Aufs Kreuz gelegt: Wie man sich mit Rangreduktionsmaßnahmen selbst ein Bein stellt

Obwohl gerade unserer Nordischen als unabhängige, ursprüngliche Hunde gelten, die sich dem Menschen niemals unterwerfen, allenfalls fügen, wenn man sie nur lange und oft genug bedrängt, sind unter den Haltern nicht wenige Anhänger verstaubter Theorien, nach denen ein Hund nur seinen Platz im Rudel kennen muss. Obwohl es bereits seit Jahrzehnten bekannt ist, dass diese Annahme auf Missverständnissen beruht, ist eine Rangordnung aus den Köpfen vieler Hundehalter nicht herauszubekommen.
Warum es diese nicht gibt und was sogenannte „Rangreduktionsmaßnahmen“ bewirken und warum sie manchmal doch funktionieren, ist ein vielschichtiges Thema. Deshalb ist dieser Artikel bisweilen ausschweifend und langatmig, aber ungemein wichtig.

Hund = Wolf?
Damalige Genanalysen haben bestätigt, dass der Grauwolf (Canis lupus) der Urahn unserer Haushunde (Canis lupus familiaris) ist. Noch im selben Atemzug als dieses Ergebnis verkündet wurde, wurden Stimmen von einigen Forschern laut, die eine interessante These vertraten: Wolf und Hund haben einen gemeinsamen, bereits ausgestorbenen Vorfahren. Dieser würde einige signifikante Unterschiede erklären, jenseits der gängigen Domestikationstheorie.

Vor nicht allzu langer Zeit gab es die ersten stichhaltigen Beweise für diese Hypothese. Eine neue genetische Untersuchung bestätigt die einst gewagte Aussage. Auch erklärt sie, warum die meisten Haushunde – anders als der Grauwolf – Stärke aufspalten kann, nebst der Tatsache, dass der Hund lange mit dem Menschen gelebt hat.

Viel wichtiger als diese Einzelheiten ist aber die sozialer Struktur, in der Hunde und Wölfe leben. Sie unterscheiden sich deutlich voneinander. Während der Wolf in der Regel monogam ist, also eine Paarbindung eingeht (Ausnahme: Der sogenannte „Casanova-Wolf“) und in einem Familienverband lebt, ist der Hund ein semi-solitäres Lebewesen wie andere Caniden, z.B. der Kojote.
Hunde sind demnach dazu fähig in verschiedensten Konstellationen zu überleben, ob nun alleine, in Pärchen oder aber in losen Gruppen.

Hunde sind keine Rudeltiere
Das Bild, das Menschen von Hunden haben, gerät damit ins Wanken. Das vermeintliche Faktenwissen wird sozusagen über Bord geworfen und viele wollen sich nicht davon verabschieden. Der Hund war doch immer ein Rudeltier, das strengen Regeln unterworfen war und ohne diese Regeln würde das Tier automatisch zum „Problemfall“.

Nicht bestreitbar ist, dass Hunde normalerweise hochsoziale Tiere sind, die weitaus anpassungsfähiger sind, als ein Wolf es jemals könnte. Die lange vorherrschende Meinung, der Hund sei ein infantiler und zahmer Wolf, steht eine Armada an neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen entgegen, die zeigen, das es kein Tier neben dem Hund gibt, das den Menschen so gut versteht wie eben dieser. Nicht einmal Menschenaffen haben eine solche Bindung zu uns wie der Hund. Er hat ein unglaubliches Können entwickelt, um uns zu verstehen, dabei hat er die kognitiven Fähigkeiten eines menschlichen Kleinkindes!

Hunde können also in Gruppen zusammenleben, müssen es aber nicht unbedingt. Der domestizierte Hund sieht den Menschen als seinen Sozialpartner und das ist überhaupt die Errungenschaft an diesem Tier, das uns auf besondere Weise berührt.

Hunde sind semi-solitäre Lebewesen, die einzeln, in Pärchen oder in Gruppen leben. Ihre soziale Struktur ist mit denen von Kojoten als Hundeartige zu vergleichen. Je nach Nahrungsangebot leben sie in Gruppen oder aber schlagen sich alleine oder mit einem Partner durch die Gegend. Da nun auch Studien nahelegen, dass der Hund nicht vom heutigen Grauwolf direkt abstammt, sondern ihn eine gemeinsam Abstammung von einem „Urahn“ verbindet, ist es durchaus logisch, dass sich beide Arten in ihrer Sozialstruktur unterscheiden.
Auch der Wolf zeigt sich durchaus flexibler, selbst in freier Wildbahn. Das Phänomen der „Casanova-Wölfe“, die sich nicht auf eine feste Paarbindung einlassen, erinnert an den nicht-monogamen Haushund.

