hinter sich, Ziel ist in dem Fall, dass wirklich alle Beteiligten lernen (sonst sind es oft ja mehr die Leinenhalter, denen etwas vermittelt werden muss). Lernen soll Barnie, wie man sich Artgenossen freundlicher nähern kann ohne dass einem deshalb ein Unglück widerfährt und die Bezugspersonen, wie sie Barnie die nötige Sicherheit vermitteln können, dass sie ihn im Fall des Falles (be-)schützen. Die Bereitschaft zum miteinander arbeiten ist bei allen Beteiligten vorhanden, auch bei Barnie, und so sind wir zuversichtlich, dass man auch an dieser Stelle zu einem harmonischen, gut funktionierenden Team zusammenwachsen kann.

Barnie

Wir bedanken uns bei Barnies Familie für das absolute, jedoch keineswegs schöngedachte JA zu diesem Husky-Rüden und das konsequente Angehen der (noch) bestehenden Schwachpunkte. Und natürlich bei der Pflegestelle, die Barnie nicht nur an die hauseigenen Hunde gewöhnte sondern es auch schaffte, die vorhandenen Miezen über Monate sicher an dem nicht katzenverträglichen Barnie vorbeizuschleusen.

 


 

Palace durfte endlich ankommen……

PalaceManchmal ist es nur eine Kleinigkeit im Verhalten eines Hundes, die dafür sorgt, dass nichts so läuft wie man es sich gewünscht hätte und wenn dann auch noch das Schicksal ein bisschen mitmischt, wird es bei der Vermittlung so turbulent wie bei Palace.

Die etwas pummelige blonde Hündin war Mitte August in einem elsässischen Tierheim abgegeben worden, viel wusste der ehemalige Besitzer nicht zu ihr zu sagen, musste sogar das Alter schätzen. Zunächst schien es als habe die vierbeinige Dame mit der tiefblauen Zunge mindestens eine Glücksfee in Vollanstellung beschäftigt, denn sie fand ruck-zuck einen Interessenten in Deutschland und vertrug sich auch mit dessen bereits vorhandener Hündin.

Kaum glaubte man die Chow-Mix-Dame sicher unter, da stand sie auch schon wieder ohne Obdach da, das eben gefundene etwas ältere Herrchen war unerwartet schwer erkrankt und innerhalb von Tagen war klar, dass Palace nicht dorthin zurückkehren konnte.

In der Notpflegestelle konnte sie aber auch nicht bleiben, da dort schon fast die Koffer für einen Kuraufenthalt gepackt werden mussten. Ein erster Versuch, sie in eine andere Pflegestelle zu integrieren scheiterte. Denn die ansonsten einfach nur traumhaft freundliche und absolut unkomplizierte Palace dachte an alles, nur nicht daran, für mehr als nur Minuten alleine zu bleiben und tat ihre Not lauthals und ausdauernd kund.

PalaceEinen Hund mit Verlustängsten unterzubringen, ist meist nicht einfach, aber einmal mehr lächelte Palace das Glück und sie bekam das Angebot, bei zwei netten kleineren Hunden mitzuwohnen, deren Herrchen fast immer zur Verfügung stand. Palace kam, sah sich um und fand umgehend den bis dahin in ihrem Verhalten kaum zum Tragen gekommen Chow-Anteil in sich, denn nun hatte es einen Garten und darum einen Zaun, an dem es zu Patrouillieren galt.

Vorbeilaufen am Zaun durfte jeder, aber wehe dem, der einen intensiven Blick darüber werfen wollte oder es gar wagte, Palace oder die kleinen Hunde anzusprechen. Dem Frevler schlug eine Welle des Misstrauens entgegen, geäußert in deutlichster Körpersprache und unterlegt mit lautstarkem Bellen. Es war erstaunlich, wie sehr diese sonst so verschmuste, zu jedem offene Hündin sich hinter einem Zaun verändern konnte. Und noch erstaunlicher war, welche Zaunhöhen sie mühelos überspringen konnte, wenn jenseits ein Eichhörnchen oder anderes Getier zu sehen war.

