Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im August 2016 ein neues Zuhause gefunden haben

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Maya – die Prinzessin hat endlich ihr Königreich

Maya

MayaAls Maya zu uns in die Station kam, hatte sie schon eine kleine Odyssee hinter sich: Vom normalen Familienhund wurde sie zum „Balkon-Hund“ und ein erster Vermittlungsversuch war schiefgegangen, da sich Maya nicht mit dem vorhandenen Rüden vertrug. Also wandte sich ihre damalige Betreuerin an uns und wir nahmen die Husky-Dame auf. Auch in der Station wurde schnell deutlich, dass Maya zwar mit den anderen Hunden ihrer Gruppe notgedrungen klarkommen musste, aber eben nur notgedrungen. Lieber wäre sie Einzelhund gewesen.

Die 8-jährige Maya entwickelte sich vom grauen Mäuschen zu einer regelrechten Schönheit, aber erstaunlicherweise meldete sich lange niemand für sie. Nicht einmal eine Vorstellung im Fernsehen brachte den erhofften Erfolg. – Wir waren ehrlich gesagt ratlos.

Dann aber traten doch Interessenten mit Husky-Erfahrung auf den Plan, deren Hunde mittlerweile alle verstorben waren und die explizit nur einen Einzelhund haben wollten. Beim unverbindlichen Kennenlern-Termin herrschte auf Anhieb allseitige Sympathie. Diese Menschen waren wie geschaffen für Maya!

Maya

Nach Abwicklung der obligatorischen Formalitäten durfte Maya schließlich umziehen und eines ist gewiss: sie weint der Station keine Träne nach. Endlich darf sie nun nämlich das Prinzessinnen-Leben führen, das wir uns für sie gewünscht hatten und Maya fühlt sich rundherum wohl. Aber lassen wir einfach die neuen Dosenöffner zu Wort kommen:Maya

„Es war ein trauriger Samstag, der 2. April, an dem wir uns von Alfie, unserem letzten unserer drei Nordischen, nach 8 gemeinsamen Jahren verabschieden mussten. Eigentlich wollten wir nach 19 Jahren Leben mit Hund eine Pause einlegen. Doch die Totenstille am Abend war schier unerträglich. So setzte ich mich schließlich an den PC und rief sämtliche Seiten der umliegenden Tierheime auf – nur mal so aus Neugier, ob nicht ein Husky oder Malamute-Mix in der Vermittlung war. Fehlanzeige. Da fiel mir die Nothilfestation für Polarhunde ein, die wir damals – vor 19 Jahren – um Rat gefragt haben, als wir mit unserem ersten Hund, der Huskyhündin Balina, so unsere Erfahrungen machten…
Die Homepage mit den Notfällen erschütterte uns. Besonders eine Hündin fiel uns auf: Maya – und damit war es mit unserem Vorsatz vorbei!

Nachdem wir eine Nacht darüber geschlafen haben, schrieb ich am Sonntagmorgen eine E-Mail mit einer schüchternen Anfrage und erhielt bereits mittags die Antwort. Nach einem sehr netten Telefonat mit einer Pflegerin erhielten wir schon wenige Tage später die Gelegenheit, Maya bei einem ersten Gassigang kennenzulernen. 14 Tage später durften wir sie dann zu uns nach Hause holen.

Die mehrstündige Heimfahrt war für Maya sehr anstrengend, sie fährt offensichtlich nicht gerne Auto. Doch schon beim ersten Gassigang schien sie sich mit ihren neuen Besitzern und der neuen Umgebung anzufreunden. Sie war von Anfang an sehr zutraulich und holt sich bei jeder Gelegenheit ihre Streicheleinheiten ab. Schnell hat sie sich an die räumlichen Gegebenheiten ihres neuen Zuhauses gewöhnt und ihren Schlafplatz in unserem Schlafzimmer vom ersten Tag an angenommen. Sie genießt es, gestriegelt zu werden und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben. Gäste werden mit lautem Gebell begrüßt – auch das eine neue Erfahrung.