Der Mensch als Rudelführer?
Im vorigen Jahrhundert hat man Wölfe in Gefangenschaft beobachtet und hat festgestellt, dass sie einer strengen Hierarchie folgen.
Untergegangen ist dabei, dass es sich um Tiere handelte, die bunt zusammengewürfelt wurden und die nicht abwandern konnten. Um die Spannungen in so einer Gruppe zu kontrollieren, bildeten diese Wölfe eine Rangordnung ähnlich wie Primaten oder Hühner aus.
In freier Wildbahn konnte dies nicht beobachtet werden. Die natürliche leitendende Aufgaben übernahmen zwar die Elterntiere, deren Nachwuchs auch nicht darum konkurrierte, aber je nach Fähigkeit des einzelnen Wolfes, durfte auch ein Jungtier Entscheidungen treffen, die der Familie das Überleben sicherte. Spannungen, die zu handfesten Kämpfen geführt hätten, wurden durch Abwanderungen vorgebeugt. Kleinere Konflikte wurden durch feine Deeskalation bereinigt. Weder beanspruchten die Eltern alle Ressourcen für sich, noch versuchten die Jungen ihre Eltern zu verdrängen. In der Familie Wolf wird oft gemeinsam gegessen, der Nachwuchs bettelt sogar um Futter und die Altwölfe kommen dieser Bitte nach.Vertrauen des Hundes
Wölfe sind also hervorragende, freiheitliche Eltern, die sich den Respekt über Vertrauen und Zusammenhalt, sowie Schutz und Harmonie sichern.
Auch beschränken sie den Drang ihrer Nachkommen nicht, die Welt zu erkunden. Kein Wolfswelpe wird gezwungen, den Eltern zu folgen, keines wird vom Wildern abgehalten. Normalerweise müssen Altwölfe ihre Kleinen nicht verwarnen und kommt dies vor, ist ein Knurren oder gar Abschnappen die absolute Seltenheit.

Hunde sind dazu ebenfalls fähig. Auch wenn sie in der Regel nicht in Familien zusammenleben, sind auch sie wahre Meister der Konfliktvermeidung. Artgenossen, die sie nicht mögen, gehen sie normalerweise aus dem Weg. Es wird viel beschwichtigt und nur im Notfall um Ressourcen gekämpft. Sie halten sich an Artgenossen, die sie mögen.
Der Faktor Mensch ist hierbei entscheidend. Mehrhundehaltung hat zur Folge, dass der Hund vielen Konflikten eben nicht mehr aus dem Weg gehen kann. Nicht nur im häuslichen Bereich, auch auf Spaziergängen ist dies immer wieder zu beobachten. An der Leine kann ein Hund nicht so ausweichen, wie er es vielleicht möchte, auf Hundewiesen muss er Kontakt zu Hunden haben, die er nicht mag. Hier bleibt dem Hund nur noch übrig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln diese Reibungen abzubauen. Im unschönsten Fall sind das natürlich übermäßig aggressive Ausdrucksformen.

Mensch und Hund: biologisch kein Rudel!
Der Hund weiß genau: Wir sind keine Hunde! Sowohl geruchlich als auch optisch ist das für den Hund ein klarer Fall. Wir müssen und also nicht „verhundlichen“, ein gut sozialisierter Hund nimmt viele unserer groben Bewegung nicht mal mehr als Bedrohung wahr. Natürlich kann man darauf achten, einen Hund nicht anzustarren oder uns über ihn zu beugen, aber mehr müssen wir uns nicht zum Hund machen – denn oft machen wir uns nur zum Affen damit.
Hundliche Maßregelungen dienen obendrein nicht der Erziehung. Zumindest nicht so, wie der Mensch Erziehung definiert. Ein einmaliges Abschnappen der Mutterhündin wird beim Welpen nur selten dazu führen, dass er sein Verhalten komplett löscht. Findige Hundekinder stellen das Verhalten ihrer Mutter gegenüber ab, behalten die Verhaltensweise aber ansonsten bei.
Überträgt man das auf Hund-Halter-Teams, wird einem schnell klar: Maßregle ich meinen Hund, wird er wohlweislich das Verhalten mir gegenüber nicht mehr zeigen, unter der Oberfläche ist es aber noch da.
Hunde wissen, wie sie einen Aggressor beschwichtigen, egal ob dieser ein Hund oder ein Mensch ist.

