Die "Glückspelze" der Nothilfe für Polarhunde e.V. danken allen, die mitgeholfen haben, ihnen einen Platz zum Leben zu geben.
Nordische, die im August 2016 ein neues Zuhause gefunden haben

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Aira bringt die Augen zum Strahlen

Die etwa 8-jährige Aira war ein bisschen das Sorgenkind der Station: Auf Umwegen kam sie zu uns, da die Erstbesitzer sie loswerden wollten und der Hundefreund, der sie vor einem ungewissen Schicksal bewahrt hatte, konnte sie nicht behalten, da sie sich in seinem Rudel nicht besonders wohl fühlte und insbesondere keine Welpen akzeptierte, was mit seiner Tierschutzarbeit nicht vereinbar war.

Das mit dem Wohlfühlen war auch im Stations-Alltag so eine Sache – Aira separierte sich in der Hundegruppe und war so unglücklich, dass wir sie schließlich in die Halle holten, wo es ihr psychisch etwas besser ging. Das Gelbe vom Ei war aber auch das nicht. Es gab zwar eine Gassigängerin, die sich besonders um Aira bemühte, doch auch diese Zuwendung war für unser Sensibelchen nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Bald waren wir genauso nah am Verzweifeln wie Aira. Wir brachten sie bei den Interessenten immer wieder ins Gespräch, aber nirgends wollte der Funke so richtig überspringen. Naja, sie machte es potentiellen Neu-Besitzern auch nicht unbedingt einfach, wenn sie mal wieder jegliche Annäherungsversuche abblockte und zaghafte Streichel-Ansätze mit Schnappern (in die Luft) unterband. – So macht man sich eben keine Freunde.

Das soll jetzt aber keinesfalls heißen, dass Aira ein aggressiver oder sonstwie böser Hund ist. Sie braucht nur einfach Vertrauen, um sich den Menschen zu öffnen. Bei den Pflegerinnen aus der Station zeigte sie sich erfreut und versuchte es sogar mit unbeholfenen Spielaufforderungen. Aber das nützt ja alles nichts, wenn Interessenten nun mal zunächst Fremde sind und Aira diese lieber auf Abstand hält.

Als wir schon fast resignierten, geschah doch noch ein Wunder. Es gibt einige Ortschaften weiter eine fitte Seniorin, deren Spitzname „Husky-Frau“ schon unmissverständlich klar macht, welchen Vierbeinern ihr Herz gehört. Mit ihrer zwischenzeitlich verstorbenen Husky-Dame war sie täglich stundenlang in der gesamten Umgebung unterwegs und durch sie bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“.

Im Frühjahr 2016 suchte die Husky-Frau den Kontakt zu Mitgliedern unseres Vereins, um mit deren Vierbeinern die eine oder andere Runde drehen zu dürfen. An einen eigenen Hund dachte sie dabei nicht, denn sie könnte auf Dauer keinem jungen Husky mehr gerecht werden. Doch geistesgegenwärtig erzählten die Mitglieder von Aira und dass diese gar nicht weit entfernt in der Auffangstation lebt. – Damit kam der Stein ins Rollen.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Die Husky-Frau kam, sah Aira und auf Anhieb waren sich Zwei- und Vierbeiner sympathisch. Das Frauchen strahlte regelrecht, als sie vom Gassigehen zurück kam. Und wir auch. Endlich hatten wir den passenden Deckel zum Topf gefunden: diese beiden konnte man auf keinen Fall mehr auseinanderreißen! So kam es, dass Aira noch am selben Abend von einer Helferin in ihr neues Zuhause gebracht wurde und ab da ihr wohl glücklichster Lebensabschnitt begann.

Beim Sommerfest Ende Juli waren Aira und ihr Frauchen zu Besuch da und wenn wir nicht gewusst hätten, wen wir vor uns haben, dann hätten wir unseren ehemaligen Schützling nicht mehr wiedererkannt. Aus dem struppigen, stumpfen Fell sind schwarzglänzende, seidenweiche Haare geworden. Und endlich hat sie ein paar Pfunde mehr auf den Rippen, denn zu Stations-Zeiten war sie viel zu dünn und hatte oftmals keinen Appetit. Baff waren wir dann, als wir hörten, dass täglich rund 5 Stunden Gassigehen auf dem Programm stehen. Wow! Von solch einem Pensum träumt wohl manch ein unterforderter Nordischer. Aber dass ausgerechnet Aira dies nun locker absolviert, wo sie bei uns nicht gerade mit Kondition glänzte, ist schon erstaunlich.

Eine vollkommenere Wandlung als bei Aira ist wohl kaum denkbar. Wenn wir nicht schon davor sicher gewesen wären, den perfekten Platz für sie gefunden zu haben, dann hätte uns spätestens ihr Auftritt beim Sommerfest davon überzeugt. – Hut ab vor Frau St., die aus Aira mit größter Selbstverständlichkeit das gemacht hat, was sie nun ist: eine ausgeglichene, selbstsichere, sichtlich glückliche und wunderschöne Husky-Hündin. Herzlichen Dank!

Das Team der Nothilfe für Polarhunde e.V., Freudenstadt