Was wir unterschätzten: Maya ist mit ihren 8 Jahren noch enorm fit und hat Kräfte wie ein Stier! Das Gassigehen mit ihr kann ganz schön anstrengend werden, wenn sie auf Beutetiere wie Kaninchen, Katzen oder Vögel trifft. Mäuse werden sofort verschluckt. Aber auch andere Hunde begrüßt sie auf ihren Hinterbeinen und ist kaum noch zu halten. Da wir das von unseren drei Nordischen so nicht kannten, haben wir Kontakt mit einer Hundetrainerin aufgenommen, die uns mit Rat und Tat zur Seite steht.

Denn eines steht für uns fest: Maya bereichert unser Leben und bleibt bei uns bis zu dem Tag, an dem auch sie in die ewigen Jagdgründe eingehen muss...“

Maya

Wir hoffen, dass dieser Tag noch in weiter Ferne liegt und Maya mit ihren geliebten Menschen in den nächsten Jahren noch viel erleben und genießen darf. Wir freuen uns sehr, dass unsere Hübsche diese Chance erhalten hat und bedanken uns ganz herzlich dafür.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt

 


 

Tatonkas Aufstieg vom Musher- zum Familienhund

Tatonka

Als Tatonkas Herrchen Anfang 2016 verstarb, standen plötzlich 14 Hunde mehr oder weniger auf der Straße. Der Besitzer war Schlittenhundesportler und hatte Vierbeiner in sämtlichen Altersklassen. Die Erben konnten und wollten die Tiere, die allesamt keine Wohnung kannten, nicht behalten. TatonkaSie nahmen mit mehreren Vereinen Kontakt auf und verteilten die verwaisten Pelzgesichter bestmöglich. Nach einer Zwischenstation im Tierheim Karlsruhe kamen auch Tatonka und zwei weitere Nordische zu uns in die Station und später noch eine Border Collie-Hündin.

Tatonka war mit seinen 10 Jahren der Älteste der Truppe, aber in Sachen Fitness noch gut bei der Sache. Man merkte einfach, dass ihm das Laufen im Blut lag und er unterwegs regelrecht aufblühte. Aber es war auch spürbar, dass er in seinem bisherigen Leben noch nicht viel kennen gelernt hatte. Neue Situationen überforderten ihn erst mal und bei Fremden war er eher zurückhaltend, vor allem wenn sie schnelle Bewegungen machten und womöglich den Arm hoben.

Kurz gesagt: die Interessenten überschlugen sich nicht gerade vor Begeisterung, auch wenn die Helfer in der Station Tatonkas Charakter sehr schätzten. Er machte keinen Ärger mit seinen Artgenossen (war sogar im Gegenteil eher selbst Mobbingopfer als Aggressor) und war gegenüber Menschen nie herausfordernd geworden.

Tatonka wir Familienhund

Als sich dann im Mai eine Familie zu Besuch anmeldete, die bereits öfters von diversen Vereinen Hunde im fortgeschrittenen Alter übernommen hatte, war das für Tatonka der Hoffnungsschimmer am Horizont. Weder mit dem knapp 9-jährigen Sohn noch mit der jungen Hündin Ylva gab es Probleme, also waren die ersten Hürden schon genommen. Doch überstürzen wollte Familie R. die Adoption nicht und so zogen noch ein paar Wochen ins Land, bis tatsächlich die Entscheidung für Tatonka fiel und er seinen Wohnsitz wechseln durfte.

Für unseren Großen wurde damit alles anders: neue Menschen, neue Umgebung, neue Artgenossin, neuer Tagesablauf. Ziemlich verwirrend für Tatonka. Also zog er sich erst mal in sein Schneckenhaus zurück.Tatonka und die neue Kumpeline

„Tag 1: Haus doof, große Menschen doof, Ylva doof. Alles in allem seeeehr scheu/ängstlich, am liebsten 2-4m Abstand. Unseren Sohn hat er sofort kontaktiert. Er hat auch draußen geschlafen. Wir lassen ihm natürlich alle nötige Zeit.

Inzwischen kommt er auch immer mal wieder tagsüber rein. Die Nacht hat er sogar auf dem Sofa verbracht (ich habe eine kleine Webcam zum Beobachten).

Alles gut! Ich denke in ca.2 Wochen wird sich das alles normalisiert haben. Das ist ein netter Kerl, er ist Kindern gegenüber viel aufgeschlossener als bei Erwachsenen.“

Tatonka und YlvaDoch mit dem nötigen Einfühlungsvermögen und der vorhandenen Erfahrung war klar, dass Tatonka sich einleben würde. Und für uns aus der Ferne war es sehr schön zu wissen, dass es keinen „Erfolgsdruck“ gab, sondern einfach abgewartet wurde, bis der Neuzugang genügend Vertrauen fasst.