Beispiel: Der Körperblock
Er wird gerne für alle Arten von Begrenzung angewandt. Er funktioniert natürlich auch bestens. Er ist ein sofort verstandenes Signal durch Körpersprache. Hunde wenden ihn häufig unter sich an. Dabei hat er aber verschiedenste Funktionen. Er wird beim Ressourcenverteidigen benutzt, beim Flirten bzw. Splitten, im Spiel oder bei der Spielaufforderung, beim Mobbing, beim Kämpfen und Rüpeln. Er ist keine Erziehungsmaßnahme, sondern lediglich ein Ausdruck momentaner Befindlichkeit des Hundes, der ihn anwendet. Der Mensch hingegen nutzt ihn, um bestimmtes Verhalten “verschwinden” zu lassen. Natürlich versteht der Hund, wenn er einige Male mit einem Körperblock daran gehindert wird, das Badezimmer zu betreten, schließlich will er ja nicht dauernd gemaßregelt werden. Aus Sicht des Hundes werden wir wahrscheinlich unsere Ressource “Badezimmer” verteidigen. Das ist wohl auch der Grund, warum es nur bei unserer Anwesenheit so gut klappt und warum wir diese “Regel” so oft auffrischen müssen. Gibt natürlich einige Hunde, denen ist das Bad vielleicht weniger wichtig als anderen und sie stellen das Verhalten tatsächlich ab. Dann haben wir vielleicht sogar “erzogen”.
Der Körperblock ist per se nichts Verwerfliches, man kann ihn zum Beispiel anwenden, um seinen eigenen Hund vor Gefahren zu schützen. Nur sehe ich persönlich sehr viele Menschen, die ihn unbewusst zum Mobben ihres Hundes einsetzen und ab da wird es zur fortwährenden Gängelei. Da es aber Hundesprache ist, wird es nicht hinterfragt. Bello stirbt schließlich nicht davon.

Der Alphawurf/Die Alpharolle
Unterwerfung? Nein. Ein Zufallsprodkt.

Den Hund mal eben aufs Kreuz gelegt. Ein Tipp, den man nicht selten hört, der immer wieder damit begründet wird, dass man dem ungehorsamen Hund nur mal zeigen muss, wer der Chef ist.
Wie bereits dargelegt wurde, gibt es so gesehen aber keine Rangordnung unter Hunden und Wölfen, ein Auf-den-Rücken-Drehen oder -Werfen des Unterlegenen durch das „dominante Alphatier“ ist daher also nicht einmal existent.
Natürlich kann man in einem Kommentkampf (ein Schaukampf, oft unter Rüden) das sogenannte „Pinnen“ beobachten. Der Gegner wird auf dem Boden fixiert und der Stärkere steht über dem Verlierer. Kommentkämpfe werden von rivalisierenden Tieren um eine bestimmte Ressource ausgetragen.
Als Mensch muss ich mich nun ernsthaft fragen, ob ich mich auf so einen Machtkampf einlasse, in dem ich mit meinem Tier um irgendetwas konkurrieren möchte.
Körpersprache des HundesAuch ist eine Rückenlage beim Pinnen eher ein Zufallsprodukt. Unterwirft sich ein Hund oder Wolf, in dem er sich auf den Rücken rollt (Kynologen sprechen von der „passiven Unterwerfung“), geschieht das freiwillig. Außerdem in der Regel nur gegenüber bekannten und vertrauten Tieren, denn diese Pose ist eine wahre Offenlegung. Einem aggressiven Fremden wird sich so ein Hund nicht präsentieren, weshalb eher Welpen eher dazu neigen, eine solche „passive Unterwerfung“ zu zeigen. Manche von ihnen behalten diese deeskalierende Maßnahme bei und werfen sich vor anderen Hunden sogar prophylaktisch auf den Rücken.
Moderne Sichtweisen legen sogar nahe, dass die „passive Unterwerfung“ gar nichts mit Unterwerfung zu tun hat, gleich ihrem Gegenstück der “aktiven Unterwerfung“ – die nichts weiter als ein Repertoire aus Beschwichtigungssignalen ist.
Unterwerfung an sich ist ein sehr menschlicher Begriff und sollte nicht anderen Tierarten übergestülpt werden.

