Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im Oktober 2010 ein neues Zuhause gefunden haben

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Shari – ein Seelchen für eine Seele

Die zierliche Shari mit dem immer etwas nachdenklich wirkenden Blick ist, oder besser: war, Teil eines 14-köpfigen Rudels. Leider mussten alle Hunde aufgrund einer persönlichen Tragödie innerhalb weniger Tage abgegeben werden. Das Leben ist nicht fair – aber so etwas möchte sich kein Hundehalter vorstellen müssen.
Aus liebevoll gehaltenen und artgemäß freizeitsportlich bewegten Hunden wurden so leider Tierschutzkandidaten, die sich alle sehr nach einer kundigen und sportlichen Familie sehnten.
Shari lag uns da besonders am Herzen, denn sie zog zwar gemeinsam mit einem Teil ihrer vertrauten Rudelkollegen bei uns ein, zeigte aber sehr schnell und überaus deutlich, dass die 3-köpfige Herrenriege ihr massiv auf die Nerven ging. Es geht nun mal an keinem Hund spurlos vorüber, wenn er zusätzlich zum Zuhause auch noch die tägliche, gewohnte Bewegungsarbeit vermisst, die wir den Hunden, das muss klar gesagt werden, trotz allem Engagement weder zeitlich noch personell in dem Ausmaß, wie es Familienhaltung kann, bieten können.
Hier darum auch ein kleines Dankeschön an all die ehrenamtlichen Gassigänger, die die NfP so treu dabei unterstützen. Ohne Euch stünden wir, vor allem aber die Hunde, diesbezüglich auf dem Trockenen.
Da standen wir nun. Mit einer angenervten, gestressten und sich so hinaussehnenden Shari, und warteten sehnsüchtig auf einen schnellen Lichtblick in Form von passenden Interessenten.
Die Wendung, die die Vermittlung der 8-Jährigen dann jedoch nahm, hatten wir so garantiert nicht erwartet. Zumal sich hier wirklich Freud und Leid die Hand reichten.
Sicher erinnern Sie sich an die wirklich tragischen Ereignisse um den Tod der innig geliebten Hunde Samson und Raixa , die uns alle tief trafen, aber natürlich war das nichts im Vergleich zum Frauchen der Hunde, das entsetzlich litt. Eine große Belastung für die gesamte Familie, denn: wie soll, wie kann man hier trösten?
Trösten sicher nicht – aber helfen. Helfen mittels einer lebendigen Aufgabe, um einen Weg aus der tiefen Trauer zu finden, einen feuchtnasigen Anstups, dass ein Ende immer auch ein Anfang sein muss.
Der Ehemann setzte sich also mit dem Nordlicht in Form von Frau Harders in Verbindung, auf der Suche nach einem geeigneten Pflegehund. Wir kennen die Familie Sch. ja nun schon lange, und es bestand von Anfang an die Sicherheit, dass der Hund keineswegs lediglich als Therapiemaßnahme benutzt werden würde. Allen war klar, dass hier beiden, Mensch und Hund, aus einem Tal herausgeholfen werden könnte. Die Wahl fiel schließlich, Sie ahnen es, auf Shari. Weil sie sowohl dringend einen Platz brauchte, ihr Gehegekollege Nero mobbte sie immer häufiger, als auch, weil sie das genaue Gegenteil der verstorbenen Hündin Raixa war.
Shari brauchte dringend einen eigenen Menschen, der ihr sensibles Wesen in seine Hände nahm, und das Haus Sch. brauchte dringend lebendige, tapsende Pfoten. So zog das Mädchen am ins Zuhause auf Zeit um.
Von Frau Sch. anfangs wirklich nur als Pflegehund akzeptiert, aus verständlichen Gründen, lächelte der Ehemann nur wissend. Und er sollte Recht behalten. Es dauerte nur wenige Tage, bis die sanfte Hündin sich weit ins Herz von Frau Sch. geschlichen hatte. Die ehemals in Außenhaltung lebende Shari warf sich so voll Wonne in Herz, Haus und Körbchen, dass sie anfangs selbst den Garten mied oder sich, wenn dann doch mal hinausgelockt, sofort und schnurstracks wieder hinein begab, sobald ihre Menschen draußen sich auch nur rührten. Nein, sie wollte nicht mehr draußen bleiben. Sie wollte das, was man ihr hier vom ersten Moment, von der ersten, zärtlichen Nacht an, angeboten hatte: drinsein, dabeisein. Bei ihrem Menschen. Immer. Und überhaupt.
Inzwischen ist Shari so richtig angekommen. Der Garten ist einfach ein Garten, in dem man hervorragend im Sonnenschein herumtollen kann und kein ungewolltes „du kommst hier nicht rein“-Grundstück mehr, sie ist von Anfang an stubenrein gewesen, und auch das stundenweise Alleinebleiben funktioniert wunderbar. Sie scheint verstanden zu haben und sich absolut sicher zu sein, dass dieses Zuhause ihres ist. Wenn nichts los ist oder sie darauf wartet, dass der Haustürschlüssel von außen ins Schloß gesteckt wird, liegt sie völlig entspannt in ihrem geliebten Körbchen und vertraut sichtlich darauf, dass alles gut ist, wie es ist. Sogar einen ersten Dänemarkurlaub hat sie mit ihren Menschen problemlos schon hinter sich.