„Tatonka kommt jetzt schon immer öfter mal richtig zur Ruhe. Mit Ylva versteht er sich prima. Sie schirmte die ersten Tage zwar manchmal Ressourcen ab, aber das ist inzwischen schon fast weg.

Wenn wir aus dem Haus zur Arbeit gehen, dauert es 1-2 Stunden, in denen er unruhig zum Tor und zurück wandert. Dann kommt er zur Ruhe und döst irgendwo friedlich vor sich hin. Manchmal auf dem Sofa.

Wenn ich nach Hause komme, sehe ich ganz klar, dass er sich gerne freuen will, aber sich nicht so recht traut. Da wackelt kurz der Schwanz, während er mich sieht, aber er entscheidet sich noch für Abstand und Sicherheit.

Wenn wir zuhause sind, kommt er inzwischen immer wieder neugierig rein und schaut, was wir so tun. Eine schnelle Bewegung von mir und er flitzt. Es ist inzwischen klar erkennbar, dass er insbesondere Männern gegenüber sehr scheu bis ängstlich ist. Aber das immer 100% defensiv! Wir lassen ihm einfach die Zeit, die er dann jetzt braucht, um zu vertrauen.

Gassigehen funktioniert problemlos. Nachts ist er jetzt immer im Haus.

Füttern im Haus mit Menschen ist noch schwierig. Wir machen das jetzt so, dass unser Sohn ihm die Futterschüssel hält, während gleichzeitig Ylva frisst. Anfangs an der Tür, jetzt schon 3m weiter drin.“

Knappe zwei Wochen später gab es weitere Fortschritte zu berichten:

Fressen gemeinsam im Haus„Füttern im Haus, prima. Mit Ylva prima. Geschirr an und ablegen klappt. Meine Hand darf sich in seine Nähe bewegen. Er kommt auch schon mal zum Streicheln und dann kann es sogar vorkommen, dass er sich auf die Seite legt.

Bei hektischen Bewegungen ist er noch vorsichtig, aber selbst da läuft er nicht mehr immer weg, sondern bleibt auch mal liegen.

Ein super toller Hund, der nun schon so richtig zur Familie gehört. Sein Vertrauen wächst täglich. Das ist schön zu beobachten.“

Die Geduld hat sich ausgezahlt und Tatonka kann mittlerweile die Annehmlichkeiten seines neuen Lebens auch genießen. Das hätte er sich ein halbes Jahr davor wohl kaum träumen lassen, als seine Welt nur aus Zwinger und Hunderennen bestand…

„Inzwischen sieht man, dass er sich wohl fühlt. Buddelt Löcher im Garten, klaut Käsebrote vom Küchentisch und fordert laut huh-huh-rufend Futter ein, wenn die Zeit ist. Durch das Familienleben gewinnt sein Fell Farbe. Er wirkt weniger grau. Fellfett mit Staub lässt halt nach...

Ein sehr angenehmes Familienmitglied!“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Wir hätten uns für Tatonka keinen besseren Platz wünschen können und sagen ganz herzlich DANKE fürs Durchhalten und den unbeirrbaren Glauben an unseren Großen!

Tatonka und Ylva

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt

 


 

Ayaks – wenn die Station nur ein Sprungbrett ist…

Ayaks

Selten bekommen wir einen Hund mitsamt Interessenten „geliefert“. Bei Ayaks aber war es so. Wir haben ihn von einem befreundeten Verein übernommen, da er schon ein paar Monate unbeachtet im Tierheim in Bulgarien saß. Allerdings war Ayaks auf unserer Homepage unter den „Notfällen anderer Orgas“ vorgestellt und tatsächlich meldeten sich kurz vor seiner Ausreise nach Deutschland zwei Interessenten.Ayaks im neuen Rudel

Die eine Familie hätte erst nach ihrem Sommerurlaub einen Vierbeiner aufnehmen können, aber die anderen Interessenten wollten Ayaks als Dritthund und er sollte mit zum Campen. Und das Beste daran: diese zweite Familie ist uns bereits bekannt, da sie vor einigen Jahren schon eine ältere Husky-Hündin von uns adoptiert hat. Nach deren Tod stolperte Familie R. bei der Lektüre der Homepage über Ayaks‘ Beschreibung und erkannte darin so viele Eigenschaften der verstorbenen Begleiterin wieder, dass sie sich Ayaks gut im Team mit ihren beiden Samojeden-Hündinnen vorstellen konnten.