Zwingt man einen Hund durch massive Gewalteinwirkung sich auf den Rücken zu drehen, beansprucht man seine Stellung durch Einschüchterung und Bedrohung. Das ist der einfache Grund, warum diese Hunde dann gefügig werden. Durch die besondere Bindung, die Hunde zu Menschen haben, kann das bei einem normalen Hund relativ gefahrlos anwenden. Niemand würde auf die Idee kommen, dies bei einem Wolf zu versuchen!
Doch gerade unter den freiheitsliebenden und stolzen Nordischen kommt es durch Alpharollen und anderen körpersprachlichen Maßregelungen wie dem Nackengriff oder dem Zwicken in die Halsseite zu unerwünschten bis blutigen Folgen.

Hundliche Körpersprache – für den Menschen nicht nachahmbar
Diese Körperlichen Maßregelung fußen auf der Idee, sich wie ein „Leittier“, also wie ein Wolf oder wie ein Hund zu verhalten. Natürlich nehmen uns Hunde nicht als Hunde wahr, aber rein anatomisch ist es uns nicht möglich, fein hundlich zu kommunizieren. Doch ein Hundekörper alleine würde uns noch nicht „Hündisch“ sprechen lassen. Viele Signale werden ausgesendet und empfangen, lange bevor wir als Menschen sehen, was sich zwei Hunde zu sagen haben. Selbst geübte Hundehalter und –trainer erkennen nur einen Bruchteil. In dieser Art und Weise zu sprechen, ist für einen Menschen völlig unmöglich. Es ist auch gar nicht nötig, der Hund und der Mensch haben eine gemeinsame Sprache entwickelt, um sich zu verstehen.

Das heißt nun aber nicht, dass man sich als Hundehalter nicht mit der Hundesprache auseinander setzen sollte: Ganz im Gegenteil! Es ist unabdingbar, die Befindlichkeiten des Hundes lesen zu können, um richtig zu reagieren, um Gefahr abzuwenden oder um Hundekontakt zu gestatten.

Geh weg!Binsenweisheiten wie, „ein Hund darf nicht knurren, sonst ist er respektlos“ sollten endlich ins Reich der Mythen und Märchen verbannt werden. Das Knurren ist schlicht und ergreifend ein Kommunikationsmittel. Es ist weder „böse“ noch „respektlos“. Es sagt in erster Linie, „Lass mich in Ruhe!“.
Das Knurren ist sowohl Teil des offensiven Drohverhaltens, wie auch des defensiven. Der Kontext spielt hier eine entscheidende Rolle. Der Rest des Körpers und die Situation geben Aufschluss, wie man sich am besten verhält. Bedrohe ich nämlich durch Unterwerfungsversuche einen offensiv drohenden Hund, ist die Gefahr unheimlich groß, dass dieser mich beschädigend angreift, weil er mir bereits eine „Kampfansage“ gegeben hat. Typisches Beispiel sind territorial aggressive Hunde, die das Eigentum ihres Herrn bewachen.
Einen defensiv drohenden Hund könnte ich durch Einschüchterung tatsächlich zur Aufgabe zwingen. Im Normalfall kommt er meiner „Kampfansage“ nach, auch wenn er vielleicht noch versucht, abzuschnappen. Hier ist aber der Grund des Knurrens ein sehr offensichtlicher: Der Hund hat Angst, er versucht sich zu verteidigen.
In beiden Fällen ist eine Bestrafung des Knurrens kontraproduktiv, in beiden Fällen ist ein Rückzug eine geeignete Deeskalierungsmaßnahme. Hat der Hund Angst überzeuge ich ihn damit, dass ich ihm nicht ans Leder möchte, ist der Hund territorial aggressiv, erkenne ich zunächst seine Grenze an. Das weitere Vorgehen, um das Problem zu beheben unterscheidet sich dann – dem Wachhund kann man sanft seinen Job abnehmen, dem Ängstlichen zeigen, dass Menschen keine Bedrohung sind. In keinem Falle ist eine gewalttätige Unterwerfung nötig oder sinnvoll.

Auch Zähneblecken bedeutet nicht automatisch, dass der Hund uns angreifen möchte. Zeigt er sein Gebiss vollständig und legt er die Ohren dabei seitlich an (meist ist der ganze Körper geduckt und die Rute wird eingezogen), spricht man von „Defensiv-Grinsen“, eine Abwehrhaltung. Ein solcher Hund möchte gar nicht mit uns kämpfen, ihm bleibt nur wenig Alternativen. Vielleicht kann er den Streit nicht schlichten, vielleicht kann er sich nicht zurückziehen?