Palace hat sich in diesem „geliehenen Zuhause“ sehr wohl gefühlt, lag abends zufrieden als Herrchens Schoßhund neben ihm auf dem Sofa, müde von den ausgedehnten Spaziergängen, dem ausgelassenen Spiel mit den kleinen Hunden und den Patrouillengängen entlang des Zauns.Palace

Ganz dringend suchte sie aber weiterhin nach einem eigenen Heim und fand dieses sogar nur ein paar Kilometer entfernt. Bei Frau Ueding von Chow in Not hatten sich Interessenten gemeldet, die in eine recht komplexe Situation hinein einen Hund suchten. Nah beieinander, aber doch für sich, lebten da Jung und Alt, darauf ausgerichtet, einander zu unterstützen und aufzufangen im Alltag. Ein Geben und ein Nehmen, zu dem auch die Versorgung der Vierbeiner gehört, die Jungen teilen ihr Leben mit vier Huskys. Frau Ueding stellte rasch den Kontakt zu Palace und deren Pflegestelle her, nicht minder schnell fand ein erstes Kennenlernen statt, das Palace mit Bravour bestand und bereits am Tag danach zog die Hündin um.

Noch einmal hat sich Palace mit dem Einzug „verbessert“, denn nun hat sie ein Frauchen, das sie im Normalfall ganz für sich alleine hat und deren steter Schatten sie nun sein darf. Und für den Fall, dass es doch mal hinderlich ist, beständig einen Hund an den Fersen kleben zu haben, gibt es die Jungen und deren Vierbeiner, die alle miteinander dafür sorgen, dass Palace dem ungeliebten Alleinesein nicht ausgesetzt werden muss. Ihrer selbst gewählten Aufgabe, dem verantwortungsbewussten Achten darauf, dass ein jeder jenseits des Gartenzauns diesen auch respektiere, kann und darf sie dort natürlich auch nachgehen. Nur mit Überspringen ist nun Schluss, denn was Huskys aufhält, ist auch für Palace unüberwindbar.Palace

Wir freuen uns sehr, dass Palace nach all den Turbulenzen das Zuhause gefunden hat, wo sie so sein darf, wie sie ist: ein unternehmungslustiger und fröhlicher kleiner Hund, der immer und überall mit dabei sein will, wo Frauchen ist und dies mit all der Liebe und Zuneigung dankt, zu der Hund fähig ist.

An die Pflegestellen ein herzliches DANKE für die Flexibilität und das Durchhaltevermögen – dem neuen Frauchen viel Freude und Abwechslung mit Palace.

Palace

 


 

Der neunjährige Malamute Nero ist einer jener Hunde, von denen man im Vorfeld einer Vermittlung denkt, dass hier auch mehr als nur eine Portion Glück von Nöten sei um da Interessenten zu finden – erfreulicherweise einmal mehr „graue Theorie“, sogar vergleichsweise rasch fand Nero ein wunderbares Zuhause in der Schweiz.Nero

Die bisherige Lebensgeschichte von Nero ist schnell erzählt, denn wirklich ereignisreich war sie nicht, was daran lag, dass der Malamute auf einem denkbar ungünstigen Platz für einen Nordischen gelandet war, einem Bauernhof. Und weil der Rüde den üblichen Jagdtrieb sowie die rassetypische Selbständigkeit zeigte, blieb nicht viel mehr, als ihn mit einer Laufleine zu sichern. Neun Jahre lebte Nero so und futterte sich mit den Jahren ein ganz beachtliches Übergewicht zusammen, (An)Fressen gegen die Langeweile sozusagen.

Dass diese Haltung nicht wirklich optimal war, wurde zunehmend auch den Besitzern bewusst, die Abgabe allerdings gestaltete sich schwierig, zumal Nero zwischenzeitlich auf einem Auge erblindet war.

Umtriebigen Freunden Nordischer Hunde hat Nero es zu verdanken, dass dann schließlich doch Bewegung in die Vermittlung kam. Denn als diese von ihm erfuhren und daraufhin ernsthaft tätig wurden, gab es bald kaum noch eine Chance im Internet nach einem zu vermittelnden Malamute zu suchen ohne rasch auf Nero und sein Schicksal zu stoßen.

Viel bringt nicht immer viel, in Nero's Fall aber schon, denn recht bald nahm ein netter Herr zur zuständigen Vermittlerin telefonisch Kontakt auf. Alles schien von Anfang an perfekt und der Mann wusste bereits ohne Nero kennengelernt zu haben, dass dies genau der Hund ist, den er unbedingt haben wollte.Nero

Er hatte auch schon mit seiner Frau gesprochen, die allerdings zu dem Zeitpunkt noch etwas Bedenken hatte, weil Nero schon 9 Jahre alt ist und sie soeben ihre Hündin altershalber verloren hatten. Sie wollte nicht so bald schon wieder Abschied nehmen müssen.

Doch je mehr Infos über Nero den beiden zur Verfügung standen, desto mehr traten die Zweifel in den Hintergrund und schließlich war auch die Ehefrau davon überzeugt, dass Nero nicht nur toll sondern auch der Richtige war.

Das einzige Problem, das sich dann noch stellte, war die Tatsache, dass die Interessenten nur eine Wohnung mit großer Terrasse zur Verfügung hatten, sich Nero in der bisherigen Pflegestelle aber bislang dem Aufenthalt im Haus entzogen hatte und wie bisher draußen blieb. Die Interessenten besprachen sich daher telefonisch direkt mit der Pflegestelle und gemeinsam beschloss man es dennoch zu versuchen.

Und an exakt diesem Abend, nachdem dieses entscheidende Telefonat statt gefunden hatte, betrat Nero erstmals das Hausinnere der Pflegestelle und blieb bis zum nächsten Morgen. Und von da an blieb er jede Nacht drinnen.. als wollte er sagen.. schaut ich kann sehr gut auch drinnen sein.

Die Pflegestelle selber brachte Nero ins neue Zuhause, mit dabei der eigene Hund und die Kinder ...Nero
Dort angekommen untersuchte Nero zuerst die ganze Wohnung und legte sich dann einfach ins Wohnzimmer, wie wenn er schon ewig da gewesen wäre.

Nach dem Kaffeetrinken gingen alle zusammen laufen...

Als es Zeit war sich zu verabschieden und alle schon angezogen waren, kam Nero kurz zur Tür.. so als wolle er sich verabschieden.. und legte sich zurück ins Wohnzimmer...
Einer, der deutlich zeigt, jetzt angekommen zu sein – und nicht wieder weggehen zu wollen.

Die ganze erste Nacht hat er ruhig bei seinem neuen Herrchen geschlafen.. und es sind alle mega glücklich und Nero geht es gut. Oder wie drückte es die Vermittlerin aus „Ich denke, da war so etwas wie Bestimmung.. die zwei die haben sich einfach gefunden.. und das passte.“

Wir freuen uns mit den Vermittlern und Nero, dass sich für diesen an grauem Star leidenden übergewichtigen Malamute im XXXL-Format liebe und verständnisvolle Liebhaber der Rasse gefunden haben. Menschen, die einfach „ja“ sagten zu Nero, wohl wissend, dass er noch eine ganze Weile recht streng „abspecken“ und sich je nach Verlauf der Augenerkrankung vielleicht noch einer entsprechenden Operation unterziehen muss um wenigstens die Sehfähigkeit des einen Auges erhalten zu können.

 


 

„In jedem Ende liegt auch ein Anfang“ kündet der Volksmund und so mischte sich nach der Nachricht von Anais überraschendem Tod in die Trauer auch Hoffnung, dass nun verwaiste Frauchen möge sich einmal mehr als Wiederholungstäter aus tiefster Überzeugung erweisen.

Vielleicht mag dies dem einen oder anderen unangemessen erscheinen, doch was wären die unzähligen Tierschutzorganisationen auf dieser Welt ohne jene, die sich gezielt der Älteren, der Gehandicapten, der Chancenlosen in der Vermittlung annehmen?

„Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht.“ bemerkte Heinz Rühmann so passend und so wunderte man sich kein bisschen, als das verwaiste Frauchen sich in der Station ankündigte, zumal sie dort auch einen Patenhund hat.

Zielgerichtet fand der erste Spaziergang an diesem Tag mit jenem Rüden statt, der nicht nur zu den ältesten Bewohnern der Station zählt sondern auch zu den am längsten Anwesenden. Trotz nicht eben förderlicher Wetterbedingungen, rund um die Station war es einmal mehr winterlich glatt, kamen die beiden gut zu Recht. Dass die Gegebenheiten im häuslichen Bereich (Treppen, Kleintiere, Wohnungshaltung) nicht perfekt zu diesem Rüden passten, wusste man und irgendwie schien insgesamt das zu fehlen, was bei einer (menschlichen) Beziehung freundschaftliche Verbundenheit von allesüberwindender Zuneigung unterscheidet.

Und da war noch die ältere Hündin, die es seit ihrer Ankunft im Sommer nicht geschafft hatte, auch nur einen einzigen Interessenten für sich zu gewinnen – warum auch immer. Also die beiden miteinander bekannt gemacht und das schien – zumindest für den Außenstehenden – weitaus besser zu harmonieren, auch zu den häuslichen Gegebenheiten passte das mitunter etwas stille ältliche Mädel deutlich besser.

Dass an diesem Tag noch keine Entscheidung fallen sollte, verwunderte nicht – auch wenn die Hunde schon älter sind, man hofft doch immer auf eine möglichst lange gemeinsame Zeit und lässt sich voll auf das Gegenüber ein.

Noch in derselben Woche kam das ganz klare „Ja“ zu Lupa, die das anscheinend genau so sah – was haben wir gelacht bei der Abholung. Eigentlich wollte das frisch gebackene Frauchen an der Station vor der Heimfahrt noch ein paar Meter mit Lupa gehen. Die aber hatte, als das Frauchen nur rasch etwas ins Auto legen wollte, dieses sofort geentert und dachte nicht dran, es noch einmal zu verlassen.

Lupa

Am 28.01.2010 zog Lupa bei uns ein – laut Impfpass drei Tage vor ihrem 10. Geburtstag. Ja, es ist eine sehr kurze Zeit zwischen AnaЇs’ Tod und Lupa’s Einzug. Für viele unverständlich. Aber warum warten? Worauf? Bis wir AnaЇs vergessen haben? Dann würden wir uns nie wieder einen Hund „anschaffen“ können. Dann hätten wir auch Sarah und AnaЇs nicht kennengelernt, denn Sonny ist auch nach neun Jahren noch nicht vergessen. Warten bedeutete nur, dass eine kleine Hundeseele länger im Tierheim sitzt als nötig. Bei vielen stoßen wir auch auf Unverständnis, dass es wieder „so ein alter“ Hund ist. Aber gerade die älteren tun sich schwer in der Vermittlung. Und wir könnten neben unseren Berufen einen jungen Hund gar nicht auslasten. Unsere bereits beim Abholen „alten“ Hunde Sarah und AnaЇs waren jeweils das Beste, was uns passieren konnte. Aber das war nicht der Grund für die Entscheidung für Lupa. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick.

Lupa ist ein absolut liebes, vollkommen „unkompliziertes“ Mädel. Unverständlich, dass sie in sechs Monaten in der Station keinen einzigen Interessenten gehabt haben soll. Während der Autofahrt von derLupa und Frauchen Station nach Hause hat sie keinen Muck gemacht. Zuhause angekommen, gab’s das erste „Problem“: Sie wollte partout nicht die Treppe hoch laufen. Sie hat Angst vor unseren „durchsichtigen“ Treppen. Ich habe sie dann getragen. Sie ließ es sich gefallen, und 23 kg sind ja auch kein Problem. In der Wohnung hat sie erst einmal alles in allen Zimmern abgeschnüffelt. Alles riecht ja auch nach AnaЇs. Natürlich hatten es ihr die beiden Mümmelmänner besonders angetan. Aber auf ein „Nein“ hin hat sie den Käfig in Ruhe gelassen. Sie hat dann nach und nach alle alten Kauknochen von AnaЇs ausgegraben und „benagt“. Dann das zweite „Problem“: Lupa ist nicht stubenrein. Wahrscheinlich hat sie dies während ihres Aufenthalts in der Station verlernt.

Wir sind abends noch eine Runde durch „unser“ Dorf gegangen und haben gemerkt, wie flott sie unterwegs ist, eine „beflügelte Lupa“, wie es im Vermittlungstext stand. Außerdem: 23 kg Hund, aber mindestens 46 kg Neugierde. Die erste Begegnung mit den Farbenzwergen außerhalb des Käfigs verlief unspektakulär: Lupa haben die Streicheleinheiten von Herrchen viel mehr interessiert als die beiden Kaninchen auf meinem Schoß. Sie hat auch gleich am ersten Abend gefressen, hat durchgeschlafen. Und sie setzt mit ihrer Verschmustheit und ihrem Küsschengeben dort fort, wo AnaЇs aufgehört hat, aufhören musste.Lupa und Herrchen

Inzwischen – nach nur 3 Tagen – klappt das Treppenlaufen schon richtig gut. Trotzdem werden wir die Treppe mit einem Teppich komplett belegen, so dass sie nicht mehr durchschauen kann. Heute ist auch kein „Malheur“ in der Wohnung mehr passiert.

Lupa ist für uns eine ganz neue Erfahrung. Denn Lupa ist – zumindest innerhalb der Wohnung – ein völlig unsicherer Hund, unterwürfig, die Ohren stets angelegt (außer wenn sie etwas hört oder sie fotografiert wird); sie will alles recht machen.

Lupa

LupaSo traut sie sich auch nicht, die angelehnte Balkontür aufzuschubsen, wenn sie wieder in die Wohnung will. Trotz Aufforderung hat sie sich erst nach zwei Tagen getraut, auf Couch und Bett zu kommen. Das hatten wir noch nicht. Klein-Spitz-Mix Sonny war mit ihren zwölf Wochen schon so selbstbewusst, dass wir fast daran gescheitert wären. Sarah war trotz aller Rückschläge in ihrem Leben (mehrmals aus Tierheimen abgeholt und wieder zurückgebracht) ein stolzer, selbstbewusster Hund (außer wenn sie etwas umgeworfen hatte oder bei Feuerwerk). AnaЇs war vom ersten Augenblick an, an dem sie unsere Wohnung betrat, zu Hause, und überzeugt davon, dass man einen Hund wie sie niiiiiiiiiieeeeeeeeeee und nimmer zurückgeben würde – womit sie auch vollkommen Recht hatte.

Aber wir haben „zwei Hunde“: Draußen ist Lupa ein neugieriges Energiebündel; man hat den Eindruck, mit einem Tausendfüßer unterwegs zu sein; sie ist selbstbewusst (Rute oben, Beinchen heben beim Pipimachen); eigenständig; das andere Ende der Leine ist halt, da nicht zu vermeiden, mit von der Partie.

Lupa liebt SchneeWir sind sicher, dass wir aus Lupa (wieder?) einen selbstbewussten Hund machen. Eines jedenfalls konnten wir gleich vom ersten Erblicken in der Station sagen: Glücklich wird unser gemeinsamer Weg auf jeden Fall. Wir hoffen inständig, für uns alle drei, dass es diesmal ein längerer Weg wird als mit AnaЇs. Lupa ist – wie jeder unserer Hunde es war – ein Schatz, ein Geschenk.

Dem Nothilfe-Team danken wir für die gute Beratung, das sanfte Hinweisen auf die Tatsache, dass Lupa und nicht Aykon „unser“ Hund ist. Ich hoffe inständig für Aykon, dass er bald eine passende Familie findet. Und ich werde weiterhin alles für ihn tun, damit es ihm an nichts fehlt – außer einem Zuhause, das ich ihm leider nicht bieten KANN.

Lupa im Schnee


 

Mit Yuka zog im Sommer des vergangenen Jahres ein richtiges kleines (allerdings noch ungeschliffenes) Juwel im Nordlicht ein, eine verträgliche, lebenslustige und absolut unkomplizierte Hündin kaum mittleren Alters. Und dennoch gab sie über lange Wochen „die Bleiente“, während sich die zwei damals mit ihr aus dem Sport kommenden Vierbeiner (der ehemalige Halter hatte aus gesundheitlichen Gründen aufhören müssen) längst in neuen Familien eingelebt hatten.

Eine wirkliche Erklärung für die „Interessentenflaute“ gab es nicht, sah man mal davon ab, dass Yuka auf „Fotografieren“ nie so Recht Lust hatte und die dabei entstandenen Bilder ihr nicht wirklich gerecht wurden, kaum etwas fand sich wieder vom Zauber der strahlend-fröhlich kupferfarbenen Schönheit.Yuka beim Kennenlernen

Über den Versuchen war es mittlerweile Winter geworden und nun endlich zeigte sich auch Yuka kooperativ, ja mehr noch, sie liebäugelte beim wieder einmal anberaumten Fotoshooting fast wie ein professionelles Modell mit der Kamera – und hatte durchschlagenden Erfolg.

Genau genommen hätte sie sich das Zuhause hinterher aussuchen können, aber auch bei ihr galt natürlich, dass die Anfragen der Reihe nach abgearbeitet werden. Und da war gleich ganz vorne das Angebot, bei noch zu prüfender Chemie mit den bereits vorhandenen weiblichen Rudelmitgliedern Teil eines just-for-fun-arbeitenden Teams zu werden. Die Arbeitsbedingungen klangen hervorragend, jede Menge Freizeitangebot mit entsprechender Beschäftigung, freie Wahlmöglichkeit zwischen Haus und Garten, letzterer natürlich bereits huskygerecht eingezäunt und zusätzlich noch Urlaube inklusive – 6er im Lotto für Yuka?

Recht rasch vereinbarte man einen ersten Termin, das potentielle Herrchen kam, mit dabei die vierbeinigen Damen seines kleinen Rudels – so etwa die Hälfte der potentiellen zukünftigen Weggefährten, denn Frauchen und die Rüden warteten gespannt zu Hause, wie das mit den Mädels wohl so funktionieren würde. Es klappte prächtig, zum einen weil Yuka wirklich eine sehr soziale Hündin ist (und auf ebensolche traf) und zum anderen weil das Herrchen-in-spe sehr ruhig und gelassen mit den Hunden agierte, was die grundsätzlich positive Stimmung weiter förderte.Mahlzeit

Eigentlich war alles weitere so geplant, dass das Kennenlernen von Yuka und dem neuen Frauchen nahtlos in den anschließenden Einzug übergehen sollte. Da bis dahin aber noch ein paar Tage hin waren (man wollte sich für die Eingewöhnung von Yuka ein paar freie Tage am Stück schaffen), nutzte das potentielle Frauchen kurzerhand eine sich spontan ergebende günstige Gelegenheit, zeitlich die Fahrt ins Nordlicht hinzukriegen und griff zum Telefon, ob’s möglich wäre – aber klar doch. Von Yuka war sie dann nicht weniger begeistert als ihr Mann, die drei drehten trotz des nach wie vor gruselig kalten Winterwetters noch eine größere Spazierrunde und verabschiedeten sich dann – nicht für lange, nur noch Tage trennten Yuka vom geplanten Umzug.

Zum Abholen (natürlich wieder bei Gruselwetter, etwas anderes gab’s ja nicht im Januar) kam dann Herrchen alleine, wurde von Yuka begrüßt wie der lang ersehnte gute Bekannte und dann hatte sie es auch schon mächtig eilig – nix wie weg hier, auf zu neuen Abenteuern!

„Unser schönes langes Wochenende ist vorbei und der Alltag hat uns wieder. Yuka die letzten Tage zuzusehen, war ein wunderschönes Erlebnis.Yuka am Toben
Die Yuka tut alles, um es uns allen (ich meine alle 7!!) es recht zu machen. Zuerst war sie recht zurückhaltend, nicht ängstlich, aber "bloß keinen Fehler machen". Von Tag zu Tag wurde sie den anderen gegenüber immer offener. Jetzt geht sie auch alleine mit den anderen raus (am Anfang mussten wir immer mit) und tobt mit Riesensprüngen durch den Garten! Es ist einfach wunderschön!!

Ihr habt Yuka so toll beschrieben und sie ist einfach ein Goldstück. Sie lernt so schnell - hat mein englisch schon voll drauf!! - und unseren Tagesablauf auch. Sie strahlt nur Freude aus - es ist wirklich "irre".

Sie hat auch kapiert, das Buxie ihr nichts tut. (Einer hat ihr erzählt, das Buxie die Chefin ist!!) Ihr wurde von Yuka erstmal sehr viel Respekt entgegengebracht!! Oder vielleicht waren es die Schlappohren, die ihr Sorgen machten! Der Fox hat sich inzwischen voll "verknallt" in Yuka. Gut dass sie kastriert ist!

Es klappt alles wunderbar und wir würden sie nicht wieder missen wollen.“

Yuka ZuhauseYuka