Fundhunde oder "wie komme ich nach Hause?"


Es gibt die gewohnheitsmäßigen Streuner, die regelmäßig oder häufiger alleine in bestimmten Gebieten unterwegs sind und sich dabei meist von anderen Hunden und auch den Menschen fern halten und es gibt die anderen Streuner, die ganz erkennbar ohne einen Menschen unterwegs sind und froh über jede Ansprache sind - ganz einfach, weil sie jemanden verloren haben, als sie der ach so wundervollen Fährte hinterher sind und nun nicht mehr wissen, wie sie "nach Hause" kommen sollen.

Die Reaktionen der Menschen sind ganz unterschiedlich, die einen sehen weg und vergessen den Hund sofort, andere sehen auch weg und haben zumindest ein schlechtes Gewissen und einige, oft solche, die eh schon auf die eine oder andere Art dem Tierschutz verbunden sind, versuchen, des Streuners habhaft zu werden und seinen Besitzer ausfindig zu machen.

Was so einfach sein könnte, wird dann oft zu einer wahren Odyssee - für den Finder und den Halter! Hätte dieser Hund an seinem Halsband eine Metallmarke, so wie die Anhänger der Nothilfe für Polarhunde e.V. für die Pflegehunde, genügte ein Zettel, ein Stift und die Zeit, die eingestempelte Telefon-Nummer abzulesen und anzurufen - innerhalb kürzester Zeit könnten Halter und Hund vereint werden.

Aber in der Praxis sieht es denn ganz anders aus: ob der Hund einen Chip hat, kann nur ein Tierarzt oder ein Tierheim feststellen, dazu muss der Finder einen Fund-Hund selbst in eine Tierarzt-Praxis oder ein Tierheim bringen, nur dort gibt es Auslesegeräte für die Chips. Die örtliche Polizei erklärt sich meist für den Transport oder die Aufbewahrung solcher lebendiger Fundsachen nicht zuständig, verweist gerne bezüglich des Transports auf den örtlichen Tierschutz, mit viel Glück bekommt man einen Namen genannt, eine Telefon-Nummer eher selten.
Dummerweise finden sich Fundhunde gerne zu Uhrzeiten ein, wo das zuständige Tierheim nicht besetzt ist, die Ansage des Bandes verweist auf ein Notfall-Handy, das schon mal ins Leere klingelt. Das nächst weitere Tierheim nimmt die Angaben zwar entgegen, aber nicht den Hund - der Zuständigkeit wegen. Die umliegenden Polizei-Reviere von der Fundsache in Kenntnis zu setzen, ist zwar eine gute Idee, aber keine Garantie, dass die Information auch weitergegeben wird - eine Polizei-Leitstelle, die nichts weiß, kann dem anrufenden Halter auch nichts sagen.
Nur wenig besser sind die kleinen Plomben zum Aufdrehen, in die ein Zettel für den Notfall gelegt werden kann. Entweder ist das Unterteil der Plombe nebst Zettel bereits verloren gegangen und am Halsband baumelt das übrig gebliebene Oberteil nutzlos vor sich hin oder die Plombe ist intakt, im Gewinde hat sich aber Schmutz abgesetzt und ein einfaches Aufdrehen ist unmöglich. Jetzt sollte entweder die Plombe vom Halsband oder das Halsband vom Hund (nicht ganz risikolos, einem großen Fundhund ein Halsband über die Ohren zu streifen), um mit Werkzeug das Problem zu lösen - richtig Freude kommt auf, wenn der Zettel zur Belohnung durch Regen und Wasserplanschereien völlig unleserlich geworden.
Steuermarken sind übrigens auch nur wenig hilfreich - die öffnungszeiten der zuständigen Gemeinde meist begrenzt und das ganze steuerrechtlich- datenschützerisch nicht unproblematisch.

Stellen Sie sich einmal vor, es wäre der unbedarfte Finder Ihres Hundes, der beim Anruf beim örtlichen Polizeirevier folgende Auskunft erhält: "bringen Sie den Hund wieder da hin, wo Sie ihn gefunden haben, Hunde finden über Hunderte von Kilometern heim". Und stellen Sie sich dann vor, wie dieser unbedarfte Finder Ihren orientierungslosen Hund an die vielbefahrene Straße zurückbringt und seinem Schicksal überlässt - hätte sich da nicht der Weg zum Schlüsseldienst und die wenigen Euros für ein unverwüstliches Metall-Märkchen gelohnt?
(diese Auskunft bekam tatsächlich ein Hundefinder im Oktober 2004 von einem badischen Revier, hatte aber Sachverstand genug, um diesen Rat nicht zu befolgen - der Hund hätte einen Heimweg von rund 80 Kilometern gehabt, er war bei einem Besuch durch die Tür, die er sich selbst geöffnet hatte, entwichen)


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