Ayaks neues Zuhause

Bei einem ersten Kennenlernen in der Station sprang dann auch gleich der Funke über. Sogar Rosa, die ältere Hündin, die Artgenossen durchaus kritisch beäugen kann, zeigte spontan Sympathie für diesen jungen Burschen. Das ganze RudelUnd die jüngere Eve hat ihn auf Anhieb als Spielkameraden auserkoren, auch wenn er vor lauter Euphorie teilweise etwas wilder wurde. Die Sache war also geritzt und rund eine Woche später konnte Ayaks nach einer Zwischenübernachtung in seinem neuen Zuhause einziehen. Oder eigentlich auch nicht so richtig, denn der Campingurlaub stand kurz bevor und so ging es recht schnell auf Reisen, wo dann gleich auf relativ engem Raum das wahre „Zusammenleben“ geübt werden konnte. Fazit: klappte prima.

Was er in den ersten Wochen nach der Vermittlung so alles erlebt hat, erzählen die glücklichen Besitzer selbst:

Mit Ayaks geht bisher alles wie erwartet problemlos. Auf dem Campingplatz, beim Fressen usw. war alles problemlos. Auf Trockenfutter steht er offenbar gar nicht, weder das mitgebrachte noch unseres. Er frisst nicht so viel auf einmal wie unsere, also mehrere Portionen...

Ayaks und die neuen KumpaneGestern waren wir noch in unserem Hundeverein Erst blieb er angeleint, weil so viel Neues und so viele Hunde.... . Später konnten wir auf der Wiese noch ein bisschen in den Freilauf gehen und er spielte ganz schön mit Eve und einigen anderen Hunden, ging auch selbstbewusst auf Große zu. Er freute sich sehr über das Rennen.

Abends endlich zuhause musste auch noch das Haus und der Garten erkundet und unser Sohn kennen gelernt werden. Da war er etwas skeptisch, da er nicht damit rechnete, dass noch jemand da wohnt. Vielleicht hatte er auch früher schlechte Begegnungen mit jungen Männern, aber er ließ sich dann schon zusammen mit Eve knuddeln.“

Nachdem Ayaks sein Zuhause einige Tage unter die Lupe genommen hatte, ging es auf zu neuen Abenteuern – oder, wie die Menschen zu sagen pflegen: in den Urlaub.

„Heute lernte Ayaks anscheinend zum ersten Mal Wellen kennen, wenn es auch nur die von Schiffen am Rhein waren...

Wir waren eine Woche quer durch Deutschland unterwegs und haben dabei eine tolle Hundeheilpraktikerin und Hundetrainerin kennen gelernt.Campingurlaub

Letzte Woche war schon mehr der Alltag eingekehrt und auch diesen konnten wir gut mit Ayaks meistern. Er wurde bereits im Hundeverein eingeführt, seine erste Übungsstunde scheiterte leider aufgrund des starken Regens... Der Regen machte ihm allerdings gar nichts aus und er tobte mit einigen anderen Hunden auf dem Gelände herum. Bei Auseinandersetzungen konnte er sich jedoch gut heraushalten.

Eve und Ayaks verstehen sich weiterhin gut, Rosa passt auf, dass alles in geordneten Bahnen abläuft. Das wilde Spielen mit viel Gebeiße wurde Eve inzwischen zu viel und sie hat ihm sehr rücksichtsvoll verständlich gemacht, wie sie lieber spielen will.“

Es spielt sich also wortwörtlich alles ein und wir sind sicher, dass Ayaks nun ein tolles Leben vor sich hat. Womöglich wird er sogar dieselbe „Laufbahn“ wie Eve einschlagen und künftig als Begleithund im sozialen Bereich agieren. Das nötige Talent und Einfühlungsvermögen können wir uns bei ihm gut vorstellen – ob es ihm auch Spaß macht, wird sich herausstellen. Aber selbst wenn nicht, steht für seine Familie fest, dass sie Ayaks nicht mehr missen möchte.