Wir freuen uns von Herzen mit der Familie, dass hier eine Lösung gefunden werden wollte, die sowohl den Menschen als auch einem bedürftigen Tier gleichermaßen aus einer seelischen Notlage heraushalf. Tierschutz wird von Menschen geleistet, für Tiere. Aber immer auch für Menschen. Wenn beide Faktoren so wie hier zusammentreffen – und zusammenpassen – haben wir das Möglichste erreicht. Dafür vielen vielen Dank.

ShariShari

... kam wegen eines Notfalls zu uns. Und dieses Mal ging es nicht allein um den Hund, sondern in erster Linie um mich. Ich war gerade dabei den Tod unseres alten Samson zu verarbeiten, als Raixa völlig überraschend während meines letzten Spaziergangs mit ihr an einem Herzinfarkt verstarb. Das warf mich nun total aus der Bahn. Ich konnte mich auf nichts konzentrieren und starrte einfach nur stundenlang mit Tränen in den Augen und Leere im Kopf bewegungslos vor mich hin. Selbst nachts, denn sobald ich versuchte die Augen zu schließen, sah ich sofort wieder diese schrecklichen Bilder und hörte ihren fürchterlichen Schmerzensschrei.
Um mich aus diesem Zustand zu reißen, fragte mein Mann am nächsten Tag erst bei einem anderen Tierschutzverein nach einem etwas jüngeren Hund, der allerdings keine Haltung im Haus kannte. Er kam dann leider nicht in Frage, da ich in dieser Situation damit noch überfordert wäre. Dann sprach er mit Corinna Harders vom Nordlicht, die Nero's Mobbingopfer Shari vom Rudel trennen wollte. Ich hatte im Vorwege versprochen, das Tier bei potenziellen Interessenten wieder abzugeben. Und zu dem Zeitpunkt meinte ich das durchaus Ernst. Diesen Hund wollte ich definitiv lebend ziehen lassen. Gott sei Dank ist sie Raixa weder optisch noch vom Wesen her ähnlich, das hätte ich noch nicht verkraftet. Am ehesten erinnert ihr Verhalten an Samson, das wiederum empfinde ich mehr als Trost. Mag merkwürdig klingen, ist aber tatsächlich so.
ShariUnd nur wenige Tage später hatte sie sich mit ihrer sanften Art in unser Herz geschlichen und Peters Ansage bei Corinna, dass bisher noch jeder Pflegehund bei uns geblieben ist, bewahrheitete sich wieder.
Vor 5 Jahren kam sie, wahrscheinlich 3-jährig, aus Spanien zu ihrer Vorbesitzerin, die sich sehr um ihre 14(!) Hunde kümmerte und mit diesen super sozialisierten Tieren per Rollwagen und Fahrrad just for fun an Schlittenhunderennen teilnahm. Dieser Frau gehört mein ganzes Mitgefühl, musste sie sich doch innerhalb von 4 Tagen zwangsweise von allen ihren Hunden trennen. Und danke sagen würde ich auch gern, denn Shari ist einfach nur lieb und passt sich perfekt in unser Leben ein. Wie Corinna im Einführungstext der Huskies in Not geschrieben hat: ein Sonnenschein und Sahnestück...ohne "oder"!!!