Hunde legen sich je nach Erfahrung auch bestimmte Strategien an, um ein Gegenüber milde zu stimmen. Nicht selten versuchen sie spielerisch die Situation zu entschärfen oder eignen sich ein flirtendes Verhalten an. Bei japanischen Akitas und Shibas ist oft zu beobachten, dass sie ein Fangspiel starten, wenn der Mensch wütend auf sie ist. Der Mensch interpretiert die Spielerei ganz schnell als bösartiges Veralbern. Schlittenhunde probieren es öfter mit einem gekonnten Augenaufschlag, indem sie den Besitzer umgarnen, sofern sie noch keine Angst vor ihm haben. Unsere ursprünglichen Hunde zeigen auch ganz ursprüngliches Verhalten, zeigen deutlich mit ihren unverfälschten Körpern, was sie bewegt.

Strafe wirkt oberflächlich
Das Grundproblem der meisten Strafen ist dabei ein bekanntes Phänomen. Selten stirbt davon ein Verhalten aus, es wird eher durch Angst gehemmt. An der Oberfläche sieht es dann zunächst danach aus, dass der Hund das Verhalten eingestellt hat, das Muster selbst aber ist deswegen noch lange nicht gelöscht. Zudem könnte eine Verhaltensunterdrückung auf den Hund nicht nur belastend wirken, sondern schlimmstenfalls zum Ausbruch führen. „Der Hund hat aus dem Nichts zugebissen.“ – ein Ausspruch, der oft fällt.
Wie oft muss man Hunde ermahnen oder an eine Regel erinnern? Meist ein Zeichen davon, dass der Hund noch gar nicht richtig gelernt hat, was die Regel bedeutet oder was er statt seiner bisherigen „Fehler“ tun könnte. Menschen mögen das ständige Ermahnen aus irgendeinem unerfindlichen Grund lieber, als fortwährend Belohnung fürs richtige Verhalten. Forscher und Fachleute gehen davon aus, dass Hunde 7000 (!) erfolgreiche Wiederholungen in verschiedensten Situationen benötigen, ehe ein Verhalten als wirklich erlernt gilt.
Verlangen wir von unseren Vierbeiner vielleicht fünf Mal täglich ein „Sitz“, können wir hochrechnen, wie lange es braucht bis das „Sitz“ sitzt.

Der dominante Hund
Dominanz ist keine Eigenschaft, DEN dominanten Hund gibt es also gar nicht. Situativ kann ein Lebewesen natürlich dominant gegenüber einem anderen Sein, indem es über eine Ressource verfügt und entscheidet. Das bedeutet, dass tagtäglich der Mensch eine ganz natürliche Dominanz gegenüber dem Hund ausübt. Er verwaltet den Futternapf, verfügt über Spaziergänge, Nachtruhe, sogar mit wem der Hund zusammen sein muss etc.
Ihn auf einen imaginären Rang herabzusetzen, ist überhaupt nicht nötig.
Gerade pubertierende Jungrüden werden allzu oft abgegeben, weil sie angeblich zu dominant seien. Hat man die Burschen dann vor sich, erkennt man den Prototypen des Wanderpokals:
Ein meist unausgelasteter Rüde, der mit Hormonen und „Umbauarbeiten im Gehirn“ zu kämpfen hat, der vielleicht noch dazu zu hart angepackt wurde und eigentlich gar nicht weiß, was er tun soll. Führung im Sinne elterlicher Führsorge und Leitung hat er nicht erfahren, stattdessen wurde mit preußischer Steifheit und Drill versucht, dem Hund klarzumachen, dass er zu gehorchen habe.
Vor uns haben wir dann keinen dominanten Hund, sondern einen unsicheren Junghund außer Rand und Band. Ganz einem etwas unerzogenem Jugendlichen, den man erst überzeugen muss, dass eine Verhaltensänderung lohnenswert ist.

Wir dürfen nicht vergessen, warum wir die Nordischen lieben: Sie folgen, weil sie uns akzeptieren und lassen sich nicht unterjochen. Das heißt nicht, dass man sie einfach immer gewähren lassen muss, aber ein Hund, der weiß, dass es sich lohnt zu folgen, der wird es höchstwahrscheinlich auch tun.

-Tanja Pöhlmann-

 

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