Ayaks im Urlaub

Wir freuen uns sehr, dass Ayaks der Station so schnell wieder den Rücken kehren durfte und es ihm künftig an nichts mehr fehlen wird. Wir wünschen dem netten Gespann noch viele glückliche Jahre.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt

 


 

Pan, der Senkrechtstarter

Pan

PanKaum hatten wir Pan von einer anderen Orga übernommen und er war in unserer Auffangstation eingezogen, schon gab es Interessenten für ihn. Das heißt: eigentlich waren sie gar nicht für ihn, aber er hat sie sich einfach „geschnappt“, bevor ein anderer zum Zuge kommen konnte.

Wie in so vielen Fällen ist auch Familie J. vom „Husky-Virus“ infiziert und hatte nach dem Tod ihres zweiten nordischen Begleiters den Wunsch, wieder einen Sichelrutenträger zu adoptieren. Der letzte Kamerad war ein ebenfalls aus dem Tierschutz stammender und nicht gerade unkomplizierter Zeitgenosse, der sich bis ans Lebensende von Fremden nicht anfassen ließ. Insofern konnte sie auch nicht schrecken, dass unser frecher Pan durchaus eine Neigung zu teilweise gröberen Interaktionen hat – eben noch ein recht unerzogener Geselle, was jedoch angesichts seiner Herkunft aus einem riesigen und überfüllten Tierheim nicht weiter verwunderlich ist.

Pan

Doch die regelmäßigen Besuche der Interessenten festigten die Bindung und allmählich begann auch Pan zu begreifen, dass er sich an gewisse Regeln halten musste, wenn er ein neues Zuhause finden wollte. Zum Beispiel, dass die Mini-Hündin der erwachsenen Tochter kein Futter ist! Mit dieser kleinen Dame wohnt Pan zwar nicht zusammen, aber die durchaus selbstbewusste Hundelady ist meistens tagsüber zur Betreuung bei „Oma und Opa“, während ihr Frauchen arbeitet.Pan Und so war es unerlässlich, dass die beiden sich zumindest akzeptieren, wenn auch nicht zwangsläufig lieben. – Aber diese Hürde hat Pan mit Hilfe eines versierten Hundetrainers gut genommen.

Eine ganz andere und völlig unerwartete „Hürde“ stellte sich beim ersten Beschnuppern des neuen Zuhauses heraus: Pan wollte keine Treppen steigen. Ziemlich ungeschickt, wenn man die Haustür nur über Stufen erreicht und die Wohnung dann auch noch im ersten Stock liegt – ohne Aufzug. Also musste auch hier trainiert werden, damit Pan mit dieser Situation umzugehen lernte. Und er hat es mit der unerschütterlichen Unterstützung seiner Menschen geschafft.

Mittlerweile stellen weder die hündische Gefährtin noch die Treppen mehr ein Problem dar und Pan hat sich hervorragend eingelebt. Auch im Urlaub war er schon dabei und hat sich an Strand und Meer vergnügt, wo hund ganz herrlich toben kann.

Familie J. hat aus Pan einen glücklichen Vierbeiner gemacht, der sich darauf verlassen kann, dass seine Besitzer mit Geduld und Zielstrebigkeit sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen und ihm ein hundegerechtes Leben ermöglichen. Niemand weiß, wie Pans Vergangenheit ausgesehen hat, aber seine Zukunft ist eindeutig rosig. – Wir wünschen der ganzen Familie noch viel Spaß miteinander und freuen uns über diese gelungene Vermittlung.

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt

 

 

 


 

Aira bringt die Augen zum Strahlen

Aira

AiraDie etwa 8-jährige Aira war ein bisschen das Sorgenkind der Station: Auf Umwegen kam sie zu uns, da die Erstbesitzer sie loswerden wollten und der Hundefreund, der sie vor einem ungewissen Schicksal bewahrt hatte, konnte sie nicht behalten, da sie sich in seinem Rudel nicht besonders wohl fühlte und insbesondere keine Welpen akzeptierte, was mit seiner Tierschutzarbeit nicht vereinbar war.