Shari

Sie ist nun ein absoluter Indoor-Husky geworden und trotz ihrer vorherigen Zwingerhaltung sofort stubenrein. Wir mussten sie die ersten zwei Wochen in den Garten locken und bei der geringsten Bewegung unsererseits sprintete sie rein, aus Angst wieder draußen leben zu müssen. So ganz langsam begann sie dann allein mal die Terrasse zu erkunden und mittlerweile streift sie durch den ganzen Garten und legt sich ins Gras. Aber nie länger als 5 Minuten.Shari
Ihr altes Rudel und vor allem die Attacken Nero's vermisst sie mit Sicherheit nicht. Am ersten Tag lief sie jedem immer und überall hinterher. In der Nacht schlief ich auf dem Sofa und sie davor. Ich musste die ganze Zeit meine Hand auf ihr liegen lassen, zog ich die weg, kam sie sofort hoch und stupste mich an. Doch das legte sich innerhalb weniger Tage. Jetzt liegt sie relaxed im Körbchen und kommt erst in Wallung, wenn sie eine lohnende Gelegenheit erahnt, wie z.B. die sich öffnende Kühlschranktür.
Auch das Alleinbleiben klappt wunderbar. Wir steigerten die Zeitspanne langsam von Tag zu Tag. Ich kann nun vormittags zur Arbeit gehen und sie kommt mir mittags völlig verpennt entgegen.
Für mich persönlich ist sie im Alltag eine große Stütze. Auch die Gespräche mit den Hundeleuten der Umgebung, die ich anfangs sehr gefürchtet habe, sind einfacher, weil es meist nur kurz um Samson und Raixa geht. Das Interesse an Shari ist dann doch größer. Tage und Nächte normalisieren sich. Obwohl die Trauer um die Beiden weiter präsent ist, steht sie doch nicht mehr so im Vordergrund. Ich konnte mir erst gar nicht vorstellen, so schnell wieder einen neuen Hund zu haben, aber ganz ohne ging erst recht nicht. So halfen wir uns gegenseitig aus unserer jeweiligen Notsituation und hoffen nun auf eine schöne gemeinsame Zeit.

Jetzt steht zunächst eine Woche Dänemark auf dem Programm. Dort werden wir uns so richtig den Wind um die Nase wehen lassen.

Shari

Viele Grüße von Anja, Peter und Oli

 


 

Wenn das Glück auf sich warten lässt

Jiro, der letzte Eurasier

Nach über 2 Jahren endet mit dem Auszug von Jiro aus dem Tierheim Elmshorn die Geschichte des 18-köpfigen Rudels Eurasier, von denen 9 im Nordlicht einzogen.

Jedes Einzelne dieser Geschöpfe benötigte unwahrscheinlich viel Zeit und Zuwendung. Von einfacher Präsenz über Bodenfütterung, Handfütterung und schließlich Schmelzkäse aus der Tube, mühsam arbeiteten sich die freiwilligen Helfer an die scheuen Kreaturen heran.

Nun hat es auch Jiro, als letzter des großen Rudels, endlich geschafft eine Familie und die vorhandenen Vierbeiner von sich zu überzeugen.

So lebt der "letzte der Eurasier" nun bei seinem neuen Rudel mit Zugang zu einem riesigen Gelände und Hundekumpels zum Spielen.

 

 

 

 


 

Wolf erobert sein neues Reich...

Fast ein Jahr musste der imposante weiße Husky-Rüde Wolf warten, bis sich eine Familie das Abenteuer mit so einem ungestümen Rüden zutraute. Etliche Fragezeichen gingen mit dieser Vermittlung einher: Wird Wolf sich mit der bereits vorhandenen Hündin „Kenai“ vertragen, die um ihren verstorbenen Gefährten trauerte? Steigt Wolf ins Auto ein und wie wird er sich während der mehrstündigen Heimfahrt verhalten? Wie wird er als bisheriger Zwingerhund plötzlich mit der Wohnungshaltung zurecht kommen? Wird er ähnlich wie seine bereits vermittelten Schwestern mit Ängsten zu kämpfen haben und sich in fremder Umgebung nicht anfassen lassen? Und wie wird er die Trennung von seinem Bruder Flocke verkraften, an dem er sich bisher immer orientiert hatte?Wolf wird abgeholt

In freudiger Erwartung ließen sich Wolfs Interessenten zu seinem Gehege führen. Stürmisch wurden sie von Wolf und Flocke begrüßt, deren Begeisterung erst recht keine Grenzen mehr kannte, als sie ihre Geschirre und die Leinen sahen, welche eine Gassirunde versprachen. Mit vollem Elan ging es raus aus der Station, Wolf zeigte gleich, welche schier unglaublichen Kräfte in ihm stecken. Dann erste Verwirrung unter den Brüdern, denn Flocke marschierte mit seiner Gassigängerin in eine andere Richtung, während die Familienhündin Kenai aus dem Auto geholt wurde. Wolf wusste gar nicht recht, wie ihm geschah – der Bruder weg, eine fremde Hündin da.

Doch schnell hatte Wolf sich mit der neuen Situation abgefunden und begegnete der Artgenossin ganz freundlich – wahrscheinlich war er selber froh, dass ihm nichts passierte. Der Spaziergang verlief harmonisch und an die rauchenden Sohlen vom Bremsen würde das Herrchen sich schon gewöhnen.

Meisterlich hat Wolf sich mit seinem Baby-Charme eingeschmeichelt und am Ende des Spaziergangs stand fest, dass er die Station verlassen durfte. Nach Abwicklung der Formalitäten dann das erste „Wagnis“: Wolf musste ins Auto steigen. Das traute er sich zunächst nicht, aber nachdem Kenai noch mal ausgestiegen war und ihm so Platz machte, sprang Wolf mit einem beherzten Satz in den Kombi.

Die erste Rückmeldung am Abend besagte, dass unser Großer die Fahrt problemlos hinter sich brachte. Er war sogar schon so entspannt, dass er unterwegs schlief. Schöne Nachrichten, die seine Vermittlerin erleichtert aufatmen ließen.

WolfWenige Tage später trudelte dann eine Kurzmitteilung ein:

Das Überraschungspaket/Wolf ist unglaublich! Lieb, lernt sehr schnell und hat sich bis jetzt sehr gut eingelebt. Wolf hat im Sturm unser aller Herz erobert, auch unser Sofa. ;-)

Das mit dem Sofa hat der schlaue Bursche übrigens ganz geschickt angestellt. Frauchen saß drauf und Wolf hat ihr erst mal nur seine Vorderpfoten auf den Schoß gelegt. Mit dem Hinterteil „klebte“ er noch am Boden, während er sich oben schon ordentlich durchknuddeln ließ. Und ganz allmählich schob er seine über 30 kg dann hoch.

Tja, inzwischen wissen wir auch, dass Wolf es nicht beim Sofa belassen hat – mittlerweile hat er sich nämlich ebenfalls einen Weg ins Bett erschlichen. Erst betätigt er sich dazu als vierbeiniger Wecker und dann schiebt er sich mit ins gemütliche Bett und drückt die Zweibeiner raus – schließlich muss der Hund als bester Freund des Menschen doch sicherstellen, dass letztere nicht zu spät aufstehen. Aber man kann ihm einfach nicht böse sein.

Die Eingewöhnungsschwierigkeiten waren minimal. Beim ersten Betreten der Wohnung hat Wolf erst mal sein neues Revier markiert, was bisher jedoch innerhalb der vier Wände nicht mehr vorgekommen ist. Dann musste er für die Nacht eine Treppe überwinden, die er mehr hochgeschoben wurde als dass er selber ging. Nach einer ruhigen Nacht traute er sich am nächsten Morgen dann kaum runter und betrat die Treppe erst, als eine dort stehende Pflanze entfernt wurde und er freie Bahn hatte. Doch seither weiß er, dass Treppen nichts Schlimmes sind und geht sogar mit in den Keller.Wolf

Das mit der Stubenreinheit klappt schon hervorragend, jetzt muss nur noch die Sache mit der „Gartenreinheit“ geübt werden, denn Wolf hat seine Angewohnheit aus Stations-Zeiten beibehalten, dass er unterwegs kein Häufchen absetzt, sondern diese Aktion dann lieber in den Garten verlegt.

Dafür hat er schon bewiesen, dass er beim Alleinebleiben nicht alles auf den Kopf stellt. Seine Menschen haben einfach mal die Probe aufs Exempel gemacht und ihn zusammen mit Kenai während dem Einkaufen daheim gelassen. Wolf hat diese Zeit einfach verschlafen und keinerlei Blödsinn angestellt. Braver Hund.

Mit seinem liebenswerten Wesen hat Wolf übrigens auch anfängliche Skeptiker überzeugt. Und zwar auf voller Linie. Wurde die Familie zu Beginn vom (Schwieger-)Vater noch fast für verrückt erklärt, dass sie sich wieder einen Zweithund anschaffte, so ist Wolf mittlerweile der Erste, der begrüßt wird. Und Wolf findet das voll in Ordnung!

Die 10-jährige Kenai möchte ihren neuen Gefährten auch nicht mehr missen. Sie hat wieder deutlich an Lebenslust gewonnen und Wolf wirkt für sie wie eine Art Jungbrunnen.

So sind alle Zwei- und Vierbeiner glücklich und zufrieden und wir wünschen von hier aus alles Gute und dass es noch viele Jahre so bleibt.

 


 

Aus Sorgen- werden Lachfalten: Gass/Gus hat endlich ein liebevolles Heim gefunden!

Und es war beileibe nicht einfach, einen Platz für unseren „wölfischen“ Husky Gass zu finden. Denn angezogen von seinem faszinierenden Aussehen, wollten alle Besucher gleich mal ausprobieren, ob er sich so gut anfühlt wie er aussieht. Doch genau das mag Gass nun einmal nicht so gerne. Abgesehen von diesem Argwohn gegenüber Fremden, ist unser vierbeiniger Freund eigentlich ein umgängliches Kerlchen.

Geworden.

GassDenn als er Anfang 2008 bei uns in der Station eingetroffen ist, hat es unzählige Spaziergänge, kombiniert mit viel Kontaktarbeit, erfordert, um sich der Zuneigung und des Vertrauens dieses Hundes sicher sein zu können. Hier ist vor allem Andreas zu erwähnen, der jedes Mal einen beträchtlichen Anfahrtsweg in Kauf genommen hat, um seine Funktion als Vertrauensperson für Gass zu erfüllen. Doch auch Andrea hat es durch regelmäßige Spaziergänge und viel Geduld geschafft, seine Zuneigung zu erlangen und seine „Manieren“ weiter zu schulen.

Da sollte man doch meinen, dass eine erfolgreiche Vermittlung gar nicht mehr fern sein könne. Leider hat Gass sich aber selbst oft einen Strich durch die Rechnung gemacht und bei Zusammenführungen mit potentiellen vierbeinigen Mitbewohnern zumeist „dankend abgelehnt“, indem er jede Vorstellung auf ein harmonisches Zusammenleben von vorneherein zerstört hat.

Gerade aus diesem Grund war auch sein jetzt neues Frauchen sehr skeptisch, hat sie doch selber schon zwei Hunde, die charakterlich schon recht gesetzt sind. Sich also auch nicht einfach auf der Nase herumtanzen lassen.

Nachdem sie aber über einen Zeitraum von einem Jahr Gass` Geschichte verfolgt hat und keinen Vermittlungserfolg beobachten konnte, ist sie ihrem Herz gefolgt und hat einen Termin mit der Station ausgemacht. Da der Anreiseweg schlappe 680 Kilometer betrug, hat sie sich Unterstützung gesucht und gleich vier Tage frei genommen, um Gass auch richtig kennenlernen zu können.

Die ersten Spaziergänge und die enge Bindung zu Andreas, der extra angereist war, um seinem Schützling Sicherheit zu vermitteln, haben die ambitionierte Interessentin zwar zunächst etwas entmutigt, ein gemeinsamer Ausflug zu Silvia Klüppelberg und eine Hundezusammenführung auf neutralem Boden haben dann aber neue Zuversicht vermittelt. Nachdem Silvia eine Analyse der Begegnung gemacht und die Verhaltensweisen und Signale gleich verständlich erläutert hat, war klar: Wenn Frau S. das Zepter der Rudelführung klar in der Hand (be-)hält, dann ist diese Konstellation durchaus gut möglich. An dieser Stelle sei ein herzliches Dankeschön für diese grandiose Unterstützung ausgesprochen!Gass und Callis

Durch diese Erkenntnis gestärkt, wurde ein neuer Vorstoß gewagt, weitere Spaziergänge unternommen und im Laufe der Tage entwickelte sich eine deutlich sichtbare Verbindung zwischen den Beiden. Bei Gass war es eben nicht Liebe auf den ersten Blick, aber dafür sind wir sicher, sie hält ein Leben lang! Auch seine neue Besitzerin ist davon überzeugt – aber lesen Sie selbst:

Vor rund einem Jahr bin ich auf die Homepage der „Nothilfe für Polarhunde“ gelangt und habe mir - wie immer, wenn ich auf einer Hundeseite bin - die dort vorgestellten Vierbeiner angeschaut. Da sah ich Gass (jetzt Gus ) und dachte mir: wow, was für ein klasse Hund!!! Optisch - klar, ein Hammer! Dieser Blick - er traf mich direkt ins Herz (das klingt vielleicht kitschig, aber es war eben so)! Vor allem aber machte mich seine Beschreibung sehr neugierig, handelte es sich doch hier wohl eindeutig um einen Hund, den man nicht so leicht bestechen kann, dessen Vertrauen man sich erarbeiten und verdienen muss. Ich war fasziniert und hatte von Anfang an das Gefühl: das ist mein Hund!

Andererseits habe ich bereits 2 Hündinnen - Dulci, mittlerweile 11 Jahre alt, ihres Zeichen Schäferhund / Aszendent Husky (oder umgekehrt?), ein Alphatier und mitunter recht zickig. Eine Spanierin, die bereits in der Prägungsphase traumatische Erlebnisse einstecken musste. Und Petsy, beinahe 16 Jahre alt, eine Mischung aus Schnauzer/Terrier (vielleicht noch eine Prise Schäferhund, was weiß man schon?).
Sehr souverän im Umgang mit anderen Hunden, einfach ein Schatz!Gass

Den einen Knackpunkt sah ich also bei Dulci, den anderen aber - und den viel schwerwiegenderen: ich kann die Hunde mit zur Arbeit nehmen, doch da wir als Verkaufsstelle für Tierfutter und -zubehör Kundenverkehr haben, dürfte genau das das Problem für Gus sein. Viele fremde Menschen, Kinder, die - oft ungefragt - die Hunde streicheln wollen...!

Und letztendlich ist da auch noch meine Mutter, die im selben Haus, jedoch separat, mit ihren 3 Hunden wohnt.

Ich war erschlagen von den vielen "das-geht-wohl-eher-nicht"-Punkten und habe die "Aktion Dritthund" für mich als "derzeit wohl nicht realisierbar" abgehakt.

Aber ich behielt Gus im Auge - in regelmäßigen Abständen schaute ich nach, ob er noch "frei" war und stellte mir vor, wie es wohl wäre, wenn ….!

Es tat sich einfach nichts, kein "ich-bin-vorvermittelt"-Ticker, der über seinem Foto flimmerte. Stattdessen ein Update mit der nicht wortwörtlichen, aber sinngemäßen Textpassage "… die immer wieder auftretende Pilzerkrankung ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass es für ihn Zeit wird, ein Zuhause zu finden …"!

Das war für mich letztendlich der Startschuss! Ich fing an, konkret sämtliche Alltags- und Lebenssituationen mit Gus gedanklich durchzuspielen und ging in die Offensive:

Im August dieses Jahres telefonierte ich erst mit Frau Oettinger, einer Bekannten meiner Mutter und ehrenamtlich für die NfP Freudenstadt tätig und kurz danach mit Frau Harders.

Bezüglich meiner Arbeit hatte ich mir überlegt, dass ich Gus und Dulci zuhause lassen könnte, denn auch Dulci ist das oft zu viel Trubel im Geschäft. 2 x täglich 3,5 Stunden alleine sein, davor, dazwischen und danach immer schön raus in die umliegenden Wälder, das müsste funktionieren. So sah das auch Frau Harders.
Zu klären blieb jedoch noch: stimmt die Chemie zwischen Gus und mir (aus seiner Sicht, von meiner Seite aus hatte ich keine Bedenken), bin ich ihm kräftemäßig gewachsen (Kraftpaket!) und wie reagiert er auf meine Mädels? Wie ich hörte, sind hieran schon zurückliegende Vermittlungsversuche gescheitert!Gass mit seinem neuen Frauchen

Termin für ein gemeinsames Date war für Ende September festgelegt, ich konnte nicht früher Urlaub nehmen. Samstagabend, nach 8,5-stündiger Fahrt und ziemlich fertig, machten wir einen kurzen Abstecher bei Gus und der NfP für eine erste Kontaktaufnahme (noch ohne meine Hunde). Sonntag und Montag dann 2 volle Tage für Gus!

Sonntag: erstmal ein Spaziergang mit Andreas und Gus - und mir natürlich. Andreas hat ihn zuerst geführt. Gus läuft manierlich, 2 Hunde von der NfP und ebenfalls gerade auf Tour, kommen uns entgegen. Test! Andreas und Gus am Seitenrand, Gus wird mit Leckerchen abgelenkt, alles läuft prima. Na bitte, dachte ich, geht doch, alles halb so wild! Danach führe ich Gus - er zieht teilweise ordentlich, aber ich hab's im Griff.
Anschließend je eine Runde mit Gus und Dulci bzw. mit Gus und Petsy. Das lief alles ausbaufähig an. Der eine rechts, der andere links vom Weg, man beäugte sich auf Distanz, wobei Petsy nur ihren Weg beäugte und ansonsten Ignoranz.

Abschließend ging ich nochmal mit Gus auf Tour. Hier zeigte er, welch Zugpotential er in sich hat. Die Kontaktarbeit hat nur teilweise geklappt. Und dann kamen auch noch 2 Hunde neben einem Fahrrad von hinten angerollt. Sichtkontakt mit Gus - null! Sitz! - null! Mit letzter Kraft konnte ich verhindern, dass ich im Schlamm landete. Oje, wie soll das nur werden…?

Montag: erst mal eine Runde mit Gus. Diesmal ging es etwas gesitteter zu.
Danach fuhren Frau Harders, Andreas, alle 3 Hunde und ich zu Hundetrainerin Silvia Klüppelberg, die die Hunde einzeln und in der Dreierkonstellation analysierte, eine erste Annäherung der 3 demonstrierte und mir erklärte, dass es funktionieren wird, aber nur, wenn ich einen glaubhaften Rudelführer abgebe. Nur so kann und wird es klappen!

Am Nachmittag dann ein letzter Spaziergang mit allen 3 Hunden. Was soll ich sagen? Gus zog wie ein Ochse, ich befand mich in permanenter Schräglage.
Wieder ein Zusammentreffen mit fremden Hunden - kein Kommentar!

Ich war ziemlich entmutigt: packe ich das alles? Will und kann ich so 3 mal täglich spazieren gehen? Bei uns begegnet man mehr Hunden unterwegs! Es stand ein Entschluss an, denn am nächsten Morgen war die Rückfahrt geplant! Aber ich konnte mich beim besten Willen noch zu keiner Entscheidung durchringen und vertagte diese bis nach einem allerletzten Spaziergang am nächsten Morgen vor der Abfahrt.

Diese letzte Runde war dann deutlich entspannter. Danach zog ich mich mit Gus für ein paar Minuten zurück in einen leeren Raum, ging mit mir und ihm nochmals ins Gericht und dann war auch die Entscheidung klar: Gus kommt mit! Von da an habe ich auch keine Sekunde mehr an meinem Entschluss gezweifelt.

Die Rückreise: Gus auf der Rückbank, die Mädels im Kombi-Teil. Perfekt! Gus lag und schlief seelenruhig, als hätten wir nie etwas anderes gemacht.

Gass neues RudelWir sind zuhause: Man kann es sich fast nicht besser wünschen! Die Hunde untereinander - friedlich, harmonisch mit gegenseitigem Respekt! Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung dieser Harmonie am 3. Tag, die ungewollt von mir hervorgerufen wurde, aber dank des entscheidenden Tipps von Frau Harders sofort behoben werden konnte und einer Unart seitens Gus, für die Frau Klüppelberg Rat wusste. Die Hunde gehen sehr fair miteinander um, ich muss allen 3 ein dickes Lob aussprechen! Zwischen Dulci und Gus sind manchmal sogar schon dezente Spielansätze zu erkennen.

Was die Zugkraft von Gus anbelangt, so entwickeln sich die Spaziergänge mit ihm immer mehr zum Genuss für mich! Kein Vergleich zu dem, wie er sich anfangs präsentierte. Manchmal scheint er seine Zug-Gene ganz zu vergessen, und wenn's dann doch mal wieder mit ihm durchgeht, erinnere ich ihn daran, dass ich kein Husky bin und das scheint er zu verstehen!

Bei Begegnungen mit anderen Hunden zeigt er ganz verschiedene Verhaltensmuster. Von Stillsitzen und Leckerli mampfend (wie damals bei Andreas) bis zum ich-häng-hier-mal-den-Larry-raus liegt alles drin. Die meisten Hunde laufen hier ja frei herum und so kommt es immer wieder mal vor, dass der eine oder andere zu uns herkommt. Dann passiert gar nichts, man beschnüffelt sich und das war's. Und gar nicht so selten entwickelt sich sogar ein Spielchen daraus, toll, was?

Kraulen und Streicheleinheiten werden gerne mitgenommen, manchmal sogar eingefordert. Nicht nur von mir lässt er sich beschmusen (und zum Glück auch kämmen!), sondern auch von meinen Freunden und Bekannten. Und Fremde sollen ihre Finger sowieso weglassen!

Kinder sind, sofern sie sichtbar sind und nicht als Horde auftreten, anscheinend kein Problem. Treffen wir welche im Wald oder auf der Straße, läuft das für ihn völlig stressfrei ab. Unlängst war sogar eine Freundin mit ihrer (angenehm sensiblen) 15 Monate alten Tochter bei uns und nach einer Weile hat er die Kleine sogar zum Spielen aufgefordert. Nur wenn Kinder im Nachbarsgarten mit Getöse herumtollen, dann kommt er zu mir und möchte Sicherheits-Beistand. Da holt ihn die Vergangenheit ein. Aber ich denke, das wird sich mit der Zeit legen und so oft kommt es ja auch nicht vor.

Ich glaube behaupten zu können, dass Gus glücklich ist. Er ist sehr ausgeglichen und oft strahlt er mich einfach nur so an. Und er ist ein Denker! Dann steht er vor mir, fast schon wie eine Statue, schaut mich minutenlang an und man spürt geradezu, wie es in seinem Kopf arbeitet. Aber er ist auch ein Schlitzohr! Als ich neulich kurz zum Einkaufen weg war, hat er sich ein Stück Apfelkuchen von der Tortenplatte, extra ganz hinten auf der Küchenzeile platziert, gemopst. Fast genau im Dreiecksformat eines Kuchenstücks. So raffiniert, dass es mir nur an der "ausgefransten Schnittstelle" aufgefallen ist. Und davor lagen 2 Haare von Gus auf der Küchenzeile!

Gus ist ein feiner Kerl, ein Schatz! Ich bin sehr froh, dass ich vor 2 Wochen im Nordlicht die richtige Entscheidung getroffen habe!

Nun drücke ich Callis, Gus' ehemaliger Zwingergefährtin, ganz fest die Daumen, dass auch sie bald umziehen darf!

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bedanken bei Frau Harders und Andreas - für ihren intensiven Einsatz, bei Silvia Klüppelberg - es war sehr interessant und aufschlussreich bei ihr, und ich möchte mich bei meinem guten Freund Ferdi bedanken, der uns auf dem Trip ins Nordlicht begleitete und uns so tatkräftig unterstützt hat.

Penny S. und das Super-Rudel

Wir wünschen der gewachsenen Familie von Herzen alles Gute!