Das mit dem Wohlfühlen war auch im Stations-Alltag so eine Sache – Aira separierte sich in der Hundegruppe und war so unglücklich, dass wir sie schließlich in die Halle holten, wo es ihr psychisch etwas besser ging. Das Gelbe vom Ei war aber auch das nicht. Es gab zwar eine Gassigängerin, die sich besonders um Aira bemühte, doch auch diese Zuwendung war für unser Sensibelchen nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Bald waren wir genauso nah am Verzweifeln wie Aira. Wir brachten sie bei den Interessenten immer wieder ins Gespräch, aber nirgends wollte der Funke so richtig überspringen. Naja, sie machte es potentiellen Neu-Besitzern auch nicht unbedingt einfach, wenn sie mal wieder jegliche Annäherungsversuche abblockte und zaghafte Streichel-Ansätze mit Schnappern (in die Luft) unterband. – So macht man sich eben keine Freunde.Aira

Das soll jetzt aber keinesfalls heißen, dass Aira ein aggressiver oder sonstwie böser Hund ist. Sie braucht nur einfach Vertrauen, um sich den Menschen zu öffnen. Bei den Pflegerinnen aus der Station zeigte sie sich erfreut und versuchte es sogar mit unbeholfenen Spielaufforderungen. Aber das nützt ja alles nichts, wenn Interessenten nun mal zunächst Fremde sind und Aira diese lieber auf Abstand hält.

Als wir schon fast resignierten, geschah doch noch ein Wunder. Es gibt einige Ortschaften weiter eine fitte Seniorin, deren Spitzname „Husky-Frau“ schon unmissverständlich klar macht, welchen Vierbeinern ihr Herz gehört. Mit ihrer zwischenzeitlich verstorbenen Husky-Dame war sie täglich stundenlang in der gesamten Umgebung unterwegs und durch sie bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“.

Aira

Im Frühjahr 2016 suchte die Husky-Frau den Kontakt zu Mitgliedern unseres Vereins, um mit deren Vierbeinern die eine oder andere Runde drehen zu dürfen. An einen eigenen Hund dachte sie dabei nicht, denn sie könnte auf Dauer keinem jungen Husky mehr gerecht werden. Doch geistesgegenwärtig erzählten die Mitglieder von Aira und dass diese gar nicht weit entfernt in der Auffangstation lebt. – Damit kam der Stein ins Rollen.Aira

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Die Husky-Frau kam, sah Aira und auf Anhieb waren sich Zwei- und Vierbeiner sympathisch. Das Frauchen strahlte regelrecht, als sie vom Gassigehen zurück kam. Und wir auch. Endlich hatten wir den passenden Deckel zum Topf gefunden: diese beiden konnte man auf keinen Fall mehr auseinanderreißen! So kam es, dass Aira noch am selben Abend von einer Helferin in ihr neues Zuhause gebracht wurde und ab da ihr wohl glücklichster Lebensabschnitt begann.

AiraBeim Sommerfest Ende Juli waren Aira und ihr Frauchen zu Besuch da und wenn wir nicht gewusst hätten, wen wir vor uns haben, dann hätten wir unseren ehemaligen Schützling nicht mehr wiedererkannt. Aus dem struppigen, stumpfen Fell sind schwarzglänzende, seidenweiche Haare geworden. Und endlich hat sie ein paar Pfunde mehr auf den Rippen, denn zu Stations-Zeiten war sie viel zu dünn und hatte oftmals keinen Appetit. Baff waren wir dann, als wir hörten, dass täglich rund 5 Stunden Gassigehen auf dem Programm stehen. Wow! Von solch einem Pensum träumt wohl manch ein unterforderter Nordischer. Aber dass ausgerechnet Aira dies nun locker absolviert, wo sie bei uns nicht gerade mit Kondition glänzte, ist schon erstaunlich.

Eine vollkommenere Wandlung als bei Aira ist wohl kaum denkbar. Wenn wir nicht schon davor sicher gewesen wären, den perfekten Platz für sie gefunden zu haben, dann hätte uns spätestens ihr Auftritt beim Sommerfest davon überzeugt. – Hut ab vor Frau St., die aus Aira mit größter Selbstverständlichkeit das gemacht hat, was sie nun ist: eine ausgeglichene, selbstsichere, sichtlich glückliche und wunderschöne Husky-Hündin. Herzlichen Dank!

 

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt